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Neue neue Rechtschreibung bei der Neuen Züricher Zeitung.

Fundstelle: NZZ Monatsarchiv. Neue Zürcher Zeitung FEUILLETON Montag, 15.05.2000 Nr.112   36 .

Zum Zwecke leichterer Information über ein bemerkenswertes Exempel der Revision urspünglicher Rechtschreibungsarrangements im Rahmen der sog. 'Rechtschreibreform' wird der unter der URL-Adresse [ http://archiv.nzz.ch/books/nzzmonat/0/ ] auffindbare und allgemeinzugaengliche Text auch an dieser Stelle veroeffentlicht.


zz. Seit knapp zwei Jahren wird die neue Rechtschreibung in den Schulen gelehrt und in den meis- ten Verlagshäusern in unterschiedlichem Ausmass angewandt. Die deutschsprachigen Depeschenagenturen haben ab 1. August 1999 ihre Texte ebenfalls zu einem grossen Teil der neuen Rechtschreibung angepasst. Die SDA teilte am 20. Dezember ihren Kunden zusätzlich mit, dass sie ab sofort die Firmennamen und Abkürzungen von Organisationen so schreiben werde, wie sich die Firmen und Organisationen selber schreiben. Damit akzeptiere die SDA (die sich selber sda schreibt) ausnahmslos Gross- und Kleinschreibungen von Buchstaben bei Firmennamen wie DaimlerChrysler, CompuServe, PreussenElektra, SAir oder VEBA. Ferner würden Schreibungen wie Yahoo!, o.tel.o, Konr@d, buecher.de usw. übernommen. Ebenso werde die SDA Abkürzungen so schreiben, wie dies die betreffenden Organisationen selber tun (RhB, LdU, NATO, UNICEF, bfu, BUWAL). Im Zweifelsfalle würden die Namen versal geschrieben, ungeachtet der Anzahl Buchstaben und ungeachtet der Sprechbarkeit bzw. Nichtsprechbarkeit. Die bisherige Regel, wonach bei Abkürzungen, die aus mehr als drei Buchstaben bestehen und die als Wort gelesen werden können, nur der erste Buchstabe gross geschrieben werde (Nato statt NATO, Unicef statt UNICEF), streiche die SDA im Einklang mit den anderen deutschsprachigen Nachrichtenagenturen ersatzlos. Einmal mehr sind damit die Redaktionen in den verschiedenen Zeitungen und Verlagshäusern gezwungen, entweder die von den Agenturen gelieferten Texte in der neuen Form zu übernehmen oder die neuen Schreibweisen dem Hausgebrauch anzupassen.

Die letzten Sommer von den deutschsprachigen Nachrichtenagenturen verfassten Richtlinien sind von der NZZ zusammen mit der Neuregelung der deutschen Rechtschreibung geprüft worden. Die NZZ hat nun entschieden, die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung ab Montag, 15. Mai 2000, in der von uns als sinnvoll erachteten Form ebenfalls anzuwenden. Die Änderungen betreffen die Bereiche Laute und Buchstaben, Getrennt- und Zusammenschreibung, Schreibung mit Bindestrich, Gross- und Kleinschreibung, Zeichensetzung sowie Trennung am Zeilenende. Als Nachschlagewerk wird für die NZZ Duden Band 1 («Die deutsche Rechtschreibung», 21. Auflage) verbindlich sein - und zwar in seiner traditionsbezogenen Version. Das heisst: überall dort, wo Duden die hergebrachten Formen zulässt, werden wir diese anwenden.

Weiterhin kein Eszett

Zur s-Schreibung: Mit der Rechtschreibreform sind im Bereich Laute und Buchstaben die Regeln für die Schreibung von Doppel-s (ss) und Eszett (ß) geändert worden. Seit dem Verschwinden der deutschen Schreibschrift aus den Schweizer Schulstuben, seit 1934 ungefähr, wird das Eszett im schweizerischen Allgemeingebrauch nicht mehr eingesetzt. Mit der Einführung von lochbandgesteuerten Bleisetzmaschinen wurde das Erfassen von Texten in den Zeitungsbetrieben immer mehr von Leuten ausgeführt, die nicht Schriftsetzer waren und die die Eszett-Regeln nicht kannten. Dies führte zu unzähligen Korrekturen und zu für die Zeitungsproduktion teilweise problematischen Verzögerungen. Die «Neue Zürcher Zeitung» entschied daher vor über 25 Jahren, ab 4. November 1974, als letzte schweizerische Tageszeitung, ebenfalls kein Eszett mehr zu setzen. Einige Schwarzkünstler weinten diesem Zeichen wohl noch ein paar symbolische Tränen nach, von der Leserschaft wurde dieser «Verlust» aber kaum bedauert. In der Schweiz und auch in der NZZ wird trotz der Reform Eszett weiterhin nicht mehr verwendet.

Zusammentreffen dreier gleicher Buchstaben: Wenn in Zusammensetzungen drei gleiche Buchstaben zusammentreffen, bleiben alle drei erhalten: Schifffahrt, Schifffracht, Brennnessel, Süssstoff, Zoooberwärter, Teeei, Armeeeinheit, seeerfahren, armeeeigen. Den-noch und Mit-tag werden wie bisher geschrieben und getrennt. (Bei unübersichtlichen Wortgebilden kann wie bisher gekuppelt werden.) Die NZZ übernimmt diese Norm, setzt aber in Nomen bei drei gleichen Vokalen einen Bindestrich: Armee-Einheit, aber: armeeeigen.

Verdoppelung von Konsonanten: Neu werden bei folgenden Wörtern Konsonanten verdoppelt: Ass (wegen: Asse), Karamell (wegen: Karamelle), Messner (wegen: Messe), Mopp (wegen: moppen), nummerieren (wegen Nummer), Tipp (wegen: tippen), Stepp[tanz] (wegen: steppen), Tollpatsch (wegen: toll; die Herleitung ist falsch, hat sich aber «volksetymologisch» durchgesetzt); Stuckatur, Stuckateur (wegen: Stuck). Umgekehrt wird bei einigen auf Verdoppelung verzichtet: Saisonier, Maisonette, Ordonanz. Die NZZ übernimmt die Verdoppelungen, bleibt allerdings auch bei der Verdoppelung bei Saisonnier, Maisonnette und Ordonnanz.

