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Einladungsschreiben und Bericht zur Jahreshauptversammlung d. J. 2000 des 'Vereins für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e. V.

Anbei werden das Einladungsschreiben und der Kurzbericht für die Jahreshauptversammlung d. J. 2000 des 'Vereins für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e. V. 'auch an dieser Stelle veröffentlicht. Es enthält außer sinnvollen Appellen an die energische sprachkulturelle Eigenaktivität aller Angesprochenen auch ein detailliertes Bild des augenblicklichen Situation der deutschen 'Rechtschreibverhältnisse' (d. h. der Schritsprachentwicklung), was die praktische Opposition gegen die sog. 'Rechtschreibreform betrifft. Die Anlagen des Einladungsschreibens und des Berichts wurden hier weggelassen. D. Hg.

1) Einladungsschreiben.

VRS - Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e.V. Vorsitzender: Manfred Riebe, Max-Reger-Str. 99, D-90571 Schwaig bei Nürnberg Tel.: (0911) tagsüber 50 08 25, abends 506 74 22, Fax: 506 74 23 Netzpost: <ManfredRiebe@t-online.de> Schriftführer: Stephanus Peil, In den Gärten 5, D-56457 Westerburg Tel.: (02663) 85 93, Fax: 96 85 75, Netzpost:<StePeil@t-online.de> Schatzmeister: Günter Schmickler, Südstr. 11, D-53842 Troisdorf bei Bonn Tel./Fax: (02241) 80 50 49, Netzpost: <GSchmickler@aol.corn>

Vereinsmitteilungen

Schwaig bei Nürnberg, den 31. August 2000

Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter!

Unser Mitglied, der sehr engagierte Realschuloberlehrer i.R. Erhard Roth, Nohweg 10 F, 55743 Idar-Oberstein, ist am 7. Dezember 1999 im Alter von 70 Jahren verstorben. Der Vorstand hatte Frau Elvira Roth auch im Namen der Mitglieder unser Mitgefühl und Beileid ausgesprochen.

Diese Vereinsmitteilung soll, um Zeit zu sparen, eine lange Rede bei der Jahreshauptversammlung am 30. September /1. Oktober in Aschaffenburg ersetzen. Auf die guten Wünsche zum Weihnachtsfest und zum Jahr 2000 konnten wir nicht einzeln antworten. Einige Mitglieder und viele Sympathisanten haben uns immer wieder darin bestärkt, im Widerstand gegen die Rechtschreibreform nicht nachzulassen. Deshalb wollen wir uns an dieser Stelle für alle guten Wünsche nachträglich bedanken. Es wäre natürlich schön, wenn sich die Sympathisanten unserem VRS anschlössen.

Ich werde auch kritische Gedanken äußern. Denn es nützt uns nichts, nur die positiven Seiten und Erfolge darzustellen und die Probleme unter den Teppich zu kehren und Ihnen eine perfekte Vereinsorganisation und ein harmonisches Miteinander mit anderen Initiativen und Vereinen vorzugaukeln. Es gibt eben Licht- und Schattenseiten.

Rückumstellung der FAZ auf die bewährte traditionelle Rechtschreibung

Die Frankfürter Allgemeine Zeitung (FAZ) vom 1. August 1999 enthielt eine bemerkenswerte Karikatur:

Auf einem quadratischen Block steht ein Mann auf einem Keil, der in den Block getrieben wurde. Er hat beide Hände in den Hosentaschen, tut also nichts. Aber allein durch das Gewicht des Mannes wird der Keil weiter in den Block getrieben. Ein Pessimist könnte meinen, dieser Mann auf dem Block symbolisiere die Betreiber der sogenannten Rechtschreibreforrn. Um den Block herum sieht der Pessimist eine Kette erschrockener Bürger, die den Block umschließen, um zu verhindern, daß der Leib der Sprache entzweibricht. Nach dieser pessimistischen Deutung haben die Betreiber der Reform den Vorteil, daß sie nichts mehr tun müssen, weil die Macht des Faktischen der Rechtschreibreform zum Durchbruch verhelfen wird.

Doch die meisten unserer Mitglieder sind Optimisten, sonst wären sie nicht in unserem Verein. Stellen Sie sich einmal vor, der Block ist die Rechtschreibreform. Die Männer ringsherum, die den Block zusammenhalten, sind die Betreiber der Reform, die Reformer, Kultusminister und das Medienkartell. Aber oben auf dem Keil steht das deutsche Volk, das mit der Kraft seiner Argumente und seinem Sprachgefühl sehr viel mehr Gewicht hat. Einige aktive Reformgegner springen lebhaft auf dem Keil herum und treiben weitere Keile hinein. ...

Einen Tag, nachdem diese Karikatur in der FAZ erschien, sagte Friedrich Denk, der sich wie viele andere schon seit Herbst 1998 immer mehr zurückgezogen hatte, am 2. August 1999 in München, die Umstellung auf die neue Rechtschreibung sei "ein schwarzer Tag für die deutsche Sprache, die deutsche Literatur, die Zeitungen und die Demokratie“ (1). In Leserbriefen und Interviews äußerte sich Friedrich Denk sehr pessimistisch: "Auch finde ich es sinnlos, eine Überschwemmung zu bekämpfen, wenn die Dämme einmal gebrochen sind.“ (2) Es muß einmal offen ausgesprochen werden: Wenn man – wie Friedrich Denk – die Hunde ständig zum Jagen tragen mußte, wird man auch einmal müde. Aber zu einer streitbaren wehrhaften Demokratie (3) gehört, daß man der Mehrheit oder den Mächtigen auch einmal unterliegt und verliert. Doch nicht jeder hat die Geduld für ein Leben auf der Oppositionsbank. Friedrich Denks öffentliche Erklärungen in verschiedenen Zeitungen ließen viele resignieren. Auch andere hatten sich zurückgezogen. Man muß aber der Gerechtigkeit halber sagen, daß viele mächtige Politiker, allen voran die Bundeskanzler und Bundespräsidenten, ihre Macht mißbrauchten, indem sie überhaupt nichts taten. Solche Politiker, die gewissermaßen Angst vor der eigenen Courage haben, sind keine Vorbilder für die Jugend. Erfreulich ist, daß Friedrich Denk nun wieder Kraft gesammelt und nach der Rückumstellung der FAZ neue Hoffnung geschöpft hat, den Kampf wieder aufnimmt und in der FAZ schreibt: "Es muß doch in einer Demokratie möglich sein, daß der Wille der Mehrheit Gehör findet und sich am Ende auch durchsetzt!“

Der VRS hingegen kämpfte und kämpft solidarisch und unverdrossen weiter nach dem Wort Bertolt Brechts: "Wer kämpft, kann verlieren! Wer nicht kämpft, hat schon verloren!“ (4) und nach dem Motto Konrad Adenauers, der sagte: "Wenn andere glauben, man sei am Ende, muß man erst richtig anfangen!“ Hoffentlich begreifen die vielen Einzelkämpfer außerhalb des Vereins endlich einmal, daß die Solidarität, die der VRS verkörpert, unerläßlich ist. Trotz aller Warnungen gab es immer wieder gleichzeitige Initiativen einzelner. Dieses ungeplante und unkoordinierte Vorgehen hat bisher die Kräfte zersplittert und schon viele Volksbegehren scheitern lassen. Die Konzentration aller Kräfte auf ein einziges Volksbegehren in einem Bundesland mit niedrigen Hürden wäre sinnvoll gewesen.

Am Ende meiner Netzbriefe stand und steht immer unser Motto: "Es ist nie zu spät, Natur-, Kultur- und Sprachzerstörung, Entdemokratisierung, Korruption und Steuerverschwendung zu stoppen! (VRS. Das kann aber nur dann gelingen, wenn sich immer mehr engagierte Bürger solidarisieren und in einem kämpferischen Verein wie dem Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e.V. (VRS) als Interessenvertretung und außerparlamentarische Opposition zusammenschließen. Nur gemeinsam sind wir Streiter gegen die Rechtschreibreform stark. Wenn Sie ohne großen Zeitaufwand etwas gegen die Rechtschreibreform unternehmen wollen, dann betätigen Sie sich als Multiplikator und senden diese Nachricht bitte an weitere E-Mail-Adressen.“

Zum einjährigen 'Jubiläum' der Presse-Orthographie am 1. August 2000 stellte die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) ihre Schreibweise wieder auf die bewährte traditionelle Rechtschreibung um. Die Rückumstellung der FAZ ist ein Dammbruch, auf den wir mit unserer Aufklärung hingearbeitet und auf den wir gehofft hatten. Diese Lücke im Damm ist nun nicht mehr zu schließen. Am B eispiel der reichhaltigen Nachrichten, kritischen Kommentare und Leserbreief, die die FAZ seit dem 1. August 2000 veröffentlicht, kann man erkennen, in welchem maße die übrige gleichgeschaltete Presse Zensur ausübt und die öffentliche Diskussion systematisch unterdrückt. Hands Krieger, langjä#hriger Feuilleton der Bayrischen Staatszeitung, schrieb von der "Schaffsgeduld der Journalisten" (5). Bei der Pressekonferenz des VRS am 1. Oktober in Aschaffenburg will Hans Krieger das Hauptreferat halten: "Die Rechtschreibreform als Eingriff in die Freiheit der Berufsausübung der Lournalisten".

Bevor es zu diesem Dmmbruch kam, spielten Professor Theodor Ickler und Hans Krieger als Artikelschreiber und unsere fleißigen Leserbriefschreiber des VRS zusammen mit unserem Netzpostverteiler (6), dem Faxnetz und der neuen Sprachzeitung, der DEUTSCHEN SPRACHWELT, eine wesentliche Rolle. Alle guten Leserbriefe nützen aber nichts, wenn sie von den Zeitungen unterdrückt, vernichtet oder gelöscht werden. Es hat sich außerdem gezeigt, daß es verantwortliche Politiker und Chefredakteure gibt, die nicht einmal fähig sind, richtig zuzuhören und sich sachkundig zu machen; denn viele lassen lesen und lassen schreiben. Was das Volk denkt, ist ihnen egal. Das sieht man daran, daß sie die Bürger und Leser nicht befragten und direkte Demokratie durch Volksentscheide ablehnen. Wichtig ist ihnen lediglich ihre Karriere. Daher war und ist es wichtig, die Leserbriefe in Kopie auch an die Herausgeber, die Geschäftsführung, Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder der Medien zu senden, so wie Otto Freiherr Hiller von Gaertringen an die verschiedenen Herausgeber der FAZ schrieb. Wir wollen wie bisher weiterhin durch Aufklärung, insbesondere der wirtschaftlich vom Medienkartell noch unabhängigen Zeitungen und Zeitschriften, dazu beitragen, daß der Dammbruch größer wird.

