Die verfassungs- und herkommenssprengende Bedeutung des großen Heerführers - Cicero, De imperio Gnaei Pompei 15 - 21.

Lateinischer Textauszug und deutsche Übersetzung nach: Cicero, De imperio Cn. Pompei oratio. Rede über den Oberbefehl des Cn. Pompeius, . Lateinisch - deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Otto Schönberger, Stuttgart 1979, S. 44 - 63.


Deutsche Übersetzung:

...15 (43) Und weil Autorität auch bei der Kriegführung und bei militärischem Oberbefehl wichtig ist, bezweifelt sicher niemand, daß gerade dieser Feldherr dadurch sehr viel durchsetzen kann. Wer aber weiß nicht, daß beim Kriegführen die Meinung der Feinde und Verbündeten über unsere Feldherren von höchster Bedeutung ist, da bekanntlich die Menschen in so wichtigen Fragen zu Furcht, Verachtung, Haß oder Liebe ebenso durch bloße Meinung und allgemeines Gerede bestimmt werden wie durch vernünftige Überlegung? Welcher Name also war je in der Welt berühmter? Wessen Erfolge den seinen gleich? Über wen habt ihr - und dies besonders bewirkt Ansehen - so groß und so rühmlich geurteilt? (44) Oder glaubt ihr, es gebe irgendeine noch so verlassene Küste, wohin nicht die Kunde jenes Tages gedrungen wäre, an dem das ganze römische Volk auf dem überfüllten Forum, als auch alle Tempel, von denen man hierher sieht, voll von Menschen waren, einzig und allein Gnaeus Pompeius als Feldherrn in jenem gemeinsamen Krieg für alle Völker ausdrücklich forderte? Um also nicht zuviel Worte zu machen oder durch fremde Beispiele zu beweisen, wieviel das Ansehen im Kriege bedeutet, will ich denselben Gnaeus Pompeius als Beispiel für jegliche Trefflichkeit anführen. Am selben Tag nämlich, als ihr ihn zum Befehlshaber im Seekrieg ernanntet, fiel plötzlich mitten in der schlimmsten Getreideknappheit und Teuerung durch die Hoffnung, die der Name dieses einzigen Mannes erweckte, der Kornpreis so, wie dies kaum ein langer Friede auch bei reichster Ernte hätte bewirken können. (45) Weiter: Als wir im Pontus durch die Schlacht, an die ich euch eben vorhin - freilich ungern - erinnerte, einen schweren Schlag einstecken mußten, als unsere Bündner in Angst gerieten, als Kraft und Mut der Feinde gestiegen waren, unsere Provinz aber ohne ausreichenden Schutz war, da wäre euch Asien verlorengegangen, Quiriten, hätte nicht das Glück des römischen Volkes den Gnaeus Pompeius gerade im gefährlichsten Moment durch göttliche Fügung in diese Länder geführt. Durch seine Ankunft hielt er Mithridates zurück, der durch den überraschenden Sieg aufgebläht war, und hemmte den Tigranes, der Asien mit großer Heeresmacht bedrohte. Kann da noch jemand fragen, was ein Mann durch seine Tatkraft ausrichten wird, der so viel durch sein bloßes Ansehen erreicht hat? Oder wie leicht jemand als Feldherr an der Spitze des Heeres unsere Bündner und Steuern wahren wird, der sie schon durch seinen Ruf und Namen geschützt hat?

16 (46) Wie deutlich wird ferner das gewaltige Ansehen dieses Mannes bei den Feinden des Römervolks dadurch bewiesen, daß alle an so fernen und weit auseinanderliegenden Orten sich in so kurzer Zeit diesem einen ergaben! Daß vom kretischen Staatenbund, obschon ein Feldherr und ein Heer von uns auf dieser Insel standen, Gesandte zu Gnaeus Pompeius fast ans Ende der Welt reisten und erklärten, alle kretischen Städte wollten sich ihm ergeben! Und hat nicht Mithridates selbst an eben diesen Gnaeus Pompeius einen Gesandten bis nach Spanien geschickt, und zwar einen Mann, den Pompeius immer als Gesandten ansah, den aber die, zu deren Leidwesen er gerade zu ihm geschickt war, eher als Kundschafter denn als Botschafter aufgefaßt wissen wollten. Ihr könnt nun also beurteilen, Bürger von Rom, wie hoch ihr das Gewicht dieses Ansehens, das später durch viele Taten und eure ehrenvollen Beschlüsse noch wuchs, bei jenen Königen und bei den auswärtigen Völkern für die Zukunft anschlagen sollt.

