Kap. 6: Das Attentat und die Abwehr ungerechter Gesetze.

I. Das Attentat als 'versuchter' Angriff einzelner Personen und kleinerer Gruppen auf ein Herrschaftssytem. - Die Gesetzesabwehr als Angriff einzelner Personen und kleinerer Gruppen auf ein ungerechtes Gesetz.

Ein Attentat ist jeder Versuch politisch einzeln oder in Gruppen Handelnder, die Repräsentanten oder Anhänger eines politischen Systems oder einer anderen Partei durch 'direktes Handeln' {'action directe'} symbolisch anzugreifen, zu verletzen oder zu beseitigen. - Die Gesetzesabwehr ist jeder Versuch politisch einzeln oder in Gruppen Handelnder, ein Gesetz, das ungerecht ist oder erscheint, symbolisch anzugreifen, zu verletzen oder zu beseitigen. - Eine Attentats-Vereinigung ist eine auf längere Dauer angelegte Verbindung einzelner Personen, deren Ziel es ist, durch abschreckende Gewaltaktionen politische oder religiöse Ziele zu erreichen.

Historische Vergleichsstrukturen (Attentate und Attentatsvereinigungen): Das Attentat auf Caesar i. J. 44 v. Chr. - Die Verweigerung des gesetzlich verorndeten Kaiseropfers durch die Christen - Die Ermordung Wallensteins 1644 - Die 'Selbstjustiz' des Hans Kohlhaas 1534 - 1540. - Die Attentate auf die Zaren im 19. Jht. - Die Attentate auf Hitler bis 1944 - Die Attentate auf die Kennedys in den 1960er Jahren und ihre Erklärungen. - Die Baader-Meinhoff-Gruppe der 1970er Jahre. - Die Attentate der 'Baskischem Befreiungsbewegung ETA' in den 1980er Jahren - Das von palästinensischer Seute verübte Attentat auf die Olympischen Spiele 1972 in Münschen und die Vergeltungs-Attentate des israelischen Geiheimdienstes 'Mossad' -Das 'La-Belle-Attentat' in Berlin 1986, das dem algerischen Auftraggeber Muammar al-Gaddafi zugeschrieben wurde - Der Angriff auf das New Yorker Welthandelszentrum am 9. Nov. 2003 durch das Terrornetzwerk 'Al-Qaida', eine muslimisch (sunnitisch)-'dschihadistische' Organisation zur Führung eines 'Heiligen Krieges' gegen 'westliche Zivilisation', das seit 1993 Terroranschläge in mehreren Staaten verübt hat.

Historische Vergleichsstrukturen (Abwehr ungerechter Gesetze): Die Verweigerung des Trank-Opfers für den Genius des vergöttlichten Kaisers ('divus Augustus') durch die Christen in der Epoche der nicht-christlichen Staatsreligion. - Die - möglicherweise legendäre - Verweigerung des Grußes vor dem 'Geßler'-Hut eines kaiserlich-habsburgischen Landvogts durch den Schweizer Freiheitskämpfer Wilhelm Tell mit anschließendem Tyrannen-'Mord' (um d. J. 1300) - Der 'Boykott' der 'Irischen Landliga' gegen die englischen Großgrundbesitzer, repräsentiert durch Grundstücksverwalter wie Charles Cunningham Boycott, als 'gewaltlosenr Widerstand' im Jahre 1880. - Der Boykott der Rassengesetze durch den ANC zwischen 1960 und 1990.

Staatlich organisierte Maßnahmen wie die in Deutschland 1938 gegen 'die Juden' gerichteten werden hier nicht eingeordnet. Es handelt sich dabei nicht um 'Widerstand gegen den Staat, sondern um Herrschaftsmittel einer demagogisch agierenden, totalitären Staatsmacht.

II. Die Verschwörung zur Beseitigung des Diktators Caesar an den Iden des März d. J. 44 v. Chr.

Die Darstellung bei Plutarch, Caesar, 7, 52 - 69.

Aus: Plutarch, Bioi paralleloi.Alexander - Caesar. Deutsche Übersetzung, Herausgegeben und übersetzt von Marion Giebel. Reclam Verlag Stuttgart 1990/2001, S. 180 - 193.

III. Die Verschwörung zur Beseitigung Wallensteins am 25. Febr. 1634.

Das Attentat auf Wallenstein

nach Friedrich Schillers historischem Drama 'Wallenstein' (1796 - 1799), 2. Teil, 4. Aufzug, 5. Auftritt

Zitiert nach: Schillers Werke in 4 Bänden, jeweils eingeleitet von Karl Goedecke, Bd. 2, Cottasche Buchhandlung, Stuttgart 1877, Bd.2, S. 170 f.:

IV. Zum Angriff auf das World Trade Center am 8. November 2003.

Quelle: Wikipedia-Skizze (2014) s. t. 'Terroranschläge am 11. Sept. 2001'.

Zu den Folgen auch der Al-Qaida-Anschläge d. J. 2001 im deutschen Strafgesetzbuch:

§§ 90 ff. StGB n. F.

