Der geistliche Auftrag des Bischofs auch gegenüber der politischen Macht.

Ambrosius, Epistula 11 extra collectionem (an Kaiser Theodosius, d. J. 390 n. Chr.).

Lat. Text entnommen aus: Sancti Ambrosi Opera, pars decima (epistularum liber X, epistulae extra collectionem, gesta concilii Aquilensis), rec. Michaela Zelzer, CSEL Bd. 72, Wien 1983, S. 212 - 218. Dt. Übersetzung: Christian Gizewski.


 

Deutsche Übersetzung: 

An den erhabensten Kaiser Theodosius von Ambosius.

1. Die alte angenehme Freundschaft mit Dir habe ich sehr wohl in Erinnerung, und ebenso auch die Wohltaten, die Du auf meine recht häufigen Vorsprachen bei Dir anderen zuteil werden ließest. Daraus läßt sich folgern, daß ich Deiner Ankunft, die mir bisher immer sehr erwünscht war, nicht etwa undankbaren Sinnes aus dem Wege gehen muß. Warum ich das aber tun muß, will ich kurz erklären.

2. Wie mir deutlich wurde, ist allein mir innerhalb Deiner Gefolgschaft das natürliche Recht zuzuhören entrissen, damit mir auch die Fähigkeit zu sprechen genommen werde; denn häufig bist Du darüber ungehalten gewesem, daß Dinge, die in Deinem kaiserlichen Rat erörtert wurden, zu meiner Kenntnis gelangten. Mir ergeht es allerdings nur nach der allgemeinen Weise, von der der Herr Iesus sagt, nichts sei so verborgen, daß es nicht irgendwann offenbar werde. Mit dem mir möglichen Respekt habe ich mich demgegenüber bemüht, der kaiserlichen Willensbekundung gerecht zu werden, und darauf geachtet, daß einerseits Du selbst keinen Anlaß zum Unmut erhieltest, indem ich sorgfältig dahin wirkte, daß nichts von irgendwelchen kaiserlichen Beschlüssen mir zu Ohren komme. Andrerseits aber, würde ich anwesend sein, dann dürfte ich entweder gar nicht zuhören, aus Besorgnis für die anderen und um dem Ruf eines geheimen Mitwissers zu entgehen, oder aber meine Ohren wären zwar offen, meine Stimme müßte ich aber verschließen, um über Gehörtes nicht zu reden und diejenigen, die in den Verdacht eines Geheimnisverrats gelangen könnten, nicht zu gefährden.

3. Was sollte ich also tun? Sollte ich nicht zuhören? Ich könnte aber meine Ohren nicht mit dem Wachs, das uns aus alten Fabeln bekannt ist, verschließen. Sollte ich mich äußern? Aber weil ich mich ägnstlich an Deine Befehle halten würde, müßte ich sehr auf meine Wortwahl achten, um nicht irgendetwas Grauenhaftes passieren zu lassen. Sollte ich schweigen? Aber was das allererbärmlichste wäre, die Mitwisserschaft an allem wäre damit fest verbunden, nur die Stimme wäre beseitigt. Und wofür das alles? Wenn der Priester einem Irrenden nichts sagt, dann wird der Irrende in seiner Sünde sterben und der Priester wird sich selbst schuldig und strafbar machen, weil er den Irrenden nicht gewarnt hat.

4. Versteh das bitte, erhabener Kaiser. Daß Du Glaubenseifer besitzt, kann ich nicht bestreiten; ebensowenig bezweifle ich, daß Du Gottesfurcht hast. Aber Du hast von Natur aus ein aufbrausendes Wesen, das Du, wenn jemand es besänftigen will, schnell in Mitleid verwandeln kannst, das du andrerseits aber, wenn es jemand auf Übertäter richtet, so übertreibst, daß Du selbst es kaum wieder in Deine Gewalt bekommst. Wenn es schon niemand besänftigen kann, dann möchte es doch wenigstens niemand in Wallung bringen! Liebend gern überlasse ich dies Wesen Dir selbst. Du mußt Dich selbst kontrollieren und Deine Naur mit dem Eifer des Glaubens bezwingen.

