Kap. 4: Der Aufstand.

I. Der Aufstand (Rebellion) als politisch organisierter Angriff auf gegen eine staatsförmig organisierte Herrschaftsmacht.

Aufstand ist ein politisch organisierter Angriff größerer oder einflußreicher Bevölkerungsgruppen eines Herrschaftsgebietes gegen Einrichtungen, Vertreter und Nutznießer der dortigen Herrschaftsmacht in der Absicht, diese in ihrem Funktionieren zu stören oder zu beseitigen.

Historische Vergleichsstrukturen (Beispiele): Der ionische Aufstand d. J. 500 - 494 v. Chr. - Der Spartacus-Aufstand d. J. 73 v. Chr.- Der germanische Aufstand des Jahres 11 n. Chr. gegen die Römer. - Der jüdische Aufstand gegen die Römer i. J. 66 n. Chr. - Die Landshuter Bürger-Unruhen d. J. 1408 - 1410. - Der irische Aufstand von 1641. - Der Aufstand der schlesischen Weber 1844 - Der großpolnische Aufstand 1848. - Der Aufstand des 20. Juli 1944. - Der Volksaufstand des 17. Juni 1953.

II. Zu den jüdischen Aufständen (d. J. 66 - 70, 115 - 117, 132 -135 n. Chr.) gegen die römische Herrschaft.

Die jüdischen Aufstände gegen die römisch-imperiale Herrschaft im 'Heiligen Lande' sind wegen ihrer religiös-traditionsbestimmten, entschiedenen Motive ein besonders eindrückliches historisches Exempel für einen grundlegenden Widerstand eines größeren Bevölkerungsteils gegen eine in seinem Lebensbereich etablierte staatliche Herrschaftsmacht. In ihrer Niederschlagung ist auch eine Ursache für die Verbreitung der jüdischen Reglion u. a. in den städtischen Regionen des antiken Mittelmeerraums zu sehen.

Flavius Iosephus einleitend zu seiner Geschichte des 'Jüdischen Krieges'.

Flavius Iosephus, Der 'Jüdische Krieg - De bello Iudaico. Deutsche Übersetzung. Übertragen und eingeleitet bon Hermann Endrös, 2 Bde., Wilhelm Goldmann Verlag Müchen, Einleitung 6 - 12., Bd. 1, S. 16 - 20.

Karte 1: Der 'Jüdische Krieg' d. J. 66 - 70.

Karte 2: Der 'Bar-Kochba-Aufstand' d. J. 132 - 135.

Kartenbilder entnommen aus: Yohanan Aharomi, Michael Avi-Yonah, Der Bibel-Arlas. Die Geschichte des Heiligen Landes von 3000 v. Chr. - 200 n. Chr. Ins deutsche übertragen von W. Hertenstein und J. Rehork (The Bible Atlas, Jerusalem [um 1980]), Hoffmann und Campe Verlag Hamburg, LA Weltbild-Verlag Augsburg 1990, S. 160 und 164

III. Der Aufstand des 20. Juli 1944.

Es gab am 20. Juli 1944 nicht nur ein Attentat auf den 'Führer' eines totalitären Herrschaftssystems in Deutschland. Vielmehr handelte es sich bei diesem um nur eine für einen Aufstand erforderliche Einzel-Aktion. Bei der geheimgehaltenen, aber weitrechenden Vorbereitung dieses Aufstandes hatten sich in Deutschland angesichts der kritischen militärischen Lage nach der alliierten Invasion und den sowjetischen militärischen Erfolgen des Jahres 1944 verschiedene politisch-oppositionelle Gruppen mit Teilen der Wehrmacht gegen das nationalsozialistische Regime zusammengefunden. Nach der von diesem Regime 'totalitär' kontrollierten 'Gesetzeslage' gab es für die an dem Aufstand teilnehmenden Kräfte keine andere Legitimation als die Berufung auf das Naturrecht des Widerstands gegen eine unsittliche und verantwortungslos handelndende Staatsmacht. Dies ist ein besonders eindrückliches Beipiel dafür, daß für politisches Handeln in kritischen Lagen die Orientierung an einem 'Gesetz' und an einer 'allgemeiner Meinung' nicht möglich ist, sondern eine wohlabgewogene, persönliche Entscheidung der Betroffenen erfordert.

Liste einer Verhaftungsaktion gegen das 'Netz' der Verschwörer des Staatstreichs am 20. Juli 1944.

entnommen aus: Petra Behrens, Caroline Sperl, Johannes Tuchel, "von allem Leid, das diesen Bau erfüllt". Die Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße 3 nach dem 20. Juli 1944,. Aus einer Schriftenreihe der Gedenkstätte und Stiftung Deutscher Widerstand, Berlin 2012, S. 10 f.

Der Innenhof des Organisationszentrums des Aufstands, des `'Bendlerblocks', am 20. Juli 1944 und im Mai 1945.

entnommen aus einem Informationsblatt der 'Gedenkstätte Deutscher Widerstand', Berlin, (Material 1.2, 2012 7, Verfasser und Bearbeiter: P. Steinbach u. a.

III Verzeichnis der Literatur, Medien und Quellen zur LV Gizewski 'Widerstand als historische Tradition' im WS 2013/2014.


Bearbeitungsstand: 18. Dez. 2013.

Autor des WWW-Skripts: Prof. Dr. Christian Gizewski, TU Berlin, Fakultät I, Alte Geschichte, FG Geschichte, Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP: christian.gizewski@.tu-berlin.de