Kap.3: Typenbildende antike Traditionen im Erscheinungsbild politischer Persönlichkeiten.

 

ÜBERSICHT:

1. Allgemeines: Antike Einflüsse auf das Selbtsverständnis und die Darstellung politischer Personen

    a) Übung
    b) Allgemeines zur typenbildenden Wirkung antiker Überlieferung auf politisches Handeln der Neuzeit.

2. Zu einzelnen Typen politisch Handelnder.

    a) Herrschaftsinhaber und Inhaber politischer Ämter.
    b) Demagogen und Volkstribunen.
    c) Feldherren und Militärbefehlshaber.
    d) Gottesmänner.
    e) Politische Philosophen und Gelehrte.
    f) Politische Publizisten und Künstler.
    g) Beamte und Richter.
    h) Geschäftsleute, Unternehmer.
    i) Loyale Bürger.
    k) Loyale Soldaten.

3. Literatur, Medien, Quellen.

1. ALLGEMEINES: ANTIKE EINFLÜSSE AUF DAS SELBSTVERSTÄNDNIS UND DIE DARSTELLUNG POLITISCHER PERSONEN. 

a) Übung.

1. Schritt: Zum Aufgabentext und zu den Bildbeispielen der Uebung.

2. Schritt: Zur Betrachtung der dort zusammengestellten Bilder im Detail:

Monarch: Monarch.GIF
Gottesmann: Clericus.GIF
Gelehrter: Doctus.GIF
Volksführer und Rhetor: Rhetor.GIF
Feldherr:  Stratege.GIF
Städtegründer: Gruender.GIF

3. Schritt: Erläuterung der Bildmotive nach Bearbeitung der Aufgabe: Motive.htm

b) Allgemeines zur typenbildenden Wirkung antiker Überlieferung auf politisches Handeln der Neuzeit.

Generell wird politisches Handeln durch faktische Notwendigkeiten und Grenzen der jeweiligen Umwelt, in denen es stattfindet, und zugleich durch verschiedenartige Interessen und Ziele, die auf diese Notwendigkeiten mehr oder weniger angemessen eingerichtet sind, bestimmt. Ein drittes Moment sind Norm- und Erwartungszusammenhänge, die dem politisch Handelnden je nach seiner Funktion eine Richtung seines Handelns vorgeben. Es geht dabei nicht nur um rechtliche und organisatorische Festlegungen, die u. U. schnell wechseln, sondern auch um verbreitete und oft traditionsreiche Auffassungen von Politik und Moral, gleich ob sie aus politisch belangvollen religiösen oder philosophischen Ideen oder aus eher alltagspraktischen Formeln und Argumentationen oder auch aus modernen Ideologien des politischen Lebens hervorgehen. Im allgemeinen ist der Traditionsbezug in politischem Handeln nicht bewußt, vor allem wohl weil er praktisich unwichtig oder nachrangig erscheint. Hinzu kommt, daß jedehistorisierende oder komparatistische Bezugnahme auf Traditionen ein relativierendes Moment der Betrachtung darstellt , das mit aktuellen Geltungsansprüchen in der Selbstdarstellung von Personen und politischen Ideensystemen - als einmalig, neuartig, unvergleichlich, bedeutungsvoll für die Zukunft - erheblich interferieren kann. Und schließlich liegt die Wirksamkeit antiker und anderer historisch vorgängiger Muster wegen der verschiedenartigen wirkungsgeschichtlichen Rekombinatationsvorgänge nicht immer auf der Hand (siehe dazu Kap.1, zu 1). Doch gibt es vielfältige Traditionsbezüge in der Definition politischer Ämter und Funktionen und der Aufgaben und Erscheinungsweisen ihrer menschlichen Repräsentanten. In der neuzeitlichen Entwicklung kommt der Darstellung und Selbstdarstellung im politischen Lebens wegen der wachsenden Bedeutung einer 'Öffentlichkeit' nicht nur in republikanischen, konstitutionalistischen und demokratischen Staatsforment ein stetig wachsendes Gewicht zu. In der heutigen Gegenwart sind etwa Wahlkämpfe und generell ganze innenpolitische Strategien daran orientiert, negative oder positive 'Bilder' ('images') von Politikern und Parteien aufzubauen. In Kriegszeiten richten sich entsprechende Anstrengungen auf die Darstellung der eigenen und der feindlichen Seite. Immer neue technische Möglichkeiten der Massenbeeinflussung ändern nichts daran, daß der Bedarf an erprobten, verläßlichen und vertrauten Mustern politischer Darstellung gleichbleibt. Hier liegt die Bedeutung der Rückgriffsmöglichkeiten auf historische Vorbilder. Die Rückgriffe auf die Antike reichen dabei vom rechtlichen und philosophischen Konzept, z. B. der Aufgaben eines Herrschers oder Beamten, über die Ikonographie und die 'historischen Denkwürdigkeiten' beispielhaften politischen Handelns bis zu dem Kanon der politisch-rhetorischen Verhaltensmuster, wie er in der griechischen 'paideia' ausgebildet wird.

Geht man auch die anderen unten aufgeführten 'Typen politisch Handelnder' zum Zweck einer Untersuchung der Traditions-, speziell der Antikenbezüge durch, so erscheinen diese manchmal in ihrer Antikenimitation (z. B. in der Darstellung Napoleons als Nachfolger der römischen Kaiser; vgl.  Monarch.GIF) ganz anachronistisch, manchmal binden sie antike Muster eher beiläufig ein (z. B. in der antikisierenden Büsten-Darstellung eines Gelehrten; vgl. Gelehrter.GIF). Rückgriffe solcher Art beruhen einmal sicherlich in starkem Maße auch darauf, daß über die ganze europäische Neuzeit hin eine humanistische Bildung die antike Literatur aktualisiert, in der Muster für ein aktuelles Tun gefunden werden, wie z. B. beim Rückgriff der politischen Aufklärungsphilosophen in Frankreich auf die Bürgertugenden der frühen römischen Republik, wie sie sich bei der Lektüre des Livius darstellen. Doch ist der Umfang der Verwurzelung neuzeitlicher und sogar moderner (vgl. Rhetor.GIF) politischer Funktionskonzepte und Pflichtenlehren in der Antike damit nicht ausreichend erklärt. Er beruht vielmehr darauf, daß, wie die vorherigen Kapitel zeigten, überall, wo politisch oder im Blick auf die Politik agiert wird, objektiv-sprachimmanent - d. h. auch unabhängig von bestimmten humanistischen Bildungsstandards - vielfältige Traditionsbindungen an die Antike bis heute wirksam sind, die im Recht, in der christlichen Religion und ihrer Pflichtenlehre, in den politisch-moralischen Implikationen von Philosophie, Rhetorik und aller Arten von Kunst, nicht zuletzt aber in den verschiedenen Gestaltungen des Staatsaufbaus selbst in der Neuzeitgeschichte ihre Wurzeln haben.

2. ZU EINZELNEN TYPEN POLITISCH HANDELNDER.

Die im folgenden wiedergegeben und kurz kommentierten Quellentexte aus der biblischen, der griechischen und der römischen Antike haben darin eine Gemeinsamkeit, daß sie immer wieder - in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen - für neuzeitliche Rückgriffe von Bedeutung waren und weiterhin sind. Es würde an dieser Stelle zwar zu weit führen, wenn die vielfältigen Äußerungsformen, in denen sich die folgenden Quellentexte - bzw. andere ähnliche Texte aus der Anrike und der hinter ihnen stehende Geist - in neuzeitlichen Anwendungen wiederfinden, in irgendeiner systematischen Weise anzugeben; daher müssen jeweils Andeutungen und kleine Beipiele genügen. Oft sind sie aber ohnehin klar, wie z. B. die Fortwirkung des Topos von der 'Überschreitung des Rubico' oder des Denkmal-Hexameters von den Thermopylen. Vielmehr soll umgekehrt der Leser die antiken Ausgangstexte genauer studieren und dann die vielfältigen Aspekte des Rückgriffs - von der emotionalen und bewertenden Absicherung bis zur 'einfachen' Übernahme oder Weiterführung vertrauter äußerer Muster, die genauer zu illustrieren sind - leichter und genauer finden. Über Querverweise sind die Quellenstellen deshalb in Anlagen zu diesem Haupttext einmal sowohl in ihrer antiken Originalsprache als auch in einer Übersetzung und zum anderen in zumeist etwas längerem Textzusammenhängen zugänglich.

a) Herrschaftsinhaber und Inhaber politischer Ämter.