5. Dieses Dein Temperament wollte ich lieber stillschweigend Deinen eigenen Überlegungen empfehlen als es womöglich durch meine Taten öffentlich provozieren. Aus diesem Grunde habe ich es vorgezogen, mich lieber ein wenig pflichtwidrig zu verhalten statt als respektlos, lieber hinzunehmen, daß andere bei mir die Autorität des Priesters anmahnen, als daß von Dir bei mir die Ehrerbietung eines in jeder Hinsicht zugeneigten Freundes vermißt werde - einfach um Dir in vollem Maße die Möglichkeit zu lassen, bei Kontrolle über Dein Temperament mit Dir zu Rate zu gehen und einen Beschluß zu fassen. Ich setzte auf eine wirklich schwere und von weniger widerstandfähigen Männern kaum zu überwidende Erkrankung oder hätte lieber sterben wollen, als zwei oder drei Tage auf Deine Ankunft zu warten. Aber es gab nichts derartiges für mich als Ausweg.

6. In der Stadt Thessaloniki ist etwas geschehen, wofür es kein historisches Beispiel gibt, etwas was ich nicht verhindern konnte, etwas vielmehr, wovon ich vorausgesagt habe, daß es ganz grauenhaft werden würde, als ich so und so viel Male deswegen bei Dir eingekommen bin; und meinerseits konnte ich etwas, das Du selbst durch eine zu späte Aufhebung Deiner Befehle als schweres Unrecht anerkannt hast, in keiner Weise kleiner machen. Als man zuerst davon hörte - es war wegen Deiner Ankunft eine Synode der gallischen Bischöfe zusammengetreten -, gab es niemanden, der nicht zutiefst getroffen war, niemanden, der es lässig aufgenommen hätte. Für Deine Handlungsweise gab es in dem ganzen Kreis um Ambrosius kleinerlei Absolution, ja im Gegenteil: die Empörung hätte ein vielleicht ungerechtertigtes Maß angenommen, wenn niemand gesagt hätte, unser Gott allein müsse dafür Verzeihung gewähren.

7. Siehst Du nun, Kaiser, etwas Beschämendes darin, das zu tun, was der König, Prophet und Vorvater Christi nach dem Fleische, David, getan hat? Ihm wurde jenes Gleichnis vorgehalten, daß eine Reicher viele Herden hatte, aber zur Bewirtung eines Gastes einem Armen sein Schaft wegnahm und schlachtete. Als David dann erkannte, daß seine eigene Tat mit diesem Gleichnis gemeint sei, sagte er: "Ich habe mich Gott gegenüber versündigt." Trage es also nicht mit Ungeduld, Kaiser, wenn Dir gesagt wird: "Du hast das getan, was dem König David von dem Propheten vorgehalten wurde." Wenn Du das bedachtsam anhörst und dann sagst: "Ich habe gegenüber Gott gesündigt", wenn Du jenes königliche Prophtenwort sagst:"Kommt, beten wir an und bringen wir insere Schuld vor ihn und bereuen wir vor unserem Herrn, der uns geschaffen hat", dann könnte auch Dir gesagt werden: "Weil es dich reut, wird dir der Herr deine Sünde vergeben, und du wirst nicht sterben."

8. Und als David angeordnet hatte, das Volk zu zählen, wurde er wiederum bis ins tiefste Herz reuig erschüttert und sprach zu Gott: "Ich habe schwer gesündigt, indem ich diese Anordnung gab, und nun, Herr, weil ich so schwer gesündigt habe, nimm Du hinweg die Ungerechtigkeit Deines Knechts. Und wieder wurde der Prophet Nathan zu ihm geschickt, um ihm drei Möglichkeiten anzubieten, unter denen er auswählen könnte: eine Hungersnot im Lande für drei Jahre, drei Monate Flucht vor seinen Feinden oder drei Tage Tod unter der Erde. Und David antwortete: diese drei Möglichkeiten machen gewaltige Angst, aber trotz allemwerde ich ihnen in der Hand des Herrn anheimfallen, weil seine Barmherzigkeit immer wieder groß ist, und ich werde nicht in die Hände der Menschen fallen. Seine Schuld bestand darin, daß er die Zahl des ganzen Volkes wissen wollte, das bei ihm war, was er aber allein Gott zu überlassen hatte.

9. Und als, wie die Schrift sagt, im Volk Israel am ersten Tage bis zur Mittagszeit der Tod grassierte und David den Engel des Herrn das Volk schlagen sah, da sagte David: "Ich habe gesündigt, und ich habe als Hirte das Üble getan. Und was hat diese Herde getan? Deine Hand schlage mich und das Haus meines Vaters." Daher tat es Gott leid, und er befahl dem Engel, das Volk zu schonen. David aber sollte ein Opfer bringen; denn damals waren Opfer die Sühne für ein Unrecht. Heute gibt es nur die Opfer der Buße. Daher wurde David durch seine Demut dem Herrn wieder angenehm. Denn es ist nicht weiter verwunderlich, daß ein Menschen sündigt, aber es ist strafwürdig, wenn er nicht anerkennt, daß er gerirrt habe, und wenn er sich nicht vor Gott demütigt.

