Kap. 5: Das Römische Recht in seiner kaiserzeitlichen Entwicklung bis zum spätantiken kaiserlichen Kodex-Recht und Kirchenrecht.

ÜBERSICHT:

1. Die Veränderung der republikanischen Verfassung durch den Einbau eines monarchischen Souveräns.

2. Die allmähliche rechtliche Angleichung der Provinzen an Italien unter kaiserlicher Herrschaft.

3. Grundlegende kaiserliche Hof-, Verwaltungs- und Militärreformen.

4. Organisation der Jurisdiktions- und Rechtssetzungsbefugnisse. Kaiserliche Obergerichtsbarkeit, Gesamtrechtsedikte, Rechtssetzungen und Rechtskodifikationen.

5. Die Entstehung der offiziellen christlichen Kirchenorganisation und ihres Rechts.

6. Literatur, Medien, Quellen.

Zu den stichwortartigen Hinweisen siehe das Vorwort zu diesem Skript.


1. Die Veränderung der republikanischen Verfassung durch den Einbau eines monarchischen Souveräns.

Übung 5 a.

AUFGABEN:

    Die nachfolgend wiedergegebene bedeutende Textquelle, das sog. Monumentum Ancyranum, enthält wichtige Informationen über das politische, religiöse und nicht zuletzt auch rechtliche Selbtsverständnis des ersten römischen Kaisers, Augustus. Lesen Sie den Text aufmerksam durch und beantworten sie aufgrund ihres jetzt gegebenen Erkenntnisstandes folgende Fragen:

    a) Worin unterscheidet sich Ihres Erachtens die politische Stellung des Augustus und sein Selbstverständnis von dem prominenter Spitzenpolitiker und -militärs des letzten Jahrhunderts der römischen Republik?

    b) Warum legt Augustus noch am Ende seines Lebens großen Wert auf die Selbstdarstellung seiner Herrschaft, und was sieht er in ihr als besonderen Wert und als besondere Leistung an?

Res gestae divi Augusti.

Dt. und lat. Text - unter Weglassung des griechischen Textes - entnommen aus: Res gestae. Tatenbericht (Monumentum Ancyranum). Lateinisch, griechisch und deutsch. Übersetzt. kommentiert und herausgegeben von Marion Giebel, Stutgart 1980.

Lösung zu Übung 5 a.

Die Vollmachten des Princeps in der Sprache des Gesetzes.

Die sog. 'Lex de imperio Vespasiani'.

Text entnommen aus: FIRA (Fontes Iuris Romani Anteiustiniani) Bd. I (Leges), Es. S. Riccobono, Florenz 1968 2, S. 154 - 156.

2. Die allmähliche rechtliche Angleichung der Provinzen an Italien unter kaiserlicher Herrschaft.

a) Die römische Zivil- und Militäradministration in den Provinzen.

b) Der Militärdienst als Assimilationsmoment .

Ein Bürgerrechtsdiplom für einen Veteranen aus dem 1. Jht. n. Chr.

Text auszugsweise entnommen aus: FIRA (Fontes Iuris Romani Anteiustiniani) Bd. I (Leges), Es. S. Riccobono, Florenz 1968 2, S. 223 - 232.

c) Die Einbindung der provinzialen Oberschichten in die römische Arisrokratie.

Eine Rede des Kaisers Claudius über die Aufnahme gallischer Honoratioren in den römischen Senat.

Text auszugsweise entnommen aus: FIRA (Fontes Iuris Romani Anteiustiniani) Bd. I (Leges), Es. S. Riccobono, Florenz 1968 2, S. 281 - 285

d) Die provinziale 'Urbanisierung' nach dem Muster römischer Städte in der Kaiserzeit.

e) Loyalitätsgewinn unter der Provinzialbevölkerung durch Beseitigung antiquierter Unterschiede gegenüber Italien.

Die 'Constitutio Antoniniana' d. J. 212 n. Chr..

Text entnommen aus: FIRA (Fontes Iuris Romani Anteiustiniani) Bd. I (Leges), Ed. S. Riccobono, Florenz 1968 2.

3. Grundlegende kaiserliche Hof-, Verwaltungs- und Militärreformen.

Schemata des Aufbaus der römischen Reichsverwaltung im 2. und im 5. Jht. n. Chr.

im 2. Jht. n. Chr.

und

im 5. Jht. n. Chr.

Entnommen aus: Der Große Ploetz. Auszug aus der Geschichte. Begründet von J. Ploetz. In Bearbeitung durch 69 Fachwissenschaftler hg. vom Ploetz-Verlag, Freiburg, Würzburg 1988 20, S. 241 unne 252.

4. Organisation der Jurisdiktions- und Rechtssetzungsbefugnisse. Kaiserliche Obergerichtsbarkeit, Gesamtrechtsedikte, Rechtssetzungen und Rechtskodifikationen.

Zum System der Iurisdiktionsmagistrate in der späteren Kaiserzeit.

Siehe Kap. 1, Übung 1 b) zu Dig. 1, 12, 1 'De officio praefecti urbi' und zur Abbildung eines 'Vicarius'.

Übung 5 b.

AUFGABEN:

    Bei dem folgenden Text geht es um einen typischen Rechtsfall, wie er - hier im frühen 3. Jht. n. Chr.- vor das kaiserliche Hofgericht kommen und für die damalige juristische Literatur Bedeutung erlangen konnte.

    a) Machen Sie sich - aufgrund ihres gegebenen Wissens- und Erkenntnisstandes, d. h. so gut es eben geht - das Rechtsproblem klar. Worum geht es hier den Parteien? Welche unterschiedlichen Auffassungen vertreten sie bei der Verfolgung ihrer Interessen?

    b) Welche Rolle spielen im vorliegenden Falle jeweils die Juristen Papinian und Paulus? Warum beschäftigt ein solcher Fall ein kaiserliches Gericht, und warum wird er von dem berühmten Rechtsgelehrten Paulus in einer Sammlung bemerkenswerter Rechtsfragen dargestellt?