Neuzeitliche Ethik der Politik - bis hin zu dem Konzept einer 'politischen Verabtwortungsethik' (Max Weber) - ist in starkem Maße auch durch antike Vorbilder und antike ideelle Vorläufer geprägt. In der Abtike tritt eine Ethik der Politik, d. h. die sytematische Begründung moralischen Handelns bei Politikern, markant in zwei Richtungen hervor: einmal in der aristotelischen Philosophie (z. B. in der 'Nikomachischen Ethik' des Aristoteles; sie ist der platonischen in diesem Punke ähnlich), zum anderen in der Stoa (z. B. in den 'Selbtsbetrachtungen' des Kaisers Marc Aurel). In der aristotelischen bzw. platonischen Philosophie spielen die 'Kardinaltugenden' eine axiomatisch-zentrale Rolle; das gilt der praktischen Bedeutung nach für die stoische, obschon diese einen anderen Ansatz hat. Es sind: 'phronesis', 'dikaiosyne', 'sophrosyne', 'andreia' - 'prudentia', 'iustitia', 'moderatio', 'fortitudo' - 'vorausschauende Klugheit', 'Gerechtigkeit', 'die Verhältnismäßigkeit wahrende Besonnenheit', 'Entschlossenheit und selbstloser Einsatz bei unvermeidlichen Risiken'. Diese Moralprinzipien sind primär auf den öffentlich-politischen Bereich ausgerichtet, weil sie dort ihre größte Wirkung entfalten, wenn sie vorhanden oder wenn sie fehlen. Aber auch im Privatleben muß ihre prinzipielle Strenge nicht immer übertrieben sein, und zumindest eine sittenstrenge Moralität im griechischen ebenso wie im römischen Bereich will sie auch dort verwirklicht sehen. Die Bedeutung in der römischen Ideenwelt macht einerseits Ciceros Schrift 'De officiis' deutlich, zum anderen die die Pflichtenlehre Ciceros aufgreifende in seiner die christlichen Tugenden 'Glaube', 'Hoffnung', 'Liebe' miteinbeziehenden Schrift 'De officiis ministrorum' des Kirchenvaters Ambrosius. Daß es sich dabei aber nicht nur um bloße Ideen, sondern auch um praktisch wirksame Normen handelt, zeigt der Bericht des Ammianus Marcellinus über die Tugenden und Schwächen Kaiser Julians. Er verdeutlicht, was die prinzipiellen moralischen Anforderungen in der politischen Praxis bedeuten und wie sich eine konkrete Person mit ihnen Mühe gibt - ungeachtet kleinerer Schwächen, die sie hat und die nicht etwa zu Idealisierungszwecken verschwiegen werden.Von Texten wie diesem, soweit sie in der Textüberlieferung zur Verfügung stehen oder in der Renaissance neu entdeckt werden, wird die politische Ethik späterer Epochen immer wieder geprägt; die Kardinaltugenden - weltliche und christliche - treten zum Beispiel immer wieder in Fürstenspiegeln oder in der Kirchen- und Buchmalerei des Mittelalters und der Neuzeit in Erscheinung. Sicherlich spielen für das politische Handeln auch Richtgrößen eine Rolle, die eher nicht moralisch, sondern interessenbedingt und macht- und selbstbehauptungsnestimmt erscheinen: generell etwa die Fähigkeit, die Machtverhältnisse entschieden zu nutzen und sich in Konflikten durchzusetzen oder die Fähigkeit zur politischen Routine. Doch sei darauf hingewiesen, daß auch diese Notwendigkeiten in einer aristotelischen Ethik - unter dem Aspekt der 'mesotes', des 'Mittelwegs' zwischen zuviel und zuwenig Pflicht bzw. Glücksbedürfnis, einen Platz haben. Der ggf. grundsätzliche Widersprüchen zwischen verschiedenartigen Richtgrößen haben antike Formen ethischen Denkens mit modernen Formen einer politischen 'Verantwortungsethik' ebenfalls gemein.

Zu den vordringlichen, aber nicht selten unbeachtet bleibenden politisch-moralischen Anforderungen an den Träger eines hohen Amtes gehört in der Antike die der konsequenten Orientierung der Amtsätigkeit auf das Staatsinteresse und die uneigennützige und im persönlichen Aufwand bescheidene Amtsführung. In der Beschreibung der Amtstätigkeit des älteren Cato als Praetor auf Sardinien wird diese Maxime lebendig vorgeführt. Diese Maxime wirkt, vermittelt über verschiedenartige literarische Beispiele dieser Art, in spätere Epochen weiter (erkennbar etwa in Friedrichs II. d. Gr. Wort vom 'ersten Diener des Staats'; siehe: DienerI.htm) und beeinfußt auch die üblichen Erwartungen an die politischen Amtsträger unserer Zeit; es hat auch in vielfältigen gesetzlichen Regelungen Ausdruck gefunden, die etwa die aktive und passive Bestechung, das Spendenwesen, die Rechnungslegung, die Verpflichtung zur Sachlichkeit und Gerechtigkeit gegen jedermann betreffen und von denen nach allgemeinem Konsens die Legimität der Amtsausübung in starkem Maße abhängt.

Kardinale Tugenden und kleinen Schwächen des Kaisers Julian.

Ammianus Marcellinus, Res gestae, 25. Buch, Kap. 5, Abschnitt 4.

 Julian

 Ein vorbildlich uneigennütziger und dem Staatswohl verpflichteter Provinzverwalter.

Plutarch, Marcus Cato ( = d. Ä.), 6.

Cato_maior(1)

 

b) Demagogen und Volkstribunen.

Aus der Antike sind zwei Muster für den volksnahen, die Sache des einfachen Volkes vetrtenenen Politker tradiert, die bis in die Gegenwart nachwirken. Das eine ist der negativ bewertete Typus des in der Sprache des einfachen Volkes agitierenden oder verantwortungslos die Gunst breiten Zuspruchs für kurzsichtige Zwecke nutzenden 'demagogos'. Das andere ist der Typus des Vertreters einer gerechten Sache des einfachen Volkes gegen die Gruppe der ungerechtfertigt sozial Bevorzugten und politisch Mächtigen, d. h. in Griechenland des 'demos' gegen die 'ologoi', in Rom der 'plebs' oder 'populares' gegen die 'optimates'. Wie die Einstellung zur Demokratie und zum 'demos' bzw. zur 'plebs' generell, so ist die zu den Führern einer 'Volks-Partei' in Athen und in Rom je nach der eher aristokratischen (oligarchischen) bzw. optimatischen oder der demokratischen bzw. popularen (plebejischen) Grundposition, die eingenommen wird, unterschiedlich. Das erste Muster tritt etwa in Aristoteles Schilderung eines verantwortungslosen Typs des 'Demagogen' i. S. hervortritt, das zweite in demselben Text in einer neutralen oder gar positiven Bedeutung des Wortes 'Demagoge' i. s. von tatkräftiger 'Führer des Volkspartei'.

Plutarchs Beschreibung des Volkstribunen C. Gracchus befaßt sich mit einem uneingeschränkt positiv eingeschätzten, integren und konsequenten Vertreter der Popularen-Politik, der auch noch verglichen mit den politischen Intrigen und Manipulation der Gegenseite in besonders vorteilhaftem Lichte dasteht. Beide Typen haben erhebliche wirkungsgeschichtliche Bedeutung sowohl im Mittelalter als auch in der Neuzeit entfaltet. Die monarchische und aristokratische Abneigung gegen demokratische Tendenzen tendiert auch in der Neuzeit zu einer Abwertung ihrer Führer als maßlos und 'demagogisch'. Noch Immanuel Kant etwa in seiner Schrift über den ewigen Frieden (1795, IKant.htm) hebt einen Unterschied zwischen Republik und Demokratie hervor und distanziert sich von einer üblichen 'Demagogie' in der letzteren. Umgekehrt findet das Beispiel beherzter und integrer Bürger und Volksführer der antiken Republiken und Demokratien in den auf Einführung dieser Staatsformen zielenden politischen Strömungen des späten 18. und des 19. Jhts. besondere Wertschätzung. Auch in dem Leitbild des 'Agitators' und 'Berufsrevolutionärs' der kommunistischen Parteien wirkt der Typus des kämpferischen Volksführers fort (siehe oben: Rhetor.GIF ). 

 Volksführer als Demagogen.

Auszug aus Aristoteles, Der Staat der Athener (27 und 28).

