Kap.2: Antike Traditionen in der Legitimation staatlicher Systeme.

 ÜBERSICHT.

1. Anschauungbeispiele der Legitimation staatlicher Systeme durch Rückgriff auf antike Muster.

2. Antike Legitimationselemente in neuzeitlichen Typen staatlicher Systeme Übersicht).

    a) Reiche in der Nachfolge des Imperium Romanum.
    b) Absolutistisch verfaßte Fürsten-Staaten .
    c) Aristokratische Stadt-Republiken.
    d) Stände-Konföderationen
    e) Herrschafts-Vikariate und Kolonialverwaltungen.
    f) Konstitionelle Republiken.
    g) Demokratische Republiken (i. S. eines parteilichen Volksbegriffs).
    h) Konstitutionelle Monarchien.
    i) Moderne Diktaturen.
    k) Moderne imperiale Systeme.
    l) Moderne internationale Gemeinschaften.

3. Literatur, Medien und Quellen.

1. Anschauungsbeispiele für die Legitimation staatlicher Systeme durch Rückgriff auf antike Muster.

a) Zusammenstellung der BILDBEISPIELE.

b) Einzelansicht und Erläuterung der Bilder:

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Abb. oberste Reihe links: Francois Rude (1784 - 1885), Auszug der Freiwilligen im Krieg Frankreichs gegen die Koalitionsmächte Österreich und Preußen (1792 - 1797), der auf französischer Seite als Krieg zur Revolutionierung des alten Europa, aufseiten der Koalitionsmächte zur Unterstützung bzw. zur Wiedereinführung der 1792 abgeschafften französischen Monarchie gegen die ihr revolutionär entgegentretenden republikanischen Kräfte geführt wurde. Das Relief befindet sich auf der Ostseite des Arc de Triomphe in Paris, der 1806 zu Ehren der kriegerischen Erfolge und inneren Reformen des 1804 zum Kaiser der Franzosen gekrönten Napoleon angelegt wurde. Dieses Bauwerk ahmt in seiner Gestaltung den Triumhbogen des ersten christlichen römischen Kaisers Konstantin in Rom nach, obschon in den vom Bildmotiv angesprochenen Jahren der französischen Revolution weder christliche noch monarchische Ideen in der offiziellen Gedankenwelt Frankreichs maßgeblich waren. Die Motive der Plastik u. a.: oben schwebend eine gefügelte Genie des nationalen Krieges zur Befreiuung aus der Sklaverei, u. a. kenntlich an der 'phrygischen Mütze' und einem dieser aufsitzenden 'gallischen Hahn' ['gallus' bedeutet im Lateinischen zugleich 'Gallier' und 'Hahn'; es handelt sich wohl um eine aus frühneuzeitlich-humanistischer Bildung stammende allegorische Gleichsetzung], darunter ausschreitend Bewaffnete mit gladiatorisch vielfältiger Bewaffnung, Gewandung und Gestik (also nicht eigentlich Soldaten). Das Relief wird in Frankreich üblicherweise auch 'Genius des Vaterlandes ' oder 'La Marseillaise' genannt. Photo entnommen aus: Marianne und Germania 1789 - 1889. Frankreich und Deutschland. Zwei Welten - Eine Revue. Katalog zur Ausstellung der Berliner FestspieleGmbH im Martin-Gropius-Bau, Sept. 1996 - Jan. 1997, hg. von Marie Louise von Plessen, Berlin 1996, S. 44 f.

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Abb. oberste Reihe rechts: Triumphbogen zu Ehren des römischen Kaisers Konstantin, errrichtet etwa i. J. 324 n. Chr. Konstantin wurde nach dem Tode seines Vaters, des Augustus für den westlichen Reichsteil Constantius Chlorus, ohne Abstimmung mit den anderen Kaisern des Reiches von den britannischen Legionen zum Nachfolger seines Vaters ausgerufen. Maxentius, einen dezidierten Christenverfolger, der ebenfalls die Augustus-Würde des Westens für sich beanspruchte, schlug Constantin in der Schlacht an der Milvischen Brücke i. J. 312, aber wohl auch durch eine Parteinahme für die bis dahin verfolgten Christen in Italien aus dem Felde. Konstantins Konversion zum Christentum wird auf die genannte Schlacht und einen Eid, den er für den Fall eines Sieges geleistet haben soll (Lactantius, De mortibus persecutorum, 44), zurückgeführt. Mit einem anderen Prätendenten auf die Kaiserwürde im Westem, Licinius, einigte er sich i. J. 312 darauf, daß dieser die Augustus-Würde des Ostens, er selbst die des Westens innehaben solle. Die dann folgenden langjährigen Konflikte zwischen Licinius und Konstantin wurden erst 324 mit der Schlacht bei Chrysopolis zugunsten einer Alleinherrschaft Konstantins entschieden. Kurz danach begann in Rom ein repräsentatives Bauprogramm (Konstantinsbasilika, Konstantinsthermen), zu dem auch eine Ehrung Konstantins für den errungenen Sieg über den 'Tyrannen' Licinius in einem Triumphbogen gehörte. Obschon der Arc de Triomphe in Paris eine Anzahl recht unterschiedlicher Antikenbezüge aufweist, so hat doch sein innerer Bezug auf den Triumphbogen des Konstantin wohl nicht nur formal-antikisierenden Charakter, sondern auch ein besonderes inhaltliches Gewicht. Photo entnommen aus: Heinz Kähler, Rom und sein Imperium. Reihe 'Kunst der Welt. Ihre geschichtlichen, soziologischen und religiösen Grundlagen, (1966), Baden-Bden 1979 3 , S. 179.

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Abb. mittlere Reihe links: Frederic Auguste Bartoldi 81834 - 1904), Modell der Freiheitsstatue (1876). Das Modell ging erfolgreich aus einem Wettbewerb für den Entwurf einer im Hafen von New York anläßlich des 100sten Gründungsjahres der USA aufzustellenden Freiheitsstatue hervor. Es wurde in Paris angefertigt, jedoch erst 1886 auf Bedloe's Island in der Mündung des Hudson River aufgebaut und eingeweiht. Die Metaphorisierung der verfassungsmäßig verbürgten, in die Welt ausstrahlenden und hoheitsvollen Freiheitsidee als weiblicher Genie, ihre antikische Gewandung, Strahlenkrone, Fackel und Buchrolle sind Bezüge auf antike Vorlagen recht verschiedener Art (Strahlenkrone auf Münzbildnissen römischer Kaiser; Fackel des Prometheus, der den Göttern das Feuer stiehlt; Buchattribut bei der Darstellung der Musen Kalliope und Klio). Hauptbezug scheint aber das z. Zt des klassischen Athen von Perikles auf der Akropolis aufgestellte, weithin über das Meer sichtbare Erzstandbild der Athene zu sein. Photo entnommen aus: Marianne und Germania 1789 - 1889. Frankreich und Deutschland. Zwei Welten - Eine Revue. Katalog zur Ausstellung der Berliner Festspiele GmbH im Martin-Gropius-Bau, Sept. 1996 - Jan. 1997, hg. von Marie Louise von Plessen, Berlin 1996, S. 468 f.

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Abb. mittlere Reihe rechts: Kleines Kultbild der Athena Promachos, vermutlich Nachbildung der großen, im Rahmen der zwischen 442 v. Chr. und dem Beginn des Peloponnesischen Krieges stattfindenden baulichen Neugestaltung der Akropolis aufgestellten ca. 17 m hohen, vor dem Parthenon frei stehenden Erz-Statue der Athena Promachos (nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls berühmten Kultbild der Athena im Inneren des Parthenon). Der Ausbau der Akropolis fällt in eine Zeit außenpolitischer und kriegerischer Erfolge Athens, der Stabilisierung des attischen Seebundes, des wachsenden Reichtums der Stadt und der Ausweitung der politischen Mitbestimmungsrechte auf größere Bürgerkreise ('attische Demokratie'), aber auch der immer stärker hervortretenden Interessenkonflikte mit Sparta und anderen durch eine Hegemonialpolitik Athens eingeengten griechischen Staaten, die schließlich im Jahre 432 zum peloponnesischen Krieg führt. Mit dessen Beginn wird die repräsentative Bautätigkeit auf der Akropolis eingestellt. Athena ist als Promachos Göttin der stadtstaatlichen (politischen) Ordnung, die sie nach innen stiftet (Gerichtsbarkeit des Areopag) und nach außen verteidigt; letzteres kommt in ihren Attributen Aegis-Schild, Helm und Speer (auf dem kleinen Kultbild teilweise nicht mehr vorhanden) zum Ausdruck. Als dem Haupte des Zeus entsprungene und jungfräuliche Göttin (Parthenos) ist sie gewissermaßen ein verselbständigter Teil des All-Lenkers Zeus und stellt so eine Verbindung zwischen kosmischer und menschlich-politischer Ordnung her. Wegen ihrer engen Verbindung mit der Stadt Athen - auf die sich ihr göttliches Wirken allerdings nicht beschränkt - und seinem nicht nur glücklichen Schicksal und nicht nur vorbildhaften politischen Verhalten, eignet sich Athene nicht direkt für Rückgriffe einer Antikenrezeption neuzeitlicher republikanischer Systeme, wenn auch durchaus in einigen Elementen ihrer 'politisch-theologischen Grundidee'. Dies führt wohl auch zu der Verbindung sehr verschiedenartiger Rezeptions-Elemente in der New Yorker Freiheitsstatue. Photo entnommen aus: John Pinsent, Griechische Mythologie, München 1969, S. 62.

