Schrift, Sprache und Denken

ohne

unzulässige oder unsinnige Sprachregelungen.

ABTEILUNG II:

FÜR DIE BEWAHRUNG UND PRAKTISCHE FORTENTWICKLUNG DES KULTURELLEN ERBES UND EIGENWERTES DER DEUTSCHEN SPRACHE. Aktionen, Materialien, Beiträge.

Zur Einstimmung in die Problematik: Ein Reformvorschlag auch für die gesprochene deutsche Sprache - '"redesign Deutschland : "noetig empfinden veränderungs", Süddeutsche Zeitung, 12. Oktober 2001 .

Zur Veranschaulichung und Analyse des Alltags-'Denglischen': Ein 'Anruf aus Australien' bei einer Hamburger Werbefirma. Quelle: Radio PSR (Sachsen) - Sinnlos-Telephon, im April 2003 (MP3-Datei).

1. Einrichtungen mit dem besonderen Ziel der Bewahrung und praktischen Fortentwicklung der deutschen Sprache.

Es gibt eine größere Zahl teilweise bedeutender Inststitutionen, die sich professionell mit Angelegenheiten der deutschen Sprache befassen. Über sie gibt für die letzten Jahre etwa das von der "Gesellschaft für deutsche Sprache“ (GfdS) und dem "Institut für Deutsche Sprache“ (IDS) herausgegebene Handbuch "Förderung der Sprachkultur in Deutschland. Sprachvereine im deutschen Sprachraum" (1999) - allerdings nicht ganz vollständige - Auskunft (dazu Kritk von M. Riebe). An dieser Stelle sollen nur solche Einrichtungen benannt und in ihrem häufiger übersehenen und mehr oder weniger künstlich mißverstandenen Wert hervorgehobenen werden, die sich in einem sprachkritischen, sprachpflegerischen und/oder sprachpolitischen Sinne wenigstens einer der folgenden Aufgaben widmen:

I. Kritik demokratiefeindlicher Tendenzen medialer Sprach- und Begriffsmanipulation, wie sie heute immer wieder und zunehmend lästig für die Allgemeinheit in der öffentlichen Meinungsbildung der Medien hervortritt.

II. Offenlegung und Bekämpfung gegenwärtig weit verbreiteter Tendenzen zu einer die deutsche Sprache betreffenden allgemeinsprachlichen Desintegration, Traditions- und Kulturlosigkeit, wie sie vor allem in einer sprachlich-sachlich unnötigen, dem Großteil der Bevölkerung unverständlichen Verwendung fremdsprachiger Spracheinschübe ('Anglizismen') bei der Beschreibung von Angelegenheiten des täglichen Lebens oder in wissenschaftlichen, technischen und sonst kulturellen Äußerungen für den Inlandsgebrauch hervortritt.

III. Kritik und Abwehr verschiedenartiger Tendenzen zu unbegründetem Sprachgehorsam - so etwa gegenüber der staatlich oktroyierten Veränderungen der deutschen Schriftsprache durch die nach Überzeugung vieler illegitime 'Rechtschreibreform' (dazu auch: Abt. I dieser Aktionsseite) oder gegenüber amtlichen und medialen Sprachregelungen.

2. Zum gegenwärtigen Zustand und zur künftigen Entwicklung der deutschen Sprache.

    Ein in einigen Zügen anders konzipierter Entwurf ist in der Regionalgruppe Berlin des V[W]DS ausgearbeitet, aber noch nicht veröffentlicht worden. Er kann unter der Adresse (KGawlitta@aol.com) angefordert werden.

3. Zur Notwendigkeit der Selbstbehauptung des Deutschen als Wissenschaftssprache.

Zur Nowendigkeit der durchgängigen Beibehaltung des Deutschen als Wissenschaftssprache im deutschen Sprachraum; gegen die unangemessene Ersetzung des Deutschen als Wissenschaftssprache durch das Englische: Konrad Ehlich, Deutsch als Wissenschaftssprache für das 21. Jahrhundert. Internetpublikation.