Demagogoi

 Der integre Volkstribun gegen die illegitime Übermacht der Privilegierten.

Auszug aus Plutarch, Gaius Gracchus (3 - 6).

CGracchus 

 

c) Feldherren und Befehlshaber.

Da die Theorie des Kriegswesens bis zur Gegenwart hin immer wieder auf die Kriegsgeschichte der Antike zurückgreift (siehe dazu: Kap_1 , zu P. 3, B, e), wirken auch diejenigen militärisch-politischen Führungsfiguren der Antike musterbildend nach , die schon in der Antike berühmt gewordene Beipiele strategischen und taktischen Handelns wurden, wie etwa Themistokles, Epaminondas, Alexander, Hannibal, Quintius Fabius Maximus Cunctator, P. Cornelius Scipio Africanus oder Caesar. Nicht nur die im engeren Sinne militärischen Operationen und Techniken interessieren dabei, sondern auch die politischen Orientierungen der Führungsfiguren, ihre Fähigkeit zur Analyse, zur Entscheidung, zur Gewinnung von Loyalität und zur Durchsetzung, insgesamt zur Meisterung des Kriegsschicksals, in dem sie eine teils sehr bestimmende, manchmal auch eine bewußt abwartende und defensive Rolle spielen. Eine der manchmal besonders folgenreichen Fähigkeiten des Oberbefehlshabers ist es, nicht nur nach einem vorgefaßten Gesamtplan zu handeln, sondern wichtige Veränderungen der politisch-militärischen Gesamtlage im Verlaufe des Geschehens sofort zu erspüren und die danach zu treffenden Entscheidungen schnell und überraschend für den Gegner zu treffen, aber dennoch im wesentlichen allseits durchdacht und dabei auf die Perspektive sowohl des Gefechts als auch der ganzen Kriegführung bezogen. Diese Fähigkeit wird in dem hier auszugsweise wiedergegebenen Bericht Plutarchs über Alexander hervorgehoben. Selbst wenn der Bericht etwas Legendenhaftes an sich haben sollte, so zeigt doch immerhin die antike Legende, wie wichtig die genannte Fähigkeit auch damals erscheint. Als weiteres Charakterelement eines beispielhaften Feldherrn tritt in Plutarchs Bericht die Fähigkeit Alexanders hervor, eine Entscheidungsschlacht - d. h. ein im Ausgang offenes Kampfgeschehen, von dem die weitere Entwicklung und in ihr das Schicksal einer Seite wesentlich abhängen - mit einem besonders starken Gleichmut und zugleich Wagemut zu bestehen.

Die nicht nur in äußeren, sondern auch in Bürgerkriegen zu treffende Entscheidung, die im Augenblick des Beschlusses in ihren Folgen nicht kalkulierbar ist, aber dennoch gewagt wird, setzt ebenfalls eine besondere Führungsfähigkeit voraus: insbesondere einen Wagemut, der die sorgfältige Untersuchung der sicheren Elemente einer Lageeinschätzung mit einer - in gewissem Maße schicksalsergebenen - Hinnahme notwendiger Unsicherheitsmomente auch von größter Tragweite verbindet. Dieser Typ des Handelns ist dem heute gefügelt gewordenen Wort von der 'Überschreitung des Rubico' angesprochen, das sich auf Caesars Vorgehen im Jahre 49 v. Chr. bezieht. Von ihm berichtet ebenfalls Plutarch, in seiner Caesar-Biographie, die übrigens als Parallelwerk zu der Lebensbeschreibung 'Alexanders' angelegt ist (bioi paralleloi). In der Caesars Berichterstattung des des 'bellum civile' Caesars erscheint die Episode an der in Frage kommenden Stelle nicht (Caesar, b. c. 1, 8).

 Tun des Unerwarteten, ruhige und vorausschauende Nutzung des Augenblicks.

Plutarch, Alexander 31, 5 - 32 , 5.

 Alexander

 Wagemut bei folgenreichen Entscheidungen: Caesars Überschreitung des Rubico.

Plutarch, Caesar 32, 4 - 33, 3.

 Caesar

d) Gottesmänner.

Zu dem Erbe der jüdischen und der christlichen Antike in der Welt moderner politischer Ideen gehört eine für den Konfliktfall wichtig werdende deutliche Entgegensetzung politisch-säkularer Herrschaft und religiöser Tradition. Zwar gibt es einerseits eine Trennung von Profanität und Sakralität und ein Eigengewicht des Religiösen auch in nicht-jüdischen und nicht-christlichen Religionsformen und andrerseits ggf. auch eine enge Verbindung von politischer und religiös-hierokratischer Macht in jüdisch und in christlich geprägten Bereichen der Antike. Aber die Betonung einer absoluten Höherwertgkeit des göttlichen Willens gegenüber der profanen politischen Macht in bestimmten alternativlosen Konfliktfällen wird jedenfalls wegen der fast ausschließlich durch christliche Milieus geprägten Überlieferungsgeschichte des antiken Erbes in Europa bis heute im allgemeinen als in charakteristischer Weise alttestamentarisch-jüdisch oder neutestamentarisch-christlich verstanden. Die bedingungslos am göttlichen Wort ausgerichtete, in der Wirkung moralische Korrektur politischen Handelns ist im Alten Testament eine den Propheten zustehende Aufgabe; sie wirddemonstriert durch Nathans Bußpredigt gegenüber David wegen dessen Verfehlung gegenüber Urias (1. Sam. 11).

In ähnlicher Weise - und sogar unter Berufung auf Nathans Beispiel - tritt der christliche Bischof von Mailand und geistliche Ratgeber verschiedenere Kaiser der valentinianisch-theosodianischen Dynastie, Ambrosius, wegen einer vom Kaiser Theodosius befohlenen maßlosen Vergeltungsaktion gegen die zeitweilig aufständisch gewesenen Bürger der Stadt Thessalonike als religiös-moralischer Korrektor auf; der in der Form außerordentlich dezente, in der Sache aber überdeutliche Appell an den Kaiser, sein Handeln öffentlich als Fehler einzugestehen und deswegen öffentlich Buße zu tun, bezieht im Hintergrund auch die kirchliche Synode und ihre Verurteilung des kaiserlichen Verhaltens ein. Die Nichtidentität 'weltlicher' und 'geistlicher' 'Gewalt', politischer und kirchlicher Kompetenz begleitet die politische Ideengeschichte Europas seit dem Mittelalter und führt auch dort, wo es zu engen Verbindungen zwischen 'Thron und Altar' kommt, zu charakteristischen Formen eines 'Gottesgnadentums' der Herrschaft, die sich von denen einer Gottgewolltheit, Gottverliehenheit oder gar Göttlichkeit der Herrschaft unterscheidet, wie sie etwa in der vorchristlichen hellenistischen und römischen Monarchiegeschichte zu beobachten ist. 

 Der durch Machtverhältnisse nicht beirrbare Übermittler des göttlichen Gebots.

1. Buch Samuel, Kap. 11: König Davids Sünde und die Strafankündigung des Propheten Nathan.

 Nathan

 Der geistliche Auftrag des Bischofs auch gegenüber der politischen Macht.

Ambrosius, Epistula 11 extra collectionem (an Kaiser Theodosius, d. J. 390 n. Chr.).

Ambrosius

e) Politische Philosophen und Gelehrte.

