Werner Voigt, Zur Zukunft des Deutschen und anderer Sprachen in Europa.

Der folgende Beitrag ist entnommen aus: WWW-Veröffentlichungen der 'Wortbasar'- Arbeitsgruppe (s. u. Nr. 1) - vom 7. 3. 2000:[http://wortbasar.ffii.org/logsys/wvoigt/]. Er wird - in der Voraussetzung allseitigen Einverständnisses - auch hier veröffentlicht, um dem umfassend informativen, mit umfangreicher aktueller Literatur belegten Inhalt im Interesse der Sache eine möglichst weite Verbreitung zu verschaffen. D. Hg.


I look forward to the day when I go to France and do not have to speak French

U. VEIGEL, Leiter der Agentur Bates, Berlin

small business - mein business (Anzeige IBM)

Niederpreising (wohl statt Low/Down Pricing, Anzeige einer privaten Telefongesellschaft)

The prospects of European languages, especially German, justly causeanxiety. Powerful media, advertising circles and enterprises are prepared to abandon entire sectors of life to a English-German Pidgin or even English - in the name of globalization or Europe. The motives are to be seen in the wish to economize, often however only to show off - even at the price of creating communication barriers. In contrast to earlier borrowing (a most common feature in linguistic history) the national languages could be so undermined as to lose their cultural status. The educational systems, are at stake as far as they are based on the national languages. Together with the decline of basic linguistic skills of pupils and students a new analphabetism is emerging. Europe's advanced integration, with its increasing communicative needs and the market without frontiers, requires more widespread knowledge of foreign languages - for average citizens at work. Here English is predominant. Preparing the Europeans for these tasks would be important. Real English would imply real learning. This seems to be too much to be expected from the majority. As a cheaper solution the public space in Germany has been largely invaded by a mixed, often artificial, language. For some, pidgin is but a step towards the partial introduction of English. Acceptance is expected because the younger generation usually like Anglosaxon Popular culture. Some words become real loans, others are imposed on the public and repeated until they start replacing the native words. The equation ''American English = progress'' impresses the naive comsumer. A frequently followed pattern prefers English for headlines, slogans etc., but German for the actual text. Some creations (''handy'' = cellular phone) are unknown in English-speaking countries. The surreptitious or overt ''enforcement'' of the principle ''one market - one language'' cannot be accepted. A lingua franca is useful but must not be allowed to depreciate the other languages on their own territory. Otherwise English may eventually become for us what it is already in some former British colonies, or on the Philippines. What does it mean for a society if important matters in many sectors are dealt with in a foreign language? Are we returning to the middle ages with a kind of Latin for global, abstract, important matters and a vernacular for everyday life? How can we prevent our fully developed languages from evolving back into dialects? Smaller countries often have more experience with dominant languages and generally master the situation better; however, - for historical reasons - they show more cultural self-esteem than the Germans. Europe must, in accordance with the treaties, defend her languages for the sake of democratic high-level communication and because of the values and identities linked to them - even if we know that ''identities'' are not monolithic. The instruments to be applied must not necessarily be the same as in France with her somewhat rigid policy. For what is entirely new in the European construction is that it is, unlike former attempts, not based on the subdueing of all others by the most powerful, but on equal and democratic participation. German citizens' reactions and practical steps against the anglomania are also described.

Gliederung:

Zur Einführung.
1. Sprachen in der EU.

2. Zukunft der Nationalsprachen und des Deutschen in den Mitgliedstaaten.

3. Europa mit einer Zunge?

4. Rahmenbedingungen der sprachlichen Sozialisation und des muttersprachlichen Unterrichts.

5. Merkmale der Sprache von Wirtschaft, Werbung und Medien.

6. Bereicherung? Verarmung? Manipulation?

7. Sprachlicher ''Putsch'' im öffentlichen Raum ?

8. Absinken der heutigen Landessprachen.

9. Sprachliche Folgen von Globalisierung und Fusionen in Unternehmen, Behörden und Großorganisationen.

10. Die Zukunft von Deutsch als Sprache von Wissenschaft, Technik und Bildung.

11. Reaktionen der Fachwelt.

12. Was tun in dieser Lage? Neue Initiativen.

13. Wie soll es weitergehen?

14. Ausblick: Zusammenwachsen oder Verschwinden?

15. Zusammenfassung und Thesen.

16. Literatur.

1. Zur Einführung.

In diesem Beitrag möchte ich erläutern, warum ich mir um die deutsche Sprache Sorgen mache. Grund für diese Sorgen ist erstens die Weise, in der sie sich verändert, und zweitens ihre Zukunft - falls sie eine Zukunft hat. Ich werde, vorwiegend am Beispiel des Deutschen, Fakten darstellen und Fragen aufwerfen, die nicht nur für das Deutsche von Bedeutung sind. Als Übersetzer beim Europäischen Parlament arbeite in einem vielsprachigen und multikulturellen Umfeld. Wenn ich Städte in Deutschland besuche, fällt mir mehr und mehr das rasche Ver- schwinden unserer Muttersprache im öffentlichen Raum, d.h. auf Straßen, in Einkaufszentren, in Verkehrsmitteln, auf Inschriften, Läden, Reklamen, Plakaten, Verpackungen, Ankündigungen kultureller Veranstaltungen usw. In einer Hauptstraße war einmal auf den Plakaten an vier Litfaßsäulen und zwei Wartehäuschen kein deutsches Wort mehr zu lesen. Denke ich provinziell, weil ich in meiner eigenen Heimat das Gefühl habe, vor die Tür gesetzt zu werden? Ich bitte um Verständnis, wenn es mir in diesem Beitrag nicht immer möglich ist, das Problem ausschließlich distanziert zu sehen, denn es geht dabei um einen zentralen Bereich - auch meines persönlichen Lebens.

Wenn sich Texte und Sätze wie die eingangs vorangestellten immer weiter ausbreiten, brauchen wir für das Restdeutsch (mein, und, für) von morgen keine Deutschlehrer und im Ausland keine Goetheinstitute mehr. Statt 'Hits für Kids' lieber gleich 'Hits for kids'. Das Sprachgefühl und das Selbstwertgefühl sehr vieler Menschen sind verletzt, wie auch eine Umfrage des Instituts für deutsche Sprache in Mannheim im Frühjahr 1997 ergab: 57% fanden die Entwicklung, insbesondere die übermäßige Ausbreitung von Jugendslang und Anglizismen, bedenklich oder besorgniserregend. Das Sprachgefühl ist keineswegs ein nebulöses Gebilde, sondern dient nach dem bekannten Linguisten CHOMSKY als Kriterium, anhand dessen die Sprecher mit ihrer Sprachkompetenz eine Äußerung als wohlgeformt erkennen können. Werbesprüche wie ''Wo ist das Handy most trendy?'' oder ''Eins - zwei - fly'' (Urlaubsflüge), ''We kehr for you'' (Stadtreinigung Berlin) finden manche vielleicht witzig. Allzu oft eingesetzt, untergraben solche Spielereien aber den Code der Standardsprache. Dies belegt auch D.E. ZIMMER in ''Deutsch und anders'' (1997).

Es gibt ein Dilemma. Einerseits beruht Sprache auf festen Strukturen und darauf, daß bekannte Elemente immer wieder zu neuen Inhalten und Schöpfungen kombiniert werden. Der Sprach- und Grammatikcode ist als hochkomplexes System tief in unseren Denkapparat eingespeichert; er ist wichtiger Teil der Identität und gewährleistet die Kommunikation. Andererseits läßt auch in der Sprache die Aufmerksamkeit gegenüber Bekanntem leicht nach. Jede(r) von uns kann bereits durch Synonyme, Metaphern und Redensarten usw. Abwechslung in seine Äußerungen bringen. Gerade Jugendliche, Journalisten, Literaten, Werbetexter wollen durch Abweichungen vom Gewohnten die Aufmerksamkeit ihrer Mitmenschen gewinnen. Nicht selten wird Faszination, Komik oder Schock angestrebt. Wie geht man mit den Mitteln des Ausdrucks einfallsreich um, ohne gekünstelt, lächerlich (außer wo dies Absicht ist) oder unverständlich zu wirken, also ohne die sprachliche Basis zu zerstören, auf der wir uns bewegen? Spielerische Regelverstöße behalten ihren Sinn nur, solange eine Norm anerkannt ist.

Heute aber haben sich einige ''Kreative'' offensichtlich vorgenommen, diese Norm aufzulösen und an die Stelle der deutschen Sprache ein beliebig formbares postmodernes Kommunikationssystem zu setzen, dessen Hauptzweck es ist, im Rahmen einheitlicher weltweiter und europäischer Marktstrategien, das bisherige Deutsch an die Leitsprache Englisch anzunähern und die Verbraucher an solche Gegebenheiten anzupassen. Beruhten Entlehnungen früher immerhin oft auf Begegnungen zwischen Sprechern benachbarter Sprachen, so halten sich Werber, Vertreter der Wirtschaft, Meinungsführer und Journalisten heute für berechtigt, der tatsächlichen Entwicklung in vorauseilendem Eifer - andere würden sagen: Gehorsam - vorzugreifen.

Heraus kommt ein mißgestalteter Wechselbalg. Läßt sich eine Analogie erkennen zwischen dem Frevel an der Sprache und dem Herummanipulieren am Erbgut der Pflanzen und Tiere, zwischen dem Einbau von Genen einer Spinne in das Erbgut einer Ziege, dem Kombinieren des Erbguts von Maus und Elefant? Sind hier Sprach-Frankensteins am Werk? Mit dem amerikanischen Philosophen und Soziologen Charles TAYLOR, der zerstörerische von wertvollen Formen des Multikulturalismus unterscheidet, sollten wir den Mut haben, auf die Folgen des Treibens hinzuweisen.

Bisher schienen große Teile der Sprache wesentlich dauerhafter zu sein als Gebäude, Moden oder die vom Menschen geprägte Kulturlandschaft: jetzt geht es auch ihnen an den Kragen. Wir wissen wir ja, daß Sprache veränderbar
ist. Heute geben (jedenfalls sprachlich) inkompetente Neuerer in Bereichen, in denen sich nicht alles radikal ändert, bewährte Wörter, die generationenlang ihre Aufgabe erfüllt haben, ebenso leicht auf wie die Hutmode vom vorigen Frühling oder ein überholtes EDV-Programm. Kann es aber einer Gesellschaft gut bekommen, wenn sogar bisher denotativ stabile Wortschatzanteile rücksichtslos der Mode geopfert werden? Wenn in wenigen Jahren mehr Wörter, vor allem des Grund- und Alltagswortschatzes, ausgewechselt oder destabilisiert werden als sonst in Jahrzehnten oder Jahrhunderten? Der beschleunigte gesellschaftliche und technische Wandel kann nicht als Rechtfertigung für alles dienen. In einer kontinuierlich funktionierenden Sprache kommen zu vorhandenen Bedeutungen eines Wortes organisch neue hinzu. Bei Bedarf werden durch Wortbildungselemente verschiedenster Art Ableitungen und Zusammensetzungen geschaffen.

Die Anglizismen und das Problem des Übergehens ganzer Bereiche zum Englischen haben die Öffentlichkeit im deutschen Sprachgebiet lange nur wenig beschäftigt. Für Aufregung und verbissene Debatten sorgte hingegen die Rechtschreibreform. Erst seit einiger Zeit kommt eine Auseinandersetzung darüber in Gang, daß Wörter mit rasender Geschwindigkeit verdrängt werden. Heute werden Wörter nicht nur auf natürlichem Wege, d.h. durch den allzeit wirkenden Sprachwandel und Generationswechsel, ungebräuchlich, vielmehr werden uns Wörter durch ungebetene ''Modernisierer'' in Medien und Werbung weggenommen. Gegenwärtig tun einige Werbestrategen, die sich für kreativ halten, und Medienjournalisten alles, um auch dort, wo das Deutsche gute Wörter besitzt, sozusagen systematisch gnadenlos ein Wort nach dem anderen zu ersetzen (oder unverständliche Wortschöpfungen einzuführen). ''Gibt die deutsche Sprache im Modernisierungsfieber ihren Geist auf?'' fragt D.E. ZIMMER a.a.O. (Umschlagtext). Denn für Leute, die ihre Vorbilder und Bezugspunkte nur noch außerhalb unseres Sprachgebietes sehen, ist der Modernisierungsbedarf eigentlich unbeschränkt. Unsere Sprache wird insgesamt kurzerhand für altbacken erklärt. Wer von uns hat denn dazu seine Zustimmung gegeben? Vielfach ist es aber der Mangel an originellen Ideen, echten Innovationen und kulturellen Schöpfungen, den verbale Neuschöpfungen oder Seifenblasen vergessen machen sollen.

Einerseits bin ich offen für fremde Kultureinflüsse und Sprachen. Schließlich komme ich aus Hamburg, der ''englischsten'' Stadt Deutschlands, und setze mich seit Jahren privat und im Beruf für internationale Zusammenarbeit ein. Andererseits wird man mir abnehmen, daß ich meine Muttersprache nicht nur schätze, sondern daß sie für mich ein unverzichtbares Mittel ist, mich im Leben zurechtzufinden. Hollywoodfilme anzusehen oder Baseballkappen zu tragen, ist daher weniger dramatisch, als nach und nach seine Sprache aufzugeben.

Dabei geht es nicht darum, nützliche Fremdwörter - wie Bypass, Stuntman, Dumping, Trend, Smalltalk oder den schon älteren Snob - wieder zu vertreiben, also nicht um übertriebene Deutschtümelei. Niemand wendet sich gegen ihren maßvollen, gut zu begründenden Gebrauch. Denn viele Fremdwörter wurden bei uns heimisch. Ohne den gemeinsamen Bestand an griechischen, lateinischen und französischen Wörtern wäre die Verständigung unter Europäern und weltweit schwieriger. Immer wieder sollen wir uns an den weisen Ausspruch GOETHEs erinnern: ''Die Gewalt einer Sprache ist nicht, daß sie das Fremde abweist, sondern daß sie es verschlingt [gemeint ist: assimiliert, verarbeitet, sich seiner bemächtigt, sich zu eigen macht]''. Daran fehlt es heute oft ganz entschieden. Eine Prüfung, Sichtung, Abwägung unterbleibt. Obwohl nicht immer einfach, muß eine Unterscheidung getroffen werden zwischen Übernahmen, die bereichern oder eine Nische füllen, und sogenannten Luxusentlehnungen, die nur Mittel einer Minderheit sind, um ihre kritiklose Bevorzugung einer für überlegen gehaltenen Kultur auszudrücken oder um gleichgesinnte, oft wenig gebildete Kunden anzulocken. Letzteres führt zu einem immer hastigeren Ausverkauf der Sprache. Der Sprachwissenschaftler K. HELLER gab am 24.6.1996 in einem Vortrag zu bedenken, daß ''sich schwächere Kulturen im Wortschatz bei stärkeren Kulturen bedienen''. Diese Schwäche hat mit dem Abstieg der deutschen Kultur in der Nazizeit und dem beschädigten Selbstbewußtsein nach 1945 zu tun, aber auch unabhängig davon läßt sich ein offenbar tiefer Zweifel am Selbstwert auch da beobachten, wo er gar nicht berechtigt wäre. So werden die eigene Forschung, die eigenen Hochschulen schlecht geredet, bis endlich alle überzeugt sind, daß nur noch ein radikaler Umbau nach transatlantischem Vorbild hilft.

Neue Moden und Techniken (zuletzt beim PC) haben immer auch Wörter hereingebracht. Die geringsten Einwände sollten in den Bereichen kulturelle Importe, landesspezifische Dinge, Neuheiten in der Mode, Speisen usw. erhoben werden. Fitness lassen wir gern durchgehen, weil es nicht leicht durch ein einziges Wort wiederzugeben ist. Neutrale Kunstschöpfungen wie Nylon, Butan usw. können ebenfalls sehr hilfreich sein. Aber wenn einer Sprache keine Möglichkeit mehr zugestanden wird, neue Wörter für neue Sachverhalte zu prägen, sie also immer stärker von Bereichen modernen Lebens ausgeschlossen bleibt, ist sie darauf und daran, ihre Geschmeidigkeit und Lebendigkeit zu verlieren, und wäre nicht mehr - wie bisher - eine voll ausgebildete Kultursprache. Sie wird vielmehr stark abgewertet, wenn Neues (oder vermeintlich Neues) fast NUR noch amerikanische Namen erhält, und wenn das Wichtigste auf englisch daherkommt. Viele fühlen sich ausgeschlossen ( lt. A. PROBST im ''Spiegel'' 19/1990); Verbraucherrechte sind berührt (vgl. Abschnitt 6). Aber selbst wer gut Englisch versteht, will nicht auf Kauderwelsch angesprochen werden.

So sind Wörter wie power, kid, performance überaus ambivalent, weil ihnen von einigen ein soziolinguistischer Mehrwert zugesprochen wird wie Schwung, Dynamik, Fortschritt, der - zu Recht oder nicht - mit der US-Kultur verbunden wird. Sie werden aber nicht nur benutzt, um US-spezifische Gegebenheiten zu charakterisieren. Wenn sie erfolgreich zu echten und mehr als gelegentlichen Synonymen ihrer deutschen Gegenstücke aufgebaut werden, heißt dies, ihnen zuviel Bedeutung einzuräumen und sie vorschnell zu legitimieren. Oft beginnen sie mit ihrem angeblichen Mehrwert ihre deutschen Gegenstücke zu verdrängen: Job/Arbeit, Beruf, Stelle, Aufgabe starten/beginnen, anfangen, einleiten, Airport/Flughafen, business/Geschäft. Es besteht Gefahr, daß jeder Mörder ein Killer, jeder Beruf, jede(r) Arbeit(splatz) - ob vorübergehend oder nicht, jede Aufgabe - ein Job, jeder Leibwächter ein Bodyguard, Handel/Geschäft/Tausch ein Deal, jeder Fehlschlag ein Flop, jeder Anzug oder Kittel, Kleidung allgemein ein Outfit wird. Auch eingebürgerte Fremdwörter wie Niveau möchte ich gern gegenüber Rivalen wie Level (desselben französischen Ursprungs) in Schutz nehmen: für eher denotative Teile des Wortschatzes sollte gelten, daß kein gängiges Wort ersetzt werden sollte, wenn sich am Begriff nichts oder nichts Wesentliches geändert hat.

2. Sprachen in der EU

2.1 Stellung und Zukunft der Sprachen bei den Institutionen der Europäischen Union.

Im Rahmen der europäischen Integration und Globalisierung, die teilweise gleichen wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten folgen, ergeben sich, wie zu erwarten, auch sprachliche Probleme. Mir geht es hier nicht so sehr um den Gebrauch der Amts- und Arbeitssprachen beiden europäischen Institutionen. Dort gibt es Regeln, die zwar nicht vollkommen sind, die aber - besonders beim Europäischen Parlament als Vertretung der Unionsbürger - allen Amtssprachen eine geschützte Stellung auf hohem Niveau sichern. Wie R. HOHEISEL, Sprachkoordinator für Deutsch bei der Europäischen Kommission, in einem Vortrag zutreffend sagte, meinte bei der Einführung der geltenden Verordnung Nr. 1 zur Regelung der Sprachenfrage niemand, die Sprachenfrage sei damit gelöst. Wer eine knappe und präzise Beschreibung der Rolle des Deutschen in den Organen der Europäischen Union lesen möchte, findet sie bei HOHEISEL; wer eine ausführliche Untersuchung wünscht, findet sie bei SCHLOSSMACHER (1997).

2.2 Sprachliche Charakteristika von EU-Texten, Arbeit der EU-Sprachendienste und EU-Sprachalltag.

Was die europäische Terminologie in unseren Institutionen angeht, so gibt es vielleicht einige Ausdrücke, die nicht allen gefallen oder etwas künstlich wirken. Im ganzen sind die bürokratischen Wortschöpfungen nicht schlechter als die in den Mitgliedstaaten. Schlechter Ausdruck und schlechter Satzbau sind ebenso auf nationaler wie auf europäischer Ebene zu finden. Einige Lehnübersetzungen sind nicht zu vermeiden, und sie können die Empfängersprache sogar bereichern. Dies trifft vor allem für wirklich neue Begriffe und Bedeutungen zu, doch so weit wie möglich sollten vorhandene gute Ausdrücke verwandt werden; in einigen Bereichen wie der Rechtsterminologie ist das im Zuge der Formulierung und Ausarbeitung von Legislativtexten Pflicht. Bei den EU-Institutionen sind, wie gesagt, die Amtssprachen durch ihren Status geschºtzt. Ihr tatsächlicher Gebrauch könnte besser sein, doch wird er oft von technischen Zwängen, Höflichkeit oder dem Wunsch mitbestimmt, dem Gesprächspartner zu beweisen, daß man sich in dessen Sprache gut verständigen kann, vgl. SCHLOSSMACHER. Viele Kollegen sind jedoch der Ansicht, daß wichtige Dokumente tunlichst in der Muttersprache verfaßt sein sollten, denn sonst besteht die Gefahr, daß Interferenzen aus dieser Sprache in der Zielsprache den Sinn entstellen, wenn der Text in einer nicht hundertprozentig beherrschten Sprache abgefaßt wird.

Ein lebendiger und spontaner Ausdruck und ironische Anspielungen und Metaphern lassen sich oft nur schwer und kaum ohne Verluste in die Zielsprache übertragen. Das macht EU-Texte mitunter fade und trockener als vergleichbare ''nationale''- sie müssen sich an eine kleinere gemeinsame Plattform halten. Sie ähneln dann einem formelhaften ''Kongreßenglisch'', das alles zu vermeiden trachtet, was für Nichtmuttersprachler schwierig wäre. Auf dem Deutschen Terminologentag (Köln, 25.-26. April 1998) hielt Prof. R. GOFFIN, leitender Terminologe bei der Kommission in Brüssel, ein überzeugendes Referat mit dem Titel ''Eurolekt ja - Eurojargon nein''.

