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C 27

Besitzverhältnisse am Körper vor und nach dessen Tode.

Thesen zur freiwilligen Aufgabe des eigenen Lebens, zur Unverkäuflichkeit des eigenen Lebens und zur Enteignungsunfähigkeit des Körpers nach der irreversiblen Beendigung der Herztätigkeit eines Menschen.

Bearbeitungsstand 16. Sept. 2018


Vorbemerkung.

Das siebente Gebot Gottes, das den Juden in der Thora überliefert ist und den Christen im 'Alten Testament' mitgeteilt wurde, sagt, deutsch übersetzt: "Du sollst nicht töten".

Dennoch ist das Töten und verantwortungsferne Sterbenlassen anderer Menschen im Krieg und im Nichtkrieg übliche menschliche Praxis, ja geradezu charakteristisch für politische Interessenkonflikte aller Art, in denen den dabei Machtausübenden an der Schonung fremden Lebens nichts liegt.

Das Desinteresse kann sich dabei sogar gegen das eigene Leben des Tötenden richten, wie bei einem 'Kamikaze'-Typ der Aufgabe des eigenen Lebens.

Testamentarische Regelungen, welche für den Fall des Todes des Erblassers im Interesse der Erben dessen Willen bekunden, daß lebensverlängende Maßnahmen unterbleiben, wenn die Gehirnfunktionen irreversibel aussetzen, sind rechtlich möglich und bereiten keine Fremdtötung vor.

Der Sterbende muß nach rechtsverbindlicher Sitte im Sterben und auch nach seinem ärztlich festgestellten Herztod mit dem von seinem grundgesetzlich geschützten Persönlichkeitsrecht geforderten Respekt behandelt werden. Ein unausgesprochener Wille, darauf zu verzichten, kann ihm rechtlich nie unterstellt werden.

Die Frage, ob Organe eines Sterbenden ohne dessen ausdrückliche testamentarische Verfügung seinem Körper entnommen werden dürfen, kann rechtsgrundsätzlich nicht gegen seinen ausdrücklich bekundeten Willen entschieden werden.

Organe eines Sterbenden dürfen ohne dessen zuvor bei klarem Bewußtsein gegebene und gerichtsförmlich (in Gegenwart eines Richters) bekundete Bereitschaft zur Organspende nicht für eine solche verwendet werden.

Die Justiz- und Gesundheitsverwaltungen müssen in öffentlich kontrollierter Weise (Aktenführung, Presseinformationen) allen unter heutigen Geschäftsbedingungen unlauteren Formen der Bereicherung in der medizinischen Versorgung entgegenwirken.

Die Möglichkeiten der schnellen, bewußt vollzogenen und selbstverantworteten Selbsttötung sollten auch in Deutschland gerichtlich kontrollierbar gemacht und gesetzgeberisch unterstützt werden.


1. Testamentarische Regelungen, welche für den Fall des Todes des Erblassers im Interesse der Erben dessen Willen bekunden, daß lebensverlängende Maßnahmen unterbleiben, wenn die Gehirnfunktionen irreversibel aussetzen, sind rechtlich möglich und bereiten keine Fremdtötung vor.

Eine medizinisch vertretbare Lebensbeendigung, die auf ausdrücklichen, testamentarisch dokumentierten Wunsch eines Sterbenden ohne Überlebenschance stattfindet, um überflüssige Krankenhauskosten im Interesse der Vermögensnachfolger einzusparen, ist sittlich gerechtfertigt und verstößt nicht gegen gesetzliche Regeln.

2. Der Sterbende muß nach rechtsverbindlicher Sitte im Sterben und auch nach seinem ärztlich festgestellten Herztod mit dem von seinem grundgesetzlich geschützten Persönlichkeitsrecht geforderten Respekt behandelt werden. Ein unausgesprochener Wille, darauf zu verzichten, kann ihm rechtlich niemals unterstellt werden.

