Kap. 4: Das Reichsrecht des sich entfaltenden Imperium Romanum bis zum Ende der Republik.

ÜBERSICHT:

1. Die rechtliche und administrative Behandlung der Provinzen und der neuen römischen Koloniebildungen dort.

2. Verfassungsrechtskonflikte und -reformen in der späten Republik und das Anwachsen der verfassungsmäßigen Bedeutung der Militärmacht bis zur Usurpation Caesars.

3. Literatur, Medien, Quellen.

Zu den stichwortartigen Hinweisen siehe das Vorwort zu diesem Skript.


1. Die rechtliche und administrative Behandlung der Provinzen und der neuen römischen Koloniebildungen dort.

Übung 4 a.

AUFGABE:

    Bei den folgenden drei Textauszügen aus erhaltenen römischen Gesetzesinschriften handelt es sich jeweils um Probleme der römischen Provinzialverwaltung.

    Auch wenn Sie des Lateinischen nicht kundig genug sind, den Inhalt ohne Hilfsmittel angemessen zu erfassen, so versuchen Sie dennoch, aufgrund Ihrer jetzt gegebenen Sprachkenntnisse und anderer Schlußfolgerungsmöglichkeiten etwas über die Entstehungsumstände und den Inhalt der Textauszüge herauszufinden

1) LEX COLONIAE GENETIVAE IULIAE SIVE URSONENSIS.

2) LEX AGRARIA.

3) LEX DE GALLIA CISALPINA.

Textauszüge entnommen aus: S. Riccobono (Ed.), FIRA (Fontes Iuris Romanis Anteiustiniani), Bd. 1: Leges, Florenz 1968, S. 179 - 181 [zu 1)], S. 103 - 105 [zu 2)] und S. 171 - 173 [zu 3)].

Lösung zu Übung 4 a.

a) Organisation der militärischen Sicherung und der Zivilverwaltung der Provinzen durch Rom.

b) Die rechtlichen Unterschiede zwischen der römischen und der nicht-römischen Provinzialbevölkerung.

c) Die Landenteignung und Neuzuweisung an römische Bürger.

d) Die Gründung römischer Kolonien.

Übung 4 b.

AUFGABEN:

In der folgenden Rede Ciceros geht es u. a. darum, zu verdeutlichen, welche wichtigen römischen Interessen bei einem im Orient zu führenden Kriege auf dem Spiele stehen.

    a) An wen wendet sich die Rede in welcher außenpolitischen Lage Roms?

    b) Wie nimmt sie auf die Interessen, Wertempfindungen und Stimmungen der Angesprochenen Bezug?

Die Verteidigung römischer Interessen in der Provinz Asien - Cicero, De imperio Gnaei Pompei 5 - 7.

Lateinische Textauszüge und deutsche Übersetzung nach: Cicero, De imperio Cn. Pompei oratio. Rede über den Oberbefehl des Cn. Pompeius. Lasteinisch - deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Otto Schönberger, Stuttgart 1979, S. 12 - 21.

Lösung zu Übung 4 b.

2. Verfassungsrechtskonflikte und -reformen in der späten Republik und das Anwachsen der verfassungsmäßigen Bedeutung der Militärmacht bis zur Usurpation Caesars.

a) Die kulturelleWandlung Roms von einer italischen Hegemonialmacht zum 'Imperium Romanum' und ihre 'sittenrechtlichen' Gegenbewegungen in Rom selbst.

b) Mißbräuche bei der römischen Provinzialverwaltung und rechtliche Gegenbewegungen.

c) Die Beteiligungsansprüche der breiten Volksschichten und der italischen Bundesgenossen gegenüber den senatorischen und ritterlichen Hauptnutzern der römischen Expansion. Die optimatisch-plebejischen Rechts- und Interessenonflikte und die verfassungsneukonstituierende Diktatur Sullas.

d) Die Notwendigkeit und die Eigendynamik zeitlich verlängerter und mit besonderen Vollmachten ausgestatteter Militärkommanden in den Provinzen. Die Herausbildung informeller Herrschaftsverhältnisse im Hintergrund der rechtlichen Verfassungsordnung.

Übung 4 c.

AUFGABEN:

Der erste der von Cicero stammenden, hier auszugsweise wiedergegebenen Texte befaßt sich mit einem die Verfassungswirklichkeit Roms im 1. Jht. charakteristisertenden 'Ermächtigungsgesetz', der zweite mit einem in dieser Epoche vertretenen republikanischen Verfassungsideal.

    a) Welche Regeln des Verfassungsherkomens sollen im ersten Text nach Ciceros Auffasuung anläßlich welcher Gelegenheit für wen warum aufgegeben werden??

    b) Welche Schwerpunkte formuliert das von Cicero im zweiten Text in die Gestalt eines Dialog-Beitrages gekleidete Verfassungskonzept? Auf welche Quellen beruft es sich? In welchen Punkten liegt nach Ihrer Einschätzung die im Dialog-Text von einem der Gespächspartner bemerkte Abweichung des Idealverfassungskonzepts von den tatsächlich rechtsgültigen Regeln des damaligen römischen Verfassungsrechts?