Hier darf gerade mit Blick auf die kleineren Sprachen einmal auf die umfangreiche terminologische Arbeit hingewiesen werden, die ihren deutlichsten und eindrucksvollsten Niederschlag in der elektronischen Terminologiedatenbank ''Eurodicautom'' findet. Alle, aber gerade die kleinen Amtssprachen werden durch die gewissenhafte Terminologiearbeit aufgewertet und - z.T. im Gleichschritt - weiterentwickelt und erhalten Anschluß an moderne Technik- und Wissenschaftsbereiche (vgl. Abschn. 11). Bestehende Ausdrücke werden in einen elfsprachigen (demnächst noch größeren) Rahmen gestellt, und bei Bedarf werden sogar neue Bereiche erarbeitet. Dabei werden Sprachpaare wie Neugriechisch/Dänisch oder Finnisch/Portugiesisch abgedeckt, für die bisher Lexika kaum oder gar nicht, geschweige denn Fachwörterbücher zur Verfügung stehen. Würden Industrie und Handel allgemein den Wert solcher Arbeit höher schätzen, und nicht teilweise auf eigensprachliche Termini verzichten, dann würde sich dies langfristig nicht nur in weniger Mißverständnissen (=Einsparungen) im Umgang mit Partnern und Kunden, sondern auch in höheren Gewinnen ausdrücken, vgl. Akten des Deutschen Terminologietags. Das Einsparen ordentlicher sprachlicher Grundlagen in der Wirtschaft kann dagegen unerwartete Kosten nach sich ziehen (Zur Tendenz globalisierter Unternehmen, die Verwendung der Landessprachen bzw. der Muttersprachen der Mitarbeiter einzuschränken, siehe auch Abschnitt 10).

Das wirkliche Problem ist nicht in den Sitzungssälen oder Büros der EU-MitarbeiterInnen angesiedelt. Dort sorgen Sprachqualifikationen für eine recht gute Verständigung - selbst wenn für NichtmuttersprachlerInnen der Arbeitsalltag in einem vielsprachigen Büro anstrengend sein kann.Über den Heimvorteil der Muttersprachler bzw. das Opfer, das alle übrigen in den EU-Organen für das gemeinsame europäische Aufbauwerk erbringen, berichtet mit faszinierenden Einblicken M. von DONAT (in BORN-STICKEL S. 77ff.). Diesen ''Kommunikationsstreß'' lernen selbst Mitarbeiter mit guten Sprachkenntnissen, und zumal bei häufigerem Wechsel von einer in eine andere Sprache, kennen. Bei seiner Tätigkeit erlebte er ebenso Freude wie Frustration mit der Sprachenvielfalt. Einfache Lösungen - wie die Übernahme der Weltsprache als einziger Arbeitssprache - gebe es sicher, dann aber fragt er, ob Effizienz das wichtigste Kriterium für eine Gemeinschaft sei?

Der Verzicht auf Mehrsprachigkeit bei der Europäischen Zentralbank in Frankfurt mag die Arbeitsabläufe einerseits erleichtern. Doch meint Chr. HILLER in der ''Frankfurter Rundschau'' (14.4.1999), daß sich auch hier Probleme jenseits aller ''kulturpolitischen nationalen Eitelkeiten'' stellen. Während Bewerber bei der Kommission Kenntnisse ''in mindestens einer Amtssprache der EU'' nachweisen müssen, werde hier ''ausschließlich fließendes Englisch'' verlangt, und dies sei ''eine klare Benachteiligung'' der Nicht-Briten und Nicht-Iren''. Ja, das Beispiel der EZB könnte ''ein verhängnisvolles Vorbild für andere europäische Ämter sein, die nun alle Sprachen bis auf eine verdrängen könnten.''. Auch die Berichte der Institution, die zunächst nur auf Englisch zur Verfügung stünden, böten britischen und amerikanischen Agenturen einen kulturellen Heimvorteil.

Bei unseren Institutionen beobachte ich eine große Achtung vor den Kollegen und ihrer Sprache. Die Begegnung findet nicht unter den Profilierungszwängen und im künstlichen Milieu einer Sprache statt, die in Lifestylestudios entworfen wird und unter Quotenzwang steht. Die KollegInnen brauchen jedenfalls keine sprachlichen Purzelbäume zu schlagen, um beachtet zu werden.

2.3 Der Binnenmarkt und die Sprachen.

In den Unternehmen und im Dschungel der Marktkräfte (die auf vielen Gebieten eine sinnvolle Wirkung entfalten) sieht das eben anders aus. Zweifellos bringt der europaweite freie Verkehr von Waren und Dienstleistungen den UnionsbürgerInnen viele Vorteile. Der EU kommt, selbst wenn die Kulturhoheit bei den Mitgliedstaaten liegt, daher auch eine gewisse Verantwortung zu, negativen Nebenwirkungen des Binnenmarkts vorzubeugen. Wichtig sind daher nicht nur die Sprachlehr- und Sprachförderungsprogramme, die den Menschen echte Kommunikation erleichtern, sondern auch Maßnahmen, die verhindern, daß sich im Binnenmarkt sprachliche Anarchie ausbreitet. Dazu genügt es m.E. nicht, daß Stoffe mit (ggf. schädlicher) Wirkung auf die Gesundheit der Menschen und die Umwelt, wie Arzneimittel, Kosmetika, Lebensmittel, Farbstoffe und Chemikalien, oder technische und Haushaltsgeräte, nach dem Gemeinschaftsrecht nur mit Erklärungen und Gebrauchsanweisungen bzw. Angabe der Inhaltsstoffe in allen Amtssprachen in Verkehr gebracht werden dürfen (vgl. Abschnitt 6 zu rechtlichen Aspekten der Sprache von Werbung und Wirtschaft). Die Meinungsbildung in diesem Bereich ist schwierig; das Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof (Rechtssache C-385/96, ''Frankfurter Allgemeine Zeitung'', 16.7.1998) zeigt immerhin, daß er sich schon mit der sprachlichen Seite des Verbraucherschutzes beschäftigt hat.

Und was ist mit der Beurteilung des verhältnismäßig strengen französischen Gesetzes vom 4. 8. 1994, das stärker dem Schutz der Sprache als dem Schutz der Verbraucher dient? Th. BRUHA merkt dazu an, daß ''nach überwiegender Auffassung der Europarechtler sich für derart strenge Maßnahmen des Sprachenschutzes im Gemeinschaftsrecht keine Rechtfertigungsgründe finden''. Denn natürlich können die Pflicht zur Übersetzung ''fremdsprachiger Teile von Produktnamen'' und ''eingetragener Werbeslogans'' oder ''sprachliche Mehrfassungen von Verbraucherinformationen und Marketingstrategien'' zusätzliche Kosten verursachen und insofern als handelshemmend empfunden werden. Besonders Artikel 14 ist sehr streng gefaßt. Immerhin wurde das Gesetz bereits abgemildert. Ohne pedantisch jede fremdsprachige Etikettierung ohne Übersetzung (wie etwa Etiketten französischer Weine) ablehnen zu wollen, darf aber doch behauptet werden: Sowohl das Interesse zu verkaufen als auch das Interesse, die Sprache angemessen zu erhalten, ist legitim. Dieses Thema ist sehr komplex und bedarf behutsamer Behandlung. Das letzte Wort dazu kann noch nicht gesprochen sein. Vielleicht kann ein gemeinsamer Fonds von Staaten und Unternehmen oder auch die Bereitstellung der Übersetzung und Sprachberatung zu günstigen Bedingungen gerade für kleine und mittlere Unternehmen ihnen bei der ''Lokalisierung'' ihrer Produkte behilflich sein? Wohin es führt, wenn es Herstellern oder Anbietern unbeschränkt gestattet ist, sich in einer anderen als der Landessprache oder in einer bis zur Unkenntlichkeit veränderten an die Öffentlichkeit zu wenden, sehen wir in Deutschland. Manche Unternehmen, und gerade deutsche, gefallen sich in sprachlichen Tollheiten.

Sprachenregelungen, also Spielregeln für eine geordnete friedliche Koexistenz von Landessprache(n) und internationaler(en) Sprache(n), sind dringend erforderlich. Das Fehlen solcher Regeln hat den Unternehmen in der Vergangenheit zu große Spielräume für die Bezeichnung, Beschriftung und Etikettierung gelassen und dazu geführt, daß geduldet wurde, daß nicht nur Warenbezeichnungen (Markennamen sind anders zu beurteilen) des alltäglichen Bedarfs in mehreren Mitgliedstaaten nur noch auf englisch aufgedruckt wurden; z.B. wird in Belgien Schuhcreme vertrieben, die den Namen der Farbe groß auf englisch und die Gebrauchsanweisung in Kleindruck auf französisch und niederländisch enthält. Abgesehen von den Englischkenntnissen einiger KundInnen, ist zu fragen, ob dadurch die beiden großen Sprachen Belgiens nicht eine schwerwiegende Statusminderung erleiden. Diese Art der Aufmachung von Waren wird von immer mehr Unternehmen gewählt und macht Englisch an vielen Stellen zur Nr. 1; dagegen wäre die Farbangabe auf französisch, niederländisch und englisch (auch als Hilfe für die AusländerInnen im Land) ein echter Beitrag zum Binnenmarkt.

Gegen die immer stärkere Anwesenheit der Partnersprachen, auch der lingua franca, in den Mitgliedstaaten unserer Union wird niemand etwas einwenden, wenn sie im Einklang mit dem Respekt vor der ''Gastgebersprache'' steht. Anstatt den Gebrauch des Englischen rundweg zu ächten, wäre es vielleicht besser, den der Landessprache, z.B. auf Ladenschildern sicherzustellen; mehrsprachige Beschriftungen, bei denen der Landessprache in der Regel der erste Platz zusteht, wären ein echter Beitrag zum Europa der Bürger, von denen viele anderswo zu Gast oder unterwegs sind. Bisher dienen die oft falschen englischen Beschriftungen vorwiegend den Lifestylebedürfnissen. Daß an British Airways oder The Body Shop (als Name einer britischen Firma mit Filialen in vielen Ländern) niemand Anstoß nimmt, ist selbstverständlich. Auch gegen Schriftzüge Pizzeria Il Trovatore, London Pub, Bierstüberl, Parfums de Provence, Texas Jeans, Steakhaus El Toro und dergleichen ist nichts einzuwenden, mehr schon gegen Food, Men's Wear, Toys, Kids' Corner, Ice Cream, The Winery, Books (oder sogar Boox~), Car Wash.

Die Lösung von Sprachproblemen im vereinten Europa und insbesondere in Euroregionen (oder Euregios) beiderseits von Binnengrenzen sind Thema der Arbeit von A. GELLERT-NOVAK (1993) über ''Europäische Sprachenpolitik und Euroregionen''. Im Vorwort werden ernstzunehmende Fragen aufgeworfen: Der Binnenmarkt ist verwirklicht. Wirtschaftliche Hindernisse sollten... abgebaut sein. Und die kulturellen und sprachlichen Hindernisse? Wurden sie auch beseitigt? Und wie? (...) Jetzt geht es darum, inwieweit Englisch als internationale Verständigungssprache die anderen Sprachen bereits verdrängt hat, gerade verdrängt oder verdrängen wird, inwieweit das toleriert werden kann oder etwas dagegen unternommen werden kann und muß. Nach Untersuchungen nimmt die Verwendung von Englisch in vielen Bereichen zu: Wissenschaften, internationalen Organisationen wie die EG (HASELHUBER (1991), GEHNEN (1991)) oder in mehrsprachigen Staaten (DÜRR-MÜLLER (1991)). Sind die Lösungsvorschläge von Sprachdidaktikern, Wissenschaftlern für ein plurilinguales Europa nur Theorie? Gibt es auch Bereiche - z.B in den Grenzregionen und an den Ostgrenzen (zu den Beitrittsländern), in denen sich andere Sprachen, wie etwa Deutsch, behaupten können? An den Westgrenzen wird bisher (S. 142) vor allem Deutsch und die Sprache der Nachbarn, kaum Englisch, benutzt, an den Ostgrenzen weniger Deutsch als erwartet, kaum die Partnersprachen, dagegen vor allem von Osten aus mehr Englisch. Während sich Sprecher kleinerer Sprachen fast damit abgefunden haben, daß sie, um verstanden zu werden, eine andere als ihre Muttersprache sprechen müssen, sind Sprecher von Sprachen, die vor kurzem noch Weltsprachen waren, verärgert, wenn man sie in ihrer Muttersprache nicht mehr versteht. Die untersuchte Sprachenpolitik umfaßt EG-Programme, Bildungs- und Minderheitenpolitik, die Sprachenwahl zwischenstaatlicher und öffentlicher Gremien, besonders auch der Gremien in den Euroregionen, offizielle Sprachenregelungen und die alltägliche Realität in europäischen Organisationen. Einer der Befunde aus den Grenzregionen ist, daß es oft nicht fehlende Fremdsprachenkenntnisse sind, sondern ''falsche Freunde'' (unerwartete Bedeutungsunterschiede aufgrund
abweichender Rechts- und Verwaltungssysteme), welche die Verständigung erschweren.

3. Zukunft der Nationalsprachen und des Deutschen in den Mitgliedstaaten.

Dafür, daß am 26. November 1998 von der Generaldirektion VII des Europäischen Parlaments ein Seminar ''Multilingualism - Bridge or Barrier?'' veranstaltet wurde, bei dem auch die Sorgen über die Zukunft unserer europäischen Sprachen vorgetragen werden konnten, bin ich besonders dankbar.Übrigens stellte während der Konferenz über eine künftige Sprachpolitik, die von der Nederlandse Taalunie mit Unterstützung der EU im März 1999 in Brüssel veranstaltet wurde, DE SWAAN (Amsterdam) fest, daß das sprachliche Schicksal eines integrierten Europa im Gegensatz zu seinen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Aspekten bisher wenig erörtert worden sei. Das betrifft weniger die verdienstvollen Bestrebungen der EU, Fremdsprachenkenntnisse zu fördern, sondern den sprachlichen Status quo im EU-Europa. Wer diesen antastet, muß mit heftigen Reaktionen rechnen. An dem schwierigen Thema möchte sich keiner die Finger verbrennen.

Theoretisch könnte jemand gegenüber allen besorgten Fragen nach der Zukunft der Landessprachen einwenden, sie seien ja im Vertrag von Amsterdam durch Artikel 128 und 126 geschützt. Helmut SCHMIDT, langjähriger deutscher Bundeskanzler, erklärte in einer Ansprache 1999:

Hoffentlich behält R. HOHEISEL a.a.O. recht, wenn er es

Die Verantwortung für die Zukunft der Sprachen der EU-Mitgliedstaaten liegt im allgemeinsten Sinne natürlich bei jeder Bürgerin und jedem Bürger als SprecherIn ihrer bzw. seiner Muttersprache, in kulturpolitischer Beziehung in erster Linie bei den einzelnen Mitgliedstaaten. Die Zukunft unserer Sprache(n) entscheidet sich aber weniger in den Ministerien, Schulen und Universitäten unseres eigenen Landes (jedenfalls wenn diese sich weiter so verhalten wie bisher), sondern dort, wo produziert, geworben, verkauft und gekauft und vor allem Geld verdient wird: in den Führungsetagen und Büros der Unternehmen, in den Einkaufsstraßen und Fußgängerzonen, an den Tankstellen und auf den Bahnhöfen. Und hier allerdings steht es in den deutschsprachigen Ländern nicht gut um die Zukunft der Landessprache.

Welche Besonderheiten kennzeichnen nun die heutige Lage? Der Druck auf die Landessprachen zeigt sich in mehrfacher Hinsicht. Es werden nicht nur, wie immer in der Geschichte, (1) Fremdwörter zur Deckung lexikalischer Bedürfnisse übernommen und oft voll integriert, sondern es kommt zu zu einer in diesem Umfang in Friedenszeiten bislang kaum gekannten wechselseitigen Durchdringung (2) (''Kontamination, Pidginisierung'') von Sprachen. Wegen räumlichen Zusammenrückens der Sprachgebiete durch kürzere Reisezeiten, den enormen Ausbau der Telekommunikation und die schrankenlosen Märkte werden lexikalische Anleihen nicht mehr, wie früher üblich, lautlich und morphologisch assimiliert. Dabei geht vom Englischen - genauer gesagt oft nur seinen unqualifizierten Verbreitern - ein starker Druck auf alle anderen Sprachen aus. Dessen Kennzeichen ist das oft wahllose Mischen im Wortschatz und selbst in den Satzstrukturen ohne rechtes Motiv, sei es um zu prahlen, positive Assoziationen an eine Vorbildkultur zu erzeugen. Dieses Verhalten kann die Landessprache schwer beeinträchtigen. Es kommt dann leicht (3) zum Verlust ganzer zukunftsträchtiger Lebens- und Wirtschaftsbereiche an die dominierende Sprache. Verliert eine Kultursprache erst einmal wichtige Bereiche und die Fähigkeit zur Neuprägung, weil ganze Fachsprachen aufgegeben werden, dann lauert am Horizont sogar die Frage, ob denn diese in die Defensive gedrängte Sprache eine echte Überlebensschance hat oder ob Teile der Gesellschaft (4) zur Aufgabe bereit sind.

Die pseudoenglischen Wörter, die oft neue Bedeutungen annehmen oder Neuschöpfungen sind, dienen häufig weder der Verständigung mit den angelsächsischen Ländern noch der Völkerverständigung im allgemeinen. Engländer und Amerikaner sind oftmals angewidert von der würdelosen Anbiederung: so schreibt A. GIMSON im ''Daily Telegraph'' vom 26.2.1999 über seine Enttäuschung, weil alle, selbst die Stadtverwaltung, Englisch mit ihm sprechen wollten:

[? ....?; Korruptel; d. Hg.] hansa). Zum Teil wird ein Hin- und Herspringen zwischen den Sprachen zur Mode, und es breiten sich immer mehr Wörter aus wie Backshop statt Bäckerei. Durchaus aufgeweckte Bekannte hielten es zuerst für einen ''Laden weiter hinten im Hof'' - man denke nur an Back Office. Hier war kein Gleichklang beabsichtigt; wenn eine Vermieter von Fernsehgeräten seinen Laden Mieting Point nennt, werden wie in kehr/care verwirrende Codesprünge ausgelöst.

Ein amerikanischer Sprachwissenschaftler wollte meine Sorgen zerstreuen und empfahl mir, das Beispiel des Englischen im Mittelalter zu betrachten; dessen Erbwortschatz wurde großenteils durch französische und lateinische Wörter ausgewechselt. Selbst wenn es bis zu einer neuen Synthese länger brauchte: dieses neue, umgekrempelte Englisch wurde in den Händen SHAKESPEAREs zu einem Werkzeug, das ihn zu großartigen Werken befähigte. Vergessen wir jedoch nicht, daß am Anfang dieser Entwicklung gewalttätige Eroberer in dunkler Zeit standen. Heute herrschen Frieden und gegenseitiger Respekt in Europa. Und die Wirtschaftskräfte, in deren Gefolge unsere Sprachen unter Druck geraten, Kriegführung (mit friedlichen Mitteln) zu nennen, wäre doch sehr abwegig, zumal es sich, wie gerade gesagt wurde, weitgehend um bereitwillige Anpassung einflußreicher Kreise handelt. Auch G. DROSDOWSKI läßt den Vergleich heutiges Deutsch - Mittelenglisch nicht gelten (sein Urteil über die gegenwärtigen Sprachveränderungen siehe in Abschnitt 12.1).

Es ist zu hoffen, daß die Befürchtungen nicht Wirklichkeit werden, weil dann mit ihnen die Anforderungen des modernen Lebens und der neuesten Technologien nicht mehr bewältigt werden können. Diese Gefahr ist für das Deutsche wesentlich stärker als etwa das Französische oder Finnische.

Wenn sich nun aber das wirtschaftlich stärkste Land in der EU als das sprachkulturell schwächste erweist, wie können die übrigen Mitgliedstaaten, wie kann die EU jemals die Ziele ihres Vertrags von Maaastricht einhalten und die Sprachen und Kulturen wahren und weiterentwickeln? Fast drängt sich mir die Schlußfolgerung auf: Die eklatante Schwäche der Bundesrepublik Deutschland auf dem Gebiet der Sprache und z.T. der Kultur ist eine Gefahr für ihre Partnerländer. In einem Gespräch mit ''Le Figaro'' unter der Überschrift ''Le virus du Denglisch'' vom 5.1.1999 räumte ein Mitarbeiter des neuen Kulturstaatsministers ein (zurückübersetzt): ''Unsere Kultur ist zunehmend auf die Kultur der Vereinigten Staaten ausgerichtet''. Man darf sich ehrlich freuen, daß allerlei Neuerungen von dort alsbald auch in Europa und Deutschland verfügbar sind. Leider beinhaltet diese Aussage nicht nur Erfreuliches. Soweit eine kulturelle und sprachliche Verdrängung darin enthalten ist, sollte sie nicht einfach so stehenbleiben. Die Gesellschaft sollte sich fragen: Was müßten wir anders machen?

