Zum Eingang der Aktionsseite

Schrift, Sprache und Denken

ohne

unzulässige oder unsinnige Sprachregelungen.

FORUM

zur Abteilung I

GEGEN VERFASSUNGSMÄSSIG UNZULÄSSIGE SPRACH- UND SCHRIFTREGELUNGEN.

 
Hier werden interessante kürzere Leserrekationen oder Kontroversen zum Thema dieser Abteilung wiedergegeben.

Es können sich auch konträre Auffassungen zu den vom Hg. bezogenen Positionen zu Wort melden. Sie sollten allerdings internetangemessen kurz gefaßt, strikt themenbezogen und nicht nur von kurzfristigem Interesse sein.

Die Beiträge sind in numerierten thematischen Komplexen angeordnet. Die jüngeren stehen räumlich über den älteren.

 

8. Eristik gegen die sog. 'Rechtschreibreform' ?

7. Pressemitteilung des Deutschen Hochschulverbandes zu seiner Rückkehr zur bisherigen Rechtschreibung und die Leserbriefreaktion des Lektoratsleiters eines rechtswissenschaftlichen Fachverlages darauf.


6. Ein Kommentar von Uwe Schlicht im 'Tagesspiegel' v. 26. Juli 2000 zur Rückkehr der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung' zur konventionellen Orthographie und zwei vom 'Tagesspiegel' abgedruckte Lesebriefe dazu; einer davon mit Wiedergabe der von der Zeitung vorgenommenen Kürzungen).


5. Ein Beitrag des Sprachwisenschaftlers Peter Eisenberg (FG Germanistik, Universität Potsdam) zur 'Korrektur der Rechtschreibreform' in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und einige kritische Leserbriefreaktionen auf ihn.

--------

---------

---------


4. Eine Anfrage an den 'TAGESSPIEGEL' (Berlin) betreffend die Umschreibung von Leserbriefen nach 'neuen Regeln' in seiner Redaktion.

[Der 'TAGESSPIEGEL' hat auf die unten wiedergegebene Anfrage am 7. 11. 1999 telephonisch mitgeteilt, daß nach einer hausinternen verbindlichen Regelung in seiner Redaktion Leserbriefe nicht gegen den Wunsch ihrer Autoren 'umgeschrieben' werden.]

--------


3. Ein Briefwechsel mit der Zeitung 'DIE WELT', u. a. betr. das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Rechtschreibreform in den Schulen vom 14. 7. 1998.

[Der folgende Leserbrief wurde unter der Überschrift "Schreiben, wie es gefällt" in "Die Welt", 9. 7. 1999, S. 11 (Leserbriefe. Leser schreiben - Die Zeitung antwortet) veröffentlicht. Die angesprochene Autorin anwortete für die Zeitung an derselben Stelle. Ihre Antwort wird hier wiedergegeben - Die von ihr vorgenommene Interpretation der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 14. Juli 1998 (Text: http://www.tu-berlin.de/fb1/ABiW/Cricetus/BVfG_RR.htm) macht eine Erwiderung sinnvoll.]

Kathrin Spoerr zitiert mich in ihrem sehr schaetzenswerten Beitrag '111 Wissenschaftler fordern zivilen Ungehorsam gegen Rechtschreibreform' in 'Die WELT' vom 1. 7. 99, S. 2 kurz mit einem Bekenntnis zum "zivilen Ungehorsam gegenüber den Gerichten". Da es aber bei einem oeffentlichen Appell, wie ich ihn nach reiflicher Ueberlegung persoenlich vorgetragen habe, im Interesse der Sache und im Interesse des Urhebers sehr auf die Formulierung und die Begruendung ankommt, so bitte ich Sie freundlich um folgende Verdeutlichung meiner Position: ich wende mich primär gegen eine aus der Sicht freiheitlichen Staatsdenkens verfassungsrechtlich nicht hinnehmbare Kompetenzarrogation des gesamten Staates, wenn er Sprache und Schrift seiner erwachsenen Bevölkerung zu regulieren beginnt. Soweit Gerichte - bis hin zum Bundesverfassungsgericht - eine solche zutiefst probematische Komptenzverschiebung bestaetigen sollten oder bestaetigen, bleibt sie nach meiner Einschaetzung allerdings aus Gruenden vorstaatlichen ('natuerlichen') Rechts unakzeptabel und stellt den Staatsbuerger dann m. E. auch vor eine grundsaetzliche Loyalitaetsfrage. - Wer meine Erklaerung im Wortlaut naeher kennen lernen will, mag sie im uebrigen gern unter [http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW/Cricetus/C1.htm] oder [... /Aktion.htm] nachlesen.