Der Sterbende darf weder zuhause, noch in der Klinik oder noch an irgendeinem anderen Orte als Organersatzteillager für Organtransplantationen behandelt werden. Dieser Persönlichkeitsschutz dauert an, bis er begraben ist. Ein Verstoß gegen diesen Grundsatz ist als Störung der Totenruhe nach § 268 StGB strafbar. Er ist stets stärker als ein eventuelles fremdes Interesse an der Verwendung von Organen des Toten. Der Verkauf von Organen des Toten ohne dessen ausdrücklich, rechtlich dokumentierte Zustimmung ist unzulässig. Schon die förmliche Mißachtung der Integrität des Sterbenden oder des Verstorbenen ist sittenwidrig und strafbar.

3. Die Frage, ob Organe eines Herztoten ohne dessen ausdrückliche testamentarische Verfügung seiner Leiche entnommen werden dürfen, kann rechtsgrundsätzlich nicht gegen seinen ausdrücklich bekundeten Willen entschieden werden.

Bleibt aus irgendeinem Grunde auch nur etwas unklar, ob der Sterbende oder Verstorbene mit der Transplantation eines seiner Organe einverstanden ist, so kann eine Transplantation nicht stattfinden. Findet sie trotzdem statt, sind die für sie verantwortlichen Ärzte oder Beamten nach § 268 StGB strafbar.

4. Organe eines Herztoten dürfen ohne dessen zuvor bei klarem Bewußtsein gegebene und gerichtsförmlich (in Gegenwart eines Richters) bekundete Bereitschaft zur Organspende nicht für eine solche verwendet werden.

Bleibt aus irgendeinem Grunde auch nur etwas unklar, ob der Sterbende oder Verstorbene mit der Transplantation eines seiner Organe einverstanden ist, so kann eine Transplantation nicht stattfinden. Findet sie trotzdem statt, sind die für sie verantwortlichen Ärzte oder Beamten nach § 268 StGB strafbar.

5. Die Justiz- und Gesundheitsverwaltungen müssen in öffentlich kontrollierter Weise (Aktenführung, Presseinformationen) allen unter heutigen Geschäftsbedingungen denkbaren unlauteren Formen der Bereicherung in der medizinischen Versorgung aktiv entgegenwirken.

Bleibt in der Gesundheits- oder Justizverwaltung aus irgendeinem Grunde auch nur etwas unklar, ob der Sterbende oder Verstorbene mit der Transplantation eines seiner Organe einverstanden ist oder war, so kann eine Transplantation nicht stattfinden. Findet sie trotzdem statt, sind die für sie verantwortlichen Ärzte oder Beamten nach § 268 StGB strafbar.

6. Die Möglichkeiten einer schnellen, bewußt vollzogenen und selbstverantworteten Selbsttötung sollten auch in Deutschland gerichtlich kontrollierbar gemacht und gesetzgeberisch unterstützt werden.

Unfälle, Schicksalsschläge, Gesundheitsbeschwerden, Verluste und Trennungen führen den davon betroffenen Menschen unter ungünstigen Umständen zu der Schlußfolgerung, das eigene Leben sei auf Dauer ohne Sinn. In solchen Fällen ist eine objektivierende Erörterung der individuellen Lage mit uneigennützigen und sachkundigen Ratgebern sinnvoll, die die Frage einer Lebensbeendigung sinnvoll umfassend und offen erörtern kann. Prinzipiell muß eine solche Erörterung auch zu dem Ergebnis führen können, daß das individuelle Leben nicht weiter lebenswert sei. In diesem Falle ist es sinnvoll, das Ergebnis förmlich zu beurkunden, dem betroffenen Menschen die Mittel für eine Lebensbeendigung kostenlos zur Verfügung zu stellen und den Vollzug im Beisein eines Richters und zweier anderer Personen - alle seines Vertrauens - zu ermöglichen.

Christian Gizewski


Redaktionelle Verantwortung: Prof. Dr. Christian Gizewski, TU Berlin, FG Geschichte, Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP: christian.gizewski@tu-berlin .