Ovid, Metamorphoses, 15. Buch, 799 - 879 (Caesars Apotheose).

Lat. Text und dt. Übersetzung nach: Publius Ovidius Naso, Metamorphoses - Verwandlungen, Übersetzung und Einführung von Hermann Breitenbach, München 1982, S. 148 - 151.


Deutsche Übersetzung:

... Aber die Winke der Götter vermochten den nahenden Anschlag

Nicht zu vereiteln: schon trug man gezogene Schwerter in einen

Heiligen Raum; denn man fand in der Stadt keine andere Stätte

Für das Verbrechen des gräßlichen Mords, als gerade die Curie.

Jetzt gar schlug die cytherische Göttin die Brust sich mit beiden

Händen und wollte den Sproß des Aeneas in schützender Wolke

Bergen, wie einst sie den Paris entriß dem ergrimmten Atriden,

Oder wie damals Aeneas entkam Diomedes' Gewaffen.

"Willst du allein, o Tochter, das unüberwindliche Schicksal

Meistern?" sagte der Vater; "du magst die Behausung der Schwestern

Selbst betreten, der drei! Dort wirst du aus Erz und massivem

Eisen ein riesiges Werk, die Weltenarchive, erblicken,

Die kein Beben des Himmels bedroht, kein wütender Blitzstrahl,

Die nicht Einsturz befürchten, gesichert auf immer und ewig:

Allda wirst du, gehauen in dauernden Stahl, die Geschicke

Deines Geschlechtes entdecken. Ich las sie selbst und behielt sie

Wohl und künde die Zukunft, damit du sie endlich erfahrest.

Jener, um den du dich mühst, Cytheraea, er hat seine Laufbahn,

Die ihm auf Erden bestimmt war, erfüllt, seine Jahre vollendet.

Daß er als Gott im Himmel erscheint und in Tempeln verehrt wird,

Das wirkst du und sein eigener Sohn. Er, Erbe des Namens,

Trägt dann allein die Last der Regierung; er rächt den erschlagnen

Vater, der tapfere Held: wir leisten ihm Hilfe im Kampfe.

Mutina wird, die belagerte Festung, um Frieden ihn bitten,

Ihn, den Führer der Sieger; Pharsalia wird ihn erleben,

Wiederum wird im emathischen Land Philippi vom Blute

Triefen; es sinkt im sizilischen Meer der Name des ,Großen';

Und eines römischen Führers ägyptische Gattin wird stürzen,

Töricht der Ehe vertrauend: erfolglos die Drohung, es werde

Unsere Burg Capitolium ihrem Canopus sich beugen.

Muß ich die Völker, die westlich und östlich am Ozean hausen,

Alle die Wilden dir nennen? Sein Eigentum wird, was die Erde

Trägt, die bewohnte; ihm wird auch das Meer als Sklave gehorchen.

Hat er die Erde befriedet, so kehrt er den Geist auf der Bürger

Recht und Ordnung: Gesetze erläßt der gerechteste Walter,

Lenkt nach eigenem Beispiel die Sitten und wird in der Sorge

Um die künftigen Zeiten, zum Heil der kommenden Enkel,

Dem von der frommen Gemahlin gebotenen Sohne befehlen,

Seinen Namen zugleich und die Bürde der Herrschaft zu tragen.

Ist er dann endlich als Greis so betagt wie der Pylier geworden,

Wird er den himmlischen Ort, die verwandten Gestirne erreichen.

Aus dem gemordeten Leib indessen entraffe die Seele!

Wandle zum Licht sie, daß immer der göttliche Julius unsre

Burg Capitol und das Forum aus himmlischer Halle beschaue!"

Kaum sind die Worte gesprochen, so steht sie, die gütige Venus,

Mitten im Saal des Senats, für niemand sichtbar; des teuren

Caesar entweichende Seele entführt sie dem Körper. Sie will nicht,

Daß in die Luft sie schwinde: sie trägt sie empor zu den Sternen.

Aber beim Tragen wird licht sie und feurig; sie spürt es und läßt sie

Los vom Busen: da schwingt sie sich über die Mondregionen,

Zieht einen langen flammenden Schweif und funkelt als Stern jetzt,

Und beim Blick auf die Taten des Sohnes gesteht sie, sie ragen

Über die eignen: sie freut sich, von ihm übertroffen zu werden.

