Der durch Machtverhältnisse nicht beirrbare Übermittler des göttlichen Gebots.

1. Buch Samuel, Kap. 11: König Davids Sünde und die Strafankündigung des Propheten Nathan.

Text der deutschen Übersetzung aus: Große Familien-Bibel. Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments, hg. von Theodor Schwegler. Alfred Herzog und Johann Perk, Zürich 1974 4 , S. 367 - 369. Hebräischer Text aus: Biblia Hebraica, ed. Rudolf Kittel unter Mitwirkung vieler anderer Wissenschaftler, Stuttgart 1912 2 , S. 439 - 433.


 

Deutsche Übersetzung:  

... Im folgenden Jahre, um die Zeit, da die Könige ins Feld ziehen, sandte David den Joab mit seinen Leuten und ganz Israel aus. Sie verheerten das Ammoniter-Land und belagerten Rabba; David aber blieb in Jerusalem zurück.

Eines Abends erhob sich David von seinem Lager und erging sich auf dem Dache des königlichen Palastes. Da sah er vom Dache aus, wie ein Weib sich badete, und das Weib war sehr schön. David sandte hin und erkundigte sich nach dem Weib. Und es ward ihm mitgeteilt: "Das Weib ist doch Bethseba, die Tochter Eliams, das Weib des Hethiters Urias." Darauf sandte David Boten ab und liess sie holen. Als sie zu ihm hereinkam, wohnte er ihr bei. Alsbald befreite sie sich von ihrer Verunreinigung und kehrte dann in ihr Haus zurück. Da das Weib empfangen hatte, liess sie David melden: "Ich bin schwanger."

Nun sandte David an Joab:"Schicke mir den Hethiter Urias zu!". Und Joab schickte Urias zu David. Als Urias zu ihm kam, fragte David, wie es um Joab und das Kriegsvolk und den Krieg stehe. Dann sprach David zu Urias: "Geh in dein Haus hinunter und wasche dir die Füsse." Als Urias den königlichen Palast verliess, folgte ihm ein königliches Mahl nach.

Doch Urias schlief am Tore des königlichen Palastes mit den andern Knechten seines Herrn und ging nicht in sein Haus hinab. Das ward David gemeldet:"Urias ist nicht in sein Haus hinabgegangen." Und David sprach zu Urias: "Du bist doch von einer Reise heimgekommen: warum also bist du nicht in dein Haus hinabgegangen?" Doch Urias sprach zu David:"Die Lade und Israel und Juda wohnen in Zelten, und mein Herr Joab und die Knechte meines Herrn lagern auf freiem Felde, und da sollte ich mein Haus betreten, sollte essen und trinken und bei meinem Weibe schlafen? So wahr Jahve lebt und so wahr du lebst, das tue ich nicht!"

Da sprach David zu Urias: "Bleibe heute noch da; morgen entlasse ich dich." Urias blieb also an jenem und am folgenden Tage noch in Jerusalem. David aber lud ihn ein, bei ihm zu essen und zu trinken, und dabei machte er ihn trunken. Als er abends hinausging, legte er sich wieder neben den Knechten seines Herrn auf seinem Lager schlafen und ging nicht in sein Haus hinunter.

Am andern Morgen schrieb David einen Brief an Joab und sandte ihn durch Urias ab. Im Briefe aber schrieb er: "Stellt den Urias voran, wo der Kampf am wildesten ist. Dann lasst ihn im Stich, damit er in der Schlacht umkomme!" Während nun Joab die Stadt belagerte, stellte er Urias an eine Stelle hin, von der er wusste, dass dort tapfere Männer seien. Als aber die Männer aus der Stadt einen Ausfall machten und mit Joab kämpften, fielen einige aus dem Kriegsvolke, von den Leuten Davids, und auch der Hethiter Urias fand den Tod.

Nun sandte Joab hin und liess David den ganzen Verlauf des Kampfes melden, und er trug dem Boten auf: "Wenn du den ganzen Bericht über den Krieg an den König beendet hast, und wenn der König zornig wird und zu dir sagt: "Warum seid ihr zum Kämpfen bis au die Stadt vorgerückt? Wusstet ihr denn nicht, dass man von der Mauer herabschiesst? Wer hat denn Jerobaals Sohn Abimelech erschlagen? Hat nicht ein Weib von der Mauer einen Mühlstein auf ihn herabgeworfen, so dass er in Thbes umkam? Warum seid ihr so nahe an die Mauer herangerückt?", dann sprich: "Auch dein Knecht, der Hethiter Urias, ist umgekommen!"