(47) Über das Glück, für das bei sich niemand einstehen, das man aber bei anderen doch erwähnen und anführen kann, wollen wir - dies ist noch übrig - ehrfürchtig und kurz sprechen, wie es bei menschlicher Rede über das Walten der Götter geziemt. Ich glaube nämlich, daß man einem Maximus, Marcellus, Scipio, Marius und den übrigen großen Feldherren nicht nur wegen ihres Könnens, sondern auch wegen ihres Glückes öfters Imperien übertragen und Heere anvertraut hat. Denn sicher stand manchem großen Manne ein geheimnisvolles, vom Himmel gesandtes Glück zur Seite, um ihn zu erhöhen, ihn berühmt zu machen und große Taten glücklich ausführen zu lassen. Doch will ich vom Glück des Mannes, von dem hier die Rede ist, mit der erwähnten Zurückhaltung sprechen, nicht nämlich, um zu behaupten, das Glück stehe in seiner Gewalt, sondern um zu zeigen, daß wir Vergangenes erwähnen und Künftiges erhoffen. Meine Rede soll ja den Unsterblichen nicht anstößig oder undankbar vorkommen. (48) Ich will also nicht rühmen, wie große Taten dieser Mann in der Heimat und im Felde, zu Wasser und zu Lande vollbrachte, und mit welchem Glück, wie seinen Absichten stets nicht nur die Bürger beistimmten, die Bündner sich fügten, die Feinde sich unterwarfen, sondern sogar Winde und Wetter günstig waren; ich will nur in aller Kürze sagen, daß keiner je so unbescheiden war, von den unsterblichen Göttern kühnlich so viele und große Geschenke im stillen zu wünschen, als die unsterblichen Götter auf Gnaeus Pompeius häuften. Daß ihm diese Gabe immer und dauernd bleibe, das müßt ihr, Quiriten, für die allgemeine Wohlfahrt und das Reich ebenso wie für diesen Mann selbst wunschen und wollen, wie ihr denn auch tut.

(49) Da mithin der Krieg so unvermeidlich ist, daß man ihn nicht geringschätzen darf, da er so bedeutend ist, daß man ihn mit höchster Anspannung führen muß, und da ihr weiter einen Feldherrn an die Spitze stellen könnt, der ungewöhnliche Kriegserfahrung besitzt, dazu einzigartig tüchtig ist, über ein glänzendes Ansehen und seltenes Glück verfügt, zögert ihr da noch, Quiriten, diesen starken Vorteil, den euch die Unsterblichen anbieten und schenken, zur Rettung und Mehrung unseres Staates zu verwenden? (50) Selbst wenn Gnaeus Pompeius im Augenblick als Privatmann in Rom weilte, müßte man ihn zu diesem Kriege in Pflicht nehmen und aussenden; so aber, da sich zu den übrigen glänzenden Vorteilen der glückliche Umstand fügt, daß er schon an Ort und Stelle weilt, daß er ein Heer hat, daß er von den Führern eines zweiten Heeres dies sofort übernehmen kann,worauf warten wir noch? Oder warum sollen wir nicht, den ewigen Göttern gehorchend, dem Manne auch diesen Krieg gegen die Könige übertragen, dem man alles übrige zum größten Vorteil des Staates anvertrauen konnte?