Erstaunlich ist, daß der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Oberstudiendirektor Josef Kraus, und Professor Hilmar Hoffmann, der Präsident des Goethe-Instituts, sich erstmals exponieren und Stellung gegen die Rechtschreibreform beziehen. Das ist zwar sehr spät, aber nicht zu spät. Bisher hatte man geschwiegen. Warum sind solche einflußreichen Persönlichkeiten nicht vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe als Zeugen aufgetreten? Das Urteil wäre mit großer Wahrscheinlichkeit anders ausgefallen. Hilmar Hoffmann gehörte zwar im Oktober 1996 zu den vielen Unterzeichnern der Frankfurter Erklärung zur Rechtschreibreform. Doch bereits am 16.Oktober distanzierte sich das Goethe-Institut von ihrem Präsidenten, es werde die Rechtschreibreform nicht boykottieren.(7) Daher ist es zu begrüßen, daß Josef Kraus öffentlich in Opposition zum Vorsitzenden des Deutschen Philologenverbandes Heinz Durner und zur Funktionärs-Lobby der Kultusminister tritt. Aber welches Ziel strebt Josef Kraus an? Josef Kraus schreibt: "Die in Aussicht gestellten Nachbesserungen müssen die reformiert-unsystematischen Schreibweisen bereinigen.“ (8) Es handelt es sich daher um einen Lokführer, der zwar in die richtige Richtung fährt, der aber Kompromisse anstrebt und daher nicht bis zur Endstation fahren will.

An einen kurzfristigen Erfolg braucht man nicht zu denken. Denn es geht um rein wirtschaftliche Interessen des Medienkartells, das mit seiner Lobby, die die Interessen der Kinder vorschob, bisher hartnäckigen Widerstand geleistet
hat und weiterhin leisten wird. Der Chefredakteur der WELT am Sonntag, Siegmar Schelling, schrieb mir am 22. August 2000: „Auch wenn die 'FAZ‘ nun wieder zur alten Rechtschreibung zurückgekehrt ist, werden die Zeitungen und Zeitschriften des Springer-Verlages an der Schreibreform festhalten. Modifizierungen soll es jedoch bei Ungereimtheiten und schwer Vermittelbarem geben. Es würde uns freuen, wenn Sie diese Entscheidung respektieren könnten.“ Auf die Frage nach dem Grund erhielt ich aus dem Springer-Konzern die faule Ausrede, die wir schon aus der Kampagne der Schulbuchverlage in Schleswig-Holstein her kennen, die Eltern forderten von den Medien, daß sie nicht anders schreiben dürften, als die Kinder es in der Schule lernten. Die "künstlich ernährte Halbtote“ (9) dient nur dazu, daß die Verlage weiterhin ihre unlauteren Geschäfte mit dieser Mogelpackung machen können. Wir meinen, daß die 'Reform' insgesamt auf den Müll gehört. Alles andere sind faule Kompromisse, die nur der Geschäftemacherei des Medienkartells dienen. In der Sprachwissenschaft geht es im Gegensatz zur Politik bei Problemlösungen nicht um Kompromisse, sondern es geht kompromißlos um die Erkenntnis, ob etwas richtig oder falsch ist.

Ganz wichtig waren die Kündigungen der Abonnements gleichgeschalteter Zeitungen und Zeitschriften und das Abonnement nicht umgestellter Zeitungen, z.B. der „Presse“, Wien, oder der „Jungen Freiheit“; denn sinkende oder steigende Umsätze sind für Verleger das stärkste Argument. Allen diesen Zeitungen und Zeitschriften gebührt für ihre Standhaftigkeit ein Lob und ein Sprachwahrerpreis. Aber dazu später mehr.

Am 19. August setzte die „Initiative für eine vernünftige Rechtschreibung“ ganzseitige Anzeigen mit einem Abstimmungs-Fragebogen „Soll die Rechtschreibreform zurückgenommen werden?“ in 6 Zeitungen, die Berliner Zeitung, die FAZ, den Münchner Merkur, die Nordwest-Zeitung, die Süddeutsche Zeitung und die WELT. Aus Berlin wurde sofort kritisiert, daß man den BVR nicht eingebunden habe, obwohl eine Anzeige in der Berliner Zeitung geschaltet worden sei. Man fragte: Was wäre gewesen, wenn die Initiatoren sich beim Berliner oder Bremer Volksbegehren eingesetzt und mitgeholfen hätten, d.h. am gleichen Strang gezogen hätten, anstatt sich zurückzuziehen? Ganz klein steht auf der Anzeige: "Wir suchen Mäzene für unsere Anzeigen. Bitte helfen Sie uns!“ Bei den Volksbegehren in Berlin, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern gab es Mäzene, aber man hätte noch mehr und vor allen Dingen Helfer gebraucht. Die Summen, die jetzt in die 6 ganzseitigen Anzeigen gesteckt wurden, hätte man bei dem Berliner Volksbegehren dringend benötigt. Vom Inhalt der Anzeigen hatten der VRS und BVR keine Kenntnis. Als Friedrich Denk den VRS zwei Tage vor dem Erscheinen zwar nicht über den Inhalt, aber über die kommenden Anzeigen informierte, machte der VRS mit seinem Netzverteiler sofort die Medien und andere darauf aufmerksam. Der VRS empfahl dann am Erscheinungstag, den 19.08.2000, mit seinem Netzverteiler, den Abstimmungsabschnitt zu vervielfältigen, weiterzugeben und dann ausgefüllt abzusenden.

Ob diese teure Anzeigenaktion in 6 Zeitungen bereits zu diesem Zeitpunkt kurz nach der Umkehr der FAZ und mit altbekannten Argumenten nötig war, bezweifle ich allerdings. So – wie geschehen – hat man an einem einzigen Tag den Übeltätern eine Riesensumme Geld in den Rachen geworfen, das später notwendig sein könnte. Es war für diese Zeitungen ein unverdientes weiteres Geschäft mit der Reform. Diese Anzeigenaktion ahmt grundsätzlich die Umfragen nach, die große und kleinere Tageszeitungen seit dem 1. August ohne großen Arbeitsaufwand rationeller und kostengünstiger im Internet durchführten. Bereits vor Beginn dieser Großanzeigen stand als Abstimmungsergebnis eindeutig fest, daß die große Mehrheit der im Internet Abstimmenden die Rückkehr zur herkömmlichen Rechtschreibung wünschte. Über einige dieser Ergebnisse hatten die Medien berichtet. Da die Zeitungen diese Umfragen aber mit einer bestimmten Absicht durchgeführt hatten, hatten sie sich selber unter Zugzwang gesetzt, waren nun in der Pflicht und müßten eigentlich ohnehin selber über kurz oder lang zusammen mit ihren Nachrichtenagenturen die Konsequenzen aus ihren eigenen Umfrageergebnissen ziehen, wenn sie nicht vollends ihr Gesicht verlieren wollen. Wenn sie dies nicht täten, könnten wir und alle anderen Leser die Zeitungsverleger und Medienkonzerne immer noch auffordern, endlich selber eine Abstimmung in ihren Zeitungen auf ihre eigene Kosten durchzuführen, an der dann alle Leser teilnehmen könnten. Die Anzeigenaktion der "Initiative für eine vernünftige Rechtschreibung“ führt den Zeitungen vor, was diese schon längst selber hätten tun müssen und künftig tun sollen. Die kostspielige Anzeigenaktion der Initiative wäre erst als allerletzte Notmaßnahme in Frage gekommen. Dann müßte die Zeitdauer der Aktion angegeben werden und daß man die Stimmzettel vervielfältigen möge. Die Stimmzettel dürften dann aber nur an einen Notar gesandt und nur unter notarieller Aufsicht ausgezählt werden, damit die Initiative nicht in den Verdacht der Parteilichkeit geriete: Denn man könnte ihr unterstellen, daß sie auf Grund ihrer Befangenheit Gegenstimmen einfach verschwinden lasse.

Mitgliedschaft, Mitgliedsbeiträge, Spenden und Entlastung des Schatzmeisters von Mahnungen

Wenn viele kleine Leute viel kleine Dinge tun, dann können sie die Welt verändern. Der Vorstand kann nicht alles allein machen. Das ist unmöglich und wäre eine Überforderung. Ein kleiner Verein wie der VRS ist aber nur so stark wie seine aktiven Mitglieder. Um herauszufinden, wer bereit wäre, aktiv mitzuhelfen, hatten wir den Vereinsmitteilungen vom 1. Dezember 1999 die neue Beitrittserklärung mit einem Fragebogen beigefügt: „Wer hilft mit?“ Es kamen nur sehr wenige Hilfsangebote. Wer dem Vorstand Vorschläge macht, was man tun könnte, sollte mitteilen, was er selber zur Verwirklichung beitragen und wen er zur Mitarbeit gewinnen kann. Es soll nicht so sein, daß Mitglieder die Vereinsführung bitten, diese aufgelisteten Tätigkeiten auszuführen. Es geht vielmehr darum, daß jeder an seinem Platz die von ihm angeregten Tätigkeiten dezentral selber organisiert oder zumindest organisieren hilft. Und dazu sind Vereinsmitglieder eine unerläßliche Voraussetzung. Die meisten Mitglieder hat der VRS übrigens in Bayern.

Wir benötigen aktive und passive Mitglieder. Auch passive Mitglieder, die beruflich sehr eingespannt sind und nicht aktiv mitwirken können, sind nötig, weil sie unsere kostenträchtige Arbeit finanziell unterstützen können. Leider gibt es viele Bedenkenträger und Rücksichtnehmer (10), die vor lauter Angst, etwas falsch zu machen und anzuecken, z.B. wegen einer sogenannten politischen Korrektheit oder aus falsch verstandener Loyalität ihren Vorgesetzten oder ungeschriebenen Regeln, Gepflogenheiten und Gesetzen gegenüber, es nicht einmal wagen, Mitglied in unserem Verein zu werden. Es könnte ja z.B. das Kultusministerium erfahren, daß der Lehrer Furchtlos Mitglied in einem "Revoluzzerverein“ ist, der gegen das amtliche Regelwerk der Kultusminister, d.h. gegen Kultusministererlasse, kämpft. Zur Kritik außenstehender Rücksichtnehmer an angeblich scharfen Tönen schrieb ein Leser: "Zum Vorwurf der Polemik wäre zu sagen, daß ab einem gewissen Maß der Unverschämtheit, das mit der undemokratischen, unsinnigen und unnötigen Reform mehr als überschritten ist, eine bürgerlich-brave Reaktion dem Anlaß nicht mehr hinreichend gerecht werden kann. Nach einen Schlag auf den Kopf und einem Tritt in die Magengegend muß man Verständnis haben, wenn der so Geschundene mit mehr als einem >Das finde ich aber jetzt nicht in Ordnung< reagiert.“ Der Mann hat recht. Wir haben in der schweigenden Mehrheit unserer gutbürgerlichen Gesellschaft allzu viele Bedenkenträger und Rücksichtnehmer, die es noch nie gewagt haben, Widerstand gegen den Staats-Streich der Kultusminister (11) im Sinne offenen zivilen Ungehorsams zu leisten, wie ihn der Jurist Johannes Wasmuth fordert. (12) Es müssen unangenehme, unbequeme Wahrheiten immer wieder ausgesprochen werden, die den Mächtigen überhaupt nicht passen. Dasgehört zu einer außerparlamentarischen Opposition in einer streitbaren whrhaften Demokratie. Eine solche Opposition entsteht ja erst dann,wenn die Volksvertreter versagt haben. Daß bisher nur wenige Schreibberufler, Deutschlehrer, Hochschulgermanisten, Schriftsteller und Journalisten es wagten, öffentlich gegen die Rechtschreibreform zu protestieren, wirft ein bezeichnendes Licht auf unseren freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat und die sogenannte 'Elite', insbesondere die Kultusminister, die als Vorbilder der Jugend diesen freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat eigentllich verteidigen sollten, anstatt mit geballter Faust stumm zuzusehen, wie er zunehmend demontiert wird. Ohne Zivilcourage gibt es aber keine Demokratie.

