Umstrittene Notstandsbefugnisse des Senats und der Konsuln. Aus Sallust, Catilinae Coniuratio 50,1 ff.

(Reden Caesars und Catos in der Senatsverhandlung über die Maßnahmen gegen die des Hochverrats überführten Catilinarier und die Vollstreckung der Todesstrafe als Notstandsmaßnahme auf Anordnung Ciceros).

Lat. Text und dt. Übersetzung nach: Sallust, Die Verschwörung des Catilina., Lateinisch und deutsch. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay "Zum Verständnis des Werkes" sowie einer Bibliographie versehen von Josef Lindauer, Hamburg 1971, S. 62 - 81


Deutsche Übersetzung:

(50) Während man im Senat über diese Fragen verhandelte und den Gesandten der Allobroger sowie dem Titus Volturcius nach Bestätigung ihrer Aussage Belohnungen zuerkannte, eilten Freigelassene und einige Klienten des Lentulus in verschiedene Richtungen und wiegelten in den Gassen Handwerker und Sklaven auf, ihn doch herauszuhauen; ein Teil von ihnen suchte Bandenführer auf, die gegen Bezahlung berufsmäßig die öffentliche Ordnung störten. Cethegus aber ließ durch Boten sein Gesinde und seine Freigelassenen, ausgesuchte und geübte Leute, auffordern, sie sollten sich zusammenrotten und bewaffnet zu ihm durchbrechen. Sobald der Konsul von diesen Vorbereitungen Kenntnis erhielt, stellte er, wie es Zeit und Lage erforderten, Sicherungsmannschaften auf, berief den Senat ein und stellte die Anfrage, was mit den Inhaftierten geschehen solle. Dabei hatte doch kurz vorher der zahlreich vertretene Senat schon entschieden, sie hätten Hochverrat begangen. Weil Decimus Iunius Silanus zu diesem Zeitpunkt bereits zum nächstjährigen Konsul bestimmt war, wurde er jetzt als erster um seine Meinung befragt; er beantragte, an den Verhafteten, ferner an Lucius Cassius, Publius Furius, Publius Umbrenus und Quintus Annius, wenn sie gefaßt würden, die Todesstrafe zu vollstrecken. Unter dem Eindruck der Rede des Gaius Caesar erklärte er jedoch später, er wolle dem Antrag des Tiberius Nero beitreten; der hatte nämlich beantragt, den Fall erst nach Einziehung der Sicherungsmannschaften zu behandeln. Als aber die Reihe an Caesar kam und er vom Konsul um seine Meinung befragt wurde, hielt er etwa folgende Rede:

[Caesars Rede]

(51) "Senatoren! Alle Menschen, die über schwierige Fälle beraten, sollten frei sein von Haß und Zuneigung, Zorn und Mitleid. Unser Verstand sieht ja nur schwer das Richtige, wenn ihn solche Gefühle beeinträchtigen, und noch keiner hat seiner Leidenschaft nachgeben und zugleich seinem Vorteil dienen können. Wenn man sein vernünftiges Denken anstrengt, vermag es auch etwas; wenn einen aber die Leidenschaft besitzt, dann herrscht eben sie, und die Vernunft vermag nichts. Ich hätte reichen Stoff zu berichten, Senatoren, wie Könige und Völker sich vom Zorn oder Mitleid treiben ließen und schlecht dabei beraten waren. Ich will aber lieber davon sprechen, wie unsere Vorfahren den Regungen ihrer Leidenschaft entgegentraten und damit recht und korrekt gehandelt haben. Im Makedonischen Krieg, den wir gegen König Perseus führten, hat sich der große, bedeutende Staat Rhodos, der durch die Hilfe des römischenVolkes hochgekommen war, uns gegenüber treulos und feindselig verhalten. Als jedoch nach Beendigung des Krieges über die Rhodier beraten wurde, ließen unsere Vorfahren sie straflos ausgehen, damit ja niemand sagen könnte, der Krieg sei mehr wegen ihres Reichtums als wegen ihrer Rechtsverletzungen begonnen worden. Ebenso war es in allen Punischen Kriegen: obwohl die Karthager im Frieden und bei Waffenruhe immer wieder zahlreiche Greueltaten verübten, haben unsere Vorfahren trotz sich bietenden Gelegenheiten doch niemals ein Gleiches getan; sie fragten mehr danach, was ihrer würdig sei, als was gegen jene vom Standpunkt des Rechts aus unternommen werden könnte. Desgleichen, Senatoren, müßt auch ihr verhüten, daß das Verbrechen des Publius Lentulus und der übrigen bei euch mehr Gewicht bekommt als die Rücksicht auf eure Würde und daß ihr eurem Zorn stärker Rechnung tragt als eurem guten Ruf. Vorausgesetzt nun, es läßt sich für ihre Taten eine wirklich angemessene Strafe finden, so stimme ich auch einer neuen außergewöhnlichen Maßregel bei; wenn es aber nur um die Schwere eines Verbrechens geht, das alle bisherigen Vorstellungen übersteigt, so beantrage ich, die Strafmittel anzuwenden, die in den geltenden Gesetzen vorgesehen sind.