(51) Aber freilich, Quintus Catulus, ein hochberühmter Mann, ein begeisterter Anhänger der Republik und von euch durch bedeutende Beweise des Wohlwollens ausgezeichnet, und mit ihm Quintus Hortensius, den Ehre, Glück, Tüchtigkeit und Geist in höchstem Grade zieren, sprechen gegen diesen Vorschlag. Ich gebe nun zwar zu, daß die Stimme dieser Männer für euch bei vielen Anlässen von höchstem Gewicht war und es auch bleiben soll; in diesem Falle aber können wir, wenn ihr auch seht, daß die Ansichten sehr bedeutender und ruhmreicher Männer von dieser Meinung abweichen, die Autoritäten Autoritäten sein lassen und die richtige Entscheidung schon auf Grund der Sachlage finden, und dies um so leichter, als gerade diese Männer die Richtigkeit all meiner bisherigen Darlegungen einräumen, nämlich, daß der Krieg unausweichlich sei, daß er bedeutend sei und daß allein Gnaeus Pompeius alle Fähigkeiten in höchstem Grad besitze. (52) Was also meint Hortensius? Er sagt: Wenn man einem Manne alles anvertrauen müsse, sei Pompeius der würdigste, doch solle man nicht alles einem übertragen. Dieser Einwand hat sich schon überlebt und ist durch die Ereignisse viel mehr als durch Worte widerlegt. Denn eben du, Quintus Hortensius, hast ja auch mit der reichen Fülle deiner Rede und deines überragenden Talentes so im Senat gegen den trefflichen Aulus Gabinius lange, ernst und in glänzender Rede gesprochen, als dieser den Antrag stellte, einen Mann als Feldherrn gegen die Seeräuber aufzustellen, wie du dich auch von hier aus lang und breit gegen diesen Antrag ausgesprochen hast. (53) Nun, wenn damals, bei den ewigen Göttern, dein Ansehen beim römischen Volk mehr vermocht hätte als das Wohl und wahre Interesse eben dieses romischen Volkes, besäßen wir dann heute noch unseren Ruhm und die Weltherrschaft? Oder meinst du, daß unser Reich damals überhaupt bestand, als man die Gesandten des römischen Volkes und seine Quaestoren und Praetoren gefangensetzte? Als unser privater und staatlicher Verkehr mit allen Provinzen abgeschnitten war? Als uns alle Meere so versperrt waren, daß wir kein privates und kein öffentliches Unternehmen mehr über See wagen konnten? 18 (54) Welchen Staat gab es nämlich je zuvor - ich meine gar nicht einmal den athenischen, der einst das Meer ziemlich weit beherrscht haben soll, und nicht so einen wie den karthagischen, der durch seine Flotte und seine Seegeltung eine Großmacht war,und auch nicht so einen wie den rhodischen, dessen Fähigkeit und Ruhm im Seewesen bis heute dauert -, welcher kleinere Staat also war je zuvor so gering, welche Insel so klein, daß sie nicht ihre Häfen, ihre Flur und einen Teil der Landschaft und Seeküste aus eigener Kraft schützten? Aber, beim Hercules, jenes römische Volk, dessen Fahne bis auf unsere Zeit im Seekrieg doch unbesiegt blieb, mußte eine Reihe von Jahren vor dem Gabinischen Gesetz einen großen, nein, sogar den allergrößten Teil seiner Einkünfte, ja, seiner Ehre und seines Reiches entbehren. (55) Wir, deren Väter den König Antiochus und den Perseus mit der Flotte besiegten und in jeder Seeschlacht die Karthager, ein sehr geübtes und hochgerüstetes Seevolk, überwanden, wir waren nirgends mehr den Seeraubern gewachsen; wir, die früher nicht nur Italien sicher besaßen, sondern allen Bündnern an den entlegensten Küsten durch das Ansehen unserer Herrschaft Ruhe und Frieden verbürgen konnten, uns waren damals - als zum Beispiel Delos, fern von hier in der Aegeis, ein Umschlagplatz für alle von überallher für Waren und Lasten, eine Insel voller Reichtümer, die doch klein war und unbefestigt, nichts fürchtete - nicht nur unsere Provinzen, die Seeküsten Italiens und unsere Häfen genommen, sondern sogar schon die Via Appia. Und damals schämten sich die Beamten des römischen Volkes nicht, auf die Bühne hier zu steigen, die uns doch die Vorfahren mit Seebeute und Schiffsschnäbeln geschmückt hinterließen!