Jede Aktion kostet Geld. Aber leider gibt es auch „Kartei-Leichen“, Mitglieder, die nicht einmal den Mitgliedsbeitrag bezahlen. Sie treten nicht aus, aber lassen sich alle Vereinsmitteilungen kostenlos zusenden. Unser Schatzmeister muß sie zeit- und kostenaufwendig mahnen. Natürlich wissen wir nicht, aus welchen Gründen sie sich nicht rühren. Sind sie vielleicht krank oder überlastet? Eine Meldung wäre das Mindeste, was man erwarten kann. Vielleicht werden die „Karteileichen“ wieder lebendig, nachdem die FAZ umgestellt hat.

Wir haben die Mitgliedsbeiträge so gestaffelt, daß jeder Mitglied werden kann. Den Kampf gegen die Rechtschreibreform kann man als Hobby betrachten, eine interessante vielseitige Freizeitbeschäftigung, für die man gern einige hundert DM opfert. Vergleichsweise werden oft sehr viel größere Beträge z.B. für Zigaretten, Schokolade oder andere Genußmittel ausgegeben. Deshalb gegen wir davon aus, daß im Vergleich dazu der kleinste Mitgliedsbeitrag von 25,- DM pro Jahr eine relativ kleine Ausgabe darstellt. Es ist bei diesem kleinen Betrag eine unverhältnismäßig große Belastung des Schatzmeisters, wenn er diesen Betrag auch noch anmahnen muß. Daher sollte jedes Mitglied eine Einzugsermächtigung erteilen. Zu diesem Zweck fügen wir noch einmal eine Beitrittserklärung mit Einzugsermächtigung bei. Bitte vervielfältigen Sie dieses Formular und auch andere Anlagen zwecks Werbung weiterer Mitglieder, bevor sie es ausfüllen. Wir haben leider nicht genügend Geld und kein Personal, um einzelne Sendungen mit Werbematerial zu versenden.

Die von uns versandten Aufklärungsbroschüren wurden von vielen Empfängern oft nicht bezahlt. Der Vorrat ist fast aufgebraucht. Wir müssen daher eine neue verbesserte Auflage drucken. Weil wir ein relativ kleiner Verein sind, reichen aber die Mitgliedsbeiträge bei weitem nicht aus, um unsere Aufklärungsarbeit zu finanzieren. Wir waren und sind daher nach wie vor auf Spenden angewiesen. An dieser Stelle bedanken wir uns bei allen Spendern, z.B. Stefan Micko, der aus den Einnahmen von "Engleutsch“ sehr viel Geld für die Volksbegehren in Berlin, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern spendete. Andere große Spender wollten nicht genannt werden. Unser Vereinskonto ist:

HypoVereinsbank Nürnberg BLZ 760 200 70, Konto-Nr. 2370 166 016


2) Bericht Herrn Riebes zur Jahreshauptversammlung des Vereins für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e. V. / Initiative gegen die Rechtschreibreform (VRS) am 30.Sept. und 1. Okt. 2000 in Aschaffenburg.

Zurück zu alten Regeln: »Die Sprache gehört dem Volk«. Der Verein für Deutsche Rechtschreibung fordert in Aschaffenburg Abschied von der Rechtschreibreform.

A s c h a f f e n b u r g . Schüler verlieren jeden Sinn für verbindliche Rechtschreibung. Lehramtskandidaten beherrschen die Regeln nicht, nach denen sie Schüler unterrichten sollen. Auch in seriösen Zeitungen ist die Zahl der Schreibverstöße eklatant gestiegen. »Die Rechtschreibreform hat zum Rechtschreibchaos geführt«, sagt der Verein für Deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege (VRS), der am Wochenende in Aschaffenburg seine Jahresversammlung abhielt. Nach dem Motto »Die Sprache gehört dem Volk« fordert der VRS die sofortige Rückkehr zur herkömmlichen Rechtschreibung, denn auch die Bevölkerung lehne die Reform überwiegend ab.

Im Sommer 1996 von den Kultusministern beschlossen, zum 1. August 1998 in Schulen und Behörden eingeführt, ein Jahr später auch von Nachrichtenagenturen und Zeitungen umgesetzt, sollte die neue Rechtschreibung eigentlich die deutsche Sprache vereinfachen und weniger Fehler verursachen. Das Anliegen ist gescheitert, meint der VRS, ein Zusammenschluss »mehrerer hundert Reformgegner, zum größeren Teil Lehrer«, wie Vorsitzender Manfred Riebe aus Schwaig bei Nürnberg sagt.

»Trotz verheerender Rechtschreibung an den Schulen ist die Rechtschreibreform für den Schulalltag belanglos«, berichtet in Aschaffenburg Studiendirektor Wolfgang Illauer von seinen Erfahrungen an einem humanistischen Gymnasium in Augsburg. 98 Prozent der Fehler würden von der Neuregelung nicht erfasst. Anderes werde nicht mehr unterrichtet, etwa die komplizierten und absurd begründeten Regelungen zur Getrenntschreibung. »Halblang, aber halb leer; hochberühmt, aber hoch entwickelt«, waren nur einige von Illauers zahllosen Beispielen. »Auch jede Komma-Moral geht zum Teufel«, moniert der Pädagoge. Die Beliebigkeit in bestimmten Fällen lasse Schüler generell auf Kommata verzichten.

Am Beispiel der Regelung von »ß« (nach langen Vokalen) und »ss« (nach kurzen Vokalen) erläuterte Dr. Harald Marx, Professor für Pädagogische Psychologie in Leipzig, warum das so ist: Buchstabengruppen und Silben würden als Einheiten gehört und sollen als solche eindeutig geschrieben werden (Bass, Maß, aber Gas, Rose). »Die Schüler lechzen nach orthographischer und phonetischer Eindeutigkeit«, sagte Marx. Bei variablen Schreibweisen aber werde »über den Kopf« – und damit häufig falsch – entschieden.

Auch Lesen festige nicht länger die Rechtschreibsicherheit, denn in Schulbüchern, älteren Büchern, Printmedien stünden verschiedene Schreibweisen nebeneinander. Nach noch unveröffentlichten Untersuchungen von Marx beherrschen Lehramtsstudenten die neue ß- und ss-Regelung zu 60 Prozent, Getrenntschreibung nur zu 30 Prozent. Auch an Universitäten sei Rechtschreibung kein Thema.

Heftig wandten sich die Rechtschreibreform-Gegner gegen die »Propagandalüge« der Ministerien. Nicht weniger, sondern mehr Fehler seien die Folge der Reform. »Die Rechtschreibreform wird auf dem Rücken der Schüler ausgetragen«, hatte eingangs auch der Professor für Pädagogik, Dr. Wolfgang Hinrichs, Siegen, betont. Analog zum Fehlschlag »Mengenlehre« hätten Kultusminister und Wissenschaftler – Theoretiker also ohne ausreichende Kenntnis sprachlicher Feinheiten – hypothetische Spracherneuerungen mit vielen Ungereimtheiten eingeführt. Lehrer als Sprachpraktiker sollten sich auf ihr Wächteramt bei der Sprach- und Kulturpflege besinnen, ermunterte Hinrichs.

Auch den Printmedien schrieb der VRS eine besondere Rolle zu. Neben der Duden-Rechtschreibung existiere eine Vielzahl von Hausregelungen nebeneinander. Nach einer Stichprobe des Münchner Lektors Wolfgang Wrase hatten sich nach der Reform die Schreibfehler in der Süddeutschen Zeitung verdoppelt, in den von der Reform betroffenen Regelungen gar verfünffacht. Die FAZ war im Sommer 2000 zur herkömmlichen Rechtschreibung zurückgekehrt. Widerstand gegen eine unsinnige Reform leisten sollten deshalb nicht nur die Lehrer, sondern ebenso Journalisten und alle Schreibenden.

Auch aus dem Bereich der Wirtschaft sowie aus dem Ausland komme Ablehnung. Am Rande erwähnt wurde, dass sich Reformgegner in Schulen und Behörden Mobbing- und Disziplinierungsmaßnahmen ausgesetzt sähen. »Die Sprache gehört dem Volk«, und was sich nicht durchsetzen lasse, müsse zurückgenommen werden, verlangten die Anwesenden. Zumindest sei der Stichtag 2005 auszusetzen. Ab dann soll die neue Rechtschreibung als verbindlich eingeführt werden.

Wir - mit "wir“ meine ich jedes einzelne Mitglied an seinem Ort - sollten uns hinsichtlich der Finanzierung ein Beispiel nehmen am VWDS. Dessen Vorsitzender fordert alle Vereinsmitglieder auf, bei befreundeten Richtern und Staatsanwälten darauf hinzuwirken, daß dem gemeinnützigen Verein Verfahrensgelder zugewiesen werden. Es handelt sich um Bußgelder, die in Strafverfahren verhängt werden, wobei gewöhnlich das ROTE KREUZ usw. die Gelder erhalten. Warum nicht der VRS? Auch unser VRS ist wegen Förderung der Volksbildung als gemeinnützig anerkannt.

Neue Telefon- und Faxnummern und Netzpost-(E-Mail-)Adressen

Bitte beachten Sie die neuen Telefon- und Faxnummern und Netzpost-(E-Mail-)Adressen des Vorstands im Briefkopf. Ich versende aus technischen Gründen Netzbriefe mit <Manfred.Riebe@raytec.de>. Wenn Sie aber Netzbriefe mit Anhängen (Attachments) an mich senden, dann besser an <ManfredRiebe@t-online.de>, da es bei T-Online größere Speicherkapazitäten für Anhänge gibt.

