Beispiele politischer Aussagen durch sakrale und profane Bauwerken und Bilder in Athen und Delphi nach dem Bericht des Pausanias (2. Jht. n. Chr.): Pausanias, Perihegesis B. 1. 3, 1 f. und 24, 5 - 7 sowie B. 10. 11, 5 - 12, 1.

Deutsche Übersetzung nach: Pausanias, Beschreibung Griechenlands, 2 Bde., übersetzt und herausgegeben von Ernst Meyer, München 1972, Bd. 1, S. 59 und 78 , Bd. 2, S. 494 f. Kartenbilder aus: H. E. Stier u. a. (Hg.), Großer Atlas zur Weltgeschichte, Westermann-Schulbuch-Verlag Braunschweig 1990 (Sonderausgabe des Orbis-Verlags; eine Neuauflage ist 1998 erschienen), S. 12 und 17.


(1, 3, 1 f. - einige Schatzhäuser in Delphi; dazu: Delphi.GIF)

... Das Schatzhaus der Thebaner stammt aus Kriegsbeute und ebenso das der Athener; von den Knidiern weiß ich nicht, ob sie es wegen eines Sieges bauten oder zur Schaustellung ihres Reichtums, während das Schatzbaus der Thebaner von der Schlacht bei Leuktra und das der Athener aus ihrem Siege über die mit Datis bei Marathon Gelandeten stammt. Die Kleonaeer wurden ebenso wie die Athener von der Pest bedrängt und opferten nach einem Orakelspruch aus Delphi der Sonne bei ihrem Aufgehen einen Bock und schickten daher, als sie von dem Unheil befreit wurden, dem Apollon einen bronzenen Bock. Von den Potidaeaten aus Thrakien und von den Syrakusanern aber: von den einen stammt das Schatzbaus von der großen athenischen Niederlage, die Potidaeaten aber bauten es aus Verehrung für den Gott. Die Athener bauten auch eine Säulenhalle von dem Geld, das sie in dem Kriege von den Peloponnesiern und den mit den Peloponnesiern verbündeten Griechen erbeuteten. Es hängen da auch die Bugzierate von Schiffen und bronzene Schilde. Die Inschrift an ihnen zählt die Städte auf, von deren Beute die Athener die Weihgeschenke sandten: Elis und Sparta, Sikyon und Megara und Pellene in Achaia und Ambrakia und Leukas und Korinth selbst. Wegen dieser Seeschlachten sei auch dem Theseus und dem Poseidon am sogenannten Rhion ein Opfer dargebracht worden. Und die Inschrift scheint sich mir auf Phormion, den Sohn des Asopichos, zu beziehen und auf Phormions Taten. Ein Felsblock erhebt sich über den Boden, und auf diesem, sagen die Delpher, habe eine Frau gestanden und ihre Orakelsprüche gesungen, mit Namen Herophile und dem Beinamen Sibylle. ...

 

(1, 24, 5 - 7 - die Athena-Statue im Inneren des Parthenon der athenischen Akropolis; dazu: Athen.GIF)

... Tritt man in den Tempel ein, den sie Parthenon nennen, so bezieht sich die ganze Darstellung im Giebel auf die Geburt der Athena. Der rückwärtige Giebel aber enthält den Streit des Poseidon mit Athena um den Besitz des Landes. Das Kultbild selbst ist aus Gold und Elfenbein gemacht. Mitten auf dem Helm sitzt die Figur einer Sphinx. Was man von der Sphinx erzählt, werde ich schreiben, wenn meine Darstellung bis Boeotien vorgeschritten ist. Beiderseits an dem Helm aber sind Greifen angebracht. Das Kultbild der Athena ist aufrechtstehend mit einem Chiton bis zu den Füßen, und an ihrer Brust ist das Medusenhaupt aus Elfenbein angebracht. Und eine Siegesgöttin gegen vier Ellen hoch hat sie in der Hand und eine Lanze, und zu ihren Füßen steht der Schild, und neben der Lanze befindet sich eine Schlange, und diese Schlange mag wohl Erichthonios darstellen. An der Basis des Kultbildes ist die Geburt der Pandora dargestellt. Hesiod und andere haben erzählt, wie diese Pandora die erste Frau wurde. Vor der Geburt der Pandora gab es das Geschlecht der Frauen noch nicht. Hier gibt es sonst nur ein Bild des Kaisers Hadrian, wie ich selber gesehen habe, und im Eingang eines des Iphikrates , der viele berühmte Taten vollbracht hat. ...

 

(10. 11, 5 - 12, 1 - die Zeus-Halle an der athenischen Agora; dazu Athen.GIF)

... Dort steht auch ein Zeus mit Beinamen Eleutherios und der Kaiser Hadrian, der außer manchen anderen seiner Untertanen besonders der Stadt Athen Wohltaten erwies. Dahinter ist eine Halle gebaut mit Bildern der Zwölf Götter. Auf der gegenüberliegenden Wand ist Theseus gemalt und die Demokratia und der Demos. Die Beischrift besagt, daß Theseus in Athen die Demokratie eingeführt habe. Auch sonst ist die Meinung weit verbreitet, daß Theseus dem Volk die Herrschaft übergeben habe, und daß die Athener seit seiner Zeit immer demokratisch gelebt hätten, bis Peisistratos auftrat und Tyrann wurde. Es wird ja viel Unwahres erzählt bei der geschichtsunkundigen Menge, die das, was sie von Kindheit an in Chorliedern und Tragödien gehört hat, für wahr hält, und so auch bei Theseus, der doch noch selber König war, und dessen Nachkommen auch später nach dem Tode des Menestheus noch bis zur vierten Generation in der Herrschaft blieben....


Auswahl und Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski


 

LV Gizewski SS 1999