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Derzeitige Medienlandschaft und 'Rechtschreibreform'.

Einladungsschreiben und Pesseerklärung zum Treffen der bundesweiten 'Initiative gegen die Rechtschreibreform' zum Treffen in Warburg am 30./31. Okt 1999. Verf.: Vorsitzender des Vereins Manfred Riebe ( Max-Reger-Str. 99, D- 90571 Schwaig b. Nürnberg, Tel.: 0911-500825, FAX 0911-508007, EP: manfred.riebe@raytec.de).

Anbei werden auf Anregung des Vereins das Einladungsschreiben und die Presserklärung publiziert. D. Hg.


1) Einladungsschreiben.

"VRS Aktion "ROTE KARTE für die Medienkonzerne!" Initiative gegen die Rechtschreibreform /Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e.V.Vorsitzender: Manfred Riebe, Max-Reger-Str. 99, D-90571 Schwaig bei Nürnberg Tel.: (0911) 50 08 25, Fax: (0911) 50 80 07, E-Post: manfred.riebe@raytec.deSchriftführer: Stephanus Peil, In den Gärten 5, D-56457 Westerburg Tel./Fax: (02663) 85 93, E-Post: speil@rz-online.deSchatzmeister: Günter Schmickler, Südstr. 11, D-53842 Troisdorf bei Bonn Tel.IFax: (02241) 80 5049

VEREINSMITTEILUNGEN

Schwaig bei Nürnberg, 8. Oktober 1999

Sehr verehrte Damen, sehr geehrte Herren! Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter!

Wir haben im Laufe dieses Jahres zweifellos einige herbe Niederlagen einstecken müssen: das Scheitern des Volksbegehrens in Berlin, die allgemeine Einführung der neuen Rechtschreibung in den Tageszeitungen, in manchen Zeitschriften und in den Behörden und den Beschluß des Kieler Landtags, die Rechtschreibreforrn trotz des vorjährigen Volksentscheides in Schleswig-Holstein einzuführen. Deshalb mag sich mancher unter uns angesichts der Übermacht der Staatsorgane und der scheinbaren Gleichgültigkeit großer Teile der Bevölkerung die Frage stellen: Lohnt es sich überhaupt, den Kampf für den Erhalt der bewährten deutschen Rechtschreibung weiterzuführen? Wenn wir diese Frage mit einem klaren ,,Ja" beantworten, möchten wfr dies nicht mit billigen ,,Durchhalteparolen" begründen. Es gibt durchaus vernünftige Gründe, die Aufklärungsarbeit unseres Vereins fortziisetzen.

Warum sollen wir die Flinte ins Korn zu werfen? Im Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Rechtschfeibreform vom 14. Juli 1998 heißt es: "Soweit dieser Regelung rechtliche Verbindlichkeit zukommt, ist diese auf den Bereich der Schulen beschränkt. Personen außerhalb dieses Bereichs sind rechtlich nicht gehalten, die neuen Rechtschreibregeln zu beachten und die reformierte Schreibung zu verwenden. Sie sind vielmehr frei, wie bisher zu schreiben Es ist unter diesen Umständen nicht erkennbar, inwieweit durch die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung Grundrechte derjenigen, die ihrer Schreibung die alten Regeln und Schreibweisen zugrunde legen wollen, beeinträchtigt werden könnten." (1) Dementsprechend boykottieren mehr als 90 Prozent der Bevölkerung die Dummschreibung und denken nicht daran, sich umzustellen. Außerdem wird in Kürze über eine Klage in Berlin und danach über zwei Verfassungsbeschwerden in Schleswig-Holstein entschieden. Auch vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg läuft eine Beschwerde. In diesen Klageverfahren geht es nicht nur um die Rechtschreibung, sondern auch um den Erhalt demokratischer Bürgerrechte! Wir sind nicht bereit, die behördliche Behinderung des Volksbegehrens in Berlin und die verfassungswidrige Aufhebung des Volksentscheides in Schleswig-Holstein geduldig hinzunehmen. Schließlich geht es nicht an, daß die Volksvertreter ihre 'Auftraggeber' wie unmündige Untertanen behandeln.