Die meisten von denen, die vor mir ihre Meinung aussprachen, haben in wohlgesetzter, prächtiger Rede über das Unglück des Staates gejammert; sie haben aufgezählt, wie schlimm ein Krieg wüte, was den Besiegten zustoße: da würden Mädchen und Knaben verschleppt, Kinder aus den Armen ihrer Eltern gerissen, achtbare Frauen müßten sich alle Gelüste der Sieger gefallen lassen, Heiligtümer und Häuser würden geplündert, es geschehe Mord und Brand, kurz, alles sei erfüllt von Waffen, Leichen, Blut und Trauer. Doch worauf, bei den ewigen Göttern, war ihr Reden denn abgestellt? Sollte es euch etwa zu Feinden der Verschwörung machen? Klar, wen ein so schwerwiegender, entsetzlicher Tatbestand nicht erschüttert, den wird eine Rede in Feuer bringen! Nein, so ist es nicht: kein Mensch sieht ein Unrecht gegen die eigene Person als unerheblich an, viele nehmen es schwerer als recht und billig. Indes, Senatoren, es kommen nicht jedem dieselben Freiheiten zu. Wenn Leute, die ihr Leben bei bescheidener Stellung in Verborgenheit hinbringen, aus Jähzorn gefehlt haben, dann wissen es nur wenige; was man über sie sagt und was sie sind, ist gleich unbedeutend. Die aber, ausgestattet mit großer Machtfülle, ein Leben in hoher Stellung führen, deren Handlungen kennt jedermann. So liegt in der höchsten Lebensstellung die geringste Freiheit: da darf man weder Zuneigung noch Haß hegen, am wenigsten aber zornig sein; was man bei anderen Jähzorn nennt das heißt bei Machthabern Überheblichkeit und Grausamkeit. Ich persönlich, Senatoren, vertrete die Meinung, daß alle Martern zu klein sind für die Untaten dieser Leute. Aber die meisten Menschen denken nur an das zuletzt Geschehene, sie vergessen bei Frevlern schließlich das Verbrechen und reden bloß noch von der Strafe, wenn sie ein wenig zu streng ausfiel.

Decimus Silanus, der mutige, entschlossene Mann, hat, wie ich genau weiß, das, was er sagte, nur aus Verantwortungsgefühl gegenüber dem Staat gesagt; er läßt in einer so wichtigen Sache auch nicht Gunst oder Feindschaft walten: in dieser Beziehung kenne ich die charaktervolle und besonnene Haltung des Mannes. Freilich, sein Antrag scheint mir nicht etwa grausam - was könnte denn an solchen Menschen Grausames vollzogen werden? -, wohl aber mit unserer Staatsverfassung nicht vereinbar. Tatsächlich, Silanus, hat ja entweder die Größe der angenommenen Gefahr oder das schon geschehene Ausmaß des Unrechts dich, den nächstjährigen Konsul, veranlaßt, für ein neues Strafverfahren zu stimmen. Bezüglich der Gefahrenabwehr Erörterungen anzustellen ist überflüssig, da ja doch dank der Umsicht unseres ausgezeichneten Herrn Konsuls so bedeutende Sicherungstruppen unter Waffen stehen. Bezüglich der Bestrafung des geschehenen Unrechts kann ich persönlich nur sagen, was auch wirklich zutrifft, daß in Leid und Elend der Tod ein Ausruhen von den Mühsalen ist, keine Qual, daß er alle Plage der Menschen löst, daß über ihn hinaus weder für Kümmernis noch für Freude Raum ist. Aber, bei den ewigen Göttern, weshalb hast du zu deinem Antrag nicht den Zusatz gemacht, man solle sie zuvor noch mit Auspeitschung maßregeln? Etwa weil es das Porcische Gesetz verbietet? Allein, andere Gesetze bestimmen auch, man solle verurteilten Bürgern nicht das Leben nehmen, sondern ihnen gestatten, in die Verbannung zu gehen. Oder deshalb, weil Auspeitschung schlimmer ist als die gewöhnliche Hinrichtung? Doch was kann überhaupt zu hart oder zu schwer sein gegenüber Menschen, die eines solchen Verbrechens überführt sind? Wenn aber deshalb, weil Auspeitschung zu mild ist - wie paßt es dann zusammen, in einer untergeordneten Frage das Gesetz ängstlich zu befolgen, während man es in einer übergeordneten nicht beachtet?

Aber - mag man einwenden - wer wird denn überhaupt unseren Beschluß gegen Hochverräter am Staat tadeln? Die Verhältnisse, die Zeitläufte, das Schicksal, dessen Laune die Völker beherrscht. Was ihnen auch geschieht, es wird sie zu Recht treffen; aber, Senatoren, bedenkt auch, welchen Präzedenzfall ihr damit gegen andere schafft! Alle schlimmen Maßnahmen sind einmal aus guten Anlässen hervorgegangen. Sobald jedoch die Macht an Leute kommt, die sich darauf nicht verstehen oder minderwertig sind, dann wird jene neue Maßnahme von Schuldigen, bei denen sie angebracht ist, auch auf Unschuldige übertragen, bei denen sie nicht angebracht ist. Die Lakedaimonier haben nach ihrem Sieg über die Athener dreißig Männer eingesetzt, die deren Staat verwalten sollten. Diese fingen zuerst damit an, alle Schlechten und allgemein Verhaßten ohne gerichtliches Urteil hinrichten zu lassen; darüber freute sich das Volk und sagte, es geschehe zu Recht. Später aber, als ihre Willkür nach und nach zunahm, töteten sie nach Belieben Gute und Schlechte gleichermaßen, die übrigen schüchterten sie durch Terror ein. So mußte das geknechtete, unterdrückte Volk für seine törichte Freude schwer büßen. Als in unserer Zeit der siegreiche Sulla den Damasippus und andere seines Schlages, die im Unglück des Staates hochgekommen waren, hinschlachten ließ, wer lobte da nicht sein Vorgehen? Verbrecher und Parteifanatiker, die den Staat durch Empörungen aufgewühlt hatten, sagte man, seien zu Recht hingerichtet worden. Doch war das nur der Anfang einer großen Metzelei. Denn sobald einer Haus oder Landgut, schließlich auch nur Gerät oder Kleidung eines anderen begehrte, trug er Sorge, daß dieser auf die Liste der Geächteten kam. So wurden die Leute, die über die Hinrichtung des Damasippus frohlockt hatten, bald darauf selbst zum Blutgerüst geschleppt, und das Abschlachten nahm nicht eher ein Ende, als bis Sulla alle seine Anhänger mit Reichtümern eingedeckt hatte. Freilich befürchte ich so etwas nicht bei einem Marcus Tullius und auch nicht in unserer Zeit; es gibt aber in einem großen Staatswesen viele verschiedene Charaktere. Es kann zu einer anderen Zeit, unter einem anderen Konsul, der ebenfalls ein Heer in der Hand hat, etwas Falsches für richtig gehalten werden. Wenn dann nach dem Präzedenzfall von heute ein Konsul kraft eines Senatsbeschlusses das Schwert zieht, wer will ihm da eine Grenze setzen und wer ihm Mäßigung gebieten?

