Das Bekenntnis zur beispielgebenden sittlichen Tradition. Valerius Maximus, Facta et dicta memorabilia, 2, 1 und 4. 4 und 5.

Lat. Text und deutsche Übersetzung nach: Valerius Maximus. Facta et dicta memorabilia. Denkwürdige Taten und Worte. Lateinisch - Deutsch. Auswahl, Übersetzung, Erklärungen und Register von Ursula Sangmeister, Stuttgart 1991, S. 32 - 39 und 106 - 115.


 

Deutsche Übersetzung:

Aus Buch 2

Nachdem ich den Reichtum und die große Macht der Natur untersucht habe, will ich meinen Schreibgriffel nun den denkwürdigen alten Bräuchen unserer Stadt und denen fremder Völker zuwenden: man sollte nämlich erkennen, auf welchen Grundlagen unser glückliches Lehen, das wir unter dem besten der Kaiser verleben dürfen, beruht; so soll diese Rückschau auch für die heutigen Sitten und Gebräuche von einigem Nutzen sein.

Kap. 1. Alte Bräuche.

(1) Bei den Altvorderen wurde nicht nur im öffentlichen, sondern auch im privaten Bereich nichts unternommen, ohne vorher die Auspizien zu befragen. Aufgrund dieser Sitte nehmen auch heute noch Vogelschauer als Brautzeugen an den Eheschließungen teil; obwohl sie keine Auspizien mehr einholen, verrät doch schon ihr Name die Spuren der alten Gepflogenheit. ...

(3) Frauen, die sich mit nur einer Ehe zufriedengaben, wurden mit dem Kranz der Keuschheit geehrt: man war nämlich der Ansicht, daß vornehmlich die Frauen sich durch aufrichtige Treue und einen untadeligen Charakter auszeichneten, die es nicht über sich brachten, das Lager, auf dem sie ihre Juogfräulichkeit verloren hatten, zu verlassen; zudem sah man in dem Eingehen vieler Ehen das Indiz für eine gewissermaßen gesetzlich erlaubte Zügel-losigkeit.

(4) Bis 150 Jahre nach seiner Gründung gab es in Rom keine Ehescheidungen. Als erster aber verstieß Sp. Carvilius seine Frau, weil sie unfruchtbar war. Obgleich er offenbar einen verständlichen Grund hatte, kritisierte man dennoch seine Verhaltensweise, weil man meinte, daß nicht einmal der Wunsch nach Kindern wichtiger sein dürfe als eheliche Treue.

(5) ... Einst verzichteten die Römerinnen auf den Genuß von Wein, gewiß deshalb, um sich nicht zu irgend etwas Anstößigem hinreißen zu lassen; denn von [Gott] Liber, dem Vater der Unheherrschtheit, ist es gewöhnlich nur ein Schritt bis zu unerlaubter Liebe. Um aber ihrer Sittsamkeit das Bedrückende und Abstoßende zu nehmen und sie ohne Verletzung des Anstands gefälliger erscheinen zu lassen, schmückten sie sich unter Zustimmung der Ehemänner mit viel Gold und Purpur und färbten sich darüberhinaus ihre Haare sehr sorgfältig mit Asche rötlich, um dadurch ihr Aussehen attraktiver zu machen. Damals freilich mußte man keine Blicke möglicher Ehebrecher fürchten, sondern zollte sich gegenseitig Respekt und achtete auf beides: jemanden ohne Hintergedanken anzusehen und ohne Hintergedanken angeschaut zu werden.

(6) Immer wenn zwischen einem Mann und seiner Frau aber ein Streit ausbrach, begaben sie sich in das Tempelchen der Göttin Viriplaca, das sich auf dem Palatin befindet, legten dort nacheinander ihr Anliegen dar und kehrten, wenn ihre Auseinandersetzung beendet war, einträchtig nach Hause zurück. Angeblich hat die Göttin ihren Namen von der Funktion, die Männer zu versöhnen; als Wächterin über den täglichen häuslichen Frieden verdient sie Verehrung und vielleicht ganz besondere und erlesene Opfer, weil sie innerhalb der Ehe schon durch ihren Namen dem Ansehen der Männer die Ehre erwies, die ihnen von ihren Frauen geschuldet war.