Mit freundlichen Gruessen PD Dr. Christian Gizewski

-------

b) Die Antwort.

Ich teile Ihre Kritik an einem Staat, der sich Regelungs- und Ordnungskompetenzen dort anmaßt, wo Markt, Vernunft und Verantwortung von allein Ordnung entstehen lassen. Ein überregulierender Staat ist ein mißtrauischer Staat. Er mißtraut selbstregulativen Mechanismen, und er mißtraut seinen Bürgern, wenn er eingreift, wo es auch ohne ihn geht. Ein starker Staat ist aber dort gefordert, wo es selbstregulierende Kräfte nicht gibt oder wo sie versagen. So auch bei der Rechtschreibreform. Hier vertrat das Bundesverfassungsgericht 1998 die Auffassung, daß die Orthographie gerade nicht Sache des Staates sei, daß es jedem Menschen freigestellt sei, so zu schreiben, wie er es will. Es hat die Sprache in die Verantwortung der Bürger überwiesen mit dem Hinweis, in der Praxis müsse sich erweisen, nach welchen Rechtschreibregeln die Deutschen künftig schreiben. Tatsächlich legte es sie aber nicht in die Hände der Bürger; sondern in die Hände der Kultusburokratie. Ihr Vowurf, der Staat habe sich in Gestalt des Bundesverfassungsgerichts der Sprache und Schrift bemächtigt, trifft auf Verfassungsebene nicht zu. Die Botschaft der Richter lautete gar: Rechtschreibung ist unwichtig. Die Rechtschreibung als Teil der deutschen Sprache und Kultur war es in den Augen der Verfassungsrichter nicht wert, daß der Staat, das Parlament, sich damit beschäftigt. Wer aber der Sprache und ihrer Rechtschreibung so hohe Bedeutung beimißt wie Sie und ich und die Mehrheit der Bevölkerung, der hätte gerade fordern müssen, daß ein legitimiertes Organ des Staates darüber befindet. Das hätte allein das Parlament sein dürfen. Die Gleichgültigkeit der Richter legte den Vollzug der ungeliebten und ungewollten Reform in die Hände der Bildungsverwaltung. Die bemächtigt sich nun schleichend der Orthographie, indem sie Schulkinder instrumentalisiert, die nach neuen Regeln schreiben lernen müssen. In all dem steckt ein hohes Maß an Sophistik, die der Staat, die Vertreter des Volkes, vielleicht hätten verhindern können. Manchmal ist eben ein bißchen mehr Staat vonnöten- Allerdings am richtigen Ort. Kathrin Spoerr.

---------

c) Zur Antwort Frau Spoerrs auf meinen Lesebrief vom 9. 7. 1999.

Sie deuten in Ihrer gedankenreichen Antwort das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 14. Juli 1998 und meine Erklärung in einer Weise, der ich in eingen Punkten widersprechen muß.

Das Urteil hatte folgende Leitsätze:

"1. Der Staat ist von Verfassungs wegen nicht gehindert, Regelungen über die richtige Schreibung der deutschen Sprache für den Unterricht in den Schulen zu treffen. Das Grundgesetz enthält auch kein generelles Verbot gestaltender Eingriffe in die Schreibung.

2. Regelungen über die richtige Schreibung für den Unterricht in den Schulen fallen in die Zuständigkeit der Länder.

3. Für die Einführung der von der Kultusministerkonferenz am 30. November/1. Dezember 1995 beschlossenen Neuregelung der deutschen Rechtschreibung an den Schulen des Landes Schleswig-Holstein bedurfte es keiner besonderen, über die allgemeinen Lernzielbestimmungen des Landesschulgesetzes hinausgehenden gesetzlichen Grundlage.

4. Grundrechte von Eltern und Schülern werden durch diese Neuregelung nicht verletzt."

Meine Bedenken richten sich einmal auf P. 3 dieser Leitsätze - allerdings aus ganz anderen Gründen als Ihre Überlegungen. Sie vermissen ein Rechtschreibungsgesetz, ich bin grundsätzlich dagegen. Ich habe das in der von Ihnen zitierten Erklärung [http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW/Cricetus/C1.htm] begründet . Dort habe ich mit Gründen auf eine aus einer begrenzten Zweckbestimmung des Staates folgende Pflicht zur Unterlassung staatlich statuierter Sprach- und Schriftregelungen hingewiesen. Das betrifft auch Rechtschreibungs-Gesetze. Das Bundesverfassungsgericht hat im übrigen eine gesetzliche Grundlage für eine Rechtschreibregelung zwar für unnötig erachtet, aber sie nicht schon deshalb aus verfassungsrechtlichen Gründen etwa für die Zukunft gänzlich ausgeschlossen, wie Sie offenbar annehmen.