Bremer Volksbegehren gegen die Rechtschreibreform gescheitert

Wegen des Volksbegehrens in Bremen vom 15. März bis 15. Juni 2000, das der VRS unterstützte, hatten wir diese Vereinsmitteilungen immer wieder hinausgeschoben. Der Informationsfluß aus Bremen war und ist leider unzureichend. Der VRS hat in Bremen leider kein einziges Mitglied. Das Volksbegehren in Bremen sollte auf Grund eines Beschlusses der dortigen Initiatoren nicht weiterbetrieben werden. Der Entschluß der Initiatoren, es doch noch durchzuführen, wurde aber erst eineinhalb Monaten nach Beginn der Frist getroffen. Es gab aber weder personelle noch finanzielle Hilfe durch andere Vereine, wie z.B. den Bund für deutsche Schrift und Sprache (BfdS) oder die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung. Erst während des Volksbegehrens zeigte es sich allmählich, daß in Bremen ein voll einsatzfähiger Organisator und eine ausreichende Organisation und Helfer fehlten. Der VRS hatte das Bremer Volksbegehren personell am Unterschriftenstand und mit einem Flugblatt mit Unterschriftenblatt in einer Stückzahl von 50.000 Stück als Beilage für eine Bremer Wochenzeitung unterstützt. Diese Wochenzeitung brachte nach Rücksprache mit dem Verleger und dem Redakteur einen begleitenden Artikel (vgl. die beigefügten Muster). Die Kosten dafür betrugen insgesamt rund 10.000,- DM.

Auf Anfrage teilte die stellvertretende Vertrauensperson Petra Ahrens mit, daß die von privater Seite finanzierten 140.000 Postwurfsendungen an alle Haushalte mit Tagespost im Wert von rund 23.000,- DM zu spät ausgeliefert worden seien. Einige Stadtteile hätten die Sendung erst am 14. Juni(!) erhalten, also einen Tag vor Abgabeschluß bei der Meldebehörde. Der Rundfunk (NDR) habe über die verspätete Auslieferung durch die Deutsche Post AG berichtet, ebenso der Weser-Kurier. Die erforderliche Anzahl von Unterschriften sei nicht erreicht wurde. Sie habe daher die Unterschriftenblätter nicht zur amtlichen Zählung eingereicht. Nach Angaben des Sprechers von "Mehr Demokratie“, Ralph Kampwirth hätte das Volksbegehren die hohe Hürde von 50.000 Unterschriften in 3 Monaten schaffen können, weil das Thema Rechtschreibreform den Menschen nach wie vor auf den Nägeln brennt. Es sei aber an der Unentschlossenheit der Initiative und an der auffälligen Langsamkeit der Post gescheitert. Mit der Sammlung von Unterschriften sei erst sieben Wochen nach dem möglichen Start begonnen worden. Dadurch sei "wertvolle Zeit verschenkt“ worden. Außerdem hätten viele der 140.000 Unterschriftenlisten, die am 5. Juni bei der Post abgegeben worden seien, erst nach neun Tagen und somit einen Tag vor Ablauf der Frist die Empfänger erreicht. Die Untätigen haben es natürlich leicht, den Aktiven nun Vorwürfe zu machen.

Jahreshauptversammlung

Die nächste Jahreshauptversammlung findet am 30. September / 1. Oktober 2000 in Aschaffenburg statt. Die Einladung mit der Tagesordnung ist beigefügt. Sie wird organisiert von Norbert Schäbler, Rosenstr. 12, 63768 Hösbach / Unterfranken, Lehrer, Tel. (06021) 55 07 05, Fax: 44 51 05, Netzpost: <noseugen@t-online.de?>. Bitte merken Sie sich diesen Termin schon jetzt in Ihrem Terminkalender vor.

Bei dieser Versammlung sollten wir gleich für das nächste Jahr Zeit und Ort der nächsten Mitgliederversammlung bestimmen. Bitte senden Sie Anträge rechtzeitig ein. Diesmal soll die Versammlung mit Öffentlichkeits- und Pressearbeit besser vorbereitet und begleitet werden.

In der Mitgliederversammlung am 31. Oktober 1999 wurde über den Antrag auf Namensänderung in "Verein gegen die Rechtschreibreform e.V.“ diskutiert. Einer Namensänderung stehen zwei Gründe entgegen: § 33 BGB enthält die Muß-Vorschrift: "Zur Änderung des Zweckes des Vereins ist die Zustimmung aller Mitglieder erforderlich; die Zustimmung der nicht erschienenen Mitglieder muß schriftlich erfolgen.“ Das Finanzamt Hamburg verweigerte dem Verein "Rechtschreibreform stopp!“ wegen dieses Namens die Zuerkennung der Gemeinnützigkeit, so daß er sich „Lebendige Sprache e.V.“ nannte. Auch der VRS hatte bei seiner Gründung einschlägige Erfahrungen, denn das Finanzamt Nürnberg beanstandete in der ursprünglichen Fassung der Satzung, daß darin der Kampf gegen die Rechtschreibreform als Ziel genannt wurde und verweigerte deswegen die Zuerkennung der Gemeinnützigkeit. Aus beiden Gründen, und weil sich bereits eine Reihe von Mitgliedern mit guten Gründen gegen den Antrag auf Änderung des Vereinsnamens gewandt hatten, ist es aussichtslos und kontraproduktiv, diesen Antrag noch einmal zu behandeln.

Öffentlichkeitsarbeit, Technik und Ausbau des Nachrichtennetzes

"Öffentlichkeitsarbeit, ...“, so heißt der Tagesordnungspunkt am Samstag, den 30. September, am Tag vor der Jahreshauptversammlung in Aschaffenburg. Er soll dazu dienen, den Informationsfluß nach innen und außen zu verbessern. So hätte z.B. das Volksbegehren in Bremen selbst dann nicht erfolgreich sein können, wenn man in Bremen genügend Helfer gehabt hätte, weil man ohne nachrichtentechnische Ausrüstung mit Computern und Netzanschluß den technisch gut ausgestatteten Gegnern ohne Nachrichtennetz unterlegen ist. Bei einem bundesweiten Verein braucht man als Mindestausstattung ein Faxgerät und einen Computer mit CD-ROM-Laufwerk und Drucker. Erst durch die Speicher- und Vervielfältigungsmöglichkeit eines Rechners können Sie Ihre Arbeitsleistung vervielfachen. Aber erst ein Internetanschluß des Computers bietet die Möglichkeit, viele Nachrichten auf einmal kostengünstig per E-Mail bzw. Netzpost zu versenden und damit die Informations- und Aufklärungsarbeit wirkungsvoll zu gestalten. Wenn jeder, der eine Netzpost-Adresse hat, einen erhaltenen Netzbrief als Multiplikator im Schneeballsystem an drei weitere Netzpost-Besitzer sendet, kann man wesentlich mehr Leute erreichen als mit einem Brief. Voraussetzung ist natürlich, daß man täglich wenigstens zweimal in seinen Netzbriefkasten schaut. Es gibt sogar Journalisten, die sehr selten hineinschauen. Dann ist ein Fax natürlich wirkungsvoller.

Dr. Jürgen Brinkmann hatte Mitte November 1999 eine Pressemitteilung nach Mecklenburg-Vorpommern versandt, die er mit mir ausgearbeitet hatte. Er kritisierte die Faxempfänger: "Gestern hatte ich bis 3.30 Uhr früh zu tun, die Sachen zu verschicken, weil man es nicht der Automatik überlassen konnte. Zu viele hatten das Fax nicht eingeschaltet oder einen ellenlangen Ansagetext, der meinen schnellen Rechner zu unbedachten Reaktionen veranlaßte.“ Ein Faxverteiler ist untauglich, wenn der Empfänger keine ISDN-Anlage und nur ein kombiniertes Telefon und Faxgerät hat und dann die einzige Leitung durch ein Telefongespräch blockiert wird oder wenn der Fax-Adressat abhebt und wieder auflegt oder der Anrufbeantworter zwar sein Sprüchlein sagt, aber das Faxgerät sich danach ausschaltet, so daß mehrmals neu gewählt werden muß. Andere wiederum haben nur ein PC-Fax mit vorher nötigem Telefonanruf. Am schlimmsten sind die Faxgeräte, die nach jeder gefaxten Seite den Faxvorgang unterbrechen und eine Fehlermeldung auslösen.

Weil die Presse seit August 1999 Nachrichten und Leserbriefe über die Rechtschreibreform weitgehend unterdrückte oder in den Neuschrieb umfälschte, baute ich seit Februar zur besseren und schnellen Information einen Netzpostverteiler (E-Mail-Verteiler) auf. Ziel ist der Ausbau dieses Netzwerkes, um eine Vernetzung der Mitglieder zu erreichen. Nennen Sie uns E-Mail-Adressen, besser noch, senden Sie uns Kopien von Briefen, auf denen die gesamte Adresse mit der E-Mail- und Internet-Adresse steht, z.B. von Deutschlehrern, Ihren Zeitungen, Zeitschriften, Schulen, Universitäten Germanistik-Lehrstühle, Museen, Bibliotheken, Parteien.. Schneiden Sie das Impressum bzw. die Impressen aus oder kopieren Sie sie und senden Sie uns die Impressen! So kann die Liste mit Netzpostadressen ausgebaut werden, mit deren Hilfe z.B. selbst ausländische Zeitungen und Germanistik-Lehrstühle im Ausland erreicht werden können.

Sie sind zu alt für die moderne Technik? Ein gutes Vorbild ist unser Schatzmeister Günter Schmickler. Er ist 66 Jahre alt und hatte als Postamtmann mit Computern nichts zu tun. Er kaufte sich im Februar 2000 einen Computer und Drucker und ließ sich eine Netzpost (= E-Mail)-Adresse einrichten, siehe Briefkopf. Bereits am zweiten Tag sandte er mir einen Netzbrief (= E-Mail). Ein großer Vorteil ist, daß man die Netztexte weiterverarbeiten kann. Meine positive Erfahrung ist, daß immer mehr Vereinsmitglieder sich einen Computer kaufen und sich eine ISDN-Anlage mit E-Mail einrichten lassen. Dadurch spart man die höheren Porto- und Faxkosten. Außerdem hat man Zugang zum Internet und kann in der Internetseite <http://www.rechtschreibreform.com> alle neuen und alten Kommentare von Professor Theodor Ickler und andere Nachrichten einsehen und sie bei Bedarf ausdrucken.