(7) Eine solche Rücksichtnahme herrschte unter Eheleuten; aber gibt es sie nicht ebenso in sonstigen Verwandtschaftsbeziehungen? Denn um mit einem banalen Beispiel ihre sehr große Bedeutung zu unterstreichen: Eine Zeitlang badete weder der Vater mit seinem erwachsenen Sohn noch der Schwiegervater mit seinem Schwiegersohn. Es liegt also auf der Hand, daß auf Blutsbande und angeheiratete Verwandtschaft ebensoviel fromme Rücksicht genommen wurde wie auf die unsterblichen Götter selbst; denn man glaubte, sich zu entkleiden sei im Rahmen solch unverletzlicher Bande genauso sündhaft wie an irgendeinem geheiligten Ort. ...

(9) Die Jugend erwies dem Alter so reiche und hohe Ehre, wie wenn die Alteren die gemeinsamen Väter der jungen Leute wären. Desbalb geleiteten die jungen Männer am Sitzungstag des Senats jedenfalls immer einen Senator, einen Verwandten oder Freund des Vaters, zur Kurie und warteten so lange an den Türen, bis sie ihn auch pflichtgemäß wieder nach Hause bringen konnten. Durch dieses freiwillige Wachestehen stärkten sie Körper und Geist, um für die aktive Ausübung öffentlicher Aufgaben gerüstet zu sein, und durch die gesittete Vorbereitung auf ihre Tätigkeit wurden sie selbst zu Lehrern der Eigenschaften, die sich in Kürze im Licht der Öffentlichkeit bewähren sollten.

Wenn sie zum Essen geladen waren, erkundigten sie sich genau, wer bei dem Mahl noch zugegen sein werde, um sich nicht vor der Ankunft Älterer am Tisch niederzulassen; und wenn die Tafel aufgehoben war, ließen sie diese zuerst aufstehen und fortgehen. Daraus kann man klar entnehmen, wie bescheiden und wie wenig sie in Gegenwart von Älteren auch heim Essen zu reden pflegten.

(10) Bei den Gastmahlen sangen die Älteren, von Flötenmusik begleitet, die in Verse gegossenen Heldentaten der Vergangenheit, um der Jugend einen größeren Anreiz zu geben, diesen nachzueifern. Was ist herrlicher, was auch nützlicher als dieser Wettstreit? Die Jugend erwies dem grauen Haar die ihm zukommende Ehre, die ältere Generation geleitete die Jüngeren auf ihrem Weg ins aktive Leben, indem sie ihr Engagement unterstützte.

Welches Athen, welche Schule, welchen Studienaufenthalt im Ausland könnte ich dieser häuslichen Unterweisung vorziehen? Diesem Grund entstammten die Camiller, Scipionen, Fabrizier, Marceller und Fabier; und um nicht zu weitschweifig die Glanzlichter unseres Staates einzeln aufzuzählen, auf dieser Grundlage, das möchte ich betonen, erstrahlten auch die göttlichen Caesaren, des Himmels erlauchtester Teil.

Aus Buch 4, Kap. 3 Enthaltsamkeit und Selbstbeherrschung.

(6)... Fabricius Luscinus, der zu seinen Lebzeiten an Ehre und Ansehen bedeutender war als alle Bürger zusammen, stand dem Zensus nach ... gerade mit den Ärmsten auf einer Stufe. Er schickte 10000 Kupfermünzen, fünf Pfund Silber und zehn Sklaven, die ihm von den Samniten, die alle zu seiner Klientel gehörten, zugesandt worden waren, wieder nach Samnium zurück. Dank seiner Genügsamkeit war er überreich, ohne Geld zu besitzen, und von zahlreichen Begleitern umgeben, ohne doch irgendwelcher Sklaven zu bedürfen; denn zu einem wohlhabenden Mann machte ihn nicht die Tatsache, viel zu besitzen, sondern die, maßvolle Wünsche zu haben. Folglich war sein Haus zwar frei von Kupfer, Silber und samnitischen Sklaven, aber reich an Ruhm, den er sich durch die Ablehnung all dieser Dinge erworben hatte.