In Bayern, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen stehen noch weitere Volksbegehren aus. So standen sich am 6. Oktober 1999 bei der Anhörung im Landtag Mecklenburg-Vorpommem in Schwerin der Reformer Professor Dieter Nerius (Universität Rostock) und unser Mitglied Karl-Heinz Requard für die Volksinitiative "Wir stoppen die Rechtschreibreform!" gegenüber. Selbst wenn die Volksbegehren nicht zum Erfolg führen sollten, war unsere Arbeit nicht vergebens. Auf längere Sicht haben wir für unsere Sache viel erreicht, wenn die Diskussion um die Rechtschreibung in der Öffentlichkeit wachgehalten wird. Damit sind wir beim wichtigsten Grund fürs "Weitermachen" angelangt:

Vorerst bis zum Jahr 2005 können die Reformer, die Kultusminister und die Medienkonzeme unsere Schrifisprache weiter zerstören und weitere Rechtschreibreformen planen. Hätte das ,,Volk" sich erst einmal beruhigt und an die Absurditäten der jüngsten Reform gewöhnt, so könnten die 'Reformer' zum nächsten Schlag ausholen. Was 1996 noch nicht durchsetzbar war, könnte dann erneut auf die Tagesordnung gesetzt werden: die konsequente Kleinschreibung, der Verzicht auf Unterscheidungsschreibungen und Dehnungszeichen. Machen wfr uns nichts vor: Der ,,keiser", das ,,weisenkind" und die ,,merjungfrau" sind noch nicht tot! Das Endziel einiger Reformer war und ist eine Orthographie, die an einem einfachen Prinzip ausgerichtet ist: Jedem Laut, den man hört, entspreche ein Buchstabe, und jedem Buchstaben, den man schreibt, entspreche ein Laut. Solche Gedankenspiele wurden zwar schon vor 200 Jahren verworfen, spuken aber immer noch in den Köpfen einiger Germanisten herum. Diese 'Reformer' werden mit ihrer 'Salami-Taktik' weiter auf ihr Ziel hinarbeiten, wenn man sie gewähren läßt. Zusammen mit dem Vorsitzenden der Zwischenstaatlichen Rechtschreibkommission Gerhard Augst verfolgen sie zur Durchsetzung der Rechtschreibreform eine raffmierte Taktik der kleinen Schritte. Man will einen kleinen Präzedenzfall schaffen, um damit einen Freibrief für weitere Sprachveränderungen zu erhalten. Augst: "Das amtliche Regelwerk soll auf Grund der Kommissionsergebnisse alle zehn Jahre neu aufgelegt werden. Zwischenzeitlich sind marginale Veränderungen und Wortnachträge in den Nachdrucken möglich. (2) "Die Deutschen" sollen merken, daß die Rechtschreibung nicht sakrosankt ist", erklärte Augst. (3)

Doch immerhin liegt seit August von Professor Theodor Ickler als Gegenentwurf eines Reformkrit kers ein Wörterbuch in einer Entwurf-Fassung vor, das als Grundlage für eine einheitliche Rechtschreibung dienen und aus dem derzeitigen Rechtschreibchaos herausführen soll: die "Deutsche Einheitsorthographie, Wörterbuch der allgemein üblichen Rechtschreibung". (4)

Es gibt aber auch Reformbefürworter, denen die Sprache nichts bedeutet. Sie argumentieren, es gebe doch Wichtigeres als den Kampf gegen die Rechtschreibreforrn, z.B. den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Mit Kleinigkeiten wie der Rechtschreibreform solle man sich nicht abgeben. In Wirklichkeit aber ist die Rechtschreibreform eine riesige Steuergeldverschwendung. Trotz der Sparhaushalte werden Milliarden an Steuergeldem für die überflüssige, fehlerträchtige Dummschreibung vergeudet. Diese Milliarden fehlen nicht nur im Schul- und Kulturbereich (Kürzung der Unterrichtsstunden, Scniie~~un~ vön Goetiic-Instituten), sondern überall, insbesondere bei der Bekämpfüng der Arbeitslosigkeit.