Wer keinen Computer mit Netzanschluß hat, hat möglicherweise einen Sohn oder eine Tochter oder Verwandte und Bekannte, die bereits eine Netzpost-Adresse haben. Lehrer brauchen nur ihre Schul-E-Mail anzugeben und ihren EDV-Kollegen bitten, die Netzbriefe des VRS auszudrucken und ihnen in ihr Fach zu legen. All das gehört auch zur Internet Bildungsoffensive "Schulen ans Netz“. Studenten können an der Universität Netzbriefe besonders günstig versenden. Auch andere Berufstätige können ihre Unternehmens- oder Amts-E-Mail-Adresse angeben, da Fortbildung auch auf dem Gebiet der Rechtschreibreform beruflich nötig ist. Auch in Internet-Cafés und sogar in Bibliotheken kann man sich eine E-Mail-Adresse einrichten. Man muß nur findig sein. Außerdem gibt es Einführungsseminare auch für Senioren.

Da aber unsere Nachrichten von den Männern an den Schalthebeln der Macht in den Medien oft ungelesen gelöscht werden, müßten wir die Netzadressen der Rechtschreibgegner und der Betriebsräte innerhalb der Redaktionen durch persönliche Gespräche herausbekommen. Man kann bei seiner Lokalzeitung anrufen und sich durchfragen, in welchem Ressort man die Entwicklung gerade besonders verfolgt. Dabei spürt man schon, wer wie denkt.

Sehr wichtig ist auch die Pflege eigener Internetseiten. Ich hatte zwar die erste Netzseite (= Homepage) der Reformgegner eingerichtet, komme aber, seit ich Vorsitzender bin, nicht mehr dazu, diese zu pflegen. Es sollte sich ein sachkundiges Mitglied bereitfinden, eine Vereinsnetzseite zu pflegen. Auch der Besuch der verschiedenen anderen Internetseiten und unsere Diskussionsbeiträge darin sind wichtig. Professor Theodor Ickler, Reinhard Markner, Wolfgang Wrase liefern z.B. laufend Kommentare in der Netzseite www.rechtschreibreform.com.

Was wären wir ohne Hans Krieger und Theodor Ickler, denen es immer wieder gelang, Artikel in verschiedenen Zeitungen unterzubringen. Was wären wir ohne Stephanus Peil mit seiner „Wörterliste“ und seiner "Presse-Orthographie“.(13) In seiner Nachfolge untersuchte Wolfgang Wrase den SPIEGEL und die Süddeutsche Zeitung auf Rechtschreibfehler, was in der Presse ziemliches Aufsehen erregte. Wolfgang Wrase brachte sogar das Kunststück fertig, als Kontrahent Gerhard Augsts einen Artikel in „Neues Deutschland“ zu schreiben.

In der "Jungen Freiheit“ erschienen zunächst zwei Artikel von mir am 5. Mai (14) und 27. Juli (15) und ein Interview am 23. Juni (16). Dann folgten am 11. August ein Interview mit Professor Theodor Ickler (17) und am 18. August ein Interview mit Professor Christian Meier, dem Präsidenten der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung(18). Unter den nicht auf Neuschrieb umgestellten reformkritischen Zeitungen und Zeitschriften, z.B. der DEUTSCHEN SPRACHWELT, der Presse (Wien) und den Wiener Sprachblättern, veröffentlichte auch die "Junge Freiheit“ (noch vor der FAZ) seit einigen Monaten hin und wieder Artikel gegen die Rechtschreibreform. Friedrich Denk beglückwünschte die "Junge Freiheit“.(19) Unter den umgestellten Zeitungen ragen einsam die Rhein-Neckar-Zeitung und mehr noch die WELT mit reformkritischen Artikeln hervor.

Ich möchte Sie noch auf einige herausragende Veröffentlichungen hinweisen:

Herr F. schlug ein Vereinsabzeichen vor: "Deutsch sein und schreiben. VRS“ oder: "Deutsche Sprachqualität. VRS“ oder: "Wieder besser schreiben. VRS“. Was halten Sie von der Idee? Hier sind unsere Werbetexter gefragt. Ebenso könnte man an Plakate, Magnetwerbung für Autos, Autoaufkleber, Aufkleber, Visitenkarten und Trikots des Vereins denken.

Leserbriefe

Wichtig ist es natürlich, daß der Widerstand auch örtlich, regional durch Leserbriefe der einzelnen Mitglieder erfolgt. Wenn viele kleine Leute ... Leserbriefe sind deswegen ganz besonders wichtig, weil Sie für die Journalisten eine Rückmeldung bedeuten oder ein Spiegel sind, in dem sie ihre Leistung betrachten können. Leserbriefe entfalten mehr Wirkung in den Redaktionen, als man es sich vorstellen kann, so daß ich hier etwas breiter berichte. Eine ganz besonders emsige und hervorragende Leserbriefschreiberin ist Frau Salber-Buchmüller. Das weiß ich deshalb, weil sie mir regelmäßig ihre Leserbriefe in Kopie zusendet. Was wären wir ohne solche Leserbriefschreiber, die sensibel auf alle einschlägigen Artikel reagierten und sich auch durch das Unterdrücken und Verfälschen der Leserbriefe in der Presse nicht entmutigen ließen?

Wer uns Artikel oder Leserbriefe sendet, damit ich sie über meinen Netz-Verteiler weiterverbreite, sollte bitte immer genaue Quellenangaben machen, d.h. nicht nur den Namen der Zeitung, sondern auch das Datum und die Seite angeben. Andernfalls ist ein Schreiben von Leserbriefen oder Zitieren unmöglich.

Ich empfehle, in jedem Leserbrief hinzuweisen 1. auf unseren VRS (eine billigere Werbung gibt es nicht) und 2. auf Stephanus Peil: Presse-Orthographie nach der Umstellung auf die Neuregelung ab 1.8.1999. 2. Auflage, St. Goar: Leibniz-Verlag, 2000, damit die Journalisten wissen, daß es Untersuchungen über ihre Arbeit gibt, sowie nach Ihrem Namen auch Ihren Beruf zu nennen, z.B. Schüler, Student der Musikwissenschaft, Studienrat, Rechtsanwalt. Wir sollten auch den Ausdruck "alte Rechtschreibung“ vermeiden, damit nicht der falsche Eindruck erweckt wird, die Schreibweise von 95 Prozent der Bevölkerung sei überholt. Wir empfehlen daher den Ausdruck bewährte traditionelle Rechtschreibung, auch klassische oder konventionelle Rechtschreibung. Umgekehrt können wir den Begriff "Neuschrieb“ verwenden. Die Vorsitzende des Bundeselternrats beanstandete den Ausdruck "Neuschrieb“ als polemische Wortschöpfung.

Sie kennt offenbar nicht den literaturhistorischen Hintergrund. Die Rechtschreibreform ähnelt dem "Newspeak“ in George Orwells Zukunftsroman "1984“: "Man erwartete, daß Neusprech etwa bis zum Jahre 2050 Altsprech schließlich verdrängt haben würde. ... Die 1984 gebräuchliche ... Auflage des Neusprechdiktionärs war provisorisch und enthielt viel überflüssige Wörter und archaische Strukturen, die später abgeschafft werden sollten.“ Nun hat man für die Rechtschreibreform das Wort "Neuschrieb“ oder "Neuschreib“ erfunden, das kürzer als "Rechtschreibreform“ und daher praktisch ist.

Denken Sie daran, in Ihren Leserbriefen auch auf folgendes hinzuweisen: Die Reformer und Wörterbuchverlage schmücken ihre mangelhaften Produkte mit den Worten „neu“ und „amtlich“, um die Käufer irrezuführen. Die irreführende Formulierung des Duden lautet: „Auf der Grundlage der neuen amtlichen Rechtschreibregeln. ...Damit kann das bisher geltende amtliche Regelwerk von 1901 durch eine Neufassung ersetzt werden. Stichtag für die Einführung der neuen Regeln ist der 1. August 1998.“ Wir machen den Wörterbuchverlagen, Reformern und Kultusministern den Vorwurf, daß sie die Leser und Käufer mit dem Wort „amtlich“ täuschen, indem sie im Titel und Vorwort wahrheitswidrig behaupten, die neuen Rechtschreibregeln seien nunmehr amtlich. Damit unterstellen und suggerieren sie, die neuen Regeln seien allgemeinverbindlich. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts gilt der Neuschrieb aber nur für die Schulen.

Bringen Sie in Ihren Leserbriefen auch zum Ausdruck, wie sehr Ihr Sprachgefühl verletzt wird. Dieter Schmidt, Fuldabrück, drückte in seinem Brief vom 02.01.2000 an DAS BESTE aus, was viele denken und fühlen: "Es betrübt mich, Ihre Orthographie schlucken zu müssen: Gräuel, ... aufwändig, ... Quäntchen, ... Ich bin verstört, wie deutsche Sprachkultur mit feinen Nuancen, die Sprache der feingeistigen Dichter, Denker und Schriftsteller, so primitiv heruntergefahren wird. Lesegenuß wird zur reinen Informationsaufnahme degradiert.“

Frau Dr. P. stellte am 06.02.2000 fest: „Das unbeschreibliche Chaos, das sich mittlerweile in der Presse, öffentlichen Beschilderungen, amtlichen Schreiben und Werbematerial aller Art breitmacht, wird von orthographisch Ungeübten kaum bemerkt und von den übrigen Lesern mit zunehmender Abstumpfung wahrgenommen.“ Sie empfiehlt, nur bei Unternehmen einzukaufen, deren Rechtschreibung nicht umgestellt sei. Das tun schon viele Mitglieder.

Wer durch die Rechtschreibreform nicht unmittelbar beruflich betroffen ist, dem ist sie meist gleichgültig, weil ihm niemand verbietet und verbieten kann, privat weiterhin die bewährte herkömmliche Schreibweise zu verwenden. Aber in der Presse bleibt das Thema „Rechtschreibreform“ aktuell, denn über die neue Primitiv- und Beliebigkeitsschreibung, wie sie zur Zeit in der Presse gedruckt wird (20), regen sich nun allmählich immer mehr Journalisten auf, sogar solche, die die Reform bisher befürworteten. Es ist erstaunlich, daß sich trotz der Desinformationskampagnen der Kultusminister und des Medienkartells durch unsere beharrliche Aufklärungsarbeit die Wahrheit über die Rechtschreibreform langsam, aber sicher mit jahrelanger zeitlicher Verzögerung hier und da durchsetzt. Aber man kann behaupten, daß bisher niemand das ganze weltweite Ausmaß der durch die sogenannte Rechtschreibreform national und international angerichteten und in Zukunft noch entstehenden kulturellen, wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Schäden für unseren Staat und unsere Demokratie und für andere Staaten kennt, selbst die Politiker nicht, die völlig verantwortungslos nicht einmal die deutschen volkswirtschaftlichen Kosten, Folgekosten und Schäden der „Reform“ berechnen ließen, geschweige denn die Kosten aller anderen Staaten der Welt. Unter guten Haushaltern stellt man sich etwas anderes vor.