Unseren Vorfahren, Senatoren, hat es nie an Einsicht und Mut gefehlt, auch hat Stolz sie nicht daran gehindert, fremde Einrichtungen nachzuahmen, sofern sie nur bewährt waren. Kriegsgerät und Waffen haben sie von den Samniten, die Abzeichen der Beamten zumeist von den Etruskern übernommen; kurz, was ihnen überall bei Bündnern oder Feinden brauchbar erschien, das verwandten sie mit aller Strebsamkeit auch in ihrer Heimat: Zweckmäßiges wollten sie lieber nachahmen als mit Neid darauf sehen. In jener Zeit nun haben sie freilich auch, einen Brauch Griechenlands nachahmend, gegen Mitbürger die Strafe der Auspeitschung angewandt und an Verurteilten die Hinrichtung vollstreckt. Als aber der Staat größer geworden war und wegen der Vielzahl der Bürger die Parteiungen stärker zur Geltung kamen, als man anfing, gegen Unschuldige vorzugehen und anderes derartige zu verüben, da wurden das Porcische und andere Gesetze geschaffen, durch welche Verurteilten gestattet wurde, in die Verbannung zu gehen. Darin, Senatoren, sehe ich vor allem den entscheidenden Grund, ja keine neue Maßnahme zu ergreifen. Es haben jene Männer, die aus bescheidenen Mitteln ein so gewaltiges Reich aufbauten, doch wirklich mehr Tatkraft und Einsicht besessen als wir, die wir das trefflich Geschaffene kaum noch festhalten können.

Beschließen wir also, diese Leute loszulassen und damit Catilinas Heer zu verstärken? Keineswegs! Vielmehr stelle ich folgenden Antrag: Ihr Vermögen ist einzuziehen, sie selbst sind in Haft zu halten und zwar in Landstädten, die aufgrund ihrer Mittel am ehesten imstande sind; auch soll später niemand mehr ihren Fall dem Senat vorlegen noch vor das Volk bringen; wer zuwider handelt, der gelte dem Senat als Verräter am Staat und am Allgemeinwohl."

[Die Rede Catos]

(52) Als Caesar aufgehört hatte zu sprechen, stimmten die übrigen mit kurzenStellungnahmen dem einen oder dem anderen auf verschiedene Weise bei. Marcus Porcius Cato aber hielt, um seine Meinung befragt, eine Rede in folgender Weise:

"Ganz anderer Auffassung bin ich, Senatoren, wenn ich unsere Lage und Bedrohung bedenke und wenn ich die Anträge einiger von euch bei mir erwäge. Die haben, so kommt es mir vor, Erörterungen angestellt über die nachträgliche Bestrafung von Leuten, die gegen Vaterland und Eltern, gegen ihre eigenen Weihe- und Heimstätten zum Kriege gerüstet haben. Die wirkliche Lage aber mahnt uns doch, uns eher vor ihnen zu sichern, als darüber zu beraten, was wir strafweise gegen sie festsetzen sollen. Denn Straftaten ahndet man im allgemeinen, wenn sie verübt sind;. Die jetzt bevorstehende muß man aber verhindern; tut man das nicht, so dürfte man, wenn sie geschehen ist, wohl vergebens die Gerichte anrufen: ist die Stadt eingenommen, dann ist dies für die Besiegten ja ausgeschlossen. Indes, bei den ewigen Göttern, mein Aufruf geht an euch, die ihr seit je eure Häuser, Landsitze, Plastiken und Gemälde höher gewertet habt als den Staat: wenn ihr die Dinge, von welcher Art sie auch sein mögen, an die ihr euch klammert, behalten, wenn ihr für eure Vergnügungen eure Ruhe haben wollt, dann wacht endlich auf und nehmt Anteil am Staatsleben! Es geht jetzt nicht um Besteuerungsfragen und nicht um Übergriffe gegen Bundesgenossen: unsere Freiheit und unser Dasein stehen auf dem Spiel!

Oftmals schon, Senatoren, habe ich in dieser Versammlung manches Wort gesprochen, oft habe ich geklagt, über die Genußsucht und Raffgier unserer Mitbürger und viele Menschen habe ich deswegen zu Gegnern; ich, der ich mir und meinem Herzen niemals eine Verfehlung nachgesehen hätte, konnte auch der Leidenschaft eines anderen nicht leicht schlechte Handlungen vergeben. Obschon ihr darauf nur wenig Gewicht legtet, hatte der Staat doch festen Bestand; bei seiner Machtfülle konnte er eure Gleichgültigkeit aushalten. Jetzt aber geht es nicht darum, ob die Gesittung, in der wir leben, gut oder schlecht ist, auch nicht um Größe oder Glanz der Herrschaft des römischen Volkes, sondern darum, ob diese Dinge, wie immer man sie auch ansehen mag, uns selbst oder mit uns zusammen den Feinden gehören werden. Und da redet mir noch jemand von Milde und Mitleid! Wir haben eben schon längst die rechten Namen für die Dinge verloren; denn fremdes Gut verschenken heißt heute Freigebigkeit, sich an Schlechtigkeiten heranzuwagen gilt heute als Tapferkeit. Deshalb steht der Staat vor dem Ärgsten. Immerhin, mögen sie, weil es nun schon so Brauch ist, freigebig sein mit dem Besitztum der Bundesgenossen, mögen sie mildherzig sein gegen Diebe öffentlicher Gelder: nur unser Blut sollen sie nicht verschenken und, indem sie ein paar Verbrecher schonen, auf den Untergang aller Gutgesinnten ausgehen.