In der politischen Philosophie Platons und auch Aristoteles, die über die akademische und die peripatetische Schultradition auch die römische Bildung maügeblich prägten und späterhin die Ausgangsbasis politisch-theoretischen Denkens im Mittellalter und in der Neuzeit bildeten, ist eine charakteristische Gemeinsamkeit die distanziert-kritische Einstellung zur 'Demokratie'. Zwar ist bei ihnen theoretisch nicht generell ausgeschlossen, daß eine Demokratie auch ein gesetzmäßiger und den Zwecken eines 'guten Lebens' (eu zen) gewidmeter Staat, eine 'politeia' im positiven Sinne sein kann. Aber nach ihrer theoretischen Überzeugung ist es doch eher wahrscheinlich, daß diese Staatsform, wie sie ihnen in ihrer antiken Form erscheint, irgendwann entartet, und zwar aus zwei Gründen: einmal verhindere das in ihr zur Herrschaft gelangte Freiheitsbedürfnis immer wieder einmal und u. U. dann, wenn es darauf ankomme, die im Interesse des Gemeinwohls gebotene Umsetzung unangenehmer Wahrheiten in politische Konsequenzen, und zum anderen entwickelten sich in ihrem Schoße unkontrollierbare Macht- und Interessengruppen, aus denen sich ggf. sogar eine Tyrannis entwickeln könne. In dem sog. 'Kreislaufmodell' der Verfassungen, das die antike Schultradition (z. B. Polybios, Cicero) aus den Lehren beider Philosophen ableitet, ist das sogar eine Art Gesetzmäßigkeit. Diese Art der Demokratie-Kritik hat sich in nachantike Epochen übertragen und pflegt sich dort in Polemiken gegen eine selbstgefährdende Herrschaft des Volkes, zumindest aber in einer genauen Unterscheidung zwischen republikanischer Ordnung und Demokratie-Konzepten niederzuschlagen; ein Beispiel dafür findet sich etwa in Immanuel Kants aufgeklärter Schrift 'Über den ewigen Frieden' (IKant.htm). Auch jüngere Formen der Kritik an den modernen Formen der Demokratie greifen auf die Muster antiker Demokratie-Kritik zurück, wenn sie etwa die Unfähigkeit, interne Probleme von großer Tragweite zu lösen, oder Formen der Verselbständigung von Interessengruppen gegenüber dem Allgemeinwohl, des übermäßigen Einflusses der Parteien oder der Öffentlichkeitsmanipulation ins Auge fassen (vgl. NPostman.htm).

Diese Art politischer Philosophie ergibt sich sowohl bei Platon als auch bei Aristoteles aus einem 'paradoxalen', d. h. bewußt gegen die herrschende Meinung gerichteten, 'theoretisch-wissenschaftlich' konzipierten Denkansatz. Beide leben und wirken ja in der antik-demokratischen Ordnung Athens. Sie kritisieren sie dennoch, aber in 'theoretisch-wissenschaftlicher' Weise, nicht etwa in Form politischer Agitation. Dieser Typ der theoretischen Kritik einer politischen Ordnung, der noch innerhalb der Toleranzbereitschaft des politischen Systems bleibt, ist vielfach ebenfalls geitesgeschichtlich prägend gewesen- so etwa in der Epoche der Aufklärungsphilosophie unter absolutistischen Regimen (vgl. als Typ etwa CMontesq.htm oder nochmals IKant).

Ein weiteres aus der antiken Philosophie erebtes Muster neuzeitlichen politischen Denkens ist das der philosophischen Souveränität ('Geistesfreiheit', etwa i. S. der Kantischen Definition: 'Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit') gegenüber den im gesellschaftlichen Leben sich immer wieder neu etablierenden Formen, einen Rahmen erlaubten Denkens und Sprechens abzustecken und an die Stelle einer Gedanken- und Meinunsgfreiheit 'allgemeinübliche Auffassungen, Sitten und Gebräuche' (sensus communis, sententiae), autoritative Äußerunge irgendwelcher Respektspersonen (autoritas), zeitgemäße Moden, Wünsche und Träume oder genau besehehen inhaltsleere, wenn auch schöne rhetorische Formeln der öffentliche Rede (urbanitas) und nicht zuletzt das furchterregende Gebot oder Imponierverhalten politischer Gewalt (timor) zu setzen. Der politischen Sphäre gegenüber etwa äußert sich ein philosophischer Widerstand in einer gewissen Verachtung für die Zufälligkeiten des Machtgewinns, wie sie etwa in Platons Wort zum Ausdruck kommt:"Kennst du irgendeine andere Lebensform, die sich von der politischen Macht so wenig beeindrucken läßt wie eine wirklich wahrheitsliebende Philosophie?" ("Echeis bion allon tina politikon archon kataphronounta e ten alethinen philosophian?" - rep. 7, 521 a). Plastischer tritt diese Maxime der inneren Unabhängigkeit gegenüber der gesellschaftlichen Umwelt generell und u. U. auch gegenüber politischen Machthabern in den - zwar oft legendenhaften, aber auch in ihrer gelegentlichen Trivialität bezeichnenden - antiken Berichten über den Kyniker Diogenes von Sinope hervor. Zwei Beipsiele dieser Überlieferung - aus Diogenes Laertos 'vitae philosophorum' und aus Plutarchs Alexander-Biographie -, die beide u. a. die berühmte Szene des Zusammentreffens mit Alexander enthalten, sind hier wiedergegeben. Die kynische Einstellung dürfte in der neuzeitlichen Ideenwelt manche Nachwirkungen hinterlassen haben, die als solche nicht mehr bewußt sind; so etwa die Vorstellung von den 'Intellektuellen', welche 'wurzellos' seien: diese negative Bewertung nimmt auf die 'paradoxale', gegen etablierte, aber unrichtig erscheinende Auffassungen gerichtete 'theoretische Kritik' einer sich nach ihren bestimmenden Prinzipien abgrenzenden philosophischen Eigensphäre Bezug, vermag aber ihren inneren Sinn nicht anzuerkennen. 

 Kritik an der Demokratie und an anderen Staatsformen.

Platon, Politeia 8, 14 - 16 (561 c - 566 d).

Platon

 Betont 'unpolitische' und 'wurzellose' Philosophie zur Wahrung der Geistesfreiheit.

Auszüge aus Diogenes Laertios, De clarorum philosophorum vitis ( 6, 38) und Plutarch, Alexander 14.

 Diogenes

 

e) Politische Publizisten und Künstler.

Die hohe Wertschätzung, die die Rhetorik in der griechischen und römischen Kulturzone der Antike besitzt, äußert sich u. a. darin, daß sie dort in den Kreis der 'eggyklios paideia', der 'artes liberales' aufgenommen ist, in einen Kreis im allgemeinen der beruflichen und politischen Praxis ferner 'theoretischer' Wissensgebiete. Zwar besteht die Rhetorik auch aus einer Vielzahl eher 'theoretischer' Wissenteilgebiete - von philologischen und literarischen Kenntnissen bis zur historischem, juristischem und politischem Wissen -, doch das Wesentliche an ihr ist gerade ihr Praxisbezug, im politischen Bereich die Einflußmöglichkeit, die sie in den Verfahren der Meinungsbildung und Beschlußfassung eröffnet, wo die staatliche Verfassung in der Antike sie vorsieht: d. h. vor allem in der 'Öffentlichkeit antiker Republiken wie Rom und Demokratien wie Athen. Ciceros Darlegungen über die Rhetorik in 'De oratore', die hier auszugsweise wiedergegeben werden, heben gegenüber einer eher theoretisch-bildungsmäßigen - von ihm als 'griechisch' apostrophierten - Einordnung der Rhetorik ihre politisch-praktische Bedeutung bei der politischen Willensbildung und für die Laufbahnen der Politiker hervor; das Werk ist in dieser Hinsicht mit vielen Beispielen versehen und ein Ergebnis auch vielfältiger eigener praktisch-politischer Erfahrung. Für die Geschichte späterer Epochen hat dieses - auch im klassischen Athen gültige - Konzept politischer Rhetorik immer wieder große Bedeutung gehabt, insbesondere auch im Rahmen der neuzeitlichen verfassungsgeschichtlichen Entwicklung zu modernen Republiken und Demokratien, in denen es wegen der vielfältigen Wahl- und Abstimmunsverfahren auch eine öffentliche Meinung und ein Parteienwesen gibt, in dem Reden und mehr noch, mit dem Buchdruck und der Entstehung anderer 'Medien' , mediales Publizieren größte politische Bedeutung für die ideologische, juristische und politische Durchsetzung und generell für die Erringung politischer Macht erhält (siehe dazu: Kap4.htm, zu P. 1). Auch die Funktion der heutigen Massenmedien hat - trotz aller technologischen Neuigkeit ihrer Verfahren - ihre Hauptwurzel in der Rhetorik-Lehre der Antike, und man kann deshalb die antiken Rhetorik-Werke mit großem Gewinn für eine kritische Beurteilung heutigen, je nach vorgegebener Zielsetzung politisch aktivierend, neutralisierend oder desinformierend wirkenden Medieneinflusses lesen.