10. Der heilige Hiob sagte sogar im Zustand des Glücks auf dieser Welt: Ich habe meine Sünde nicht verstecken wollen, sondern vor allem Volk bekanntgemacht. Selbst dem seiner selbst nicht mächtigen König Saul sagte sein Sohn Jonathan: "Versündige Dich nicht an Deinem Knecht David" und "Warum willst Du eine Sünde an unschuldigem Blut begehen, indem Du David ohne Grund tötest?" Denn auch wenn er ein König war, so sündigte er, wenn er einen Unschuldigen umbrachte. Und schließlich noch: als David schon im Besitze der Herrschaft war und hörte, daß der unschuldige Abner von seinem Militärführer Joab getötet worden sei, sagte er: "Ich bin mit meiner Herrschaft unschuldig am Tode Abners, des Sohnes des Ner". Und doch fastete er in seinem Schmerz.

11. Dies alles habe ich geschrieben, nicht um Dich zu verwirren, sondern damit Dich das Beispiel der Könige dazu veranlasse, Deine Sünde von Deiner Herrschaft wegzunehmen. Du kannst sie wegnehmen, indem Du Deine Seele vor Gott demütigst. Du bist ein Mensch, und Du bist in Versuchung geraten; besiege sie. Sünde wird nicht aufgehoben, es sei denn durch Tränen und tiefe Reue. Weder ein Engel noch auch ein Erzengel, nur Gott selbst ist es, der sagen kann "Ich bin bei euch", wenn wir gesündigt haben; es sei denn, er vergibt denen, die Buße tun, nicht.

12. Ich rate, ich bitte, ich rede zu, ich ermahne, weil die Vorstellung für mich schmerzlich ist, Du, der Du ein Beispiel einer unerhörten Frömmigkeit warst, der Du den Gipfel der Milde darstelltest, der Du nicht einmal zuließest, daß einzelne Übeltäter mutwillige Prozesse führten, Du also solltest keinerlei Schmerz über den Tod sovieler Unschuldiger empfinden. Auch wenn Du im Kriege eine glückliche Hand gehabt hast, auch wenn Du in allem anderen lobenswert warst, den Höhepunkt Deiner tatkräftigen Tugend stellte stets Deine Frömmigkeit dar. Der Teufel hat Dir nicht gegönnt, was Du in so hervorragendem Maße hattest. Besiege ihn, solange Du noch die Kraft hast, ihn zu besiegen. Füge Deiner Sünde nicht eine weitere hinzu, um etwas zu Unrecht zu erreichen, was so zu erlangen vielen geschadet hat.

13. Du weißt: in allem anderen bin ich gewiß Deiner Frömmigkeit verpflichtet, der ich nicht undankbar sein kann, die ich der vieler Kaiser vorzog und als Dir allein gemäß erkannte. Ich, so sage ich nochmals, habe keinerlei Grund, Dich zu verachten, wohl aber, um Dich zu fürchten. Ich wage nicht einmal, ein Meßopfer darzubringen, wenn Du daran mitwirken wolltest. Denn sollte das, was im Hinblick auf das unschuldig vergossene Blut eines einzelnen nicht statthaft ist, bei der unrechten Tötung vieler erlaubt sein? Ich glaube, nein.

14. Schließlich: ich schreibe eigenhändig, damit es nur von Dir gelesen wird. So möge mich Gott von aller Heimsuchung freihalten; denn ich habe - nicht als ein Mensch und nicht durch Vermittlung eines Menschen - einen mir ganz zweifelsfrei offenbarten Einspruch übermittelt. Als ich nämlich in derselben Nacht, in der ich meinen Aufbruch vorbereitete, sehr bekümmert war, da schien mir im Traum, Du kämest zur Kirche; aber es war mir verwehrt, das Meßopfer darzubringen. Anderes übergehe ich und konnte ihm vorbeugen. Aber ich habe es aus Liebe zu Dir vollbracht, wie ich meine. Gott gebe, daß sich alles in Ruhe und Frieden auflöst. Gott mahnt uns auf vielfältige Weise: mit Zeichen vom Himmel, mit Weisungen der Propheten, mit Visionen der Sünden will er, daß wir begreifen. Dehalb wollen wir ihn bitten, daß er die Verwirrungen von uns nimmt, daß er Euch Kaisern den Frieden erhält, daß der Glaube und der Friede der Kirche andauern, für die es gut ist, wenn die Kaiser christlich und fromm sind.