In guter und wohlgesetzter Rede hat Gaius Caesar gerade eben in dieser Versammlung eine Erörterung über Leben und Tod geboten; vermutlich hält er das für einen Schwindel, was man von der Unterwelt berichtet: daß die Bösen da weitab von den Guten ihre abscheulichen, verwahrlosten, gräßlichen, grauenvollen Stätten haben. Daher beantragte er, ihr Vermögen sei einzuziehen, sie selbst in Landstädten in Haft zu halten, offensichtlich gar aus Besorgnis, sie könnten, falls sie in Rom blieben, von den Genossen der Verschwörung oder von einer angeworbenen Bande gewaltsam herausgehauen werden; als ob es Lurnpen und Verbrecher nur in Rom und nicht in ganz Italien gäbe, oder als ob Verwegenheit nicht dort mehr vermöchte, wo die Mittel zur Gegenwehr geringer sind. Deshalb ist diese seine vorgeschlagene Maßnahme gewiß erfolglos, wenn er Gefahr von ihrer Seite befürchtet; wenn er aber bei der allgemeinen großen Furcht als einziger unbesorgt ist, dann ist es um so wichtiger, daß ich für mich und für euch besorgt bin. Deshalb sollt ihr euch im klaren sein, daß ihr mit eurem Beschluß über Publius Lentulus und die andern zugleich auch über Catilinas Heer und über alle Verschwörer entscheidet. Je entschlossener ihr dabei vorgeht, um so schwächeren Mut werden sie haben. Wenn sie euch nur ein wenig nachgiebig sehen, dann werden alsbald die Radikalen alle zur Stelle sein.

Denkt nicht, unsere Vorfahren hätten ihren kleinen Staat mit Waffen groß gemacht! Wenn es so wäre, dann müßten wir ihn im allerschönsten Zustand haben; besitzen wir doch eine größere Zahl von Bündnern und Bürgern, ferner von Waffen und Pferden als sie. Nein, es sind andere Kräfte gewesen, die sie groß gemacht haben, die uns völlig fehlen: im Innern Schaffensfreude, nach außen gerechte Herrschaft, bei Beratungen unbefangenes Denken, nicht verstrickt in Schuld und Leidenschaft. Statt dessen haben wir Genußsucht und Raffgier, eine mittellose Staatskasse, aber mächtigen Privatbesitz. Wir rühmen den Reichtum und ergeben uns dem Nichtstun. Zwischen Guten und Schlechten gibt es keinerlei Unterschied; was Lohn der Tüchtigkeit sein müßte, besitzt alles der Ämterschacher. Kein Wunder, da jeder von euch seine Beschlüsse nur für seine Sonderinteressei faßt, da ihr im Privatleben nur auf euere Genüsse, auf Geld oder Ansehen erpicht seid. Darum kann es überhaupt geschehen, daß ein Angriff auf unseren erschöpften Staat erfolgt.

Doch will ich das beiseite lassen. Es haben sich Bürger aus den höchsten Adel verschworen, unser Vaterland in Brand zu stecken. Sie holen den Volksstamm der Gallier, den gefährlichsten Gegner des Römertums, zum Kriege heran, der feindliche Führer sitzt uns mit seinem Heere schon im Nacken. Da zögert ihr auch jetz noch und seid im Zweifel, was ihr mit Feinden machen sollt, die innerhalb unserer Mauern gefaßt wurden? Ich nehme an, ihr habt Mitleid - es sind ja bloß junge Burschen, aus Ehrgeiz vom rechten Wege abgekommen -, und wollt sie wohl mit ihren mit ihren Waffen ziehen lassen! Daß da nur nicht diese eure Milde und euer Mitleid in Leid umschlage, wenn jene wieder zu den Waffen greifen! Gewiß unsere Lage ist an sich ernst, aber ihr habt ja keine Angst. 0 doch, ihr habt allergrößte Angst! Aber aus Trägheit und innerer Schwäche wartet ihr einer auf den andern und zögert, offenbar im Vertrauen auf die ewigen Götter, die diesen unseren Staat schon oft in größter Gefahr gerettet haben. Nein, nicht durch Gelübde und weibische Bittgebete gewinnt man den Beistand der Götter; nur durch Wachsamsein, Handeln und reifliches Uberlegen nimmt alles einen günstigen Verlauf. Wenn man sich der Gleichgültigkeit und Schlaffheit hingibt, ist es sinnlos, die Götter anzuflehen: sie verhalten sich dann zornig und feindselig. Bei unseren Vorfahren ließ Aulus Manlius Torquatus im Krieg gegen die Gallier seinen eigenen Sohn hinrichten, weil dieser gegen den erlassenen Befehl mit dem Feind gekämpft hatte, und der prächtige junge Mensch mußte seine unbeherrscht Tapferkeit mit dem Tode büßen; und da seid ihr unschlüssig, was ihr gegen die rücksichtslosesten Hochverräter festsetzen sollt? Verständlich - ihr sonstiger Lebenswandel verträgt sich nicht mit diesem Verbrechen. Ja, geht nur schonend um mit dem Rang eines Lentulus, wenn der selber mit seiner Ehrbarkeit, wenn er mit seinem Ruf, wenn er mit Göttern oder irgendwelchen Menschen jemals schonend umgegangen ist! Seid nachsichtig mit der Jugend eines Cethegus, wenn er nicht bereits zum zweitenmal gegen sein Vaterland Krieg angestiftet hat! Was soll ich denn noch von einem Gabinius, Statilius, Caeparius reden? Wenn je etwas das Gewissen dieser Leute belastet hätte, dann hätten sie keine solchen Anschläge gegen den Staat planen können. Letztlich aber, Senatoren, wenn man sich, bei Gott, eine Fehlentscheidung überhaupt noch gestatten dürfte, so ließe ich es mir gerne gefallen, daß ihr durch die Geschehnisse selbst eines Besseren belehrt würdet, weil ihr ja Worte nicht beachtet. Wir sind jedoch von allen Seiten bedroht: Catilina faßt uns mit seinem Heer schon an der Kehle, die anderen Feinde stehen innerhalb der Mauern und sogar im Herzen der Stadt; keine Vorkehrungen und keine Planungen können mehr im geheimen durchgeführt werden; um so mehr ist Eile geboten. Deshalb stelle ich folgenden Antrag: Da durch den frevelhaften Plan verbrecherischer Bürger der Staat in größte Gefahr gekommen ist und diese durch die Aussage des Titus Volturcius und der Gesandten der Allobroger überführt und geständig sind, Mord, Brand und andere entsetzliche, gemeine Untaten gegen Mitbürger und Vaterland vorbereitet zu haben, so ist an den Geständigen, genauso wie an überführten Schwerverbrechern, nach dem Brauch der Vorfahren die Todesstrafe zu vollstrecken."