Ursächlich und richtungweisend für etliche folgende Artikel und damit Auslöser vieler Leserbriefe waren Professor Theodor Icklers Artikel: Wann kommt die Reform der Reform? Vor einem Vierteljahr wurde die neue Rechtschreibung eingeführt - Eine Zwischenbilanz. In: DIE WELT 20./23.11.99, S. W 4, und Theodor Ickler: Rechtschreibreform - eine Zwischenbilanz. In: Die Presse, Wien, 24./25.12.1999, S. 2. Denn Icklers Artikel veranlaßten Hermann Unterstöger (21) zu einem Kommentar "Reform der Schreibreform nötig?“ in der Süddeutschen Zeitung (SZ) vom 04.01.2000, S. 4, in dem er sich erstmals vorsichtig von der Rechtschreibreform distanzierte. Unterstögers Kommentar war eine kleine Sensation und wurde auch in der „Presse“, Wien, am 05.01.2000, S. 2, auszugsweise unter "Pressestimmen“ abgedruckt. Die 16 Leserbriefe gegen die Rechtschreibreform, einer in der SZ vom 8./9. Januar und 15 in der SZ vom 17.01.2000, sind ein Rekord. Man kann sich vorstellen, daß die SZ noch sehr viel mehr Leserbriefe erhielt. Der Ärger der Journalisten wuchs und wächst allein dadurch weiter, daß sie den Unsinn täglich vor Augen haben, den das Konvertierungsprogramm aus ihrer bewährten klassischen Rechtschreibung macht. Hans Krieger, der ehemalige Feuilletonchef der Bayerischen Staatszeitung, und Dr. Dankwart Guratzsch (DIE WELT) fingen die Bälle Icklers auf und setzten dessen Artikel mit eigenen Beiträgen fort.

Unter den vielen Leserbriefschreibern hervorzuheben ist StD Erwin Dötsch aus München, der mit Collagen im DIN A3-Format aus verschiedenen Zeitungen deutlich macht, daß die Rechtschreibreform zu mehr Fehlern und damit zu einem Rechtschreibchaos in den Printmedien geführt hat. Am 13.12.1999 sandte er Collagen sogar an den hauptverantwortlichen Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Professor Hans-Jürgen Papier, mit der Bemerkung, daß viele Bürgerinnen und Bürger der Überzeugung seien, "daß das Bundesverfassungsgericht seinerzeit das Thema 'Rechtschreibreform‘ zu wenig ernsthaft und zu einseitig behandelt" habe. Es ist wichtig, daß wir immer wieder kritische Briefe schreiben, so daß wir die Übeltäter nerven, indem wir zeigen, daß wir nicht aufhören werden, immer wieder auf den Unsinn aufmerksam zu machen. Man denke an das Gleichnis der armen Witwe, die den ungerechten Richter nicht in Ruhe läßt, bis sie schließlich Erfolg hat.

Oft werden auf Anweisung des Chefredakteurs die Leserbriefe nur in neuer Rechtschreibung abgedruckt. Bitte richten Sie Protestschreiben an den Chefredakteur und zugleich auch an die Herausgeber und Verleger. In Schrot & Korn 01/2000, S. 51, lautete die Anmerkung der Redaktion: "Mit Rücksicht auf die Meinung der Verfasser haben wir die beiden oben stehenden Leserbriefe nach den alten Rechtschreibregeln abgedruckt.“ Ein Jahr lang dauerte mein zähes Ringen mit der Nürnberger Zeitung, um den authentischen Abdruck der Leserbriefe zu erreichen. Meine Bitte Authentischer Abdruck erbeten! wurde nicht beachtet. Es wurden einfach keine Leserbriefe mehr abgedruckt oder, wenn ausnahmsweise ein Abdruck erfolgte, weil der Inhalt wichtig war, dann in Neuschrieb. Nachdem die FAZ am 27. Juli ihre Rückumstellung angekündigt hatte, regte sich der Chefredakteur der "Nürnberger Zeitung“ in einem Kommentar darüber auf. Ich rief ihn an und lobte ihn, daß man doch eine Fortentwicklung in seinem Kommentar erkennen könne, aber es gebe doch Einwendungen. Diese brächte ich aber nur dann zu Papier, wenn er mir den unveränderten Abdruck meines Leserbriefes zusage. Dies sagte er zu, er wolle diese Ausnahme in einer besonderen redaktionellen Anmerkung erwähnen. Das Ergebnis läßt sich sehen: Vier der fünf Leserbriefe wurden authentisch ohne redaktionelle Anmerkung in der traditionellen Rechtschreibung abgedruckt. Die "Nürnberger Zeitung“ hat sich nach einem Jahr Boykott der Schreibweise der Leserbriefschreiber endlich auch bewegt. Am 18. August schrieb die NZ über die Leserbriefe: "Die nachfolgenden Leserbriefe werden in der Original-Schreibweise abgedruckt.“ Mir war, als ob im Frühling allmählich das Eis zu schmelzen beginne. Es liegt also nur am guten Willen der Redaktion. Auch die Konkurrenzzeitung, die "Nürnberger Nachrichten“, druckte am 10. August einen Leserbrief Theodor Icklers unverändert ab. Auf jeden Fall können diese Beispiele Leserbriefschreiber zur Nachahmung ermuntern, an den guten Willen des Chefredakteurs zu appellieren.

José Barth berichtete am 14.12.99: "Wir Lektoren haben uns bisher in punkto Rechtschreibung nie nach den Gepflogenheiten ausgerechnet der Nachrichtenagenturen gerichtet. Deren allgegenwärtiger Diktion verdanken wir nämlich nicht zuletzt jenes verluderte Deutsch, das uns tagein, tagaus mit seinen Auswüchsen beglückt. Daß sich die Verlage just von dieser Nicht-Instanz ins Bockshorn jagen lassen, sagt alles über den Zustand, in dem sich unsere Muttersprache befindet.“

Unser Beisitzer Wolfgang Wrase schrieb: "Die Journalisten in den Presseabteilungen empfinden sich als Dienstleister für die Zeitungen. Ihre Unwissenheit ist groß. Sie sind vom Innovationswahn befallen und wollen ein Image des Faszinierenden, des Neuen, des Fortschritts, der Jugendlichkeit und wollen nicht altmodisch sein, sondern im Trend liegen. Sie lösen das unangenehme Thema mit einem Befreiungsschlag für die neue Rechtschreibung und schwimmen auf der Umstellungswelle, ohne darüber nachgedacht zu haben; denn Denken strengt an und kostet Zeit. Also verfassen sie ihre Pressemitteilungen im Neuschrieb. Ebenso stellen sie die Mitarbeiter- und Kundenzeitschriften wegen der betriebsinternen Einheitlichkeit um. Diese Journalisten sind das Trojanische Pferd der Zeitungen in der Wirtschaft. Keiner beherrscht den Neuschrieb. Man verläßt sich auf Lektoren.“

Damit erinnert Wolfgang Wrase an ein wichtiges Aufgabengebiet, die Kontaktpflege und Information einzelner Journalisten, an deren Artikeln wir erkennen können, daß sie auf unserer Seite stehen. Nur so können wir Einfallstore in den Medien finden, jedes Mitglied kann das in seinem Lokalblatt und in einer überregionalen Zeitung tun.

Franz X. Fischer, Studiendirektor i.R. aus Bayreuth, schrieb am 12.12.99, kein einziger Lehrer habe ihn in der Metropole Oberfrankens mit Leserbriefen unterstützt: "Natürlich wagen die Lehrer keinen Widerspruch, denn sie sind Beamte und werden dienstlich beurteilt, und wer unternähme es, den Vorgesetzten Fehler anzukreiden? (...) Lehrer denken und handeln mit Montgelasenem (22) Untertanengeist. ( ..) Feige Lehrer sind die Vorbilder für die Jugend!“

Die Lehrer versagen als Pädagogen, weil ihnen ihre Verpflichtung gegenüber unserer demokratischen Verfassung, gegenüber der Jugend und gegenüber unserem Kulturstaat gleichgültig ist. Ihr persönliches und berufliches Wohlergehen ist ihnen wichtiger.

Fischer weiter: „Nur eines bleibt (...) unbegreiflich, nämlich daß die Schreibeliten unseres Volkes, die Journalisten, denen wir doch die meisten kreativen Sprachschöpfungen verdanken, und die Schriftsteller, die Meister der Schreibkunst, die ebenfalls kreativ unseren Sprachbereich geformt haben, (...) sich das gefallen lassen.“

Die neue Sprachzeitung: DEUTSCHE SPRACHWELT

Weil die meisten Zeitungen auf den Neuschrieb umstellten und sogar die Leserbriefe nicht authentisch abdrucken, sondern in die Primitiv- und Beliebigkeitsschreibung umwandeln, halfen wir dabei, die neue Sprachzeitung die DEUTSCHE SPRACHWELT (DSW) aus der Taufe zu heben, die in der bewährten traditionellen Rechtschreibung erscheint. Um den Titel haben wir mittels Netzpost und Fax lange gerungen, bis sich eine klare Mehrheit für den jetzigen Titel entschied. Ich möchte auch allen danken, die Titelvorschläge für unsere gemeinsame Sprachzeitung gemacht haben, insgesamt rund 100.