Aus allen genannten Gründen steht unsere Mitgliederversammlung am 30.131. Oktober 1999 in Warburg daher unter dem Motto: "Es ist nie zu spät, Sprachzerstörung, Entdemokratisierung und Steuerverschwendung zu stoppen!"

Was aber können wir tun, um langfristig gegenzusteuern?

Wir dürfen es keineswegs zulassen, daß der Eindruck entsteht, mit der Zeit würden die "neuen Schreibweisen" zur Selbstverständlichkeit und bald werde niemand mehr darüber reden. Darum müssen wir als Verein und als Einzelpersonen - uns bei jeder passenden Gelegenheit an die Medien wenden, um die Mängel der jüngsten Reform bloßzustellen. Weisen Sie z.B. in Leserbriefen darauf hin, daß in manchen Artikeln ein chaotisches Durcheinander von alten und neuen Schreibweisen besteht. Viele Journalisten beherrschen noch nicht einmal die neue s-Schreibung! Fragen Sie, warum die Leser nicht vorher gefragt wurden, ob sie die Umstellung auf den Neuschrieb wünschen. Günter Grass sagte in der Lübecker Bürgergesellschaft, daß kein Verlag seine Texte ändern dürfe. Immerhin sind auch Leserbriefschreiber kleine Autoren. Auf der Leserbriefseite steht manchmal: "Leserbriefe geben die Meinung unserer Leser wieder, nicht die der Redaktion." Wenn das wahr wäre, dann müßten die Zeitungen alle Leserbriefe in ihrer Schreibweise belassen, denn in der Schreibweise der Leser kommt auch deren Meinung zur Rechtschreibreform zum Ausdruck. Tatsächlich drucken die Berliner Morgenpost, der General-Anzeiger (Bonn), 5 die Sächsische Zeitung (Dresden), der Tagesspiegel (Berlin) und DIE WELT (Berlin) 6 die Leserbriefe in traditioneller Rechtschreibung ab. Doch viele Zeitungen wandeln Leserbriefe, Romane, historische Texte und Zitate in Rezensionen regelwidrig in die Dummschreibung um. Als Schüler, spätestens aber als Student lernt man, daß man Zitate keinesfalls verändern darf. Lassen Sie sich deshalb keine Bevormundung gefallen. Bitten Sie stets darum, Ihren Leserbrief in "herkömmlicher" Schreibung zu veröffentlichen. Falls dies geschieht, sollten Sie dies anerkennen und sich bedanken, wenn nicht, sollten Sie protestieren. Haben Sie schon überflüssige Zeitungen und Zeitschriften mit Dummdeutsch abbestellt?

Bevorzugen Sie beim Zeitungs- und Zeitschriftenkauf alternativ die Medien, die nicht auf den Neuschrieb umgestellt haben! Nach bisherigen Meldungen haben folgende Medien die traditionelle Einheitsrechtschreibung beibehalten: In Deutschland: ai Journal (amnesty international, Das Magazin für Menschenrechte, Bonn), Die Aktuelle (München), Bayerische Verwaltungsblätter (und alle anderen Fachzeitschriften, Loseblatt-Sammlungen und Fachbücher aus dem Richard Boorberg Verlag, München), Bild der Wissenschaft, Bravo, Capital, Der Club (Bertelsmann-Buchclub), DM (Düsseldorf), Eulenspiegel (Monatsmagazin für Satire, Berlin), Frau im Spiegel, Freizeit Revue (Offenburg), Für Sie, Geo, Das Goldene Blatt (Bergisch-Gladbach), IDEA, Junge Freiheit (Berlin), Junge Welt (Berlin, ehemaliges FDJ-Blatt), Jungle World (Berlin), Neue Bildpost (Hamm), Neue Post (Hamburg), Opposition (Magazin für Deutschland, Berg), PC-Welt (und fast alle anderen Computerzeitschriften, Das, TYpur (Hamburg), Wirtschaftswoche (Düsseldorf), WOIHNIDEE (Hamburg), Zuhause Wohnen (Hamburg) und viele andere. Leider hat der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag in Flensburg mit 14 Tageszeitungen (geschätzte Gesamtauflage 500 000), z.B. die Schleswig-Holsteinische Landeszeitung, nach dem Kieler Landtagsbeschluß vorn 17.09.1999 schlagartig auf den Neuschrieb umgestellt.