15. Sicherlich willst Du Dich vor Gott bewähren. Für alles gibt es aber eine Zeit, wie geschrieben steht: "Zeit des Handelns, Herr", sagt die Schrift, "Zeit der Entscheidung, Herr". Du wirst dann am Meßopfer teilnehmen, wenn Du dazu in der Lage bist, wenn Deine Hostie Gott angenehm ist. Nicht als ob es mich nicht erfreuen würde, das Wohlwollen meines Kaisers zu genießen. Würde ich nicht gant nach Deinem Willen handeln, wenn es die Sach zuließe? Nun, ein einfaches deutliches Wort ikann ein Opfer sein; aber das eineWort bringt die Verzeihung, das andere enthält eine Beleidigung, weil dies Demut anzeigt, jenes Verachtung. Gott selbst sagt uns, daß es ihm lieber ist, wenn man seinen Geboten folgt, als wenn man ihm Opfer bringt. Das will Gott ganz entschieden. Moses verkündigt das dem Volke, Paules predigt das den Völkern. Tu das, worauf es Deines Erachtens in dieser Zeit vor anderem ankommt. Barmherzigkeit, sagt die Schrift, ist mir lieber als Opfer. Warum sollten nicht auch jene Christen mehr gelten, die ihre Sünde verurteilen, als diejenigen, die sie verteidigen. Am Anfang der 'Sprüche Salomos' steht: Derjenige, der sich selbst straft, wenn er gesündigt hat, ist gerecht, nicht derjenige, der sein Tun beschönigt.

16. Hätte ich doch, Kaiser, auch meinerseits früher meiner Einschätzung mehr vertraut als Deiner Gewohnheit. Damit meine ich, daß Du schnell nachsichtig wirst, schnell etwas zurücknimmst, wie du es häufig getan hast; aber das Ereignis ist Dir in diesem Fall zuvorgekommen, und ich habe nicht abgewendet, was ich nicht verhindern durfte. Aber Gott sei Dank, daß er seine kleinen Knechte züchtigen will, um sie nicht zu verlieren. Dieses habe ich mit den Propheten gemein und Du mit den Heiligen.

17. Sollte ich den Vater Gratians nicht mehr hüten als meine Augen. Viele andere heilige Pfänder erheischen für Dich Verzeihung. Deinen mir lieben Namen zog ich denen vor, denen ich gleichermaßen meine Liebe entgegenbrachte. Ich liebe, aber ich bin auch besorgt und ich begleite Euch mit meinen Worten. Wenn Du glaubst, folge, wenn, sage ich, und erkenne an, was ich sage. Wenn Du nicht glaubst, ignoriere, was ich tue, wenn ich Gott den Vorzug gebe.

Mögest Du, in allem Glück und in allem Erfolg mit den heiligen Unterpfändern beständigen Friedens teilhaftig sein, erhabener Kaiser.


 

 Lateinischer Text:

Augustissimo Imperatori Theodosio Ambrosius.

1. Et veteris amicitiae dulcis mihi recordatio est et beneficiorum, quae crebris meis intercessionibus summa gratia in alios contulisti, gratiae memini. Unde colligi potest quod non ingrato aliquo affectu adventum tuum semper mihi antehac exoptatissimum declinare potuerim. Sed qua causa hoc fecerim breviter expediam.

2. Soli mili in tuo comitatu ius naturae ereptum videbam audiendi, ut et loquendi privarer munere; motus enim frequenter es quod ad me pervenissent aliqua quae in consisterio tuo statuta ferent. Ego ergo expers communis usus sum, cum dicat dominus Iesus nihil esse occultum quod non manifestetur. Verecundia igitur qua potui satisfeci imperiali arbitrio et prospexi, ne aut ipse causam commotionis habeas, cum id egerim ne quid ad me de imperialibus deferatur statutis. aut ego cum fuero praesens aut non audiam per metum ommium et quasi coniventis famam subeam aut ita audiam ut mihi aures pateant, vox intercludatur, ut audita non possim eloqui, ne eos qui in suspicionem proditionis venerint dedam periculo.