Umlautschreibung: Neu wird in folgenden Wörtern ä statt e geschrieben: Bändel (wegen: Band), behände (wegen: Hand), Gämse (wegen: Gams), belämmert (wegen: Lamm), gräulich (wegen: Grauen), Quäntchen (wegen: Quantum), schnäuzen (wegen: Schnauz), Stängel (wegen: Stange), überschwänglich (wegen: Überschwang), verbläuen (wegen: blau). Umgekehrt wird das Wort Wächte zu Wechte (wegen: wehen). Zu den bisherigen Schreibweisen aufwendig und Schenke sind gemäss den neuen Schreibregeln auch die Varianten aufwändig und Schänke möglich.

Die NZZ übernimmt zum Teil die neuen Umlautschreibungen (überschwänglich hatten wir immer so), hält aber an aufwendig und Schenke fest. Zu Quäntchen meint der Mannheimer Verlag: «Das Substantiv Quäntchen (kleine Menge, bisschen - es fehlte nur ein Quäntchen Glück) ist eine Verkleinerungsform zu Quent, dem Namen eines früheren deutschen Handelsgewichts. Quent geht zurück auf mlat. quentinus (= vierter Teil eines Lots). Trotzdem wird es nach den neuen Regeln nicht mit e, sondern mit ä geschrieben, da der sprachhistorische Hintergrund nicht allgemein bekannt ist und das Wort deshalb mit Quantum in Verbindung gebracht wird.» Im Sinne der Sprachpflege schliessen wir uns den Überlegungen der Reformer nicht an und schreiben weiterhin Quentchen. Ebenso halten wir fest an den Wortformen Gemse, Stengel, behende, weil Gämse, Stängel und behände ungewohnt sind, in vielen Sprachregionen der Phonetik widersprechen und dadurch unfreiwillig komisch wirken. Die verschiedenen Bedeutungen der Homonyme gräulich und greulich wollen wir auch weiterhin im Schriftbild sichtbar machen (also weiterhin: Greuel).

Einzelfälle: Als Einzelfälle werden aufgelistet die neuen Schreibungen: Föhn (für heisser Fallwind und für Heisslufttrockner), Zierrat, Rohheit, Zähheit, Jähheit (unverändert bleiben Hoheit und Rauheit). Doppelschreibungen sind möglich für: Alptraum / (neu:) Albtraum; Alpdrücken / (neu:) Albdrücken; selbständig, Selbständigkeit / (neu:) selbstständig, Selbstständigkeit. Die Einzelfälle werden auch von der NZZ übernommen. Bei den Doppelschreibungen verwendeten wir schon bisher Albtraum und Albdrücken, hingegen bleiben wir bei selbständig und Selbständigkeit.

Fremdwörter: Als Angehörige eines mehrsprachigen Landes müssen wir uns in der Schweiz für die Behandlung der Fremdwörter im schriftlichen Gebrauch einige Sonderrechte vorbehalten. Die ständige enge Berührung vor allem mit den andern Landessprachen, aber auch mit der englischen Weltsprache bringt es mit sich, dass die Aussprache mancher Fremdwörter französischer, italienischer und englischer Herkunft bei uns auch im schriftdeutschen Sprachgebrauch von derjenigen in Deutschland und Österreich abweicht. Für die Schweiz gilt speziell, dass bei Fremdwörtern aus den andern Landessprachen die an der Herkunftssprache ausgerichtete Form als Vorzugsvariante gilt. Wir schreiben also Accessoire, Apéritif, Bouquet (Wein), Communiqué, Décolleté, Menu, Négligé, Portemonnaie. Natürlich geht es auch hier nicht ohne Ausnahmen. So sind Wörter, die sich bei uns in verdeutschter bzw. akzentloser Schreibweise gut eingebürgert haben, so zu setzen, zum Beispiel: Billett, Bukett (Blumen), Decharge, Defilee, Detail, Klischee, Klub, Necessaire, Püree, Separee, Soiree, Soufflee und Tournee.

Bei englischen Wörtern mit der Endung -y (Baby, Hobby, Lady usw.) lautete bisher die Mehrzahlendung wie im Englischen -ies (Babies, Hobbies, Ladies). Neu ist, dass sich die Mehrzahl bei diesen Wörtern optisch nach der Einzahl richtet, das heisst, für die Mehrzahl wird bloss ein s angehängt statt -ies. Bisher galt dies für Pony(s) und Gully(s). Also neu: Hobbys, Babys, Ladys. In englischen Ausdrü- cken bzw. Redewendungen gilt selbstverständlich -ies. Die NZZ schliesst sich dieser Regelung an.

Fremdwörter mit den Buchstabengruppen ph, th, rrh und gh, die neu zu f, t, rr und g werden müssen bzw. dürfen (Photo, Foto; Phantasie, Fantasie; Thunfisch neu Tunfisch; Panther neu Panter; Katarrh, Katarr; Hämorrhoide, Hämorride; Ghetto, Getto; Spaghetti, Spagetti), werden von uns nur selektiv eingedeutscht: Foto (aber Photographie) oder Telefon (aber Mikrophon). Wir bleiben auch bei Thunfisch und Panther und wollen weiterhin zwischen Phantasie (Einbildungskraft, Vorstellungskraft) und Fantasie (in der Musik ein freies, improvisationsähnliches Instrumentalstück) unterscheiden.

Wie Gnu oder Kakadu schreiben wir neu auch Känguru.

Wir können uns - in Abweichung von unserem Grundsatz, die alten Schreibweisen zu bevorzugen - der Logik anschliessen, dass, wenn es verwandte Wörter auf -z gibt, die z-Schreibung Hauptvariante sein soll. Wie bei Finanz, finanziell; Tendenz, tendenziell wird also geschrieben (wie Substanz) substanziell, (wie Potenz) potenziell, Potenzial, (wie Essenz) essenziell.