ln Österreich bleiben bei der herkömmlichen Rechtschreibung: die Kronen-Zeitung, Die Presse, Die Ganze Woche, News (Wochenmagazin, Wien), Täglich Alles (Wien), tv-Media, Format (Wien), Wiener Sprachblätter. FORMAT schreibt: "Die Magazine 'News' und FORMAT verhalten sich abwartend. Diese Medien ersparen sich damit - zumindest vorerst -jene Flut von wütenden Leserbriefen bis hin zu Abonnementkündigungen, mit denen sich die reformierten Blätter derzeit herumschlagen müssen." In Griechen!and und Zypern bleibt die Athener Zeitung bei der herkömmlichen Rechtschreibung Aber die meisten Zeitungen, auch die angeblich liberalen Tageszeitungen FAZ, SZ und DIE WELT, fragten ihre Leser nicht, ob sie die Umstellung auf den Neuschrieb wollen, sondern stellten einfach um. Das Deutschland-Magazin (Prien) berichtet, daß Leser sich über die nicht angekündigte neue Schreibweise beschwert hätten. Einer habe erbost gekündigt. "Doch wir versuchen uns keiner geistigen Strömung zu unterwerfen Wir teilen nicht die Auffassung von Einzelkämpfern wie im rot-grünen Schleswig-Holstein." Aber nun habe man ebenfalls die neue Rechtschreibung übernommen. "Doch wir hielten diesen Vorgang nicht der Rede oder der Schreibe wert, da unsere Leser überdurchschnittlich gebildet sind. Wir setzen unsere Prioritäten: ... Wir unterstützen die Rechtschreibreforrn und lehnen Abtreibung ab. Wir wollen unser modernes Leben mit wertvollem Inhalt füllen. Denn für ein Leben, dessen Sinn Christus ist, kämpfen wir. Tassio Klein." (7)

Im Gegensatz dazu berücksichtigten z.B. Digitalkamera, die Neue Bildpost' (8) die Neue Post (9) und die "Sieg Illustrierte" und in Österreich "Die Presse" (Wien) in vorbildlich demokratischer Weise die Wünsche ihrer Leser. Sie fragten ihre Leser, ob sie den Neuschrieb wünschten. Die Ergebnisse der Umfragen waren genauso eindeutig wie bei den vielen repräsentativen Meinungsumfragen zuvor: Die Mehrheit der Leser der Neuen Bildpost stimmte gegen die Rechtschreibreform' nur zwei Leser stimmten für sie. 662 Leser der Neuen Post votierten gegen die Rechtschreibreform, nur 36 befürworteten sie. Somit sind 94,84 Prozent der Leser der Neuen Post gegen die Rechtschreibung. Die Aus-wertung der Sommerumfrage von 'Digitalkamera' (Internet) vorn 05.08.1999 ergab: "Von 1.019 Teilnehmern haben 977 die Frage nach der gewünschten Rechtschreibung beantwortet. Hiervon mochten 689 Personen (70,5 %) die Texte auf 'digitalkamera.de' weiterhin in der alten Rechtschreibung lesen. Nur 288 (29,5 %) wollen zum heutigen Zeitpunkt, daß die 'digitalkamera.de'-Redaktion die neue Rechtschreibung verwendet. ... werden wir den Wunsch der 'digitalkamera'-Leser respektieren und neue Inhalte zunächst weiter nach den alten Regeln verfassen." (12) Auf die Frage der "Presse", Wien: "Wann soll die Rechtschreibreform umgesetzt werden?" antworteten 54 % mit",gar nicht", 19 % "in einigen Jahren" und 27 % mit "sofort". "Die Presse" schrieb dazu: "Der Wunsch der Leser ist uns Befehl." (13) "Und wir vom Redaktionsteam der ,Presse' sind eigentlich frohgemut, daß wir nicht jeden Unsinn mitmachen müssen, den man uns vorschreiben will." (14)

