Kap. 5: 'Die Göttlichkeit und Größe des Herrschers'.

I. Zur ideengeschichtlichen Herkunft der Vorstellung von herrscherlicher 'Größe'.

- 'Heroische' Kriegstaten (Mytholgie).

- 'Das Feldherrengenie' (Caesar: 'veni, vidi, vici')

- 'Herrscherliche Menschenliebe' (Römische Kaiserzeit: 'Philosophen auf den Kaiserthron').

- 'Herrscherlichr Selbstbeherrschung' (Römische Kaiser-Panegyrik:'parcere subiectis et debellare superbos').

- 'Der Herrscher als Patron' (Fürsoge für seine 'Klienten').

- 'Divinität des Herrschers' (höfische und politische Epitheta wie 'divus', 'augustus' - 'allwissend'- 'allgütig' - 'allzuständig', spätantik und mittelalterlich: 'von Gottes Gnaden').

- 'Der an erster Stelle Stehende' ('princeps' >> 'primum' und 'capiens'

- 'Absolute Herrschaft' ('princeps legibus solutus')

- 'Der Vollbringer großer Dinge' ('magnificus')

Plutarch, Caesar, 50, 3, und Sueton, Divus Iulius, 37, 2, berichten, der Imperator C. Iulius Caesar habe angesichts mancher schneller Erfolge bei seinen Kriegszügen eine bestimmte Formel zur Charakterisierung seines militärischen Könnens verwendet: 'veni, vidi', vici' (ich kam, ich sah, ich siegte), Daß es ihm gelegentlich aber auch ganz anders erging, zeigt die monatelang unentschiedene Schlacht um die gallische Festung Alesia im Jahee 52 v. Chr.

II. Zu den Formeln der Herrscherkritik.

- 'Tyrann' als Inbegriff der angemaßten, d. h. von den Betroffenen in keiner Weise legitimierten Herrschaft.

- 'Spielball der Interessen' ('ludibrium' und 'pila publica' [nur neulateinisch]) als Bezeichnung für die Zufälligkeit einer Herrschaft

- 'Romulus Augstulus' als Bezeichung für das Gegenteil früherer Machtfülle und Anerkennung einer Herrschaft.

III. Zu der aus illegitimem Herrschaftsanspruch notwendig hervorgehenden politischen Praxis.

- Gewaltausübung und 'Terror als öffentlich verkündete und exemplarisch vollzogene Maßnahmen der Bevölkerungsunterdrückung

- Die ständige Demonstration der 'Alternativlosigkeit‘ der Herrschaft'

- Der Oktroi eines 'politischen Glaubens an den großen Herrscher' (Beispiel: Loyalitäts-Eide)

- Die Sprengung der ethischen Maßstäbe der Herrschaftsrechtferigung in der 'öffentlichen Meinung'.

- Die ideologische Gleichsetzung von faktischer Gewalt, Recht und Verfassung.

IV. Zu den rechtlichen Scheinbegründungen unkontrollierbarer Herrschergewalt.

- 'Tradition'.

- 'Diktatur'.und 'Tyrannis'als in nichtdemokratischen Staaten übliche Scheinlegitimationen.

- 'Scheindemokratische Wahlen, Abstimmungen und Ermächtigungen

V. Zu Medien und Sprache des Ideologems in der Antike.

1. Römisch-kaiserlich-monokratische öffentliche Selbstdarstellung und 'Selbstlegitimation'.

Augustus' Begründung römischen 'Prinzipats' in seinen 'Res gestae divi Augusti'.

ZUSAMMENFASSUNG [Verrkürzter Wilipedia-.Text]

Der erste Teil beschreibt die Übereignung der Macht an Augustus durch den Senat und die ihm verliehenen politischen Ehren, Augustus betont, er habe nicht selbst nach ihnen gestrebt, sondern sie auf Initiarive der Staatsirgane erhalten.. Im zweiteb Teil werden Augustus’ selbstfinanzierte Zuwendungen an das römische Volk beschrieben. Er weist auf seinei Geldspebden, die von ihm veranstalteten Spiele und die von ihm finanzierten Bauwerke hin. Die weiteren Erklärungen betreffen die von ihm betriebene Ausdehnung des Reichs, aber auch und seine Politik des Friedens und der Freundschaft mit dem nicht-römischen Teil der bewohnten Welt. Ein Anhang von fremder Hand faßt den Text noch einmal zusammen und führt imeinzelnen die verschiedenen von ohm finanzierten Gebäude auf. Abschließend wird festrgestellt, Augustus habe wührend seiner Regierungszeit 600 Millionen Denare aus eigenem Vermögen gespendet.

Augustus' Res Gestae nehmen - vor seinem Tode offenkundig immer noch. nach vierzig Jahren, propagandisch motviert Stellung gegen seine früheren Triumvirats-Verbündeten und spätere Bürgerkriegsfeinde (Antonius und Pompeius). Auch ist er - in offenkundigem Widerspruch zur Realität seines 'persönlichen Regimes' - darum bemüht, zu betonen, er habe stets das Ziel seiner Politik nur in der 'Wiederherstelltung der freien Republik' gesehen und dieses auch erreicht "Nach dieser Zeit [nach 27 v. Chr.] überragte ich an Ansehen und Einfluss alle, an rechtlich bestimmter Gewalt besaß ich jedoch nicht mehr als die vielen anderen, die jeweils meine Kollegen im Amt waren." ["Post id tempus auctoritate omnibus praestiti, potestatis autem nihilo amplius habui quam ceteri, qui mihi quoque in magistratu conlegae fuerunt."]