Festhalten an Differenzierungen

Verbindungen aus Verb (Infinitiv) und Verb werden neu immer getrennt geschrieben. Eine bei gewissen Fügungen vorher mögliche Sinndifferenzierung wird nach neuer Rechtschreibung fallengelassen. So ergibt sich: kennen lernen, spazieren gehen, bestehen bleiben, sitzen bleiben (wörtlich und übertragen), fallen lassen (wörtlich und übertragen). Die NZZ kann sich nur teilweise mit dieser Regelung anfreunden. Sie wird weiterhin zwischen wörtlichem und übertragenem Sinne unterscheiden. Beispiel: Ein Schüler ist sitzengeblieben, also nicht versetzt worden. Er ist sitzen geblieben, also nicht aufgestanden.

Verbindungen aus Nomen und Verb werden mit Ausnahme weniger Fälle neu getrennt geschrieben; das Nomen wird dabei gross. Früher herrschte hier die Regel Handgelenk mal Pi, wobei man damit leben konnte, weil es eben keine Regeln gab . . . Beispiele neuer Schreibweise sind: Rad fahren (wie bisher Auto fahren), Kopf stehen (wie bisher Schlange stehen), Schlittschuh laufen (aber: das Radfahren, das Autofahren, das Kopfstehen usw.). Bei der Konjugation heisst es dann logischerweise: ich fahre Rad, ich laufe Schlittschuh. Es bleiben weiter zusammen: teilnehmen, wundernehmen, preisgeben, irregehen, heimgehen und einige weitere, aber unspektakuläre Fälle. Die NZZ übernimmt diese Neuerung.

Partikeln mit den zweiten Bestandteilen -einander und -wärts werden mit den folgenden Verben immer getrennt geschrieben. Zum Beispiel: aneinander denken, auseinander ziehen, zueinander finden, zueinander passen; abwärts gehen (in jeder Bedeutung). Fügungen mit sein schreibt man neu einheitlich getrennt, in allen Konjugationsformen. Beispiele: da sein, sie ist da gewesen, als ich da war; auf sein, ich bin auf gewesen, da ich noch auf war. Die NZZ übernimmt diese Regeln, schreibt aber der Logik halber auch Fügungen mit werden getrennt: inne werden, irre werden.

Bei den Fügungen aus Adjektiv und Verb sowie aus Adjektiv und Adjektiv gilt neu, dass Adjektive auf -ig, -isch und -lich immer getrennt vor dem folgenden Verb oder Adjektiv stehen, ebenso (ursprüngliche) Partizipien auf -end, -en und -t: fertig stellen, übrig lassen, winzig klein, gelblich grün, kochend heisses Wasser, das Wasser ist kochend heiss, verloren gehen, gestochen scharf, geschenkt bekommen. Die NZZ übernimmt diese Regeln nur teilweise, weil die Möglichkeit zur Differenzierung nicht aufgegeben werden soll. Beispiel: Es kommt uns darauf an, ob jemand seine Tätigkeit schlecht macht oder die Arbeit seiner Kollegen schlechtmacht. Auch die Unterscheidung zwischen wörtlicher und übertragener Bedeutung soll in der Schreibweise sichtbar bleiben. Beispiel: das frisch gebackene Brot, aber: der frischgebackene Ehemann. Gross schreiben, klein schreiben werden wir der Einfachheit halber unabhängig von der Bedeutung getrennt schreiben.

Die Fügungen mit einem Partizip als zweitem Bestandteil richten sich in der Schreibweise neu konsequent nach der Schreibung im Infinitiv: die Fleisch fressenden Tiere (wie: Fleisch fressen), Aufsehen erregend (wie: Aufsehen erregen - mit der Nominalisierung: die Aufsehen Erregenden), nahe stehend (wie: nahe stehen - mit der Nominalisierung: die nahe Stehenden), zugrunde liegend (wie zugrunde liegen). Die NZZ folgt dieser Regelung nur teilweise, weil sie die Differenzierung zwischen aktuellem Vorgang und allgemeiner Charakterisierung beibehalten will. Beispiel: Eine fleischfressende Pflanze ist keine jetzt gerade Fleisch fressende Pflanze, sondern eine, die zu dieser Gattung gehört. Alleinstehende können im Gegensatz zu allein Stehenden auch sitzen, und zwar ebenfalls in Gruppen. Im Weiteren ist zu beachten, dass die neue Regelung in Verbindung mit weiteren Wörtern gar nicht konsequent anwendbar ist. Beispiel: eine Vertrauen bildende Massnahme, aber: eine ausserordentlich vertrauenbildende Massnahme. - Wir schreiben weiterhin zusammen: sogenannt, vielsagend, nichtssagend und ebenso eine Handvoll.

Letzten Februar war an einer Standortbestimmung der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung zu vernehmen, dass die Kommission eine Liberalisierung des Paragraphen 36 der amtlichen Regelung vorsehen will. Der Paragraph 36 regelt die Zusammenschreibung von Substantiven, Adjektiven, Verbstämmen, Adverbien oder Pronomen mit Adjektiven oder Partizipien.

Wenn das Nomen aus einer Wortgruppe verkürzt worden ist, gilt wie bisher auch in der NZZ Zusammenschreibung: hitzebeständig (= gegen Hitze beständig); jahrelang (= mehrere Jahre lang). Eine Verkürzung liegt auch vor, wenn der bestimmte Artikel eingespart worden ist: siegessicher (= des Sieges sicher); herzerquickend (= das Herz erquickend); durstlöschend (= den Durst löschend).

Verbindungen mit wie, so, zu und ebenfalls die zugehörigen ebenso, genauso und allzu werden in Verbindung mit Adjektiven neu einheitlich getrennt geschrieben. Beispiele: wie viel, wie viele; so viel, ebenso viel, so viele, ebenso viele; zu viel, allzu viel, zu viele, allzu viele; allzu schwer (so dass bleibt). Wie bisher gilt Zusammenschreibung, wenn eine Verbindung mit so zu einer Konjunktion (Bindewort) geworden ist. Sie leitet dann einen Nebensatz ein: Soviel ich weiss, ist Max Präsident dieser Kirchgemeinde. Sobald ich etwas erfahren habe, teile ich es dir mit.

Verbindungen mit irgend werden auch in der NZZ neu einheitlich zusammengeschrieben. Beispiele: irgendjemand, irgendeiner, irgendetwas, irgendwas.

Schreibung mit Bindestrich

Ausser in den hier aufgeführten Fällen dient der Bindestrich wie bisher zur besseren Lesbarkeit langer oder unübersichtlicher zusammengesetzter Wörter.

