Kap. 7: Die Rezeption des Römischen Rechts seit dem 12. Jht. in ganz Europa.

ÜBERSICHT:

1. Die gewachsenen mittelalterlichen Traditionen des römischen Rechts (Gewohnheiten, Renovationen und Fiktionen) und die im Spätmittelalter neu einsetzende 'Rezeption' des antiken römischen Rechts.

2. Die Entwicklung des europäischen Universitätswesens und der Jurisprudenz. Die Legistik und die Kanonistik ('utrumque ius').

3. 'Ius publicum' (Stadtrecht, Reichsrecht und Hofrecht) unter römischem Traditionseinfluß.

4. Die Entwicklung des Kirchenrechts seit dem 'Decretum Gratiani'.

5. Literatur, Medien, Quellen.

Zu den stichwortartigen Hinweisen siehe das Vorwort zu diesem Skript.


1. Die gewachsenen mittelalterlichen Traditionen des römischen Rechts (Gewohnheiten, Renovationen und Fiktionen) und die im Spätmittelalter neu einsetzende 'Rezeption' des antiken römischen Rechts.

Übung 7 a.

AUFGABEN:

    Die nachfolgend wiedergegebenen lateinischsprachigen Quellentexte sind in mittelalterlicher Zeit allesamt von großer historischer Bedeutung gewesen.

    a) Machen Sie sich aufgrund Ihrer jetzigen sprachlichen Kenntnisse ein Bild vom Inhalt dieser Quellentexte und ordnen Sie sie historisch ein.

    b) Inwiefern spielt in ihnen die römisch-rechtliche und weitergehend die politisch-religiöse Tradition aus der Antike eine tragende Rolle?

Rechtliche Grundlagen weltlicher und päpstlicher Macht. Drei wichtige mittalalterliche Quellentexte.

Lat. Texte aus: H. Fuhrmann (Hg.), Das 'Constitutum Constantini, 1968, S. 86 ff.; Monumenta Germaniae Historia, Epistolae selectae separatim editae, Das Register Gregors VII., 1. Teil, 1920, S. 201 - 208; Monumenta Germaniae Historica, Leges, Sectio IV, Bd. 1, 1893, S. 110 f. - Dokument im pdf-Format; zum Empfang siehe ggf.: Versuche.htm , unter II, Experiment 6. Leseverbesserung durch Einstellung des Großformats auf der Darstellungsfläche möglich.

Lösung zu Übung 7 a.

2. Die Entwicklung des europäischen Universitätswesens und der Jurisprudenz. Legistik und Kanonistik (utrumque ius)

Die Entwicklung der europäischen Universitäten bis 1500.

Karte entnommen aus: Der große Atlas Weltgeschichte, hg. von E. Stier u. a., Westermann-Verlag, Sonderausgabe Braunsschweig 1990, S. 91.

Übung 7 b.

AUFGABEN

    Der nachfolgend wiedergegebene, ins Deutsche übersetzte Text ist ein Übungsfall aus der mittelalterlichen Rechtsschule von Bologna. Die lateinische Fallsammlung, der er entstammt, ist im folgenden ebenfalls auszugsweise wiedergegeben und ferner einige juristische Stellen aus den Digesten Justinians, mit denen der Rechtsstudent des Mittelalters den hier ausgewählten Fall XX aus der Sammlung lösen soll.

    a) Machen Sie sich zunächst anhand der deutschen Fallbeschreibung ein Bild von dem Rechtsproblem, betrachten Sie dann die lateinischen Begleittexte und beantworten Sie schließlich folgende Fragen:

    b) Warum könnte es in damaliger Zeit sinnvoll sein, den vorliegenden Rechtsfall mit den Mitteln der antiken Rechtswissenschaft zu lösen?

    c) Welche Kenntnisse muß sich der Rechtsstudent aneignen, um den Fall zu lösen, und was muß er in seinem Studium danach vor allem leisten?

Der Fall XX aus den 'Quaestiones dominorum Bononensium'.

Dt. Text aus: Karl Kroeschell, Deutsche Rechtsgeschichte, Bd. 1, Hamburg 1972, S. 238 f. Auszug aus der lat. Fallsammlung 'Quaestiones dominorum Bononesium' entnommen aus: Scripta Anecdota Glossatorum, ed. J. B. Palmiero, Bd. 1, Bologna 1913, S. 215 f.. Digestenzitate aus: P. Krüger, T. Mommsen, Corpus Iuris Civilis, vol. I, Institutiones. Digesta, 7. Stereotypausgabe, Berlin 1895, S. 128, 131 und 250 f. - Dokument im pdf-Format; zum Empfang siehe ggf.: Versuche.htm , unter II, Experiment 6. Leseverbesserung durch Einstellung des Großformats auf der Darstellungsfläche möglich.