Die 0-Nummer erschien im März, dann kam die Nummer 1 im Juni heraus und Ende August soll die Nr. 2 erscheinen. Die DEUTSCHE SPRACHWELT (DSW) enthält Nachrichten, die das Medienkartell seit dem 1. August 1999 weitgehend unterdrückte. Wenn Sie die DSW lesen wollen, können Sie sie bei der Vertriebsstelle bestellen: DSW, Stefan Micko, Postfach 27, A-2103 Lang-Enzersdorf; Tel./Fax: aus dem Ausland 0043-2244-30542; Netzpost (E-Mail): <Markus.Weiss@netway.at>. Der Bezug soll vorerst kostenlos sein, das Erscheinen hängt aber voll von der Annahme durch die Leser ab (Zahlschein für Spende liegt bei). Die DSW nützt ebenfalls das Weltnetz und versendet einmal monatlich sogenannte SPRACHWELT-NACHRICHTEN an alle, die sich in eine Liste eintragen lassen. Theodor Icklers Aufsatz „Was weiß Manfred Kanther? Zum Stand der sogenannten Rechtschreibreform“. In: DEUTSCHE SPRACHWELT Nr. 1 vom 20. Mai 20000, S. 3, führte dazu, daß DIE WELT aufmerksam wurde und einen ähnlichen Artikel drucken wollte. Daraus wurde dann die bekannte aufsehenerregende Nummer vom 25. Juli mit dem Artikel von Theodor Ickler und weiteren Aufsätzen von Dankwart Guratzsch. Nach Darstellung von Frank Schirrmacher in der WELT am SONNTAG vom 13. August wirkten sich diese Artikel auf die FAZ aus: "Der letzte Anstoß war eine Information der &Mac226;Welt‘, nach der es weitere Nachbesserungen der Rechtschreib-reform geben sollte. (...) Mein Kollege Nonnenmacher stellte dann die Frage: Warum diesen Wahnsinn noch weiter mitmachen? Warum nicht zum Jahrestag aussteigen? Dann haben wir buchstäblich innerhalb von 48 Stunden diesen Beschluß zum 1. August gefaßt.“

Um am Medienmarkt bestehen zu können (Leserzahl), muß die DEUTSCHE SPRACHWELT für die Mitglieder aller Sprachpflegevereine offen sein, allerdings nicht für diejenigen, die die Rechtschreibreform befürworten. Der VRS wird nur einer von mehreren Vereinen sein, die in der Sprachzeitung vertreten sein werden; denn ein kleiner Verein allein ist finanziell nicht in der Lage, ein solch ehrgeiziges Vorhaben durchzuführen. Die Mehrheit der Initiatoren war der Ansicht, daß zwecks Wahrung der Unabhängigkeit ein Trägerverein existieren müsse. Zu diesem Zweck wurde der bereits existierende kleine „Verein für Sprachpflege“ (VfS) neu belebt. Sein Sitz wurde an den Sitz der DEUTSCHEN SPRACHWELT nach Erlangen verlegt. Meine Vorstellung ist, daß die DSW allmählich die Grundlage für eine Art Dachorganisation aller Sprachpflegevereine werden könnte, wenn sie in der Lage ist, in deren Mitgliedern ein Wir-Gefühl zu erzeugen: Das ist „unsere“ Sprachzeitung, das ist unsere DEUTSCHE SPRACHWELT. Eine Sprachzeitung ist aber nur dann lebendig, wenn die Leser mitmachen und Artikel und Leserbriefe schreiben. Je mehr Mitglieder des VRS Beiträge liefern, desto mehr wird die Sprachzeitung zu unserem Organ.

Sprachwahrer des Jahres

Der Schriftleiter der DSW, Thomas Paulwitz, schrieb im Internet: „Die DEUTSCHE SPRACHWELT sucht den "Sprachwahrer des Jahres“ 2000. Mit dieser bewußt positiven Auszeichnung soll besonderer Einsatz für die deutsche Sprache gewürdigt werden. Bei dem gesuchten Preisträger muß es sich nicht unbedingt um eine hervorgehobene Persönlichkeit handeln. Deswegen geben wir auch keinen „Wahlzettel“ vor. Oft geschieht fernab vom Medienwirbel unter Opferung von viel Freizeit Gutes für die deutsche Sprache. Bitte schicken Sie Ihre Wahl zusammen mit einer kurzen Begründung an: DEUTSCHE SPRACHWELT <sprachwelt@t-online.de>. Stichwort "SPRACHWAHRER DES JAHRES“. Der Sprachwahrer mit den meisten Stimmen wird "Sprachwahrer des Jahres“. Einsendeschluß ist der 20. Oktober 2000. Über die, die es nicht geschafft haben werden, möchten wir jedoch auch gebührend berichten. Die DEUTSCHE SPRACHWELT sucht auch noch Stifter, die helfen, den Preis aufzuwerten. Interessenten schreiben bitte an die Schriftleitung. Mit dem SPRACHWAHRER DES JAHRES greift die DSW Vorschläge, u.a. auch des VRS, auf, dem VWDS/VDS-Negativ-Preis eines „Sprach-Panschers“ des Jahres einen Positiv-Preis entgegenzusetzen. Bitte verbreiten Sie den Aufruf der DSW weiter! Ich habe vorgeschlagen, mehrere Preise zu vergeben.

Andere Sprachpflegevereine

Der einzige Sprachpflegeverein, der unsere Arbeit aktiv unterstützt, ist der Verein "Muttersprache“ mit seinen Wiener Sprachblättern. Auf unserer Seite steht auch die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt. Die "Junge Freiheit“ fragte Professor Christian Meier: "Haben Sie mit den Bürgerinitiativen, wie dem 'Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege‘ (VRS)', gegen diesen staatlichen Willkürakt zusammengearbeitet?“ Christian
Meier antwortete: " 'Zusammenarbeiten‘ ist zuviel gesagt, aber man hat ein paar Kontakte gehabt. Speziell Herr Ickler hat eine sehr nützliche Arbeit für die Sache geleistet. Zum Beispiel durch das sehr gute, soeben erschienene neue Rechtschreibwörterbuch, das er erarbeitet hat.“ (23) Eine Zusammenarbeit kam bisher bedauerlicherweise nicht zustande, weil diesbezügliche Anschreiben des VRS bisher unbeantwortet blieben.

Leider haben die Rechtschreibreformer die Führungspositionen der meisten anderen Sprachpflegevereine "besetzt“, z.B. die der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS), Wiesbaden, und des Instituts für deutsche Sprache (IDS), Mannheim, so daß die Mitarbeiter dieser staatlich finanzierten Vereine für die sogenannte Rechtschreibreform eintreten müssen, obwohl die meisten Mitarbeiter gegen die Rechtschreibreform sind. Der "Verein zur Wahrung der deutschen Sprache“ (VWDS), Dortmund, am 15. April 2000 umbenannt in "Verein Deutsche Sprache“ (VDS), kämpft nur gegen Anglizismen. Das ist kein Wunder; denn unter den Mitgliedern befinden sich der Vorsitzende der Zwischenstaatlichen Rechtschreibkommission, Professor Gerhard Augst, Siegen, und der Rechtschreibreformer Professor Hermann Zabel, Dortmund (24). Im Bertelsmann-Lexikon-Verlag erschien z.B. Hermann Zabel: Die neue deutsche Rechtschreibung. Überblick und Kommentar (Darstellung, Kommentierung und Anwendung des neuen amtlichen Regelwerks). Hrsg.: Gesellschaft für Deutsche Sprache. Gütersloh: Bertelsmann-Lexikon-Verlag, 1997. Hier wird die Verknüpfung des Rechtschreibreformers Hermann Zabel mit der Gesellschaft für Deutsche Sprache (GfdS) und Bertelsmann sichtbar. Außerdem „schluckte“ der „Ein-Punkt-Verein“ Krämers rechtschreibreformgegnerische Vereine wie das "Bürgerforum Deutsche Sprache“ in Köln und neutralisierte damit diese Kräfte.(25)

Der VWDS ließ es als "Sprachwahrer“ zu, daß das von ihm finanzierte "Wörterbuch überflüssiger Anglizismen“ (26) und die Vereinszeitung, die "Sprach-Nachrichten“ (diese bisher teilweise), in der sogenannten neuen Rechtschreibung gedruckt wurden bzw. werden. Auch die neuesten Werbeanzeigen des VDS in der FAZ erschienen in Neuschrieb. Der Vorsitzende des VDS, Professor Walter Krämer, hat mehrmals erklärt, daß die Umbenennung des VWDS in VDS und die Tilgung des Wortes „Wahrung“ aus dem Vereinsnamen und der Satzung dazu diene, öffentliche und private Fördergelder zu erhalten. Gegen die Umbenennung des VWDS läuft eine Klage beim Amtsgericht Dortmund.

In den Vereinsmitteilungen des VRS vom 1. Dezember 1999 schrieb ich: Anzumerken ist aber, daß der Schriftführer des Bundes für deutsche Schrift und Sprache (BfdS), Christian Stang, durch seine Veröffentlichungen leider die Rechtschreibreform fördert.(27) In einem Schreiben vom 26.08.99 verteidigte Christian Stang für die Redaktion der Mitglieder-Zeitschrift der Deutschen Postgewerkschaft „Transparent“ deren Umstellung auf die sogenannte neue Rechtschreibung sowie seinen in „Transparent“ abgedruckten Artikel über die neue Rechtschreibung. Er verstehe nicht, weshalb „Transparent“ auf die Anwendung der neuen Orthographie verzichten solle.“ Stang wurde schon 1996 vom Humboldt-Langenscheidt-Verlag als Autor zur Vermarktung der Rechtschreibreform gewonnen bzw. "eingekauft“. Wer den Reformern bei der Einführung der Rechtschreibreform hilft und ihnen zuarbeitet, hat auf der Seite der Rechtschreibreformgegner nichts zu suchen. Es ist klar, daß Stang durch seine Mitarbeit für reformfördernde Verlage von diesen abhängig ist und deren Interessen vertritt, so daß er nicht Leserbriefe gegen die Rechtschreibreform, sondern Artikel für die Reform schreibt. Inzwischen stellte sich heraus, daß Stang ein weiteres Buch und einen Duden-Crashkurs zum Zwecke der Einführung der Rechtschreibreform veröffentlicht hat. (28) Stang: „Was heute noch ein Fehler ist, kann morgen schon richtig sein.“ Das erinnert an eine Schildbürgerregel: „Die Entscheidung für etwas Falsches wird sich als richtig erweisen; denn ein Fehler, den alle begehen, wird schließlich als Regel und Wahrheit anerkannt.“ Dadurch, daß Stang Vorstandsmitglied des Bundes für deutsche Schrift und Sprache ist, wird der Anschein erweckt, als sei der BfdS mit der Schriftstellertätigkeit Stangs für die Rechtschreibreform einverstanden. Stang ist außerdem noch aktives Mitglied in weiteren Sprachvereinen, von denen einige für die Rechtschreibreform eintreten.

Initiativen sind wie ein Strohfeuer, das hoch auflodert, aber schnell wieder erlischt. Unser Verein ist dagegen wie ein kleines Feuer, das ununterbrochen brennt und sich bei günstigen Voraussetzungen zu einem Flächenbrand
ausbreiten kann.

Einigen Kritikern, vornehmlich außerhalb des Vereins, sage ich: "Allen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann. – Wer viel arbeitet, macht viele Fehler, wer weniger arbeitet, macht weniger Fehler, es soll Leute geben, die gar keine Fehler machen!“

Ich hoffe, daß ich Sie mit diesem Überblick zufriedenstellend informiert habe.

Mit freundlichen Grüßen

[Manfred Riebe]

„Ceterum censeo reformationem ad peius scribendi delendam esse...“ (= „Im übrigen bin ich der Meinung, daß die Schlechtschreibreform zerstört werden muß...“)

Anlagen für Werbezwecke zum Vervielfältigen:

Die Einladung zur Jahreshauptversammlung am 30. September / 1. Oktober 2000 in Aschaffenburg.

Beitrittserklärung des VRS mit Abbuchungsauftrag (bitte vervielfältigen!).