Aber auch bei jenen Medien, die nicht umgestellt haben, ist es keineswegs sicher, daß sie bei der herkömmlichen Rechtschreibung bleiben. Es könnte sich evtl. nur um eine Karenzzeit handeln, die endet, sobald sich der Druck der anderen Zeitungsverleger auf die oppositionellen Zeitungen auswirkt oder sich die Machtverhältnisse im Verlag geändert haben. Schreiben Sie daher an die Redaktionen jener Presseorgane, die nicht umgestellt haben, und betonen Sie, wie wichtig Ihnen auch künftig die Beibehaltung der vertrauten Rechtschreibung ist. Melden Sie bitte dem Vereinsvorsitzenden alle Medien, die nicht umgestellt haben, und besonders die, die ihre Leser gefragt haben, damit wir diese veröffentlichen und auf diese Weise für deren Kauf werben und evtl. sogar an sie einen Sprachpreis verleihen können. Bei Umfrageaktionen der Zeitungen wollen wir die Ausgaben zitieren und dokumentieren, in denen die Leserbefragung erfolgte. Deshalb benötigen wir diese Artikel in Kopie mit genauen Quellenangaben: Titel, Heft, Nr., Datum, Seite, wenn möglich auch mit Impressum.

Im übrigen war und ist ein Zeitungsabonnement für viele Haushalte schon bisher ein Luxus. Von ihnen können wir lernen, wie man auch ohne Abonnement auskommen und sich doch informieren kann. Man könnte sich Zeitungen von Nachbarn geben lassen. Auch in einer Bibliothek könnte man Zeitungen für die vergangenen Tage lesen oder sie sogar ausleihen, um zu Hause Kopien einzelner Artikel anzufertigen.

Bitte überlegen Sie, was wir sonst noch tun können, um die Reform zu boykottieren. Fragen Sie beim Kauf von Büchern stets demonstrativ, in welcher Orthographie das von Ihnen gewünschte Buch gedruckt ist. Lehnen Sie den Kauf von Büchern in Dummschreibung ab, so daß es die Umstehenden hören können. Plädieren Sie in Ihrer Kirche dafür, daß religiöse Schriften nicht in die neuen Schreibweisen (z.B. das ,,hohe Lied", statt das ,,Hohelied") übertragen werden! Schreiben Sie an den für Ihren Wahlkreis zuständigen Bundes- und Landtagsabgeordneten und teilen ihm die Gründe für Ihre Ablehnung der Reform mit, z.B. Steuerverschwendung! Schicken Sie im Neuschrieb verfaßte Werbeschriften an den Absender zurück und weisen Sie darauf hin, daß Sie grundsätzlich nur in herkömmlicher Schreibweise verfaßte Werbung beachten!

Auf unserer Mitgliederversammlung wollen wir eingehend beraten, wie die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins künftig ausgebaut werden kann. Machen Sie sich hierzu schon Notizen. U.a. planen wir eine verbesserte Neuauflage der erfolgreichen Peilschen Wörterliste und die Beteiligung an einer Sprach-zeitung. Unser Augenmerk wird sich auch darauf richten, die Arbeit der etwa 50 verschiedenen Initiativen gegen die Refonin zu bündeln.

Eine abschließende Bitte: Vervielfältigen Sie dieses Schreiben und geben es bitte zusammen mit einer Kopie der Beitrittserklärung [abdruckbares Formular ; Datei im pdf-Format; zum Empfang siehe ggf.: Versuche.htm , unter II, Experiment 6] zwecks Mitgliederwerbung an Interessierte weiter. Falls Sie nicht an der Mitgliederversammlung teilnehmen können, teilen Sie uns bitte brieflich oder durch Fax Ihre Vorschläge und Anregungen mit und ob Sie bereit wären, ein Amt oder andere Aufgaben zu übernehmen.