1) Die verfassungs- und herkommenssprengende Bedeutung des großen Heerführers - Cicero, De imperio Gnaei Pompei 15 - 21.

Lateinischer Textauszug und deutsche Übersetzung nach: Cicero, De imperio Cn. Pompei oratio. Rede über den Oberbefehl des Cn. Pompeius, . Lasteinisch - deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Otto Schönberger, Stuttgart 1979, S. 44 - 63.

2) Ein Ideal römischer Verfassung. Cicero, De legibus 3, 5 - 13.

Lateinischer Textauszug und deutsche Übersetzung nach: Marcus Tullius Cicero, De legibus. Paradoxa stoicorum - Über die Gesetze. Stoische Paradoxien. Lateinisch - deutsch. Herausgegenben, übersetzt und erläutert von Rainer Nickel, Darmstadt 1994, S. 152 - 161.

Lösung zu Übung 4 c.

e) Die Unklarheit der Souveränitätsfrage.

Umstrittene Notstandsbefugnisse des Senats und der Konsuln.

Aus Sallust, Catilinae Coniuratio 50,1 ff.

(Reden Caesars und Catos in der Senatsverhandlung über die Maßnahmen gegen die des Hochverrats überführten Catilinarier und die Vollstreckung der Todesstrafe als Notstandsmaßnahme auf Anordnung Ciceros).

Lat. und dt. Text nach: Sallust, Die Verschwörung des Catilina., Lateinisch und deutsch. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay "Zum Verständnis des Werkes" sowie einer Bibliographie versehen von Josef Lindaure, Hamburg 1971, S. 62 - 81

3. Literatur, Medien, Quellen.

LITERATUR:

A. Heuss, Römische Geschichte, eingeleitet und mit einem neuen Forschungsteil versehen von Jochen Bleicken, Werner Dahlheim u. Hans-Joachim Gehrke. Braunschweig 2000 7 .
Th.Mommsen, Römisches Staatsrecht, 3 Bde., Bd. 1 und 2, Leipzig 1887 3, Bd. 3, Leipzig 1888 3.
J. Bleicken, Die Verfassung der römischen Republik, Paderborn 1995 7.
J. Bleicken, Lex publica. Gesetz und Recht in der römischen Republik, Berlin 1975.
W. Kunkel, Staatsordnung und Staatspraxis der römischen Republik, Zweiter Abschnitt: Die Magistratur, HdA 10, 3, 2, 2, München 1995.
U. von Lübtow, Das römische Volk. Sein Staat und sein Recht, Frankfurt 1955.
W. Kunkel, Herkunft und soziale Stellung der römischen Juristen, Graz 1967 2.
O. Behrends, Institutionelles und prinzipielles Denken im römischen Privatrecht SZ 95 (1978), S. 187 ff. (betr. generell den Einfluß griechischer Philosophie auf das römische Rechtsdenken).

QUELLEN:

Cicero, De legibus 3, 5 - 13. Lat. und dt. Text nach: Marcus Tullius Cicero, De legibus. Paradoxa stoicorum - Über die Gesetze. Stoische Paradoxien. Lateinisch - deutsch. Herausgegenben, übersetzt und erläutert von Rainer Nickel, Darmstadt 1994, S. 152 - 161.
Cicero, De imperio Gnaei Pompei 5 - 7 und 15 - 21. Lateinische Textauszüge und deutsche Übersetzung nach: Cicero, De imperio Cn. Pompei oratio. Rede über den Oberbefehl des Cn. Pompeius. Lateinisch - deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Otto Schönberger, Stuttgart 1979, S. 12 - 21 und 44 - 63.
1) Lex Coloniae Genetivae Iuliae sive Ursonensis, 2) Lex Agraria und 3) Lex de Gallia cisalpina, in: S. Riccobono (Ed.), FIRA (Fontes Iuris Romanis Anteiustiniani), Bd. 1: Leges, Florenz 1968, S. 179 - 181 [zu 1)], S. 103 - 105 [zu 2)] und S. 171 - 173 [zu 3)].
C. Sallustius Crispus, Coniuratio Catinliae. Dt. Übersetzung: Die Verschwörung des Catilina., Lateinisch und deutsch. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay "Zum Verständnis des Werkes" sowie einer Bibliographie versehen von Josef Lindauer, Hamburg 1971.

LV Gizewski im WS 2000/2001

Autor: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)