V. Zum Film 'Asche und Diamant' (Regie Andrzej Wajda, Buch Jersy Andrzejewski, 1958).

A. Inhaltsangabe:

Der Film handelt von Geschehnissen am 8. Mai 1945, dem Tag der deutschen Kapitulation, in einer kleineren Stadt, vermutlich Kalisz, in der Nähe des im Film erwähnten schlesischen Ortes Miedzyborz (polnisch; deutsch: Neu-Mittenwalde), der im Film als ein Zentrum des 'bürgerlich-nationalen ' Teils der Polnischen Heimatarrmee erwähnt wird. Die durch Kriegsgefechte stark zerstörte Stadt ist von sowjetischen Truppen gemeinsam mit einer von diesen neu aufgestellten polnischen Miliz besetzt. Mit ihnen sind Angehörige des kommunistischen Teils der polnischen Heimatarmee aus dem Exil dorthin zurückgekehrt, um eine neue polnische Verwaltung aufzubauen. Das Ende des Krieges wird an diesem Tage gefeiert, doch ist die Zukunft des Landes Polen für alle Parteien nicht klar. Maciek und Andrzej sind Soldaten des nicht-kommunistischen Teils der Polnischen Heimatarmee. Nach dem Kampf gegen die deutschen Besatzer kämpfen sie nun gegen die Kommunisten. Sie erhalten von ihrer Befehlszentrale in Miedzyborz den Auftrag, den kommunistischen Parteisekretär Szczuka zu töten. Der erste Anschlag schlägt fehl. Statt Szczuka kommen dabei zwei Zivilisten ums Leben. Das Attentat wird aber auf Anordnung der Zentrale wiederholt. Im führenden Hotel des Ortes 'Monopol' findet eine große Feier zum Kriegsende mit dem bisherigen Bürgermeister des Ortes statt, der zum Minister berufen wurde. Dessen Sekretär Drewnowski gehört eigentlich nicht zur kommunistischen Seite und hat den ersten Anschlag ermöglicht, ist jedoch wankelmütig und stellt sich aus Opportunismus auch ein wenig gut mit der Gegenseite. Maciek lernt im Hotel die Bardame Krystyna kennen. In beiden entwickelt sich eine heftige Liebe. Aber diese hat keine Chance, weil Maciek es persönlich übernommen hat, das zweite Attentat auf den kommunistischen Parteisekretär durchzuführen. Bevor es soweit ist, geht er mit Krystyna durch den Ort. Dabei kommen sie in eine zerbombte Kirche, wo Krystyna ein Gedicht frd Polnischen Dichters Norwid entdeckt (dem der Filmtitel 'Asche und Diamant' entnommen ist). In einer Krypta entdeckt Maciek die aufgebahrten Leichen der von ihm getöteten Zivilisten. Mit zwiespätigen Gefühlen erinnert er sich an seinen Auftrag, will ihn bei Andrzej noch rückgängig machen, verzichtet dann aber doch darauf. Bei einer günstigen Gelegenheit beobachtet er, wie seine Zielperson Szczuka auf die Straße geht. Diesen treibt es, beim örtlichen Militär seinen langjährig von ihm getrennt gewesenen Sohn wiederzusehen, welcher jedoch bei Miedzyborz - im Lager der Feinde - gefangengenommen wurde. Maciek eilt Szuka nach und erschießt ihn. In demselben Augenblick, in dem dies geschieht, beginnt ein Feuerwerk zu Ehren des beendeten Krieges, und Maciek wirft seine Pistole weg. Am nächsten Tag will er mit seinem Freund Andrzej auf einem LKW die Stadt in Richtung Miedzyborz verlassen. Drewnowski kommt dazu. Er hat seinen Posten als Sekretär in der Nacht wegen eines Alkoholexzesses verloren. Andrzej weist ihn aber wegen seines dabei offenkundig gewordenen Opportunismus zurück. Als Maciek das sieht, will er weder mit dem einen noch mit dem anderen weitermachen und flieht. Dabei läuft einer polnischen Militär-Patrouille in die Arme und wird angeschossen, als er auf Anruf nicht haltmacht. Er läuft weiter, bricht zusammen und stirbt auf einer Müllhalde.

B. Übung zur Filmvorführung

1. In welcher historischen Entwicklungsperiode Polens ist der Film entstanden und aus welchen Motiven seiner Autoren?

2. Könnte er sich auf tatsächliche und selbsterlebte Vorgänge seiner Autoren (Regisser oder Drehbuchautor) beziehen?

3. Gibt es Hinweise auf den Ort des Geschehens?

4. Wie wird das Attentat vorbereitet, und wie findet es statt?

5. Wie sind die AttentäterAndrzej und Maciek geschildert? Was sind ihre persönliche Motive, sich daran zu beteiligen? Warum fühlen sie sich an einen Attentats-'Auftrag' gebunden? Warum finden sie trotz ihrer gegenteiligen Gefühle nicht aus ihrer Attentatsbeteiligung heraus?

6. Welche politisch-militärischen Frontstellungen sind in dem Heschehen erkennbar?

7. Wo liegen der dramatischen Aussage des Films tragische, christliche und existenzialistische Sinn-Monente zugrunde?

VI. Verzeichnis der Literatur, Medien und Quellen zur LV Gizewski 'Widerstand als historische Tradition' im WS 2013/2014.


Bearbeitungsstand: 18. Dez. 2013.

Autor des WWW-Skripts: Prof. Dr. Christian Gizewski, TU Berlin, Fakultät I, Alte Geschichte, FG Geschichte, Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP: christian.gizewski@.tu-berlin.de