Die Musenkünste der Antike

(Erato [mit Saiteninstrument] - Liebeslyrik; Euterpe [mit Doppelflöte]- lyrische Posie; Kalliope [mit Tafel, Buchrolle und/oder Griffel] - epische Dichtung, Wissen; Klio [mit Griffel, Buchrolle und/oder Bücherkiste] - Historie; Melpomene [mit tragischer Maske, Keule und Weinlaubkranz] - Tragödie, Gesang; Polyhymnia [zumeist ohne Attribute, manchmal mit Buchrolle, immer in ernst sinnender Haltung] - ernster , instrumental begleiteter Gesang; Terpsichore [mit Lyra und Plektron, zumeist im Tanzschritt] - Tanz; Thalia [mit komischer Maske, Efeukranz und Krummstab] - Komödie; Urania [mit Himmelsglobus und Zeigestab] - Astronomie),

gehören prinzipiell alle auch zum Kreis der 'eggyklios paideia' oder 'artes liberales', wo sie entweder unter 'Philologie', 'Musik' oder 'Astronomie' einzuordnen sind; auch andere nicht eigens erwähnte Kunstfähigkeiten - wie Malerei, Bildende Kunst oder Architektur - sind - jedenfalls prinzipiell - dort einzuordnen, auch wenn sie in die traditonelle Musensymbolik nicht Aufnahme finden. Allerdings gibt es - etwa nach römischer Auffassung (vgl. Cicero, off. 150 f.: Kap.6, zu II, A und Analyse) - eine Grenze, jenseits derer eine Kunst nicht als 'frei', sondern als 'Bedarfsdeckungskunst' und damit als niederrangig im Wert angesehen wird: dann nämlich, wenn sie in einem Sklaven- oder Dienstvertragsverhältnis oder in einem ähnlich inferiorisierenden Abhängigkeitsverhältnis, z. B. eines Schaustellers oder Schauspielers, erbracht wird. Als nicht inferiorisierend gilt dagegen eine Kunstausübung, die von mächtigen Gönnern gefördert wird. Die Förderung der 'ingenia et artes' ist bereits in den griechischen Poleis eine Wohltat (leitourgia, euergesia) der dazu fähigen Reichen und politischen Amtsträger gegenüber den Künstlern unter den Minderbemittelten. In den hellenistischen Monarchien ist die Förderung der Künste und Wissenschaften, etwa in 'Museen' und 'Bibliotheken' der Metropolen, ein wesentlicher Zug monarchischer Selbstdarstellung. Auch in römischer Zeit macht die Förderung der Wissenschaften und Künste durch reiche Gönner wie den Freund des Augustus, Maecenas, oder den reichen Rhetor Herodes Atticus (2. Jht. n. Chr.) von sich reden. Die römischen Kaiser selbst übernehmen gleichfalls in vielfältiger Weise eine derartige Förderung. Die dadurch bedingte Abhängigkeit der geförderten Kunstausübenden vom Gönner, wird, obschon gelegentlich überdeutlich im Werk zutagetretend, schon deshalb nicht als Herabwürdigung empfunden, weil der Förderer eine unanfechtbar angesehene Stellung einnimmt und vielleicht auch, weil die Fördrung eher der Kunst als dem Künstlergewidmet zu werden pflegt. Allerdings ist eine solche Unterscheidung, was die Abhängigkeit betrifft, unwesentlich. Ein Beispiel für eine solche Abhängigkeit ist Vergil, der mit seinem Grundbesitz in Norditalien von Octavian, dem späteren Augustus, gegen eine Enteignungsmaßnahme zugunsten anzusiedelnder Veteranen nach dem Bürgerkrieg der Jahre 43 - 41 in Schutz genommen wird; er gehört zum 'Freundeskreis' nicht nur des Maecenas, sondern auch des Augustus, und dies zeigt sich deutlich auch in seiner Ekloge Tityrus, die hier wiedergegeben ist. Dieser Typ der Förderung eines Künstlers durch einen mächtigen Gönner hat in der späteren Geistesgeschichte fortgewirkt, in der Neuzeit etwa in der Fördrung des Wissenschaften und Künste durch absolutitische Herrscher. Auch nach der Etablierung von Republiken und Demokratien wirkt dieses Muster fort. Die Wissenschafts- und Kunst-Förderung wird dabei tendenziell einerseits entpersonalisiert und andrerseits politisch ideologisiert, und umgekehrt besteht das Dankbarkeits- und Abhängigkeitsverhalten des Geförderten tendenziell in einer Loyalität gegenüber politischen Systemen und ihren Ideologien. Was die Abhängigkeit und ihre immer wieder deutlich werdenden begrenzenden und fremdbestimmten Auswirkungen auf die künstlerische Werkgestaltung betrifft, ist das allerdings unwesentlich, auch wenn eine - wie immer definierte - ästhetische Qualität dadurch nicht vermindert zu werden braucht. Im Gegenteil zeigt das Beipsiel Vergils, wie sich hohe Kunst mit einem hohen Maß an politischer Loyalität verbinden kann - einauch für spätere Zeiten immer wieder bedeutungsvoll gewordener Hinweis darauf, daß eine überzeugende Kunstäußerungen einer politischen Aussage (etwa der Art, Augustus sei wegen seiner Verdienste ein gottgleich zu verehrender Herrscher), auch wenn sie unrichtig oder überrieben sein sollte, den Schein von unabweisbarer Richtigkeit zu verleihen vermag.

 Rhetorik als Zugang zu Einfluß, Macht und Würde.

Cicero, De oratore 1, 13 - 23.

Cicero

 Die Zuarbeit zur Politik mit den Mittel hoher Kunst.

P. Vergilius Maro, Ecloga I: Tityrus

Vergil

f) Beamte und Richter.

In der späteren römischen Kaiserzeit, deren administrative und jurisdiktionäre Ordnung unter den antiken Epochen für die nachfolgenden die größte Prägekraft entfaltet hat, lassen sich drei Arten von Beamten unterscheiden:

a) der bevollmächtigte Oberbeamte, der in der römischen Tradition der Magistrate administrative und jurisdiktionäre Befugnisse in seiner Hand vereinigt und selbständig für bestimmte Regionen des Reichs oder bestimmte Aufgabenbereiche der Militär- oder Zivilverwaltung ausübt,
b) den zum Verwaltungsstab eines Oberbeamten gehörenden Subaltern- oder Unterbeamten, der nach Weisung und unter Ausicht seine auf unterschiedlichen Verantwortlichkeitsstufen, dei ihm innerhalb einer Matrikelordnung zugewiesen sind, seine Aufgaben erfüllt, und
c) den Hofbediensteten, der dem Kaiser persönlich und seiner Familie dient und dabei je nach seinem Aufgabenbereich oder speziellem Auftrag auch wichtige politische, militärische oder administrative Aufgaben wahrnehmen kann; dieser Kreis schließt die Bediensteten des engeren persönlichen Lebensbereichs des Kaisers ein, deren oberste und in höchster Vertrauensstellung befindlichen - wie etwa der praepositrus sacri cubiculi - in der Regel Eunnuchen sind.

Die Loyalitätsanforderungen an diese Gruppen sind typisch unterschiedlich. Muß der Oberbeamte seine Loyalität gegenüber Staat und Herrscherhaus in einer umfassenden, regierungsähnlichen Machtstellung, in der Regel in räumlicher Entfernung vom kaiserlichen Hofe erweisen, so ist beim Subalternbeamten eine genaue Erfüllung der ihm erteilten Weisungen zentraler Inhalt seiner Dienstpflichten. Der Hofbedienstete schließlich, vor allem je höher sein Rang ist, hat eine extreme persönliche Vertrauensstellung neben einer faktischen politischen Verantwortung inne, die ihm sowohl persönliche Loyalität gegenüber dem Herrscherhaus als auch Wahrung des staatlichen Interesses, wenn es sein muß, in moderatem Widerspruch gegen unkluges Handeln seines kaiserlichen Herrn, abverlangt.

Der Typus des außerordentlich verantwortungsvollen hohen Hofbediensteten wird von Ammianus Marcellinus in Gestalt des praepositus sacri cubiculi Eutherius beschrieben. Zwar hat Ammianus Marcellinus zu den Eunuchen am kaiserlichen Hofe eine auch zu seiner Zeit übliche - und evtl. durch persönliche Erfahrungen erhärtete - zwiespältige Einstellung; er steht aber nicht an, einen bewundernswert pflichtgetreuen und umsichtigen Eunuchen in kaiserlichem Diensten auch als solchen anzuerkennen und in historischer Erinnerung zu halten. In der Beschreibung des Eutherius werden als beeindruckende Züge seiner leitenden Hofbeamtentätigkeit die Unbeirrbarkeit gegenüber kaiserlichen Unklugheiten, seine menschlich ausgleichende Fürsorge für diejenigen, mit denen er zu tun hat, seine Bildung und sein stetiger energischer Einsatz hervorgehoben. Das Muster des vorbildlich agierenden Untergebenen und Gefolgsmannes in politischer Vertrauensstellung findet sich auch an anderen Stellen der literarischen Überlieferung der Antike immer wieder. Es ist auch für spätere Epochen maßgeblich geworden, in denen Räte und Minister von Herrschaftsinhabern an zumindest ähnlichen Maßstäben gemessen zu werden pflegen.