Auch bei folgendem sehen Sie die Dinge m. E. zu optimistisch: Das Bundesverfassungsgericht hat nur über die schulischen Aspekte der 'Rechtschreibreform' geurteilt und nicht, wie Sie wohl annehmen, über die anderen vorgesehenen und teilweise schon 'umgesetzten', rechtlich und praktisch folgenreichen öffentlichen Zielsetzungen, die die 'Schreibweise der Beamten' oder die politische Durchsetzung einer 'Vorbildwirkung' 'neuer Rechtschreibregeln' für das allgemeine Schrift- und Sprachverhalten betreffen. Hier steht eine verfassungsrechtliche Überprüfung noch aus, und dieser sehe ich nicht besonders hoffnungsvoll entgegen.

Meine Hauptsorge richtet sich nämlich auf P. 1 der Leitsätze. Das Bundesverfassunsgericht vertritt dort und in der Urteilsbegründung (S. 37 f.) eine - möglicherweise von Ihnen nicht genügend beachtete - im Ansatz bedenkliche Theorie von einer prinzipiellen Allzuständigkeit des Staates, die eine solche zur Schrift - und Sprachregelung einschließe. Besonders beunruhigt mich folgender Passus aus dem Urteil:

"Das Grundgesetz enthält kein Verbot, die Rechtschreibung zum Gegenstand staatlicher Regelung zu machen. Ein solches Verbot folgt auch nicht daraus, daß der Staat zur Regelung der Rechtschreibung nicht ausdrücklich ermächtigt worden ist. Dem Grundgesetz liegt nicht die Vorstellung zugrunde, daß sich jede vom Staat ergriffene Maßnahme auf eine verfassungsrechtliche Ermächtigung zurückführen lassen müsse. Es geht vielmehr von der generellen Befugnis des Staates zum Handeln im Gemeinwohlinteresse aus, erlegt ihm dabei aber sowohl formell als auch materiell bestimmte Beschränkungen auf. Ein Regelungsverbot kann sich unter diesen Umständen nicht schon aus einer fehlenden verfassungsrechtlichen Ermächtigung, sondern nur aus den verfassungsrechtlichen Schranken staatlicher Entscheidungen ergeben.

Auch aus der Eigenart der Sprache folgt kein absolutes Regelungsverbot. ... Die Sprache unterscheidet sich von anderen Regelungsgegenständen ... nicht dadurch, daß bei ihr korrekturbedürftige Fehlentwicklungen - etwa im Sinn erschwerter Lehr- und Lernbarkeit - von vornherein ausgeschlossen wären. Der Staat kann die Sprache deswegen aber nicht beliebig regeln. Begrenzende Wirkungen ergeben sich aus der Eigenart der Sprache jedoch nur für Art und Ausmaß einer Regelung, nicht dagegen für eine Regelung überhaupt".

Das Bundesverfassungsgericht sieht also die bisherige staatlich ungeregelte Entwicklung der deutschen Schriftsprachein Teilen als 'Fehlentwicklung' an, die staatlicherseits zu 'korrigieren' wäre. Bei einer solchen Begründung ist in Zukunft unter 'Rationaliätsaspekten' m. E. alles Mögliche an Sprachregelung und sogar politischer Geistesherrschaft denkbar. Die vom Gericht abstrakt anerkannten Grenzen dürften mit dieser Begründung konkret immer beiseitezuräumen sein.