4. Europa mit einer Zunge?

4.1 Offizielle Einführung des Englischen als zweiter Landessprache?

Initiativen zur Einführung des Englischen in einigen wissenschaftlichen Fächern und in Unternehmen laufen nicht nur in Deutschland seit längerem, sondern einige Kreise empfehlen den Europäern bereits nachdrücklich die Einführung von Englisch, das de facto fast überall lingua franca ist, auch als zweiter Amtssprache gleichberechtigt neben den Nationalsprachen in den Mitgliedstaaten. Der Journalist R. ROEMEN aus Luxemburg setzt sich in einem Beitrag für das ''EU-magazin'' Nr. 1-2, 1998 für die Einführung einer ''einheitlichen offiziellen Sprache in der Europäischen Union'' ein. Und Chr. TYLER meint in der ''Financial Times'' vom 4.4.1998, es sei wegen der damit verbundenen Vorteile und Kosteneinsparungen an der Zeit, diese Kröte zu schlucken. Der Identität der Landeskultur würde dies seiner Ansicht nach nicht schaden. Muß das, was stark, ja übermächtig ist, noch gefördert werden? TYLERs Vorschlag wirft vielerlei Probleme auf. So räumte auch H. WEYDT, wenngleich sehr ungern (während der Taalunie Konferenz 1999) ein, daß wohl nirgends auf der Welt zwei Sprachen auf demselben Territorium gesprochen werden und ihre Sprecher harmonisch und ohne ernste Spannungen zusammenleben. Sollte er an Belgien, vor allem Brüssel (zwei Sprachgemeinschaften) gedacht haben? Luxemburg (eine Sprachgemeinschaft mit besonderer Triglossie) scheint eine rühmliche Ausnahme zu bilden. Die offizielle Verankerung der übermächtigen Lingua franca wäre für die größeren Mitgliedstaaten ein überaus starker Eingriff. Denn bei Sprachen auf ein und demselben Territorium, die in einer Konkurrenzsituation stehen, ist eher zu erwarten, daß der neue Konkurrent, indem er der bisherigen voll ausgebildeten ''Platzhalterin'' Domänen, Aufgaben, Inhalte und Sprecher streitig macht, deren Status mindert und sie schädigt. Eine harmonische Koexistenz wäre nur unter Menschen ohne weiteres denkbar, die viel Zeit und Energie zur Pflege beider Sprachsysteme hätten. Die Mehrheit sieht sich aus wirtschaftlichen oder fachlichen Gründen gedrängt, ein Kommunikationsmittel zu benutzen; es ist kein Selbstzweck. Wie schwer normalen Bürgern die Interpretation bestimmter Sprachmorpheme fällt, zeigt das Wuchern des Apostroph vor dem -s: weil englisch-amerikanische Geschäfte und Hersteller den sächsischen Genitiv gern so markieren Harry's/Schmidt's (Drugstore) usw., wird er als prestigeträchtig selbst beim Plural-s nachgeahmt: Müller Tour's steht auf einem Reisebus. Eine offizielle Einführung des Englischen würde zahllose Firmen und Stellen veranlassen, im Umgang mit den eigenen Landsleuten, wo immer es geht, Englisch zu verwenden; sie hätten ihrer Pflicht, sich einer offiziellen Sprache zu bedienen, damit Genüge getan. Nein, eine internationale oder Verkehrssprache (Englisch) gibt es bereits, sie braucht keinen offiziellen Status. Ihre bessere Beherrschung ist wünschenswert. Daneben sollten weitere Verkehrssprachen wie Französisch und Deutsch nicht weiter zurückgedrängt werden.

Noch mehr Schwierigkeiten als das schon beschriebene Wirtschafts- und Werbe-Pidgin brächte dies für alle, die Englisch nicht oder noch nichtbeherrschen. Für lange Zeiträume würden diejenigen, die wenigersprachbegabt sind oder weniger Gelegenheit zum Erlernen der Lingua Francahaben, von Bereichen des Lebens ausgeschlossen, wie es stellenweise bereits der Fall ist (vgl. Abschnitt 1). Nirgends in Europa sind (lt. Umfrage von''The European'' vom 30.1.1997) so viele Menschen bereit, ihre Muttersprache gegebenenfalls aufzugeben oder sie doch gegenüber einer einheitlichen Sprache zurückzustellen, wie in Italien. Von 5000 Befragten beantworteten die Frage ''Is it vital to maintain diversity of languages in Europe?'' mit ''Disagree (=Nein)'' in Italien 37%, Spanien 18%, Frankreich 13%) und - angesichts des beschriebenen Trends vielleicht verwunderlich - in Deutschland nur 11%. In Südeuropa spielt Enttäuschung etwa über Mißstände in der Verwaltung und Gesellschaft ihres Landes mit, und deshalb wird hier mehr von den Institutionen der Europäischen Union erwartet als im übrigen Europa. Gerade die starke Bereitschaft von ItalienerInnen, ihre Sprache, die von vielen als schönste Europas, ja der Welt empfunden wird, aufzugeben, muß allen wahren EuropäerInnen Schmerz verursachen.

Bemerkenswerte Stellungnahmen waren während der Taalunie-Konferenz zu hören. Für den Fall, daß in der Europäischen Gemeinschaft eine lingua franca ein Monopol erlangen sollte, rechnet WEYDT (Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/Oder) mit ernsten Sprachkonflikten. R. RINDLER-SCHJERVE (Wien) erwartet dagegen keine Ablösung der mittleren oder größeren Nationalsprachen durch das Englische oder eine andere große Sprache, solange (~) an den nationalen Schul- und Bildungssystemen festgehalten werde, die für die Reproduktion der Identitätskonstruktion der Bürger sorgten. Nach DE SWAAN (Amsterdam) macht die starke Rolle der Staatssprachen in den Einzelstaaten diese so robust, daß eine Pidginisierung und ihr Abstieg zu ''intermediate idioms'' ausgeschlossen ist. Ignoriert er nicht die schon stark betroffenen Bereiche (z.B. viele Unternehmen, Teile der Wissenschaften und Hochschulen) in Deutschland, die in den Abschnitten 10 und 11 behandelt werden? Die Rivalität dieser Einzelsprachen, so DE SWAAN, werde für lange Zeit die Einführung einer einzigen Sprache als ausschließlichen offiziellen Mediums der Gemeinschaft verhindern.

WEYDT macht übrigens einen unorthodoxen Alternativvorschlag zum Ausgleich für die Benachteiligung der Nicht-Muttersprachler in der Kommunikation. Sie, die bei internationalen Begegnungen fast wie unbeholfene Kinder wirkten, könnten daher weniger überzeugend argumentieren, weshalb Muttersprachler ein von ihnen gewünschtes Verhandlungsergebnis viel leichter zu erreichen vermöchten. Er möchte dem Grundsatz zur Durchsetzung verhelfen, daß bei internationalen Gesprächen jeder in einer Sprache seiner Wahl, ausgenommen seine eigene, sprechen solle. Das ist noch origineller als der polyglotte, sich vor allem auf passive Sprachkenntnisse stützende Dialog, bei dem jeder so weit wie möglich in der eigenen Muttersprache spricht und der andere aufmerksam zuhört. Wer aber wäre bereit, auf seinen Heimvorteil zu verzichten? Ein anderer, häufig geäußerter Vorschlag lautet, daß künftig möglichst alle in der EU mindestens eine Fremdsprache, am besten aber zwei - nämlich die des nächsten Nachbarlandes und Englisch, erlernen sollten. Doch käme dabei das Französische im Norden und Osten Deutschlands schlecht weg.

4.2. Blick in die Geschichte. Kontinuitäten zwischen den alten Römern und den Römern von heute?

Nicht wenige Sprachen, auch hochstehende Kultursprachen, sind verschwunden. Denken wir nur an die kontinentalen Kelten zur Römerzeit. Keineswegs machten nur CÄSARs brutale Feldzüge dem Keltischen den Garaus, sondern neben der politischen Zersplitterung der Sprachgemeinschaft auch die Bereitschaft der herrschenden Schichten, sich der mit Gewalt und sanfter Toleranz zugleich ausbreitenden römischen Kultur zu assimilieren. Sicherlich bot diese damals neue zivilisatorische und technische Errungenschaften.

Interessanterweise verhalten sich heute einige Nachkommen der alten Römer in Italien im Vergleich mit ihren Vorfahren gerade umgekehrt. Viele ItalienerInnen gehören, was hoch zu schätzen ist, zu den überzeugtesten Anhängern der europäischen oder sogar weltweiten föderalistischen Integration. Für sie kommt die Menschheit zuerst, die Sprache ist zweitrangig. Einerseits ist das sehr menschlich, aber man erinnere sich: ihre römischen Ahnen bemühten sich, Europa und den Mittelmeerraum auf der Grundlage ihrer Kultur und Sprache zu einigen. Nur wo sie auf kulturell Ebenbürtige oder Stärkere (die Griechen) trafen, drangen sie damit langfristig nicht durch. In West- und Südeuropa hinterließen die Römer einen großen, inzwischen wieder aufgebrochenen lateinischen Raum, den aber noch immer viele Gemeinsamkeiten verbinden.

Heute wird Europa ohne Gewalt - höchstens unter dem Druck ökonomischer Zwänge -erneut vereinigt. Warum - so scheinen diese Nachfahren zu denken - sollten wir uns grämen, wenn dies nun auf der Grundlage des Englischen (als Resultat des britischen Weltreichs) und technisch-kulturell mittels des American Way of Life geschieht? Auch mit umgekehrten Vorzeichen bleibt für die Römer von heute ihr Wunsch nach einem universalen, die ganze Menschheit umschließenden politisch-kulturellen System mächtig. Sie könnten sagen: Einst zwangen Armeen, geopolitische Gegebenheiten und der Glanz der Zivilisation die übrigen Völker unter die Herrschaft Roms. Wir, ihre weisen Nachkommen, finden uns damit ab, daß die Führung in die Hände der starken angelsächsischen Zivilisation übergegangen ist. Es ist klug, den Stärkeren anzuerkennen. Sollte es unvermeidbar werden, Abschied von unserer Sprache zu nehmen, so geschieht es, weil wir hoch schätzen, was wir gewinnen: Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus, Gewaltfreiheit, offene Grenzen, Wohlstand, ein hohes wissenschaftlich-technisches Niveau...

Vielleicht kann der hohe Anteil derer in Italien, die, wie wir gesehen haben, eine Bewahrung der sprachlichen Vielfalt und der Landessprachen in Europa für nicht so wichtig halten, vor diesem Hintergrund verstanden werden.

5. Rahmenbedingungen der sprachlichen Sozialisation und des muttersprachlichen Unterrichts.

Durch Sparmaßnahmen und nicht zuletzt durch die Einführung der Haushaltskriterien im Vertrag von Maastricht wurden in fast allen Mitgliedstaaten die Haushaltsmittel für Schule und Bildung und damit auch für muttersprachlichen wie fremdsprachlichen Unterricht beschnitten. In Untersuchungen über die Sprachfertigkeiten von Schulabgängern, Lehrlingen und Studierenden wird immer wieder festgestellt, daß sie sich schwer tun beim Beschreiben von Dingen oder Erlebnissen.

Wehgeschrei über Sprachverfall gehört seit Jahrtausenden zur Kulturkritik aller Epochen. Auch für Ältere ist es ein beliebtes Thema, sich über die Sprache der jungeren Generationen zu erregen. Wir müssen also herausfinden, ob die heutigen Klagen nur Ausdruck einer gewissen Verbitterung bzw. bestimmter Vorurteile sind, oder ob sich die sozioökonomischen Rahmenbedingungen, unter denen Sprache heute weitergegeben und ''produziert'' wird, radikal geändert haben. Weniger Gespräche zwischen den Menschen, zu viel Berieselung durch Musik, viel passives Fernsehen, mangelnde Konzentration und zielloses Hin- und Herspringen zwischen Programmen und Inhalten (nicht nur im Fernsehen) können die Sinne abstumpfen, und auch das immer häufigere ''Kommunizieren'' mit Bildschirmgeräten könnte das Sprachverhalten nachhaltig verändern. All diese Erscheinungen treffen nun mit dem schon erwähnten zunehmenden ''Druck'' des Englischen zusammen. Sprachbegabte mögen sich noch gut zurechtfinden, bisweilen noch gewinnen, doch in ihrer Muttersprache noch nicht gefestigte Menschen können leicht verwirrt werden.

Der bekannte Rhetorikforscher W. JENS stellte fest:

Viele Menschen werden durch Wegwerfsprache und Pseudoenglisch, durch die Auflösung ihres Sprachcodes zu Analphabeten in zwei Sprachen; bestimmte Sachverhalte, die über das Elementarste hinausgehen, können weder in Sprache A noch in Sprache B richtig mitgeteilt werden. Ohnehin ist im Kommunikationszeitalter (natürlich auch noch aus weiteren Gründen) das Sprachverhalten bei über 25% der Kinder gestört, und zwar weil die Sprache kaputtgeht, weil in Teilen der Gesellschaft die Ausdrucksfähigkeit versiegt, weil oft Zeit für richtige Gespräche fehlt und weil ungenutzte Fähigkeiten verkümmern. Übrigens beschreiben die Ausdrücke Kommunikationszeitalter oder Informationszeitalter unsere Epoche nicht unbedingt zutreffend. Die Zunahme der großartigen Technik und der Menge der Informationen, die uns zur Verfügung stehen oder auf uns in kurzer Zeit eindringen, bedeuten nicht notwendig, daß aus diesen Informationen mehr als eine Anhäufung von Fakten wird. Verarbeiten wir sie und ziehen wir sinnvolle Schlüsse aus ihnen? Während die Kommunikation mit Menschen und Apparaten in der Ferne wächst, kann die mit Menschen in der Nähe sogar immer dünner werden.

Es war schon immer so, daß sich Junge von Älteren unterscheiden wollten. Doch heute wird der Gruppenjargon eines Teils der Jugend übermäßig beachtet, künstlich verstärkt und in die Allgemeinsprache hineingedrückt. Auch darf die Anziehungskraft, die amerikanische Popkultur auf viele Jugendliche in Mitteleuropa ausübt, nicht als Beweis dafür herangezogen werden, daß eine durchgängige Amerikanisierung der deutschen Sprache nur ein natürlicher Prozeß sei. Das ist vielmehr das Ergebnis gezielter Arbeit. Die Eskapaden der Werbesprache könnte man noch mit Humor nehmen. Aber leider tragen junge, konsumfreudige Leute, die damit im aufnahmefähigsten Alter berieselt werden, immer mehr davon in die Alltagssprache, wenn nicht gleichzeitig auch Gegenkräfte wirken. Die Werbe- und Mediensprache ist überproportional stark gerade auf diese wirtschaftlich wichtige Zielgruppe ausgerichtet; auf die übrigen MarktbürgerInnen wird schon weniger Rücksicht genommen. In ihren Eigenschaften als Nicht-VerbraucherInnen (zu denen in jeweils anderen Bereichen jede(r) zählt) oder Nur-SprachteilhaberInnen, zählen die Menschen wenig, solange sie sich nicht lautstark melden.

In Kulturen mit mehr Stolz und einer ausreichenden Rückbindung der jungen Menschen an die älteren Generationen würden sich viele übertriebene ''Innovationen'' im Laufe des Erwachsenwerdens wieder verlieren: Nach einer Umfrage im Auftrag des Instituts für deutsche Sprache im Winter 1997/98 beeinflussen den Sprachgebrauch am stärksten Fernsehen und Schule, am geringsten Kino und Theater. Die Familie folgt erst an vierter Stelle. Dem Medium Fernsehen kommt also eine sehr große Verantwortung zu. Was aber ist zu erwarten in einer Kultur, in der die Jugendlichen oft große Teile der Freizeit in einer eigenen Welt verbringen, die anders als früher bis ins letzte kommerzialisiert ist? Heere von Journalisten, Moderatoren und ''Eventmanagern'' arbeiten daran, unter Verwendung von Teilen der spontanen Jugendsprache eine Jugendkultur herzustellen und zu vermarkten (vgl. A. BÖSWALD in der ''Frankfurter Allgemeinen Zeitung'', 19.1.1999, oder die Jugendmesse ''You'' in Dortmund, Juni 1999). Selbst gesellschaftlicher Protest wird schnell umarmt und ausgebeutet. Erfreulich klingt da der Befund einer Studie von K. KOCHANOWSKI (1999): Danach lehnen Jugendliche Schlagworte wie fun, cool, Megashow und die krampfhafte Nachahmung von Jugendsprache eher ab. Aber nach wie vor viele bemühen sich viele, sich so gut es geht anzubiedern, sofern sie nur Gewinn und Aufmerksamkeit erzielen. In einem Gespräch mit der ''Frankfurter Rundschau'' vom 22. 3. 99 über Kulturpolitik und Kulturdemokratie erklärt der Kulturdezernent der Stadt München, NIDA-RÜMELIN, der keinesfalls einseitig für die Hochkultur Partei ergreift, unbestritten sei es der Markt, der die Nivellierungs- und Trivialisierungstendenz fördere. Was soll man erwarten, wenn allzuviele der immer zahlreicheren Fernsehprogramme einen großen Teil des Tages an niedrige Instinkte appellieren und die Gesellschaft sich hinterher beschwert, daß Jugendliche die dort vorgeführten Rezepte im wirklichen Leben anwenden, sich rücksichtslos und gewalttätig zeigen?

Was soll man erwarten, wenn Firmen erlaubt wird, gegen Spenden für bankrotte und heruntergekommene Schulen Werbetexte an den Wänden der Klassenzimmer anzubringen? Was soll man erwarten, wenn Kindergärten und Lehrer eingespart werden und die Gesellschaft sich hinterher beklagt, daß die Schulen verkommen, daß die Lehrlinge und Studenten einfache sprachliche Aufgaben nicht mehr bewältigen können. Am 7.5.1999 berichtet die ''Frankfurter Allgemeine Zeitung'' über einen Hilferuf nordrhein-westfälischer Lehrer an ihre Kultusministerin, in dem sie erklären, warum die Anforderungen in mehreren Fächern, darunter Deutsch, und die Klassenstärken nicht noch erhöht werden können: Die Basisanforderungen für die zehnte Klasse verlangten, daß die Schüler formale und sprachliche Gestaltungskriterien verschiedener Textsorten sach- und adressatengerecht anwenden und sich grammatikalisch richtig ausdrücken können.

''Eine grammatikalisch strukturierte Sprache kann von heutigen Jugendlichen jedoch nicht mehr analysiert, geschweige denn angewandt werden, weil sie ihnen unbekannt ist. Sprache ist ausschließlich zu einem von der Werbung diktierten und mit Amerikanismen angereicherten Kommunikationsmittel geworden''.

Gewiß ist es nicht überall so dramatisch, aber die Beschreibung dürfte auf sehr viel mehr als nur die Schüler der so verzweifelten sechzig Gesamtschullehrer zutreffen.

Unter diesen Voraussetzungen verdient auch das verständliche Bestreben, die Kinder so früh wie möglich Fremdsprachen, und in den meisten Fällen natürlich Englisch, lernen zu lassen, genaue und kritische Beachtung. Der Aufbau guter Mehrsprachigkeit setzt doch ein gefestigtes muttersprachliches Fundament voraus, wenn wir einmal von konsequenter Mutter-/Vater-Zweisprachigkeit in sprachbewußten binationalen/bilingualen Familien absehen. Diese sprachliche Sozialisation kann heute in vielen, meist schlechtergestellten Familien nicht mehr selbstverständlich vorausgesetzt werden. Immer mehr Kinder leiden, wie schon gesagt, unter Sprachverhaltensstörungen.

Wird nun Englisch den Kindern ganz locker durch die preiswerte Lösung ''Kontaktunterricht'' (und durch Nicht-FremdsprachenlehrerInnen) nahegebracht, d.h. von den übrigen Unterrichtsinhalten nicht deutlich als eigenständiges Kommunikationssystem abgehoben, sondern ab und zu als eingestreuter Satz, als Ausdruck oder als einzelnes Wort, dann besteht Gefahr, daß - selbst ungewollt - eine Art Internet- oder Neudeutsch dabei herauskommt. Denn Englisch wird den Schülern ja über die Werbung und die Medien immerfort als die angesehenere und zukunftsträchtigere Sprache vorgeführt. So könnten sich am Ende die Beschädiger der deutschen Sprache bestätigt sehen, die englische Brocken wahllos bzw. im Sinne einer Werbestrategie in verschiedenste Alltagssituationen einführen. Es wäre beinahe so, als ob die ''Fit-for-fun''-Sprache auch noch mit höchster Billigung ausgebreitet würde... Ein Sprachlehrkonzept für die europäische Zukunft im Zeitalter der Globalisierung setzt voraus, daß die verantwortlichen Politiker und Pädagogen wissen, was sie eigentlich wollen. Dazu sollte gehören, daß an Deutsch, wie an den übrigen Landessprachen in der EU, als vom Englischen verschiedenen, ausgebildeten Kultursprachen festgehalten wird.

6. Merkmale der Sprache von Wirtschaft, Werbung und Medien.

Die an das Publikum gerichtete Sprache der Wirtschaft und gerade die Werbung unterschieden sich immer schon von der gewöhnlichen Sprache, ob mündlich oder schriftlich. Wenn die letztere auch nicht notwendig immer aufrichtig und ''wahr'' ist, so ist die Sprache der Wirtschaft und der Werbung interessengerichtet und bedient sich in ihrer Absicht, zu überzeugen, zu überreden oder zu verführen, einer Überdosis an Übertreibungen, Klischees und Überraschungseffekten, die bei bestimmten Produkten und Dienstleistungen ganz allgemein mit dem American Way of life verknüpft werden. Die immer stärkere Beschleunigung des Wettbewerbs (''Turbo-Kapitalismus'') und des Wirtschaftslebens läßt die Sprache immer rascher inflationieren. Wie gesagt, wird diese ''Neusprach'' (so im ''Spiegel'' Nr. 19/1990 nach newspeak in Anlehnung an G. ORWELL) oft durch Bestandteile der Jugendsprache verstärkt. Ein Beobachter drückte es vor einigen Jahren so aus: ''Immer schneller, immer oberflächlicher, immer dümmer''. Einmal ausgebreitet, vermehrt sich das aufgeblasene Getue virusartig: jeder Erfolg einer Dienstleistung, einer Marke scheint ihm rechtzugeben.