19 (56) Das römische Volk, Quintus Hortensius, glaubte damals zwar, daß du und die übrigen Gleichgesinnten eure wahre Meinung in bester Absicht vortrugt, doch wollte das gleiche römische Volk in dieser Frage des Gemeinwohls lieber seiner Empörung als eurem Rat gehorchen. So hat uns ein Gesetz, ein Mann und ein Jahr nicht allein von jener Not und Schmach befreit, sondern auch bewirkt, daß man endlich einmal wieder sah, daß wir allen Völkern und Stämmen zu Land und zur See wirklich gebieten. (57) Um so unwürdiger erscheint mir auch der Widerstand, den bisher Gabinius oder Pompeius - oder soll ich sagen: beide, was stimmt eher ? - dergestalt erfuhren, daß Aulus Gabinius nicht als Legat dem Gnaeus Pompeius auf dessen Wunsch und Verlangen beigegeben werden soll. Verdient denn jemand, der den Legaten seines Wunsches für einen so wichtigen Krieg verlangt, die Gewährung nicht, wo andere zur Ausraubung der Bündner und zur Plünderung der Provinzen Legaten ganz nach Wunsch mit sich nehmen, oder soll der Mann, auf dessen Vorschlag Sicherheit und Würde des römischen Volkes und aller Nationen wiederhergesteilt wurden, nicht teilhaben an Sieg und Ruhm des Feldherrn und Heeres, die man nach seinem Rat und auf seine Verantwortung aufstellte? (58) Oder konnten Gaius Falcidius, Quintus Metellus, Quintus Caelius Latiniensis, Gnaeus Lentulus - die ich alle mit Achtung nenne -, obschon sie Volkstribunen waren, im nächsten Jahr Legaten werden, und nur bei Gabinius ist man so kleinlich? Dabei müßte er doch in diesem Krieg, der auf seinen Antrag hin geführt wird, und bei einem Feldherrn und einem Heer, das er selbst durch euch aufstellte, ein besonderes Anrecht haben! Ich hoffe aber, daß die Consuln seine Ernennung im Senat beantragen; wenn sie Bedenken haben oder Schwierigkeiten machen sollten, erkläre ich hiermit, selbst Antrag zu stellen, und mich wird das Edikt keines Feindes hindern, im Vertrauen auf euch das von euch verliehene Recht und euer Privileg zu verteidigen; ich werde dabei auch nur auf amtlichen Einspruch achten, bei dem aber, wie ich meine, gerade die, welche damit drohen, sehr wohl überlegen werden, wie weit sie gehen dürfen. Nach meiner Ansicht, ihr Römer, kann man allein dem Aulus Gabinius einen Anteil am Seeräuberkrieg und an den Taten des Gnaeus Pompeius zuschreiben, weil nämlich der eine dem anderen durch eure Stimmen die Führung dieses Krieges übertrug, worauf dieser den übertragenen und übernommenen Krieg zu Ende führte.

20 (59) Endlich muß ich wohl noch über die gewichtige Meinung des Quintus Catulus reden. Als euch dieser fragte, auf wen ihr eure Hoffnung setzen wolltet, wenn ihr in allem allein auf Gnaeus Pompeius bautet, diesem aber etwas zustieße, da erntete er reichen Lohn für seinen Wert und seine Würde, als ihr alle fast einstimmig riefet, er selbst würde eure Hoffnung sein. Er ist ja wirklich ein so tüchtiger Mann, daß nichts so groß und schwer ist, daß er es nicht durch seine Klugheit lenken, durch seine Lauterkeit verfechten, durch seine Tatkraft durchführen könnte. In der vorliegenden Frage allerdings bin ich völlig anderer Meinung als er; denn je ungewisser und kürzer das Menschenleben ist, desto eifersüchtiger muß der Staat Leben und Kraft eines großen Mannes ausnützen, solange es die ewigen Götter zulassen.

