Kap. 1

Die Bedeutung von Anschauungen und Theorien über Allgemeinwohl, Staat und Herrschaftswillkür seit der Antike.


I. Grundbegriffe und Ziele einer Lehrveranstaltung 'zu' 'den 'Traditionen' 'politischer Willkür' 'seit der Antike'.

A. Zur Fortwirkung antiker Begriffe und Ideale von 'Bürgertugend' und 'Allgemeinwohl'.

ÜBUNG 1

"Quinctius sexto decimo die dictatura in sex menses accepta se abdicavit."

1. Übersetzen Sie den obigen lateinischen Satz so gut Sie können. Von wem könnte er stammen?

2. Worum geht es Ihres Erachtens?

3. Inwiefern hat der Vorgang Ihres Erachtens bis heute Nachwirkungen gehabt? Was bedeuten die Symbole und Worte des unten dargestellten Stadtwappens heutiger Zeit?

B. Normative Maßstäbe einer methodischen Beurteilung politischer Willkür.

1. Normative Maßstäbe eines unmittelbaren kollektiven oder individuellen heutigen Gerechtigkeitsgefühls.

Thesen zur Diskussion über den Widerstand gegen Willkürherrschaft und ungerechte Gesetze des Staates.

1. Normative Maßstäbe, die sich aus einer 'objektiven Gesellschaftsanalyse'.ergeben.

2. Normative Maßstäbe, die sich aus historisch-zeittypischen Formen der Herrschaftskritik früherer Epchen ergeben.

ÜBUNG 2

1. Versuchen Sie, den oben dargestellten Ort, ein Zentrum antiker Herrschaftsausübung, geographisch und geschichtlich zu bestimmen.

2. Inwiefern konnte es in einem großen Staatsgebilde wie dem Römischen Reich auf allen institutionellen Ebenen politische Willkür gegeben haben?

3. Was bedeutet Ihres Erachtens der Begriff 'subiecti' (lat., plural)?

II. Zu einigen wichtigen Theorien über Staat und Gemeinwesen, ihren ideengeschichtlichen Traditionen und Veränderungen seit der Antike.

Zu Platon (428 - 348 v. Chr.), 'Politeia'. Zu Herkunft und ideellem Wesen ('idea') des politischen Gemeinwesens..

Zu Aristoteles (384 - 321 v. Chr.), 'Politikos'. Zur politischen Odnung in ihren guten und sclechten Formen und Zwecken als Folge des menschlichen Wesens ( 'zoon politikon').

Zu Cicero (106 - 43 v. Chr.), 'De re publica'. Römische Rezeption griechischer Staatsphilosohie ('res publica', 'regnum', 'optimates', 'populares').

Zu Aurelius Augustinus (354 - 430), 'De civitate Dei'. Zur chtslichen Unterscheidung von 'Gottesstatt' und 'weltlichem' Staat ('civitas Dei' - 'civitas terrena').

Zu Nicolaus von Kues (1401 - 1464), 'De pace fidei'. Zum christlich-humanistischen Platonismus als Grundlage kirchlich-politisch geordneten inneren und äußeren Friedens.

Zu Niccolo Macchiavelli (1469 - 1527), 'Il principe'. Zum Wesen fürstlicher Alleinherrschaft als vor allem der effektiven Herrschaftbehauptung und -erweiterung dienender Politik-Praxis.

Zu John Locke (1632 - 1704), 'Two Treatises on Government'. Zur Unterscheidung von illegitimer ('false') Herrschaftsanmaßung und legitimer ('right') politischer Organisation der Bürgerfreiheiten in einem Staate.

Zu Charles de Montesquieu (1689 - 1755), De l'esprit des lois. Zur Fundierung aller legitimen Staatsordnung in Gesetzen, die mit Zustimmung der Regierten entstehen.

Zu Jean Jacques Rousseau (1712 - 1778), Le contrat social. Zum 'objektiv freiwilligen' kollektiven (sozialen) Charakter politischen Wollens und Bewußtseins in der politischen Ordnung.

Zu Johann Gottfried Hegel (1770 - 1831), Staats- und Rechtsphilosophie. Zur Entwicklung des Staates und Rechtes aus der 'dialektischen' Konfrontation 'subjektiver' politischer Ideen in einem 'objektiven' politischen Zusammenhang, dem ein 'Absolutes' (menschlich, d.h. auch politisch nicht Machbares) vorgeordnet sei.

Zu Karl Marx und Friedrich Engels (1818 - 1883 und 1820 - 1895), Das Manifest der Kommunistischen Partei. Zur Entwicklung der Geschichte aus einer Folge im Kern wirtschaftlich-sozial bestimmter Gesellschaftsformationen mit ihnen eigentümlichen Klassenkämpfen, an deren Ende notwendig ein 'Reich der Freiheit' entstehe.

Zu Max Weber (1864 - 1920), Wirtschaft und Gesellschaft. Zur 'Soziologie' nicht als einer politisch-sozialen Glaubensüberzeugung, sondern als umfassender 'Wissenschaft', die soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will, wobei sie die Politik als Teilbereich einschließt.

Sozialenzykliken folgender Päpste: "Rerum novarum"(1891 - gegen den Sozialismus) von Papst Leo XIII.,"Quadragesimo anno" (1931 - für moderate, nicht-sozialstische Reformen) von Papst Pius XI., "Mater et magistra" (1961 - für eine weltoffene, aufseiten der Beschwerten stehende kirchliche Soziallehre) von Papst Johannes XXIII, "Populorum progressio" (1967) von Papst Paul VI., "Laborem exercens" (1981) von Papst Johannes Paul II., "Sollicitudo rei socialis" (1988), "Centesimus annus" und (1991) "Caritas in veritate" (2009) von Papst Benedikt XVI., 'Lumen fidei' (2013) von Papst Franziskus.

III. Zu den Wissenschaften von der gerechten und zweckmäßigen staatlichen Ordnung.
Theologie
Politische Philosophie
Philosophische Ethik
Geschichtsschreibung
Kulturgeographie
Staats- und Verfassungsrecht
Soziologie
Politologie
IV. Zur Etymologie (Herkunft, Form- und Bedeutungswandel) der deutschsprachigen Worte zum Thema 'Staat und Willkürherrschaft'.
Recht
Gesetz
Herrschaft
Adel
Volk
Sitte
Tugend
Willkür
Eigennutz
Gewalt
Maß
Verfassung
Gemeinwohl
Gerechtigkeit
Staat
Republik
Politik
Regierung
Ordnung
Legitimität
Legalität
Tyrannei
Anarchie
Klasse
Partei
Attentat
Pöbel
Revolution
Reform
Demokratie
Konstituton

Literatur, Medien und Quellen zur LV Gizewski 'Traditionen staatlicher Willkürherrschaft seit der Antike' im SS 2014.


Bearbeitungsstand: 24. April 2014.

Autor des WWW-Skripts: Prof. Dr. Christian Gizewski, TU Berlin, Fakultät I, Alte Geschichte, FG Geschichte, Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP: christian.gizewski@.tu-berlin.de