In Ubereinstimmung mit der Zurückweisung jener Gaben befanden sich Fabricius Wünsche. Er war [um 279 v. Chr.] als Gesandter zu Pyrrhos geschickt worden und hatte bei ihm gehört, wie der Thessaler Kineas erzählte, es gebe in Athen einen durch seine Weisheit berühmten Mann, der den Menschen den Rat erteile, nichts zu tun, außer was ihnen Lust bereite; er hielt diese Äußerung für eine Ungeheuerlichkeit und wünschte sofort, daß Pyrrhos und die Samniten [scil. die sich zu dieser Zeit im Krieg mit den Römern befanden] diese Art von [scil. selbstschädigender] Weisheit erwürben. Mag Athen sich seiner Gelehrsamkeit rühmen, ein kluger Mann wird wohl die Verwünschung des Fabricius Epikurs Lehren vorziehen. Dies zeigte auch die folgende Tatsache: die Stadt nämlich, die sich der Lust hingab, verlor ihr riesiges Reich, diejenige aber, die an der Anstrengung Gefallen fand, eroberte es; und jene war nicht in der Lage, ihre Freiheit zu schützen, während diese sie sogar zum Geschenk machen konnte. ...

(11) Weiter, wenn irgendein bedeutender Mann in unserem Jahrhundert Ziegenfelle als Decken benutzte, von drei Sklaven begleitet, Spanien regierte, mit 500 As in der Tasche eine überseeische Provinz bereiste und mit derselben Speise und demselben Wein wie die Matrosen zufrieden wäre, gälte der nicht als bedauernswert? Doch all dies ließ sich der ältere Cato ganz gelassen gefallen, weil ihm die Gewohnheit, genügsam zu sein, lieb gcworden war und er diese Lebensweise über die Maßen genoß. ...

Auswärtige Beispiele (4).

Alexander aber, der den Beinamen der Unbesiegbare bekommen hatte, konnte die Genügsamkeit des Kynikers Diogenes nicht besiegen. Er war zu ihm gekommen, als dieser gerade in der Sonne saß, und forderte ihn auf, ihm zu sagen, wenn er etwas für ihn tun könne. Diogenes, ein Mann, der zwar einen verächtlichen Namen trug, aber stark und edel war, erwiderte, während er gelassen auf einem Mauersvorsprung hockte: Dazu später; im Moment würde ich mir nur wünschen, daß du mir nicht vor der Sonne stehst.

Aus Buch 4, Kap. 4. Armut.

(4) ...Daß der größte Schmuck der Frauen ihre Kinder sind, finden wir so bei Pomponius Rufus in seinem Buch gesammelter ... [zu ergänzen etwa: 'Geschichten' oder 'Aussprüche'] : als der Cornelia, der Mutter der Gracchen, eine kampanische Frau, die bei ihr zu Besuch war, ihre Schmuckstücke - die schönsten jener Zeit - zeigte, unterhielt sich Cornelia so lange mit ihr, bis ihre Kinder aus der Schule nach Hause kamen, und sagte: "Dies ist mein Schmuck". Ohne Zweifel hat der alles, der nichts begehrt, und zwar um so sicherer als jemand, der alles besitzt, weil die Möglichkeit, über materielle Güter zu verfügen, vergänglich ist; ist man jedoch im Besitz der Weisheit, ist man gegenüber den Schlägen eines ungünstigen Schicksals unempfindlich. Welchen Sinn hat es daher, Reichtum als das größte Glück oder Armut als das größte Unglück zu betrachten, da doch das heitere Gesicht des Reichtums viel bitteren Kummer verbirgt und die Armut, äußerlich ziemlich abstoßend, beständige und sichere Vorteile in reichem Maße aufweist? Diese Tatsache wird sich an Hand von Personen besser nachweisen lassen als mit Worten.