(53) Als Cato wieder Platz genommen hat, spendeten alle ehemaligen Konsuln sowie ein großer Teil des Senats seinem Antrag Beifa und erhoben seine mannhafte Haltung bis zum Himmel; andere schimpften auf die Gegenseite ein und hießen sie Feiglinge. Cato galt als der gefeierte, große Mann; wie er beantragt hatte, so wurde der Senatsbeschluß gefaßt.

[Exkurs zu Caesar und Cato]

Da ich viel las und viel hörte von den glänzenden Taten des römischen Volkes im Krieg und Frieden, zu Wasser und zu Land, reizte es mich unwillkürlich, darauf zu achten, was denn vor allem so bedeutende Leistungen ermöglicht habe. Ich wußte, daß Rom oftmals mit einer geringen Schar gegen große feindliche Heere gefochten hat, und mir war bekannt, daß es mit geringen Kräften Kriege gegen mächtige Könige geführt, dazu oft den harten Zugriff des Schicksals ausgehalten hat, daß in der Redegabe die Griechen, im Kriegsruhm die GaIlier den Römern vorausgewesen sind. Und nach reiflicher Erwägung stand es für mich fest, daß die außergewöhnliche Tüchtigkeit nicht weniger Bürger das alles fertiggebracht hat und daß deshalb Unbemittelte den Reichen, wenige den vielen überlegen waren. Als aber das Volk durch Ausschweifung und Müßiggang verdorben war, da wiederum konnte das Staatswesen wegen seiner Größe die Fehler seiner Heerführer und Beamten verwinden, doch, als ob die Kraft der Vorfahren erschöpft war, gab es während langer Zeit in Rom überhaupt niemand, der durch seine Tüchtigkeit ein großer Mann gewesen wäre. Zu meiner Zeit aber gab es zwei Männer von außerordentlicher Tüchtigkeit, freilich verschiedener Artung: Marcus Cato und Gaius Caesar. Weil mich mein Gegenstand schon auf sie gebracht hat, möchte ich es nicht ohne weiteres Wort übergehen, Wesen und Charakter eines jeden der beiden, soweit ich es mit meiner Einsicht verrnag, aufzuzeigen.

(54) Bei ihnen waren Adel, Alter und Beredsamkeit fast gleich, ihre Seelengröße war dieselbe, ebenso ihre Berühmtheit, freilich bei jedem in anderer Weise. Caesar galt wegen seiner Gefälligkeiten und Freigebigkeit als groß, Cato wegen der Lauterkeit seines Lebenswandels. Jener wurde durch seine Milde und sein Mitgefühl bekannt, diesem hat seine Strenge Ansehen verschafft. Caesar erlangte Ruhm durch Geben, Unterstützen, Verzeihen, Cato dadurch, daß er nichts verschenkte. Im einen fanden Unglückliche ihre Zuflucht, im andern Schlechte ihr Verderben. An jenem rühmte man die Zugänglichkeit, an diesem die Stetigkeit. Caesar schließlich machte es sich zum Grundsatz, rastlos tätig zu sein, sich für die Belange der Freunde einzusetzen und die eigenen weniger wichtigzunehmen, nichts, was sich irgend als Gabe eignete, abzuschlagen; für sich wünschte er einen hohen Auftrag, ein Heer, einen neuen Krieg, wo seine Tüchtigkeit glänzend hervortreten könnte. Catos Streben dagegen war auf Selbstzucht, sittlichen Anstand, vor allem aber auf ernste Haltung gerichtet; er wetteiferte nicht mit dem Reichen um Reichtum, mit dem Parteimann um politische Geltung, sondern mit dem Tüchtigen um Tatkraft, mit dem Beherrschten um Zurückhaltung, mit dem Rechtschaffenen um Uneigennützigkeit; er wollte lieber gut sein als nur scheinen: je weniger er somit nach Ruhm strebte, desto mehr folgte ihm dieser.

[Aburteilung der Rädelsführer]

(55) Nachdem der Senat, wie gesagt, dem Antrag Catos beigetreten war, hielt es der Konsul für das beste, die bevorstehende Nacht nicht abzuwarten, damit in dieser Zeit keine neue Lage geschaffen würde, und befahl daher der Gefängnisbehörde, die zur Hinrichtung erforderlichen Vorbereitungen zu treffen. Er ließ Sicherungsmannschaften aufstellen und brachte persönlich den Lentulus zum Staatsgefängnis; bei den übrigen geschah dasselbe durch die Prätoren. Im Staatsgefängnis gibt es, wenn man links ein wenig hinansteigt, einen Raum mit der Bezeichnung Tullianum, etwa zwölf Fuß tief unter dem Erdboden; ihn sichern auf allen Seiten Mauerwände und oben ein aus Steinbögen gefügtes Gewölbe; sein Aussehen aber ist durch die Verwahrlosung, Finsterkeit und Stickluft grauenhaft und entsetzlich. In diesen Raum wurde Lentulus hinuntergestoßen, und dann erdrosselten ihn die hierzu beauftragten Scharfrichter für todeswürdige Verbrechen mit dem Strang. So fand dieser Adlige aus dem hochberühmten Geschlecht der Cornelier, der in Rom das konsularische Amt innegehabt hatte, ein seinem Wandel und Tun entsprechendes Lebensende. An Cethegus, Statilius, Gabinius, Caeparius wurde in derselben Weise die Todesstrafe vollstreckt.


