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Die mittlerweile fast 30-jährige Frage, warum weit mehr als die Hälfte der jährlich habilitierten [ heute ca. 2500 p. a.] Wissenschaftler erhebliche, nicht selten auch existenzielle Schwierigkeiten haben, ihre unzweifelhaft erwiesenen fachlichen Fähigkeiten und Erfahrungen in wissenschaftliche oder sonst produktive Arbeitsverhältnisse an den Hochschulen, im weiteren wissenschaftlichen Bereich und vor allem auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt einzubringen, und warum Öffentlichkeit und Politik davon im allgemeinen keine Notiz nehmen, hat viele Aspekte, denen mit kurzen Erklärungen und Lösungsformeln in der Regel nicht abgeholfen wird. Ja, es scheint nicht selten sogar ein fast demonstratives Desinteresse an dieser relativ kleinen, aber doch geistig beachtlichen und für den gesellschaftlichen 'Fortschritt' an sich nicht unwichtigen Bevölkerungsgruppe zu bestehen. Ein Beispiel für politische Kurzsichtigkeit und Rücksichtslosigkeit einer Regierung beim konzeptionellen Wegwischen an sich zur Lösung anstehender Wissenschaftsstruktur-Probleme ist die jüngst vom Bundesverfassungsgericht glücklicherweise für verfassungswidrig erklärte 5. Hochschulrahmenrechtsnovelle des Bundes, die von einem vorurteilshaften und geradezu zynisch erscheindenden Desinteresse sowohl an der sog. 'Habilitation' - einem wissenschaftlich durchaus sinnvollen 'abstrakten Qualifikationsprüfungsverfahren für Hochschullehrer - als auch an der Vielzahl der Berufs- und Sozialprobleme einer nicht geringen Zahl Habilitierter und ähnlich wissenschaftlich Hochqualifizierter bestimmt war.
Wie schon in den den vergangenen Jahrzehnten, aber heute in gesteigerter Weise, kommt es - auch nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts - für alle Betroffenen deshalb darauf an, die Problemlage, in der sie sich befinden, auch grundsätzlich zu bedenken, d. h. nicht nur zu überlegen, wie sie als Individuen möglichst schnell und 'pragmatisch' zu einer eigenen Existenzsicherung gelangen können. Dies ist, gerade bei jüngeren Kollegen, die manchmal allzu karriereorientiert und 'pragmatisch' denken, jedenfalls in ihrem eigenen längerfristigen Interesse.
Dem Zweck einer grundsätzlicheren Erörterung der angesprochenen Probleme dient die folgende Zusammenstellung, welche ich als Mitarbeiter des 'Arbeitskeises habilitierter oder ähnlich qualifizierter Wissenschaftler in Berlin (AHW Berlin) 'unter Abwägung dessen, was sachlich wichtig und was eher ephemer ist, in eigener Verantwortung vorgenommen habe.
Als TEXT 1 und TEXT 2 werden zwei Referate wiedergegeben, die im Jahre 1998 auf einer Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing gehalten wurden. Mitveranstalter war das Institut Technik - Theologie - Naturwissenschaften der LMU München. Das Thema 'Mittendrin kommt das Aus. Beschäftigungschancen in den Biowissenschaften' galt der Wissenschaftlerarbeitslosigkeit [i. w. S.] selbst unter höchstqualifizierten Wissenschaftlern und auch in 'technologisch zukunftsweisenden' Wissenschaftsgebieten - wie den Biowissenschaften, die somit exemplarisch für ein allgemeines wissenschaftsstrukturelles Problem der Gegenwart behandelt wurden. Zusammen mit den anderen Vorträgen der Tagung sollte der Text der nachfolgenden, von mir vorgetragenen Referate in eine Tagungsveröffentlichung eingehen [Akademie Tutzing: Tel: 08158/251-124; FAX: 08158/996424].