3. Quid igitur facerem? Non audirem ? Sed aures non possem cera veterum fabularum claudere. Proderem? Sed quod in tuis iussis timerem, in meis verbis deberem cavere, ne quid cruentum committeretur. Tacerem? Sed quod miserrimum foret omnium alligaretur conscientia, vox eriperetur. Et ubi illud? Si sacerdos non dixerit erranti, is qui erraverit in sua culpa morietur et sacerdos reus erit poenae, quia non admonuit errantem.

4. Accipe illud, imperator auguste. Quod habeas fidei studium non possum negare. quod dei timorem non diffiteor; sed habes naturae impetum, quem si quis lenire velit cito vertes ad miseridordiam, si quis stimulet in malos exsuscitas ut eum revocare vix possis. Utinam si nemo mitiget, nullus accendat! Libenter eum committo tibi, ipse te revocas et pietatis studio vincis naturam.

5. Hunc ego impetum malui cogitationibus tuis secreto committere quam meis factis publice fortassis movere. Itaque malui officio meo aliquid deesse quam humilitati et requiri in me ab aliis sacerdotii auctoritatem quam a te desiderari in me amantissimi honorificentiam, ut represso impetu integra esset consilii eligendi facultas. Praetendi aegritudinem corperis revera gravem et nisi a viris mitioribus vix levandam vel emori tamen maluissem quam adventum tuum biduo aut triduo non expectarem; sed quid facerem non erat.

6. Factum est in urbe Thessalonicensium quod nulla memoria habet, quod revocare non potui ne fieret, immo quod ante atrocissimum fore dixi, cum totiens rogarem, et quod ipse sero revocando grave factum putasti, hoc factum extenuare non poteram. Quando primum auditum est, propter adventum Gallorum episcoporum synodus convenerat, nemo non ingemuit, nullus mediocriter accepit, non erat facti tui absolutio in Ambrosii communione, immo etiam amplius commissi exaggeraretur invidia si nemo diceret dei nostri reconciliationem fore necessariam.

7. An pudet te, imperator, hoc facere quod rex propheta auctor Christi secundum carnem prosapiae fecit David? llli dictum est quia dives qui haberet plurimos greges unam pauperis ovem propter adventum hospitis eripuit et occidit, et cognito quod ipse in hoc argueretur quia ipse fecisset ait: Peccavi domino. Noli ergo impatienter ferre, imperator, si dicatur tibi: Tu fecisti istud quod David regi dictum est a propheta. Si enim hoc sedulo audieris et dixeris: Peccavi domino, si dixeris regale illud propheticum: Venite, adoremus et prodidamus ante eum et ploremus ante dominum nostrum qui fecit nos, diceretur et tibi: Quoniam poenitet te, dimittet tibi dominus peccatum tuum et non morieris.

8. Iterum cum plebem numerari iussisset David, percussus est corde et dixit ad dominum: Peccavi vehementer quod fecerim hoc verbum, et nunc, domine, aufer iniquitatem servi tui quod deliqui vehementer. Et missus est iterum ad eum Nathan propheta qui ei trium optionem conditionum offerret ut quam vellet eligeret: famem tribus annis in terra aut tribus mensibus fugere a facie inimicorum suorum aut triduo mortem in terra. Et respondit David: Angutiae sunt tria haec vehementer, verumtamen incidam in manu domini quoniam multae misericordiae eius nimis et in manus hominis non incidam. Culpa autem erat quoniam voluit scire numerum totius plebis quae secum erat, quod scire deo soli debuit reservare.

9. Et cum, inquit, mors fieret in plebe Israhel a primo die ad horam prandii cum vidisset David percutientem angelum in plebem, ait David: Ego peccavi et ego pastor malignum feci et hic grex quid fecit? Fiat manus tua in me et in domum patris mei. Itaque poenituit dominum et iussit angelo ut parceret plebi. sacrificium autem offerret David; erant enim tunc sacrificia pro delictis. haec nunc sunt sacrificia poenitentiae. Itaque ea humilitate acceptior deo factus est; non enim mirandum peccare hominem. sed illud reprehensibile si non se cognoscat errasse, non humiliet deo.