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Abb. untere Reihe links: Lorenz Clasen, Germania auf der Wacht am Rhein, 1860. Krefeld, Kaiser-Wilhelm-Museum Krefeld. Seit der Wiederentdeckung des taciteischen Textes der 'Germania' im Kloster Hersfeld Mitte des 15. Jhts. entfaltete dieser in Deutschland eine erhebliche politisch-ideengeschichtliche Wirkung, indem er von Anfang an - schon im 15. und 16. Jht. - bei verschiedenen Autoren, so etwa Conrad Celtis, Heinrich Bebel, Jakob Wimpfeling oder Ulrich von Hutten - allein oder in Verbindung mit anderen Überlieferungen über die antike Germania in römischen Quellen - einem sich bildenden deutschen Nationalbewußtsein als historischer Grundlagentext diente. Die Allegorie einer mit Schwert, Schild und evtl. weiterer Rüstung ausgestatteten Germania ist allerdings eine ähnliche Neusynthese antiker Elemente, wie sie bei der New Yorker Freiheitsstatue oder bei der französischen 'Marsellaise' (s. o.) vorliegt. Auch hier darf man eine zumindest indirekte Vorbildwirkung der antiken Athene, eine direktere allerdimgs der französischen 'Marseillaise' annehmen. Wesentlich für die Germania-Figur ist ferner seit der Zeit der Befreiungskriege ihre Frontstellung nach Westen, ihre 'Wacht am Rhein'. Die Rheingrenze ermöglicht eine vereinfachende Identifikation Frankreichs mit dem römischen Reich. Bemerkenswert ist allerdings, daß 'Germania' dennoch antikisierend auftritt und sogar einen lateinischen, nicht etwa einen germanischsprachigen Namen trägt. 'Germania' war in späteren Zeiten sogar als neuer Name für eine Haupstadt des großdeutschen Reiches anstelle 'Berlins' vorgesehen. Photo entnommen aus: Marianne und Germania 1789 - 1889. Frankreich und Deutschland. Zwei Welten - Eine Revue. Katalog zur Ausstellung der Berliner FestspieleGmbH im Martin-Gropius-Bau, Sept. 1996 - Jan. 1997, hg. von Marie Louise von Plessen, Berlin 1996, S. 39.

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Abb. untere Reihe rechts: Germania-Statue an dem i. J. 145 n. Chr. für den verstorbenen Kaiser Hadrian von seinem Nachfolger Antoninus Pius geweihten Tempel, darstellend eine Allegorie des römisch-provinzialisierten Germanien, also nicht der von Tacitus so genannten 'Germania libera' rechts des Rheins. Die in der griechischen und der römischen Antike übliche Allegorisierung von Landschaften, Provinzen und Städten vornehmlich, wenn nicht generell, in Frauenfiguren dürfte damit zusammenhängen, daß dabei der Gedanke an die Erde als 'materia' (Mutterstoff'), d. h. ihre Fruchtbarkeit und ihren Ertrag, im weiteren Sinne an die Einkünfte und den Nutzen eines Territoriums, im Vordergrund stehen. Über die 'Germania libera', insbesondere das wilde und kämpferische Wesen der der Rheingrenze benachbarten Germanenstämme, hatten die Römer dieser Zeit aber ebenfalls klare Vorstellungen, die sie auch einem einheitlich gefaßten Völkerkomplex 'Germania' zuordneten, wie die 'Germania' des Tacitus beweist (vgl. 27: "haec in commune de omnium Germanorum origine ac moribus accepimus"). Photo entnommen aus: Herwig Wolfram, Das Reich und die Germanen. Zwischen Antike und Mittelalter, Berlin 1990, S. 69

2. Antike Legitimationselemente in neuzeitlichen Typen staatlicher Systeme (Übersicht).

Um den Einfluß antiker Muster auf die tragenden Ideen unterschiedlicher politischer Systeme systematisch zu erfassen, muß man die historischen Erscheinungen nebeneinanderstellen und in ihren tragenden Elementen miteinander vergleichen. Im folgenden wird nach jeweils kurzer Kommentierung der in diesem Zusammenhang wesentlichen Aspkete auf Lesetexte, Schaubilder und Landkarten verwiesen, die den Charakter bestimmter Typen politischer Ordnung, die sich in der Neuzeitgeschichte feststellen lassen, übersichtlich veranschaulichen sollen. In sämtlichen Typen spielen antike Muster als Legitimationselemente an jeweils zentraler Stelle eine wichtige Rolle.

Für die im folgenden verwendeten Begriffe ist eine andere Terminologie und Zielrichtung in neuzeithistorischen oder politologischen Forschungs- und Darstellungszusammenhängen denkbar und öfters üblich. Doch macht eine rezeptionsgeschichtlich-althistorische Erörterung dieses Gesamtthemas andere Begriffsbildungen, welche typische Formen der Traditionsbindung und Rezeption antiker politisch-ideeller Muster in typischen Formen neuzeitlicher Staatlichkeit im Blick haben, sinnvoll. Die sachliche Berechtigung, Vertretbarkeit oder Diskussionswürdigkeit anderer Begrifflichkeit unter anderen Perspektiven historischen Interesses ist durch den hier stattfindenden Begriffsgebrauch nicht prinzipiell in Frage gestellt.

a) Reiche in der Nachfolge des Imperium Romanum (Das alte deutsche Reich).
 
Die wenigstens partielle Anknüpfung mittelalterlicher Herschaftssysteme in Europa an spätantike, römisch-kaiserliche Reichstraditionen ist eine naheliegende und von den neuen germanischen und slawischen Reichsbildungen des Frühmittelalters auf vormals römischem Reichsgebiet durchgängig praktizierte Form der Legitimation ihrer Herrschaftsgewalt sowohl gegenüber den vormals römischen als auch auf Dauer gegenüber den vormals 'barbarischen' Untertanen. Dabei stehen vor allem die Kontinuität des Rechts, bestimmter Verwaltungsstrukturen der jeweiligen Teritorien und die Schutzaufgabe der Herrscher für die christliche Kirche im Vordergrund. Erst später kommt es auch zu dem Versuch, eine grundsätzliche Kontinuität zwischen dem ganzen antiken römischen Kaiserreich und einem Nachfolge-Reich zu konstruieren, so etwa in der Kaiserkrönung Karls des Großen i. J. 800 und in dem seit der ottonischen Dynastie von den Deutschen Königen vertretenen Abspruch auf die römische Kaiserwürde. Auch der nach der türkischen Eroberung Konstantinopels im Jahre 1453 vom Moskauer Großfürsten - im Interesse eines Schutzes der orthodoxen Christenheit - angenommene Zarentitel macht eine solche Kontinuitätsbehauptung deutlich. Die Behauptung einer Kontinuität ist sicherlich nicht dasselbe wie die jeweilige Verfassungsrealität, wie sich ja generell politische Ideen mit politischen Realitäten nicht decken müssen und weithin zu decken pflegen. Doch ist die ideelle Identifikation mit einem antiken Muster deshalb nicht bedeutungslos, sondern entfaltet etwa erhebliche politische Bindewirkungen oder begründet politische Vorrangansprüche. In Deutschland bleibt sie bis zum Ende des Alten Reiches im Jahre 1806 ein wesentliches Elemenet des Selbstverständnisses des Kaisertums, das vom Hause Habsburg und in seinen Territorien vertreten wird und auch von den das Kaisertum unterstützenden Kräften im Reichsverband, so etwa oft den katholischen weltlichen und geistlichen Reichsständen. - Das über den folgenden Querverweis aufrufbare Schema der Verfassung des Heiligen Römischen Reiches Deutsche Nation noch des 17. Jahrhunderts läßt - ungeachtet aller Form- und Funktionsveränderungen - ihre vielfältigen Rückgriffe auf antike Formen der kaiserlichen Verwaltung und des römischen Rechts deutlich werden, die selbst in dieser Zeit noch wirksam sind, z. B. im 'Geheimen kaiserlichen Rat', im 'Hofgericht', im Kanzleiwesen und Kanzleramt, in der Kollegialstrukur von Staatsorganenen, im Titelwesen, in Begriffen und Instituten wie 'Libertät', 'Stand', 'Kammer', 'Region'. - Andrerseits machen Ausführungen des - protetstantischen - Rechts- und Staatsgelehrten Samuel Pufendorf über die Realität der politischen Verhältnisse Im Deutschen Reiche seiner Zeit deutlich, daß die Legitimationsidee einer 'translatio imperii' - wie schon im Mittelalter, so erst recht in der Neuzeit - an der tonangebenden und die Institutionen verändernden Eigendynamik der politischen Mächte innerhalb dieses Reichsverbandes nichts ändert, sondern nur in deren Dienst genommen wird, soweit sie sich dafür eignet.
 
 Die Verfassungsstruktur des Reiches und die Staatsverwaltung in Österreich. Schema. Entnommen aus: Der Große Ploetz. Auszug aus der Geschichte. Begründet von Karl Julius Ploetz, bearbeitet von 69 Fachwissenschaftlern, hg. vom Verlag Ploetz, Freiburg, Würzburg 1988 30 , S. 662.
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  Tranlatio Imperii als Legitimationsidee des alten Reiches und die Verfassungsrealität des 17. Jhts. Auszüge aus Samuel Pufendorf, De statu Imperii Germanici (1. Kap., §§ 12 - 15, und 7. Kap., §§ 9 und 10). Entnommen aus: Samuel Pufendorf, Die Verfassung des Deutschen Reiches. Übersetzung, Anmerkungen und Nachwort von Horst Denzer, Stuttgart 1976, S. 22 ff. und 121 ff.
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b) Absolutistisch verfaßte Fürsten-Staaten.
 