In den östlichen, hellenistisch geprägten Provinzen des Römischen Reiches, nicht jedoch in Rom, ließ Augistus im Zusammenhang mit seinem 'Tatenbericht' eine 'Divinisierung seiner Person, also eine antike Form des 'Personenkults', zu.

2. Höfische Kaiser-Panegyrik im der Bildenden Kunst am Beispiel der 'Gemma Augustea'

3.-Kaiser-Verherrlichung in der höfischen 'Panegyrik' und ihre gelehentliche Kritik in einer freiheitlich-tepublkanoschen Geschichtsscheifung.

- Vergil, Aeneis 6,788 - 807 - Aeneas' Weissagung eines der 'Großen Römer' in ferner Zukinft, nämlich des 'Juliers Augustus':

huc geminas nunc flecte acies, hanc aspice gentem
Romanosque tuos. hic Caesar et omnis Iuli
progenies magnum caeli ventura sub axem.
hic vir, hic est, tibi quem promitti saepius audis,
Augustus Caesar, divi genus, aurea condet
saecula qui rursus Latio regnata per arva
Saturno quondam, sup
er et Garamantas et Indos
proferet imperium;
[ iacet extra sidera tellus,
extra anni solisque vias, ubi caelifer Atlas
axem umero torquet stellis ardentibus aptum.
huius in adventum iam nunc et Caspia regna
responsis horrent divum et Maeotia tellus,
et septemgemini turbant trepida ostia Nili.
nec vero Alcides tantum telluris obivit,
fixerit aeripedem cervam licet, aut Erymanthi
pacarit nemora et Lernam tremefecerit arcu;
nec qui pampineis victor iuga flectit habenis
Liber, agens celso Nysae de vertice tigris.
et dubitamus adhuc virtutem extendere factis,
aut metus Ausonia prohibet consistere terra?]

- Tacitus' Verachtung höfischer Unterwürfigkeiteit ('servitium') in seinen Annalen im Zusammenhang mit der vorgetäuschten öffentlichen Trauer um den verabscheuten pznzipalen Gewalthaber Tiberius (1,7,1):

At Romae ruere in servitium consules, patres, eques, quanto quis inlustrior, tanto magis falsi ac festinantes, vultuque composito, ne laeti excessu principis neu tristiores primordio, lacrimas gaudium, questus adulationem miscebant. - In Rom aber stürzten sich die Spitzen des Staates - und zwar je höheren Ranges sie waren, um so heuchlerischer und eilfertiger - freiwillig in die Sklaverei, die Konsuln, die Senatoren und der Ritterstand. Und mit verstellter Miene, um ja nicht als zu froh über den endlich eingetretenen Herrscherabgang und zu traurig über den bevorstehnden Beginn einer neuen Gewalthaberschaft zu erscheinen, mischten sie formelle Tränen mit formeller Freude, amtliche Klage mit höfischer Schmeichelei [in sinnentsprechender Übersetzung C. G.].

IV. Zur Nachwirkung des antiken Ideologems von herrscherlicher Größe in späteren Epochem

A. Niccoló Machiavelli (1469 - 1527), politischer Schriftsteller, in jungen Jahren Berater des illegitimen 'Stadtherren' von Florenz Lorenzo I. de’ Medici (1449 - 1492, welcher wegen seines Reichtums und informellen politischen Einflusses auch 'Lorenzo il Magnifico' genannt wurde), gab diesem im seinem Werk 'Il principe' folgenden moralondifferenten Rat betreffend die Ausübung lege-absoluter, fürstlicher Herrschaft.

"Gewalt und Notwendigkeit, nicht Verordnungen und Verpflichtungen halten die Fürsten an, ihrem Wort nachzukommen."

B. Die Epoche Friedrichs 'des Großen' von Preußen, Peters und Katharinas 'der Großen' von Rußland und anderer europäischer absolutistischer Herrscher des 18. Jhts. mit ähnlichen Epitheta oder Selbsteinsvhätzungen ('soleil', 'l'état c'est moi') ist durch eine ständige kriegerisch-offensive Ausdehnungspolitik maßgeblicher europäischer Mächte der damaligen Zeit gekennzeichnet.

Kartenbild zur Verdeutlichung der Ausdehnungsbestrebungen europäischer Staaten des 18- Jhts.


Literatur, Medien und Quellen zur LV Gizewski Traditionen und Typen wirtschaftlicher Wertbildung und -aneignung seit der Antike.' im WS 2014 (2015.


Bearbeitungsstand: 5. Juni 2015.

Autor des WWW-Skripts: Prof. Dr. Christian Gizewski, TU Berlin, Fakultät I, Alte Geschichte, FG Geschichte, Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP: christian.gizewski@.tu-berlin.de