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Informationen aus dem Rundschreiben des neuen Vorsitzenden des Vereins für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e. V.

VRS - Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e. V.

Christian Melsa, Veltheimstraße 26 22149 Hamburg Tel 040/6721594 Fax 040166931562 info@vrs-ev.de .

Hamburg, den 17. Dezember 2001

Liebe Mitglieder und Freunde des VRS!

Das erste Jahr des neuen Jahrtausends ist beinahe verstrichen, 2002 steht vor der Tür. Fünf Jahre sind es nun seit dem öffentlichen Bekanntwerden des konkreten Inhalts der aktuellen Rechtschreibrefonn, drei Jahre seit ihrem offiziellen Einführungstermin iind zwei Jahre seit der Teilübernahme der Reform in der Presse. Ein Jahr nach Rückkehr der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zur bewährten Rechtschreibung ist das Thema immer noch nicht tot - nein, durch das blamable Abschneiden Deutschlands bei der PISA-Studie dürfte auch den Mitläufern in den Medien langsam wieder dämmem, daß die deutschen Kultusministerien nicht unbedingt der typische Herkunftsort qualitativ überzeugender Untemehrnungen sind. Dennoch orientiert sich die deutsche Presse großenteils an einer verqueren, von niemandem geliebten Orthographie-'Reform', nur weil sie trotz heftigsten Widerstands bis in die Unterrichtspraxis der deutschen Schulen vordringen konnte.

Obwohl dieser Fehlgriff in der Presse immer noch ungern zugegeben wird, macht die Einsicht, unser Bildungssystem müsse gründlich überprüft werden, doch ein wenig Hoffnung, daraus könnten nun die Schlüsse gezogen werden, die zu der richtigen Konsequenz führen, der verfehlten Rechtschreibreform den Rücken zu kehren. Mit dem Jahr 2002 befinden wir uns zudem erst an der Halbzeit des Übergangszeitraums, die für die Einfiìhrung der 'neuen' Rechtschreibung angesetzt wurde (1998 bis 2005; von den Kultusministem inzwischen auch gem "Erprobungsphase" genannt). Zwar wurde den Kritikem der Reform stets höhnisch vorgehalten, sowieso immer viel zu spät zu sein mit ihrem Protest. Doch Protest ist nie zu spàt, wenn er berechtigt ist. Eine der Bürokratie unterliegende Demokratie ist keine Demokratie mehr. Zwar wurden die Schleswig-Holsteiner schmerzlich über eine differierende Auffassung der Kieler Landtagsabgeordneten, ihrer sogenannten 'Volksvertreter', belehrt, doch gerade dieser Demokratieverrat lädt die Rechtschreibreform zu einem gewichtigen Symbol auf. Jedes 'dass', auf das wir in der täglichen Zeitungslektüre stoßen müssen, erinnert uns daran, daß die heutigen deutschsprachigen Staatslenker keine Skrupel haben, gegen den ausdrùcklichen mehrheitlichen Volkswilien Sprachnormen zu verändern. Der Protest dagegen darf nicht erlöschen in Anbetracht der deprimierenden Faktenlage, er muß gerade wegen der Faktenlage aufflammen, um eine ungute Entwicklung noch im Keim zu ersticken. Die Reform ist keine Einbahnstraße, kein unabwendbares Naturschicksal. Sie darf kein Pràzedenzfall flir weitere, immer dreistere Spracheingriffe und Verfassungswidrigkeiten werden.

Der zunehmend kritische Blick, dem unser Bildungssystem nun ausgesetzt ist, bietet die Chance für Kurskorrekturen auf allen Ebenen. Die Aussichten sind also gar nicht so schlecht, daß die Rechtschreibreform am Ende nur eme Episode der vorübergehenden Irreleitung dargestellt haben wird, einen Fehler, aus dem man gelernt und den man auch korrigiert hat. Daß diese Aussichten sich bewahrheiten, daß diese Einsicht an den entscheidenden Stellen zum Durchbruch kommt, darauf sollte unser Verein im kommenden Jahr beherzt hinarbeiten. In diesem Rahmen sind bereits einige Aktionen geplant, die derzeit im Vorstand diskutiert werden. Bereits auf der letzten Frankfurter Buclirnesse wurde das Faltblatt verteilt, das diesem Schreiben zur Ansicht beiliegt. Eine zweite Auflage davon wird irn Januar einer Ausgabe des Börsenblatts des Deutschen Buchhandels beigelegt werden.

Kurz vor der Buchmesse wurde ebenfalls in Frankfurt auf der Jahresversammlung 2001 der Vorstand neu gewählt. Ich habe dabei als Nachfolger von Manfred Riebe, der sich aus privaten Grunden davon zurùckzog, das Amt des Vorsitzenden übernommen. Ich möchte mich bei dieser Gelegenheit Ihnen kurz vorstellen: Ich bin ein 28jàhriger Kreativling aus Hamburg, der seine Brötchen bisher im Bereich 3D-Anirnation, Videotechnik und vor allem mit der Entwicklung von Computerspielen verdient hat. Da ich mich in fast allen musischen Bereichen wohlfiìhle, verspüre ich seit jeher eme besondere Sensibilität bezüglich der Sprache, gerade auch in ihrer schrifllichen Form. Ich habe schon immer viel gelesen und schreibe auch gerne Kurzgeschichten, Gedichte usw. Vor allem via Internet gewann ich vor zwei bis drei Jahren genauere Einblicke in das Unternehrnen 'Rechtschreibreform', die mir schon vorher ziemlich suspekt war. Je tiefer ich in die Materie eintauchte, desto ungeheuerlicher kam mir alles vor - eine Erfahrung, die wir wohl alle gemacht haben. In erster Linie über das Forum der Seite www.rechtschreibreform.com lernte ich viele Gleichgesinnte kennen, über die ich schließlich in diesem Verein landete. ...

[Ich wünsche Ihnen] ein besinnliches Weihnachtsfest und emen guten Rutsch, wie man so sagt, in das nicht allein viel versprechende, sondern doch wahrhaft in unserer gemeinsamen Sache vielversprechende neue Jahr!

Ihr Christian Melsa


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