(5) Die Männer, die vom Senat ausgesandt waren, um Atilius zu holen, damit er die Leitung des römischen Staates übernehme, trafen ihn bei nichts weiter als beim Säen an. Doch jene durch die bäuerliche Arbeit rauh gewordenen Hände stärkten das öffentliche Wohl, vernichteten riesige Truppenverhände der Feinde, und sie, die noch vor kurzem das Gespannpflügen der Ochsen gelenkt hatten, hielten die Zügel des Triumph-Wagens und schämten sich nicht, nach dem Niederlegen des elfenbeinernen Triumphstabes wieder zum Pflug zu greifen. Mittellose Menschen kann Atilius trösten, aber noch viel besser wohlhabende belehren, wie sehr es nämlich für jemanden, der sich nach bleibendem Ruhm sehnt, überflüssig ist, ängstlich darauf hedacht zu sein, Reichtum zu erwerben. ...

(9) ... Was in der Bürgerschaft zählte, war der Charakter der Männer und Frauen, und nach dessen Qualitäten wurden bei allen Angelegenheiten die Verdienste bemessen. Diese Eigenschaften brachten Kommandostellen ein, sie schufen neue verwandtschaftliche Beziehungen, sie hatten den größten Einfluß auf dem Forum ebenso wie in den eigenen vier Wänden: denn ein jeder strebte danach, die Position des Vaterlands, nicht seine eigene, zu stärken, und wollte lieber arm in einem wohlhabenden als wohlhabend in einem armen Reich leben. Ünd diesem so ausgezeichneten Prinzip wurde der Lohn zuteil, daß sich nichts von dem, was man der Tüchtigkeit verdankt, mit Geld kaufen ließ und daß der Not verdienstvoller Männer auf Staatskosten abgebolfen wurde. ...

(11)... Wir, die wir eine Geringfügigkeit unseres Wohlstands niemals klaglos ertragen zu können meinen, müssen folglich auf jene Beispiele zurückblicken und uns von ihnen trösten lassen. Wieso also schimpfen wir Tag und Nacht über bescheidene Besitzeerhältnisse, gerade so als seien sie das größte Übel der Menschheit? Sie nährten zwar nicht im Überfluß, doch verläßlieh die Publicolae, Aemilier, Fabrizier, Curier, Scipionen, Scaurer und vergleichbar verdiente Persönlichkeiten. Wir wollen uns lieber aufschwingen und uns, die wir vom Anblick des Geldes geschwächt sind, durch die Erinnerung an lang vergangene Zeiten stärken; denn bei Romulus Hörte, bei den niedrigen Dächern des alten Kapitols und bei dem ewigen Herdfeuer der Vesta, wo man sich auch heute noch mit irdenen Gefäßen zufrieden gibt, schwöre ich: Kein Reichtum kann der Armut solcher Männer vorgezogen werden.

Lateinischer Text:

Liber II

Dives et praepotens naturae regnum scrutatus iniciam stilum qua nostrae urbis qua exterarum gentium priscis ac memorabilibus institutis: opus est enim cognosci huiusce vitae, quam sub optimo principe felicem agimus, quaenam fuerint elementa, ut eorum quoque respectus aliquid praesentibus moribus prosit.

1. De institutis antiquis.

(1) Apud antiquos nun solum publice, sed etiam privatim nihil gerebatur nisi auspicio prius sumpto. Quo ex more nuptiis etiam nunc auspices interponuntur, qul, quamvis auspicia petere desierint, ipso tamen nomine veteris consuetudinis vestigia usurpantur....

(3) Quae uno contentae matrimonio fuerant corona pudicitiae honorabantur: existimabant enim eum praecipue matronae sincera fide incorruptum esse animum, qui depositae virginitatis cubile egredi nesciret, multorum matrimoniorum experientiam quasi legitimae cuiusdam intemperantiae signum esse credentes.

(4) Repudium inter uxorem et virum a condita urbe usque ad centesimum et quinquagesimum annum nullum intercessit. Primus autem Sp. Carvilius uxorem sterilitatis causa dimisit. Qui, quamquam tolerabili ratione motus videbatur, reprehensione tarnen non caruit, quia ne cupiditatem quidem liberorum coniugali fidei praeponi debuisse arbitrabantur.

