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"Mondpreise" der Pharmaindustrie. Arzneimittel werden immer teurer. Quelle: n-tv.de , ppo/AFP (geküzter Text)

Nirgendwo auf der Welt stehen neue Arzneien so schnell für die Behandlung von Krankheiten zur Verfügung wie in Deutschland. Das hat jedoch seinen Preis - und der wird von den Kassen ohne viel Murren erstattet. Das treibt die Kosten weiter in die Höhe.

Deutschland hat im europäischen Vergleich überdurchschnittlich hohe Arzneimittelausgaben. Dazu trage auch das "weiterhin überdurchschnittliche Preisniveau" für neue Medikamente bei, wie eine Studie im Auftrag des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ergab. Nirgendwo sonst stünden neue Arzneien "so schnell und umfassend" für die Behandlung von Krankheiten zur Verfügung wie in Deutschland und würden auch noch von den Kassen erstattet.

Ein markantes Beispiel für die Möglichkeiten praktikabler und tragbarer Pharmazie-Preise: Dresdner Forscher entwickeln Immuntherapie gegen Krebs (2017).

Die Arzneimittelausgaben in Deutschland stiegen im vergangenen Jahr um rund zehn Prozent auf etwa 33 Milliarden Euro. Studienautor Reinhard Busse von der TU Berlin sprach sich für eine gezieltere Nutzungssteuerung bei neuen Arzneimitteln aus. Derzeit bestehe in Deutschland praktisch für alle verschreibungspflichtigen Präparate eine umfassende Erstattungsfähigkeit, das heißt, eine Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen.

In den meisten europäischen Ländern werde hingegen auf Basis von Nutzenbewertungen der Einsatz neuer Arzneimittel auf Patientengruppen beschränkt, für die es einen wirklichen Zusatznutzen gebe, erklärte Busse, der Daten aus Deutschland und 15 anderen europäischen Staaten wie Dänemark, Spanien, Frankreich und Schweden verglichen hat.

Die Kassen kritisierten erneut, dass Pharmahersteller in Deutschland in den ersten zwölf Monaten nach der Zulassung eines neuen, innovativen Arzneimittels den Preis selbst bestimmten können. Es sei "nicht einzusehen, dass die Beitragszahler ein Jahr lang jeden beliebigen Preis finanzieren müssen, den sich ein Pharmaunternehmen ausdenkt", erklärte der GKV-Vizevorsitzende Johann-Magnus von Stackelberg.

Der zwischen Kassen und Herstellern ausgehandelte Preis müsse künftig nicht erst nach einem Jahr, sondern vom ersten Tag der Zulassung an gelten. Dann gäbe es "weiterhin Spitzenpreise für Spitzenprodukte, aber keine Mondpreise mehr für Medikamente ohne Zusatznutzen", erklärte Stackelberg.

Die Kassen beklagen seit längerem, dass häufig neuartige Arzneimittel verschrieben werden, obwohl diese gegenüber herkömmlichen Präparaten kaum einen Zusatznutzen hätten.

Quelle: n-tv.de , ppo/AFP (Mai 2017)

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Autor des WWW-Skripts: Prof. Dr. Christian Gizewski, TU Berlin, Fakultät I, Alte Geschichte, FG Geschichte, Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP: christian.gizewski@.tu-berlin.de