Hier soll der Hinweis nicht fehlen, daß das Markenrecht geradezu die Verhunzung der Sprache ungewollt fördern kann, weil ''normale'' Wörter kaum schutzfähig sind. Denn die geschützten Bezeichnungen sollen sich weitmöglichst von anderen unterscheiden. Gegen einfallsreiche Kunstschöpfungen ist nichts einzuwenden. Wer auf dem Weltmarkt etwas anbieten will, wird sich überlegen, ob er mit Deutsch sein Ziel erreicht. Eine für viele Länder kompatible Lösung wird oft genug auf das Englische zurückgreifen. Dennoch wird auch in diesem Bereich dem Zeitgeist mehr als nötig gehuldigt. Der frühere Volkswagen-Käfer eroberte die Welt wegen seiner Qualität: in den USA nannte man ihn beetle, seltener bug. Das neue Käfer-Modell heißt nun offiziell - auch in Deutschland - Beetle~. Das ist kein Einzelfall. Mit mehr Phantasie ließen sich gewiß Lösungen finden, die nicht allein auf das Englische bauen. Aber selbst französische Autohersteller geben einigen Modellen entgegen ihrer Staatsideologie englische Namen: Waren die Wagen mit französischen Namen denn so erfolglos? Zum Event-Marketing gehört es auch, daß Ladenbezeichnungen - deutsch, denglisch oder englisch - immer phantasievoller, aber auch immer gesuchter werden, z.B. ''Rundhairum''. Oft haben sie mit den einschlägigen Waren oder Leistungen selbst auf den zweiten Blick nichts mehr zu tun. Auch all dies wird nun auch noch durch eine Gesetzesänderung erleichtert. Für einen geübten Löser der Kreuzworträtsel von ''Times'' oder ''Die Zeit'' oder einen Rebus-Liebhaber ist die Entschlüsselung sicher ein hübsches Spiel, doch ist es für die Sprache kein Vorteil, wenn denotative Berufs- und Gewerbenamen kaum noch im Straßenbild vorkommen. Früher konnten Kinder oder Ausländer beim Gang durch eine Straße die Sprache und ihre Realitäten (Wörter und Sachen) leicht nebenbei lernen. Heute finden sie stattdessen uneigentlich verwendete Sprache: Verstellung, Exaltiertheit, Anzüglichkeiten, Doppelbödigkeit mit Ausnutzung von Homophonie und Polysemie. Als sich vor Jahren ein Laden ''Backwahn'' mit Anklang an ''Backwaren'' und vielleicht auch den Guru Bagwan nannte, war das recht originell. Wenn das aber jede(r) tut? Es muß ja nicht immer nur
''Schreibwaren - A. Müller'' heißen; je ausgefallener aber der Laden-''Titel'', desto mehr wünscht man sich darunter eine Zeile mit sachlichen Angaben.

Sogar der Deutsche Werberat beklagte Anfang 1999 eine Verrohung der Sitten im Kampf um Kunden und Marktanteile - mit Schockwerbung und Provokationen. Denn, so ein Bericht in ''Die Welt'' vom 4.3.1999, die Tendenz, härtere Bandagen zu benutzen, gibt der Markt vor. In der Flut der Werbekampagnen falle es den Unternehmen immer schwerer, auf ihre Produkte aufmerksam zu machen. Mit betulicher Werbung würden reizüberfluteten Käufer nicht mehr animiert. Ja, es habe keinen Sinn, den Verfall der Sitten in der Werbung zu beklagen, denn sie sei nur ein Spiegelbild der Gemeinschaft. Werbung müsse daher nicht moralischer sein als die Zielgruppe... Diese Argumente kennen wir aus der Debatte über Gewalt im Fernsehen. Kleine Beispiele für ''stilistischen'' Wandel in Anzeigen - hier ausnahmsweise einmal ohne Anglizismen: Für Betriebsausflüge und private Feste im Tanzsonderzug wirbt ein Reisebüro ''Wenn Sie mal richtig die Sau rauslassen (= einmal richtig ausgelassen feiern) wollen'', und Karibikreisen werden angepriesen mit dem Spruch ''Sie wollen Ihren Mann lossein? Wir besorgen das'' (nämlich mit preiswerten Flügen; wer es liest, denkt einen Augenblick an die Beseitigung des Gatten wie in einem Kriminalroman).

Außerdem greift die Medien- und Werbesprache immer häufiger auf saloppe umgangssprachliche Quasisynonyme, und davon viele Vulgär- und oder Kraftausdrücke) zurück wie 'klauen' statt 'stehlen'; natürlich haben einige Wörter aus dieser Kategorie auch früher den Aufstieg zum ''Normalwort'' geschafft. Aber heutzutage erhalten solche Wörter soviel künstliche Unterstützung, daß ihr Gebrauch inflationiert. Klauen ist humorvoll, verharmlosend und unter Umständen verzeihlich. Vielleicht in Anlehnung an to fire liest man in der Zeitung, daß ein Unternehmen jemanden ''gefeuert'' und nicht etwa entlassen hat. Früher hätte man eine solche Wortwahl nur in gewissen Blättern erwartet. Als gelegentliche stilistische Würze: Warum nicht? Massenhafter Gebrauch ist ebenso verfehlt wie eine Überdosis Anglizismen und macht den Text eher infantil als locker.

Je ausschließlicher nun ein Mensch, und vor allem ein junger, diese Einflüssen ausgesetzt ist und je weniger sein soziales Umfeld noch andere Werte vermitteln kann, desto eher nehmen diese Art Wortschatz und Stil sein Sprachverhalten in Besitz. Kinder und Jugendliche müssen ein kritisches Verhalten erst erlernen. Menschen können in der Öffentlichkeit die Werbung nicht abschalten wie im Fernsehen. Die Werbung ist hier also auch für den, der gar nichts kaufen will, ständig und in aggressiver Weise präsent. Einerseits sollen die BürgerInnen nicht bevormundet werden, andererseits drängt die Werbung ungefragt an vielen Orten auf sie ein. Reicht es daher, wie die ''Welt'' meint, wenn VerbraucherInnen, denen dieser Stil nicht gefällt, das Angepriesene nicht kaufen? Dabei soll nicht vergessen werden, wie geistreich und witzig Werbung sein kann, wenn sie spielerisch und assoziativ mit der Sprache umgeht, ohne sie dabei zu zerstören.

Alle einschlägigen Studien haben für die Verwilderung und das Denglisch die Werbesprache als eine Hauptverantwortliche ausgemacht. In ihrem aufschlußreichen Buch ''Das schöne Fremde''(1994) weist D. SCHÜTTE anhand umfangreicher Vergleiche und Statistiken nach, wie die Anglizismen in diesem Bereich zwischen 1950 und 1991 absolut, sowie im Erklären des Sachtextes und in Werbeparolen in der Werbung für eine Reihe von Warengruppen (in einzelnen Werbeformen) von 5-10 auf 40-50% der Anzeigen zugenommen haben. Die Verfassserin, die den Motiven der Werbesprache sehr aufgeschlossen gegenübersteht, hält Werbesprache für eine von der gewöhnlichen Sprache weit entfernte Kommunikationsform und sieht trotz der enormen Steigerung keine Gefahr für die gewöhnliche Sprache. Wie viele auf Selbstregelung vertrauende, sehr liberal eingestellte wissenschaftliche Beobachter (z.B. Prof. HOBERG, Univ. Darmstadt) rechnet sie damit, die Eintagsfliegen würden bald verschwinden, viele Neuimporte und Schöpfungen schon von selbst ausgesiebt werden. Woher dieses Vertrauen, wenn man weiß, wie stark ein Teil der Jugendlichen (jedenfalls den Klagen der Gesamtschullehrer zufolge) solche Sprachelemente aufnimmt?

Prof. B. CARSTENSEN, Fachmann für US-Spracheinflüsse, sah die deutsche Sprache 1985 bedrängt, aber nicht bedroht. 1990 verstand er dagegen Vieles in der Werbesprache ebensowenig wie ein Verbraucher ohne Englischkenntnisse. ''Bescheuert'' fand er, ''was die Werbung mit der Sprache treibt'' (Spiegel 19/1990). Hatte dieses Magazin in diesem Beitrag eine rasend zunehmende Amerikanisierung der Sprache diagnostiziert, so hält es in 17/1998 den Werbern vor, daß sie manchmal ''Quatsch'' produzieren; die Firmen und ihre Werbeagenturen rechtfertigen sich, man müsse dem Zeitgeist entsprechen. Mit englischen Ausdrücken will die Telekom zeigen, daß sie ''keine kleine Hühnerstall-Firma, sondern ein Global Player'' ist. Warum mischt ein Hotel in weihnachtszeitliche Angebote für seine deutschsprachigen Kunden Christmas und dergleichen Versatzstücke? Englisch sei nun mal die Weltsprache~ Seit einigen Monaten wird versucht, den Entrepreneur als den innovativen Unternehmer der Zukunft einzuführen. Natürlich wird ihm von den Management- und Business-Magazinen gleich ein Mehrwert zugesprochen. Dieses Wort, das für Deutsche auf englisch noch schwerer als auf französisch aussprechbar ist, hatte schon im Englischen das ältere undertaker verdrängt - vielleicht weil es sich stark auf 'Beerdigungs-unternehmer' eingeengt hatte. Ob wohl bald das gleiche Spiel mit enterprise statt 'Unternehmen' beginnt?

Es ist das Übermaß an überflüssigen englischen Wörtern, an dem die Sprache erstickt. So wird Reisenden im Schlafwagen auf einem Schild angeboten, was sie vergessen haben könnten: eine Zahnbürste, ein electric shaver und ein dental care set; ansonsten deutsch abgefaßt, richtete sich das Angebot an Deutschsprachige. Sinnvoll verwendet, können fremde Wörter bereichern. Aber heute ist eine bewußte oder aus Denkfaulheit fahrlässige Zerstörung des vertrauten Wortschatzes festzustellen. Bahn, Post, große Banken und Unternehmen, Teile der Presse und der Fernsehsender sind dabei führend und werden für andere zu schlechten Vorbildern. Nicht einmal vor dem gleichen Wort machen die Spracherneuerer halt und bevorzugen selbst die englische Form, wenn die Wörter fast die gleichen sind - Moonshine macht ihnen mehr Eindruck als Mondschein. Vor kurzem tauchte im Unterhaltungs- und Sportbereich sogar die Form Family statt Familie auf; Family bedeutet anscheinend für einige die dynamische, lebensfrohe, sportliche Familie, die einen eher amerikanischen Lebensstil pflegt.

So sehr das Wirtschaftliche unser Leben bestimmt - Wirtschaft und Werbung haben kein Recht, die Sprache, die allen gehört, in diesem Umfang zu mißbrauchen. Sprache ist lebendig und verändert sich. Sie ist aber, zumindest im öffentlichen Raum, kein Spielzeug, mit dem jede(r) - aus wirtschaftlichen Gründen - machen kann, was sie/er will. Viele BürgerInnen sind empört, äußern aber aus Resignation ihren Unmut nicht. Daraus scheinen die Sprachverfälscher das Recht abzuleiten, die Gehirnwäsche an der ganzen Bevölkerung voranzutreiben und die Sprache mit Gewalt zu ''modernisieren''. Vieles lasse sich auf deutsch nicht knapp und treffend ausdrücken. Das kann auch nicht, wer sich nicht mehr bemühen will. Zug zum Flug ist ebenso gut wie Rail and Fly. Das Deutsche hat nicht so viele Einsilber, aber man kann aus ihm viel mehr herausholen, wenn man seine Möglichkeiten und Vorzüge nutzt. Manche akzeptieren unsere Wörter erst wieder in englischer Verkleidung... Eine Einkaufsgalerie lockt mit slemming (=schlemmen?). Ich konnte to slem noch nicht im Wörterbuch entdecken.

Die Werbeleute haben es innerhalb weniger Jahre geschafft, in Anzeigen einem Paradigma zu stärkster Verbreitung zu verhelfen, dessen Besonderheit darin besteht, daß die Hauptzeile oder der Spruch/das Motto/der Slogan, der ins Auge springen und im Gedächtnis haften bleiben soll, englisch, der dazugehörige kleiner gedruckte Text, in dem die beworbenen Waren oder Sachverhalte erläutert werden, deutsch ist: die Botschaft ist brutal und unmißverständlich: alles Wichtige läuft fortan auf englisch, einen eigenen sprachlichen Raum gibt es nicht mehr, es sei denn für Hinterwäldler. Manchmal ist es auch ein Spruch, der sich beim Leser/Fernsehzuschauer mit dem Unternehmen verbinden soll wie: ''The telephone people'' oder ''powered by HEW'' (Hamburgische Elektrizitätswerke)''. Damit ist die eigene Sprache für wichtige Mitteilungen im eigenen Haus nicht mehr gut genug. Wie soll ein Schüler oder Student sie noch achten? Der Werbesprache, die im öffentlichen Raum, aber durch Presse und Fernsehen auch im privaten Raum überall gegenwärtig ist, bescheinigt auch E. SCHÖNFELD in seinem Wörterbuch des Neudeutschen ''Alles easy'' (1995), daß sie in den letzten Jahren geradezu einen Kult- oder Kulturstatus erhalten hat. In diesem Zusammenhang soll ehrlicherweise erwähnt werden, daß BMW zumindest in Großbritannien seine Werbung in der Landessprache um den Spruch ''Aus Freude am Fahren'' ergänzt hat; jedoch handelt es sich eher um eine Ausnahme und erinnert in erster Linie an das Herstellerland, ist keine Verbeugung vor einer übermächtigen Sprache.

Einige der Merkmale, die hier skizziert wurden, sind in skandinavischen Nachbarländern weniger verbreitet, obwohl die Menschen dort Englisch viel besser beherrschen und darin über mehr als elementarste Alltagsthemen zu kommunizieren vermögen. Versuche des Literaturwissenschaftlers F. RADDATZ, in umbenannten ''Shops'' die Verkäufer auf englisch anzusprechen, blieben erfolglos (''Die Zeit'' Nr. 38, 1997). Vielleicht ist die wilde Anglomanie nur Ausdruck des deutschen Provinzialismus, der sich mit fremden Federn schmückt, um anzugeben, der sich aber nicht wirklich mit fremden Sprachen, geschweige denn Kulturen auseinandersetzt, der nach oben dienert und nach unten tritt, eine Perversion des Multikulturalismus, der das bewunderte Andere umarmen, mit ihm verschmelzen möchte, was ihm aber mangels eigener Persönlichkeit und Kultur nicht gelingen kann. sehens auf vielen Kanälen vor etwa 14 Jahren feststellen. Fernsehserien bekommen englische Namen, ohne erkennbaren Grund - außer dem, daß man glaubt, es der Konkurrenz gleichtun zu müssen. Zweifellos sprechen die Billigmedien nicht wenige an. Aber wie viele wenden sich vom Fernsehen ab? Ich vertrete den Standpunkt, daß ein Teil unserer Geschäftsleute und Werbetexter uns regelrecht das Gehirn wäscht. Leider üben sie damit Druck auf alle aus, denen diese Strategie nicht behagt.

Die Sprache der Werbung und der Wirtschaft gehen ineinander über. Nur beim ''Kleingedruckten'' (Geschäftsbedingungen, Vertragstexten, Vordrucken) halten sich selbst die extremen Anhänger des Zeitgeistes meist zurück, weil es rechtsverbindlich bzw. einklagbar ist. Und hier erkennen wir einen wichtigen Bereich, in dem es nicht mehr um Sprachkritik, die subjektiv sein kann, oder Geschmacksfragen geht. In der Sprache, die Unternehmen und Anbieter gegenüber den potentiellen KundInnen oder Personen gebrauchen, die in irgendeine Geschäftsbeziehung mit ihnen eintreten, geht es vielmehr um Verbraucher- und Menschenrechte. So schlug W. KRÄMER in seinem Antrag an
die Mitgliederversammlung der Gesellschaft für deutsche Sprache 1998 vor, es bedenklich zu nennen, daß ein Deutscher im Inland nur noch mit einem fremdsprachlichen Wörterbuch einkaufen könne und der ''Grundsatz eines ehrlichen Kaufmanns, Sachverhalte klar und verständlich auszudrücken, zum Nachteil von Vertragspartnern eingeschränkt'' werde. Deswegen weigerten sich Telekom-Kunden mit Erfolg, ihre Rechnungen, die unverständliche Ausdrücke enthielten, zu bezahlen. Eigentlich wird auch gegen Artikel 3 des Grundgesetzes, wonach niemand aufgrund seiner Sprache benachteiligt werden darf, verstoßen.

6.1 Vordringen der anglisierten Werbesprache im Kulturbereich.

Schon VOLTAIRE stellte fest: Wenn sich Dummheit immer mehr ausbreitet, gewinnt sie mit der Zeit den Anschein der Klugheit. Der Schein setzt sich erfolgreich durch gegenüber dem Sein. Die Sprache der Werbung für Autos oder Bier hat bis heute faktisch alle gesellschaftlichen Bereiche erreicht. Wie anders ist zu erklären, daß einige dtv-Taschenbücher den Aufdruck ''premium'' auf dem Umschlag tragen, daß Suhrkamp mit ''poetry events'' für nichtenglische Dichtung wirbt, daß ein Theater in Freiburg ''Hamlet live'' auf sein Plakat schreibt (obwohl live doch eigentlich nur die Direktübertragung einer Veranstaltung bezeichnet), daß ein akademischer Verlag von seinen Highlights spricht, daß ein seriöser Verlag wie Gruner und Jahr seine populäre Geschichtszeitschrift plötzlich in History umbenennt und Bertelsmann seine Einführung in die neue deutsche Rechtschreibung mit ''Check it'' betitelt. Inzwischen erscheinen auch deutsche Bücher in englischem Gewand, so ''Crazy'', ''Time is on my Side - ein deutsches Heimatbuch'' (Schilderungen ostdeutschen Lebens nach der Wiedervereinigung).

Gelegentlich, aber durchaus nicht immer ist damit eine Anspielung auf englischsprachige Popmusiktitel oder Literatur verbunden. 1997 beschrieb der Jungjournalist SPRINGER, der auch im Kulturmanagement tätig werden wollte, das Lebensgefühl der ''Young Generation'' der Neunziger. Die Kapitel dieses auf deutsch geschriebenen Buches tragen sämtlich englische Überschriften: Love, (...), Nature, Home, Music, Consumption, Drugs, Strangers, Boys and Girls, We are one (was sich auf die Wiedervereinigung bezieht). Eine Sammlung eher konventioneller deutscher Gedichte, deren Autor zugleich eine Werbeagentur betreibt, erhält den Titel ''A Heart of Stone'' und ein Weihnachtsgedicht heißt ''Holy Night''. Manchmal möchte man fragen, ob wohl alle Stellen, die einem Website-Gestalter ihre Präsententation im Internet übertragen haben, sich dessen Arbeit kritisch anschauen: Kulturzentren bieten ihre Veranstaltungen mit ''New'' oder ''Welcome'' an. Ein evangelischer Pastor, wird mir in einem Brief mitgeteilt, möchte die Jugendlichen mit dem Spruch ''Hallo Kids, kommt zum Sing und Pray~'' in die Kirche locken. Kommt das dabei heraus, wenn schon mehr als eine ganze Generation lang Jugendliche mehr mit englischsprachiger als deutschsprachiger Musik beschallt worden sind und seit einigen Jahren auch die Beschäftigung mit PCs und den Netzen zum Leben gehört?

Es soll nichts gegen internationale Jugendkultur gesagt werden, die ja, sofern sie nicht nur halbverstandene Berieselung ist, zur Völkerverständigung beiträgt. Doch kann es zu einer Verarmung führen, wenn ureigenste Gefühle keinen Ausdruck mehr in der Muttersprache finden. Deshalb ist es zu begrüßen, wenn gerade die Rap- und Hiphop-Liedermacher in mehreren Ländern wirklich in ihren eigenen Sprachen von dieser importierten Form Besitz ergreifen.

7. Bereicherung? Verarmung? Manipulation?

Schon jetzt findet man auf den Kulturseiten angesehener Zeitungen hin und wieder Beiträge von Journalisten, in denen dem unverständlichen Gestammel und ''Lifestyle''-Dialekt, wenn sie denn nicht zu bremsen sind, die kreativen Seiten abgewonnen und sie bereits als Quelle der Spracherneuerung bejubelt werden. So schreibt T. ARNU am 23. 5. 98 in der Süddeutschen Zeitung:

Auch das Schweizer Nachrichtenmagazin ''Facts'' (Nr. 22/1998) empfiehlt fröhlich ''Sag's mit neuen Wörtern'', d.h. in den meisten Fällen mit Amerikanismen, und erläutert auf S. 158: ''Der Weltoffenheitsglanz kommt aus den USA. ... es ist der Glanz der Supermacht. Wer viel Prestige hat, dem wird viel nachgeplappert, wer wenig hat, muß Neues lernen''.

Hier ist das fremdsprachige Wortgut nicht mehr Träger kultureller Importe, nicht mehr geschickt eingesetztes Gewürz (auf die Dosis kommt es an~), um das auszudrücken, was auf deutsch nur mühsam zu formulieren wäre. Prof. J. EICHHOFF (Pennsylvanien, USA) sagt im Sprachdienst 1/99, S. 22:

''Es ist tatsächlich so, daß sich auf englisch manches kürzer und präziser ausdrücken läßt als im Deutschen. (Umgekehrt ist das übrigens genauso, wie jedermann weiß, der regelmäßig Texte ins Englische übersetzt.)''

Die englischen Ausdrücke, die nicht kurz, griffig oder witzig sind, werden für gewöhnlich nicht, manchmal dennoch übernommen, weil sie als höherwertig gelten. Wie saftlos klinge vacuum cleaner gegenüber Staubsauger, so wird ein Werbeagenturleiter im ''Spiegel'' Nr. 17/1998 zitiert.

U. FÖRSTER hat einmal im Sprachdienst Nr 28, 1-2, 1984, S. 97ff. sehr schön die Funktionen und Situationen beschrieben, in denen das Fremdwort als Wahlmöglichkeit, als Bereicherung oder sogar bessere Wahl in Frage kommt. Aber heute wird der Abschied von der eigenen Sprache dadurch eingeleitet, daß man ihr den Ausdruck des Lebendigen, Wichtigen oder Zeitgemäßen nicht mehr zutraut. Auch wer nicht in dem Fehler verfällt, sie als etwas ganz Unwandelbares anzusehen, weil in ihr viele Register und Stile koexistieren, kommt nicht umhin festzustellen, daß sie in Beiträgen wie dem von ARNU nur noch verspottet wird; sie wird mit unattraktiven Dingen und Verhaltensweisen assoziiert.