Der Typus des Oberbeamten, wie er in aus der Eidesformel für Provinzialbeamte in justinianischer Zeit abgeleitet werden kann, aber wegen der kontinuierlichen Verwaltungstradition der Spätantike prinzipiell auch für frühere Zeiten anzunehmen ist, wird durch verschiedene Merkmale geprägt, die sich wie folgt zusammenfassen lassen: unbedingte persönliche Loyaliät gegenüber dem Herrscherhaus, orthodox-katholische Gesinnung, Uneigennützigkeit und Unbestechlichkeit, sorgfältige Wahrung der Staatsinteressen, insbesondere auch der finanziellen, Verhältnismäßigkeit und Gleichheit gegen jedermann bei der Verwaltung und Rechtsprechung, Durchsetzung des Gesetzes ohne Abstriche, paternale Fürsorge für die Untertanen, und bei der Erfüllung aller Amtspflichten Gewissenhaftigkeit (conscientia). Es ist nicht schwer, in diesem Muster den Beamtenbegriff späterer Zeiten, so etwa den des Staatsdieners in absolutitischen Herrschaftssystemen wiederzuekennen. Allerdings hat die unbezweifelbare Rationalität des antiken Beamtenbegriffs mit nur einigen Abstrichen zu einer prinzipiellen Fortdauer seiner Traditionen - nicht nur im deutschen Bereich - bis in unsere Zeit geführt.

 Loyalität und Selbstbeherrschung des Hofbeamten.

Ammianus Marcellinus, Res gestae, 16. Buch, Kap. 8, Abschnitt 7, 7.

Eutherius 

 Der Amtseid und die den Beamten prägenden Pflichten.

Nov. VIII Iustiniani (Authenticum), app.

 Iusiurandum

g) Geschäftsleute, Unternehmer.

Die Moralität der wirtschaftlichen Geschäftstätigkeit bzw. die an sie von außen angelegten allgemeinen Moralvorstellungen haben in den nachantiken europäischen Völkern auch indigen-ethnische Wurzeln, die schwer zu ermitteln sind, aber etwa im frühen Mittelalter gelegentlich in Erscheinung treten. Späterhin - im Rahmen rezeptiver Prozesse, etwa des Rechts - ist in starkem Maße die Moral für das Wirtschaftsleben allerdings auch von antiken Mustern mitgeprägt worden. Neben den von Max Weber untersuchten christlichen Einfüssen auf einen 'Geist des Kapitalismus' seit der Reformation gibt es ältere nicht-christliche und christliche Einflüsse aus der Antike (siehe: Kap4.htm , zu 2 , b, s. v. Ludwig Erhard). Zu den nicht-christlichen gehören ein positiv bewertetes und mehrere negativ bewertete Muster. Als vorbildlich gilt in verschiedenen Kulturzonen der Antike der das Familienvermögen tüchtig verwaltende und mehrende Familienvater, und dieses Muster bleibt später erhalten. Es ist u. v. a. in Plutarchs Beschreibung des älteren Cato gemeint, die hier auszugsweise wiedergegeben wird. Negativ pflegt in allen Kulturzonen der Antike der Typ des rücksichtslosen, z. B. übermäßige Zinsen nehmenden oder dunkle Geschäfte betreibenden Geschäftemachers zu sein. Negativ bewertet ist ferner - in starkem Maße etwa in Rom - der Typ des 'kulturlosen Aufsteigers'; dieser ist dadurch gekennzeichnet, daß er aus sozial inferioren Verhältnissen kommt und aufgrund geschäftlichen Erfolges oder Glücks in soziale Milieus aufsteigt, in denen er sich aufgrund seiner fehlenden 'Bildung' nicht standesgemäß zu bewegen vermag. Neben dem ungerechtfertigten ständischen Hochmut bei dieser Bewertung steht die an sich richtige Erkenntnis, daß weder die rein marktgemäße Befriedigung menschlicher Bedürfnisse - die oftmals etwas Sinnloses und Unvernüftiges an sich haben - ohne weiteres etwas Wertvolles ist, das soziale Anerkennung rechtfertigt, noch daß die bloße Akkumulation eines Privatvermögens im Wege der Wirtschaftstätigkeit eine maßgebliche Position im politischen oder kulturellen Leben verschaffen darf, wenn sie sich nicht zugleich mit angemessenen sittlichen, geistigen und politischen Fähigkeiten verbindet. Solche Fähigkeiten eigneten allerdings schon in der Antike auch manchen Angehörigen höherer Stände gar nicht. Das Negativmuster des 'Parvenus' ist in der europäischen, stark aristokratisch geprägten Geistesgeschichte immer wieder von Einfluß gewesen und hat sich etwa sowohl im politischen Widerstand gegen die Einführung liberalwirtschaftlicher Organisationsformen in die Nationalgesellschaften Europas als auch in vielfältigen und hartnäckigen Formen politisch wirksamer ständischer Vorurteile - etwa des Adels gegenüber dem 'Bürgertum', des Bürgertums gegenüber dem 'Proletariat', des Großbürgertums gegenüber dem 'Kleinbürgertum' oder der geisteswissenschaftlich gebildeten gegenüber der technisch-wirtschaftlichen Intelligenz niedergeschlagen. 

Mehrung des Privatvermögens als moralische Pflicht.

 Plutarch, Cato maior 21. 5 - 7.

 Cato_maior(2)

 Der tüchtige und kulturlose Geschäftemacher.

Petronius Arbiter, Satyricon 28 - 30 und 37 - 40 (Auszüge aus dem 'Gastmahl des Trimalchio').

Trimalchio

 

h) Loyale Bürger.

Zu den notwendigen Bürgertugenden, von denen der Bestand des Staates dann abhängt, wenn er auf Zustimmung und Mitarbeit des Volkes im Rahmen seiner politischen Ordnung beruht, gehört die Geduld der Bürger gegenüber menschlichen und institutionellen Mängeln oder Irrtümern dieser politischen Ordnung, solange jedenfalls wie sie als unbeabsichtigte Nebenwirkung oder als falsche Konsequenz an sich richtiger Staatszwecke und Verfahrensweisen erklärbar sind. Wieweit diese nötige Geduld gehen muß, kann dabei nicht nur als eine Frage des Einzelbeurteilung angesehen werden, sondern hängt von einer prinzipiellen Toleranzspanne ab, auf die sich die politische Ordnung muß einstellen können, gerade wenn sie nicht nur zentral und mit Zwangsmitteln, sondern auch durch politische-öffentliche Meinnungsbildung und durch die Integration u. U. heftig divergierender Interessen bestimmt wird. Dieses Problem ist in den antiken Republiken und Demokratien bewußt und wird auch immer wieder in eindrucksvollen Erzählungen der überlieferten griechischen und lateinischen Literatur über Vorbilder bürgerlicher Loyalität ('Eintracht' - 'homonoia', 'concordia') angesprochen. Für den römischen Bereich hat u. a. die Fabel des Menenius Agrippa bei Gelegenheit der ersten 'secessio plebis' (Livius, 2, 32, 8 ff.) Berühmtheit, auch in nachantiken Epochen, erhalten. In der griechischen Literatur ist im Hinblick auf den Grundgedanken - die geduldige Hinnahme der Fehler eines an sich als gerecht akzeptierten Gemeinwesens- vor allem der Bericht Platons über den Tod des Sokrates berühmt geworden, und zwar wohl deswegen, weil Sokrates nach der Darstellung Platons das Prinzip der Loyalität - durch seine praktisch an sich nicht nötige Hinnahme der Todesstrafe - philosophisch zuspitzt und damit in ihrer Konsequenz verdeutlicht.

Eine andere Form der Verbundenheit mit einer staatlichen Ordnung ist die gewissenhaft-zweckentsprechende Handhabung von Rechten und Kompetenzen, die einem Bürger bzw. einem Amtsträger zustehen. Mustergültig wurde in der römischen Antike das Verhalten des in der plebs romana an sich nicht beliebten Cincinnatus empfunden, der in einer Notsituation in der typisch römischen Form auf wenige Monate zum Dicatator, zum Imperiumsträger mit unbegrenzten Vollmachten, berufen, in der kürzest möglichen Zeit seine militärischen Aufgaben erfolgreich löst und dann sofort die nicht mehr gerechtfertigte diktatortische Kompetenz aufgibt. Diese vorbildlich republikanische Gesinnung hat in der Entstehungszeit der USA eine Art politischer Rezeption erfahren und ist zum Beispiel in den Namen der Stadt 'Cincinnati' eingegangen. 