Lateinischer Text:

50 Dum haec in senatu aguntur et dum legatis Allobrogum et T. Volturcio, conprobato eorum indicio, praemia decernuntur, liberti et pauci ex clientibus Lentuli divorsis itineribus opifices atque servitia in vicis ad eum eripiundum sollicitabant, partim exquirebant duces multitudinum, qui pretio rem publicam vexare soliti erant. Cethegus autem per nuntios familiam atque libertos suos, lectos et exercitatos, orabat [in audaciam], ut grege facto cum telis ad sese inrumperent. consul ubi ea parari cognovit, dispositis praesidiis, ut res atque tempus monebat, convocato senatu refert, quid de iis fieri placeat, qui in custodiam traditi erant. sed eos paulo ante frequens senatus iudicaverat contra rem publicam fecisse. tum D. Iunius Silanus primus sententiam rogatus, quod eo tempore consul designatus erat, de iis, qui in custodiis tenebantur, et praeterea de L. Cassio, P. Furio, P. Umbreno, Q. Annio, si deprehensi forent, supplicium sumundum decreverat; isque postea permotus oratione C. Caesaris pedibus in sententiam Tiberi Neronis iturum se dixit, quod de ea re praesidiis abductis referundum censuerat. sed Caesar, ubi ad eum ventum est, rogatus sententiam a consule huiusce modi verba Iocutus est:

51 "Omnis homines, patres conscripti, qui de rebus dubiis consultant, ab odio amicitia, ira atque misericordia vacuos esse decet. haud facile animus verum providet, ubi illa officiunt, neque quisquam omnium lubidini simul et usui paruit. ubi intenderis ingenium, valet; si lubido possidet, ea dominatur, animus nihil valet. magna mihi copia est memorandi, patres conscripti, quae reges atque populi ira aut misericordia inpulsi male consuluerint; sed ea malo dicere, quae maiores nostri contra lubidinem animi sui recte atque ordine fecere. bello Macedonico, quod cum rege Perse gessimus, Rhodiorum civitas magna atque magnifica, quae populi Romani opibus creverat, infida et advorsa nobis fuit; sed postquam bello confecto de Rhodiis consultum est, maiores nostri, ne quis divitiarum magis quam iniuriae causa bellum inceptum diceret, inpunitos eos dimisere. item bellis Punicis omnibus, quom saepe Carthaginienses et in pace et per indutias multa nefaria facinora fecissent, numquam ipsi per occasionem talia fecere; magis, quid se dignum foret, quam quid in illos iure fieri posset, quaerebant. hoc item vobis providendum est, patres conscripti, ne plus apud vos valeat P. Lentuli et ceterorum scelus quam vostra dignitas, neu magis irae vostrae quam famae consulatis. nam si digna poena pro factis eorum reperitur, novom consilium adprobo; sin magnitudo sceleris omnium ingenio exsuperat, his utendum censeo, quae legibus conparata sunt.

Plerique eorum, qui ante me sententias dixerunt, conposite atque magnifice casum rei publicae miserati sunt. quae belli saevitia esset, quae victis adciderent, enumeravere: rapi virgines, pueros, divelli liberos a parentum conplexu; matres familiarum pati, quae victoribus conlubuissent; fana atque domos spoliari; caedem incendia fieri; postremo armis, cadaveribus, cruore atque luctu omnia conpleri. sed, per deos inmortalis, quo illa oratio pertinuit? an uti vos infestos coniurationi faceret? scilicet, quem res tanta et tam atrox non permovit, eum oratio adcendet. non ita est, neque quoiquam mortalium iniuriae suae parvae videntur, multi eas gravius aequo habuere. sed alia aliis licentia est, patres conscripti. qui demissi in obscuro vitam habent, si quid iracundia deliquere, pauci sciunt, fama atque fortuna eorum pares sunt; qui magno imperio praediti in excelso aetatem agunt, eorum facta cuncti mortales novere: ita in maxuma fortuna minuma licentia est. neque studere neque odisse, sed minume irasci decet; quae apud alios iracundia dicitur, ea in imperio superbia atque crudelitas appellatur. equidem ego sic existumo, patres conscripti, omnis cruciatus minores quam facinora illorum esse. sed plerique mortales postrema meminere et in hominibus inpiis sceleris eorum obliti de poena disserunt, si ea paulo severior fuit.

D. Silanum, virum fortem atque strenuom, certo scio, quae dixerit, studio rei publicae dixisse, neque illum in tanta re gratiam aut inimicitias exercere: eos mores eamque modestiam viri cognovi. verum sententia eius mihi non crudelis - quid enim in talis homines crudele fieri potest? - sed aliena a re publica nostra videtur. nam profecto aut metus aut iniuria te subegit, Silane, consulem designatum genus poenae novom decernere. de timore supervacaneum est disserere, quom praesertim diligentia clarissumi viri consulis tanta praesidia sint in annis. de poena possum equidem dicere, id quod res habet, in luctu atque miseriis mortem aerumnarum requiem, non cruciatum esse; eam cuncta mortalium mala dissolvere; ultra neque curae neque gaudio locum esse. sed, per deos inmortalis, quam ob rem in sententiam non addidisti, uti prius verberibus in eos animadvorteretur? an quia lex Porcia vetat? at aliae leges item condemnatis civibus non animam eripi, sed exilium permitti iubent. an quia gravius est verberari quam necari? quid autem acerbum aut nimis grave est in homines tanti facinoris convictos? sin quia levius est, qui convenit in minore negotio legem timere, quom eam in maiore neglexeris?

At enim quis reprehendet, quod in parricidas rei publicae decretum erit? tempus dies fortuna, quoius lubido gentibus moderatur. illis merito adcidet, quicquid evenerit; ceterum vos, patres conscripti, quid in alios statuatis, considerate. omnia mala exempla ex rebus bonis orta sunt. sed ubi imperium ad ignaros eius aut minus bonos pervenit, novom illud exemplum ab dignis et idoneis ad indignos et non idoneos transfertur. Lacedaemonii devictis Atheniensibus triginta viros inposuere, qui rem publicam eorum tractarent. ii primo coepere pessumum quemque et omnibus invisum indemnatum necare: ea populus laetari et merito dicere fieri. post, ubi paulatim Iicentia crevit, iuxta bonos et malos lubidinose interficere, ceteros metu terrere: ita civitas servitute oppressa stultae laetitiae gravis poenas dedit. nostra memoria victor Sulla quom Damasippum et alios eius modi, qui malo rei publicae creverant, iugulari iussit, quis non factum eius laudabat? homines scelestos et factiosos, qui seditionibus rem publicam exagitaverant, merito necatos aiebant. sed ea res magnae initium cladis fuit. nam uti quisque domum aut villam, postremo vas aut vestimentum aliquoius concupiverat, dabat operam, uti is in proscriptorum numero esset. ita illi, quibus Damasippi mors laetitiae fuerat, paulo post ipsi trahebantur, neque prius finis iugulandi fuit, quam Sulla omnis suos divitiis explevit. atque ego haec non in M. Tullio neque his temporibus vereor, sed in magna civitate multa et varia ingenia sunt. potest alio tempore, alio consule, quoi item exercitus in manu sit, falsum aliquid pro vero credi. ubi hoc exemplo per senatus decretum consul gladium eduxerit, quis illi finem statuet aut quis moderabitur?