Lösung zu Übung 7 b.

3. 'Ius publicum' (Stadtrecht, Reichsrecht und Hofrecht) unter römischem Traditionseinfluß.

Die spätmittelalterliche Entwicklung öffentlich-rechtlicher Begriffe auf der Basis der antiken Rechtswissenschaft. Aus dem Werk des Johannes von Viterbo 'De regimine civitatum'.

Lat. Auswahtext 'Johannes Viterbensis, De regimine civitatum I - VIII, entnommen aus aus: Scripta Anecdota Glossatorum, Bd. 3, Bologna 1901, S. 218 f. - Dokument im pdf-Format; zum Empfang siehe ggf.: Versuche.htm , unter II, Experiment 6. Leseverbesserung durch Einstellung des Großformats auf der Darstellungsfläche möglich.

4. Die Entwicklung des Kirchenrechts seit dem 'Decretum Gratiani'.

Der Übergang des kirchlichen Gerichtsprozesses zu einem von professionellen Juristen geleiteten Gerichtsverfahren.

Quellentext entnommen aus: Karl Kroeschell, Deutsche Rechtsgeschichte 2 (1250 - 1650), Opladen 1989 7, S. 50 f. - Dokument im pdf-Format; zum Empfang siehe ggf.: Versuche.htm , unter II, Experiment 6. Leseverbesserung durch Einstellung des Großformats auf der Darstellungsfläche möglich.

5. Literatur, Medien, Quellen.

LITERATUR:

Peter G. Stein, Römisches Recht und Europa. Die Geschichte einer Rechtskultur, Frankfurt M. 1996.
H. Coing, Handbuch der Quellen und Literatur der neueren europäischen Privatrechtsgeschichte, Bd. 1: Mittelalter, 1100 - 1500, Bd. 2: Neuere Zeit, 1500 - 1800, München 1973, 1976 und 1977.
F. Wiecker, Privatrechtsgeschichte der Neuzeit, Göttingen 1967 2.
P. Koschaker, Europa und das römische Recht, München 1966 4.
Friedrich Ebel, Georg Thielmann, Rechtsgeschichte. Ein Lehrbuch, Bd. 1: Antike und Mittelalter, Heidelberg 1998 2.
Peter Landau, Kanones und Dekretalen. Beiträge zur Geschichte der Quellen des Kanonoschen Rechts, Bibliotheka Eruditorum, Hg. Domenico Maffei und Horst Fuhrmann, Nr. 2, 1997.
Knut Wolfgang Nörr, Iudicium est actus trium personarum. Beiträge zur Geschichte des Zivilprozeprechts in Europa, Bibliotheka Eruditorum, Hg. Domenico Maffei und Horst Fuhrmann, Nr. 4, 1993.
Karl Kroeschell, Deutsche Rechtsgeschichte, Bd. 1 (bis 1250), Hamburg 1972; Bd. 2 (1250 - 1650), Opladen 1989 7
Herbert Hunger u. a., Die Textüberlieferung der antiken Literatur und der Bibel, München 1975, S. 546 ff. (Textkritik in der Renaissance; S. 554 zu Lorenzo Valla).

MEDIEN:

Der große Atlas Weltgeschichte, hg. von E. Stier u. a.,Westermann Verlag, Sonderausgabe des Orbis-Verlags, München 1990 (Neuerscheinung im Sept. 1997), S. 91.

QUELLEN:

Quaestiones dominorum Bononesium, Scripta Anecdota Glossatorum, ed. J. B. Palmiero, Bd. 1, Bologna 1913, S. 215 f..
P. Krüger, T. Mommsen, Corpus Iuris Civilis, vol. I, Institutiones. Digesta, 7. Stereotypausgabe, Berlin 1895, S. 128, 131 und 250 f.
Johannes Viterbensis, De regimine civitatum I - VIII, Scripta Anecdota Glossatorum, Bd. 3, Bologna 1901, S. 218 f.
H. Fuhrmann (Hg.), Das 'Constitutum Constantini, 1968, S. 86 ff.
Monumenta Germaniae Historia, Epistolae selectae separatim editae, Das Register Gregors VII., 1. Teil, 1920, S. 201 - 208.
Monumenta Germaniae Historica, Leges, Sectio IV, Bd. 1, 1893, S. 110 f.

LV Gizewski im WS 2000/2001

Autor: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)