Mit freundlichen Grüßen

[M. Riebe]


ANMERKUNGEN

1 Bundesverfassungsgericht: Urteil vom 14. Juli 1998, Az.: 1 BvR 1640/97, 5.59 f. - Wiedergabe auf der Internet-Seite: www.rechtschreibvolk.de.

2 Augst, Gerhard, Strunk, Hiltraud: Dokumente zur Einführung der amtlichen Rechtschreibung in den deutsch-sprachigen Ländern 1901-1903. In: Muttersprache, Band 99, 1989, S.236.-

3 Augst, Gerhard: Vorsitzender der Rechtschreib-Kommission empfiehlt: Reformstart ohne Kompromiß. Interview von Rainer Nübel. In: Stuttgarter Nachrichten 31.01.98, S.20; Sitta, Horst / Gallmann, Peter, in Zusammenarbeit mit Gerhard Augst und Karl Blüml: Duden, Informationen zur neuen deutschen Rechtschreibung: Nach den Beschlüssen der Wiener Orthographiekonferenz vom 22.- 24.11.1994 für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Marmhe im: Dudenverlag, 1994, S.7

4 Ickler, Theodor: Deutsche Einheitsorthographie, Wörterbuch der allgemein üblichen Rechtschreibung, Entwurf-Fassung, Leibniz Verlag, St. Goar 1999 (mit 60.000 Eintragungen).

5 Herles, Helmut: Rechtschreibre form. Mit Gelassenheit. In: General-Anzeiger, Bonn, 31.07.99, S.2.

6 Krauel, Torsten: Die Wortbilder werden zerstört. Die Antwort. In: DIE WELT l0.og.99' 5. 11.

7 Klein, Tassilo: Rechtschreibreform. Schreiben in eigener Sache. In: Deutschland-Magazin, Oktober-Ausgabe, letzte Seite. Anmerkung: Auf Anfrage von R. Genzmann im Jahre 1997 antwortete der Herausgeber des Deutschland-Magazins, Kurt Ziesel, mit Schreiben vom 11.11.1997 genau entgegengesetzt und wies zweimal auf seinen Artikel KULTURBARBAREI in Heft 11/1995 hin.

8 Neue Bildpost, 02.09.99, 5.3

9 Neue Post, 19.08.99,5.7

10 Sieg Illustrierte, Siegburg, August 1999, S.2.

11 Neue Post, 09.09.99, S.6

12 Alles geregelt? In: FORMAT Nr.37/1999, 5. 128 f.

13 "Presse'-Leserbefragung. Die Auswertung der Fragebögen. In: Die Presse (Wien) 31.07.101.08.99, S.3

14 Scheidl, Hans Wemer: Das Schreib-Chaos kommt auf leisen Sohlen. In: Die Presse 31.07.101.08.99, 5.


2) Pressemitteilung zur Mitgliederversammlung am 31. Okt. 1999 in Warburg (NRW).

"VRS - Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e.V. Vorsitzender: OStR Manfred Riebe. Max-Reger-Straße 99 D-90571 Schwaig bei Nürnberg Tel.: (0911) 50 08 25. Fax: (0911) 50 80 07. [EP]: manfred.riebe@raytec.de.

Warburg 31. Oktober 1999.

"Der Widerstand gegen die Rechtschreibreform wächst!"

Am vergangenen Wochenende fand in Warburg (Nordrhein-Westfalen) eine Mitgliederersammlung des Vereins für deutsche Rechtschreibun« und Sprachpflege e.V. (VRS) statt. Der VRS hat das Ziel, den hohen Entwiicklungsstand der deutschen Sprache zu bewahren und sie vor willkürlichen Eingriffen zu schützen.