Im Rahmen der frühneuzeitlichen Entwicklung europäischer Staatlichkeit tritt - etwa bei Jean Bodin - das Konzept einer 'Souveränität' als Legitimationsidee für die Konstruktion einer widerspruchslos einheitlich verfaßten und angeleiteten Staatsgewalt gegenüber anderen legitimierenden Bezügen auf antike politische Muster stark in den Vordergrund. Auch das 'Souveränitäts'-Konzept greift auf die Antike zurück, und zwar primär auf die politisch-rechtliche Formel von der 'Befreiung des Kaisers von den Gesetzen' (siehe dazu die  'Lex de imperio Vespasiani' - FIRA I, 154 ff.: LexImpV.GIF ), die seit Beginn der römischen Prinzipatszeit ein wesentliches Element der besonderen Schwerpunktstellung des Kaisers im römischen Staatsaufbau ist. Die Betonung der widerspruchslos-einheitlichen politischen Willensbildung als Maxime unterstützt in starkem Maße monarchische Formen in den früheren neuzeitlichen Staatengeschichte ('Absolutismus'), ist jedoch keineswegs auf diese beschränkt. So trägt denn auch das maßgebliche Werk Jean Bodins den Titel 'Six livres de la republique'. Späterhin läßt sich das Souveränitäts-Konzept deshalb prinzipiell problemlos auch auf gewaltenteilig, föderal und/oder demokratisch verfaßte Republiken übertragen, sofern nur in ihrem Verfassungsaufbau nicht Kompetenzunordnung und unregulierbares Parteienwesen herrschen , sondern das Prinzip einer widerspruchslos-einheitlichen Staatsgewalt realisiert ist. Allerdings beherrscht die 'absolutistischen' Form der 'Fürsten-Staaten' die europäische Staatenlandschaft des 17. und 18. Jahrhunderts; die meisten und die einflußreichsten Staaten sind damals so verfaßt. - Die Ausführungen Friedrichs II. des Großen von Preußen zu "Regierungsformen und Herrscherpflichten", auf die im folgenden verwiesen wird, lassen wichtige Bezüge seines absolutistischen Herrscherkonzepts einerseits zum römisch-kaiserzeitlichem 'ius publicum' und andrerseits zu antiker 'Herrscherethik' erkennen, wie wir sie etwa in den 'Selbstbetrachtungen' des Kaisers Mark Aurel vorfinden. Sieht man in Friedrichs Ausführungen eine späterhin oft als 'preußisch' bezeichnete Manifestation eines bestimmten Typus der auf die Obrigkeit bauenden Staatsethik, so kann man mit demselben Recht sagen, daß es sich um eine stark 'römisch' geprägte handele. - Die praktisch-politischen Auswirkungen des Souveränitätskonzepts in einem absolutistisch konstruierten Staate zeigen sich exemplarisch an dem Verfassungsschema noch des Königreichs Preußen im 18. Jht.; in diesem sind weitere Bezüge auf antike Muster erkennbar (z. B. in Provinzialordnung, Kriegs- und Domänenverwaltung oder Ratskonstruktion der Regierung des souveränen Königs).
 
 Der erste Diener des Staates - das Selbstverständnis eines absolutistischen Herrschers. Friedrich II. der Große von Preußen, Regierungsformen und Herrscherpflichten (1777). Auszug. Entnommen aus: Helmut Neuhaus (Hg.), Zeitalter des Absolutismus, Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung, Bd. 5, Stuttgart 1997, S. 231 ff.
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 Die Staatsverwaltung in Brandenburg-Preußen im 17./18. Jht. Schema. Entnommen aus: Der Große Ploetz. Auszug aus der Geschichte. Begründet von Karl Julius Ploetz, bearbeitet von 69 Fachwissenschaftlern, hg. vom Verlag Ploetz, Freiburg, Würzburg 1988 30 , S. 660.
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c) Aristokratische Stadt-Republiken.

Die seit dem 11. Jht. in Oberitalien in Auseinandersetzung mit bischöflichen Stadtherren und deutschem König stattfindende Reorganisation und Fortentwicklung städtischer Selbstverwaltung und die dann allmählich eintretende faktische oder - wie im Falle Venedigs - auch rechtliche politische Selbstbestimmung der dortigen städtischen Kommunen greift vielfach auf Muster der alten römischen Stadtrepublik zurück - wie Konsulat, Senat (Rat), Magistrat, Volksversammlung, plebejische Koniuration (Schwurgenossenschaften der Bürger). Zugleich führt sie Ordnungsmuster der spätantiken Provinzialverfassung und Städteordnung des 'civitates' weiter - wie das Amt des 'Dogen' (dux) in Venedig oder des 'podesta' (potestas) in anderen Städten; auch Begriff wie 'commune' (res communis > civitas) und 'contado' (comitatus) enstammen der Spätantike, in der die Städte eine in einigen Angelegenheiten sich selbst verwaltende untere Ebene im staatlichen Aufbau darstellen. Im Rahmen einer 'Rezeption des römischen Rechts', die im 12. Jht. von der Universität Bologna ausgeht, erfährt auch das geltende städtische Recht eine Reintertpretatio nach dem Muster der spätantiken Rechtskodizes. Soweit sich in den Städten und ihrem Umland im Laufe der weiteren Entwicklung nicht monokratische Formen der Stadtherrschaft nach dem Muster römischer Statthalterschaft (praesides, rectores, potestas) durchsetzen wie in Mailand oder Florenz, behauptet sich in ihnen eine stadtaristokratisches Ordnung, die von den reichen einheimischen Kaufmannsfamilien getragen wird wie in Florenz, Genua oder Venedig. Genua und Venedig sind auch Seefahrtsstädte, die einen großen transmarinen Landbesitz neben einem solchen in Italien beherrschen - auch in dieser Hinsicht das Vorbild der antiken Stadtrepublik Rom nachahmend. Im 18. Jht sind zwar die meisten italienischen Stadtstaaten des Mittelaters und der älteren Neuzeit in absolutistische Fürstenstaaten transformiert oder integriert worden. In seiner traditionellen Form geblieben ist nur das in seinem politischen Gewicht zu dieser Zeit zwar reduzierte, aber dennoch beachtliche Venedig als aristokratische Stadtrepublik bis zur Eingliederung in den napoleonischen Herrschaftsbereich . Analoge - und ebenfalls durch die römische Rechtsrezeption mitgeprägte Phänomene zu denen in Italien gibt es auch im deutschen Bereich, so etwa in den ihre Freiheit und ihre Traditionen patrizischen Bürgertums unterstreichenden Reichsstädten wie Nürnberg, Ulm, Frankfurt, Aachen, Bremen, Hamburg oder Lübeck. - Das nachfolgend zugängliche Schaubild zeigt den erheblichen Territorialbesitz etwa der Republiken Genua oder Venedig noch im 16. und 17. Jht. - trotz des zu dieser Zeit eintretenden Verlustes eines erheblichen Teils transmariner Besitzungen an das Osmanische Reich. - Der lateinische Text ist eine Abhandlung des Bologneser Juristen Johannes de Viterbo (13. Jhts.) über Stadtregiment und Bürgerschaft, welche einschlägige 'leges' des Codex und der Digesten Justinians anwendungsbezogen interpretiert. Alle bis in die neuere Neuzeitgeschichte hinein und über Italien hinaus wirksamen Elemente einer stadtrepublikanischen Ordnung alten Typs werden darin - wohlgemerkt: im Gewande des rezipierten römischen Rechts - schon damals angesprochen.

 Italien im 16. und 17. Jht. Kartenbild (Auszug). Entnommen aus: Großer Historischer Weltatlas, hg. vom Bayrischen Schulbuchverlag, Redaktion Josef Engel, Bd. 3: Neuzeit, München 1967 3 , S. 118.
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 Die römisch-rechtliche Interpretation gegenwärtiger Stadtrechte. Johannes von Viterbo, De regimine civitatum (13. Jht.; Auszug). Entnommen aus: Scripta Anecdota Glossatorum, hg. von G. B. Palmieri u. a., Bologna 1901, Bd. 3, S. 218 f.
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d) Stände-Konföderationen.

Unabhängigkeitsbestrebungen einheimischer Landstände bestimmter Territorien gegenüber fremden Landesherrschaftsansprüchen führen im Falle sowohl der Schweiz als auch der Niederlande dazu, daß das einigende Band einer Landesherrschaft, unter der verschiedene Territorien vereint waren, wegfällt und durch andere - bundesförmige und landesherrschaftslose - Konstruktionen ersetzt wird. Dabei wird sowohl in der Schweiz (Bildungsphase 1291 - 1648) als auch in den Niederlanden (Bildungsphase 1559 - 1648) zur Begründung der neuen Ordnung auch auf antike Muster eines 'Bundes' zurückgegriffen - etwa das des griechischen 'koinon', das durch mehrere prinzipiell selbständig bleibende Stämme und Stadtstaaten gebildet wird, aber sie zu einer gemeinsamen 'oberstaatlichen' Organisation zusammenzufassenpflegt (wie z. B. der 'Achäische Bund'; der römische Begriff 'foedus' meint nicht ganz dasselbe; dagegen eher der Terminus 'foederatio' und mehr noch der Begriff 'confoederatio'). Die jeweils entstehende Bundesstaatlichkeit kommt prinzipiell ohne Monarchen aus, ist aber nicht dem Typus einer alten Stadtrepublik oder dem einer modernen konstitutionellen oder gar einer demokratischen Republik zuzuorden. Die politische Willensbildung erfolgt vielmehr im Wege der stark traditionsgebundenen ständischen Repräsentation - bis zu den konstitutionellen Reformen seit der Französischen Revolution 1789 . Die beiden Bünde beanspruchen Souveränität, nachdem sich diese Form des Staatsverständnisses allgemein durchgesetzt hat. Die Niederlande nehmen als souveräne Konföderation darüber hinaus auch völkerrechtliche Besitz- und Herrschaftsrecht über fremde Territorien wahr. - Der erste nachfolgende Querverweis läßt den bundesstaatlichen Aufbau der Niederlande und die ständische Repräsentation - und damit den Rückgriff auf antike Muster des 'Bundes' und der 'Aristokratie' - erkennen. - Der Zweite Verweis macht deutlich, daß es sich um einen Flächenstaat mit verschiedenen territorialen Komponenten und entsprechenden politischen Traditionen - also notwendigerweise nicht um eine Stadtrepublik alten Typs - handelt.