Wer wird denn das amerikanische Englisch pauschal als Ausdruck von Oberflächlichkeit, Materialismus, Utilitarismus, Technokratie, Bigotterie oder Gewaltverherrlichung verdächtigen? In bestimmten deutschen Lautverbindungen wollten frühere Kritiker den autoritär-faschistoiden Geist, in der Syntax indogermanischer Sprachen, in der es Subjekt und Objekt, Aktiv und Passiv gibt, wollten andere den rücksichtslosen Eroberungs- und Unterdrückungsdrang ihrer früheren Sprecher, ja die Ursache für die Entfremdung des Individuums von der Umwelt erkennen. Solche Überlegungen sind ebenso anregend wie gefährlich, weil sie zu hemmungsloser Spekulation verführen. Viele deutsche Dialekte haben es im ungezwungenen mündlichen Gebrauch zu enormen Einsparungen an Lauten und Endungen gebracht, die sich mit Zuständen z.B. im Englischen vergleichen lassen. Wer würde deshalb behaupten, jene, die so sprechen, hätten auch eine angelsächsische oder amerikanische Denkungsart?

Maßstäbe gibt es für viele Beobachter der postmodernen Kultur kaum noch: im Zweifelsfall sind es die billigste Fernsehunterhaltung nach transatlantischem Vorbild, ein bißchen ''Jugendsprache'' derjenigen, die sich geistig überwiegend mit angelsächsischer Popmusik ernähren, und, wie schon gesagt, die Sprachschöpfungen der Werbeindustrie. So enthält ''Das neue Trendwörter Lexikon'' von S. LOSKANT (1998) etwa 920, aus überregionalen Zeitungen und Zeitschriften zusammengetragene Begriffe, von denen an die 60 (ganze 7%) aus dem Deutschen stammen. Was bedeutet es, wenn eine Sprache, eine Kultur sich fast nur aus fremden Quellen erneuern kann oder will? Allerdings betreffen viele der flüchtigen Neuwörter Internetdetails oder Modeerscheinungen, die nur einen kleinen Teil der Allgemeinheit tiefer berühren. Den Herausgebern zufolge kann manchem Sprachbeobachter angesichts des immer schnelleren Tempos der Übernahme von Anglizismen des Typs Global Player, McJob im deutschen Sprachalltag schwindlig werden. Sie fragen:

''Wird unsere Sprache vom ''coolen'' US-Slang kolonialisiert wie einst vom Französischen... ? Oder spielt der sprachliche Drive [~] zum Englisch-Mix den allgemeinen Trend zur Globalisierung und zur multikulturellen Gesellschaft wider, wie andere Experten meinen? Bleibt unsere Sprache durch neue Wörter jung und lebendig?''

Ohne daß der Unterschied zwischen ''ernsten'' und (bloß) unterhaltenden Texten übertrieben werden sollte - der Stil auch der nichtunterhaltenden Zeitungstexte gleicht immer mehr dem von privaten TV-Programmen und Lifestylemagazinen. Die Sprache der redaktionellen Beiträge gleicht immer öfter derjenigen der Anzeigenkunden. So beschäftigten sich U. FÖRSTER und Journalisten in einer Veranstaltung der Gesellschaft für deutsche Sprache 1996 mit der Mediensprache unter dem Titel: ''Immer schneller, immer schräger, immer schlechter''. Auch der Intendant des Deutschlandfunks, E. ELITZ, wies in einem Vortrag darauf hin, daß der Zuwachs an Medien den Journalisten in den Kampf um den Markt werfe und er dadurch zum ''Marktschreier'' werde (Symposion im Dezember 1998, vgl. Abschnitt 12.2). nachzuahmen. Bisweilen werden heute auch andere Schichten oder Gruppen nachgeahmt, wie Jugend, Ghettobewohner oder Sportler in den USA. Gemeinsam ist in allen Fällen der Wunsch, es Vorbildern nachzutun. Vielleicht möchten nun auch einige sich als geistige Vorhut dünkende PC- und Internetnutzer den Sprachmischmasch, den sie in ihrem Bereich vorfinden oder selbst produzieren, überall wiederfinden und der übrigen Gesellschaft ''aufdrängen''.

Wir erinnern uns an den Adel des 17. und 18. Jahrhunderts, der das Französische oft der Muttersprache vorzog. Diese Vorherrschaft der Nachbarsprache hatte nicht zuletzt damit zu tun, daß die deutschen Länder nach den Religionskriegen nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell daniederlagen. Zweck ist heute wie damals oft die Angeberei oder gar das Nichtverstandenwerden, um gewöhnliche Sterbliche vom Gespräch der Eingeweihten auszuschließen.

So wird gerade bei Menschen, die kein Englisch beherrschen, wie Werbestrategen herausgefunden haben, eine unbestimmte Assoziation mit Höherwertigem ausgelöst. Es handelt sich z.T. durchaus um unlauteren Weltbewerb, um Überlistung mit verbalen Tricks, wie man sie schon bei den antiken Sophisten finden konnte. Der jahrelang erfolgreich als Chefarzt an Psychiatrischen Kliniken tätige Hochstapler und einstige Briefträger POSTEL, der vor kurzem wieder vor Gericht stand, erklärte in seinem Buch stolz: ''Wer die Dialektik beherrscht und die psychiatrische Sprache, der kann grenzenlos jeden Schwachsinn formulieren und ihn in das Gewand des Akademischen stecken.'' Das gilt in einem viel weiteren Sinne: Wer nur gescheit daherredet und schwierige, scheinbar vielsagende Fremdwörter oder Pseudofachwörter verwendet, zu denen z.B. viele Anglizismen in Medien und Wirtschaft gehören, kann sehr weit kommen. Wie viele Menschen kennen das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern und lassen sich doch, und bisweilen gern, an der Nase herumführen. Natürlich können sie auch in ''guter'' Sprache betrogen und verführt werden (sei es zum Kauf von Waren, zur Wahl von Politikern, oder zur Heirat mit einem Schwindler), aber das ist hier nicht unser Thema. Ein typisches (Zauber-)Wort unserer Zeit ist Management; sein Gebrauch übersteigt jeden vernünftigen Rahmen. Mancher glaubt gar, das Zeitmanagement und Selbstmanagement etwas Neues seien.

8. Sprachlicher ''Putsch'' im öffentlichen Raum ?

Ich leugne nicht meine große Sorge, wenn ich mich frage, wie das alles weitergehen soll. Den ''Marktkräften'' fehlt heute das Gegengewicht der kulturellen Werte und Kräfte. Die Marktkräfte ergreifen nun auch vom öffentlichen Raum ungehemmt Besitz und räumen an vielen Stellen rücksichtslos und in einem ungekannten Ausmaß unsere sprachliche Umwelt weg, Anfangs war das Streben öffentlicher - inzwischen z.T privatisierter - Unternehmen und Behörden zu begrüßen, im Umgang mit den BürgerInnen bzw. KundInnen nicht mehr eine bisweilen verstaubte und verschachtelte Sprache zu verwenden, von der sich manche eingeschüchtert fühlten; die neue Ausdrucksweise sollte dem Alltag näher, verständlich und daher demokratischer sein; auch Humor sollte dabei gelegentlich seinen Platz haben. Mittlerweile erweckt die krampfhafte Ummodelung vielfach den Eindruck, als solle nicht nur ein bürokratisches und abgehobenes Deutsch, sondern das Deutsche schlechthin abgeschafft, jedenfalls der Abschied von ihm stufenweise vorbereitet werden.

In Wirklichkeit gibt es kaum noch Themen und Gebiete, die nicht betroffen sind vom ''Neudeutschen''. Wie sollten sie auch von den Nachahmungseffekten nicht mitgerissen werden? Da drängen sich Berateragenturen aller Schattierungen, Trend-forscher und Werbespezialisten auf und verhelfen nun auch noch der letzten Behörde oder Kirchengemeinde zu einer sprachlichen Darstellung, die sich von der in Management-handbüchern oder derLifestyle-Produktwerbung oft in nichts mehr unterscheidet. Neuerdings gleichen auch Wahlkämpfe in der Wortwahl einer Talkshow oder dem Jugendslang. Besonders wirksam gelten Sprüche, die das Wort cool oder Wortspiele damit enthalte: So die CDU in Bundestagswahlkampf 1998 mit ihrem Spruch ''Keep Kohl''. Ein gelungenes Spiel mit Multikultur?

In manchen Teilen Deutschlands sehen sich die Behörden nach Firmen um, die die unter Sparzwang leidenden Universitäten und Schulen unterstützen sollen. Hoffentlich werden dabei Ansprüche und Inhalt nicht zu leichtfertig geopfert. Allerorten schießen private Universitäten (oft eigentlich ''Schulen'') aus dem Boden, die in Rekordzeit hochmotivierte junge Absolventen mit genau dem Qualifikationsprofil hervorbringen sollen, das die Unternehmen benötigen. Alles schön und gut, doch werden diese Einrichtungen nicht versucht sein, ihren Studierenden besagten schrecklichen Sprachmüll aus Werbung und Wirtschaft mitzugeben und ihm dadurch auch noch einen offiziellen Anstrich zu verleihen? Schon breitet sich die neudeutsche Managementsprache auch in den staatlichen Hochschulen aus; der Inhalt der Neuerungen ist hier nicht unser Thema. In Unternehmen und öffentlichen Stellen wird Qualitätskontrolle eingeführt. Leider können Agenturen und Medien nicht, wie im Umweltrecht, nach dem Verursacherprinzip haftbar gemacht werden für das, was sie sprachlich anrichten.

Welche Landesregierung, die im Rahmen der Standortpflege zukunftsträchtige Branchen anzulocken versucht, freut sich nicht, wenn es gelingt, Medienzentren zu errichten und damit auch Arbeitsplätze zu schaffen; nur hält die geistige Standortpflege nicht Schritt, denn die Inhalte sind weitestgehend Privatsache, kaum einer fragt, ob sie zum Ausbau oder zum Abbruch des Sprach- und Kulturstandorts beitragen. Und wenn große Unternehmen als Sponsoren Kultureinrichtungen, etwa Opernhäuser, unterstützen, freuen wir uns natürlich; doch einige dieser Unternehmen gehen mit der Sprache rücksichtslos um. Preise, die für neue Ideen aller Art vergeben werden, heißen selbstverständlich Awards.

9. Absinken der heutigen Landessprachen.

Wirkliche oder eingebildete Marktzwänge können in Bereichen wie Technik, Wissenschaft, Wirtschaft und natürlich auch bei Dingen, die der Mode unterliegen, dazu verführen, auch Sprachprobleme vor allem durch Vereinfachung und Vereinheitlichung zu lösen, d.h. durch ein Wegsparen der Vielfalt, bei dem den Einzelsprachen zunächst eine Zwangsangleichung verordnet wird. Sind für alles Wichtige und Zugkräftige erst einmal englische Schlüsselwörter verankert, dann können die Landessprachen ihren jetzigen Kommunikationsstatus verlieren. Obwohl von der Mehrheit gesprochen, sinken sie auf ein Aschenbrödeldasein hinab. Und wenn dann die Reste der Sätze langsam aufgefüllt werden und den Sprechern viele Begriffe nicht mehr einfallen oder auf weite Strecken keine Neuprägungen mit eigenem Wortmaterial mehr gewagt werden, dann könnten die Landessprachen weitgehend verdrängt werden. Sie könnten aufhören, voll ausgebildete Sprachen für alle Lebensbereiche zu sein, und die Vermittlung der modernen Welt bliebe weitgehend dem Englischen überlassen. In diesem Zusammenhang könnte auf die Vielzahl der französischen Wörter im Luxemburgischen hingewiesen werden, die sich aber aus der Lage des Landes zwischen zwei größeren Sprachgebieten und durch echte Kommunikation mit den Nachbarn erklären. Als ländlicher Dialekt entbehrte es zunächst die abstrakten Begriffe.

Im Deutschen dagegen gelang es im Lauf der Zeit immer öfter, solche Ausdrücke mit eigenen Mitteln zu prägen. Diese Entwicklung begann keinesfalls erst im Zeitalter von Barock und Klassik, sondern schon im Mittelalter. Die Errungenschaften der Sprache LUTHERs wären beinahe wieder verlorengegangen. Aber die Geistesschaffenden von LEIBNIZ, SCHOTTEL und GOTTSCHED bis LESSING konnten beharrlich durch aufklärerisches Argumentieren das Übermaß an lateinischen und französischen Wörtern zurückdrängen und damit die Voraussetzungen für die gewaltige Blüte von Literatur und Wissenschaft schaffen, die der deutsche Sprachraum spätestens ab der Mitte des 18. Jahrhunderts und bis 1933 erlebte. Heute werden wir Zeugen davon, wie einflußreiche Kreise eine umgekehrte Entwicklung, sozusagen zurück ins Mittelalter, fördern. Trotz verbreiteten Englischunterrichts und trotz der Popularität der englisch geprägten Popkultur werden heute von neuem Verständnisbarrieren ähnlich denen aufgerichtet, die schon im Mittelalter die Bevölkerung in Klassen trennten. Der wesentliche Unterschied ist, daß damals die Masse der Bevölkerung nicht lesen und schreiben konnte, also vom Gelehrtenlatein großenteils unberührt blieb, wenn man von Lehnwörtern absieht..

Ein Gutes hat es sicher, wenn viele EuropäerInnen erleben, wie ihre Sprachen, Träger ihrer Identität und großer Kulturschöpfungen, heute ihren Glanz und ihre Geltung einzubüßen drohen, und sie befürchten müssen, sich gesellschaftlich oder wissenschaftlich ''in der zweiten Liga'' wiederzufinden. Es geschieht ihnen nun das, was ihre Mächtigen und Regierungen früher und bisweilen noch heute den SprecherInnen von Dialekten, Regional- und Minderheitensprachen oder den Menschen in eroberten Gebieten und Kolonien zugemutet haben. Wer zufällig in die mächtigere Sprache geboren wurde, wird ganz leicht viele, auch sehr rationale und überzeugende Gründe für die Einschränkung der Vielfalt unterschreiben, um ein anderes, nützliches Ziel zu erreichen. Selbstverständlich wird nicht geleugnet, daß in der Geschichte lebensfähige politische und wirtschaftliche Räume ohne eine gewisse Homogenisierung nicht hätten entstehen können. Aber wieviel Vielfalt wollen, können und müssen wir uns leisten? Die ''Europäische Charta zum Schutz der Minderheiten- und Regionalsprachen'' bietet allen eine Chance, die Achtung, die sie für ihre Landessprachen erwarten, auch in diesem Bereich zu zeigen.

10. Sprachliche Folgen von Globalisierung und Fusionen in Unternehmen, Behörden und Großorganisationen.

Lothar SPÄTH, früher Ministerpräsident von Baden-Württemberg und jetzt führend an der Modernisierung der Zeiss-Werke Jena beteiligt, stellte 1999 fest, es gebe auch bei uns längst Firmen mit Englisch als Geschäftssprache... nicht, weil dies angenehmer oder bequemer sei, sondern weil es zu einem weltweiten Esperanto geworden sei. Er hat ''nicht die Befürchtung, daß wir dadurch die deutsche Sprachkultur verlieren''. Auch Helmut SCHMIDT konnte sich in seinem o.e. Buch ''Globalisierung'' vorstellen, daß

Es ist aber gerade die Frage, wie lange Kreise, die in für sie wichtigen Domänen zuhause zu einer anderen Sprache übergehen, ihre Muttersprache in anderen Bereichen noch pflegen wollen oder können. Die Frage stellt sich auch für die Wissenschaftssprache. Es müßte schon sehr gewissenhaft einzuhaltende Spielregeln (Verhaltenskodizes oder mehr) geben, um eine friedliche und fruchtbare Koexistenz von Landessprachen mit der Weltsprache zu gewährleisten. In der heutigen Wirklichkeit läßt sich eher beobachten, daß die Kreise, denen ihre Mutter- und Landessprache für wichtige Aufgaben der Kommunikation nach innen (~) nicht mehr ausreichend erscheint, auch in diese Landessprache schrankenlos viel aus der Leitsprache hineinmischen, um ihre Orientierung und ihren Rollenanspruch als globale Akteure zu unterstreichen - vergleiche etwa Anzeigen der Deutschen Bank, der Allianz-Versicherung.

Als Mercedes-Benz Chrysler übernahm, wurde Englisch wenige Tage darauf nicht zur offiziellen Firmensprache nicht nur für die Kommunikation mit den Firmenteilen im Ausland erklärt, sondern auch konzernintern für alle
Angestellten und Angehörigen der Firmenleitung ab einem bestimmten Gehalt aufwärts im Stammhaus. Obligatorisch lautet die für die Vereinigung von Konzernchef SCHREMPP ausgegebene Parole ''Speed, speed, speed~''. Dies kennzeichnet deutlich eine neue Klassengesellschaft. Wie die ''Zeit'' am 18.3.1999 schreibt, regen sich z.B. die EDV-Leute der Mercedes-Werke auf, weil sie ihre Arbeitsanweisungen per E-mail auf englisch bekommen. ''Zumindest für eine Übergangszeit müsse es in solchen Fällen Lösungen geben, daß jeder in einer Sprache kommunizieren darf, in der er auch alles gut versteht, fordert der Betriebsrat.'' Es stimmt ja sehr tröstlich, daß bis zur endgültigen Abschaffung der Landessprache in einem Bereich des größten Unternehmens in Deutschland noch eine Übergangsfrist gewährt werden soll. Überhaupt stellt sich die Frage nach den Grundrechten der betroffenen MitarbeiterInnen.

Zum Glück gibt es auch andere Stimmen - selbst von Automobilherstellern. Im ''Spiegel'' 3/1999 erläuterte W. WIEDEKING, Vorstandsvorsitzender von Porsche, seine Bedenken angesichts des Fusionsfiebers und der Folgen f? die Beschäftigten im Kommunikations-bereich: Sind Videokonferenzen oder ständiges Hin- und Herpendeln die Lösung?

''Natürlich können sich die Manager in Englisch verständigen. Aber das ist nicht auf allen Arbeitsebenen der Fall. Ganz schwierig wird es, wenn es um Details geht, um die Einzelteile eines Motors beispielsweise. Doch gerade bei diesen Themen müssen sich die Mitarbeiter perfekt verständigen. Und wenn Englisch oder Französisch die Konzernsprache ist, benachteiligt man automatisch alle, für die dies nicht die Muttersprache ist.''

Kurz nach Mercedes-Chrysler gab BMW ähnliches bekannt. Die z.T. schon seit Beginn des Jahrhunderts in Deutschland vertretenen multinationalen Konzerne Esso (Exxon), Philips, British Petroleum, Unilever und Ford kannten sicherlich Dokumente und Verhandlungen, insbesondere Mitteilungen und Koordination mit ihrer Zentrale im Ausland auf englisch, aber der größte Teil der Multis wurde nicht nur als Unternehmen deutschen Rechts, sondern auch in deutscher Sprache geführt.

Es wirkte nur folgerichtig, daß die Lufthansa, nachdem sie jahrelang das Deutsche in ihren Anzeigen (und anderen Texten) grausam mißhandelt hatte, im März 1998 zu vollständig in Englisch gehaltenen Anzeigen überging, die in deutschen Zeitungen und Zeitschriften geschaltet wurden. Immer mehr ist jedoch das Verhalten der großen, z.T. ehemals staatlichen Unternehmen für andere, auch kleinere maßgebend geworden. Die Lufthansa liegt seit Monaten im Streit mit einem ihrer Ingenieure, der gewagt hatte, in deutsch abgefaßten Werkstattberichten neben die vorgeschriebenen englischen Bezeichnungen von Flugzeugteilen in Klammern die deutschen zu setzen. Die Verwarnungen, die er daraufhin erhielt, führten zu Pressemeldungen wie ''Wer Deutsch spricht, riskiert den Arbeitsplatz''. Selbstverständlich wird der Funksprechverkehr im internationalen Flugverkehr aus Sicherheitsgründen überall auf Englisch abgewickelt. Aber muß Englisch selbst dort eingeführt werden, wo es die personalinterne Verständigung erschwert?

Eine Weile ließen Presseberichte vermuten, selbst das größte deutsche Verlags- und Medienhaus, Bertelsmann (durch Erwerb ausländischer Verlage zum Weltkonzern geworden), habe ebenso gehandelt~ Ob diese Meldung nun zutraf oder nicht: Schon das Gerücht löste Entsetzen oder Spott unter britischen GermanistInnen aus. Wie mir ein Lektor erzählte, fragten sich britische GermanistikstudentInnen verständlicherweise, was ihnen ihr Studium beruflich und als Möglichkeit zum Lebensunterhalt denn noch bringen könne. Kaum einer wird ja Deutsch nur vergangener Größe und großer Schriftsteller wegen studieren. Eine Sprache muß auch Anwendungsgebiete im Leben von heute und morgen haben. Wegen ihrer Marktmacht und ihres gesellschaftlichen Einflusses sind Entscheidungen großer Firmen über ihre interne Sprache, von denen hunderttausende MitarbeiterInnen und Millionen KundInnen betroffen sein können, keine Privatsache (vgl. die rechtlichen Aspekte der Werbe- und Wirtschaftssprache in Abschnitt 6). Die Öffentlichkeitsarbeit von Bertelsmann teilt mit, daß nur Englisch gesprochen werde, wenn ein Gast, der nicht Deutsch spreche, hinzukomme und daß alle MitarbeiterInnen mit höheren Aufgaben Englisch gut beherrschen sollten. Da dies alles nichts besonders Überraschendes oder Umstürzendes darstellt, muß dann aber gefragt werden, wieso eine derart mißverständliche Formulierung ihren Weg in die Öffentlichkeit finden konnte.