Maiores nostri, patres conscripti, neque consili neque audaciae umquam eguere; neque illis superbia obstabat, quo minus aliena instituta, si modo proba erant, imitarentur. arma atque tela militaria ab Samnitibus, insignia magistratuum ab Tuscis pleraque sumpserunt; postremo, quod ubique apud socios aut hostis idoneum videbatur, cum summo studio domi exsequebantur: imitari quam invidere bonis malebant. sed eodem illo tempore Graeciae morem imitati verberibus animadvortebant in civis, de condemnatis summum supplicium sumebant. postquam res publica adolevit et multitudine civium factiones valuere, circumveniri innocentes, alia huiusce modi fieri coepere, tum lex Porcia aliaeque leges paratae sunt, quibus legibus exilium damnatis permissum est. ego hanc causam, patres conscripti, quo minus novom consilium capiamus, in primis magnam puto. profecto virtus atque sapientia maior illis fuit, qui ex parvis opibus tantum imperium fecere, quam in nobis, qui ea bene parta vix retinemus.

Placet igitur eos dimitti et augeri exercitum Catilinae? minume. sed ita censeo: publicandas eorum pecunias, ipsos in vinculis habendos per municipia, quae maxume opibus valent; neu quis de iis postea ad senatum referat neve cum populo agat; qui aliter fecerit, senatum existumare eum contra rem publicam et salutem omnium facturum."

52 Postquam Caesar dicundi finem fecit, ceteri verbo alius alii varie adsentiebantur. at M. Porcius Cato rogatus sententiam huiusce modi orationem habuit: "Longe alia mihi mens est, patres conscripti, quom res atque pericula nostra considero et quom sententias nonnullorum ipse mecum reputo. illi mihi disseruisse videntur de poena eorum, qui patriae parentibus, aris atque focis suis bellum paravere; res autem monet cavere ab illis magis quam, quid in illos statuamus, consultare. nam cetera maleficia tum persequare, ubi facta sunt; hoc, nisi provideris, ne adcidat, ubi evenit, frustra iudicia inplores: capta urbe nihil fit reliqui victis. sed, per deos inmortalis, vos ego appello, qui semper domos villas signa tabulas vostras pluris quam rem publicam fecistis: si ista, quoiuscumque modi sunt, quae amplexamini, retinere, si voluptatibus vostris otium praebere voltis, expergiscimini aliquando et capessite rem publicam. non agitur de vectigalibus neque de sociorum iniuriis: libertas et anima nostra in dubio est.

Saepenumero, patres conscripti, multa verba in hoc ordine feci, saepe de luxuria atque avaritia nostrorum civium questus sum multosque mortalis ea causa advorsos habeo; qui mihi atque animo meo nullius umquam delicti gratiam fecissem, haud facile alterius lubidini male facta condonabam. sed ea tametsi vos parvi pendebatis, tamen res publica firma erat, opulentia neglegentiam tolerabat. nunc vero non id agitur, bonisne an malis moribus vivamus, neque, quantum aut quam magnificum imperium populi Romani sit, sed haec, quoiuscumque modi videntur, nostra an nobiscum una hostium futura sint. hic mihi quisquam mansuetudinem et misericordiam nominat. iam pridem equidem nos vera vocabula rerum amisimus: quia bona aliena largiri liberalitas, malarum rerum audacia fortitudo vocatur, eo res publica in extremo sita est. sint sane, quoniam ita se mores habent, liberales ex sociorum fortunis, sint misericordes in furibus aerari: ne illi sanguinem nostrum largiantur et, dum paucis sceleratis parcunt, bonos omnis perditum eant. Bene et conposite C Caesar paulo ante in hoc ordine de vita et morte disseruit, credo falsa existumans ea, quae de inferis memorantur: divorso itinere malos a bonis loca taetra inculta foeda atque forrnidulosa habere. itaque censuit pecunias eorum publicandas, ipsos per municipia in custodiis habendos, videlicet timens, ne, si Romae sint, aut a popularibus coniurationis aut a multitudine conducta per vim eripiantur; quasi vero mali atque scelesti tantummodo in urbe et non per totam Italiam sint, aut non ibi plus possit audacia, ubi ad defendundum opes minores sunt. quare vanum equidem hoc consilium est, si periculum ex illis metuit; si in tanto omnium metu solus non timet, eo magis refert me mihi atque vobis timere. quare quom de P. Lentulo ceterisque statuetis, pro certo habetote vos simul de exercitu Catilinae et de omnibus coniuratis decernere. quanto vos adtentius ea agetis, tanto illis animus infirmior erit; si paulum modo vos languere viderint, iam omnes feroces aderunt.