Der VRS kritisiert das derzeitige Schreibchaos. Trotz der Umstellung der Nachrichtenagenturen auf Neuschrieb erscheinen viele Zeitseitriften und nahezu alle Bücher, ausgenommen die Schul- und Jugendbücher, nach wie vor in herkömmlicher Schreibung. Die Tatsache, daß selbst die Nachrichtenagenturen die Neuschreibung nur halbherzig umsetzen und ihr eigenes "abgeschwächtes" Regelwerk anwenden, ist ein deutliches Zeichen dafür, daß die neuen Regeln nicht brauchbar sind. Inzwischen gibt es viele unterschiedliche Schreibungen: die herköinnilich, die reformierte, die der Nachrichtenagenturen und diverse Hausorthographien von Verlagen; d.h. die Einheitliclikeit der Rechtschreibung wurde zerstört. Das neue Regelwerk vereinfacht das Schreiben nicht, sondern macht es primitiv und komplizierter. Die im Verein tätigen Lehrer stellen fest, daß die Fehlerquote an den Schulen, in den Zeitungen und sogar in den Wörterbüchem zu- statt abnimmt. Die Schüler, Journalisten und Lexikographen sind mit dem künstlichen Regelwerk und den vielen Äusnahmen offenbar überfordert.

Obwohl die Medien suggerieren. daß die Reform "gelaufen" sei, ist der VRS davon überzeugt. daß sich die Rechtschreibreform auf Grund ihrer Mängel langfristig nicht durchsetzen wird. Viele Deutschlehrer sehen sich genötigt und übemehmen die neuen Regeln nur widerwillig. Fachlehrer lassen es freigestellt, wie ihre Schüler schreiben. Viele Schriftsteller, intelligente Schüler und weit über 80 % der Bevölkerung bleiben bei der klassischen Schreibweise. Sie können sich dabei auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 14. Juli 1998 berufen: "Soweit dieser Regelung rechtliche Verbindliclikeit zukommt, ist diese auf den Bereich der Schulen beschränkt. Personen außerhalb dieses Bereiches sind rechtlich nicht gehalten. die neuen Schreibregeln zu beachten ... Sie sind vielmehr frei, wie bisher zu schreiben." Weiterhin teilte das Bundesministerium des Innern dem VRS am 13. Oktober 1999 mit, daß "weder an Schulen noch in Verwaltungen, ... Sanktionen an die Anwendung der neuen und alten Rechtschreibung geknüpft sind." Damit solle die Bereitschaft getördert werden, sich mit den neuen Regeln vertraut zu machen. Folglich kann niemand rechtlich gezwungen werden, die neue Schreibung anzuwenden.

Der VRS stellt fest, daß Zeitungen und Verlage zunehmend keine Leserbriefe mehr veröffent1ichen, die sich gegen die Reform richten. Damit verwehren die [Druckmedien] den Bürgern das Grundrecht der freien Meinungsäußerung, die Möglichkeit der sachlichen Aufklärung und die Chance zur Richtigstellung von Verwerfungen. Der Verein sieht das als ein Zeichen von Verunsicherung und Angst.

Der VRS unterzog die Vorgänge in Schleswig-Holstein und Berlin einer kritischen Analyse und beriet das weitere Vorgehen. In Berlin wurden die Bedingungen des Volksbegehens angefochten. In Schleswig-Holstein wurden zwei Verfassungsbesehwerden eingeleitet, und beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte sind zwei Beschwerden gegen die Reform anhängig. In der Hansestadt Bremen und auch in Mecklenburg-Vorpommem sind die nötigen Unterschriften für zwei weitere Volksbegehren gegen die Reform zusammengetragen worden. Der VRS unterstützt diese lnitiativen. In Hamburg wurde der Verein 'Rechtschreibreform Stop'gegründet. Derzeit existieren deutschlandweit ca. 50 Vereine und Initiativen gegen die Rechtschreibreform.

Dr. Jürgen Langhans, Pressesprecher und Vorstandsmitglied des VRS."


Berabeitung für das Internet: Christian Gizewski.


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