Der Bote ging hin, kam an und berichtete David alles, was ihm Joab aufgetragen hatte. Der Bote sprach zu David: "Die Männer waren uns überlegen; sie machten einen Ausfall gegen uns ins freie Feld; wir aber drängten sie bis zum Stadttore zurück. Da schossen von der Mauer herab die Bogensehützen auf deine Knechte, so dass von den Knechten des Königs eine Anzahl den Tod fanden; auch dein Knecht, der Hethiter Urias, ist tot." Da sprach David zum Boten: "Das kannst du zu Joab sagen: 'Lass dich diese Sache nicht verdriessen Denn das Schwert frisst bald diesen, bald jenen. Kämpfe nur tapfer wider die Stadt und zerstöre sie!' Mach ihm so Mut!"

Als des Urias Weib vernahm, ihr Mann Urias sei tot, hielt sie Totenklage um ihren Gatten. Als die Trauerzeit um war, sandte David hin und liess sie in sein Haus holen; sie ward sein Weib und gebar ihm einen Sohn.

Jahve aber missfiel, was David getan hatte.

Daher sandte Jahve den Propheten Nathan zu David; als dieser zu David kam, sprach er zu ihm: "In einer Stadt waren zwei Männer, der eine reich, der andere arm. Der Reiche hatte Schafe und Rinder in grosser Zahl, der Arme dagegen besass nichts als ein einziges Schäfchen, das er gekauft hatte. Er zog es gross, und es wuchs bei ihm mit seinen Kindern auf, ass von seinem Bissen, trank aus seinem Becher und schlief an seiner Brust; es galt ihm wie eine Tochter. Da kam einst Besuch zum reichen Manne. Weil dieser es nicht über sich brachte, von seinen Schafen und Rindern eines zu nehmen, um es dem Gast, der zu ihm gekommen war, zu bereiten, nahm er das Schäflein des armen Mannes und bereitete es zu für den Mann, der zu ihm gekommen war."

Da ward David auf den Mann sehr zornig und sprach zu Nathan: "So wahr Jahve lebt, der Mann, der das getan hat, ist dem Tod geweiht; vierfach soll er das Schaf ersetzen, weil er das getan und kein Erbarmen gekannt hat!

Da sprach Nathan zu David: "Du bist der Mann. So spricht Jahve, der Gott Israels: Ich habe dich zum König über Israel gesalbt und aus der Hand Sauls dich gerettet. Das Haus deines Herrn und die Frauen deines Herrn habe Ich dir an deinen Busen gegeben, das Haus Israel und Juda habe Ich dir verliehen; und wenn dies noch zu wenig wäre, so würde Ich dir noch dieses und jenes hinzufügen. Warum hast du also das Wort Jahves missachtet und getan, was Ihm missfällt? Den Hethiter Urias hast du mit dem Schwerte umgebracht und seine Gattin dir zum Weib genommen; ihn aber hast du umgebracht durch das Schwert der Ammoniter. Darum soll das Schwert nimmer von deinem Hause weichen, dafür weil du Mich missachtet und die Gattin des Hethiters Urias dir zum Weib genommen hast. So spricht Jahve: Fürwahr, aus deinem eignen Hause stifte Ich Unheil wider dich an; vor deinen Augen nehme Ich dir deine Frauen weg und gebe sie einem andern, dass er mit deinen Frauen Umgang habe, angesichts dieser Sonne da. Du hast es insgeheim getan, Ich aber lasse dies geschehen vor ganz Israel und angesichts der Sonne."

Da sprach David zu Nathan: "Ich habe wider Jahve gesündigt."

Nathan aber sprach zu David: "So hat auch Jahve dir deine Sünde vergeben, du sollst nicht sterben. Weil du aber durch dein Tun Jahve verachtet hast, soll das Kind sterben, das dir geboren ward."

Danach ging Nathan nach Hause.

Jahve aber schlug das Kind, das des Urias Weib dem David geboren hatte. ...


 

Der hebräische Text ist über die folgenden Querverweise auf die einzelnen Seiten der Biblia Hebraica, ed. Kittel 1912, S. 430 - 433, zugänglich:

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Bearbeiteung für das internet: Christian Gizewski


LV Gizewski SS 1998