Die Verfassung der Vereinigten Niederlande im 17. Jht. Schema. Entnommen aus:Der Große Ploetz. Auszug aus der Geschichte. Begründet von Karl Julius Ploetz, bearbeitet von 69 Fachwissenschaftlern, hg. vom Verlag Ploetz, Freiburg, Würzburg 1988 30 , S. 703.  GenStat.GIF
Der Freiheitskampf der Niederlande 1559 - 1648 . Entnommen aus: Putzger. Historischer Weltatlas. Hg. von W. Leisering unter Mitarbeit einer Vielzahl von Wissenschaftlern. Cornelsen-Verlag, Berlin 1991 101, S. 76.  NlUnabh.GIF
 

e) Herrschafts-Vikariate und Kolonialverwaltungen. 

Die durch die Seefahrer- und Land-Entdeckungen seit 15. und 16. Jhts. entstehenden neuen Möglichkeiten der völkerrechtlichen Okkupation und Annexion von Handelsplätzen und größeren für die Besiedlung geeigneten Territorien werden in einer steten Folge friedlicher und kriegerischer Zugriffsakte aller geographisch dazu disponierten europäischen Staaten genutzt. Dabei wird zur Begründung einer Herrschaft gleichermaßen zurückgegriffen auf Figuren eines römischen 'ius gentium' oder Prozeßrechts (occupatio, acquisitio, mandatum, dominium, bellum iustum - adiudicatio), auf einen christlichen Missionsauftrag und auf antike Formen eines Barbarenbegriffs, wie er etwa von Aristoteles formuliert wird (pol. 1252 b: Barbaren als ihrem Wesen nach fremder Regierung bedürftig. "Ja mit Recht sind den Griechen die Barbaren untertan"). In der Organisation der neuerworbenen Gebiete spielen Muster römischer Koloniegründung und Provinzialverwaltung eine maßgebliche Rolle; zentral sind dabei die Begriffe 'Kolonie' (colonia) - als Inbegriff eines dem gründenden Staat eng verbundenen, neu in Besitz genommenen Siedlungsgebietes - und des 'Vikariats' - als einer Vollmacht zur Ausübung der vollen Staatsgewalt für einen monarchischen Herrschaftsinhaber in einem definierten Territorium; hier liegt das Muster des bevollmächtigten römischen Provinzialverwalters ('proconsul', 'praeses', 'rector provinciae', bei den spätantiken Diözesen 'vicarius') zugrunde. - In der Enstehung des spanischen Kolonialreiches in Amerika, wie sie der folgende Verweis in einer Übersicht verdeutlicht, läßt sich eine derartige Wirkung antiker Muster gut belegen - nicht nur in den zentralen Begriffen, sondern auch in Organisations-Instituten wie der 'audiencia' (audientia), den 'municipio'-Städten (municipium), dem Amt eines 'corregidor' (corrector) oder in der Trennung von Militär- und Zivilverwaltung.

 Die Bildung von Kolonien nach der Entdeckung neuer Erdteile und Seerouten.Der atlantische Raum und der indische Raum im 17. Jht.Kartenbild. Entnommen aus: Der Große Atlas der Weltgeschichte. Hg. von Hans-Erich Stier u. a., Westermann-Schulbuchverlag Braunschweig, Sonderausgabe 1990, S. 111.
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 Das alte spanische Kolonialreich in Amerika. Datenübersicht über seine Anfänge und den ursprünglichen Aufbau seiner Kolonialverwaltung.Textauszug entnommen aus: Ploetz. Große Illustrierte Weltgeschichte in 8 Bänden, hg. vom Verlag Ploetz unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter (Baumhögger, Eisleb, Haberland u. v. a), Bd. 6: Die außereuropäische Welt bis 1945, S. 226 - 228 (Pietzschmann).
 SpanKol.htm 

f) Konstitutionelle Republiken. 

Im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gegen den englischen König entsteht entsprechend den Interessen der nach Unabhängigkeit strebenden Kolonien die Notwendigkeit, eine politische Separation vom Mutterland zu vollziehen und dabei ein neues Gemeinwesen zu konstruieren, das monarchielos sein, verschiedene koloniale Territorien zusammenfassen, eine geeignete Form der Repräsentation des staatstragenden Volkes haben und vor Formen der Fehlentwicklung durch übermäßige Machtkonzentrationen im Staatsaufbau kontrollierbar gesichert sein soll. Bei der Bewältigung dieser Konstruktionsprobleme greifen die politischen Gründer des neuen Staates in vielfältiger Weise auf antike Muster zurück. Wie bei den Niederlanden, so steht auch bei den 'Vereinigten Staaten' das politische Konzept eines antiken 'koinon' Pate, um Monarchielosigkeit mit Bundessstaatlichkeit zu verbinden. Die Konzeption einer 'Gewaltenteilung' greift über Monterquieu auf das römisch-republikanische Konzept einer 'Mischverfassung' zurück, wie sie Polybios im 6. Buch der Historien beschreibt (Verbindung monarchischer, aristokratischer und demokratischer Elemente). Das 'Volk' der Vereinigten Staaten erinnert insoweit an den römischen 'populus', als dieser ein Fundament der 'res publica' ist, aber eine 'Repäsentation' nicht ausschließt. Allerdings ist das Volk - anders als in Rom - die alleinige Basis der staatlichen Souveränität, und seine Repräsentanten sind nicht solche durch Adel oder hoheitliche politische Vormundschaft, sondern aufgrund von Wahlen. Diese Idee findet sich zwar nicht in Rom, wohl aber im Demokratie- und Politie-Begriff des klassischen Athen vorgeformt. Ferner ist seine staatsrechtliche Stellung des Volkes der USA 'naturrechtlich' begründet. Dies greift zwar ebenfalls auf die römische Rechtstradition eines 'ius naturale', aber mehr noch auf entsprechende Aussagen etwa stoischer Philosophie zurück (siehe Kap.1 , unter P. 2 . B. l). Die Freiheitskonzeption in der Annahme für alle Menschen gleicher natürlicher Grundrechte hat auch eine eine stark religiöse Wurzel, insbesondere in der christlichen, im Protestantismus besonders akzentuierten Vorstellung von der 'Freiheit aller Christenmenschen' vor Gott. Daß die Regelungen der Verfassung im einzelnen in einem ordentlichen politischen Willensbildungsprozeß ausgehandelt und verabschiedet werden müssen und daß das Ergebnis der politischen Öffentlichkeit schriftlich, klar und vollständig vorliegen muß, um die Feststellung von Verfassungswidrigkeiten zu erleichtern, geht wohl auf zwei verschiedene antike Ideen zurück: einmal auf das von Platon und Aristoteles formulierte Postulat der vollkommenen Gesetzmäßigkeit aller nicht entarteten Staatlichkeit, zum andern auf die Konstitutions-Form des römischen Kaiserrechts, mit dem der Kaiser als letztentscheidende Instanz für Gesetzgebungsfragen, d. h. als antiker 'Souverän', alle wichtigen Rechtsfragen zu entscheiden in der Lage ist. Die Etablierung verschiedenartiger politisch zentral wichtiger Wahl- und Abstimmungsverfahren im Verfassungsaufbau führt einerseits zur Geltung des 'Majoritätsprinzips', andrerseits zur Bildung von differenzierten und wohlorganisierten 'Parteien' im politischen Willensbildungsprozeß. Für beides finden sich wiederum Ausgangsmuster in den antiken Formen der Volksgesetzgebung und ihren Abstimmungsverfahren, auch wenn die neuzeitliche Verfassungslage zu neuartigen Entwicklungen und Begründungen des Majoritäts- und Parteien-Prinzips im Staatsaufbau führt. Nicht beispielgebend für diese dürfte im übrigen die Existenz verfahrenslos und teilweise gewalttätig gegeneinander angehender politischer Richzungen sein, deren Existenz als 'haireses', 'sectiones' oder 'partes' in der antiken Geschichtsschreibung immer wieder belegt, aber als für das Gemeinwohl schädlich, weil dem Prinzip der 'Eintracht' (homonoia, concordia) entgegen bewertet wird; die negative Bewertung der Antike steht einer Rezeption dieser Muster in Mittelalter und Neuzeit entgegen.- Die mit dem folgenden Verweis zitierte amerikanische Unabhängigkeitserklärung macht die argumentative Basis der Neukonstitution eines königlosen, aus den 'natürlichen' Rechten eines 'Volkes' hervorgehenden, politisch 'freien' Gemeinwesens deutlich. - Die 'Verfassung' des USA läßt die übrigen angesprochenen Prinzipien - und damit ihren starken Bezug auf antike Muster, die allerdings neu kombiniert werden - erkennen.