Ein vierter Punkt will klargestellt sein. Ich bin keineswegs gegen ein legitimes und effektives Tätigwerden des Staates im Allgemeinwohlinteresse, wo dies seiner begrenzten Zweckbestimmung entspricht. Er ist zwar aus zwingenden vorstaatlichen (naturrechtlichen) Rechtsprinzipien nicht für Religion, Moral, Wissenschaft, Kunst und inbesondere für Denken, Sprechen und Schreiben seiner erwachsenen, freien Bevölkerung zuständig. Er ist andererseits aber nicht etwa aus derartigen Gründen unzuständig für die Wirtschaftsverfassung eines Gemeinwesens und für eine angemessene Begrenzung des von Ihnen erwähnten, viele Allgemeinwohlbelange berührenden 'Markt'-Prinzips. Die insoweit angesprochenen wirtschaftlichen Freiheitsrechte müssen anders begründet werden. Sie stehen unter einem nach meiner Überzeugung sehr weit gehenden Vorbehalt der Dienlichkeit für das Allgemeinwohlinteresse. Mit meinen Argumenten gegen staatliche Regelungsunzuständigkeit rede ich also auf gar keinen Fall einem 'naturrechtlich zwingendem Marktprinzip' das Wort. Das gibt es auch nicht. Christian Gizewski.


2) Ein Briefwechsel, der das Eintreten gegen ein amtliches Projekt 'Schriftregelung' im Rahmen einer wissenschaftlichen WWW-Seite betrifft.

Bei Recherchen im Internet - ich suchte Informationen über die Wirkung von Musik auf die Rhetorik in der Spaetantike - stieß ich auf Ihre Website. ....

Was mir weniger gefallen hat, war die Vermengung mit dem Volksbegehren gegen die Rechtschreibreform. Dies koennte alle veraergern, die von dem Volksbegehren nichts halten, aber an Hinweisen für althistorische Studien interessiert sind. Das waere jedoch ein eigenes Thema und wuerde den Rahmen einer kurzen E-Mail sprengen!

Mit freundlichen Gruessen Harald Voelker

-----

b) Anwort.

Sehr geehrter Herr Voelker! Vielen Dank für Ihre kritischen Hinweise und freundlichen Bemerkungen. ...

Im Punkte 'Volksbegehren gegen die Rechtschreibreform' werde ich Ihnen aus folgenden Gruenden nicht folgen:

1) Die entsprechenden Elemente einer 'Aktionsseite' befinden sich innerhalb meiner WWW-Seite 'AGiW' auf der Diskussionsplattform 'Cricetus criticus'. Diese hat ausdrücklich die Aufgabe, auf Erkenntnis, Wahrheit und Wissenschaft bezogene organisatorische und politische Fragen nicht nur zu erörtern, sondern in diesen Fragen ggf. auch Position zu beziehen. Auch dies gehoert zur grundgesetzlich garantierten Wissenschaftsfreiheit und ist ferner im nicht-rechtlichen Sinne fundamental wissenschaftsgemaess. Es gibt in der Wissenschaft vielfaeltige Meinungsunterschiede, auch 'praktischer' Art; Aerger deswegen ist an der Tagesordnung, aber letztlich nicht sinnvoll. Argumentiert werden muss ja irgendwann doch. Und darauf moechte ich hinaus, nicht auf ein Wegschweigen.

2) Ich vertrete meine Positionen - und die anderer Wissenschaftlerkollegen in Berlin - in massvoller Sprache, argumentativ und mit der Bereitschaft, anderen konzentriert und zur Hauptsache argumentierenden Stimmen in einem 'FORUM' Gehoer zu geben.M. E. geht es nicht primaer um die Vereinfachung des schulischen Rechtschreibunterrichts, der Ihnen als gewesenem und moeglicherweise weiter engagiertem Schulmann am Herzen liegen mag. Ihn nach Bedarf zu regeln, beduerfte es nach meiner juristischen Auffassung nicht einer 'Rechtschreibreform', sondern moeglichweise sogar nur einer kultusministeriellen Verwaltungsanordnung für den Bereich jeweils eines Bundeslandes. Die Abwehr muss sich vielmehr gegen eine verfassungsmaessig nicht vorgesehene Kompetenzarrogation des Staates richten, der zwar fuer die schulische Erziehung Verantwortung traegt, der aber in keinerlei Hinsicht etwa fuer 'richtiges' Denken, Reden und auch Schreiben seiner erwachsenen Bevoelkerung, seiner Beamtenschaft oder des 'Verlagswesens' zustaendig ist. Aus dieser Perspektive betrachtet stellen amtliche Schriftregelungsprojekte der jetzt vorliegenden Art im Ansatz eine Bedrohung fuer die Entwicklung der Meinungsfreiheit (einschließlich der freien Bindung an geistige Traditionen) und der Wissenschaftsfreiheit dar. Wenn es Sie interessiert, koennen Sie meine Beguendungen dazu im einzelnen nachlesen.

