Kapitel 8: Zur Emtwiclung eines kapzalistisch-wirtschaftlich mitverursachten Nationalismus und Expansionismus im 19. Jht.

I. Die nationalen Strukturen des Wirtschaftslebens und ihre bürgerlich-kapitalistische Grundlage am Beispiel Deutschlands im 19. Jht.

Die Herausbildung einer 'nationalem Volkswirtschaft' am Beispiel Deutschlands im 19. Jht.

Zur Bildung eines nationalen Handelsrechts im Deutschen Bund (Entwürfe 1849, Allgemeines deutsches Handelsgesetzbuch 1861, Handelsgesetzbuch 1897).

Die Bedeutung der 'Aktiengesellschaft' und der 'Gesellschaft mit beschränkter Haftung' für die Volkswirtschaft am Beispiel des deutschen Rechts.

Zum wirtschaftlichen Zweck einer 'Aktiengesellschaft'.

Die Aktiengesellschaft ist eine Gesellschaftsform, die in der Regel den Betrieb eines Unternehmens zum Gegenstand hat. Sie gilt als typische Unternehmensform von Wirtschaftsunternehmen mit großem Kapitalbedarf. Bei der Aktiengesellschaft stellt sich die kapitalgesellschaftliche Konzeption, die auf Vermögensvereinigung und Vermögensmehrung gerichtete Zielsetzung, am deutlichsten dar. Die Aktiengesellschaft zeichnet sich insbesondere durch folgende Eigenschaften aus:

- Sie ist eine Körperschaft, also eine auf Mitgliedschaft beruhende, aber als Vereinigung selbstständig rechtsfähige rechtliche Einheit, die selbst als Träger von Rechten und Pflichten auftritt und vor Gericht klagen und verklagt werden kann.

- Sie ist eine Kapitalgesellschaft, also auf ein bestimmtes Grundkapital in der Weise gestützt, dass die Haftung der Mitglieder, also der Aktionäre, auf dieses Kapital beschränkt ist.

- Das Grundkapital ist in Aktien zerlegt. Diese sind heute selten in Aktienurkunden verbrieft. Börsennotierte AGs in Deutschland beispielsweise verbriefen ihre Aktien oft nur in einer Globalurkunde, die bei Clearstream hinterlegt wird.

- Im Regelfall sind die Aktien übertragbar (fungibel). Es gehört allerdings nicht zu den notwendigen Wesensmerkmalen einer Aktiengesellschaft, dass die Aktien an einer Börse gehandelt werden.

Die Aktiengesellschaft vereint in der Regel eine große Anzahl von (vielfach passiven) Aktionären, die ihr Kapital in die Unternehmung investiert haben, um Erträge zu erwirtschaften. Die Aktionäre nehmen ihre mitgliedschaftlichen Rechte in der Regel in Aktionärsversammlungen durch Ausübung ihres Stimmrechts wahr. Die Geschäfte der Gesellschaft werden aber von besonderen Organen geführt.

[Quelle: Wikipedia, s. v. 'Aktiengesellschaft']

Zur heutigen Rechtsgestalt der 'Gesellschaft mit beschränkter Haftung'. Aus dem GmbH-Gesetz.

§ 1 Zweck; Gründerzahl

Gesellschaften mit beschränkter Haftung können nach Maßgabe der Bestimmungen dieses Gesetzes zu jedem gesetzlich zulässigen Zweck durch eine oder mehrere Personen errichtet werden.

§ 2 Form des Gesellschaftsvertrags

(1) Der Gesellschaftsvertrag bedarf notarieller Form. Er ist von sämtlichen Gesellschaftern zu unterzeichnen.

(1a) Die Gesellschaft kann in einem vereinfachten Verfahren gegründet werden, wenn sie höchstens drei Gesellschafter und einen Geschäftsführer hat. Für die Gründung im vereinfachten Verfahren ist das in der Anlage bestimmte Musterprotokoll zu verwenden. Darüber hinaus dürfen keine vom Gesetz abweichenden Bestimmungen getroffen werden. Das Musterprotokoll gilt zugleich als Gesellschafterliste. Im Übrigen finden auf das Musterprotokoll die Vorschriften dieses Gesetzes über den Gesellschaftsvertrag entsprechende Anwendung.
(2) Die Unterzeichnung durch Bevollmächtigte ist nur auf Grund einer notariell errichteten oder beglaubigten Vollmacht zulässig.

§ 3 Inhalt des Gesellschaftsvertrags

(1) Der Gesellschaftsvertrag muß enthalten: 1. die Firma und den Sitz der Gesellschaft, 2. den Gegenstand des Unternehmens, 3. den Betrag des Stammkapitals, 4. die Zahl und die Nennbeträge der Geschäftsanteile, die jeder Gesellschafter gegen Einlage auf das Stammkapital (Stammeinlage) übernimmt. ...

Zu den in den kapitalistischen Handelsrechtsformen und im privatwirtschaftlichen Marktsystem angelegten gesamtwirtschaftlichen Steuerungsdefiziten.

II. Zum Zusammenhang der politischen Verfassungen mit den wirtschaftlich-sozialen Verhältnissen am Beispiel Deutschlands im 19. Jht.

Verfassungen im Deutschen Bunde' und 'Wahlrecht im 'Deutschen Reich' des 19. Jhts.

Zentrum und Sozialdemokratie im Deutschen Reich.