Unabhängigkeitserklärung der Neu-England-Staaten 1776 Auszug aus einer deutschen Übersetzung d. J. 1776 und gesamter englischsprachiger Text. Deutschsprachiger Auszug und nachfolgender Kurkommentar aus: A. und W. P. Adams - Hg.-, Die Enstehung der Vereinigten Staaten und ihrer Verfassung. Dokumente 1954 - 1791, Münster 1995, S. 213 ff. Die englischsprachige Fassung ist entnommen der von Gerald Murphy bearbeiteten WWW-Unter-Seite der 'Library of Congress, letzte Fassung 16. Okt. 1996 [http.//lcweb2.loc.gov/const/mdbquery.html].
  UnabDekl.htm
Unabhängigkeit, Königslosigkeit, Bund, Gewaltenteilung - Prinzipien einer konstitutionellen Republik. Englischsprachige Text der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika und der darauf folgende kurze Kommentar entnommen aus der von Gerald Murphy bearbeiteten Unter-Seite 'Historical Documents' der WWW-Seite der 'Library of Congress, letzte Fassung 16. Okt. 1996 (s. o.).
 ConstUSA.htm

g) Demokratische Republiken (i. e. S. eines parteilichen Volksbegriffs). 

In der politischen Entwicklung Frankreichs am Ende des 18. Jhrts. stellt sich die Frage, wie funktionelle Schwächen und ungleiche Rechtsverteilungen absolutistisch konstruierter politischer Systeme durch die Beseitigung politischer Privilegien des Adels und des Klerus ('Gleichheit'), durch neue Formen der kontrollierbaren Gewaltenteilung und durch eine 'rationale' Definition der Rechte ('Freiheit') des staatstragenden Volkes und seiner einzelnen Angehörigen (Bürger) behoben werden können. Im Kampf des 'Dritten Standes' (in der Einteilung des alten französischen Ständesystems) gegen die Vorrechte des Adels und des Klerus bildet sich dabei ein Volksbegriff, den man insoweit 'parteilich' nennen kann, als er bestimmte gegnerische Teile der Bevölkerung bewußt ausschließt. Dies ist im Schwerpunkt anders als in den sich emanzipierenden Neu-Englandsaaten der Jahre 1776 - 1783, in denen das aus dem Mittelalter stammende europäische Stände-System keine wirkliche Bedeutung mehr hat und deswegen der Volksbegriff bei der Neukonstitution der Staatlichkeit nicht akzentuiert parteilich gefaßt zu werden braucht, sondern nach naturrechtlichem Maßstab von Anfang an probklemlos auf die Gesamtheit der staatstragenden Bevölkerung bezogen werden kann. Demgegenüber werden die Vertreter des 'Alten Regimes' in Frankreich nicht nur als politische Gegner, sondern prinzipiell als zu unterwerfende oder zu vetreibende innere Feinde, in der radikaleren Revolutionsideologie sogar als Feinde der Menschheit, der Gesellschaft und eines gerechtermaßen und vernünftig sich vollziehenden geschichtlichen Fortschrittsprozesses gedacht. - Zwar kommt es in Frankreich später auch zu betont konstitutionellen Formen der Republik, zunächst für nur wenige Jahre nach dem Ende der 'Konventsherrschaft' und dann - erst 1871 - mit der 'Dritten Republik'. Aber die Konkurrenz radikaler Formen 'demokratischer' Herrschaft einerseits und diktatorischer oder monarchischer Verfassungsformen andrerseits ist doch von weitaus größerem Gewicht als in den USA. So beginnt 1804 die napoleonische Kaiserherrschaft ('Caesarismus'), und danach kommt es jahrzehntelang bis 1871 zu verschiedenen Formen der Monarchie. In allen Verfassungsepochen bleibt es bei einer stark betonten Zusammenfassung der staatlichen Gewalt, der weiterhin so genannten 'Souveränität', in einer einzigen staatlichen Ebene ('Zentralismus').

Wie in den sich bildenden USA greifen die grundlegenden politischen Ideen der französischen Revolution seit 1789 zwar in starkem Maße ebenfalls auf natur- und vernunftrechtliche Begründungen, auf den römisch-statsrechtlichen Begriff des 'salut public' ('salus publica') und emotional etwa auf das Beispiel der 'Helden der frühen römischen Republik' (siehe zur Veranschaulichung: Horatier.GIF) zurück. Die missionarischen Momente wie der Zentralbegriff 'salut public' oder die Fundamentalpostulate 'Freiheit', 'Gleichheit', 'Brüderlichkeit' weisen dabei - in transformierter, 'rational' enttheologisierter Form - auch auf christliche Wurzeln ('das Heil', 'Freiheit eines Christenmenschen', 'Gleichheit vor Gott', 'Nächstenliebe') hin. Auch die Idee der 'Konstitution' - und ihre Antikenbezüge - gibt es in Frankreich. Sie ist dort aber nicht so zentral wie in den USA, sondern verliert ihre praktisch-politische Bedeutung zumeist gegenüber Konzepten wie dem der 'Volksherrschaft' - antike Muster dafür sind die klassisch-griechische Demokratie oder die römische 'plebejische' Politik der ausgehenden Republik -, dem der 'Notstands-Diktatur' - nach dem Beipiel des römisch-republikanischen Amtes - und dem eines 'Kaisertums' - nach dem Beispiel des römischen Prinzipats. Ferner hat - anders als in den USA - in Frankreich das Interesse an der Idee der Gewaltenteilung nicht immer und das Konzept eines föderalen Staatsaufbaus so gut wie nie wirkliches Gewicht.

Die von der französischen 'Constituante' erarbeitete liberale 'Notablen-Verfassung' des Jahres 1791 verdeutlicht den Beginn der Umsetzung der angesprochenen Prinzipien in den Staatsaufbau. Dieser hat nach der Verfassung zwar noch ein monarchisches Element und enthält ein Klassenwahlrecht, das die besitzenden Bürger begünstigt. Aber der Monarchie und den früheren bevorrechtigten Ständen ist ein politisches Eigengewicht genommen. - Die 'Inkonsequenz' eines 'traditionellen' monarchischen und eines besitzbürgerlichen Elements innerhalb der neuen Verfassungsordnung wird von den radikalen Formen französischer Revolutionsideologie, für die die Rede M. Robespierres gegen Ludwig XVI. als Beispiel dienen kann, nicht hingenommen, sondern - zumal in der Situation auswärtiger Eingriffsdrohungen gegen die Revolution in Frankreich - als gefährlich für das 'öffentliche Wohl' und die 'Freiheit' eingeordnet und bekämpft; letzlich dies führt zu einer Egaliserung des Wahlrechts im 'Konvents-Wahlsystem' und letzlich zu der in der Sache nach gerichtsverfahrenslosen Tötung des vormaligen Königs von Staats wegen.

Die revolutionär gegen privilegierte Stände durchgesetzte Bürger-Republik. Entnommen aus: dtv-Atlas zur Weltgeschichte. Karten und chromologischer Abriß. Bd. 2: Von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart. München 1966, S. 18.
 FrVf1791.GIF
Das öffentliche Wohl und das Volk gegen die Tyrannei des Königtums. Auszüge aus der Rede Maximilien Robespierres vom 15. Sept. 1792 gegen Ludwig XVI.Entnommen aus: Ulrich Friedrich Müller (Hg.). Die französische Revolution. Umbruch in Europa 1789 - 1815, München um 1965, S. 47 ff.
RadDem.htm

h) Konstitutionelle Monarchien.

In der Auseinandersetzung mit absolutistisch-monarchischen Staatstraditionen kann es zu Prinzipien-Kompromissen zwischen den im Konflikt liegenden politischen Kräfte- und Interessengruppen kommen, in deren Rahmen die Funktion des Adels und der Monarchie konstitutionell umdefiniert werden zu Elementen eines Staatswesens, das einerseits zwar etwa ein allgemeines Wahlrecht, die Rechtsstaatlichkeit, die Gewaltenteilung und bürgerrechtliche Garantien festlegt, aber andrerseits dem Adel und dem monarchischen Prinzip in gewissem Umfang eine politische Funktion beläßt. Ein solcher Kompromiß kann sogar für alle beteiligten Seiten vorteilhaft sein, weil er nicht nur die scharfe Zuspitzung innrerer Konflikte vermeidet und gewohnte Formen der Staatspraxis und des Staatsverständnisses wahrt, sondern u. U. auch eine effektive außen- und militärpolitische Interessenvertretung maßgeblicher bürgerlicher Kräftegruppen ermöglicht. Die französische Verfassung von 1791 ist ein solcher Kompromiß, auch wenn die innere Entwicklung in Frankreich sich danach zunächst demokratisch-republikanisch radikalisiert. Nach dem Ende der Konvents-Herrschaft, der Direktorial- und der Konsulatsverfassung kommt es in Frankreich mit der Kaiserkrönung Napoleons (1804) aber für ein Jahrzehnt erneut zur Einführung einer Monarchie, für deren Entstehung und Form - als 'Kaisertum' - in starkem Maße auch das Interesse an einer Beendigung radikaler Formen der Revolution und die durch die militärischen Erfolge Napoleons enstehenden hegemonial-imperialen Positionen Frankreichs in Europa eine Rolle spielen. Sie hat - zumindest den während ihres Bestandes formal verbleibenden republikanisch-staatsrechtlichen Institutionen und wesentlichen Elementen der gesamten Rechtsordnung nach - konstitutionellen Charakter. Der Rückgriff Napoleons auf die römische Kaiseridee, dazu noch in ihrer spätantik-christlichen Form

- siehe das Beipiel des nach dem Vorbild des Konstantin-Bogens in Rom gebauten Arc de Triomphe: BildBsp.htm und das Bild von Francois Pascal-Simon Gerard, Kaiser Napoleon I. im Krönungsornat: Monarch.GIF -,

zur Legitimation seiner Herrschaft hat aber dennoch mit ihrer besonderen Betonung der exzeptionellen Stellung des Kaisers eine besondere Berechtigung. Er erinnert in der Tat an die Stellung des römischen Prinzeps, wie sie Augustus begründet. Auf Napoleons Herrschaft folgen in Frankreich drei weitere Verfassungsansätze, die man trotz großer Unterschiede alle als monarchisch-konstitutionell einordnen kann, bis schließlich 1871 wieder eine republikanische Staatform eingeführt wird.