Diesen Referatstexten sind als Anlagen zwei Denkschriften beigefügt, die Anfang und Mitte der 90er Jahre im Zusammenhang mit überregionalen Treffen 'habilitierter Wissenschaftler in ungesicherten Verhältnissen' enstanden und für die Referatsthemen Bedeutung haben. Als TEXT 3 und TEXT 4 werden diese beiden Denkschriften hier veröffentlicht. Text 3 betrifft die Notwendigkeit, angesichts des offenkundigen, aber öffentlich und politisch kaum bemerkten Mangels an empirischem Wissen über den beruflichen Verbleib nicht in wissenschaftliche Dauerstellungen berufener Habilitierter (und ähnlich Hochqualifizierter) Genaueres über deren Zahl, Lebensverhältnisse und gesellschaftlich-produktive berufliche Verwendung oder Nicht-Verwendung zu erfahren Text 4 versucht angesichts der Überforderung der Universitäten mit dem Problem, den gesamten von ihnen erzeugten hochqualifizierten und -spezialisierten Wissenschaftkernachwuchs auf ihren eigenen Campi unterzubringen, das Modell eines außeruniversitären Bund-Länder-Systems für 'dynamischen Wissenschaftstransfer' zu durchdenken. Beide Texte haben bisher bemerkenswert wenig Resonanz bei vielen der angesprochenen wissenschaftspolitisch verantwortlichen Institutionen des Bundes und/oder der Länder (mit Ausnahme der Ministerpräsidenten von Bayern und Sachsen) gefunden, obwohl ihre Anliegen mit Bedacht und Sorgfalt formuliert sind und prinzipiell weit über den Kreis der hier speziell angesprochenen, betroffenen 'habilitierten' Wissenschaftler hinausgehen.
TEXT 5 faßt Gedanken zusammen, die erstmalig im Rahmen eines Referats auf einer Tagung des DGB und des SPD-Wissenschaftsforums in Berlin zum Thema "Ingenieure und Akademiker in der Krise. Qualifikationen auf dem Abstellgleis?" vorgetragen wurden. Sie befassen sich teilweise mit einem ähnlichen Thema wie TEXT 1 und TEXT 2, versuchen aber darüber hinausgehend, auch solche größeren Rahmenbedingungen der gegenwärtigen Mißstände zu skizzieren, deren Gestaltung politische Alternativkonzepte notwendig mitzubedenken hätten. Die Beiträge zur Tagung sollten in einer schriftlichen Tagungsveröffentlichung zusammengefaßt werden, über deren Erscheinen oder Nicht-Erscheinen evtl. Genaueres unter der Tel.-Nr.: 0211/4301345 (DGB) zu erfahren ist .
Text 6 betriftt die Frage, wie die Formel vom sog. 'nebenberuflichen' Hochschullehrer, als welche Privatdozenten und außerplanmäßige Professoren seit den 90er Jahren hochschulgesetzlich beschrieben zu werden pflegen, auf dem Hintergrund der verfassungsrechtlichen Garantie der Berufswahl und -ausübung (Art. 12 GG) zu verfasssungsrechtlich angemessen asuzulegen ist und in warum Privatdozentur und außerplanmäßige Professur ferner als wesentliche Elemente einer - auch in nicht-verbeamteter Form grundgesetzlich garantierten - Wissenschaftsfreiheit (Art. 5, Abs. 3 GG) gesetzgeberisch und verwaltunsgpraktisch respektieren werden müssen.
Text 7 behandelt die bei einem Überangebot hervorragender Wissenschaftler aller Art für die Besetzung von Hochschullehrerstellen auch praktisch besonders wichtige Frage nach der Denkbarkeit eines Verfahren, bei dem die zahlreichen in der Praxis zu beobachtenden Momente der Protektion und Mauchelei, die bei Stellenbesetzungen in allen Stadien - von der Ausschreibung bis zur ministeriellen Entscheidung - eine Rolle spielen können und offenkundig häufiger auch spielen, optimal zu reduzieren sind. Dabei sind viele konstruktive Ideen zusammengefaßt, die aber bisher kaum öffentliche Resonanz gefunden haben.
In Text 8, einem ausgearbeiteten Beitrag für eine Diskussionsveranstaltung im Rahmen eines 'ZEIT-Chancen-Dialogs' im Jan. 2005 werden die durch die 5. Hochschulrahmenrechtsnovelle (2002) und das sie teilweise außer Kraft setzende Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 27. Juli 2004 aufgenworfenen Fragen nach dem kübftigen Verhältnis 'alter und neuer Wege zur Professur', angesprochen.