(60) Man wendet aber ein: Gegen Beispiel und Einrichtung der Vorfahren soll nichts Neues eingeführt werden. Ich erwähne hier nicht, daß unsere Ahnen sich im Frieden stets an das Herkommen, im Krieg aber an den Vorteil hielten und immer neuen Lagen mit neuen Maßnahmen begegneten, will auch nicht sagen, daß zwei schwere Kriege, der Punische und der Spanische, von einem Feldherrn beendet und daß zwei der mächtigsten Städte, die unserem Reiche furchtbar drohten, Karthago und Numantia, von dem einen Mann Scipio zerstört wurden, will auch nicht erwähnen, daß vor nicht langer Zeit ihr und eure Väter beschlossen habt, auf den einen Gaius Marius die Hoffnung des Reiches zu setzen und dem gleichen Mann die Leitung des Krieges ebenso gegen Iugurtha wie gegen die Cimbern und Teutonen zu übertragen. (61) Erinnert euch aber nur, wieviel Neues über Gnaeus Pompeius, bei dem Quintus Catulus nichts Neues eingeführt sehen will, mit voller Zustimmung des Quintus Catulus beschlossen wurde.Was sonst ist denn wohl so unerhört, wie daß ein ganz junger Privatmann in einer Notzeit des Staates ein Heer zusammenbringt? Das hat er getan! Daß er es anführt? Jener hat es angeführt! Daß er als Feldherr größten Erfolg hat? Er hatte ihn! Was widerspricht so dem Herkommen, als einem blutjungen Menschen, dem es noch weit bis zum Senatorenalter fehlte, Kommando und Heer zu geben und ihm Sizilien mit Afrika und den Krieg dort anzuvertrauen? Pompeius weilte in diesen Provinzen und bewies strengste Rechtlichkeit, größte Würde, höchste Tatkraft; er beendete den großen Krieg in Afrika und führte sein Heer als Sieger zurück. Was vollends ist so unerhört, als daß ein römischer Ritter den Triumph feiert? Aber auch diese Neuerung hat das Volk von Rom nicht nur gesehen, sondern glaubte sogar, sie mit allgemeiner Teilnahme anschauen und mitfeiern zu sollen. (62) Was ist noch so unerhört, als daß man trotz zweier ruhmreicher und tapferer Consuln im Amte einen römischen Ritter mit consularischer Macht in einen sehr großen und furchtbaren Krieg schickte? Ihn hat man geschickt. Als damals im Senate mancher war, der sagte, man dürfe einen Privatmann nicht für einen Consul aussenden, soll Lucius Philippus gerufen haben, mit seiner Stimme sende er Pompeius nicht statt eines, sondern statt beider Consuln. So feste Hoffnung setzte man darauf, er werde den Auftrag des Staates gut ausführen, daß man die Aufgabe zweier Consuln dem einzigen, tüchtigen jungen Mann übertrug. Was ist noch so außergewöhnlich, als daß er - durch Senatsbeschluß privilegiert - eher Consul wurde, als ihm nach dem Gesetz erlaubt war, irgendein anderes Amt anzutreten ? Was ist so unglaublich, als daß ein römischer Ritter ein zweites Mal durch Beschluß des Senats triumphieren durfte? Was bei allen Menschen seit Menschengedenken geneuert wurde, beträgt nicht so viel wie das, was wir bei diesem einen Mann erlebt haben. ...


Lateinischer Text:

15 (43) Et quoniam auctoritas quoque in bellis administrandis multum atque in imperio militari valet, certe nemini dubium est, quin ea re idem ille imperator plurimum possit. Vehementer autem pertinere ad bella administranda, quid hostes, quid socii de imperatoribus nostris existiment, quis ignorat, cum sciamus homines in tantis rebus, ut aut contemnant aut metuant aut oderint aut ament, opinione non minus et fama quam aliqua ratione certa commoveri? Quod igitur nomen umquam in orbe terrarum clarius fuit, cuius res gestae pares? De quo homine vos, id quod maxime facit auctoritatem, tanta et tam praeclara iudicia fecistis? (44) An vero ullam usquam esse oram tam desertam putatis, quo non illius diei fama pervaserit, cum universus populus Romanus referto foro completisque omnibus templis, ex quibus hic locus conspici potest, unum sibi ad commune omnium gentium bellum Cn. Pompeium imperatorem depoposcit? Itaque, ut plura non dicam neque aliorum exemplis confirmem, quantum auctoritas valeat in beIlo, ab eodem Cn. Pompeio omnium rerum egregiarum exempla sumantur; qui quo die a vobis maritimo bello praepositus est imperator, tanta repente vilitas annonae ex summa inopia et caritate rei frumentariae consecuta est unius hominis spe ac nomine, quantam vix in summa ubertate agrorum diuturna pax efficere potuisset. (45) Iam accepta in Ponto calamitate ex eo proelio, de quo vos paulo ante invitus admonui, cum socii pertimuissent, hostium opes animique crevissent, satis firmum praesidium provincia non haberet, amisissetis Asiam, Quirites, nisi ad ipsum discrimen eius temporis divinitus Cn. Pompeium ad eas regiones fortuna populi Romani attulisset. Huius adventus et Mithridatem insolita inflatum victoria continuit et Tigranem magnis copiis minitantem Asiae retardavit. Et quisquam dubitabit, quid virtute perfecturus sit, qui tantum auctoritate perfecerit, aut quam facile imperio atque exercitu socios et vectigalia conservaturus sit, qui ipso nomine ac rumore defenderit?