Paulus, Aus Untersuchungen, Buch 3 (Quaestiones III = Dig. 12, 1, 40).

Lat.-dt.Text entnommen aus: M. Fuhrmann, D. Liebs, Exempla Iuris Romani. Römische Rechtstexte, München 1988, S. 132 - 135.

Lösung zu Übung 5 b.

Der Kaiser als 'oberster und dauerhaft entscheidender' Prätor.

Aus dem um 130 n. Chr. entstandenen sog. 'Edictum perpetuum'.

Text des von Otto Lenel rekonstruierten Edikts auszugsweise entnommen aus: FIRA (Fontes Iuris Romani Anteiustiniani) Bd. I (Leges), Es. S. Riccobono, Florenz 1968 2, S. 354 f.

Gründe für die spätantike Kodex-Gesetzgebung: Das Anordungsgesetz Justinians (d. J. 529) betreffend die Zusammenstellung des Kaiserrechts zu seiner Zeit und der Index des i. J. 534 in Kraft getretenen Codex Iustinianus.

De novo codice componendo.

Index Codicis Iustiniani.

Texte entnommen aus: Codex Iustinianus, Corpus Iuris Civilis Bd. 2, Stereotypausgabe. Hd. von Paul Krüger, Berlin 1895 6, S. XXIII - XXX und 1. Datei 'IndexCJ' im PDF-Format.

5. Die Entstehung der offiziellen christlichen Kirchenorganisation und ihres Rechts.

Aus dem spätantiken Kirchenrenrecht : Normen des Codex Iustinianus über die christliche römische Staatsreligion.

Cod. Iust. Iust 1, 1. 1 und 2.

Text entnommen aus: Codec Iustinianus, Corpus Iuris Civilis Bd. 2, Stereotypausgabe. Hg. von Paul Krüger, Berlin 1895 6, S. 5.

6. Literatur, Medien, Quellen.

LITERATUR:

J. Bleicken, Verfassungs- und Sozialgeschichte des Römischen Kaiserreichs, Paderborn 1995 4.
Werner Eck, Augustus und seine Zeit (Reihe Beck-Wissen 2084), München 1998.
W. Kunkel, Herkunft und soziale Stellung der römischen Juristen, Graz 1967 2.
O. Lenel, Das Edictum Perpetuum, Leipzig 1927 3.
Rudolph Sohm, Institutionen. Geschichte und System des römischen Privatrechts, Leipzig 1908 13.
M. Kaser, Das römische Zivilprozeßrecht, München 1996 2.
A. H. M. Jones, The Later Roman Empire (284 - 602). A Social, Economic and Administrative Survey, 3 Bde. und App., Oxford 1964.
D. Liebs, Die Jurisprudenz im spätantiken Italien, Berlin 1987.
Jean Gaudemet, L'église dans l'empire romain (IVe - Ve siècles), Paris 1965.

MEDIEN:

Der Große Ploetz. Auszug aus der Geschichte. Begründet von J. Ploetz. In Bearbeitung durch 69 Fachwissenschaftler hg. vom Ploetz-Verlag, Freiburg, Würzburg 1988 20, S. 241 und 252 (Schemata).

QUELLEN:

Res gestae. Tatenbericht (Monumentum Ancyranum). Lateinisch, griechisch und deutsch. Übersetzt, kommentiert und herausgegeben von Marion Giebel, Stutgart 1980.
'Lex de imperio Vespasiani, in: FIRA (Fontes Iuris Romani Anteiustiniani) Bd. I (Leges), Es. S. Riccobono, Florenz 1968 2, S. 154 - 156.
'Oratio Claudii', in: FIRA (Fontes Iuris Romani Anteiustiniani) Bd. I (Leges), Es. S. Riccobono, Florenz 1968 2, S. 281 - 285.
Bürgerrechtsdiplome für Veteranen, in: FIRA (Fontes Iuris Romani Anteiustiniani) Bd. I (Leges), Es. S. Riccobono, Florenz 1968 2, S. 223ff..
'Edictum perpetuum', in:: FIRA (Fontes Iuris Romani Anteiustiniani) Bd. I (Leges), Es. S. Riccobono, Florenz 1968 2, S. 335 ff. und Anm. 232 - 333.
Paulus, Quaestiones III = Dig. 12, 1, 40, in: M. Fuhrmann, D. Liebs, Exempla Iuris Romani. Römische Rechtstexte, München 1988, S. 132 - 135.
'Constitutio Antoniniana' d. J. 212 n. Chr., in: FIRA (Fontes Iuris Romani Anteiustiniani) Bd. I (Leges), Ed. S. Riccobono, Florenz 1968 2.
Ulpianus, De officio praefecti urbi' = Dig. 1, 12, 1, 1 - 2 / 4 - 5 / 8 - 14 nach: Exempla Iuris Romani. Römische Rechtstexte. Herausgegeben, übersetzt und erläutert von Manfred Fuhrmann und Detlef Liebs, München 1988, S. 34 - 37.
Codex Iustinianus, Corpus Iuris Civilis Bd. 2, Stereotypausgabe. Hg. von Paul Krüger, Berlin 1895 6.

LV Gizewski im WS 2000/2001

Autor: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)