Kapitel 6: 'Christliche Herrschaft' (I).

Bis zum Ende des Mittelters.

I. Zur Inkompatibilität der heterogenen Elemente einer 'christlichen' 'Herrschaft'.

- Die politikfernen und -unverträglichen Traditionen der 'Nichtweltlichkeit' und der 'Herrschaftslosigkeit der christlichen Botschaft.

-

Die hellenistichen und römischen Traditionen einer 'gottgewollten und der Götterwelt nahen politischen Herrschaft'.

- Die Traditionen einer (begrenzt) 'ökumenischen' römischen Reichs-Religion.

- Die griechische Philosophie als Moment christlich-theologischer Dogmatik

- Die organisatorische Anpassung der Kirche an Politik, Recht und Befehle der römischen Staatsgewalt in Religionsfragen.

II. Die politikfernen und -unverträglichen Traditionen der 'Nichtweltlichkeit' und der 'Herrschaftslosigkeit der christlichen Botschaft.

Lesen Sie fie nachfolgenden Zitate azs dem Matthäus-Evangelium des 'Neuen Testaments' der Bibel einmal aufmerksam durch und beantworten Sie ann zwei Frahen.

Sind die 'Jesus-Worte' Ihres Erachtens

- völlig unrichtig und irreal,

- im einzelnen zutreffend und praktikabel,

- im ganzen zumindest gedanklich konsequent und auch in unserer Zeit ethisch verständlich,

- tauglich für ein politisches Programm?

A. Die gottgebotene 'wirkliche' Gerechtigkeit (Matthäus Kap. 5, 1 - 48)

1 Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. 2 Dann begann er zu reden und lehrte sie.3 Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich (> Jesaja, Kap. 61). 4 Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. 5 Selig sind, die keine Gewalt anwenden; denn gerade sie werden das Land erben (>Ps 37,11) 6 Selig sind, die hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. 7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Bermherzigkeit erlangen. 8 Selig, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. 9 Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden. 10 Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich. 11 Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. 12 Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt. (>Mt 23,30 und >Hebr 11,32) -

13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr, als weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden. 14 Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann auch nicht verborgen bleiben. 15 Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus.16 So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.-

17 Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. 18 Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. 19 Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich. 20 Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. -

21 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein. 22 Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du (gottloser) Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein. 23 Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, 24 so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe.

25 Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist. Sonst wird dich dein Gegner vor den Richter bringen und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener übergeben und du wirst ins Gefängnis geworfen. 26 Amen, das sage ich dir: Du kommst von dort nicht heraus, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast.

27 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen.(>5Mo 5,18) 28 Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. 29 Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. 30 Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab und wirf sie weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle kommt.

31 Ferner ist gesagt worden: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt, muss ihr eine Scheidungsurkunde geben. 32 Ich aber sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, liefert sie dem Ehebruch aus; und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden ist, begeht Ehebruch. 33 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast. 34 Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron, 35 noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel für seine Füße, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs.(>Jes 66,1,>Apg 7,49) 36 Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören; denn du kannst kein einziges Haar weiß oder schwarz machen. 37 Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.

38 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn. (>2Mo 21,24)39 Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin. 40 Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel. 41 Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm. 42 Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.
Von der Liebe zu den Feinden
43 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. (>3Mo 19,18) 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, 45 damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 46 Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? 47 Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? 48 Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.

B. Die 'Unmöglichkeit, zwei Herren zu dienen', Matthäus, Kap. 6, 24 - 34.

24 Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. 25 Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr denn Speise? und der Leib mehr denn die Kleidung? 26 Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? 27 Wer ist aber unter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen möge, ob er gleich darum sorget? 28 Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. 29 Ich sage euch, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist wie derselben eins. 30 So denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr euch tun, o ihr Kleingläubigen? 31 Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen, was werden wir trinken, womit werden wir uns kleiden? 32 Nach solchem allem trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr des alles bedürfet. 33 Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. 34 Darum sorgt nicht für den andern Morgen; denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe.

III. Zum grundsätzlichen Konflikt christlicher Ideen mit der politischen Ideenwelt ihrer Umgebung im Laufe der deutschen Geschichte.

A. Die Reichs-Behauptungs- und -Erweiterungsinteressen in christlich-spätantiker und -mittelalterlicher Kaiser- und Königsherrschaft.

B. Die 'Bekehrung der Ungläubigen'.

C. Die 'Abwehr der Ungläubigen'.

D. Die 'christliche' Begründung mittelalterlicher Adelsvorrechte.

E. Die Begründung der Herrschaftsrechte der christlich-kirchlichen Institutionen.

III. Zu Medien und Sprache bei der politischen Realisierung 'christlicher Herrschaft'.

A. 'Fides propaganda' als politisches Motiv und Mittel 'christlicher Welt-Herrschaft'.

Der deutsche Kaiser als christlicher Welt-Herrscher mit bekreuztem 'Reichs-Apfel' und biblisch konnotiertem (> Matth. 2, 28) 'Lilien'-Szepter.

Der byzantnischen Kaiser mit Gemahlin als von Christus direkt inthronisierte christliche Weltherrschafts-Persönlichkeiten.

B. Gebote der Bibel als politische Mittel am Beispiel des christliche 'Untertänigkeits-Gebots.

C. Die Konflikte zwischen christlich-imperialem Herrschafts-Prinzip und kirchlich-christlichem Herrschaftsanspruch am Beispiel des mittealterlichen 'Investuturstreits' (zwischen 1076 und 1122).

).

Handschriftliche Textquelle des 'Dictatus Papae'. Manuskript aus einer päpstlichen Briefsammlung für das Jahe 1075..

Der 'DICTATUS PAPAE (Gregors VII., Papst 1073 - 1085) des Jahres 1075. Lateinisch-deutsch.

Absagebrief Heinrichs IV. an Papst Gregor VII. d. J. 1076.


Literatur, Medien und Quellen zur LV Gizewski Traditionen und Typen wirtschaftlicher Wertbildung und -aneignung seit der Antike.' im WS 2014 (2015.


Bearbeitungsstand: 5. Juni 2015.

Autor des WWW-Skripts: Prof. Dr. Christian Gizewski, TU Berlin, Fakultät I, Alte Geschichte, FG Geschichte, Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP: christian.gizewski@.tu-berlin.de