Verbindungen mit Ziffern: Zweiteilige Zusammensetzungen mit Ziffern schreibt man neu auch in der NZZ mit Bindestrich. Es bestand hier immer ein Unterschied zwischen dem, was im Schreibmaschinenunterricht, und dem, was in der Typographie gelehrt wurde. Neu also: 40-Tonner, 8-Zylinder, 17-jährig, eine 17-Jährige, 99-prozentig.

Bei der Zahlenschreibung, ob Buchstaben oder Ziffern, halten wir uns an folgende Regeln:

1. Kurze Zahlen (ein- oder zweisilbige) werden in
allgemeinen Texten in Buchstaben gesetzt,
längere in Ziffern.

2. Bei Nummern, Jahreszahlen, Mass- und
Währungsangaben und beim Datum werden auch
kurze Zahlen in Ziffern gesetzt.

3. Kurze Zahlen werden zudem in Ziffern gesetzt,
wenn sie mit längeren im gleichen
Zusammenhang stehen oder wenn die Zahlen Vergleichswert
haben wie in Sportberichten, im Wirtschaftsteil, in
Tabellen usw.: Die Vorlage wurde mit 24 gegen 5
Stimmen (nicht: mit 24 gegen fünf Stimmen)
abgelehnt. Die Mannschaft hat mit 3 Toren
Vorsprung gewonnen.
4. Ziffernschreibung und gewisse Abkürzungen (km,
h usw.) oder Sonderzeichen (%, £ usw.) bedingen
einander. Erlaubt sind 12 km, 12 Kilometer, zwölf
Kilometer. Nicht erlaubt ist zwölf km.

Bindestrich zur Hervorhebung von Wortteilen: Bisher war bei gewissen Wörtern im Wörterbuch strikt festgelegt, ob sie mit hervorhebendem Bindestrich geschrieben werden sollen. Die Neuregelung arbeitet mit Varianten: Ich-Form oder Ichform, Ich-Erzähler oder Icherzähler. Damit der Bindestrich seine Wirkung nicht verliert, sollte er ausserhalb der Grundregel (Wortverbindungen mit mehr als drei Wörtern) nur dann eingesetzt werden, wenn sonst eine Verwechslung möglich wäre oder der Sinn der Wortverbindung nicht verstanden werden könnte.

Gross- und Kleinschreibung

Die Grossschreibung am Satzanfang: Das einzige Problem ist hier dies, dass nach einem Doppelpunkt der erste Buchstabe eines vollständigen Satzes gross oder klein geschrieben werden kann. (Früher galt Kleinschreibung dann - dies eine sehr diffizile Unterscheidung -, wenn der Satz nach dem Doppelpunkt eine Folgerung aus dem oder eine Zusammenfassung des Vorangegangenen ausdrückte.) Beispiel für die Neuregelung: Zufrieden schaute er in den Garten: Alles wuchs und gedieh. / Zufrieden schaute er in den Garten: alles wuchs und gedieh.

Kleinschreibung bleibt allerdings, wenn nur eine Aufzählung, eine Wortgruppe oder ein Einzelwort folgt. Beispiele: «Welche Zeitung wünschen Sie: die NZZ oder den ‹Blick›?» Sie wollte nur noch eins: den ganzen Tag im Garten liegen.

In der Praxis werden wir bei vollständigen Hauptsätzen, die einem Doppelpunkt folgen, den Satzanfang gross schreiben, bei unvollständigen klein. Also: Das hatte man der Kleinen eingeschärft: Nie solle sie sich von einem Fremden etwas schenken lassen. / Eines war ihm nicht gelungen: die Schüler zur Pünktlichkeit zu erziehen.

Bei Nomen in festen Wendungen mit Verben wird die Schreibung konsequenter. Früher zum Beispiel: Angst haben, dagegen angst machen. Neu: Angst haben, Angst machen; ebenfalls: Pleite gehen, Pleite machen; ausser Acht lassen, ausser aller Acht lassen; Recht haben, Recht erhalten; Rad fahren, Auto fahren, Zug fahren; in Bezug auf, mit Bezug auf; von Seiten (von seiten). Klein bleiben bloss einige Verbindungen mit sein: angst sein (mir ist angst), schade sein, schuld sein, leid sein, pleite sein. Die NZZ wird sich an diese neuen Gebräuche halten mit folgenden Ausnahmen: sich in acht nehmen, gib acht, ausser acht lassen, not tun, leid tun, feind, spinnefeind sein, die wir weiterhin klein schreiben.

Bezeichnungen von Tageszeiten werden in Verbindung mit heute, gestern, morgen usw. gross geschrieben. Was früher falsch war, wird nun richtig. Neu ist in der NZZ also: heute Abend, gestern Nachmittag, übermorgen Mittag (doch natürlich: heute früh, und wie bisher: heute Sonntag).

Nominalisierte Adjektive in festen Wendungen: Nominalisierte Adjektive wurden bisher wie jede andere Nominalisierung gross geschrieben. Wenn die Wendung aber sogenannt verblasst war oder in übertragenem Sinn verstanden werden musste, wurde klein geschrieben. Das führte (positiv gesagt) zu subtilen Unterscheidungen oder (negativ gesagt) zu Spitzfindigkeiten. Neu werden diese Wendungen auch von der NZZ in allen Fällen gross geschrieben. Es gehören dazu: auf dem Trockenen sitzen, im Dunkeln tappen, den Kürzeren ziehen, ins Reine schreiben, ins Lächerliche ziehen, auf dem Laufenden sein, es ist das Beste, was ich kenne, es ist das Beste, wenn du gehst. - Zudem: im Freien, im Verborgenen, im Folgenden, im Allgemeinen, nicht im Geringsten, sich des Nähern entsinnen, etwas des Nähern erläutern. Als Ausnahmen gelten allerdings: binnen kurzem, vor kurzem, seit kurzem, seit langem, vor langem, seit längerem, vor längerem, von nahem, von neuem, seit neuestem, von weitem, von gutem, bis auf weiteres, ohne weiteres, sein eigen nennen, sich zu eigen machen.