Außerhalb Frankreichs ist die Form der konstitutionellen Monarchie im 19. Jht die häufigste Form staatlicher Verfassung in Europa. Sie findet sich auch in der deutschen Reichsgründung des Jahres 1871 wieder, durch die im 'kleindeutschen' Maßstab erneut ein 'Kaisertum' entsteht. In diesem vereinen sich die alte Tradition des deutschen 'römischen Kaisertums' und die preußisch-absolutistische Königs-Tradition, obwohl in den realen Verfassungsverhältnissen deutlich wird, daß das monarchische Staatoberhaupt der im Kern eher der Präsident eines Bundesstaates ist und daß ihm im Rahmen einer Gewaltenteilung eine zwar starke, aber dennoch eingegrenzte Stellung im Staatsaufbau zukommt. Das Wiedereraufleben der schon von Samuel Pufenndorf als überlebt bezeichneten Idee eines deutschen 'Römischen Kaisers' zeigt aber - wie der unmittelbare Rückgriff Napoleons auf die römische Kaiseridee - auch, daß sich die Wirkungsgeschichte antiker Muster in der Neueren Geschichte manchmal in ganz unvermuteten direkten Rückgriffen äußern kann. Die Wirkung antiker Muster in dem Verfassungssystem des 'Zweiten Deutschen Kaiserreiches' ist ihrer sachlichen - also nicht nur titularen - Bedeutung nach im übrigen am besten zu beurteilen, indem man die Gesamtheit der jeweiligen politisch-ideellen Ausgangspositionen des Kompromisses - und ihre jeweilige Herleitung aus der Antike - im Auge behält: Föderalismus, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, Volkswahlen - und Monarchie.

Die französische 'cäsaristische' - also letztkich auf den römischen Prinzipat zurückverweisender - Form konstitutioneller Monarchie beleuchtet die mit dem nachfolgenden Querverweis zugängliche Rede des Republikaners Jaubert im Jahre 1804. - Die deutsch-preußische Form eines konstitutionellen Kaiserstums verdeutlicht der nachfolgende Auszug aus der in Form eines einfachen Reichsgesetzes verabschiedeten Reichsverfassung des Jahres 1871. - Die Reichskriegsflagge des Deutschen Reiches von 1871 - auf der Tafel der 'Flaggen der Seestaaten' aus dem Jahre 1893 die vierte von links - kann als gutes Beispiel für einen symbolpublizistischen Rückgriff nicht nur auf Traditionen aus dem Mittelalter und der Neuzeit, sondern über diese aus der Antike dienen: In der Mitte steht der schwarze Reichsadler, der auf die römische Adler-Tradition und zugleich auf das kaiserliche Wappen des Mittelalters zurückgeht. Das schwarze Kreuz, in dessen Mitte sich der Adler befindet, weist auf die christliche Gesinnung und Tradition hin, der sich der Staat zu folgen erklärt, aber zugleich auch auf den Deutschen Ritterorden, dessen Zeichen das Schwarze Kreuz auf weißem Untergrund seit dem dritten Kreuzzug Ende des 12. Jhts. war. Die Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot kombininieren das Schwarz-Weiß des Deutschen Ritterordens, das zu den Farben des Königreichs Preußen wurde, mit der 'Majestätsfarbe' Rot aus dem Wappen der der Freien- und Hansestadt Hamburg, um die historische Bedeutung der bürgerlichen neben den landesherrlichen Traditionen für das 1871 neugegründete Kaiserreich zu unterstreichen. Das 'Eiserne Kreuz' über diesen Farben erinnert an die Befreiungskriege gegen das napoleonische Frankreich in den Jahren 1813/14 /15, d. h. an eine Frontstellung gegen Frankreich, ferner an seine Stiftung als militärische Tapferkeitsauszeichnung, weiter - in Assoziation an die damalige Devise 'Gold gab ich für Eisen' und an die patriotischen Tugenden des Bürgers, der - wie die römischen Bürger im 2. punischen Kriege zur Zeit der größten Bedrängnis durch Hannibal - seine Edelmetalle wie überhaupt sein privates Interesse und sogar sein Leben zugunsten des Gemeinwohls opfert. In seiner Form wird wiederum auf das Kreuz des Deutschen Ritterordens verwiesen.

  Ein neubegründetes konstitutionelles Kaisertum als Inbegriff der Verwirklichung bürgerlich-revolutionärer Intentionen und nationaler Ansprüche auf imperiale Weltgeltung. Aus der Rede des Republikaners Jaubert für die Einrichtung eines Kaisertums in Frankreich am 2. Mai 1804. Entnommen aus: Ulrich Friedrich Müller (Hg.), Die Französische Revolution. Umbruch in Europa 1789 - 1815, Lesewerk zu Geschichte 6, München um 1965.
   Empire.htm
 Verfassung des Deutschen Reiches 1871 (Auszug). Entnommen aus: Hans Boldt (Hg.), Reich und Länder. Texte zur deutschen Verfassungsgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert, München 1987, S. 449 ff.
  VerfDR71.htm
 'Flaggen der Seestaaten' (d. J. 1893). Entnommen aus: Brockhaus' Konversations-Lexikon, 14. Aufl., 6. Bd., Berlin und Wien 1893, S.863. Siehe ferner unter zu k): RKFlagge.GIF.
 Flaggen.GIF

i) Moderne Diktaturen.

Neben den naturrechtlich-liberalen Fundamentalpostulaten - und teilweise inhaltlich gegen sie - entwicklen sich seit dem Ende des 18. Jhts. weitere politisch bewegende Ideenkomplexe, die man - jeweils wertneutral typisierend - als 'standesbezogen-traditionalistisch' ('konservativ') , als 'nationzentriert' ('nationalistisch') und als 'humanistisch-utopisch' (sozialdemokratisch', 'sozialistisch', 'kommunistisch') zusammenfassen kann. Gemeinsam ist ihnen, daß sie vom Bestand einer konstitutionell-republikanischen, einer demokratisch-republikanischen oder einer konstitutionell monarchischen Verfassungsordnung auszugehen und aus der Perspektive ihrer jeweils zumeist politisch-ideologisch zusammenhängend formulierten Konzepte gesellschaftlicher Ordnung die Grundsätze eines politischen Bezusgssystems zu interpretieren oder auch zu kritisieren und anzugreifen pflegen. Im Konfliktfalle können sich in diesen Ideenkomplexen Verfassungskonzepte entwickeln, die gegenüber liberalen Positionen - der Rechtsstaatlichkeit, der Gewaltenteilung, der Bürgerrechte - andere Ziele und Werte als primär wichtig hervorheben und zu deren Verwirklichung die Mittel der Staatsgewalt konzentriert einsetzen wollen. Dies ist durchweg die Ausgangslage der Bildung 'moderner Diktaturen'. Unter 'moderner' Geschichte sei hier die Geschichte im wesentlichen des 20 Jahrhunderts verstanden, d. h. eine Zusammenfassung dessen was fachdisziplinär üblicherweise als 'Vor-Weltkriegsgeschichte', 'Zeigeschichte' und 'Gegenwartsgeschichte' auseinandergehalten wird. Bei 'modernen Diktaturen' geht es um solche Verfassungsformen im wesentlichen nur dieses Zeitraums, die wesentliche Elemente einer liberal- konstitutionell bzw. demokratisch-republikanisch geprägten Staatlichkeit zugunsten einer Zusammenfassung der öffentlichen Gewalt 'in einer Hand' und ihrer möglichst ungehemmt-zielorientierten Ausübung - zumeist auf längere Zeit - zurücktreten lassen oder aufheben. Dabei lassen sich drei typische Strukturen beobachten:

Kann schon die 'Konventsherrschaft' der Jahre nach 1791 als 'Parteidiktatur' eingeordnet werden, so ist es vor allem das kommunistische Partei- und Regierungssystem im Einflußbereich der Sowjetunion seit 1917, das diesem Typ entspricht. Der Typ einer 'Notstandsdikatur auf Dauer' findet sich im nationalsozialistischen 'Führersaat' Deutschland zwischen 1933 und 1945. Für den Typ einer Militärdiktatur kann das spaniscche Franco-Regime als Beispiel dienen.

In die staatstragenden Ideologien der verschiedenartigen Diktaturen gehen recht unterschiedliche Antikenbezüge ein, die nicht hier, sondern in Kap. 4 dieses Skripts (Kap4) Erörterung finden. Aber auch die jeweiligen äußeren Formen der diktatorischen Staatlichkeit können auf antike Muster zurückgreifen.