Nach der Revolution von 1848/49 wurde im damaligen Staat Preußen von dem dortigen König Friedrich Wilhelm IV., der es zuvor abgelehnt hatte, von der Deutschen Nationalversammlung zum konstitutionellen Kaiser gewählt zu werden, das 'Dreiklassenwahlrecht' oktroyiert. Dieser Verfassungs-Oktroi, der eng mit einem 'Dreiklassen-Wahlrecht' (mit Stufung das Stimmgewuchts der Wähler nach der Höhe ihrer Steuer) zusammenhing, blieb von 1849 bis zum Ende der Monarchie im Jahre 1918 in Kraft.

In dieser Epoche gab es in den meisten deutschen Staaten - bis auf die republikanischen Sradtstaaten Hamburg und Bremen - ähnlich 'konstitutionelle Monarchien', allerdings mit einem unterschiedlich liberalen Wahlrecht. Auch sozial übte in ihnen eine sehr kleine Adelsschicht einen politisch unangemessenen Einfluß aus. Im November 1918 gehörten ca. 60.000 Menschen dem 'Adel' an, was einem Promille der Bevölkerung entsprach. Ein politischer 'Konservatismus', der unter den 1-Promille Privilegierten weit - wenn auch nicht ausschließlich - verbreitet war, äußerte sich in aktiver Ablehung oder gar Verachtung republikanisch und demokratisch legitimer Bürgerrechts- und Verfassungsforderungen sowie ihrer politischen Bewegungen und Parteien

Derartige politische Auffassungen einer 'Adelsgesellschaft spiegeln sich charakteristisch etwa in einen Brief des preußischen Königs und späteren Kaisers Friedrich Wilhelm IV. an die deutsche Nationalversammlung in Fankfurt, welche ihm - allerdings republikanisch inkonsequent, ja illegitim - im Jahre 1849 eine 'deutsche Kaiserkrone' angeboten hatte

"Jeder deutsche Edelmann, der ein Kreuz oder einen Strich im Wappen führt, ist hundertmal zu gut dazu, um solch ein Diadem, aus Dreck und Letten der Revolution, des Treubruchs und des Hochverrats geschmiedet, anzunehmen."

Diese Karikatur zeigt König Friedrich Wilhelm IV., wie er an seinen Knöpfen abzählt, ob er nun die Kaiserkrone annehmen sollte oder nicht. Die Entscheidung war "Nein". (Quelle n. b.)

Zwar entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jhts.im 'Deutschen Bund' und später im (klein-) 'Deutschen Kaiserreich' allmählich ein republikanisch geprägter Paramentarismus mit einem freien, auch system-'oppositonelle' Parteien einschließenden Wahl-System. In dieses wurden letztlich sogar das lange als staatsfern geltende 'Zentrum' und die als prinzipiell revolutionär gesonnen geltende Sozialdemokraten eingeschlossen.

Doch behauptete weiterhin die traditionelle Adelsgesellschaft ihre politischen Vorrechte. Diese bestanden fort, bis sie mit der November-Revolution 1918/1919 ihr Ende fanden und in der 'Weimarer Verfassung' vom 6. Aug.1919 nach einem republikanischen Verfassungsgesetzgebungsverfahren' aufgehoben wurden.

"Verfassung des Deutschen Reiches' Präambel: Das Deutsche Volk, einig in seinen Stämmen und von dem Willen beseelt, sein Reich in Freiheit und Gerechtigkeit zu erneuern und zu festigen, dem inneren und dem äußeren Frieden zu dienen und den gesellschaftlichen Fortschritt zu fördern, hat sich diese Verfassung gegeben....

Art. 1. Das Deutsche Reich ist eine Republik. Die Staatsgewalt geht vom Volke aus. ...

Art. 109. Alle Deutschen sind vor dem Gesetze gleich. Männer und Frauen haben grundsätzlich dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten. Öffentlich-rechtliche Vorrechte oder Nachteile der Geburt oder des Standes sind aufzuheben. Adelsbezeichnungen gelten nur als Teil des Namens und dürfen nicht mehr verliehen werden. Titel dürfen nur verliehen werden, wenn sie ein Amt oder einen Beruf bezeichnen; akademische Grade sind hierdurch nicht betroffen. Orden und Ehrenzeichen dürfen vom Staat nicht verliehen werden. Kein Deutscher darf von einer ausländischen Regierung Titel oder Orden annehmen. ..."

III. Konflikttendenzen im Typus europäisch-nationalstaatlichem Expansionstrebens zu Beginn des 20. Jhts.

'Auswärtige' Wirtschaftsinteressen der meisten europäischen und europäisch geprägten National-Staaten.

Die Weltwirtschaft 1914.

Europäische Einflußsphären 1914.

'Europäisierungsprozesse' dieser Art auch in außereuropäischen Herrschaftsbereichen.

Die 'Europäisierung' außereuropäischer Staaten - etwa Japans - seit dem 18. oder 19. Jht.

Anderwärts in Europa und in anderen Erdteilen dagegen länger fortbestehende Ausbeutungsverhältnisse mit 'vormodernem' Charakter, wie etwa im Osmanischen ider im Chinesischen Reich der damaligen Epoche.

Beispiel einer 'Europäisierungs-Resistenz': 'Der kranke Mann am Bosporus', das Osmanische Reich.


Literatur, Medien und Quellen zur LV Gizewski Traditionen und Typen wirtschaftlicher Wertbildung und -aneignung seit der Antike.' im WS 2014/2015.

Bearbeitungsstand: 25. Jan. 2015.

Autor des WWW-Skripts: Prof. Dr. Christian Gizewski, TU Berlin, Fakultät I, Alte Geschichte, FG Geschichte, Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP: christian.gizewski@.tu-berlin.de