Für Superlative gilt die gleiche Grundregel wie für nominalisierte Adjektive. Weiter klein geschrieben werden aber die Superlative mit am. Sie werden in eine Reihe gestellt mit den Steigerungsformen: schnell, schneller, am schnellsten; hoch, höher, am höchsten usw. Bei Wendungen mit aufs wird neu (auch von der NZZ) der Grossschreibung der Vorzug gegeben. Neu gilt also: es ist am besten, wenn du gehst; es ist das Beste, wenn du gehst; nicht im Geringsten; zum Besten wenden; zum Besten geben; aufs Beste erledigen.

Bei den Ordnungszahlen wird konsequent die Grundregel für nominalisierte Adjektive angewendet, da die Ordnungszahlen grammatisch gesehen Adjektive sind. Neu gilt: Jeder Fünfte besitzt heute ein Handy. Die Nächste, bitte! Der Dritte im Bunde. Sie war die Erste, die bedient wurde (= der Reihe nach; also Gleichsetzung mit dem Rang: Er war der Dritte in diesem Rennen).

Im etwas diffusen Feld der unbestimmten Zahladjektive bleiben in nominalisierter Verwendung klein: ein, ander, viel, wenig, und zwar in allen Flexionsformen, also auch: der eine, die andere, vieles, das meiste, die wenigsten, zum wenigsten. Für alle übrigen unbestimmten Zahladjektive gilt Grossschreibung, wenn sie nominalisiert sind. Dasselbe gilt für Adjektive, wenn sie inhaltlich Demonstrativpronomen nahe kommen. Grossschreibung gilt also in diesen Fällen: Ich muss noch Verschiedenes erledigen. Alles Übrige, alles Weitere erledige ich morgen. Sie sagte das Gleiche. Merke dir Folgendes. Ich habe noch nie Derartiges, etwas Derartiges erlebt.

In Fügungen mit Präpositionen werden endungslose Sprachbezeichnungen nun gross geschrieben: eine Zusammenfassung in Deutsch, auf gut Deutsch gesagt, sich auf Französisch unterhalten. Ohne Präposition wie bisher in der Regel klein; es gibt aber noch die oft kniffligen Unterschiede: deutsch sprechend (wie?) / Deutsch sprechend (welche Sprache?). Aber natürlich: sein Deutsch, das Deutsch(e). Wir schreiben in der NZZ Deutsch sprechend.

Für die Gross- oder Kleinschreibung bei Paarformeln zur Personenbezeichnung wurde bisher unterschieden, ob sie dekliniert seien oder nicht; bei der nicht deklinierten Form kam es zusätzlich noch auf den Sinn an (also: Die Einladung richtet sich an Junge und Alte [dekliniert]. Die Einladung richtet sich an Jung und Alt [nicht dekliniert] = die junge und die ältere Generation. Die Einladung richtet sich an jung und alt [nicht dekliniert] = jedermann). Neu gilt für Paarformeln zur Personenbezeichnung nur noch Grossschreibung: . . . richtet sich an Junge und Alte / . . . richtet sich an Jung und Alt (in beiden Fällen). Ebenfalls: Gross und Klein; Hoch und Niedrig u. ä. Daneben schreiben wir weiterhin gross: Anzeige gegen Unbekannt, jenseits von Gut und Böse.

In den Spezialfällen an Kindes Statt, Hungers sterben bleiben wir bei der Grossschreibung, da es sich um Substantive handelt.

Grossschreibung der Eigennamen

Die Schreibung der eigentlichen Eigennamen bleibt unverändert. Wobei aus einem Wort bestehende Eigennamen nie problematisch sind, da sie ja Nomen sind und in der Schreibweise diesen folgen (gross). Hier seien deshalb nur mehrwortige Eigennamen aufgeführt. Zu den wirklichen Eigennamen gehören: Personennamen, geographische und astronomische Eigennamen (Vereinigte Staaten von Amerika, Rotes Meer, Weisse Lütschine, Grosser Wagen, der Halleysche Komet), Eigennamen von Objekten unterschiedlicher Art (das Blaue Band [Orden], der Fliegende Pfeil [Pferdename]), Eigennamen von Institutionen, Organisationen, Einrichtungen (Eidgenössische Technische Hochschule, Internationales Olympisches Komitee), Zeitungen, Zeitschriften und dergleichen («Neue Zürcher Zeitung») sowie inoffizielle Eigennamen, Kurzformen, Abkürzungen von Eigennamen (Schwarzer Kontinent, Vereinigte Staaten, ORF = Österreichischer Rundfunk).

Die Grossschreibung mehrteiliger Eigennamen hatte sich bei der bisherigen Schreibweise ausgedehnt in Richtung auch der Grossschreibung irgendwelcher fester Begriffe, wenn die Kombination von Adjektiv und Nomen nur häufig genug vorkam (war das nun der Stille Ozean oder waren das Stille Gewässer und Stille Reserven). Allerdings fehlte zunehmend die einheitliche Handhabung. Neu sollen in dieser Kategorie der mehrteiligen festen Begriffe nur noch als Eigennamen gelten und gross geschrieben werden Wörter der vier Gruppen Titel: Technischer Direktor, der Erste Staatsanwalt, Heiliger Vater; besondere Kalendertage: der Weisse Sonntag, der Erste Mai, der Heilige Abend; geschichtliche Ereignisse: die Französische Revolution, der Zweite Weltkrieg, der Kalte Krieg (für die Epoche 1948 bis 1989/91), hingegen kann es auch künftig kalte Kriege zwischen verfeindeten Gesellschaftsmächten oder Staaten geben; klassifizierende Benennungen der Biologie: die Schwarze Witwe, das Fleissige Lieschen, der Rote Milan.

Beispiele für aus dieser Einengung des Eigennamenbegriffs resultierende Kleinschreibung bisher oft gross geschriebener Begriffe: der italienische Salat, der blaue Brief, das autogene Training, das neue Jahr, die gelbe Karte, das gelbe Trikot, der goldene Schnitt, die goldene Hochzeit, das grosse Los, die höhere Mathematik, die innere Medizin, die künstliche Intelligenz, die grüne Lunge, das olympische Feuer, der schnelle Brüter, das schwarze Brett, das schwarze Schaf, die schwedischen Gardinen, der weisse Tod, das zweite Gesicht, die graue Eminenz. Die NZZ wird diese neuen Regeln übernehmen.