3) Die auffaellige, aber m. E. dennoch angemessene Form des Hinweises auf das Volksbegehren und die weitergehenden Moeglichkeiten des Boykotts in meiner WWW-Seite entspricht genau meiner Absicht, auch und gerade für den Bereich der Wissenschaft auf die u. U. erheblichen Langzeitfolgen derartiger moderner staatlicher Regelungsambitionen aufmerksam zu machen. Ich werde damit auf gar keinen Fall aufhoeren, auch wenn nach Abschluss des Volksbegehrens der entsprechende Hinweis auf meiner Index-Seite vermutlich wieder veschwinden wird. Meine Einwaende gegen das amtliche Schriftregelungsprojekt befinden sich schon seit zwei Jahren auf meiner WWW-Seite. Sie werden im In- und Ausland nicht selten abgerufen, was auch den Bedarf an solchen WWW-Informationen zeigt.

Mit freundlichen Gruessen Christian Gizewski

-----

c) Gegenantwort.

Sehr geehrter Herr Dr.Gizewski, vielen Dank fuer Ihre schnelle Antwort auf meine Bemerkungen zu Ihrer Website...

Ihre Einstellung zum Volksbegehren gegen die Rechtschreibreform respektiere ich. Mir ist klar geworden, dass es Ihnen mehr um ein grundsaetzliches Anliegen geht.

Allerdings bleibe ich bei meiner kritischen Einstellung gegenueber dem Volksbegehren, ohne behaupten zu wollen, dass die Rechtschreibreform (manche sagen "Refoermchen") eine Meisterleistung ist. Als Schulmann habe ich mich oft geaergert, dass die bisherigen Regeln so viele Ungereimtheiten und ueberfluessige Schwierigkeiten enthielten; insofern ist m.E. die "Reform" ein - wenn auch kleiner- Fortschritt. Ich halte es auch fuer erforderlich oder zumindest fuer nuetzlich, dass Regelungen fuer den gesamten deutschen Sprachraum vereinbart werden.

Mir bleibt weiterhin unklar, warum die Kritiker erst jetzt - gewissermassen post festum - "auf die Barrikaden" gehen. Die geplanten Regelungen waren doch schon ziemlich lange bekannt. ...

Mit freundlichen Gruessen Harald Voelker


1) Eine Leserzuschrift im 'Tagesspiegel' vom 6. Juni 1999, die eine der verschiedenen bedenklichen Seiten des Reformprojekts, das Prinzip der 'Schriftvereinfachung', weiterdenkt.

Laßt doch den Seelefanten sterben. Aber bitte richtig und in Würde. Wider den tierischen Ernst der Reförmchengegner plädiere ich für eine konsequente Reform gemäß nachfolgendem Mehrstufenmodell eines genialen Zeitgenossen, der mir leider unbekannt ist:

Erster Schritt, Wegfall der Großschreibung: einer sofortigen einführung steht nichts im weg, zumal schon viele graphiker und werbeleute zur kleinschreibung übergegangen sind.

zweiter schritt, wegfall der dehnungen und schärfungen: dise masname eliminirt schon di gröste felerursache in der grundschule. den sin oder unsin unserer konsonantenverdoplung hat onehin nimand kapirt.

driter schrit. v und ph ersetzt durch f, z und sch ersetzt durch s: das alfabet wird um swei buchstaben redusirt, sreibmasinen und sesmasinen fereinfachen sich, wertfole arbeitskräfte könen der wirtsaft sugeführt werden.

firter srit, q, c und ch ersest durch k, j und y ersest durch i, pf ersest durch f: iest sind son seks bukstaben ausgesaltet, di sulseit kann sofort fon neun auf swei iare verkürst werden. anstat aktsig prosent rektsreibunterrikt könen nüslikere fäker wi kemi, fisik, reknen mer geflegt werden.

fünfter srit, wegfal von ä, ö und ü: ales uberflusige ist iest ausgemerst, di ortografi wider slikt und einfak. naturlik benotigt es einige seit, bis dise fereinfakung uberal riktik ferdaut ist; fileikt sasungsweise ein bis swei iare.

lester srit: anslisend durfte als nakstes sil di fereinfakung der nok swirigeren und unsinigeren gramatik anfisirt werden.

Bernhard H. Behrens, Berlin-Spandau.

Verantwortlich für die redaktionelle Gestaltung aller Mitteilungen im Rahmen der WWW-Seite [http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW]: C. Gizewski, EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de.