Eine Auszählung der Stellenangebote in einer Ausgabe der ''Frankfurter Allgemeinen Zeitung'' im Mai 1999 ergab von insgesamt über 500 Angeboten etwa 70, bei denen zumeist die Bezeichnung der Stellen bzw. Berufe auf englisch angegeben war. Meistens handelt es sich um Stellen im Inland; ein globaler Aspekt ist oft nicht erkennbar. Sehr oft handelt es sich um Prestige-Englisch, das es den Bewerbern, die sich (noch) nicht auskennen, sehr erschwert, Rang, Anforderungen und Aussichten im Zusammenhang mit der Stelle nüchtern einzuschätzen. Der Mitteilungszweck der Sprache wird verfehlt. Auch in einer FAZ-Beilage für Hochschulabsolventen auf Stellensuche wurde eingeräumt, daß die Bezeichnungen mehr vernebeln als informieren; deshalb wurde eine Verdeutschung besonders häufiger solcher Bezeichnungen mitgeliefert. In den nächsten Jahren droht die Ausbreitung von Bezeichnungen wie facility manager für ''Gebäudeverwalter'' oder den altvertrauten ''Hausmeister''.

Bei einem Gespräch mit einem PR-Mitarbeiter der Deutschen Post trug ich vor, daß kaum ein Angebot des Unternehmens frei sei von schrecklichem Slang-Englisch, oft unverständlich für Millionen Kunden. Er meinte, langfristig werde doch der vollständige Übergang aller wirklich zukunftsorientierten Technik- und Telekommmunikationsbereiche zum Englischen in allen Ländern kommen, er hält dies offenbar für wünschenswert und glaubt sogar, die anderen Bereiche der Sprache und ihre Pflege würden nicht darunter leiden. Als ich fragte, ob ich weitergeben dürfte, wer das gesagt habe, bat er, nicht genannt zu werden. Offensichtlich sind viele noch nicht reif für diese Aussage.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang ein Grundsatzurteil des Obersten US-Bundesgerichts von 1994. Es ermächtigte eine kalifornischen Firma dazu, von ihren großenteils hispanophonen Angestellten am Arbeitsplatz den ausschließlichen Gebrauch des Englischen zu verlangen. Sofern diese fließend beide Sprache sprächen, liege keine Diskriminierung aus Gründen der Herkunft vor (''Libération'', 21.4.1994)

11. Die Zukunft von Deutsch als Sprache von Wissenschaft, Technik und Bildung.

So lange ein wichtiger Teil unserer wirtschaftlich und gesellschaftlich einflußreichen Landsleute auf das Deutsche herabblickt und es für ungeeignet oder unfähig hält, moderne Entwicklungen oder schlechthin Zukunft auszudrücken oder sich seiner sogar entledigen möchte, als wäre es Hindernis beim unbegrenzten Anhäufen von ''Shareholder value'', ergeben sich bedenkliche Gefahren für das Weiterbestehen unserer (Sprach)Nation in Europa.

Ernstzunehmende Journalisten, wie Dieter E. ZIMMER in ''Die Zeit'', regten vor zwei Jahren zweisprachige oder sogar englischsprachige Studiengänge für Fächer wie Biologie, Chemie und Physik, Soziologie und Wirtschaftswissenschaften an. In dem Aufsatz ''Warum Deutsch als Wissenschaftssprache ausstirbt'' (''Die Zeit'', 30/1996) hatte ZIMMER dazu geraten, sich mit dem Verlust wichtiger Domänen des Deutschen nach außen und innen abzufinden. Nach seiner Analyse (Klappentext seines schon erwähnten Buches ''Deutsch und anders'') kommt er zu dem Schluß, daß als Folge mangelnder Identifikation mit ihrer Sprache die klügeren Deutschen es eines Tages vorziehen könnten, ihre Kinder von Anfang an auf englisch unterrichten zu lassen. Angesehene deutsche Fachzeitschriften (Chemie, Psychologie u.a.) haben die eigene Sprache bereits von ihren Seiten vertrieben.

Natürlich kann Englisch in der Wissenschaft, besonders in den Naturwissenschaften sehr fruchtbar wirken, sofern Studenten gute Kenntnis in Fachsprachen erwerben und lernen, sich in diesen Fächern auszudrücken. An den neuen ''International Universities'' wie in Bremen wäre aber nur mit strengsten Anforderungen zu verhindern, daß deutsche Dozenten deutsche Studenten in mangelhaftem Englisch unterrichten. Wie Prof. AMMON von der Universität Duisburg in einer Reihe beachtenswerter Untersuchungen über die Statistik der auf deutsch verfaßten Beiträge in internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften festgestellt hat, sehen sich unsere Naturwissenschaftler, Mediziner und Wirtschaftsfachleute in ihren Arbeiten aus unterschiedlichen Motiven weitgehend zum Abgehen von ihrer Muttersprache veranlaßt. Kann ausgeschlossen werden, daß solche Statistiken in den letzten Jahren einige Entscheidungsträger in Ministerien und wissenschaftlichen Einrichtungen im In- und Ausland erst dazu bewogen haben, Deutsch als Ausbildungs- und Wissenschaftsprache in ihren Planungen zu streichen? Es handelt sich jedenfalls nicht nur um die Sachzwänge von jenseits des Atlantik oder die Marktkräfte, sondern auch um mangelndes Bewußtsein für grundlegende Werte und ein Minderwertigkeitskomplex, den besonders Germanisten aus Osteuropa bei deutschen Kongreßteilnehmern, Wissenschaftlern und Geschäftsleuten bemerken, wie F. DEBUS, in ''Entwicklungen der deutschen Sprache in der Gegenwart - und in der Zukunft?'' (1999), S. 18f., berichtet.

In seinem Buch ''Ist Deutsch noch Wissenschaftssprache? Englisch auch für die Lehre an deutschen Hochschulen (1998)'' prüft AMMON die Ansichten für die Einführung englischsprachiger Parallelstudiengänge und beschreibt gleichzeitig mögliche Auswirkungen auf die Zukunft und den Stellenwert des Deutschen. Einige Kapitel sind überschrieben: ''Schwierigkeiten der Erhaltung deutschsprachiger Hochschullehre, Auflösung der Sprachnation [die, sei angemerkt, viel älter ist als die moderne politische Nation des bürgerlichen Zeitalters]? Gefahren staatlicher Zweisprachigkeit, Schwund der Vielsprachigkeit in Europa, Verlust der in der Sprachenvielfalt angelegten Erkenntnismöglichkeiten, Attraktivitätsverlust für Deutsch als Fremdsprache''. Ein bemerkenswertes Zitat: ''(Es) ist bekannt, daß die Funktionsaufteilung von Sprachen auf unterschiedliche Domänen ihren Erhalt begünstigt (mit Folgen für Terminologie und Wortschatz). Werden dagegen zwei Sprachen innerhalb derselben Domäne verwendet, so besteht die Gefahr, daß die prestigeträchtigere die prestigeärmere verdrängt''. In einem Artikel mit der traurigen Überschrift ''Abschied von der Sprache aus Heidelberg und Göttingen'' (''Frankfurter Rundschau'', 4.3.1999) fragt AMMON sogar: ''Wird fremdsprachliche Lehre an den höchsten Bildungsinstitutionen wie die Auflösung der Nation vom Kopf her empfunden?''

Chr. BODE, Generalsekretär des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, hält wenig von der scheinbar naheliegenden Konsequenz (aus der Rolle des Englischen in einigen Wissenschaften), Englisch auch als Unterrichtssprache auch an deutschen Hochschulen zu etablieren. ''Ein 80 Millionen-Volk wie die Bundesrepublik muß es sich auch in Zukunft leisten können, seine Vorlesungen in deutsch abzuhalten''. Das grundständige Studium werde nach wie vor auf deutsch stattfinden. Bei vor allem für Studierende aus dem Ausland bestimmten Kurzstudiengängen sei das etwas anderes - ein perfektes Erlernen der deutschen Sprache könne von den Betreffenden nicht erwartet werden.

Ist es nicht bezeichnend, daß eine Initiative, die nach britischem Vorbild den Dialog zwischen Gesellschaft und Wissenschaft voranbringen und die Ergebnisse der Forschung popularisieren soll, die englische Bezeichnung ''Public Understanding of Science and Humanities'' erhält (''Frankfurter Allgemeine Zeitung'' 2.6.1999)? Angesprochen, wohlgemerkt, wird die inländische, deutschsprachige Öffentlichkeit.

Ein Beispiel für den Umgang mit Wissenschaftssprache: kürzlich erreichte einen international anerkannten Biologen die Mitteilung seines deutschen Verlags, sein schon in mehreren Auflagen bewährtes Lehrbuch könne leider nicht mehr in deutscher (Original-) Fassung erscheinen; künftig wird also auch den deutschen Studenten nur noch die englische Übersetzung zur Verfügung stehen, die in kürzeren Abständen aktualisiert werden kann. Damit ist auch der Fortbestand der Terminologie des Faches in Frage gestellt. Sicherlich bringt eine international absetzbare größere Auflage mehr ein, doch kann das Argument, eine Sprachgemeinschaft von 100 Millionen mit weiteren zig Millionen Zweitsprachensprechern sei kein ausreichender Markt, nicht ungeprüft hingenommen werden. Die Sparpolitik, zu der viele Bibliotheken und Institute gezwungen sind, hat allerdings den Markt verkleinert. Wo nachweislich wirtschaftliche Faktoren das Überleben einer Wissenschaftsliteratur gefährden, wäre seitens des jeweiligen EU-Mitgliedstaates oder auf Unionsebene zu erwägen, ob wertvolle Werke bezuschußt werden können.

AMMON a.a.O. fragt übrigens: ''Wird sich in den [von der Einführung englischsprachiger Veranstaltungen und Studiengänge] betroffenen Fächern die deutschsprachige Lehre auf Dauer in allen Stufen halten können? Andernfalls verkümmert Deutsch zu einer unterentwickelten Sprache ohne moderne Terminologie''. Natürlich sei nebenbei daran erinnert, daß die Fachterminologie besonders in den Naturwissenschaften bereits jetzt reich an griechisch-lateinischen Internationalismen ist, die das Lesen von Beiträgen in verwandten oder nicht voll beherrschten Sprachen erleichtern. Auf die Bedeutung einer systematischen Terminologiearbeit für den Technologie- und
Wissenschaftsstandort Deutschland (bzw. andere Länder) hat erst jüngst W. TEUBERT vom Institut für deutsche Sprache in Sprachreport 1/1999, S. 9ff., hingewiesen. ''Ohne einen nationalen [oder einzelsprachlichen] Diskurs... verharrt man in Abhängigkeit von Fachtexten, über deren Relevanz und Qualität nicht hier, sondern anderswo verhandelt wird.'' Durch den Verzicht auf durchdachte Neuprägungen und Lehnübersetzungen gerät Deutsch in einen
immer schwerer aufzuholenden Ausbaurückstand. Anders machen es nicht nur die Franzosen, sondern auch die Finnen. Diese kleine Sprachgemeinschaft und ihre mit den übrigen europäischen Sprachen (außer dem Estnischen und
Ungarischen) nicht verwandte Sprache hat es in der heutigen Welt angesichts der Übermacht des Englischen noch viel schwerer als das Deutsche; O. JÄRVI, M. KALLIO und H. SCHRÖDER (1999) betonen, gerade die systematische
terminologische Arbeit in Finnland seit dem letzten Jahrhundert habe die Voraussetzungen dafür geschaffen, daß Finnland voll in den westlichen Kulturkreis integriert wurde. Gerade die Präferenz für eigensprachliche Bezeichnungen hat die Finnen besser befähigt, sich das europäische Kulturerbe und den dazugehörigen Wortschatz von Bildung, Technik und Wissenschaft anzueignen.

Im Deutschen sind dagegen immer mehr englische Begriffe im Umlauf, deren Bedeutung für zahlreiche Leser und Verwender ungenau oder sogar unverstanden bleibt. Auch ich, Verfasser dieses Artikels, sehe mich gelegentlich davon betroffen: Ich meinte die Bedeutungen bestimmter Anglizismen aus dem Kontext erschließen zu können, und sah mich, als ich schließlich im Wörterbuch nachschlug, eines Besseren belehrt. Im Gespräch haben viele ohnehin Hemmungen, nachzufragen, oder kein Wörterbuch dabei. Genau dies verschafft den Manipulierern einen taktischen Vorteil. Sprache ist teils ein spontanes und unbewußtes, teils ein sehr wohl bewußt geprägtes und eingesetztes Verständigungsmittel. In den Bereichen, wo es auf dieses letztere ankommt, läßt sich die deutsche Sprachgemeinschaft treiben. Mit dem Verzicht auf die Pflege von Wortschatz, Terminologie und Sprachkultur geraten auch die deutschsprachigen Eliten in die Gefahr, ''sprachlos'' zu werden und auf den Stand eines drittklassigen, nicht mehr in jeder Beziehung entwickelten Landes zu sinken. Das wäre eine Bedrohung einer bisher vollausgebauten Kultursprache - so Prof. DROSDOWSKI. Und wenn wichtige Vertreter eines Faches sich lieber auf Englisch äußern, besteht auch die Gefahr, daß wir den eigensprachlichen Diskurs in diesem Bereich einbüßen. Auch die geistigen Errungenschaften aus den USA und von anderswo müssen gedanklich und sprachlich erarbeitet werden. Statt Austausch und Anverwandlung erleben wir heute zuviel bloße Rezeption, bloßes Hinterherlaufen.

12. Reaktionen der Fachwelt.

12.1 Sprachwissenschaftler zur Lage und zur Zukunft der deutschen Sprache? Die Denglisch-Debatte.

Der schon angeführte B. CARSTENSEN gab noch 1985 (S. 44) eine recht gelassene Stellungnahme ab: bis in unsere Tage hinein hätten immer wieder Puristen und Sprachfreunde gegen das allzu starke Vordringen des Englischen polemisiert; allerdings ließen sich auch keine Anzeichen für einen Rückgang der Anglizismen erkennen. Bezeichnungen wie Germisch, Engleutsch, Denglisch, die sich alle an Franglais anlehnten, seien humoristisch und nicht wissenschaftlich gemeint. So sei wohl auch David HEALDs (1978) Frage in dem Beitrag: ''Deutschlisch' or 'Engleutsch' - Has German a Future?'' zu verstehen. HEALDs Aufsatz schloß:

CARSTENSEN fühlte sich stark an den Anglizismenfeind DUNGER vor einem Jahrhundert erinnert, aber HEALDs Frage könne ohne Bedenken mit Ja beantwortet werden. Im deutschen Sprachgebiet werde keine solche Mischsprache aus Deutsch und Englisch gesprochen, mithin sei ''Denglisch'' keine Gefahr für das Deutsche (von 1984), sagte CARSTENSEN damals. Schon 1990 korrigierte er sich (siehe Zitat in Abschnitt 6). Denn über die Werbung, die neuen Netze und manche Medien verbreitet sich Denglisch - zuerst auch als Scherz, als Spielerei, aus Wortnot, wo Ausdrücke für US-Neuheiten fehlen, dann aber begierig aufgegriffen und unendlich oft nachgeahmt. Die Allgemeinheit spricht noch nicht so, aber eine einflußreiche Avantgarde gefällt sich darin und erhebt es zum Merkmal von Fortschrittlichkeit; von der Wirkung auf die Jugend war schon die Rede. Leider ist zu bestätigen, daß sich zu Sätzen wie denen der Modeschöpferin Jil SANDER, die immer wieder als extremes und höchst künstliches Beispiel angeführt werden, in einigen Anzeigen durchaus Parallelen finden lassen.

Prof. G. WOLFF überschreibt in seiner ''Deutschen Sprachgeschichte'' (3. Aufl. 1994) S. 267ff. sein Kapitel 7.1 ''Die Frage des Sprachzerfalls'' und weist auf die sich mehrenden Beiträge zum ''Sprachmüll'' u.ä. hin. Jedenfalls sei ein rascherer Wandel als früher, zumal bei der Auswahl und Durchsetzung von Sprachvarianten unter dem Einfluß von Medien und Werbung, festzustellen, er warnt aber vor zu ängstlichem Konservatismus. Immerhin stießen unerfreuliche Entwicklungen auch auf Gegengewichte. Die künftige Entwicklung werde aber davon abhängen, wie weit die Internationalisierung und die neuen Kommunikationstechniken (''Sprachlosigkeit''~) das Sprachsystem nachhaltig prägen - ''wie weit der Werbe- und Marktjargon... fernerhin das Denken bestimmen''.

Prof. G. DROSDOWSKI, früherer Leiter der Duden-Redaktion, untersuchte 1997 Veränderungen in der deutschen Gegenwartssprache. Darunter ist auch die ''ungeheure Flut'' von Anglizismen und Amerikanismen, deren übermäßiger Gebrauch ''die Verständigung erheblich beeinträchtigt. Ohne Elementarkenntnisse in Englisch kann man heute deutsche Zeitungen und Sendungen in Funk und Fernsehen nicht mehr verstehen''. Selbst die ''Times'' werfe den Deutschen eine geradezu schamlose Anbiederung an das Englische vor.

''Schlimmer fast als der Verlust an Areal und Geltung der deutschen Sprache muß offenkundig der Mangel an Sprachloyalität der Deutschen [Anm. nicht der Mehrheit, aber doch einflußreicher Gruppen] eingestuft werden. Ist demnach die in der Öffentlichkeit heiß diskutierte Frage 'Ist die deutsche Sprache noch zu retten' überhaupt richtig gestellt, oder müssen wir uns vielmehr fragen: Sind die Deutschen noch zu retten, die so wenig sprachbewußt sind, die unterwürfig... wie Papageien alles nachplappern? (...) Reporter, Moderatoren und Showmaster wetteifern damit, ihr - zudem meist miserables Schul- oder Touristenenglisch unter Beweis zu stellen, versuchen, mit englischen Brocken ihre Sendungen herauszuputzen.'' Nicht einmal bekannte geographische Namen behielten ihre deutsche Form. Und er fragt: ''Wann werden die Verantwortlichen endlich zur Kenntnis nehmen, daß die Mediensprache heute für die meisten Vorbildcharakter hat, wann werden sie nicht nur über den Informations- und Unterhaltungswert von Sendungen nachdenken, sondern auch über den Wert der Sprache, in der die Inhalte vermittelt werden?''

DROSDOWSKI warnt dann davor, bei aller Relativität von Normen von allen Normen Abschied zu nehmen und völlige Beliebigkeit an ihre Stelle zu setzen. Auch tadelt er den Auszug vieler Wissenschaftler aus der deutschen Sprache und die Tatsache, daß sie ihre Forschungsergebnisse der Gesellschaft nicht mehr in deutscher Sprache zugänglich machen. Seine Wünsche sind: ein verantwortungsvollerer Umgang mit der deutschen Sprache, die etwas mehr Stolz und mehr Sprachbewußtheit verdiene, und ihre Stärkung als Wissenschafts- und Konferenzsprache.

Auch D. FÖHR, Dozent des Goethe-Instituts a.D., spricht in GI-Intern vom April 1997 von ''einem tief gestörten Verhältnis zur eigenen Sprache''. Das Zweite Deutsche Fernsehen lud am 11. September 1997 den Freiburger Germanisten Prof. U. PÖRKSEN (''Plastikwörter''), den Leiter der Journalistenschule W. SCHNEIDER und den Schriftsteller F. DIECKMANN zu einem Gespräch ein, das ''Stirbt Deutsch oder sterben nur die Wörter?'' betitelt war. In ihrem Buch ''Gegenwartsdeutsch'' vermissen die Germanisten H. GLÜCK (Bamberg) und W. SAUER (Hannover) ein sprachliches Fingerspitzengefühl von Unternehmen wie Lufthansa und Deutsche Bahn, wenn sie zwischen fremden und eigenen Wörtern wählen und z.B. "ServicePoint" statt "Auskunft" einführen.

Prof. G. STICKEL, Direktor des Instituts für deutsche Sprache (Mannheim), erklärte in seinem Begrüßungsvortrag vor den Teilnehmern der IDS-Jahrestagung am 10.März 1998, wenn die Dinge sich unverändert so weiter entwickelten, dann sei der Abschied des Deutschen von wichtigen Bereichen des öffentlichen Lebens (Handel, zukunftsorientierte Berufe, Teile des Bildungssystems und der Wissenschaften) innerhalb von etwa drei Generationen nicht auszuschließen. Auch deshalb ist es zu begrüßen, daß STICKEL die Flut von Anglizismen insbesondere in der Werbesprache in einer Presseerklärung vom 22. 12. 98 kritisierte und es als wichtiges Ziel in einem Europa ohne Grenzen bezeichnete, ''die eigene Sprache im Konzert der anderen zu erhalten''. Der Pädagoge und Publizist H. HENSEL, keineswegs in der konservativen oder rechten Ecke anzusiedeln, hat eine Streitschrift ''Sprachverfall und kulturelle Selbstaufgabe'' (1999) betitelt.

12.2 Abgehen vom reinen Deskriptivismus?

Der Wortschatz einer lebenden Sprache ist kein starres terminologisches System, das von Gelehrten verwaltet wird, wie der französischen Akademie, sondern Ergebnis jahrhundertlanger, oft sehr sinnvoller Prozesse; von diesem Wortschatz darf nicht leichtfertig zu viel auf einmal in Frage gestellt werden. Viele Linguisten werden jetzt sagen: halt, nicht in natürliche Vorgänge eingreifen~ Laßt die Sprache sich ungezwungen entwickeln. Können wir jedoch von natürlichem Wandel sprechen, wenn Marketingexperten, Werbeagenturen, Medienmacher und Journalisten eine hochartifizielle Sprache entwerfen, die der Öffentlichkeit übergestülpt wird?