Nolite existumare maiores nostros armis rem publicam ex parva magnam fecisse. si ita esset, multo pulcherrumam eam nos haberemus; quippe sociorum atque civium, praeterea armorum atque equorum maior copia nobis quam illis est. sed alia fuere, quae illos magnos fecere, quae nobis nulla sunt: domi industria, foris iustum imperium, animus in consulundo liber, neque delicto neque lubidini obnoxius. pro his nos habemus luxuriam atque avaritiam, publice egestatem, privatim opulentiam; laudamus divitias, sequimur inertiam; inter bonos et malos discrimen nullum, omnia virtutis praemia ambitio possidet. neque mirum: ubi vos separatim sibi quisque consilium capitis, ubi domi voluptatibus, hic pecuniae aut gratiae servitis, eo fit, ut impetus fiat in vacuam rem publicam. sed ego haec omitto. coniuravere nobilissumi cives patriam incendere, Gallorum gentem infestissumam nomini Romano ad bellum arcessunt, dux hostium cum exercitu supra caput est; vos cunctammi etiam nunc et dubitatis, quid intra moenia deprensis hostibus faciatis? misereamini censeo - deliquere homines adulescentuli per ambitionem - atque etiam armatos dimittatis: ne ista vobis mansuetudo et misericordia, si illi arma ceperint, in miseriam convortat. scilicet res ipsa aspera est, sed vos non timetis eam. immo vero maxume; sed inertia et mollitia animi alius alium exspectantes cunctammi, videlicet dis inmortalibus confisi, qui hanc rem publicam saepe in maxumis periculis servavere. non votis neque suppliciis muliebribus auxilia deorum parantur; vigilando, agundo, bene consulundo prospere omnia cedunt. ubi socordiae te atque ignaviae tradideris, nequiquam deos inplores: irati infestique sunt. apud maiores nostros A. Manlius Torquatus bello Gallico filium suom, quod is contra imperium in hostem pugnaverat, necari iussit, atque ille egregius adulescens inmoderatae fortitudinis morte poenas dedit; vos de crudelissumis parricidis quid statuatis, cunctamini? videlicet cetera vita eorum huic sceleri obstat. verum parcite dignitati Lentuli, si ipse pudicitae, si famae suae, si dis aut hominibus umquam ullis pepercit. ignoscite Cethegi adulescentiae, nisi iterum patriae bellum fecit. nam quid ego de Gabinio, Statilio, Caepario loquar? quibus si quicquarn umquam pensi fuisset, non ea consilia de re publica habuissent. postremo, patres conscripti, si mehercule peccato locus esset, facile paterer vos ipsa re corrigi, quoniam verba contemnitis. sed undique circumventi sumus: Catilina cum exercitu faucibus urget, alii intra moenia atque in sinu urbis sunt hostes; neque parari neque consuli quicquam potest occulte; quo magis properandum est. Quare ego ita censeo: quom nefario consilio sceleratorum civium res publica in maxuma pericula venerit iique indicio T. Volturci et legatorum Allobrogum convicti confessique sint caedem incendia aliaque se foeda atque crudelia facinora in civis patriamque paravisse, de confessis, sicuti de manufestis rerum capitalium, more maiorum supplicium sumundum."

53 Postquam Cato adsedit, consulares omnes itemque senatus magna pars sententiam eius laudant, virtutem animi ad caelum ferunt, alii alios increpantes timidos vocant. Cato clarus atque magnus habetur; senati decretum fit, sicuti ille censuerat.

Sed mihi multa legenti, multa audienti, quae populus Romanus domi militaeque, mari atque terra praeclara facinora fecit, forte lubuit adtendere, quae res maxume tanta negotia sustinuisset. sciebam saepenumero parva manu cum magnis legionibus hostium contendisse; cognoveram parvis copiis bella gesta cum opulentis regibus, ad hoc saepe fortunae violentiam toleravisse, facundia Graecos, gloria bello Gallos ante Romanos fuisse. ac mihi multa agitanti constabat paucorum civium egregiam virtutem cuncta patravisse, eoque factum, uti divitias paupertas, multitudinem paucitas superaret. sed postquam luxu atque desidia civitas conrupta est, rursus res publica magnitudine sua imperatorum atque magistratuum vitia sustentabat ac, sicuti effeta parentum [vi], multis tempestatibus haud sane quisquam Romae virtute magnus fuit. sed memoria mea ingenti virtute, divorsis moribus fuere viri duo, M. Cato et C. Caesar. quos quoniam res obtulerat, silentio praeterire non fuit consilium, quin utriusque naturam et mores, quantum ingenio possum, aperirem.

54 Igitur iis genus aetas eloquentia prope aequalia fuere, magnitudo animi par, item gloria, sed alia alii: Caesar beneficiis ac munificentia magnus habebatur, integritate vitae Cato. ille mansuetudine et misericordia darus factus, huic severitas dignitatem addiderat. Caesar dando sublevando ignoscundo, Cato nihil largiundo gloriam adeptus est. in altero miseris perfugium erat, in altero malis pernicies. illius facilitas, huius constantia laudabatur. postremo Caesar in animum induxerat laborare vigilare, negotiis amicorum intentus sua neglegere, nihil denegare, quod dono dignum esset; sibi magnum imperium exercitum bellum novom exoptabat, ubi virtus enitescere posset. at Catoni studium modestiae decoris, sed maxume severitatis erat; non divitiis cum divite neque factione cum factioso, sed cum strenuo virtute, cum modesto pudore, cum innocente abstinentia certabat; esse quam videri bonus malebat: ita, quo minus petebat gloriam, eo magis illum [ad]sequebatur.

Postquam, ut dixi, senatus in Catonis sententiam discessit, consul optumum factu ratus noctem, quae instabat, antecapere, ne quid eo spatio novaretur, tresviros, quae [ad] supplicium postulabat, parare iubet. ipse praesidiis dispositis Lentulum in carcerem deducit; idem fit ceteris per praetores. est in carcere locus, quod Tullianum appellatur, ubi paululum ascenderis ad laevam, circiter duodecim pedes humi depressus; eum muniunt undique parietes atque insuper camera lapideis fornicibus iuncta; sed incultu tenebris odore foeda atque terribilis eius facies est. in eum locum postquam demissus est Lentulus, vindices rerum capitalium, quibus praeceptum erat, laqueo gulam fregere. ita ille patricius ex gente clarissuma Corneliorum, qui consulare imperium Romae habuerat, dignum moribus factisque suis exitium vitae invenit. de Cethego, Statilio, Gabinio, Caepario eodem modo supplicium sumptum est.


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LV Gizewski WS 2000/2001