Bei Ableitungen von Personennamen auf -isch und -sch (nur um diese geht es) musste bisher unterschieden werden, ob die Person als Schöpfer oder Verursacher (persönliche Zugehörigkeit oder Leistung = Grossschreibung) dahinter steht oder der Begriff bloss nach der Person benannt wurde (= Kleinschreibung). Dies führte oft zu scharfsinnigen Überlegungen und kniffligen Unterscheidungen. Neu soll nicht mehr unterschieden werden, und diese Ableitungen werden einheitlich klein geschrieben (ohmsches Gesetz, früher gross; ohmscher Widerstand, früher klein). Wenn aber der Name aus irgendwelchen Gründen (und dies in beiden Fällen) hervorgehoben werden soll (Entscheid des Autors), gilt nun auch bei der NZZ Grossschreibung und neu Einsetzung des Apostrophs (Ohm'sches Gesetz, Ohm'scher Widerstand) - was möglicherweise ein Bückling vor englischer Usanz ist.

Weitere Beispiele für die Kleinschreibung: archimedisches Prinzip, archimedischer Punkt, aristophanische Komödien, aristotelische Logik, platonische Schriften, platonische Liebe, die heineschen Reisebilder, mit heinescher Ironie.

Gross geschrieben wird unabhängig von der vorbeschriebenen neuen Regelung nur noch, wenn die Fügung als Ganzes ein Eigenname ist (dann ohne Apostroph): Meyersche Verlagshandlung, Halleyscher Komet. (Nicht betroffen von dieser Regelung sind die von Personennamen abgeleiteten Adjektive auf -istisch, -esk und -haft und die Zusammensetzungen mit vor-, nach- u. a.: darwinistische Auffassungen, kafkaeske Gestalten, eulenspiegelhaftes Treiben, vorlutherische Bibelübersetzungen.)

Bei der Grossschreibung der Anredepronomen soll nur noch die höfliche Anrede Sie (Ihnen, Ihre usw.) gross geschrieben werden. Die vertrauliche Anrede Du (Dir, Deine) und Ihr in Briefen und in feierlichen Aufrufen soll klein werden. Bei Zeitungsartikeln stellt sich dieses Problem kaum. Oft muss auch entgegen den Regeln bei zitierten Texten je nach Originalfassung die Gross- oder die Kleinschreibung angewendet werden. In der Geschäftskorrespondenz wollen Redaktion und Verlag der NZZ entgegen den neuen Regeln in der vertraulichen Anrede beim gross geschriebenen Du bleiben.

Minime Anpassung der Kommaregeln

Komma bei und: Neu ist, dass zwischen Hauptsätzen, die mit und verbunden sind, kein Komma mehr geschrieben werden muss, und dass bei Nebensätzen, die mit und verbunden sind, zusätzlich ein Komma stehen darf. Diese «Regelung» ist keine Regelung. Sie dient hauptsächlich dazu, dem Lehrer bei Schüleraufsätzen den Rotstift zu ersparen, erschwert dem Leser aber das Verstehen. Immerhin ist zu sagen, dass diese neue Kommaregel eine Kann- Formulierung ist - man kann also die Zeichen setzen wie bisher. Die NZZ wird weiterhin bei mit und sowie oder usw. verbundenen vollständigen Hauptsätzen ein Komma setzen.

Bei Infinitiv- und Partizipgruppen (-sätzen) muss neu ebenfalls kein Komma mehr gesetzt werden, es kann aber gesetzt werden, «wenn man die Gliederung des Satzes deutlich machen will». Da es uns wichtig ist, der Leserschaft einen klar gegliederten Satz zum Lesen zu unterbreiten, werden wir in der NZZ an der bisherigen Regelung mit Komma festhalten. Entgegen der bisherigen Regelung sind auch vorangehende Infinitive in der Funktion des Subjekts ebenfalls mit Komma vom übrigen Satz zu trennen. Auch die NZZ schreibt also neu: Ruhig zu bleiben, ist ihm nicht leichtgefallen.

Bei der Kombination von Komma und Anführungszeichen geht es um die Kommas in den folgenden Satztypen (dargestellt in der Schreibweise der neuen Regelung): «Hinaus!», schrie er ihm entgegen. «Was willst du hier?», fragte sie ihn freundlich. Sie fragte freundlich: «Was wünschen Sie?», und reichte ihm die Hand. Sie sagte freundlich: «Ich komme gleich wieder», und eilte hinaus. Nach der grammatischen Logik stehen diese Kommas zu Recht. In der früheren Regelung stand in diesen Fällen kein Komma, mit der (typografisch-ästhetischen) Begründung, man solle nicht zu viele Zeichen hintereinander setzen. Wir übernehmen die neue Regelung.

Apostroph für ausgefallenes e bei es

Für ausgefallenes e muss nach der Neuregelung kein Apostroph mehr gesetzt werden (man kann aber). Also: Das glaub ich dir. Das wär ja auch ein Wunder! Wie gehts dir? Nimms nicht so schwer. Wenns nur besser ginge. Apostroph steht aber nach wie vor im Genitiv artikelloser Eigennamen (Felix' Zimmer, Cannes' Filmfestspiele) oder wenn die Wörter missverständlich wären (das Wasser rauscht', das Wasser schwoll; in wen'gen Augenblicken). Wir halten uns an die Regel im «Richtigen Deutsch» aus dem Verlag NZZ, wo festgehalten ist: «Der Apostroph wird toleriert, wenn sich die Kurzform des Pronomens es an ein vorangehendes Wort anlehnt.» Beispiele: Wie geht's dir? Sie macht's gut usw. So «reformieren» wir in der NZZ nur noch die Formen der 1. Person Einzahl: ich komm, ich geh, ich fahr, statt: ich komm', ich geh', ich fahr'.

Neuregelung der Worttrennung

Trennung von st und ck: Neu wird st wie bisher sp getrennt, ck wird nicht mehr aufgelöst in k-k, sondern wie bisher ch als Einheit behandelt und kommt auf die nächste Zeile: Wes-te (wie bisher Wes-pe), meis-tens, Fens-ter; ste-cken (wie bisher ste-chen), Zu-cker, tro-cken, Flü-ckiger. Absolutheit gibt es allerdings auch hier nicht. Beispielsweise gilt in Zusammensetzungen Erdöl-staaten und nicht Erdöls- taaten oder in Fremdwörtern kon-stant, Kon-stellation, Kon-stituante, Kon-striktion, kon-struieren.