16 (46) Age vero iIla res quantam declarat eiusdem hominis apud hostes populi Romani auctoritatem, quod ex locis tam longinquis tamque diversis tam brevi tempore omnes huic se uni dediderunt, quod Cretensium legati, cum in eorum insula noster imperator exercitusque esset, ad Cn. Pompeium in ultimas prope terras venerunt eique se omnes Cretensium civitates dedere velle dixerunt! Quid? Idem iste Mithridates nonne ad eundem Cn. Pompeium legatum usque in Hispaniam misit? Eum, quem Pompeius legatum semper iudicavit, ii, quibus erat molestum ad eum potissimum esse missum, speculatorem quam legatum iudicari maluerunt. Potestis igitur iam constituere, Quirites, hanc auctoritatem multis postea rebus gestis magnisque vestris iudiciis amplificatam quantum apud illos reges, quantum apud exteras nationes valituram esse existimetis.

(47) Reliquum est, ut de felicitate, quam praestare de se ipso nemo potest, meminisse et commemorare de altero possumus, sicut aequum est homines de potestate deorum, timide et pauca dicamus. Ego enim sic existimo Maximo, Marcello, Scipioni, Mario ceterisque magnis imperatoribus non solum propter virtutem, sed etiam propter fortunam saepius imperia mandata atque exercitus esse commissos. Fuit enim profecto quibusdam summis viris quaedam ad amplitudinem et ad gloriam et ad res magnas bene gerendas divinitus adiuncta fortuna. De huius autem hominis felicitate, de quo nunc agimus, hac utar moderatione dicendi, non ut in illius potestate fortunam positam esse dicam, sed ut praeterlta meminisse, reliqua sperare videamur, ne aut invisa dis immortalibus oratio nostra aut ingrata esse videatur. (48) Itaque non sum praedicaturus, quantas ille res domi militiae, terra marique quantaque felicitate gesserit, ut eius semper voluntatibus non modo cives assenserint, socii obtemperarint, hostes oboedierint, sed etiam venti tempestatesque obsecundarint; hoc brevissime dicam neminem umquam tam impudentem fuisse, qui ab dis immortalibus tot et tantas res tacitus auderet optare, quot et quantas di immortales ad Cn. Pompeium detulerunt. Quod ut illi proprium ac perpetuum sit, Quirites, cum communis salutis atque imperii, tum ipsius hominis causa, sicuti facitis, et velle et optare debetis.

(49) Quare cum et bellum sit ita necessarium, ut neglegi non possit, ita magnum, ut accuratissime sit administrandum, et cum ei imperatorem praeficere possitis, in quo sit eximia belli scientia, singularis virtus, clarissima auctoritas, egregia fortuna, dubitatis, Quirites, quin hoc tantum boni, quod vobis ab dis immortalibus oblatum et datum est, in rem publicam conservandam atque amplificandam conferatis? (50) Quodsi Romae Cn. Pompeius privatus esset hoc tempore, tamen ad tantum bellum is erat deligendus atque mittendus; nunc cum ad ceteras summas utilitates haec quoque opportunitas adiungatur, ut in us ipsis locis adsit, ut habeat exercitum, ut ab iis, qui habent, accipere statim possit, quid exspectamus? Aut cur non ducibus dis immortalibus eidem, cui cetera summa cum salute rei publicae commissa sunt, hoc quoque bellum regium committamus?

(51) At enim vir clarissimus, amantissimus rei publicae, vestris beneficiis amplissimis affectus, Q. Catulus, itemque summis ornamentis honoris, fortunae, virtutis, ingenii praeditus, Q. Hortensius, ab hac ratione dissentiunt. Quorum ego auctoritatem apud vos multis locis plurimum valuisse et valere oportere confiteor; sed in hac causa, tametsi cognoscetis auctoritates contrarias virorum fortissimorum et clarissimorum, tamen omissis auctoritatibus ipsa re ac ratione exquirere possumus veritatem, atque hoc facilius, quod ea omnia, quae a me adhuc dicta sunt, idem isti vera esse concedunt, et necessarium bellum esse et magnum et in uno Cn. Pompeio summa esse omnia.