Bei der 'Parteiendiktatur' ist es der 'demos' - i. S. des parteilichen, gegen die 'aristoi' gerichteten Volksbegriffs der attischen Demokratie -, oder die römische 'plebs' - als Substrat plebejischer Politik in Rom, deren politische Organisation notwendigerweise die Koordination und Vertretung durch 'demokratische' oder 'plebejische' Politiker voraussetzt. Wie das Beispiel 'Perikles' zeigt, können sich in der Antike dabei unanfechtbare Führungspositionen im Staatsaufbau entwickeln, die sich in Amtsstellungen nicht adäquat widerspiegeln. Wie im antiken Muster solche internen Autoritätsstrukturen des 'demos' als der Demokratie nicht notwendigerweise widersprechend verstanden werden, so wird auch das - dem antiken Muster gegenüber weitaus differenziertere und effektivere - Parteisystem in Parteiendiktaturen als Bestandteil einer 'volksdemokratischen' Ordnung verstanden, welche ihrer Bestimmung nach einer im Interesse des Allgemeinwohls liegenden 'Diktatur des Proletariats', nicht der einer Einzelperson diene. Der Terminus 'Diktatur des Proletariats' beweist den mehrfachen Antikenbezug in diesem Sinne. Ein hier mit einzubeziehendes antikes Muster ist ferner die Staatsform der 'Tyrannis', die allerdings wegen ihrer durchweg negativen Bewertung als 'gesetzlos' in der auf uns überkommenen literarischen Überlieferung aus der Antike - vor allem durch Platons, Aristoteles und Polybios Theorien von den Verfassungen und ihrem Kreislauf - zur Legitimation analoger neuzeitlicher Staatsformen nie taugte. Ähnlich wie zum römisch-augusteischen Prinzipat gibt es aber auch in der Antike positive Einstellungen zur griechischen Tyrannis. Von Bedeutung für moderne Theorien und Rechfertigungen diktatorischer Staatsformen dürfte ferner wenigstens gewesen sein, daß die erwähnten antiken Staatstheoretiker die Entstehung einer Tyrannis in engem Zusammenhang mit mit Verfalls- und Ineffizienzerscheinungen in 'Demokratien' sehen (siehe etwa Aristoteles pol. 1310 b).

Bei der 'Notstandsdiktatur auf Dauer' läßt sich auf die prominenten Beispiele des Sulla, des Pompeius, des Caesar, vor allem aber auf das Prinzipatskaisertum des Augustus zurückgreifen. Mit letzterem ist wiederum das Prinzip der 'Souveränität' angesprochen, das in der Diktatur eine modern-absolutistische Entwicklungsform ausprägt. Belegen läßt sich diese Form des Rückgriffs im italienischen 'Faschismus', dessen Leitungsfigur zwar die der römischen Militärgeschichte entstammende Benennung 'duce' (dux) - nicht die eines 'principe' (princeps) - wählt, aber in der Selbstdarstellung immer wieder die Parallelen zwischen dem faschistischen Italien und dem römischen Kaiserreich hervortreten läßt. Die Benennung 'dux' dürfte aber auch den nicht monarchisch, sondern republikanisch konzipierten Charakter der auf Dauer gestellten Führungsposition unterstreichen. - Im deutschen Bereich der NS-Zeit findet immer wieder einmal ein Rückverweis auf die germanischen 'Volksführer' der Völkerwanderungszeit statt. Diese traten als Militärs oft in römische Dienste und erhielten dabei hohe militärische Ränge, unter denen der des 'dux' zwar nicht der höchste, wohl aber der häufigst vergebene war. Auch hier ist also in der Nachahmung der Antike eine Akzentuierung des nicht-monarchischen Charakters der Führungsposition spürbar.

Bei der Militärdiktatur ist ein wichtiges antikes Ausgangsmuster der römische Begriff des - kaiserlichen - 'imperator', der den militärischen Oberbefehl und die höchste zivile Gewalt in seiner Hand vereinigt. Die Benennung des Kaisers als 'imperator' macht in der Antike deutlich, daß die Fundamente der kaiserlichen Herrschaft im Oberbefehl über das Heer liegen und daß dieses - wie der Kaiser - die Einheit und das Wohlergehen des Reiches schütze. Andrerseits pflegt auch bei modernen Militärdiktaturen trotz einer in der Regel unbefristeten Stellung ihrer Führungsfiguren deren nicht-monarchische Stellung und ihre provisuroscue Funktion dadurch unterstrichen zu werden, daß sie Benennungen erhalten, die nicht dem monarchisch-aristokratischen Titelwesen früherer Epochen der Landesgeschichte entstammen. Im Spanien der Franco-Zeit etwa nennt sich die Person an der Staatsspitze deshalb 'generalissimo' (als Oberbefehlshaber der Armee) oder 'caudillo' (zusammenhängend mit lat. capitalis > als Führer der 'Falange'); betont wird im Verfassungsaufbau seine 'Regentschaft' für einen später zu bestimmenden König, d. h. der prinzipiell provisorische Charakter der Diktatur.

Der Aufbau moderner Diktaturen, die den genannten Typen zugeordnet werden können, ergibt sich aus den nachfolgenden Querverweisen.

Der Typ einer 'Diktatur des Proletariats' (Parteidiktatur). Schema. Entnommen aus: Der Große Ploetz. Auszug aus der Geschichte. Begründet von Karl Julius Ploetz, bearbeitet von 69 Fachwissenschaftlern, hg. vom Verlag Ploetz, Freiburg, Würzburg 1988 30 , S. 967.
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Der Typ des 'Führerstaats' (Notstandsdiktatur auf Dauer). Schema. Entnommen aus: Der Große Ploetz. Auszug aus der Geschichte. Begründet von Karl Julius Ploetz, bearbeitet von 69 Fachwissenschaftlern, hg. vom Verlag Ploetz, Freiburg, Würzburg 1988 30 , S. 935.
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Der Typ einer auf Dauer gestellten Militärdiktatur . Schema. Entnommen aus:Der Große Ploetz. Auszug aus der Geschichte. Begründet von Karl Julius Ploetz, bearbeitet von 69 Fachwissenschaftlern, hg. vom Verlag Ploetz, Freiburg, Würzburg 1988 30 , S. 980.
  SpanDikt.GIF

k) Moderne imperiale Systeme.

Auch bei Staaten der neueren Neuzeitgeschichte - seien sie konstitutionelle Republiken oder konstitionelle Monarchien, demokratische Republiken oder moderne Diktaturen - gibt es das Interesse und die Fähigkeit, außerhalb ursprünglicher Staatsgrenzen Gebiete besonderen politischen Einflusses abzugrenzen und zu erschließen. Dieser kann vom maßgeblichen militärischen oder wirtschaftlichen Einfluß bis hin zu einer völkerrechtlichen Angliederung oder einer staatlichen Eingliederung gehen. Die im 15. und 16. Jht. eintretende Bildung der 'alten' Kolonialreiche (siehe oben zu e) wird durch entsprechende Zugriffe der Staaten in der späteren Neuzeitgeschichte fortgesetzt und erreicht im 19. Jht. - das fachdisziplinär auch als 'Zeitalter des Imeprialismus' bezeichnet wird - einen Höhepunkt, nämlich die Aufteilung der gesamten Erdoberfäche in souveräne Staaten und ihnen zugeordnete Kolonialgebiete . Der Begründung und dem Ausbau kolonialer Überseegebiete tritt dabei die innerkontinentale Expansion großer Staaten wie der USA und des Russischen Reiches mit ihrer kompletten staatlichen Eingliederung neugewonnener Territorien zur Seite; diese hat einen imperialen Charakter jedenfalls so lange, wie die Eingliederung den Charakter der Unterwerfung durch eine fremde Macht behält. Die Konkurrenz und die potentiellen Konflikte zwischen den Expansionsmächten einerseits und ihre zumeist gegebene konstitutionelle oder demokratisch-republikanische Binnenstruktur andrerseits führen jedoch gegenüber früherer Kolonialpraxis zu stark veränderten Formen und Verfahren der Begründung und Ausübung imperialen Einflusses. Einerseits erscheint - schon um fremde Übergriffe in den imperialen Interessenbereich eines Staates abzuwehren - eine unbezweifelbare modern-völkerrechtliche Grundlage nötig, zum andern erfordert die Ausübung einer imperialen Praxis für die betroffenen Gebiete den Nachweis eines zivilisatorischen und friedenssichernden Vorteils dieser fremdbestimmten Regierungsform. Das bedeutet, daß als friedensvölkerrechtliche Titel nicht ein religiöser Missionsauftrag oder erkennbar rechtloise, rein faktische Eroberungen, sondern nur eine vertragliche Zession durch einen Vorbesitzer kolonialer oder integrierter Territorien oder ein Pachtvertrag oder - nach dem ersten Weltkrieg - ein Mandat des 'Völkerbundes' in Frage kommen oder aber ein unbezweifelbarer kriegsrechtlich begründeter Annexionsanspruch. Eine zivilisatorische Mission wird vor allem nachgewiesen durch den Aufbau der Infrasstrukturen der untergeordneten Gebiete nach dem Vorbild oder in Abstimmung auf die politischen Ideale der 'Mutterländer'. Allerdings ändert dies in aller Regel nichts daran, daß eine völlige Gleichstellung imperialer Territorien mit den Expansionsstaaten nicht erfolgt. So unterstehen sie etwa besonderen Verwaltungen und in starkem Maße auch militärischen Notwendigkeiten. Das Rechtssystem, die Kultur und die Wirtschaft unterliegen in ihrer Entwicklung den Maßstäben und Zielen des Expansionsstaates.

In all diesen Aspekten sind wiederum antike Muster erkennbar. Die Begründung des Römischen Reiches mit seinen vielen eingeliederten Provinzen erfolgte aus römischer Sicht ausschließlich 'iustis ex causis'. Lag kein valider Abtretungsvertrag oder eine kriegsrechtliche 'deditio' vor, so hatte danach auch der Römische Staat kein Recht, außerhalb seiner Grenzen Herrschaft auszüben. Allerdings fanden sich gerechte Gründe nach 'ius gentium' immer, und ähnlich ist es in der Neuzeit geblieben. Auch eine zivilisatorische Mission des Römischen Reiches in allen von ihm eingegliederten Provinzen, insbesondere seine friedensstiftende Aufgabe (pax Romana) wird in den antiken Quellen immer wieder erwähnt und kann insoweit als antikes Muster moderner imperialer Konzepte gelten (siehe dazu auch Kap. 1, B, a).