Text 9 macht angesichts der Ergebnisse der Bundestagswahl 2005 die politische und mediale Vernachlässigung des Problems einer gesellschaftlichen Verschleuderung wissenschaftlicher Produktivität, als deren Teilaspekt eine weitverbreitete Stellungs- und Einkommenlosigkeit selbst habilitierter Wissenschaftler wahrgenommen und statistisch erfaßt werden sollte, zum Thema.
Christian Gizewski., im Okt. 2005.
TEXT_1: Probleme einer 'qualifizierten Wissenschaftlerarbeitslosigkeit': das Bemühen der 'Betroffenen' und die Ergebnisse der Selbstorganisation. :
TEXT_2: Für ein bundesweites Informationssystem für wissenschaftliche Hochqualifikationen.
TEXT_3: Vorlage zum 2. Deutschland-Treffen der Wissenschaftler mit Hochschullehrerqualifikation (Berlin 2. - 4. Okt. 1992). "Grundüberlegungen für eine empirische Studie zur Situation der Wissenschaftler mit Hochschullehrequalifikation in sozial ungesicherten, wissenschaflich unbefriedigenden oder rechtlich unakzeptablen Verhältnissen im Osten und Westen des Bundesgebiets". :
TEXT_4: Zur Notwendigkeit eines "tertiären Wissenschaftssystems": Hochdynamische Innovationsgruppen in Organisation und bundesweiter Vernetzung durch "Landeszentren für dynamischen Wisssenschaftstransfer". Denkschrift von B. Heimrich und C. Gizewski (1994).:
TEXT_5: Akademiker-Arbeitslosigkeit und ihre Perspektiven. Gedankenskizze zu den größeren Rahmenbedingungen eines gesellschaftlichen Mißstandes.
TEXT 6: Der sogenannte "nebenberufliche" Hochschullehrer. Eine vermiedene, aber nötige Kontroverse.
TEXT 7: Reformvorschlag zur grundgesetzgemäßen rechtlichen Regelung der Bewerberauswahl bei der Besetzung von Stellen im Hochschulbereich.
TEXT 8: Probleme alter und neuer Wege zur Professur. Nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur 5. Hochschulrahmenrechtsnovelle vom 27. Juli 2004.
TEXT 9: Zur Stellungs- und Einkommenlosigkeit habilitierter Wissenschaftler.Was ist aus Sicht tausender höchstqualifizierter, aber stellungsloser oder nicht qualifikationsangemessen eingesetzter Wissenschaftler in Deutschland an derzeitigen Leistungen oder Unterlassungen der deutschen Wirtschafts- und Sozial-, Hochschul- und Wissenschaftspolitik in Bund und Ländern zu kritisieren? Fragen und Anregungen anläßlich der Bundestagswahl 2005.
1. Abteilung: Diskussionsbeiträge zur Klärung der Frage: Wer ist eigentlich für den derzeitigen Hochschulrahmenrechts-Gesetzentwurf der Bundesregierung und warum? [Diese Beitäge betreffen die Diskussion um das Hochschulrahmenrechtsgesetz des Bundes vom 19. Jan. 1999 i. d. F. v. 16. Febr. 2002, das zwar durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 27. Juli 2004 in vollem Umfang für nichtig erklärt wurde, dessen Grundgedanken aber nach wie vor in der Hochschulgesetzgebung einiger Länder eine wichtige Rolle spielen.]
2. Abteilung: Diskussionsbeiträge, auch anläßlich der Bundestagswahl im September 2005, zur Frage: Wo genau liegen gewichtige Versäumnisse der Hochschul- und Wissenschaftspolitik der Universitäten und Wissenschaftsorganisationen, der Parteien, der Landesregierungen und der Bundesregierung gegenüber den Problemen tausender stellungsloser höchstqualifizierter Wissenschaftler in Deutschland? Was können angesichts dessen die Betroffenen politisch fordern und selbst tun?
Redaktionelle Verantwortung für diese Zusammenstellung: Christian Gizewski ( Christian. Gizewski@tu-berlin.de ).