Zur Bedeutung des Fernsehens im gegenwärtigen Deutschland.

(Im folgenden handelt es sich um eine nur auszugsweise wiedergegebene, dem Zweck des Lehrveranstaltungsprojekts engepaßte Fassung eines im Internet allgemeinzugänglichen Textes, der nicht vom Bearbeiter stammt und dem Zweck einer Übung entsprechend ohne Autorenangabe zitiert wird. Weglaauungen werden mit einem [...]-Zeichen markiert)

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In Deutschland besitzen (Stand 2004) 95 Prozent der Haushalte mindestens ein Fernsehgerät, 28 Prozent der Haushalte zwei Fernseher, elf Prozent mehr als zwei. Satellitenempfang haben 37 Prozent der Haushalte, Kabelfernsehen haben 54 Prozent der Haushalte. 70 Prozent der Haushalte verfügen über einen Videorecorder.

In der Bundesrepublik hat sich der Fernsehkonsum seit Einführung des Fernsehens bis einschließlich 2006 stetig erhöht. Im Schnitt sah jeder Bundesbürger im Jahr 1992 158 Minuten täglich fern. Im Jahr 2004 waren es bereits 210 Minuten, also 3,5 Stunden. Hochgerechnet auf ein Jahr entspräche dies einer Non-Stop-Fernsehdauer von fast zwei Monaten pro Jahr. Überdurchschnittlich viel sehen Arbeitslose und ältere Menschen fern.2007 (208 Min.) und 2008 (207 Min.) ging der Gesamtkonsum erstmalig um mehrere Minuten zurück. Allerdings wurde schon 2009 wieder der Stand von 2006 (212 Min.) erreicht. 2010 wurde mit 223 Minuten täglicher Sehdauer ein neuer Rekord aufgestellt..

Fernsehen ist ein Massenmedium und hat sich seit den 1950er Jahren in den Industriestaaten zum Leitmedium entwickelt. Inzwischen haben rund 95 Prozent der deutschen Haushalte mindestens ein Fernsehgerät, 40 Prozent davon sogar zwei oder mehr. Für viele Menschen ist es Teil des Alltags geworden und strukturiert oft sogar den Tagesablauf. Es erfährt eine Zuwendung durch alle Schichten und Altersgruppen und tritt mit einer zuvor nicht gekannten Wirksamkeit an die Stelle aller Institutionen mit publizistischem Anspruch, ohne diese aber vollständig zu ersetzen. In Deutschland sahen im Jahr 2008 die Zuschauer pro Tag etwa 3,5 Stunden Fernsehen, in den USA betrug die Dauer im vierten Quartal 2008 5 Stunden. Das letzte Land der Welt in dem Fernsehen eingeführt wurde, war 1999 Bhutan.

Fernsehen wirkt orientierend und nivellierend. Wichtigstes Instrument dafür ist die häufige Wiederholung. Dadurch wird es zur Grundlage der allgemeinen Geschmacks- und Stilbildung und beeinflusst die gesellschaftliche Kommunikation. Durch das verstärkte Aufkommen von Spartenkanälen, verbunden mit der wachsenden Rolle des Internets bzw. digitalen Fernsehens im gesellschaftlichen Leben, geht die stilbildende Funktion des Fernsehens allerdings wieder zurück. Jedermann kann in gewissen Grenzen sein eigener Programmdirektor werden. Dies bewirkt eine zunehmende Zersplitterung und Fragmentierung der gesellschaftlichen Wahrnehmung und Kommunikation.

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Das Fernsehen hat wie alle Medien oft einen Einfluss auf die Meinungsbildung der Konsumenten. Da die Inhalte des Fernsehens jedoch öfter als andere Medien transportiert werden, hat es hierbei eine vorrangige Bedeutung.

Fernsehsender erheben oft den Anspruch, dem Zuschauer einen Blick auf die komplexe Gesellschaft zu präsentieren. Immer mehr und unterschiedlichere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens erfahren eine breiterwerdende mediale Beachtung. Aber der darzustellende Lebensbereich muss interessant, verständlich und optisch umsetzbar sein. Damit geht von vornherein eine Selektion einher, verbunden mit einer Reduktion der vielfältigen kommunikativen Codes und Zeichensysteme, sowie einer Spezialisierung und Perfektionierung akustisch-visueller Signale. Tatsächlich ist es in vielen Fällen sogar so, dass Fernsehen die Themen, über die Verständigung lohnend scheint, erst schafft. Auf der Suche nach neuen Themen, die die Zuschauer binden, durchbrechen die Fernsehmacher oft Grenzen, sodass es in den Augen vieler oft zu Tabubrüchen kommt.

Medienkritiker wie Neil Postman befürchten durch den wachsenden Medienkonsum den Verfall von moralischen Verhaltensregeln. Speziell die Darstellung von Gewalt im Fernsehen wird kritisiert. Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen Fernsehsendungen mit Darstellungen von Gewalt und gewalttätigem Verhalten. In welchem Maß es sich dabei um einen ursächlichen Zusammenhang handelt, ist umstritten und Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.

Mehrere Studien deuten darauf hin, dass die Höhe des Fernsehkonsums in der Kindheit mit dem später erreichten Bildungsabschluss in Beziehung steht (d.h., je höher der Fernsehkonsum, desto schlechter der Abschluss).Außerdem wird hoher Fernsehkonsum in der Kindheit und Jugend mit Übergewicht bzw. einen überdurchschnittlich hohen Body-Mass-Index, Bewegungsmangel, schlechter körperlicher Fitness, Tabakrauchen und den entsprechenden Folgeerkrankungen im Erwachsenenalter in Verbindung gebracht.

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Die Verbreitung des Fernsehens im ländlichen Indien hat laut einer Studie von Robert Jensen und Emily Oster zu höherem weiblichen Schulbesuch und einer geringeren Fertilitätsrate geführt.[18]
In Brasilien hat die Verbreitung von Rede Globo die Zuschauerzahlen für seine Seifenopern stark erhöht. In diesen Seifenopern haben über 70 Prozent der dargestellten weiblichen Charaktere keine Kinder. Insbesondere arme Frauen hatten seit der Verbreitung von Rede Globo in den 1970er und 1980er Jahren weniger Kinder. Der fertilitätsreduzierende Effekt entspricht etwa dem von zwei zusätzlichen Jahren weiblichen Schulbesuchs.

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Bearbeitungsstand: 23. Mai 2012.

Autor des WWW-Skripts: Christian Gizewski, Prof. Dr., TU Berlin, Fakultät I, Alte Geschichte, FG Geschichte, Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP:christian.gizewski@.tu-berlin.de