Verbindungen mit r und l sowie gn und kn in Fremdwörtern, also sogenannte Verbindungen von Stummlauten und Fliesslauten, blieben gemäss der bisherigen Trennregelung zusammen: Hy-drant, Qua-drat, zy-klisch, Si-gnal. Diese Trennvorschrift der romanischen Sprachen kam mit ihren Fremdwörtern zu uns. Die Regelung ist heute nicht mehr verbindlich, sondern es kann auch «normal» getrennt werden, also: von mehreren Konsonanten kommt der letzte auf die nächste Zeile: Hyd-rant, Quad-rat, Sig-nal. (Immerhin werden nach einer speziellen Unterregel die Vorsilben beachtet in Wörtern wie: At-traktion, At-trappe, kom-plett, Kon- struktion u. a.) Die NZZ bleibt trotzdem bei der ursprünglichen Trennung dieser Wörter: also Hy-drant und nicht Hyd-rant.

Trennung ursprünglicher Zusammensetzungen

Zusammengesetzte Wörter werden - wie bisher - nach ihren Bestandteilen getrennt: Haus-tür, Mein- eid, berg-ab. Wenn eine ursprüngliche Zusammensetzung aber nicht mehr als solche erkannt oder empfunden wird (und das ist nun eben sehr individuell!), kann man auch nach den Regeln für einfache Wörter trennen. Dies gilt vor allem für Wörter aus dem Altgriechischen und dem Lateinischen. Dies gilt aber auch für die deutschen Wörter wa-rum, wo- rauf, he-rein, hi-nüber, he-runter und andere sowie für eine ganze Reihe von geographischen Namen: Aa-rau, Heri-sau zum Beispiel. Für Fremdwörter sehen die Möglichkeiten so aus (alt/neu; nur die kritischen Trennungen): Päd-agogik/Pä-dagogik, Heliko-pter/Helikop-ter, Chir-urg/Chi-rurg, Hekt-aren/ Hek-taren, inter-essant/inte-ressant, Dem-agog/Dema-gog, Phil-ippinen/Phi-lippinen, Phil-an-throp, Phi-lanth-rop.

Die NZZ wird bei den Trennungen am Stammprinzip festhalten. Wir trennen deshalb wie bisher her-auf und nicht he-rauf. Wir trennen auch künftig Aar-au und nicht Aa-rau, und ebenso trennen wir die aus dem Altgriechischen und aus dem Lateinischen stammenden Wörter nach bisheriger Manier.

Neu, aber in der graphischen Branche verpönt, ist die Abtrennung einzelner Vokalbuchstaben am Zeilenanfang oder am Zeilenende: A-bend, o-ben, Lai- e; bei zusammengesetzten Wörtern: Montaga-bend. Diese Regelung übernehmen wir selbstverständlich nicht. Und es ist zu hoffen, dass die Lehrkräfte diese Trennung lediglich bei den Abc-Schützen tolerieren.

Schreibweisen mehrgliedriger englischer und amerikanischer Fremdwörter

Die Angaben und Regeln in den «Richtlinien zur Rechtschreibung . . .» des neuen Duden zur Schreibweise mehrgliedriger englischer und amerikanischer Fremdwörter im deutschen Satz sind mehrdeutig. Sie lassen jedenfalls eine klare Vorzugsschreibung vermissen und sind für die Wahrung einheitlicher Schreibweisen kaum brauchbar. Mit den folgenden Regeln lehnen wir uns deshalb enger an die Praxis der kürzlich von den deutschsprachigen Agenturen vorgeschlagenen Schreibweisen an, die allerdings von Zufällen und Gegensätzen nicht frei sind. Die Regeln seien für den Gebrauch in der NZZ wie folgt gefasst:

1. Nomen und Nomen (Nominalisierung und
Nomen)

a) Zusammensetzungen aus Nomen werden mit
Bindestrich geschrieben; beide Bestandteile
beginnen mit Grossbuchstaben: Sex-Appeal,
Country-Music, Centre-Court, Body-Bag,
Chewing-Gum, Shopping-Center.

b) Verbindungen, die auch in der
Ursprungssprache zusammengeschrieben werden, oder
geläufige Ausdrücke können zusammengeschrieben
werden: Swimmingpool, Showbusiness,
Dufflecoat, Beautyfarm, Dressman, Brainstorming.

2. Adjektiv und Nomen

a) Verbindungen aus Adjektiv und Nomen
werden getrennt geschrieben, beide Wörter gross:
Big Band, Blue Chips, Compact Disc, Corned
Beef, Joint Venture, Multiple Choice, Small
Talk, Open End.

b) Verbindungen, die auch in der
Ursprungssprache zusammengeschrieben werden, oder
geläufige Ausdrücke können zusammengeschrieben
werden: Software, Hardware, Afrolook,
Aftershave, Fastfood, Hardcover.

3. (Nominalisiertes) Verb und Adverb

a) In einem Wort und gross werden Begriffe
geschrieben, deren zweiter Bestandteil ein
Adverb ist: Countdown, Knockout, Playback,
Layout, Kickdown, Comeback, Blackout.

b) Ein Bindestrich (mit folgender
Kleinschreibung) kann gesetzt werden zur Vermeidung
schlecht lesbarer Schriftbilder oder wenn schon
die Ursprungssprache einen Bindestrich
enthält: Turn-around, Go-in, Make-up, Check-in,
Know-how.

4. Durchkupplungen

Durchkupplung tritt bei mindestens
dreigliedrigen Begriffen ein; oft enthalten zwei
Bestandteile solcher Begriffe schon in der
Ursprungssprache einen Bindestrich. Bei Durchkupplungen
werden der Anfangsbuchstabe und alle Nomen
gross geschrieben: Go-go-Girl, Full-Time-Job,
Duty-free-Shop, Price-Earning-Ratio.

