Einheit in Christus und christliche Kardinaltugenden Glaube, Hoffnung, Liebe. Paulus, 1. Korintherbrief, 12, 13 - 13, 13.

Dt. Übersetzung nach: Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments mit Einleitungen zu jedem der biblischen Bücher und erklärenden Anmerkungen zu den Texten. In ungekürzter Fassung herausgegeben von T. Schwegler und A. Herzog (Große Familien-Bibel), Zürich 1974, S. 1654 f.- Zum besseren sachlichen Verständnis wurden einige Modifikationen am Übersetzungstext vorgenommen. D. Hg.


[Kap. 12]

12 Wie der Leib eine Einheit ist und viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber trotz ihrer Vielheit einen Leib bilden, so ist es auch bei Christus. 13 Denn in einem Geiste sind wir alle zu einem Leibe getauft worden, ob Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie. Wir sind alle mit einem Geiste getränkt; 14 denn auch der Leib besteht nicht aus emem Gliede, sondern aus vielen. 15 Wenn der Fuß sagte: Weil ich keine Hand bin, gehöre ich nicht zum Leibe, so gehört er deshalb doch zum Leibe. 16 Wenn das Ohr sagte: Weil ich kein Auge bin, gehöre ich nicht zum Leibe, so gehört es deshalb doch zum Leibe. 17 Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo bliebe das Gehör? Wäre er ganz Gehör, wo bliebe der Geruchssinn? 18 Nun aber hat Gott die Glieder dem Leibe eingefügt, jedes von ihnen, wie er wollte. 19 Wenn das Ganze nur ein Glied wäre, wo bliebe der Leib? 20 So sind zwar viele Glieder vorhanden, aber nur ein Leib. 21 Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich habe dich nicht nötig, oder wieder der Kopf zu den Füßen: 22 Ich habe euch nicht nötig. Ganz im Gegenteil: gerade die scheinbar schwächeren Glieder des Leibes sind in Wirklichkeit unersetzlich, und den Gliedern des Leibes, die im allgemeinen als weniger ehrenwert gelten, billigen wir doch in Wirklichkeit besondere Bedeutung zu, und den sogenannten unanständigen Gliedern sogar die allergrößte. 24 Unsere wohlanständigen haben das nicht nötig. Gott hat den Leib so zusammengefügt, daß er dem außerlich zurückgesetzten Gliede in Wirkichkeit besondere Ehre verlieh, 25 damit nicht Zwiespalt im Leibe entstehe, sondern die Glieder gleichmäßig füreinander sorgten. 26Wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied verherrlicht wird, freuen sich alle Glieder mit. 27 Ihr seid Christi Leib, einzeln seine Glieder.

28 Und so hat Gott die einen in der Kirche bestimmt zu Aposteln, die anderen zu Propheten, die dritten zu Lehrern. Ferner verteilt er Wunderkräfte, die Gabe der Heilung, die der Hilfeleistung, die der Führung, die, in verschiedenartigen Sprachen zu sprechen und auszulegen. 29 Können also alle Apostel sein? Oder alle Propheten? Oder alle Lehrer? Können alle Wunderkräfte besitzen? 30 Oder haben alle Heilungsgaben? Sind alle sprachbegabt ? 31 Können alle auslegen? Strebt nach den Gnadengaben!

Und nun will ich euch noch etwas ganz besonders Wichtiges auf euren Weg mitgeben.

[Kap. 13]

1Wenn ich mit Menschen-, ja mit Engelszungen redete, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.

2 Und wenn ich die Prophetengabe hätte und alle Geheimnisse wüßte und alle Erkenntnisse besäße und wenn ich allen Glauben hätte, so daß ich Berge versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich nichts.

3 Und wenn ich alle meine Habe zu Almosen machte und wenn ich meinen Leib zum Verbrennen hingäbe, hätte aber die Liebe nicht, so nützte es mir nichts.

4 Die Liebe ist langmütig, gütig ist die Liebe, sie ist nicht eifersüchtig, die Liebe prahlt nicht, sie ist nicht aufgeblasen. 5 Sie ist nicht rücksichtslos, sie sucht nicht ihren Vorteil, sie lässt sich nicht erbittern, sie trägt das Böse nicht nach.

6 Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern sie tritt vielmehr freudig an die Seite der Wahrheit.

7 Sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.

8 Die Liebe hört niemals auf. Prophetengaben verschwinden, Sprachengaben hören auf, Erkenntnis wird zunichte.

9 Denn Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser Prophezeien. 10 Tritt aber das Vollendete ein, dann wird das Stückwerk wertlos. 11 Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte ich wie ein Kind, urteilte ich wie ein Kind. Seit ich aber Mann bin, habe ich das Kindische abgelegt. 12 So ähnlich sehen wir jetzt wie durch einen Spiegel mancherlei, was uns rätselhaft bleibt, was wir aber später unmittelbar zu Gesichte bekommen werden. Jetzt erkenne ich nur stückweise, später aber werde ich genau erkennen, wie auch ich genau erkannt bin.

13 Gegenwärtig aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei. Am größten aber unter ihnen ist die Liebe.


LV Gizewski WS 2001/2002

Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)