Zur Notwendigkeit des Deuschen auch als Sprache der Naturwissenschaften in Deutschland. Hermann H. Dieter, Warum eine Wissenschaftssprache Deutsch? Die lingua franca Englisch 'befreit' die Wissenschaft aus ihrer gesellschaftlichen Verantwortung.

4. Zur Gefahr selektiver und verdrängendet Wirkungen sog. 'europäischer Arbeitsprachen'.

Thesen zur Tagung 'Bildung und Kommunikation in und für Europa' am 9. 11. 2001. Christian Gizewski, Rechtliche Bedenken gegen problematische Formen einer 'europäischen Arbeitssprache'.

Beginn einer unguten Entwicklung?: FICPI-Resolution für die Beibehaltung der Mehrsprachigkeit bei 'Europäischen Patentschriften' (Sept. 2001).

5. Aktionsbeispiele.

a) Initiative für die deutsche Sprache.

Im Rahmen dieser zwar organisatorisch derzeit abgeschlossenen, aber dennoch in der öffentlichen Diskussion eines 'Sprachschutzrechts' fortwirkenden Initiative hat im Febr. 2001 der damalige Berliner Innensenator Werthebach (s. u. zu P. 2) bei seiner Behörde ein Diskussionsforum eröffnen lassen (http://www.berlin.de/home/Land/Redaktion/Sprache ). Dort wurde nach Abschluß der Diskussion folgendes mitgeteilt:"Seit dem 15. Februar 2001 hatten interessierte Bürger die Gelegenheit, zum Thema "Nur wer seine Muttersprache schätzt und pflegt, kann den kulturellen Wert auch anderer Sprachen ermessen" im Internet zu diskutieren. Im Forum konnte auch über dieFrage "Sind Sie der Meinung, dass wir die deutsche Sprache mehr schützen und fördern sollten?“ abgestimmt werden. An der Abstimmung beteiligten sich über 2.000 Bürger. Davon äußerten sich mit geringen Schwankungen durchgehend über dengesamten Zeitraum mehr als 70 % zustimmend und weniger als 30 % ablehnend (Stand: Freitag, 16. März 2001, 17.30 Uhr: 2021Stimmen; davon Ja: 1486 = 74 %, Nein: 535 = 26 %). Daneben gingen über 300 Internetzuschriften zum Thema ein. Diese werden noch einige Zeit als Dokument im Internet zugänglichbleiben und nach Abschluss des Forums von der Innenverwaltung ausgewertet werden."

b) Für die Erhaltung der Wissenschaftssprache Deutsch.

Ein gemeinsamer Appell zahlreicher Professoren an die für politisch-administrative Angelegenheiten der Wissenschaft zuständigen Ministerien in der Bundesrepublik und zahlreiche Institutionen der außerhochschulischen Forschung, der Wissenschaftsförderung und der Wissenschaftspublizistik vom 24. Juli 2001 findet sich auf der WWW-Seite des V[W]DS unter der URL-Adresse http://vds-ev.de/.(> Forum / > Aktuelles; Stand 1. Aug. 2001). Erstunterzeichner des Briefes: Fritz Vilmar, Prof. em.; Dr. sc. pol., Soziologe, Freie Universität Berlin, Hermann H. Dieter, Privatdozent, Dr. rer. nat., Toxikologe, Direktor und Professor, Umweltbundesamt Berlin, Udo Ernst Simonis, Prof. Dr. sc, pol., Professor für Umweltpolitik, Wissenschaftszentrum Berlin.

c) Gegen vorgeschriebenen Fremdsprachgebrauch am Arbeitsplatz.

Klage gegen die betriebliche Verpflichtung eines Arbeitnehmers (hier der 'Lufthansa Technik AG') auf einen bestimmten (hier englischsprachigen) Sprachgebrauch vor dem Arbeitsgericht Frankfurt M. (Az. 14 Ca 4204/98).

