Nr. 4: Christian Gizewski, Freie Fahrt für so etwas?

(Zu Nr. 3: J. Mlynek, Jürgen Mlynek, Freie Fahrt für den Nachwuchs. Die Mängel in Deutschland: Zu lange Qualifikationszeit, zu starke Abhängigkeit, zu wenig Selbständigkeit.)

Zunächst muß man etwas zum 'Tagespegel' bemerken. Er informierte mit Herrn Mlyneks Beitrag am 5. April 2001 seine Leserschaft zugleich über einen wenige Tage zuvor, am 28. März 2001, in der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung' erschienenen, von mehreren tausend (3700) Professoren unterzeichneten, vom Deutschen Hochschulverband initiierten Aufruf, und zwar in Form einer Herrn Mlyneks Beitrag vorangestellten kurzen 'Vorbemerkung' der Redaktion. Diese Vorbemerkung nahm auf den Aufruf Bezug und erkannte ihn damit als maßgeblichen Auslöser des mehr als halbseitenlangen Mlynek-Beitrags im 'Tagesspiegel' an. In den Tagen zuvor oder am 5. April - im Zusammenhang mit Herrn Mlyneks Beitrag - fand der 'Tagesspiegel' allerdings keinen Platz für einen angemessenen Beitrag dazu, daß der Gesetzentwurf der Bundesregierung in der Alltagspraxis des Wissenschaftsbetriebs und bei dessen Trägern nicht nur kaum Resonanz, sondern vielmehr erhebliche Ablehnung findet. Es gibt zum Beispiel keine annähernd große Liste von Wissenschaftlern, die diesen Entwurf in Schutz nähme. 464 der DFG nahestehende Wissenschaftler im Ausland haben sich zwar einen Tag vor der Anzeige des DHV, am 27. März 2001 in einem 'Offenen Brief'an die Bundes- und Landesregierungen für den Entwurf ausgesprochen. Aber ihr Votum war wohl ebenfalls, wenn auch aus anderern Gründen, schwierig zu kommentieren. Die zuständige Redakteurin versicherte mir jedenfalls, angesichts anderer aktueller Ereignisse habe sich nach Auffassung der Gesamtredaktion für die Kommentierung beider Aufrufe kein Platz gefunden. Ich halte jedenfalls die im Mlynek-Beitrag praktizierte Form der 'indirekten Berichterstattung' über ein offenkundig wichtiges Ereignis, das aber, weil etwa der hochschulpolitischen Redaktionslinie nicht entsprechend , 'möglichst niedrig gehängt' werden und dem Leser 'von Anfang an richtig' vermittelt werden soll, für journalistisch wenig überzeugend.Es ist darüberhinaus m. E. generell nicht angemessen für eine Zeitung mit einem ernsthaften journalistischen Unabhängigkeitsanspruch, sich allzu einseitig in den Dienst eines bestimmten regierungspolitischen Konzepts zu stellen. Zwar tun dies derzeit nicht wenige andere Medien auch (vgl.als Beispiel für eine besonders aktive Unterstützung der Regierungspolitk etwa die unangenehm voreingenommene und parteiliche Kommentierung des Professorenaufrufs und seiner Motive durch Martin Spiewak in der 'Zeit' unter URL http://www.zeit.de/2001/14/Hochschule/200114_2._leiter.html).

Was nun Herrn Mlyneks Beitrag selbst betrifft, so kommt in ihm sicherlich die Funktion des Autors als früheren Vizepräsidenten der 'Deutschen Forschunsgsgemeinschaft' zum Ausdruck, der einen Teil seiner dortigen Arbeit 'der Reform des Qualifikationsweges für die Nachwuchswissenschaftler' gewidmet hat. Gewiß. Und wer mag schon 'dem Nachwuchs' nicht 'freie Fahrt' wünschen.