Riebe, Manfred: "Die Sprache gehört dem Volk“. Deutsche Sprache: Manfred Riebe über die Rechtschreibreform und den Streit unter Sprachschützern. Interview von Moritz Schwarz. In: Junge Freiheit 23.06.2000, S. 4.

Riebe, Manfred: Unlogisch und verwirrend - Vor einem Jahr wurde in den meisten Medien die neue Rechtschreibung eingeführt - Das Ziel der Vereinheitlichung und Vereinfachung wurde ins Gegenteil verkehrt. In: Junge Freiheit 28.07./04.08.2000, S. 11.


Anmerkungen

1) Dolderer, Uwe: "Schwarzer Tag für die Sprache“. In: Münchner Merkur 03.08.1999.

2) Denk, Friedrich: Hand voll so genannter Experten. Leserbrief. In: Münchner Merkur 07./08.08.1999.

3) Arnim, Hans Herbert von: Vom schönen Schein der Demokratie. Politik ohne Verantwortung - am Volk vorbei. Droemer: München 2000.

4) Es gibt mehr Leute, die kapitulieren, als solche, die scheitern.

5) Krieger, Hans: Mehr als eine Handvoll Fehler. Die Rechtschreibreform hat den Peaxis-Test in der Presse nicht b estanden. In: Bayerische Staatszeituing Nr. 23 vom 09. 06. 2000, S. 3.

6)) Eine kleine Kostprobe, wie unser VRS als Sammelbecken für Nachrichten und Nachrichtenzentrale mit seinem Netz-Nachrichten-Verteiler und dem Versand von Netzbriefen an die Medien wirken kann, wenn diese sie nicht löschen, wie es beim Springer-Konzern in Hamburg geschieht: "Ihre Sendung wurde automatisch und ungelesen vom Server gelöscht. Sie wird weder bearbeitet noch zur Kenntnis genommen. Stellen Sie bitte alle Mails an alle redaktionellen Adressen der Domäne ...@abendblatt.de ein. Hamburger Abendblatt.“ – Am 26.05.2000 sandte ich während des Bremer Volksbegehrens an Marlon Juers <M.Juers@weserreport.de> eine Antwort und zugleich an alle anderen Medien im Verteiler, unter anderem auch an die "Presse“ in Wien. Während der Weser-Report und die anderen Medien die Nachricht nicht beachteten oder vielleicht sogar löschten, machte die "Presse“ eine Nachricht daraus, in der zum ersten Mal die Debatte innerhalb der FAZ öffentlich sichtbar wurde: "Auch wir stellen neue Überlegungen an, so ist zum Beispiel eine hausinterne Spezialregelung in Arbeit". Mit diesen Worten wird Günther Nonnenmacher, Mitherausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", vom Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege (VRS) zitiert. Die F.A.Z. habe, so heißt es in dem Nonnenmacher-Schreiben, "die Rechtschreibreform nie gewollt ...“. Vgl. Rechtschreibung: Reform der Reform 2003. Die F.A.Z. bastelt an einer Hausorthographie, die "Neue Zürcher“ hat eine solche kürzlich vorgelegt. In: Die Presse, Wien, 30.05.2000. – Je besser der VRS vernetzt ist, desto besser funktionieren Informationsfluß und Aufklärung der Öffentlichkeit. Jeder kann sich beteiligen.

7) BR-Radionachrichten vom 16.10.1996, http://www.br-online.de/news/aktuell/961016/182510.html.

8) Kraus, Josef: Verlierer in Schulbänken. In: FAZ 28.08.2000, S. 51.

9) Wrase, Wolfgang: Eine künstlich ernährte Halbtote. In: Streitpunkt: Ist die Rechtschreibreform ein „Flop“? In: Neues Deutschland 04.08.2000, S. 16.

10) Zivilcourage: Ein Mensch erfährt, daß unsere Zeit voll sei von Rücksichtslosigkeit. Doch sieht aus Feigheit, aus bequemer, er ringsum lauter Rücksichtnehmer. Die Freiheit geht doch wohl im Grunde aus solcher Rücksicht vor die
Hunde. (Eugen Roth).

11) Dieckmann, Friedrich: Umgang mit einem Staats-Streich. In: Berliner Zeitung 04.08.2000, S. 13.

12) Wasmuth, Johannes: Einzig richtige Reaktion: Ziviler Ungehorsam. In: Süddeutsche Zeitung 22.08.2000.

13) Peil, Stephanus: Presse-Orthographie nach der Umstellung auf die Neuregelung ab 1.8.1999, 2. Auflage, St. Goar: Leibniz-Verlag.

14) Riebe, Manfred: Chaos beim Schreiben. Plädoyer für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Sprache. In: Junge Freiheit 05.05.2000, S. 9.

15) Riebe, Manfred: Unlogisch und verwirrend - Vor einem Jahr wurde in den meisten Medien die neue Rechtschreibung eingeführt - Das Ziel der Vereinheitlichung und Vereinfachung wurde ins Gegenteil verkehrt. In: Junge Freiheit
28.07./04.08.2000, S. 11.

16) Riebe, Manfred: „Die Sprache gehört dem Volk“. Deutsche Sprache: Manfred Riebe über die Rechtschreibreform und den Streit unter Sprachschützern. Interview von Moritz Schwarz. In: Junge Freiheit 23.06.2000, S. 4.

17) Ickler, Theodor: „Das ist ein Dammbruch“. Der Rechtschreibreformkritiker Theodor Ickler über die Rückkehr der FAZ zur alten Rechtschreibung und die politischen Hintergründe der Reform. Interview von Moritz Schwarz. In: Junge Freiheit Nr. 33, 11.08.2000, S. 3

18) Meier, Christian: "Opfer der Spaßgesellschaft“. Christian Meier über die aktuelle Lage im Rechtschreibkampf, den Reform-Widerstand der Deutschen Akademie und die hiesige Lesekultur. Interview von Moritz Schwarz. In: Junge Freiheit Nr. 34, 18.08.2000. S. 3

19) Friedrich Denk schrieb in einem Leserbrief an die „Junge Freiheit“: "Zwei Zeitungen in Deutschland haben die sogenannte 'Neuregelung der deutschen Rechtschreibung‘ am 1. August 1999 nicht übernommen: Die <Junge Freiheit> und die sozialistische Tageszeitung <Junge Welt>. Allen beiden Glückwunsch zu dieser vorausschauenden und nonkonformistischen Haltung!“ In: JF 18.08.2000, S. 15. Friedrich Denk ist jedoch schlecht informiert. Ich hatte im Oktober 1999 eine Liste von rund 60 nicht umgestellten Zeitungen und Zeitschriften zusammengestellt, die mir zufällig auffielen oder die man mir nannte, und hatte sie in den Vereinsmitteilungen veröffentlicht. Inzwischen sind unsere DEUTSCHE SPRACHWELT und die FAZ hinzugekommen. Aber einige Medien gaben auch dem Meinungsdruck des Medienkartells nach. Nicht die FAZ hat die Nase vorn, sondern alle Medien, die sich nicht gleichschalten ließen. Ich sandte Jürgen Frielinghaus, Feichtetstr. 19, 82343 Pöcking, Tel. (08157) 52 54, Netzpost: <JFrieling9166379@AOL.com>, meine Liste. Für diese Liste der Qualitätsliteratur richtete Jürgen Frielinghaus eine Netzseite ein: http://members.aol.com/jfrieling9166379/index.htm. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Bitte helfen Sie alle mit, diese Liste zu ergänzen, weiter auszubauen und auf Veränderungen aufmerksam zu machen. Ich sandte diese Liste reformfreier Zeitungen und Zeitschriften auch der Neuen Zürcher Zeitung, der FAZ, der "Jungen Freiheit“ und der "Presse“, Wien, zur Veröffentlichung, damit der in der Öffentlichkeit von den gleichgeschalteten Medien gepflegte falsche Eindruck verschwindet, die FAZ stünde allein auf weiter Flur.

20) Peil, Stephanus: Presse-Orthographie nach der Umstellung auf die Neuregelung ab 1.8.1999. 2. Auflage, St. Goar: Leibniz-Verlag, 2000, 59 Seiten, ISBN 3-931155-13-7; Krieger, Hans: Mehr als eine handvoll Fehler. Die Rechtschreibreform hat den Praxis-Test in der Presse nicht bestanden. In: Bayerische Staatszeitung nr. 23 vom 09. 06. 2000, S. 3.Riebe, Manfred: Unlogisch und verwirrend - Vor einem Jahr wurde in den meisten Medien die neue Rechtschreibung eingeführt - Das Ziel der Vereinheitlichung und Vereinfachung wurde ins Gegenteil verkehrt. In: Junge Freiheit 28.07./04.08.2000, S. 11

21) Hermann Unterstöger gehörte zu den beiden einzigen deutschen Journalisten, die im November 1994 aus Wien über die Wiener Konferenz berichteten.

22) Maximilian Graf von Montgelas (1759-1838), bayerischer Staatsmann; leitender Minister 1799-1817.

23) Meier, Christian: "Opfer der Spaßgesellschaft“. Christian Meier über die aktuelle Lage im Rechtschreibkampf, den Reform-Widerstand der Deutschen Akademie und die hiesige Lesekultur. Interview von Moritz Schwarz. In: Junge
Freiheit Nr. 34, 18.08.2000. S. 3

24) Wenn man einen Sumpf trockenlegen will, darf man nicht die Frösche fragen!

25) Riebe, Manfred: „Die Sprache gehört dem Volk“. Deutsche Sprache: Manfred Riebe über die Rechtschreibreform und den Streit unter Sprachschützern. Interview von Moritz Schwarz. In: Junge Freiheit 23.06.2000, S. 4

16) Pogarell, Dr. Reiner / Schröder, Markus (Hrsg.): Wörterbuch überflüssiger Anglizismen. Paderborn: IFB Verlag Institut für Betriebslinguistik, 1999

27) Stang, Christian: Die neue Rechtschreibung – Alle Regeln auf einen Blick. München: Humboldt-Taschenbuch-Verlag, 1996; Stang, Christian: Die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung. In: Schriftenreihe des Bundes für deutsche Schrift und Sprache, Heft 16, 1996

28) Stang, Christian: Die neue Rechtschreibung kurz und schmerzlos, Verlag Haus des Buches Christine Lindner, Regensburg 2000. Stang, Christian: Duden-Crashkurs zur neuen Rechtschreibung., abrufbar unter www.duden.de. Stang, Christian: Ratgeber Lebenslauf und Bewerbung, Bassermann. Vgl. Lühring, Marion: Einer von uns. Komma oder nicht? Die neue Rechtschreibung kurz und schmerzlos vermitteln, das möchte DPG-Mitglied Christian Stang (24). In: Transparent, Januar 2000, S. 32.


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