Die Rede des Republikaners Jaubert für die Einführung eines Kaisertums in Frankreich macht - als frühes Beispiel für die ideelle Begründung 'moderner' Imperien - die außenpolitische Interessenlage deutlich, die den französischen 'Caesarismus' trägt. - Die Karte 'Die Welt von 1830 - 1914' illustriert die Entwicklung der imperialen Bereich auf der Welt bis an die Schwell des Ersten Weltkriegs.

 Ein neubegründetes konstitutionelles Kaisertum als Inbegriff der Verwirklichung bürgerlich-revolutionärer Intentionen und nationaler Ansprüche auf imperiale Weltgeltung. Aus der Rede des Republikaners Jaubert für die Einrichtung eines Kaisertums in Frankreich am 2. Mai 1804. Entnommen aus: Ulrich Friedrich Müller (Hg.), Die Französische Revolution. Umbruch in Europa 1789 - 1815, Lesewerk zu Geschichte 6, München um 1965.
 Empire.htm
Die Entfaltung moderner weltweiter Imperien. Die Welt 1830 - 1914. Kartenbild. Entnommen aus: Putzger. Historischer Weltatlas. Hg. von W. Leisering unter Mitarbeit einer Vielzahl von Wissenschaftlern. Cornelsen-Verlag, Berlin 1991 101, S. 76.
  Imperien.GIF
Chinesische Ansicht der Ortschaft Shazikou bei Tsingtau (China) mit aufgezogener Reichskriegsflagge des Deutschen Reiches (das Gebiet war dem Reichsmarineamt zur Verwaltung unterstellt). Entnommen aus: Hans-Martin Hinz und Christoph Lind (Hg.), Tsingtau. Ein Kapitel deutscher Kolonialgeschichte in China 1897 - 1914, Katalog zu einer Ausstellung im Deutschen Historischen Museum Berlin, Berlin 1998, S. 81.
  RKFlagge.GIF

l) Moderne internationale Gemeinschaften.

Neben der Begründung vertraglicher Völkerrechtsbeziehungen zum gegenseitigen- insbesondere wirtschaftlichen - Vorteil und neben militärischen Bündnissen zweier oder mehrerer Staaten tritt in der modernen Geschichte - d. h. im 20. Jht. - ein neuer Typ der Völkerrechtsbeziehungen in Erscheinung, die vertraglich begründete weltumgreifende Völkergemeinschaft, deren Zwecke in der Erhaltung des Friedens, in der Fortentwicklung der Normen des Völkerrechts und in definierten Beiträgen zu einer allseitigen zivilisatorischen Entwicklung der verschiedenen Völker liegen. Diese Entwicklung beginnt spätestens mit den Haager Abkommen des Jahres 1907 zur friedlichen Erledigung internationaler Streitfälle und über die Gesetze und Gebräuche des Landkriegs, setzt sich mit der Gründung des 'Völkerbundes' nach dem Ersten Weltkrieg fort und erreicht nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Gründung der UNO ein weiteres Entwicklungsstadium. - Auch für eine solche weltumspannende und in ihren Zielsetzungen historisch völlig neuartige Rechtsgemeinschaft lassen sich antike Ausgangsmuster finden. Zu den Ausgangskonzepten dürften dabei kriegsbegrenzende Vereinbarungen wie etwa die delphische Amphikyonie oder die ökumenisch angelegte friedensstiftende 'pax Romana' zu zählen sein, ferner der christliche Friedensgedanke, vor allem aber das (nicht nur privatrechtlich relevante) Konzept des römischen 'ius gentium', das für Friedenszeiten, aber auch für bestimmte, wenn auch wenige Situationen des Krieges, gewisse Regeln über den Rechtsverkehr für alle beteiligten Gemeinwesen und Herrschaftssysteme enthält, wie z. B. für den Schutz von Boten oder für die Einhaltung von Verträgen. In der Konsequenz eines solchen Systems liegt es, definiert und fortentwickelt zu werden, wenn Völker und Staaten aneinander heranrücken, ohne sich miteinander zu vereinigen oder sich gegenseitig zu unterwerfen. Diese historische Lage ergibt sich in Europa und den seinen Staaten zugehörigen Kolonialgebieten in anderen Weltteilen seit Beginn der Neuzeit. Der 'Begründer des europäisch-neuzeitlichen Völkerrechts, Hugo Grotius, kann deshalb in seinem grundlegenden Werl 'De Iure Belli ac Pacis' (1625) argumentativ weitgehend auf antike Quellen historischer, rechtlicher und theologischer Art zurückgreifen, um für seine Zeit eine systematische 'naturrechtliche' Doktrin des Völkerrechts zu formulieren. Aus dieser hat sich seit dem 17. Jht. das neuzeitliche Völkerrecht bis zu seiner modernen Form eines durch eine Völkerrechtsorganisation abgesicherten internationalen Rechts weiterentwickelt. - Die im folgenden Querverweis auszugsweise zugängliche Charta der Vereinten Nationen d. J. 1945 bringt die Grundgedanken eines ökumenischen Rechts des zwischenstaatlichen Verkehrs mit den ihm durch die Souveränitätsrechte der Einzelstaaten auferlegten Beschränkungen übersichtlich zum Ausdruck. - Das Schema der UNO-Organisation macht die praktischen Konsequenzen der prinzipiellen Zwecksetzungen deutlich - und damit auch die Bedeutung der hinter ihnen stehenden antiken Muster eines 'Friedens unter den Menschen'

 Eine weltumgreifende Völkergemeinschaft. Charta der Vereinten Nationen (26. Juni 1945). Auszug. Quelle: Yearbook of the United Nations 1969, S. 953; A. Randelzhofer (Hg.), Völkerrechtliche Verträge, Textausgabe, München 1987 4 , S. 17 ff.
 IntOrg.htm
 Der Organisationsaufbau der UNO. Schema. Entnommen aus: Der Fischer-Almanach '98. Zahlen, Daten, Fakten. Hg. von Mario von Baratta, Franfurt M. 1997, S. 921.
 UNOSchem.GIF

3. Literatur, Medien und Quellen.

 Zu Literatur, Medien und Quellen siehe weitere Hinweise im allgemeinen Literatur-_und_Quellenverzeichnis.

Literatur:

Antike Bezugsmuster:

Alexander Demandt, Der Idealstaat. Die politischen Theorien der Antike, Köln 1993.
Heinz Kähler, Rom und sein Imperium. Reihe 'Kunst der Welt. Ihre geschichtlichen, soziologischen und religiösen Grundlagen, (1966), Baden-Bden 1979 3 .
Wolfgang Kunkel, Römische Rechtsgeschichte, Köln, Wien 1973 7 .
John Pinsent, Griechische Mythologie, München 1969.

Reiche in der Nachfolge des Imperium Romanum.

Arno Buschmann (Hg.), Kaiser und Reich. Klassische Texte und Dokumente zur Verfassungsgeschichte des Hl. Römischen Reiches Deutscher Nation vom Beginn des 12. Jahrhun derts bis zum Jahre 1806, München 1984.
Ivánka, Endre von, Rhomäerreich und Gottesvolk. Das Glaubens-, Staats- und Volksbewußtsein der Byzantiner und seine Auswirkung auf die ostkirchlich-soteuropäische Geisteshaltung, Freiburg 1960.
Kroeschell, Karl, Deutsche Rechtsgeschichte Bd. 1 (bis 1250), Bd. 2 (1250 - 1650) und Bd. 3 (seit 1650), (in verschiedenen Auflagen) Opladen 1989.
Herwig Wolfram, Das Reich und die Germanen. Zwischen Antike und Mittelalter, Berlin 1990.

Absolutistisch verfaßte Fürsten-Staaten.

Mayer-Tasch, P. C., Vorwort zu: Bodin, Jean, Sechs Bücher über den Staat (EE 1578; übers. von P. C. Mayer-Tasch), München 1982.
Duchhardt, Heinz, Das Zeitalter desAbsolutismus, Oldenbourg-Grundriß der Geschichte, München 1998 3.
Kroeschell, Karl, Deutsche Rechtsgeschichte Bd. 1 (bis 1250), Bd. 2 (1250 - 1650) und Bd. 3 (seit 1650), (in verschiedenen Auflagen) Opladen 1989.
Menger, Christian-Friedrich, Deutsche Verfassungsgeschichte der Neuzeit, Heidelberg 1979 2 .
Meinecke, Friedrich, Die Idee der Staatsräson, München 1963 3 .
Oestreich, G., Antiker Geist und moderner Staat bei Justus Lipsius (1547 - 1606), Göttingen 1989.
Stolleis, M., Geschichte des öffentlichen Rechts in Deutschland, Bd. 1, München 1988.
Quaritsch, Helmut, Souveränität (Schiften zur zur Verfassungsgeschichte Bd. 38), Berlin 1986.

Aristokratische Stadt-Republiken.

M. Hellmann, Grundzüge der Geschichte Venedigs, Darmstadt 1976.
Ilja Mieck, Europäische Geschichte der Frühen Neuzeit, Stuttgart 1994 5 (S. 36 ff.)
Kroeschell, Karl, Deutsche Rechtsgeschichte Bd. 1 (bis 1250), Bd. 2 (1250 - 1650) und Bd. 3 (seit 1650), (in verschiedenen Auflagen) Opladen 1989 (Bd. 3, S. 35 ff.)

Stände-Konföderationen.

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Unter-Seite 'Historical Documents' der WWW-Seite der 'Library of Congress ([http.//lcweb2.loc.gov/const/mdbquery.html]).

 

LV Gizewski SS 1998

Autor: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)