 Abwägende Nachsicht gegen ein Unrecht des Gemeinwesens.

Platon, Phaidon 114 d - 118 (Tod des Sokrates).

 Sokrates

 Cincinnatus vorbildlich republikanische Art, die Diktatur auszuüben.

Livius, An urbe condita, 3. Buch, 26, 7 - 29, 7.

Cincinnatus

i) Loyale Soldaten.

Auch die militärischen Traditionen der Neuzeit wurzeln in wichtigen Traditionssträngen in der Antike. Das gilt etwa für die grundsätzliche Motivation der Bürger eines Staates, in einem militärischen Verbande dieses Staates Diensrt zu tun. In charakeristisch anderer Weise als etwa persönliche Treue (z. B. in Vassallitätsverhältnissen) , als vertraglich begründete Bindung (z. B. im Söldnerwesen) oder als religiöse Aspekte (z. B. im Religionskriegertum) beruht dieser Typus eines - i. e. S. einer auf den Staat orientierter Disziplin - 'militärischen' Selbstverständnisses auf einer sehr weitgehenden Bindung an den Staat als Staat. Ein wichtiger Teilaspekt ist dabei der prinzipielle Aufopferungsgedanke. Er stellt - jedenfalls prinzipiell und im Hinblick auf die vielen mehr oder weniger zwangsläufigen menschlichen Defekte und interessenbezogenen Rücksichtslosigkeiten aller politischer Ordnung nicht selbstverständlich - das staatliche Interesse über das eigene Leben. Verständlich wird er durch mit ihm verbundene, sehr hoheWertvorstellungen von 'patria', 'time'/ 'gloria' und 'eleutheria'/ 'libertas', denen zu dienen, die zu erwerben oder zu bewahren als auch persönlich bewegender Grund für den militärischen Einsatz gilt. Das bekannteste antike Vorbild dafür ist die Selbstaufopferung der Thebaner, Thespier und Spartiaten unter Führung des spartanischen Königs Leonidas in der Schlacht an den Thermopylen im Jahr 480 v. Chr. gegen das zahlenmäßig überlegene Heer des Xerxes, von der Herodot berichtet. Militärische Loyalität in dieser Strenge galt der griechischen ebenso wie der römischen Antike zumindest als politisch-moralisches Leitprinzip, wie auch das nächstfolgende Textbeispiel aus Aulus Gellius zeigt. Späterhin wurde auch in allen von antiker Tradition geprägten europäischen Ländern das Vorbild des Leonidas immer wieder zitiert oder zumindest als Grundidee für eine militärische Praxis maßgeblich. Gerade die charakteristische Schärfe des Prinzips macht seine primäre Traditionsbindung an die Vorbilder des staatlich organisierten Militärwesens der Antike wahrscheinlich; doch dürfte es auch - jeweils für einzelne Länder spezifische - barbarisch-ethnisch gebundene Formen des Kriegertums geben, die in neuzeitlichen Militärtraditionen außerdem fortwirken.

Zu den auf die Antike zurückführbaren Vorstellungen gehört auch die vom 'unbekannten Soldaten', d. h. die auf den militärischen Bereich angewendete Fassung der allgemeinen Erkenntnis, Undank sei der Welt Lohn, und nur unter günstigen Bedingungen - gewissermaßen sporadisch und eher zufällig - pflegten militärische Leistungen als solche in irgendeiner substanziellen Erinnerung bei denen zu bleiben, für die sie erbracht werden. Das tragische Moment, das darin liegt, führt schon in der Antike, wie etwa in der Erzählung Catos über einen aufopferungsbereiten Tribunen im ersten punischen Kriege, zu einer Art exemplarischer Ehrung. Solche exemplarische Ehrung findet sich etwa in zahlreichen Kriegs-Denkmälern verschiedenener europäischer Länder für 'den unbekannten Soldaten' in unserem Jahrhundert ebenfalls.

  Militärische Selbstaufopferung für das Vaterland.

Herodot, Historien 7, 219 - 228 (über die Schlacht an den Thermopylen i. J. 480 v. Chr.).

Leonidas

  Die Leistungen eines unbekannten Soldaten.

Aulus Gellius, Noctes Atticae 3, 7, 2f .

Tribunus

3. LITERATUR, MEDIEN, QUELLEN.

Zu Literatur, Medien und Quellen siehe auch das allgemeine Literatur-_und_Quellenverzeichnis mit weiteren ggf. interessanten Hinweisen.

Die Auswirkung antiker Muster in persönlichen Verhaltensprägungen politischer Persönlichkeiten der neuzeitlichen Geschichte ist systematisch kaum irgendwo zusammengefaßt. Literarische Belege dafür finden sich entweder in ideen- oder literaturgeschichtlichen Gesamtdarstellungen, ferner in der historischen Darstellung bestimmter Berufs-, Sozial- oder Politikergruppen und Bildungsmilieus, hier aber in aller Regel und verständlicherweise nicht konzentriert auf den Aspekt der Wirkungsgeschichte antiker Muster. Dasselbe gilt für die biographische Literatur und natürlich auch für die Sprachkunst-Literatur (wie z. B. Heinrich Bölls 'Wanderer, kommst du nach Spa...' im Zusammenhang mit P. 2 k). Aus dieser unübersehbar großen Literaturmenge können hier nur einige mehr oder weniger zufällig ausgewählte Titel aufgeführt werden. Der Leser wird bei eigenen Nachforschungen unschwer weiteres Belegmaterial finden. 

Literatur:

Zu P. 1
Fenske, H., Mertens, D. u. a., Geschichte der politischen Ideen von Homer bis zur Gegenwart, (1981), aktualisierte Neuausgabe, Frankfurt 1997.
Bolgar, R. R. (Ed.), Classical Influence in European Culture (1500 - 1870), 3 Bde., Cambridge 1971 - 1979 (für die Neuzeit vor allem Bd. III.)
Gilbert Highet, The Classical Tradition. Greek and Roman Influences on Western Literature, (1949), RP London, Oxford, New York 1967.
Schulze, Hagen, Die Wiederkehr der Antike. Renaissancen und der Zusammenhang der europäischen Geschichte, in: T. Nipperdey (Hg.), Weltbürgerkrieg der Ideologien, Frankfurt 1993, S. 361 - 383.
Peter Collett, Der Europäer als solcher ist unterschiedlich. Verhalten. Körpersprache. Etikette, übersetzt von Maren Klostermann, Hamburg 1994 (betr. die Traditionen in den alltäglichen äußeren Verhaltensweisen, die aber auch imVerhalten politischer Personen hervortreten).

 

Zu P. 2

Zu 2 a) Herrschaftsinhaber und Inhaber politischer Ämter.

Oestreich, G., Antiker Geist und moderner Staat bei Justus Lipsius (1547 - 1606), Göttingen 1989.

Zu 2 b) Demagogen und Volkstribunen.

Labica, Georges, Robespierre. Eine Politik der Philosophie, Hamburg 1994.
Parker, H. T., The Cult of Antiquity and the French Revolutionaries, Chicago 1937.
Euchner, Walter (Hg.), Klassiker des Sozialismus. Von Babeuf bis Plechanow, München 1992

Zu 2 c) Feldherren und Militärbefehlshaber.

Carl von Clausewitz, Vom Kriege. Als Handbuch bearbeitet und mit einem kommentierenden Essai herausgegeben von Wolfgang Pickert und Wilhelm Ritter von Schramm, (1961) München 1978 (etwa 3. Buch: 'Von der Strategie überhaupt, VI. Kühnheit').

Zu 2 d) Gottesmänner.

Trinkhaus, C. (Ed.), The Pursuit of Holiness in Late Medieval and Renaissance Religion, Leiden 1975.
Troeltsch, Ernst, Die Bedeutung des Protestantismus für die moderne Welt, München 1906

Zu 2 e) Politische Philosophen und Gelehrte.

R. W. Keck, E. Wiersing, K. Wittstadt (Hg.), Literaten - Kleriker - Gelehrte. Zur Geschichte der Gebildeten im vormodernen Europa. Beiträge zur historischen Bildungsforschung, Bd. 15, Köln, Weimar, Wien 1996.
Nicole Loraux et Pierre Vidal-Naquet, La formation de l'Athènes bourgoise: Essai d'historiographie 1750 - 1850, in: Bolgar, R. R. (Ed.), Classical Influence in European Culture (1500 - 1870),Bd. 3 Bde., Cambridge 1979, S. 169 - 222.

