Prof. Dr. Christian Gizewski,
Fakultät I TU BerlinBrief an TUB 27112012
FG Alte Geschichte,
EP: christian.gizewski@tu-berlin.de,
WWW-Seite: http://agiw.fak1.tu-berlin.de,
Postadresse (privat): Tietzenweg 98, 12203 Berlin
Tel. und AB: 030-8337810.

27. November 2012

EINSCHREIBEBRIEF

An die
Technische Universität Berlin,
Prüfungsamt in der Abt. I
Straße des 17. Juni 135
10623 Berlin

Sehr geehrte Damen oder Herren der Zentralverwaltung!

Als Professor für Geschichte halte ich im WS 2012/2013 eine wissenschaftliche Allgemeinbildungs-Lehrveranstaltung an der TU Berlin ab ('Zur Technik im Altertum', >http://agiw.fak1.tu-berlin.de/Auditorium/AntTechnik/LVPortal.html).

Diese Lehrveranstaltung wird nach der mir vorliegenden Teilnehmerliste von 17 Studenten aus mindestens 7 unterschiedlichen Studiengängen der TUB besucht.

Die Leistungen, die sie in der LV zu erbringen haben, sind folgende:

a) entweder eine lückenlos regelmäßige Teilnahme als Testat-Hörer, wobei im gelegentlich nötigen Abwesenheitsfall in einem eigenhändig zu unterschreibenden Dokument die Gründe der Abwesenheit darzulegen sind,

b) oder eine nachprüfbar in jeder Hinsicht in eigener Person erbrachte - also lückenlos plagiatfreie, nur auf eigenem Nachdenken, Nachforschen und Formulieren beruhende, formal fehlerlose - wissenschaftliche Hausarbeit von ca. 15 normalen Druckseiten neben der regelmäßigen Hörerteilnahme.

Sogenannte 'kleine schriftliche Arbeiten' als Leistungsmöglichkeit anzubieten, hat zumindest in meiner Lehrveranstaltung keinen Sinn, weil sie dazu führen können, daß unter heutigen Umständen irgendwelche (hier: geschichtsbezogenen) Texte leicht aus dem Internet beschafft und zurechtfrisiert werden und daß ich dann mit der Aufgabe belastet bin, Täuschungsversuche nachweisen und auch noch verfolgen zu müssen. Daß solche vorkommen, entspricht meiner langjährigen Erfahrung seit der Verbreitung des Internets im Studienbetrieb.

Täuschungen dieser Art sind dagegen bei größeren Texten, anders als derzeit gelegentlich in der Öffentlichkeit angenommen, unter verschiedenen Prüfungsaspekten methodisch gut nachweisbar. Wo immer sie bei mir versucht wurden, habe ich die studentischen Verfasser vor die Wahl gestellt, unter Fristsetzung gründlich nachzuarbeiten oder eine Bewertung ihrer Arbeit als nicht ausreichend hinzunehmen.

Wenn dieses Verfahren von vornherein klargestellt ist, wird allerdings auch kein Täuschungsversuch unternommen, und die Wissenschaft, auch der TU Berlin, behält den ihr an sich zustehenden guten Ruf.

Ich bitte Sie also, den von mir für meine Lehrveranstaltungen vorausgesetzten, oben zu a) und b) genannten, fachwissenschaftlich und didaktisch begründeten Leistungsanforderungen grundsätzlich zu entsprechen und für diese dann eine Ihren Vorschriften entsprechende Punktbewertung zu bestimmen.

Für die Leistung zu a) schlage ich eine Bewertung mit drei Punkten, für die Leistung zu b) mit 8 Punkten vor. Die nicht ganz leichte Anfertigung einer wissenschaftlichen Hausarbeit ist eine Art Vorübung zu Examensarbeiten und setzt ca. 2 Wochen kontrollierbar intensiver Arbeit am Thema während des Semesters am häuslichen Schreibtisch und in einer Bibliothek voraus.

Ich bitte Sie um eine verbindliche schriftliche Antwort auf diesen Brief, damit ich diese sinnvolle Klarstellung den Teilnehmern an meiner derzeitigen - wie erwähnt, geisteswissenschaftlichen - LV auch meinerseits bekanntgeben kann.

Mit freundlichem Gruß

Prof. Dr. C. Gizewski