(5) ... Vini usus olim Romanis feminis ignotus fuit, ne scilicet in aliquod dedecus prolaberentur, quia proximus a Libero patre intemperantiae gradus ad inconcessam venerem esse consuevit. Ceterurn ut non tristis earum et horrida pudicitia, sed honesto comitatis genere temperata esset indulgentibus namque maritis et auro abundanti et multa purpura usae sunt, quo formam suam concinniorem efficerent, summa eum diligentia capillos cinere rutilarunt: nulli enim tunc subsessorum alienorum matrimoniorum oculi metuebantur, sed pariter et videre sancte et aspici mutuo pudore custodiebatur.

(6) Quotiens vero inter virum et uxorem aliquid iurgi intercesserat, in saccellum deae Viriplacae, quod est in Palatio, veniebant et ibi invicem locuti quae voluerant contentione animorum deposita concordes revertebantur. Dea nomen hoc a placandis viris fertur adsecuta, veneranda quidem et nescio an praecipuis et exquisitis sacrificiis colenda utpote cotidianae ac domesticae pacis custos, in pari iugo caritatis ipsa sui appellatione virorum maiestati debitum a femmis reddens honorem.

(7) Huius modi inter coniuges verecundia: quid, inter ceteras necessitudines nonne apparet consentanea? Nam ut minimo indicio maximam vim eius significem, aliquandiu nec pater cum filio pubere nec socer cum genero lavabatur. Manifestum igitur est tantum religionis sanguini et adfinitati quantum ipsis dis inmortalibus tributum, quia inter ista tam sancta vincula non magis quam in aliquo sacrato loco nudare se fas esse credebatur. ...

(9) Senectuti iuventa ita cumulatum et circumspectum honorem reddebat, tamquam maiores natu adulescentium communes patres essent. Quocirca iuvenes senatus die utique aliquem ex patribus conscriptis aut propinquum aut paternum amicum ad curiam deducebant adfixique valvis expectabant, donec reducendi etiam officio fungerentur. Qua quidem voluntaria statione et corpora et animos ad publica officia inpigre sustinenda roborabant brevique processurarum in lucem virtutum suarum verecunda laboris meditatione ipsi doctores erant.

Invitati ad cenam diligenter quaerebant quinam ei convivio essent interfuturt, ne seniorum adventum discubitu praecurrerent, sublataque mensa priores consurgere et abire patiebantur. Ex quibus apparet cenae quoque tempore quam parco et quam modesto sermone bis praesentibus soliti sint uti.

(10) Maiores natu in convivlis ad tibias egregia superiorum opera carmine conprehensa pangebant, quo ad ea imitanda iuventutem alacriorem redderent. Quid hoc splendidius, quid etiam utilius certamine? Pubertas canis suum decus reddebat, defuncta cursu aetas ingredientes actuosam vitam fervoris nutrimentis prosequebatur. Quas Athenas, quam scholam, quae alienigena studia huic domesticae disciplinae praetulerim? Inde oriebantur Camilli, Scipiones, Fabricii, Marcclli, Fabii, ac ne singula imperii nostri lumina simul percurrendo sim longior, inde, inquam, caeli clarissima pars, divi fulserunt Caesares.

Liber IV, 3. De abstinentia et continentia.

(6) ... Fabricius Luscinus honoribus et auctoritate omni civitate temporibus suis maior, censu par unicuique peuperrimo, ... a Samnitibus, quos universos in clientela habebat, X milia aeris et V pondo argenti et decem servos sibi missos in Samnium remisit, continentiae suae beneficio sine pecunia praedives, sine usu familiae abunde comitatus, quia locupletem illum faciebat non multa possidere, sed modica desiderare. Ergo domus eius quemadmodum aere et argento et mancipiis Samnitium vacua, ita gloria ex iis parta referta fuit.

Consentanea repudiatis donis Fabricii vota extiterunt: legatus enim ad Pyrrum profectus, cum apud eum Cineam Thessalum narrantem audisset quendam Athenis esse clarum sapientia suadentem ne quid aliud homines quam voluptatis causa facere vellent, pro monstro eam vocem accepit continuoque Pyrro et Samnitibus istam sapientiam deprecatus est. Licet Athenae doctrina sua glorientur, vir tamen prudens Fabricii detestationem quam Epicuri maluerit praecepta. Quod eventus quoque indicavit: nam quae urbs voluptati plurimum tribuit, imperium maximum amisit, quae labore delectata est, occupavit, et illa libertatem tueri non valuit, haec etiam donare potuit. ...