Zu 2 f) Politische Publizisten und Künstler.

Gustavo Costa, Vico and Ancient Rhetoric, in: Bolgar, R. R. (Ed.), Classical Influence in European Culture (1500 - 1870), Bd. 3 Bde., Cambridge 1979, S. 247 - 262.
Maximilian Weller, Die besten Regeln der Rhetorik aus zwei Jahrtausenden. Aussprüche zur Redekunst in der systematischen Anordnung eines Lehrbuchs, Düsseldorf 1969.
Alfred Sturminger, 3000 Jahre politischer Propaganda, Wien, München 1960.

Zu 2 g) Beamte und Richter.

Stolleis, M., Geschichte des öffentlichen Rechts in Deutschland, Bd. 1, München 1988.

Zu 2 h) Geschäftsleute, Unternehmer.

Hansen, Klaus P., Die Mentalität des Erwerbs. Erfolgsphilosophien amerikanische Unternehmer, Frankfurt 1992

Zu 2 i) Loyale Bürger.

Meyer Reinhold, Eighteenth-Century American Political Thought, in: Bolgar, R. R. (Ed.), Classical Influence in European Culture (1500 - 1870),Bd. 3 Bde., Cambridge 1979, S. 223 - 243.

Zu 2 k) Loyale Soldaten.

Carl von Clausewitz, Vom Kriege. Als Handbuch bearbeitet und mit einem kommentierenden Essai herausgegeben von Wolfgang Pickert und Wilhelm Ritter von Schramm, (1961) München 1978 (etwa. 3. Buch: 'Von der Strategie überhaupt, III. Moralische Größen).
Hans von Hentig, Die Besiegten. Zur Psychologie der Masse auf dem Rückzug, München 1966.

Medien:

Paul Ortwin Rave, Das geistige Deutschland im Bildnis. Das Jahrhundert Goethes, Berlin 1949. 

Quellen:

Ammianus Marcellinus, über Kaiser Julian: in: Römische Geschichte. Lateinisch und deutsch und mit einem Kommentar versehen von Wolfgang Seyfarth, 3. Teil (Buch 22 - 25). Berlin 1986 3 , S.166 - 173.
Ammianus Marcellinus, über den Hofbeamten Eutherius, in: Römische Geschichte. Lateinisch und deutsch und mit einem Kommentar versehen von Wolfgang Seyfarth, 1. Teil (Buch 14 - 17). Berlin 1986 3 , S.166 - 169.
Aristoteles, Der Staat der Athener, 27 f., übersetzt und herausgegeben von Petra Dams, Stuttgart 1992, S. 34 - 36. Griech. Text aus: Aristote, Constitution d'Athènes. Texte établi et traduit par Georges Mathieu, Paris 1962, S. 29 - 31.
Ambrosius: Brief an Kaiser Theodosius, in: Sancti Ambrosi Opera, pars decima (epistularum liber X, epistulae extra collectionem, gesta concilii Aquilensis), rec. Michaela Zelzer, CSEL Bd. 72, Wien 1983, S. 212 - 218.
Aulus Gellius, Noctes Atticae, über einen Tribunen, in: Marcus Porcius Cato, Vom Landbau. Fragmente. Alle erhaltenen Schriften. Herausgegeben von Otto Schönberger, München 1980, S. 328 f.
Die Bibel: Große Familien-Bibel. Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments, hg. von Theodor Schwegler. Alfred Herzog und Johann Perk, Zürich 1974 4 , S. 367 - 369. Hebräischer Terxt aus: Biblia Hebraica, ed. Rudolf Kittel unter Mitwirkung vieler anderer Wissenschaftler, Stuttgart 1912 2 , S. 439 - 433.
Cicero, De oratore / Über den Redner. Lateinisch - deutsch. Übersetzt, kommentiert und mit einer Einleitung versehen von Harald Merklin, Stuttgart 1976, S. 49 - 55.
Corpus Iuris Civilis, editio stereotypa teria, volumen tertium: Novellae. Recognovit Rudolf Schoell, absolvit Wilhelm Kroll, Berlin 1904, S. 89 f.
Diogenes Laertius, zu Diogenes, in: Leben und Meinungen berühmter Philosophen. Übersetzt vob Otto Apelt. Unter Mirarbeit von Hans Günter Zekl mit einem Apparat neu herausgegeben von Klaus Reich, Hamburg 1990, S. 313; griech Text: Diogenes Laertius, Lives of Eminent Philosophers, with an English tradition by R. D. Hicks, in 2 volumes, vol. II, Zhe Loeb Classical Library, London, Cambridge / Mass. 1958, S. 38 - 40.
Herodot, zur Schlacht an den Thermopylen, in: Historien. Griechisch-deutsch. Herausgegeben von Josef Feix, München 1964, S. 1034 - 1041.
Livius, über Cincinnatus, in: Ab urbe condita liber III / Römische Geschichte 3. Buch, lat. / deutsch, übersetzt und herausgegeben von Ludwig Fladerer, Stuttgart, 1988, S. 81 - 89.
Petronius Arbiter, Satyricon. Übersetzt und erläutert von Harry C. Schnur, Stuttgart 1984, S. 37 - 39 und 44 - 47; lat. Text aus: Petronii Arbitri Satyricon, cum app. crit. ed. Konrad Müller, München 1961, S. 27 f. und 35 - 39.
Platon, Der Staat (Politeia), eingeleitet, übersetzt und erklärt von Karl Vretska, Stuttgart 1958, S. 371 - 379. Griech. Text aus:
Platonis Rei publicae libri decem, ex recognitione Karl Friedrich Hermann, Leipzig 1928, S. 253 - 259.
Platon, Phaidon, in: Hauptwerke. Ausagewählt und eingeleitet von Wilhelm Nestle, Stuttgart, 1973, S. 106 - 111. Griechischer Text aus: Platonis Opera, recognovit Johannes Burkert, Bd. 1 (Tetralogien I und II), Oxford 1961, Phaidon. 114 d - 118.
Plutarch, zu Diogones, in: Alexander - Caesar, Lebensbeschreibungen, übers. von Friedrich Salomon Kaltwasser, bearb.von Wolfgang Ritschel, Berlin 1982, S. 18. ; diech. Text: Plutarch's Lives, with an English translation by Bernadotte Perrin, in 11 volumes, vol. 11: Demosthenes and Cicero, Alexander and Caesar, The Loeb Clasical Library, London, Cambridge / Mass. 1949, S. 258.
Plutarch, Gaius Gracchus (3 - 6), in: Plutarch, Lebensbeschreibungen. Gesamtausgabe in sechs Bänden, Bd. V, Übersetzungen von Johann Friedrich Kaltwasser, Hans Floerke und Ludwig Kröner, Goldmann-Verlag, München um 1960.
Plutarch, zu Alexander, in: Alexander - Caesar, Lebensbeschreibungen, übers. von Friedrich Salomon Kaltwasser, bearb.von Wolfgang Ritschel, Berlin 1982, S. 42 f. Giech. Text aus: Plutarch's Lives, with an English translation by Bernadotte Perrin, in 11 volumes, vol. 11: Demosthenes and Cicero, Alexander and Caesar, The Loeb Clasical Library, London, Cambridge / Mass. 1949, S. 316 - 320.
Plutarch, zu Caesar, in: Alexander - Caesar, Lebensbeschreibungen, übers. von Friedrich Salomon Kaltwasser, bearb.von Wolfgang Ritschel, Berlin 1982, S. 122f. Griech Text: Plutarch's Lives, with an English translation by Bernadotte Perrin, in 11 volumes, vol. 11: Demosthenes and Cicero, Alexander and Caesar, The Loeb Clasical Library, London, Cambridge / Mass. 1949, S. 520 - 524.
Plutarch, zu Cato d. Ä., in: O. Schönberger (Ed.), Cato, De agricultura. Vom Landbau. Fragmente. Alle Schriften, unter Einschluß von Plutarch, Marcus Cato, S. 199 - 203 und 316 ff.(364/366).
Vergil, Hirtengedichte. Lateinisch-deutsch. Herausgegeben, übertragen, eingeleitet und erläutert von Heinrich Naumann, München um 1970.

 

LV Gizewski SS 1998

Autor: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)