Auch der Vorsitzende der Bertelsmann-Kulturstiftung, KAEHLBRANDT, fragte im ''Rheinischen Merkur'' (31.10.1997), ob man diesen Kreisen die Prägung des öffentlichen Sprachgebrauchs überlassen könne. Übrigens machte er angesichts einer Entwicklung, die vielen Sorgen bereitet, den im sprachlich traditionell liberalen Deutschland geradezu revolutionären Vorschlag, das Institut für deutsche Sprache in Mannheim zur Autorität in Sachen Sprachnorm weiterzuentwickeln. Der Journalist B. SUCHER von der ''Süddeutschen Zeitung'' forderte im Februar 1997, der Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt Kompetenzen in dieser Richtung zu übertragen. Allerdings solle sie sich keinem realitätsfernen Purismus verschreiben. ''Zukunft der deutschen Sprache'' wählte die Akademie nicht zufällig als Thema ihrer Herbsttagung 1998.

Der Bericht von G. REFF gibt die während der Tagung vertretenen, teilweise gegensätzliche Standpunkte wieder: Präsident Chr. MEIER mußte den Rückzug der deutschen Sprache aus immer mehr Gebieten nicht nur im Ausland, sondern auch im Inland feststellen. Insgesamt habe Gelassenheit gegenüber der Tatsache geherrscht, daß ''die Welt auf angloamerikanisch eingerichtet wird'' (Prof. J. DREWS). Man gestand dem englischen Spracheinfluß eine vitalisierende Wirkung auf das Deutsche zu und hielt diese dem Gespenst des Sprachnotstandes entgegen. Einigkeit herrschte über die meist schlechte Qualität des Englisch in Wirtschaft und Wissenschaft; dies führt in der wissenschaftlichen Diskussion oft zu Begriffsverwirrungen. Auch DREWS gab seinem Vortrag über ''Denglitsch'' den Untertitel ''Wieviel Angloamerikanisch verträgt unsere Sprache?'' und meinte zunächst ''Sehr viel'', sofern sie dem Deutschen unübersetzbare Nebenbedeutungen und eine neue spielerische Leichtigkeit gäben. Dennoch ist dieser Standpunkt nicht mit den bereits erwähnten Ansichten ARNUs zu verwechseln: Denn ausdrücklich, und wie ZIMMER, sieht DREWS Gefahren durch verballhorntes Englisch in Computerhandbüchern, Werbung und Popmusik, dem Kinder vor der Stabilisierung ihrer Sprachfertigkeiten ausgesetzt werden. Es könne zu ''Verunsicherung, sprachlicher Ungenauigkeit und Nicht-Identität'' führen. Eine Wortliste mit Verdeutschungen, wie vom Verein zur Wahrung der deutschen Sprache vorgeschlagen, lehnte er nicht grundsätzlich ab und ermunterte zu Vorschlägen, für deren Annahme/Ablehnung es keine Regeln gebe. Dr. W. BADER von der Münchner Zentrale der Goethe-Institute hob hervor, daß Deutschland selbst zu seiner sprachlichen Marginalisierung beiträgt. Es werbe nicht für sich. Die ''Sprachkulturelite'' aus Wirtschaft und Politik rede im Ausland lieber Englisch, selbst wenn die Gesprächspartner Deutsch reden könnten und wollten. Das Ausland schätze deutsche Eigenschaften, während Deutschland sich allzu bereitwillig der Globalisierung öffne und damit wenig Selbstbewußtsein zeige. Die Wirtschaft habe längst die Spannung zwischen Sprachkultur und Sprachökonomie zugunsten des Englischen aufgegeben. ''Haben wir nicht längst ein Problem mit dem Sprachstandort Deutschland?'' Der Wirtschaftswissenschaftler K. BORCHARDT stellte fest: ''Das Weltzentrum definiert, was Wissenschaft sein soll'' So brauche ein Werk, um überhaupt rezipiert zu werden, häufig die Überlegitimation des Englischen. Erst dann werde es in Deutschland zur Kenntnis genommen. Der Sprachwissenschaftler H. M. GAUGER lehnte es einerseits ab, auf sprachliche Erscheinungen Einfluß zu nehmen. Damit sei die Sprachwissenschaft in Normfragen hilflos; dennoch wollte er sich der Aussage P. von POHLENZ' nicht vorbehaltlos anschließen, in der Sprache könne es keine Fehlentwicklungen geben.

Selbst die schon erwähnte Gesellschaft für deutsche Sprache sah sich am 17. März 1998 veranlaßt, zu einer Podiumsdiskussion in Bonn unter dem Titel ''No future für Deutsch? Wieviel Englisch verkraftet unsere Sprache?'' einzuladen, die von etwa 300 Personen besucht wurde. Aus den im Sprachdienst 1/99, S. 16-27 abgedruckten Zusammenfassungen der Beiträge sei zitiert: U. BUSSE, Herausgeber des Anglizismen-Wörterbuchs (Osnabrück) findet, daß sich die Lage gegenüber früheren Zuständen nicht wesentlich geändert habe. Er erkennt ''keine Bedrohung...''; will jedoch unterscheiden zwischen... Allgemeinsprache und Fachsprachen... viele der fachsprachlichen Anglizismen blieben dem Durchschnittssprecher unbekannt oder unverständlich...[hierzu zählt er aber auch Medien und Werbung]... Allerdings kann man sich als Sprachteilhaber des Deutschen auch über Anglizismen ärgern, die das Verständnis unnötig erschweren. Wenn etwa die Telekom in Rechnungen CityCall... usw. ausweise, trügen diese... nicht zur Transparenz bei. Leider seien derartige sprachliche Veränderungen anscheinend der Preis, der zu entrichten sei, wenn eine Bundesbehörde sich zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen wandele oder 'neudeutsch' zum globalen Carrier oder Internetprovider mutiere... Es bestehe kein Bedarf durch Regelung durch staatliche Eingriffe; Frankreich müsse uns hier nicht Vorbild sein. Stattdessen solle das Problem im Schulunterricht mit dem Ziel des Bewußtmachens thematisiert werden...

Dagegen lautet die Einschätzung von Prof. J. EICHHOFF: ''Es liegt in unserer Hand'' und er stellt fest (S. 23):

Ähnlich kann nach Ansicht von Prof. Th. BUNGARTEN (Hamburg) die einzelne Sprache nur dann auch künftig Bestand haben, wenn die Sprecher sie ''als die ihnen eigene Möglichkeit und Form der Welt- und Lebenserfahrung und der symbolischen Auseinandersetzung mit ihr begreifen und sie dementsprechend als ihr Identitätsmerkmal... schätzen''. Deshalb möchte er ''das sozialpsychologische Prestige, das die verschiedenen Sprachen in den einzelnen Sprachgemeinschaften genießen, systematisch erheben''. Demgegenüber legten führende Schichten einiger Länder wie der Niederlande im interkulturellen und transnationalen Kontakt keinen Wert auf die Verwendung der eigenen Sprache, da sie ''die Sprache vornehmlich als mutilitaristisches Instrument zur Gewährleistung des Informationsaustausches und der Handlungskoordination betrachteten'' (Taalunie-Konferenz Brüssel März 1999)..

Die Professoren STICKEL und F. DEBUS (Kiel) nahmen im Sommer 1998 erstmals in einem Brief an die Telekom bzw. Erklärungen vor der Presse deutlich Stellung zu den Mißbräuchen der Unternehmen Deutsche Telekom und Deutsche Bahn. DEBUS schreibt a.a.O. S. 29ff.,

Er bespricht dann Beispiele von Denglisch, zeigt sich besorgt, daß dieses von Imponiergehabe geleitete Verhalten oft gedankenlos nachgeahmt wird, und stellt fest,

Am 13.12.1998 veranstaltete die Gesellschaft für deutsche Sprache gemeinsam mit dem Fernsehsender 3-sat in Berlin ein Symposion ''Die Deutsche Sprache vor der Jahrtausendwende - Sprachkultur oder Sprachverfall?''. Am meisten interessiert hier der Festvortrag von Prof. HOBERG, der nicht zufällig den Titel trug ''Sprechen wir bald alle Denglish oder Germeng?'' Er geht darin auch auf die syntaktisch-grammatische Überformung und die Umprägung von Wortbedeutungen durch das Englische ein. Einerseits wirft er den neuen Sprachaktivisten etwa vor, sie erkennten die Bedeutungsnuance von Kid gegenüber ''Kind'' nicht. Dazu darf angemerkt werden: ursprünglich war diese Nuance sicher da; aber die Gefahr ist doch, daß es als angeblich schickeres und moderneres Wort ''Kind'' den Platz streitig macht: in Zeitungen wird es oft synonym mit diesem verwendet. Dagegen bedrohte das schon seit Jahrzehnten in der Umgangssprache verbreitete Teenager eigentlich kein vorhandenes Wort; denn Jugendliche(r) ist eher ein schriftsprachlicher Ausdruck, mit dem sich weniger Gefühle verbinden. Aber auch HOBERG sieht ärgerliche und vermeidbare Erscheinungen. Unter diese zählt er die ''Anglizismenwut'' der Deutschen Bahn. Alle, die um die Identität des Deutschen fürchten, erinnert er daran, daß die Übernahme von uns abhänge und wir ja die Freiheit hätten, Waren mit unsinnigen Namen nicht zu kaufen. Leider kann man bei vielen Produkten nicht so einfach ausweichen. Vielmehr ahmt oft ein Hersteller den anderen nach. Und welche Mitmenschen haben schon die Energie, immer wieder zu protestieren? Wenn also HOBERG mit seiner Zuversicht ''Die deutsche Sprache geht nicht unter'' recht behalten soll, darf gefragt werden: Welche? Mit welchem Wortschatz? Und müssen wir nicht noch etwas mehr tun als auf den Geschmack der Einzelnen zu vertrauen? Dabei ist an die erwähnten sprachpflegerischen und terminologischen Bestrebungen gedacht, vielleicht auch Empfehlungen und Verhaltenskodizes.

13. Was tun in dieser Lage? Neue Initiativen.

[?....?; Korruptel, d. Hg.] wert, daß wir Europäer eine Art internationales Englisch zunächst neben unseren Landessprachen und später auch an ihrer Stelle einführen. Sie machten unmißverständlich klar, daß für sie die erfolgreiche Beteiligung am Welthandel Vorrang vor der Erhaltung unserer Sprache hat. und das, indem wir die Sprachen unserer Länder aufgeben, wird die Menschheit nicht glücklicher machen. Evolution und Geschichte haben immer Vielfalt hervorgebracht; gewiß waren und sind unter den Sprachen einige besonders erfolgreich, gefördert durch verschiedenste Faktoren, die oft mit Politik, Wirtschaft und Zivilisation, manchmal auch mit der Sprache selbst zu tun haben. Aber Babel ist ein Mythos in dem Sinne, daß es in der geschichtlichen Wirklichkeit, d.h. in historischer Zeit, immer mehrere Sprachen gab.

Auch trat ich dem Verein zur Wahrung der deutschen Sprache in Dortmund bei. Er wurde von dem initiativfreudigen Statistikprofessor Walter KRÄMER im November 1997 gegründet, der war zu dem Schluß gekommen war, daß die
Fachkreise, deren Aufgabe es eigentlich gewesen wäre, für die Verteidigung der Muttersprache und gegen ihre Verunstaltung durch unsere eigenen Landsleute einzutreten, auch aus Furcht, politisch unkorrekt zu erscheinen, verzagt und stumm blieben oder mit ihrer Kritik die breite Öffentlichkeit nicht erreichten. Zwar hatte es vernünftige Analysen gegeben, doch welcher Germanist hat sich schon zu konkretem Protest aufgerafft? Es kommt ja darauf an, über Einsichten auch zum Handeln zu kommen. Unmut im Elfenbeinturm oder im Gespräch unter Gleichgesinnten bleibt gesellschaftlich meist wirkungslos. Aus der Sprachnot heraus haben sich nun Bürgerinitiativen zusammengefunden. Wer meint, daß sie zu gefühlsmäßig reagieren und sich nicht immer der sanftesten Ausdrucksweise bedienen, sollte sich klarmachen, daß sich aufgestauter Zorn artikuliert, der dank langer Tabuisierung keine Anlaufstelle und Plattform hatte. Die Mischung aus entschiedenem Protest und locker-flockigen Aktionen wie Negativ-Preisen zeigt Früchte: Es ging eine Reihe von Schreiben großer Unternehmen ein, in denen sie ihre Bereitschaft zum Dialog mit dem neuen Verein bekunden und zusagen, auf Anzeigen in Denglisch in Zukunft zu verzichten.

Prof. KRÄMER, der im übrigen schon (auf englisch) an einer kanadischen Universität gelehrt hat und sehr weltoffen ist, möchte, daß der nächsten Generation eine Sprache hinterlassen wird, die ihren Namen noch verdient und nicht mit zu viel von dem bricht, was bis heute Bestandteil unserer Sprache war. In einer ersten Zeitungsanzeige trat er für mehr ''Selbstachtung und Würde aller Menschen ein, die Deutsch als Muttersprache haben''. Der Verein hat Mut zu deutlichen Worten und spricht von ''Mundraub'', der begangen wird, wenn man uns die Wörter nimmt. Nach 17 Monaten hatte der Verein an die 6000 Mitglieder. Das Statut ermöglicht den Ausschluß von Mitgliedern, die ihn als Plattform für Fremdenfeindlichkeit mißbrauchen. Der Verein findet in der deutschen und internationalen Presse starken Widerhall: Der Pressespiegel umfaßt bereits sechs Seiten. Nicht nur alle überregionalen deutschen Blätter berichten regelmäßig; auch der Guardian (5.2.1998), Time Magazine (16.11.1998), New York Times (6.12.1998), Le Figaro (5.1.1999), Daily Telegraph (26.2.1999). Auf dem Internet bietet der Verein übrigens - als ersten, noch unvollkommenen Versuch - mit deutschen Entsprechungen (bei Neuwörtern auch Verdeutschungen) überflüssiger Anglizismen an (http:\\www.vwds.de) an. Zu einer offenen Auseinandersetzung darüber, welche Anglizismen in welchem Kontext als Bereicherung oder als überflüssig anzusehen sind, lädt er alle Interessierten ein.

Sicherlich ist allen LeserInnen zur Genüge klargeworden, daß es keineswegs Absicht ist, unterschiedslos zum Kampf gegen alles Fremde in der Sprache zu blasen. Wogegen sich der Verein wendet, ist die gedankenlose oder hinterlistige Auswechslung großer Teile unseres wohlgegründeten und gängigen Wortschatzes. Insofern als sich eine Gesellschaft wesentlich über ihre Sprache definiert und an ihrer Mißhandlung leiden kann, ist hier natürlich auch ein kollektives Selbstwertgefühl betroffen. Solange diese Bestrebungen aber defensiv sind und sich nur gegen bestimmte Verhaltensweisen eigener Landsleute richten, nicht aber gegen Minderheiten, andere Völker und Länder (auch nicht die USA, weil es sich allermeist um freiwillige Kolonisierung und Unterordnung einer Schicht bei uns im eigenen Land handelt), ist der Vorwurf des ''Nationalismus'' nicht gerechtfertigt.

14. Wie soll es weitergehen?

MitbürgerInnen mit Gemeinsinn und Zivilcourage, die den Ernst der Situation zu ermessen vermögen, sind hiermit aufgefordert, ihren Landsleuten, die im Wirtschaftsleben stehen, und den nur noch dem Zeitgeist nachjagenden, ihn sogar vorwegnehmenden oder überhaupt erst schaffenden Werbeleuten ins Gewissen zu reden und sie zu ermahnen, die Sprache als kulturelles Gut nicht gedankenlos zu verspielen.

Von den USA können wir manches lernen, aber wir wollen nicht unsere Sprache durch ihre oder das, was einige dafür halten, ersetzen. Lernen können wir von den Amerikanern vor allem Zivilcourage; sie tun sich spontan zusammen und bringen friedlich ihren Unwillen zum Ausdruck, wenn es ihnen nötig erscheint. Den Nachbarn in Frankreich gelingt es besser als den Deutschen, gegen sprachliche Übertreibungen zu kämpfen; auf ihrem Land lasten keine ungeheuren faschistischen Verbrechen. So haben sie weniger Bedenken, ihre sprachliche Identität zu verteidigen. Ihre Maßnahmen wecken daher nicht sogleich Befürchtungen, sie könnten der Verfolgung nationaler und religiöser Minderheiten Vorschub leisten. Ob die betreffenden Maßnahmen (''Loi TOUBON'') den besten Ansatz darstellen, sei dahingestellt (vgl. Abschnitt 2.2). Maßnahmen zum Schutz von Sprachen sollten zu dogmatisch ausfallen.

Das beherzte Eintreten für die jeweilige Landessprache könnte auch neonazistischen Tendenzen erfolgreich vorbeugen. Menschen und gerade Jugendliche in Konsumgesellschaften, die keine kulturellen Werte (oder nur sehr trivialisierte und von Marktinteressen verformte) haben, sind vielleicht stärker als andere versucht, an Ausländern und Minderheiten Aggressionen auszulassen, weil ihr verständlicher Wunsch nach Dazugehörigkeit und Identität - vom Sport abgesehen - keine geeigneten Gegenstände findet. Wenn sie etwas schätzen und lieben und sich damit identifizieren können, wird es ihnen leichter fallen, das Andere und Fremde zu akzeptieren

Deshalb muß es auch in einem zusammengewachsenen Europa für jeden Sprach- und Kulturraum Referenzebenen geben, auf denen es ''hochwertige'' Anlässe und Anreize gibt, zu kommunizieren, zu wetteifern und das Denken, Fühlen und Wollen der Menschen in diesem Raum zu allen Themen zu äußern, zusammenzufassen, zu verarbeiten und zurückzustrahlen. Die funktionierende Kommunikation auf dieser Ebene ist vielfach Voraussetzung für den Austausch mit den Nachbarn. Wenn jemand die Aussage macht, nach der in Zukunft ''Brüssel wichtiger ist als Berlin (Paris, Kopenhagen usw.), und unseremit Besten müssen nach Brüssel gehen'', dann ist sie nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig. Natürlich sollen nicht, wie früher vielleicht einmal geschehen, ältere Politiker, die man möglicherweise mit einem gutdotierten Posten belohnen oder sogar loswerden will, auf die europäische Ebene abgeschoben werden. Damit auf dieser gute Politik gemacht wird, muß die EU über hervorragende Leute verfügen~ Aber wenn es auf der Ebene der Einzelstaaten oder besser Einzelsprachen ''nichts mehr (oder nur noch Zweit- und Minderrangiges) zu verhandeln gibt'', würde dies die kulturelle Schrumpfung noch verstärken, den Sog zugunsten einer übergeordneten Sprache verstärken und die sozialen Gräben vertiefen.

Die LeserInnen bitte ich um Verzeihung für die hier etwas ausführlich dargelegten Gedanken. Ich meine aber, das Thema ist wichtig und muß debattiert werden.Vor kurzem sagte mir eine Dame: Wenn du für den Euro bist, mußt du auch einverstanden sein, wenn wir nach und nach eine einzige Sprache in Europa sprechen. Für Europa sind also einige bereit, ihre Sprache aufzugeben. Für andere wäre aber gerade das Verrat an den europäischen Idealen. Teilen wir EuropäerInnen nicht schon unzählige Werte, Traditionen, Künste, Moden und Stile? Aber die Sprachen rühren tief an unsere ''Identität(en)''. Die Sprache wechselt man nicht wie ein Hemd.

15. Ausblick: Zusammenwachsen oder Verschwinden?

Können alle die unbestreitbaren Vorteile von Vereinheitlichung und Einsparung aufwiegen, was auf dem Spiele steht? Ich würde ein gemäßigtes schweizerisches Modell für Europa bevorzugen. Sollte sich das ''universalistische'' (d.h. in Wahrheit sehr englisch-amerikanische) Modell durchsetzen, dann, befürchte ich, würde die EU ihre idealistischen Ursprünge aufgeben und sich weit entfernt von ihren Gründervätern SCHUMAN, MONNET, ADENAUER, DE GASPERI wiederfinden.

Sollten Welthandel und internationale Verflechtung unsere Entscheidungsträger dazu verleiten, alle Sprachen der Welt (Ausnahme: Englisch) erst auszuhöhlen und dann scheibchenweise abzuschaffen, dann wird es mit Sicherheit zu einem Zusammenprall der Kulturen kommen, wenn auch nicht mit der Härte, die S. HUNTINGTON in seinem Buch für möglich hält, sondern mit Argumenten. Ernste Auseinandersetzungen stehen aber bevor, und das ist gut so. Wir wollen doch Begegnung der Völker und ihrer Kulturen, nicht Überwältigung.

Sollte Integration langfristig die Bedeutung erhalten ''im Schmelztiegel verschwinden'', dann könnte Europa zum Alptraum werden, und viele Menschen würden zu dem Schluß kommen, daß sie in etwas hineingezogen werden, dem sie ihre Zustimmung nicht gegeben haben. Die kalten Vollstrecker der Sachzwänge würden die Optimierung der wirtschaftlichen und politischen Abläufe zum Vorwand dafür nehmen, alles abzuräumen und wegzusparen, was den meisten als unveräußerlich gilt. Hier ist ein Gebiet, dessen sich die Europäische Kommission und und die Mitglieder des Europäischen Parlaments annehmen sollten. Es kann wesentlich dazu beitragen, daß das europäische Einigungswerk einen Platz in den Herzen der Menschen gewinnt und vielen nicht nur als Mechanismus der Marktregelung erscheint. Müssen wir uns nun auf allen Ebenen anstelle eines gemeinsamen, aber nicht uniformen Hauses mit
eingebauten Sicherungen gegen Übervorteilung auf einen primitiven Darwinismus und Opportunismus gefaßt machen? Gilt also doch: die großen Fische fressen die kleinen, seien es Unternehmen, Sprachen oder Kulturen ? Unter diesen Umständen werden viele denken: ein Markt ja - eine Sprache niemals. Selbst wenn ihnen für die abgeschwatzten Werte weitere Preissenkungen für einige Lebensmittel und Konsumgüter angeboten werden. Sie und der Verfasser dieser Zeilen würden gern einige Euro mehr dafür zahlen.