10. Iob sanctus et ipse potens in saeculo ait: Peccatum meum non abscondi sed coram plebe omni annuntiavi. Ipsi immani regi Saul dixit Ionathas filius suus: Noli peccare in servum tuum David, et : Ut quid peccas in sanguinem innocentem occidere David sine causa? Quia etsi rex erat peccabat tamen si occideret innocentem. Denique etiam David cum iam regno potiretur et audisset Abner innocentem occisum a Ioab duce militiae suae ait: Innocens sum ego et regnum meum a modo et usque in aeternum a sanguine Abner filii Ner, et ieiunavit in dolore.

11. Haec ideo scripsi non ut te eonfundam, sed ut regum exempla provocent ut tollas hoc peccatum de regno tuo; tolles autem humiliando deo animam tuam. Homo es et tibi venit temptatio, vi[n]ce eam. Peccatum non tollitur nisi lacrimis et poenitentia. Nec angelus potest nec archangelus, dominus ipse, qui solus potest dicere: Ego vobiscum sum, si peccaverimus nisi poenitentiam deferentibus non relaxat.

12. Suadeo rogo hortor admoneo, quia dolori est mihi, ut tu qui pietatis inauditae exemplum eras, qui apicem clementiae tenebas, qui singulos nocentes non patiebaris periclitari, tot perisse non doleas innocentes. Etsi in proliis felicissime egeris, etsi in aliis quoque laudabilis, tamen apex tuorum operum pietas semper fuit. Tibi invidit diabolus quod habebas praestantissimum. Vince eum dum habes adhuc unde possis vincere. Noli peccato tuo aliud peccatum addere, ut usurpes quod usurpasse multis obfuit.

13. Ego certe in omnibus aliis licet debitor pietati tuae, cui ingratus esse non possum, quam pietatem multis imperatoribus praeferebam, uni adaequabam. ego, inquam, causam in te contumacae nullam habeo, sed habeo timoris; offerre non audeo sacrificium, si volueris assistere. An quod in unius innocentis sanguine non licet in multorum licet? Non puto.

14. Postremo scribo manu mea quod solus legas. Ita me dominus ab omnibus tribulationibus liberet, quia non ab homine neque per hominem sed aperte mihi interdictum adverti. Cum enim essem sollicitus ipsa nocte qua proficisci parabam, venisse quidem visus es ad ecclesiam sed mihi sacrificium offerre non licuit. Alia praetereo et potui cavere; sed pertuli amore tuo ut arbitror. Dominus faciat ut omnia cum tranquillitate cedant. Multifaria[m] deus noster admonet: signis caelestibus, prophetarum praeceptis, visionibus etiam peccatorum vult nos intellegere; quo rogemus eum ut perturbationes auferat, pacem vobis imperantibus servet, fides ecclesiae et tranquillitas perseveret, cui prodest Christianos et pios esse imperatores.

15. Certe vis probari deo. Omni rei tempus ut scriptum est: Tempus, inquit, faciendi, domine. et: Tempus beneplaciti, deus. Tunc offeres cum sacrificandi acceperis facultatem, quando hostia tua accepta sit deo. Nonne me delectaret habere gratiam imperatoris. ut secundum voluntatem tuam agerem, si causa pateretur? Et simplex oratio sacrificium est; haec veniam refert, illa offensionem, quia haec habet humilitatem, illa contemptum. Dei enim vox est, quod malit ut fiat mandatum eius quam deferatur sacrificium. Clamat istud deus. ad populum Moyses annuntiat, ad populos Paulus praedicat. Id facito quod intellegis in tempore plus placere. Misericordiam, inquit, malo quam sacrificium. Quare non illi magis sint Christiani qui peccatum condemnant suum quam qui defendendum putant? Iustus enim in exordio sermoni accusator est sui. Qui se accusat cum peccaverit iustus est, non ille qui se laudaverit.

16. Utinam, imperator, etiam ante mihi potius credidissem quam consuetudini tuae. Dum puto quod cito ignoscis, cito revocas ut saepe fecisti, et tu praeventus es et ego non declinavi quod cavere non debueram. Sed gratias domino, quia vult servulos suos castigare ne perdat. Istud mihi commune est cum prophetis et tibi erit commune cum sanctis.

17. An ego Gratiani patrem non oculis meis praeferam? De[b]ent veniam sancta alia pignora tua. Dulce mihi nomen antetuli quibus amorem communiter detuli. Amo diligo orationibus prosequor. Si credis sequere, si, inquam, agnosce quod dico, si non credis ignosce quod facio, in quo deum praefero.

Beatissimus et florentissimus cum sanctis pignoribus fruaris tranquillitate perpetua, imperator auguste.


Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski


LV Gizewski SS 1998