5. Anreihende Verbindungen

Einen Spezialfall bilden zusammengehörende
anreihende Verbindungen. Sie werden gekuppelt
und unterschiedlich geschrieben: das
Walkie-Talkie benützen, eine Fifty-fifty-Teilung, fifty-fifty
machen, bye-bye!

6. Zusammensetzungen aus Fremdwörtern und
deutschen Wörtern

a) Leicht lesbare Fügungen werden
zusammengeschrieben: Computerfachmann,
Fitnessprogramm, Showeinlagen, Familiensplitting,
Abfallrecycling, Tweedanzug.

b) Unübliche Fügungen oder längere Wörter
werden gekuppelt: Underground-Zeitungen,
Hedging-Strategien.

c) Mehrgliedrige fremdsprachige Ausdrücke
erhalten beim Anfügen eines deutschen Wortes
Bindestriche (Durchkupplung): Abend-Make-
up, Walkie-Talkie-Handhabung, Corned-Beef-
Büchse, Happy-End-Zuversicht, Multiple-
Choice-Verfahren, No-Future-Generation,
Over-the-Counter-Präparat,
World-Series-Turnier.

7. Beibehaltung englischer Schreibweise

a) Falls eine rein englische Schreibweise
beibehalten werden soll, werden diese Ausdrücke oder
Wendungen vorzugsweise mit
Anführungszeichen versehen oder kursiv gesetzt: «quality
time», «managed trade», «mid-term blues»,
top class team, on the rocks.

b) Für Titel, Namen und namenähnliche Begriffe
sind Anführungszeichen oder Kursivsetzung
nicht nötig, können aber aus andern als
sprachlich-technischen Gründen erwünscht sein:
Chief Financial Officer, Organization of
African Unity, Women World Cup, Revolutionary
United Front, Membership Action Plan,
«Peace Support Operations», «Longstreet
Carnival», Love Train.

Abkürzungen, Firmennamen, Wortbilder

Für die Verwendung von Abkürzungen und zur Schreibweise von Firmennamen haben wir schon seit Jahren Regeln, die von den eingangs erwähnten neuen Schreibweisen der Agenturen abweichen. Bei den Abkürzungen gilt für uns weiterhin:

1. Sofern die Abkürzung aus mehr als drei
Buchstaben besteht und als Wort gelesen werden kann,
wird nur der erste Buchstabe gross geschrieben,
der Rest klein: Muba, Suva, Gatt, Nato, Unesco,
Fifalpa.
Als Ausnahmen gelten EFTA (zur Wahrung der
optischen Parität gegenüber der EWG), IATA
und SMUV sowie alle neu auftretenden
Abkürzungen dieser Art, bis sie geläufig sind.

2. Abkürzungen mit nur drei oder weniger
Buchstaben erhalten in der Regel die Gross- bzw. die
Kleinbuchstaben der ausgeschriebenen
Wortformen; in Grossbuchstaben geschrieben werden
Abkürzungen mit mehr als drei Buchstaben, wenn
diese Buchstaben einzeln ausgesprochen werden:
AG, RS, EG, BfS (Bundesamt für Statistik), BfU
(Beratungsstelle für Unfallverhütung), BBf (Büro
für Baubewilligungsfragen), DPA, GAV, GUS,
MAN, IGNM, VHTL.
Ausnahmen: Uno, Ufo (unidentified flying
object), Abc (= Alphabet), Plc (public law
company).

3. Die als Wort gelesenen und die buchstabenweise
gesprochenen Versalabkürzungen erhalten keinen
Punkt. Dies gilt ebenso für fremdsprachige
Abkürzungen wie für Abkürzungen mit einzelnen
Kleinbuchstaben im Innern: SA (Société
Anonyme), CGT, SNCF, UdSSR, GmbH, SpA
(Società per Azioni). - Ausnahme: S. à r. l.
(Société à responsabilité limitée).

4. Mehrteilige Abkürzungen (d. h., m. a. W., z. B.)
müssen am Anfang eines Satzes ausgeschrieben
werden: Das heisst . . ., Mit anderen Worten . . .,
Zum Beispiel . . .

5. Das Adelsprädikat von ist am Satzanfang weder
ausgeschrieben noch abgekürzt zu verwenden.
Richtig ist: Richard von Weizsäcker sah sich
genötigt . . . Weizsäcker sah sich genötigt . . .

6. Nicht berührt werden von dieser Regelung die
gewöhnlichen Wortabkürzungen, die in vollem
Wortlaut gesprochen werden: usw., gefl., bzw.,
ggf.

7. Ebenfalls nicht berührt von dieser Regelung
werden militärische Abkürzungen, die Abkürzungen
von Massen, Gewichten und Himmelsrichtungen,
der Münzbezeichnungen und der chemischen
Grundstoffe, die zum Teil eigenen Gesetzen
folgen: Füs Bat 26, kg, m, s, h, km/h, lb (ohne
Plural-s), dB, kWh, U./min, mb, NW, NNW, bFr.,
Na, H2SO4.

Grundsätzlich bleiben wir im Textteil bei der von der Logik der Sprache begründeten Schreibweise. In der Regel übernehmen wir die Logos von Firmen, Vereinen, Institutionen usw. nur zurückhaltend. So lassen wir beispielsweise die symbolischen Kreuzfittings von +GF+ (Georg Fischer) weg. Das Pluszeichen (+) kann anstelle des Et-Zeichens (&) gesetzt werden. Auf Versalschreibweisen wie VOLVO, MIGROSBANK oder unsprachliche Wortbildformen wie StrassenBahn, LeserInnen verzichten wir.

Zum Schluss weisen wir nochmals darauf hin, dass die «Neue Zürcher Zeitung» die Entwicklung der neuen Rechtschreibung weiterhin aufmerksam verfolgen und gegebenenfalls weitere begründete Abweichungen von den neuen Regeln ihren Lesern darlegen wird. Redaktion und Korrektorat der NZZ glauben, mit einer Linie, die sich grundsätzlich an die vom neuen Duden in zahlreichen Fällen weiterhin zugelassenen hergebrachten Formen hält, einen gangbaren Weg zwischen Tradition und orthographischer Neuerung einzuschlagen. Einzelne spätere Anpassungen an die künftige Entwicklung des Sprachgebrauchs behalten wir uns vor.


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