(52) Quid igitur ait Hortensius? Si uni omnia tribuenda sint, dignissimum esse Pompeium, sed ad unum tamen omnia deferri non oportere. Obsolevit iam ista oratio re multo magis quam verbis refutata. Nam tu idem, Q. Hortensi, multa pro tua summa copia ac singulari facultate dicendi et in senatu contra virum fortem, A. Gabinium, graviter ornateque dixisti, cum is de uno imperatore contra praedones constituendo legem promulgasset, et ex hoc ipso loco permulta item contra eam legem verba fecisti. (53) Quid? Tum, per deos immortales, si plus apud populum Rornanum auctoritas tua quam ipsius populi Romani salus et vera causa valuisset, hodie hanc gloriam atque hoc orbis terrae imperium teneremus? An tibi tum imperium hoc esse videbatur, cum populi Romani legati, quaestores praetoresque capiebantur, cum ex omnibus provinciis commeatu et privato et publico prohibebamur, cum ita clausa nobis erant maria omnia, ut neque privatam rem transmarinam neque publicam iam obire possemus? 18 (54) Quae civitas antea umquam fuit non dico Atheniensium, quae satis late quondam mare tenuisse dicitur, non Carthaginiensium, qui permultum dasse ac maritimis rebus valuerunt, non Rhodiorum, quorum usque ad nostram memoriam disciplina navalis er gloria remansit, - quae civitas umquam antea tam tenuis, quae tam parva insula fuit, quae non portus suos et agros et aliquam partem regionis atque orae maritimae per se ipsa defenderet? At hercule aliquot annos continuos ante legem Gabiniam ille populus Romanus, cuius usque ad nostram memoriam nomen invictum in navalibus pugnis permanserit, magna ac multo maxima parte non modo utilitatis, sed dignitatis atque imperii caruit. (55) Nos, quorum maiores Antiochum regem classe Persemque superarunt omnibusque navalibus pugnis Carthaginiensis, homines in maritimis rebus exercitatissimos paratissimosque, vicerunt, ii nullo in loco iam praedonibus pares esse poteramus; nos, qui antea non modo Italiam tutam habebamus, sed omnes socios in ultimis oris auctoritate nostri imperii salvos praestare poteramus, tum, cum insula Delos tam procul a nobis in Aegaeo mari posita, quo omnes undique cum mercibus atque oneribus commeabant, referta divitus, parva, sine muro nihil timebat, idem non modo provinciis atque oris Italiae maritimis ac purtubus nostris, sed etiam Appia iam via carebamus; et iis temporibus non pudebat magistratus populi Romani in hunc ipsum locum escendere, cum eum nobis maiores nostri exuviis nauticis er classium spoliis ornatum reliquissent!

19 (56) Bono te animo tum, Q. Hortensi, populus Rumanus er ceteros, qui erant in eadem sententia, dicere existimavit ea, quae sentiebatis; sed tamen in salute communi idem populus Romanus dolori suo maluit quam auctoritati vestrae obtemperare. Itaque una lex, unus vir, unus annus non modo nos illa miseria ac turpitudine liberavit, sed etiam effecit, ut aliquando vere videremur omnibus gentibus ac nationibus terra marique imperare. (57) Quo mihi etiam indignius videtur obtrectatum esse adhuc, Gabinio dicam anne Pompeio an utrique, id quod est verius, ne legaretur A. Gabinius Cn. Pompeio expetenti ac postulanti. Utrum ille, qui postulat ad tantum bellum legatum, quem velit, idoneus non est, qui impetret, cum ceteri ad expilandos socios diripiendasque provincias, quos voluerunt, legatos eduxerint, an ipse, cuius lege salus ac dignitas populo Romano atque omnibus gentibus constituta est, expers esse debet gloriae eius imperatoris atque eius exercitus, qui consilio ipsius ac periculo est constitutus? (58) An C. Falcidius, Q. Metellus, Q. Caelius Latiniensis, Cn. Lentulus, quos omnes honoris causa nomino, cum tribuni plebi fuissent, anno proximo legati esse potuerunt; in uno Gabinio sunt tam diligentes, qui in hoc bello, quod lege Gabinia geritur, in hoc imperatore atque exercitu, quem per vos ipse constituit, etiam praecipuo iure esse deberet? De quo legando consules spero ad senatum relaturos. Qui si dubitabunt aut gravabuntur, ego me profiteor relaturum; neque me impediet cuiusquam immicum edictum, quo minus vobis fretus vestrum ius beneficiumque defendam, neque praeter intercessionem quicquam audiam, de qua, ut arbitror, isti ipsi, qui minantur, etiam atque etiam, quid liceat, considerabunt. Mea quidem sententia, Quirites, unus A. Gabinius belli maritimi rerumque gestarum Cn. Pompeio socius ascribitur, propterea quod alter uni illud bellum suscipiendum vestris suffragiis detulit, alter delatum susceptumque confecit.