16. Zusammenfassung und Thesen.

  1. Es sind gegenwärtig recht gewaltsame, noch nicht dagewesene Umgestaltungen des deutschen Wortschatzes durch Kräfte in Werbung, Wirtschaft und Medien zu beobachten (Untergrabung des Sprachcodes), denen im Beruf und in der Freizeit kaum jemand entgeht; nur ein Teil kann als Entlehnung gelten. Anders als frühere, z.B. französische Einflüsse, erreichen diese Erscheinungen massiv jeden Haushalt.
  2. Das sprachliche ''Modernisierungsfieber'' (D.E. ZIMMER) steht nur teilweise für echte Neuerungen. Auch vorhandene Wörter werden gezielt durch englische, z.T. sehr künstliche Schöpfungen abgelöst. Dadurch werden bereits (z.T. selbst für Gebildete) undemokratische Verständigungsbarrieren aufgerichtet. Das ''Neudeutsch'' greift auf Kultur, Politik und Verwaltung u.a. über.
  3. Haupturheber sind nach übereinstimmender Meinung Teile von Werbung, Wirtschaft und Medien, die die Strategie verfolgen, alles Moderne und Attraktive mit Englisch oder englischen Elementen zu verbinden, in dieser Form zu vermarkten und dabei sehr oft auf angelsächsische Popkultur setzen; bei Durchschnittsmenschen wird der Eindruck erweckt: ''Auf Deutsch läßt sich Neues nicht sagen''.
  4. Die Sprachenverwendung bei den EU-Organen ist im Gegensatz ''zum Leben draußen'' recht gut geregelt, der Stil ihrer Texte kennt die gleichen Probleme wie die Produkte der einzelstaatlichen Bürokratie, unterscheidet sich bis auf eine Vielzahl eigener Prägungen (mehr Abkürzungen als Ausdrücke) nicht wesentlich von ihnen.
  5. Über das Schicksal der Sprachen im vereinigten Europa entscheiden außer den einzelnen: die Einzelstaaten (Subsidiaritätsprinzip) und nur in zweiter Linie die EU; doch trägt sie, da sie den vertraglichen und rechtlichen Rahmen für den grenzenlosen Binnenmarkt vorgibt, eine gewisse Verantwortung. Sie müßte ggf. mit flankierenden Maßnahmen einer sich ausbreitenden sprachlichen Anarchie vorbeugen.
  6. Wir brauchen Regelungen für die friedliche Koexistenz der Sprachen. Dabei sollte auf Erfahrungen wie mit der Beschilderung/Beschriftung in der Schweiz zurückgegriffen werden. Der erste Platz gebührt in jedem Mitgliedstaat der/den Landessprachen. Bei Respektierung dieses Grundsatzes kann eine neue, intensivere Anwesenheit von anderen Sprachen (mehr Förderung des Lernens von Sprachen), darunter auch der Weltsprache Englisch, aufgebaut werden (in manchen Bereichen etwa mehrsprachige Schilder und Beschriftungen, aber unter Einhaltung von Spielregeln).
  7. Englisch ist - in verschiedenem Maße - fast überall de facto Zweitsprache und lingua franca. Eine Einführung als offizielle zweite Amtssprache in den Mitgliedstaaten, mit der manche liebäugeln, hätte jedoch den massenhaften Auszug von Unternehmen, Hochschulen und Eliten aus dem Deutschen bzw. anderen Landessprachen zur Folge.
  8. Kinder und Jugendliche, bereits oft sprachverhaltensgestört, sind dem Pseudoenglisch und der Wegwerfsprache der kommerziellen Sprachmanipulierer am stärksten ausgesetzt; Lehrer haben es schwer, die Muttersprache noch zu vermitteln.
  9. Unternehmen und Hochschulen führen zunehmend Englisch als Konzern- oder Unterrichtssprache ein. Es kommt alles darauf an, ArbeitnehmerInnen, Studierende und WissenschaftlerInnen durch bessere Sprachkenntnisse auf die internationale Arbeitsteilung vorzubereiten; dazu können Lehrveranstaltungen auf Englisch unter der Voraussetzung beitragen, daß die deutschen Fach- und Wissenschaftssprachen nicht verkümmern. Die Sorge um Arbeitsplätze darf nicht zur Destabilisierung von Landessprachen mißbraucht werden.
  10. Stellungnahmen anerkannter Sprachwissenschaftler und Germanisten: einige zeigen noch Gelassenheit und vertrauen auf Selbstregulierungskräfte (Wahlfreiheit im Sprachgebrauch und beim Kauf), während nicht wenige andere ernste Gefahren für den Fortbestand des Deutschen als Kultursprache ausmachen.
  11. Das Zurückfallen des Deutschen u.a. voll ausgebildeter Kultursprachen auf einen drittklassigen Status (mit Englisch als Hoch-, Gelehrten- und Modesprache), der sich dem heutiger Dialekte annähert, muß verhindert werden.
  12. Es kann nicht weitgehend den erwähnten Kreisen in Werbung, Wirtschaft und Medien überlassen werden, über die weitere Entwicklung des Deutschen (o.a. Sprachen) zu bestimmen und es nach ihrem Geschmack umzukrempeln.
  13. In der Bundesrepublik 1997 ist ein Verein gegründet worden, der sich nicht mit akademischen Diskussionen, und pessimistischen Lagebeschreibungen begnügen, sondern die Dinge nach Möglichkeit beeinflussen will und bereits mit einigem Erfolg gegen grobe Mißbräuche (''Denglisch'') tätig geworden ist. Dabei will er engstirnigen Purismus vermeiden.Also, auf eine kurze Formel gebracht: Mehr Bewußtsein für Werte, ohne die es kein Europa gibt~ Sie sind wichtiger als vermeintliche Marktvorteile. Ein Markt, eine Währung - ja -, eine Sprache (soweit sie die anderen verdrängt) - nein.

Sehr gern würde ich dieses drängende Problem mit Lesern diskutieren.

Werner Vogt, e-mail: wvoigt@europarl.eu.int.

Meinen Kollegen G. BERG, B. KERSTING und R. KLÖPPER danke ich für Korrekturen.

17. Literatur

* ABEL, Jürgen: Cyber Sl@ng. Die Sprache des Internet von A bis Z. :-))). München 1999.

* AMMON, Ulrich (Hrsg): English Only? in Europa. Tübingen 1994.(=Sociolinguistica,Bd. 8)

* AMMON, Ulrich - HAARMANN, Harald: Status und Funktion der Sprachen in den Institu- tionen der Europäischen Gemeinschaft. Tübingen 1991.(=Sociolinguistica, Bd. 5)

* AMMON, Ulrich: Ist Deutsch noch internationale Wissenschaftssprache? Englisch auch für die Lehre an deutschsprachigen Hochschulen. Berlin-New York 1998. Besprechung von KLEIN, Wolf Peter: ''Pidgin als Weltsprache''. ''Frankfurter Allgemeine Zeitung'' 14.10.1998. (Fragt u.a., warum ausländische Studenten, die man mit dieser Stategie gewinnen will, ins anglophone Deutschland kommen sollen, wenn sie auch in ein englischsprachiges Land gehen könnten).

* AMMON, Ulrich: ''Einheit im Sinne Humboldts. Englisch als Sprache der Hochschullehre hat mehr Vorteile als Nachteile''. (Erfahrungsbericht) (''Die Zeit'', Nr. 53/1998) (behandelt zugleich objektiv die Gegenargumente und plädiert für gleichzeitige Pflege der deutschen Sprache).

* AMMON, Ulrich: ''Abschied von der Sprache aus Heidelberg und Göttingen. Über Ursachen und Folgen des Niedergangs des Deutschen als Wissenschaftssprache. (''Frankfurter Rundschau'', 4.3.1999) (Behandelt auch Einwände und fragt etwa: Wird fremdsprachliche Lehre an den höchsten Bildungsinstitutionen wie die Auflösung der Nation vom Kopf her empfunden? Ist Bevorzugung des Englischen vereinbar mit dem Ziel der Vielsprachigkeit und Multikulturalität?).

* AMMON, Ulrich: ''Heutige Fachsprachen im interkulturellen Austausch I: Die Stellung der deutschen Wissenschaftssprachen außerhalb des deutschen Sprachgebiets'' (=Fachsprachen. Languages for Special Purposes. Ein internat. Handbuch zur Fachsprachenforschung und Terminologiewissenschaft. (...) Hrsg. von L. HOFFMANN, H. KALVERKÄMPER, H.E. WIEGAND in Verbindung mit Chr.GALINSKI, W. HÜLLEN.Berlin New York 1998, Bd. 1, S. 809-819).

* AMMON, Ulrich: ''Sprachkontakt in multinationalen Betrieben'' (=Kontaktlinguistik. Contact linguistics. Linguistique de contact. Ein internat. Handbuch (...) Hrsg. von H. GOEBL, P.H. NELDE, Z. STARY. Bd. I, Berlin - New York 1996, S. 852-857).

* AMMON, Ulrich (Hg.): Die deutsche Sprache in Japan. Verwendung und Studium. 1998. (auch über Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft).

* AMMON, Ulrich: ''The European Union (EU - formerly European Community): Status Change of English during the last fifty years''. (=Post-Imperial English, .. Ed. by J. A. FISHMAN, A.W. CONRAD, A. RUBAL-LOPEZ. Berlin - New York 1996., S. 241- 267).

* AMMON, Ulrich: ''Language-Spread Policy''. (=Language Problems and Language Planning, Vol. 21, No. 1, S. 51-57).

* APPEL DU COMITÉ EUROPÉEN POUR LE RESPECT DES CULTURES ET DES LANGUES EN EUROPE: http://Persoweb.francenet. fr/~mbonnaud/cerclefr.html .

* ARNU, Titus: ''Die deutsche Sprache gibt es gar nicht. Droht Überfremdung bis zur Unkenntlichkeit? Oder sind Anglizismen eine wilkommene Bereicherung?'' (''Süddeutsche Zeitung'', 24./25. 5. 1998).

* ATKINS, Ralph: ''Defending the tongue of Goethe'' (=''Financial Times'', 21.4.1998).

* BECK, Ulrich: Perspektiven der Weltgesellschaft. Frankfurt a. Main 1998. (=Edition Zweite Moderne).

* BARTFELD, Sina: ''Babylon wird abgebaut. Die Universität der Vereinten Nationen erprobt eine neue Sprache für das Internet''. (''Die Welt'', 9.12.1998) (Jeder soll Texte in seiner Sprache in Netze eingeben können, die mit einem neuen anspruchsvollen System automatische in sehr viele andere übersetzt werden und den Empfänger/Leser in seiner Sprache erreichen) Weitere Informationen: http://www.las.unu.edu

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* STARK, Franz: ''Deutsch 2000''. Materialien zur Fernsehdokumentation des Bayerischen Fernsehens vom 25. November 1998. 3. Korrigierte Fassung im Internet: * http://web.br-online.de/bildung/deutsch2000/ in 12 Teilen: 1. Verbreitung von Deutsch u.a. westlichen Sprachen in Europa, 2. Lernerzahlen von Deutsch u.a. westlichen Sprachen in Europa, 3. Lernerzahlen von Deutsch u.a. westlichen Sprachen in USA, 4. Länderanteile naturwissenschaftlicher Nobelpreise 1901-1998, 5. Sprachanteile in wissenschaftlichen Publikationen, 6. Sprachanteile im Internet, 7. Status von Deutsch in internationalen Organisationen, 8. Zur Internationalen Stellung von Deutsch und zur Sprachenpolitik der BR Deutschland in der EU, 9. Auszüge aus Textquellen und Interviews. Darunter: Die Legende von Deutsch als ''Beinahe- Amtssprache'' der USA, 10. Literaturhinweise 11. Zusatzinformationen, u.a. Biographien, weitere nützliche Adressen, 12. Die Stellung der deutschen Sprache vom Mittelalter bis zum Ende des ersten Weltkriegs, darunter: das ''Reichssprachenrecht'' von 1519, sprachliches Minderwertigkeitsgefühl, Rolle der deutschen Sprache bei diplomatischen Verhandlungen 13. Literatur.

* STICKEL, Gerhard: Ist die deutsche Sprache noch zu retten? Vortrag, Kulturinstitut Ankara, 13.4.1992.

* STICKEL, Gerhard: Fragen der sprachlichen Gleichberechtigung des Deutschen. Vortrag, Hans-Ehlers-Akademie der Künste, 4.5.1992. Lodz,Universität, 16.10.1992.

* STICKEL, Gerhard: dpa-Gespräch: ''Zu viele englische Wörter in der Werbung''. Deutsche Presse Agentur 22.12.1998.

* STOMMEL, Axel - STOMMEL, Margot: ''Wer braucht eigentlich wen? Über Autonomie und Sponsoring in der Schule''. (''Frankfurter Rundschau'', 22.4.1999).

* ''SÜDDEUTSCHE ZEITUNG'': ''Sprache im Schlußverkauf''. In Amsterdam trafen sich die Deutschlehrer der Welt. (12.8.1997).

* TAALUNIE, Nederlandse: Institutional Status and Use of National Languages in Europe: Contributions to a European Language Policy. March 24-26, Borchette Center, Brussels. Abstracts. (Darunter Beiträge von Th. BUNGARTEN, G. HANSEN, R. RINDLER-SCHJERVE, A. DE SWAAN, H. WEYDT).

* TAYLOR, Charles: in Universitas Nr. 619, 1998, S. 14.

* TIBI, Bassam: Europa ohne Identität? Die Krise der multikulturellen Gesellschaft. München 1998.

* TEUBERT, Wolfgang: ''Sprache als Wirtschaftsfaktor. Zur Bedeutung der Terminologie''. Sprachreport 1/1999, S. 9-13.

* TRABANT, Jürgen (Hrsg.): Die Herausforderung durch die fremde Sprache: das Beispiel der Verteidigung des Französischen/Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Die Heraus- forderung durch das Fremde. Hrsg. von Jürgen TRABANT unter Mitarbeit von Dirk NAGUSCHEWSKI. Berlin: Akademie-Verlag 1995. (Interdisziplinäre Arbeits- gruppen, Bd. 1). Ergebnisse eines Kongresses: Sprachpurismus/Französisch 1994.

* TRAXEL, Werner: ''Internationalität oder Provinzialismus?'' (=Psychol. Beiträge, Bd. 18, 1976, S. 584-594).

* TRAXEL, Werner: ''Publish or Perish~ Auf deutsch oder auf englisch?'' (=Psychol. Beiträge, Bd. 27, 1, 1979, S. 62-77).

* VIELAU, Axel: ''Sprachlos in vielen Sprachen? Perspektive des Sprachenlernens im vereinten Europa''. (=Praxis des neusprachlichen Unterrichts, Heft 1, 1991, S. 20-28).

* VEREIN ZUR WAHRUNG DER DEUTSCHEN SPRACHE: Leitlinien. Europa ist unser Haus und Deutsch unsere Sprache. Dortmund 1998. 2 S.

* VOIGT, Werner: Dokumentation zur Zukunft der deutschen Sprache. Außer einigen eigenen Texten Belegmaterial. Seit 1997, mehrfach aktualisiert, ca. 400 S.

* VOLZ, Walter: ''Englisch als einzige Arbeitssprache der Institutionen der Europäischen Gemeinschaft? Vorteile und Nachteile aus der Sicht eines Insiders.'' (=Sociolinguistica 8, 1994, S. 88-100).

* WANDRUSZKA, Mario: Die europäische Sprachengemeinschaft. Deutsch - Französisch - Englisch -Italienisch - Spanisch im Vergleich. Tübingen 1990. (UTB für Wissenschaft: Uni-Taschenbücher Bd. 1588) (Der europäische Sprachbund).

* WARDAUGH, Ronald: Languages in Competition. Oxford 1987.

* WEINGÄRTNER, Daniela: ''Capito? Verstanden? Compris und ? Frisch gewählt, beginnen Europas Abgeordnete... das Gespräch miteinander - und verstehen nur Bahnhof. Elf Sprachen, und nicht immer können die Dolmetscher helfen'' (''Die Zeit'', Nr. 25/17.6.1999, Beilage Leben, S. 3) (u.a. Kritik am Relais-Dolmetschen).

* WEINGARTEN, Rüdiger (Hrsg.): Sprachwandel durch Computer. Opladen 1997.

* WEINRICH, Harald: ''Mit den Nachbarn in ihrer Sprache reden. Die europäische Wortkultur lebt von ihrer Vielfalt''. (=''Frankfurter Allgemeine Zeitung'', Beilage Bilder und Zeiten, 7.11.1987).

* WEINRICH, Harald: ''Les langues, les différences''. (=Le français dans le monde, Heft 228, 1989, S. 49-56).

* WEINRICH, Harald: ''Ein Gesetz für die Sprache?'' (in: TRABANT, Jürgen (Hrsg.), Die Herausforderung durch die fremde Sprache, das Beispiel der Verteidigung des Französischen/Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Die Herausforderung durch das Fremde Berlin 1995.

* ''DIE WELT'': ''Die Deutschen sorgen sich um ihre Sprache'' (Über Ergebnisse einer Repräsentativuntersuchung im Auftrag des Instituts für deutsche Sprache, Winter 1997/1998, 11.3.1998)

* WENZEL, Harald (Hrsg.): Die Amerikanisierung des Medienalltags. Frankfurt-New York 1998. Nordamerikastudien - Eine Schriftenreihe des John F. Kennedy-Instituts der FU Berlin, Bd. 4)

* WICHTER, Sigurd: Zur Computerwortschatz-Ausbreitung in die Gemeinsprache. Elemente der vertikalen Sprachgeschichte einer Sache. Frankfurt a.M. - Bern - New York - Paris 1991. (Germanistische Arbeiten zu Sprache und Kulturgeschichte, hrsg. von Prof. Dr. Dr. h.c. Ruth SCHMIDT-WIEGAND, Bd. 17) (Behandelt auch die Sprache von e- mails)

* WILSS, W.: Das Eindringen angloamerikanischer Fremdwörter in die deutsche Sprache seit Ende des zweiten Weltkrieges. (Muttersprache 68, 1958, S. 180-180)

* WILSS, W.: Der Einfluß der englischen Sprache auf die deutsche Sprache seit Ende des zweiten Weltkrieges. (Beiträge zur Linguistik und Informationsverarbeitung 8, 1966, S. 30-48).

* YANG, Wenliang: Anglizismen im Deutschen, am Beispiel des Nachrichtenmagazins der Spiegel. Tübingen 1990. (= Reihe germanistische Linguistik, Bd. 106).

* ZABEL, Hermann: Fremdwörter in der Gegenwartssprache als Verständigungs- und Verstehenshindernisse. Manuskript, neue Fassung: Deutschland und die deutsche Sprache. Universität Dortmund, September 1998, 20 S.

* ZAPP, Franz Josef: ''Sprachenvielfalt - Stolperstein für Europa''. (in: KLEINSCHMIDT, Eberhard (Hrsg.), Fremdsprachenunterricht zwischen Sprachenpolitik und Praxis. Festschrift für Herbert CHRIST zum 60. Geburtstag, Tübingen 1989)

* ZIER, Matthias: ''Vom Charme der lingua franca''. (=''Audimax'' 6, 1999, S. 44-45)

* Darin Chr. BODE, Generalsekretär des Deutschen Akademischen Austauschdienstes): Grundständiges Studium wird nach wie vor auf deutsch stattfinden.

* ZIMMER, Dieter E.: ''Sonst stirbt die deutsche Sprache'' (''Die Zeit'', Nr. 26/1995) (Über die Flut der Anglizismen und die nachlassende Kraft des Deutschen zu eigenen Prägungen bzw. zur Assimilierung des fremden Wortgutes).

* ZIMMER, Dieter E.: ''Warum Deutsch als Wissenschaftssprache ausstirbt. Englisch wird zunehmend zur Lingua der Wissenschaften, wer sie nicht beherrscht, wird ignoriert. Während die meisten Forscher sich darauf
einlassen, herrscht in der Europpäischen Union eine babylonische Sprachverwirrung. Ein Plädoyer für nationale Zurückhaltung im Dienst der Verständigung''. (''Die Zeit'' Nr. 30/1996.) (Plädiert auch für Verzicht auf Deutsch als Wissenschaftssprache und gegen eine Stärkung des Deutschen in den EU-Organen, vgl. Erwiderung von R. KAEHLBRANDT).

* ZIMMER, Dieter E.: Deutsch und anders. Die Sprache im Modernisierungsfieber. 1. Aufl., Reinbek bei Hamburg 1997. (Darin u.a.: Neuanglodeutsch - über die Pidginisierung der Sprache S. 7-85, Hundert Computerbegriffe in zehn Sprachen S. 86-104, Abschied von Illusionen. Über den internationalen Status der dt. Sprache S. 201-214.

* ZIMMER, Dieter E.: ''Die Multikulturmaschine. Ein gutes Computerprogramm muß in vielen Sprachen und Kulturen einsetzbar sein. Diese ''Lokalisierung'' ist ein aufwendiges Geschäft''. Teil 1 einer Serie über Computer und (''Die Zeit'', Nr. 18/1999)

* ZITTLAU, Jörg: It's cool, man. Neudeutsch für amerikanisierte Germanen. Hamburg 1996.

*The prospects of European Languages, esp. German, cause anxiety. Business, media & advertising circles (partially or entirely) abandon, in the name of globalization or the market, important sectors of modern life to English, often however just to show off, even at the price of communication barriers. In contrast to earlier borrowing, the national languages could be so undermined at home as to lose their cultural status. Europe must defend them in order to maintain high-level democratic communication within the language communities, and because of the values linked to them, including identity. Citizens have taken up the struggle against Pidgin-German.


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