(11) Age, si quis hoc saeculo vir inluster pellibus haedinis pro stragulis utatur tribusque servis comitatus Hispaniam regat et quingentorum assium sumptu transmarinam provinciam petat, eodem cibo eodemque vino quo nautae contentus sit, nonne miserabilis existimetur? Atqui ista patientissime superior Cato toleravit, quia illum grata frugalitatis consuetudo in hoc genere vitae cum summa dulcedine continebat. ...

(Ext. 4) Alexander vero cognomen invicti adsecutus continentiam Diogenis cynici vincere non potuit. Ad quem cum in sole sedentem accessisset hortareturque ut, si qua praestari sibi vellet, indicaret, quemadmodum erat in crepidine conlocatus, sordidae appellationis, sed robustae vir praestantiae 'Mox' inquit 'de ceteris, interim velim a sole mihi non obstes'. ...

Liber IV, 4. De paupertate.

(4) ... Maxima ornamenta esse matronis liberos, apud Pomponium Rufum collectorum libro [ ... lacuna] invenimus: Cornelia Gracchorum mater, cum Campana matrona apud illam hospita ornamenta sua pulcherrima illius saeculi ostenderet, traxit eam sermone, donec e schola redirent liberi, et 'haec' inquit ornamenta sunt mea.' Omnia nimirum habet qui nihil concupiscit, eo quidem certius [...] quam cuncta possidet, quia dominium rerum conlabi solet, bonae mentis usurpatio nullum tristioris fortunae recipit incursum. Itaque quorsum attinet aut divitias in prima felicitatis parte aut paupertatem in ultimo miseriarum statu ponere, cum et illarum frons hilaris multis intus amaritudinibus sit referta et huius horridior aspectus solidis et certis bonis abundet? Quod melius personis quam verbis repraesentabitur.

(5) Atilium autem, qui ad eum arcessendum a senatu missi erant ad imperium populi Romani suscipiendum, semen spargentem viderunt. Sed illae rustico opere adtritae manus salutem publicam stabilierunt, ingentes hostium copias pessum dederunt, quaeque modo arantium boum iugum rexerant, triumphalis currus habenas retinuerunt, nec fuit his rubori eburneo scipione deposito agrestem stivam aratri repetere. Potest pauperes consolari Atilius, sed multo magis docere locupletes quam non sit necessarla solidae laudis cupidini anxia divitiarum conparatio. ...

(9) ..... Animi virorum et feminarum vigebant in civitate, eorumque bonis dignitatis aestimatio cunctis in rebus ponderabatur. Haec imperia conciliabant, haec iungebant adfinitates, haec in foro, haec intra privatos parietes plurimum poterant: patriae enim rem unus quisque, non suam augere properabat pauperque in divite quam dives in paupere imperio versari malebat. Atque huic tam praeclaro proposito illa merces reddebatur, quod nihil eorum, quae virtuti debentur, emere pecunia licebat, inopiaeque inlustrium virorum publice succurrebatur. ...

(11) ...Haec igitur exempla respicere, his adquiescere solaciis debemus, qui parvulos census nostros numquam querellis vacuos esse sinimus. [...] Quid ergo modicam fortunam quasi praecipuum generis humani malum diurnis atque nocturnis conviciis laceramus, quae ut nun abundantibus, ita fidis uberibus Publicolas, Aemilios, Fabricios, Curios, Scipiones, Scauros hisque paria robora virtutis aluit. Exurgamus potius animis pecuniaeque aspectu debilitatos spiritus pristini temporis memoria recreemus: namque per Romuli casam perque veteris Capitolii humilia tecta et aeternos Vestae focos fictilibus etiam nunc vasis contentos iuro nullas divitias talium virorum paupertati posse praeferri.


Bearbeittung für das Internet: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)

LV Gizewski WS 2001/2002