Das arbeitsgerichtliche Urteil wurde mittlerweile durch das zuständige Landesarbeitsgericht (Az. 3 Sa 1442/99) bestätigt. Bedauerlicherweise hat der Kläger offenbar weder in seiner Klage und noch in seiner Berufung die verfassungsrechtliche Grundlage für eine Zuständigkeit des Arbeitgebers zu einer umfassenden Sprachregelung innerbetrieblicher Art, die ausdrücklich oder faktisch die Verwendung einer anderen als der allgemeinen Amts- und Umgangssprache des Niederlassungslandes der Firma vorsehen, in Frage gestellt.Vor allem deswegen, so scheint es, enthalten weder das Urteil des Arbeitsgerichts noch das des Landesarbeitsgereichts dazu irgendwelche Ausführungen. Da dem Kläger dem Vernehmen nach die Gerichts- und Anwaltskosten für den Fall eines Weiterverfolgens dieser faktischen Popularklage erhebliche Sorgen bereiteten, kann das rechtskräftig gewordene Prozeßergebnis in keiner Weise als inhaltlich-sachlicher Abschluß der Diskussion über die in diesem Fall aufgeworfenen Rechtsfrage nach den verfassungsmäßigen Grenzen innerbetrieblicher Sprachregelungen sein.

d) Für den uneingeschränkten Gebrauch aller nationaler Sprachen des europäischen Bereichs als Amts- und Verkehrssprachen im Umgang von Bürgern mit Institutionen und Behörden der 'Europäischen Union'.

Berechtigte Einwände gegen die Begrenzung des Kreises der europäischen Amtssprachen und ein bedenklich stimmendes Urteil des Europöäischen Gerichtshofes zu dieser Frage (Urteil vom 12. Juli 2001, T-120/99 in der Sache Rechtsanwältin Kik ./: Europäisches Markenamt in Alicante).

6. Informationen zu ausländischen Sprachschutzgesetzen aus jüngster Zeit:

c) Das Spannungsverhältnis zwischen gerechtfertigtem Schutz einer Nationalsprache und gerechtfertigtem sprachlichem Minderheitenschutz macht dagegen das kürzlich ergänzte Sprachgesetz Lettlands deutlich. Nach Angaben von 'dsw' (http://www.deutsche-sprachwelt.de/) am 09. 09. 2000 hat die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) neue gesetzliche Regelungen in Lettland über die lettische Amts- und Landessprache gutgeheißen. Die neuen Regeln hätten das richtige Gleichgewicht zwischen der Stärkung der lettischen Sprache und dem Schutz der Volksminderheiten gefunden, hieß es. Nach der Unabhängigkeit Lettlands 1991 war Lettisch zur alleinigen Amtssprache erklärt worden. Die russische Minderheit (40 Prozent der Bevölkerung) hatte daraufhin bemängelt, das Gesetz benachteilige sie. Die neue gesetzliche Regelung stellt nunmehr klar, daß lediglich öffentliche Angestellte Mindestsprachkenntnisse im Lettischen haben und daß staatlich bezuschußte Veranstaltungen in lettischer Sprache abgehalten werden müssen.

7. Forum zur Abteilung II.

Hier werden interessante Leserrekationen oder kurze Kontroversen zu Fragen der Wahrung und Pflege der deutschen Sprache wiedergegeben. Es können sich auch konträre Auffassungen zu den vom Hg. bezogenen Positionen zu Wort melden. Sie sollten allerdings internetangemessen kurz gefaßt, strikt themenbezogen und nicht nur von kurzfristigem Interesse sein. Die Beiträge sind in numerierten thematischen Komplexen angeordnet. Die jüngeren stehen räumlich über den älteren.

Verantwortlich für die redaktionelle Gestaltung aller Mitteilungen im Rahmen der WWW-Seite [http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW]: C. Gizewski, EP:christian.gizewski@tu-berlin.de