20 (59) Reliquum est, ut de Q. Catuli auctoritate et sententia dicendum esse videatur. Qui cum ex vobis quaereret, si in uno Cn. Pompeio omnia poneretis, si quid eo factum esset, in quo spem essetis habituri, cepit magnum suae virtutis fructum ac dignitatis, cum omnes una prope voce in eo ipso vos spem habituros esse dixistis. Etenim talis est vir, ut nulla res tanta sit ac tam difficilis, quam ille non et consilio regere et integritate tueri et virtute conficere possit. Sed in hoc ipso ab eo vehementissime dissentio, quod, quo minus certa est hominum ac minus diuturna vita, hoc magis res publica, dum per deos immortales licet, frui debet summi viri vita atque virtute. (60) At enim ne quid novi fiat contra exempla atque instituta maiorum. Non dicam hoc loco maiores nostros semper in pace consuetudini, in bello utilitati paruisse, semper ad novos casus temporum novorum consiliorum rationes accommodasse, non dicam duo bella maxima, Punicum atque Hispaniense, ab uno imperatore esse confecta duasque urbes potentissimas, quae huic imperio maxime minitabantur, Carthaginem atque Numantiam, ab eodem Scipione esse deletas, non commemorabo nuper ita vobis patribusque vestris esse visum, ut in uno C. Mario spes imperii poneretur, ut idem cum Iugurtha, idem cum Cimbris, idem cum Teutonis bellum administraret; (61) in ipso Cn. Pompeio, in quo novi constitui nihil vult Q. Catulus, quam multa sint nova summa Q. Catuli voluntate constituta, recordamini.

21 Quid tam novum quam adulescentulum privatum exercitum difficili rei publicae tempore conficere? Confecit. Huic praeesse? Praefuit. Rem optime ductu suo gerere? Gessit. Quid tam praeter consuetudinem quam homini peradulescenti, cuius aetas a senatorio gradu longe abesset, imperium atque exercitum dari, Siciliam permitti atque Africam bellumque in ea provincia administrandum? Fuit in his provinciis singulan innocentia, gravitate, virtute, bellum in Africa maximum confecit, victorem exercitum deportavit. Quid vero tam inauditum quam equitem Romanum triumphare? At eam quoque rem populus Romanus non modo vidit, sed omnium etiam studio visendam et concelebrandam putavit. (62) Quid tam inusitatum, quam ut, cum duo consules clarissimi fortissimique essent, eques Romanus ad bellum maximum formidolosissimumque pro consule mitteretur? Missus est. Quo quidem tempore cum esset non nemo in senatu, qui diceret non oportere mitti hominem privatum pro consule, L. Philippus dixisse dicitur non se illum sua sententia pro consule, sed pro consulibus mittere. Tanta in eo rei publicae bene gerendae spes constituebatur, ut duorum consulum munus unius adulescentis virtuti committeretur. Quid tam singulare, quam ut ex senatus consulto legibus solutus consul ante fieret, quam ullum alium magistratum per leges capere licuisset? Quid tam incredibile, quam ut iterum eques Romanus ex senatus consulto triumpharet? Quae in omnibus hominibus nova post hominum memoriam constituta sunt, ea tam multa non sunt quam haec, quae in hoc uno homine vidimus.


Auswahl und Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski


 

LV Gizewski WS 2000/2001