EPILOG

Und jetzt hab' ich vollendet ein Werk, das nicht Jupiters Zornwut,

Feuer und Schwert, die zehrende Zeit nicht zu tilgen vermögen.

Mag er erscheinen, der Tag, wann er will, der nur meines Leibes

Herr ist, die Frist meines schwankenden Lebens zu enden: unsterblich

Schwingt der edlere Teil meines Wesens sich über die hohen

Sterne empor, und unzerstörbar dauert mein Name;

Und wo die Römer bezwungene Länder beherrschen, die Völker

Werden mich lesen: ich bleibe, wenn irgend die Ahnung der Sänger

Wahrheit besitzt, im Ruhm für ewige Zeiten lebendig.


Lateinischer Text:

Non tamen insidias venturaque vincere fata

Praemonitus potuere deum, strictique feruntur

In templum gladii; neque enim locus ullus in urbe

Ad facinus diramque placet nisi curia caedem.

Tum vero Cytherea manu percussit utraque

Pectus et Aeneaden molitur condere nube,

Qua prius infesto Paris est ereptus Atridae

Et Diomedeos Aeneas fugerat enses.

Talibus hanc genitor: "Sola insuperabile fatum,

Nata, movere paras? Intres licet ipsa sororum

Tecta trium: cernes illic molimine vasto

Ex aere et solido rerum tabularia ferro,

Quae neque concussum caeli neque fulminis iram

Nec metuunt ullas tuta atque aeterna ruinas.

Invenies ilic incisa adamante perenni

Fata tui generis; legi ipse animoque notavi

Et referam, ne sis etiamnum ignara futuri.

Hic sua complevit, pro quo, Cytherea, laboras,

Tempora perfectis, quos terrae debuit, annis.

Ut deus accedat caelo templisque colatur,

Tu facies natusque suus, qui nominis heres

Inpositum feret unus onus, caesique parentis

Nos in bella suos fortissimus ultor habebit.

Illius auspiciis obsessae moenia pacem

Victa petent Mutinae, Pharsalia sentiet illum,

Emathiique iterum madefient caede Philippi,

Et magnum Siculis nomen superabitur undis,

Romanique ducis coniunx Aegyptia taedae

Non bene fisa cadet, frustraque erit illa minata

Servitura suo Capitolia nostra Canopo.

Quid tibi barbariem gentesque ab utroque iacentes

Oceano numerem? Quodcumque habitabile tellus

Sustinet, huius erit; pontus quoque serviet illi.

Pace data terris animum ad civilia vertet

Iura suum legesque feret iustissimus auctor

Exemploque suo mores reget inque futuri

Temporis aetatem venturorumque nepotum

Prospiciens prolem sancta de coniuge natam.

Ferre simul nomenque suum curasque iubebit,

Nec nisi cum senior Pylios aequaverit annos,

Aetherias sedes cognataque sidera tanget.

Hanc animarn interea caeso de corpore raptam

Fac iubar, ut semper Capitolia nostra forumque

Divus ab excelsa prospectet Iulius aede!"
Vix ea fatus etat, media cum sede senatus

Constitit alma Venus nulli cernenda suique

Caesaris eripuit mernbris nec in aera solvi

Passa recentem animam caelestibus intulit astris;

Dumque tulit, lumen capere atque ignescere sensit

Emisitque sinu: Luna volat altius illa

Flammiferumque trahens spatioso limite crinem

Stella micat natique videns bene facta fatetur

Esse suis maiora er vinei gaudet ab ub. 

EPILOGUS

Iamque opus exegi, quod nec lovis ira nec ignis

Nec potent ferrum nec edax abolere vetustas.

Cum volet, illa dies, quae nil nisi corporis huius

lus habet, incerti spatium mihi finiat aevi

Parte tamen meliore mei super alta perennis

Astra ferar, nomenque erit indelebile nostrum,

Quaque patet domitis Rornana potentia terris,

Ore legar popuh perque omnia saecula fama,

Siquid habent veri vatum praesagia, vivam.


Auswahl und Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski.

 

LV Gizewski SS 1999