Skizze zur antiken Musik.  

Über die Musik der Antike ist uns eine Anzahl musiktheoretischer Abhandlungen aus verschiedenen antiken Epochen überliefert. Die 'Gesetze der Musik' galten als ein Gebiet 'reinen', d. h. nicht von empirischen Zufälligkeiten und praktischen Bedürfnissen abhängigen Wissens. Sie waren insoweit Bestandteil der griechischen 'egkyklios paedeia' - der lateinischen 'artes liberales' (Aristoteles, pol. 8, 5 - 7; Augustinus, De musica) - und erfuhren dehalb eine Erörterung auch durch manchen prominenten antiken Autoren.

Anders ist es mit den musikalischen Weisen und ihrem Vortrag selbst. Zwar gibt es - in knapp 30 Quellen - noch eine Anzahl kleinerer, allerdings oft fragmentierter Musiknotationen aus der Antike - wie z. B. das 'Grablied des'Seikilos' (siehe: Seikilos.htm), dessen Entstehung in das 2. Jht. v. Chr. datiert wird. Sie sind auch öfters Ausgangsbasis praktischer musikgeschichtlicher Rekonstruktionsversuche gewesen. Dennoch fällt es vielfach schwer, sich antike Musik in ihren verschiedenen Anwendungsbereichen - von der volkstümlichen Musik der Familienfeste bis zur hochkulturellen Musik der religiösen Feiern oder des Theaters - konkret vorzustellen.

Was etwa die in der Antike gebräuchlichen, seit dem 7. Jht. v. Chr. vornehmlich heptatonischen (oktavischen) Tonleiterarten betrifft, so unterschied sich ihr Spektrum stark von dem der heute in der - auf die Antike zurückgehenden - abendländisch-europäischen Musiktradition dominant gewordenenen. Während sich heute, zumidest in der Alltagsmusik, zwei Haupttonfolgearten, nämlich 'Dur' und 'Moll' durchgesetzt habenen, gab es in der Antike - auch für den Alltagsgebrauch - offenbar eine größere Zahl verschiedenartiger Ganz-, Halb- und Vierteltonfolgen. Die heutigen 'Dur' und 'Moll'-Folgen waren darin unter vielen anderen als 'Lydisch' und 'Hypodorisch' vertreten.Zwei in der Antike offenbar häufig gebrauchte, dem normalen Musikhörer offenbar besonders vertraute Tonleitern, 'Dorisch' bzw. 'Phrygisch', erinnern etwas an das heutige 'Dur' bzw. 'Moll', haben aber jeweils eine kleine Tendenz in die andere Richtung.

Die zu 1) folgende - nur die antiken Hauptformen der Tonleitern wiedergebende und die veränderte Oktaven-Systematik der mittelalterlichen Kirchenmusik völlig außer acht lassende - Übersicht mag dies erläutern. Zu 2) und 3) werden darüberhinaus die generelle Entwicklung der früheren griechischen Musik und ihre Haupmusikinstumente - darunter die musiktheoretisch tonangebende siebensaitige Kithara - veranschaulicht.

1) Antike Tonarten.

2) Zur antiken Musikgeschichte.

3) Antike Musikinstrumente.

Entnommen aus dem für einen Überblick außerordentlich informativen und empfehlenswerten'dtv-Atlas zur Musik', hg. von U. Michels, Bd. 1: S.176, München 19874, S. 171 - 175.

 

Die antike Musik mit diesen vergleichsweise vielfältigen Tonleiter-Formen lebt aber in einigen musikalischen Traditionen Ägyptens und generell des des Nahen Ostens fort, die dem abendländisch-europäischen Ohr heute fremdartig erscheinen. Die nahöstlichen Traditionen haben andere - und möglicherweise sehr alte, dort indigene - Tonleitertypen fortgeführt als der Westen. Um davon eine Anschauung zu geben, sei im folgenden ein kleines Musik-Beispiel geboten

Maschaal.mov

 Entnommen aus einer Gesamtaufnahme ägyptischer Tanzmusik (Mokhtar al Said, Raks Sharki. Classic Egyptian Dance Music, Piranha Musik Produktion und Verlag AG, CD PIR 41-2, Berlin 1991, Titel 1: Mashaal/ Hani Mehanna (Auschnitt); mit Genehmigung des Verlages). - Technischer Hinweis: Die ursprüngliche Datei wurde aus Gründen der schnelleren Übertragung in eine entsprechende Quicktime-mov- Datei konvertiert. In neuere Rechnerberiebssysteme der Richtungen Macintosh oder PC ist ihre Empfangsmöglichkeit integriert. Sollte ein Emfangsrechner dazu noch nicht in der Lage sein, läßt sich - zumeist kostenlos- ein entsprechendes Programm für den Macinstosh- und für den PC-Bereich beziehen und in der Regel auf dem Rechner installieren. - Für PC-Benutzer ist die schnelle Wiergabe auch über die WAV-Datei möglich.

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Musikantinnen und Tänzerinnen. Wandmalerei aus dem Grab des Nebamun in Theben, 18. Dynastie, um 1420 v. Chr. Entnommen aus: I. Woldering, Ägypten. Die Kunst der Pharaonen (Kunst der Welt. Ihre geschichtlichen, soziologischen und religiöse Grundlagen, P 9), Baden-Baden 1979 3 , S. 99


 

LV Gizewski SS 1999

Autor: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)