Aber wer ist 'der' Nachwuchs? Alle die , die nachweislich die Hochschullehrerqualifikation erworben haben und derzeit mit ihrer ausgebildeten Arbeistkraft dem Wissenschaftsbetrieb oder der wissenschaftlichen Praxis in der außeruniversitären Gesellschaft zur Verfügung stehen? Das nun wieder nicht. Denn das sind gegenwärtig mehrere tausend, und jährlich kommen auf allen Fachgebieten in der Bundesrepublik Deutschland etwa 2000 neue Wissenschaftler mit Hochschullehrerqualifikation hinzu, und zwar nach Absolvierung eines angesehenen und prinzipiell leistungsfähigen Verfahrens, das traditionell 'Habilitation' heißt. Wer sich die Qualifikation eines Professors erarbeiten will, muß im Normalfalle u. a. mehrere Jahre lang eine beachtliche Forschungs- und (auch) Lehrarbeit leisten und deren Ergebnisse in einer wissenschaftlich im wesentlichen untadeligen, in der Fachwelt, d. h. in einem akademischen Verfahren mehrheitlich vonseiten meist 'auswärtiger Gutachter' akzeptierten Publikation vorlegen. Von solchen Habilitierten gibt es zwar - umgerechnet auf die Gesamtbevölkerung - nur wenige, aber andererseits gegenwärtig und schon seit mehr als zwei Jahrzehnten doch weitaus zu viele, um im Wissenschaftsbetrieb der Hochschulen oder in anderen wissenschaftlichen Funktionen einen ausreichenden Lebensunterhalt und eine dauerhafte, gesicherte Berufsperspektive zu finden: mehr als 70 % der Habilitierten, so das Ergebnis einer zwar schon mehr als zwei Jahrzehte alten, aber, soweit abschätzbar, in ihren grundsätzlichen Ausagen noch immer gültigen empirischen Untersuchung (Karpen-Studie) - haben mehrere Jahre nach ihrer Habilitation keine wissenschaftliche Berufsstellung auf Dauer gefunden.

Eine 'Reform' müßte eigentlich die Probleme dieser zahlreichen konkreten Menschen lösen helfen, die ihre erwiesenen wissenschaftlichen Hochqualifikationen - oft jahrelang - nicht angemessen einsetzen können - und dabei immer älter und unattraktiver für den Markt werden. Das könnte eine Lösung sowohl im Interesse der vielfältig wissenschaftsbedürftigen Allgemeinheit als auch im Interesse derjenigen betroffenen Wissenschaftler sein, für die es vielfach keinen aufnahmefähigen 'allgemeinen Arbeitsmarkt' gibt.

Um diese geht es aber nach den Vorstellungen der Bundesregierung, die Herr Mlynek leider zu verteidigen angetreten ist, nicht. Im Gegenteil: es sollen die wissenschaftlichen Leistungen und Qualifikationen gerade dieser Wissenschaftler mehr oder weniger explizit' abgewertet' werden, und sie werden es in Politik und Presse bereits - und zwar ohne größere Hemmungen gegenüber den davon empfindlich Betroffenen; auch Herrn Mlynek äußert sich so: "im Wege eines Chancenverteilungsmechanismus erlangt" - "unmodern" - "in persönlicher Abhängigkeit entstanden " - "mit zu großem Zeitaufwand erworben" - welcher Arbeitgeber oder Dienstherr oder Geschäftspartner außerhalb der Wissenschaft möchte eine solche Qualifikation oder ihre Inhaber noch ernstnehmen? Ein 'Habilitierter' - schon der Name! - hat nach solchen Vorstellungen doch sein Leben vertan, und verdient allenfalls Barmherzigkeit, nicht aber Wertschätzung.

Betrachten wir das Gegenmodell, das mehr 'Chancengerechtigkeit', kürzere Qualifikationszeiten und weniger 'Abhängigkeit' und 'Chancenmanipulation'bringen soll.

1. Chancengerechtigkeit: Die bisher 'Habilitierten' werden durch allgemeine, insbesondere politische und mediale üble Nachrede - sachlich völlig ungerechtfertigt - in ihrem Marktwert herabgemindert. Damit hat man dieses Wissenschaftsstrukturproblem zu einem solchen der 'Langzeitarbeitslosigkeit für Inhaber veralteter Spezialqalifikationen' umformuliert und auf politische Weise 'chancengerecht gelöst'.

2. Kürzere Qualifikationszeiten: Es wird ein 'neuer Typus' der akademisch-durchlauferhitzten, eierlegenden Wollmilchsau, nämlich der des Inhabers / der Inhaberin einer 'Juniorprofessur' entworfen. Zwar hat im allgemeinen jeder traditionell 'Habilitierte', der sich um eine Professur bewirbt, und auch jeder nicht-habilitierte Hochschulassistent heutigen Typs mehr an erwiesener Erfahrung und Leistung aufzuweisen, als ein 'Juniorprofessor' nach dem drohenden Regierungsmodell normalerweise wird vorweisen können. Von Anfang an mit nicht wesentlich mehr als Vorschußlorbeeren bedacht, soll dieser neue Typ jedoch in einer Weise zu Amt und Würden gelangen, von der 'traditionell' zur Professorenqualifikation sich Ausbildende nach den von ihnen bereits erbrachten Leistungen heute nur träumen können. Statt aber sie mit den an sich verdienten Segnungen zu bedenken, sollen diese Segnungen nach dem neuen 'Chancenverteilungsmodell' der Regierung einer ganz neuen Gruppe wissenschaftlich in starkem Maße unbeschriebener Jungwissenschaftler und Jungwissenschaftlerinnen zugutekommen - und zwar dieser im wesentlichen allein und 'sofort'. Wenn die Bundesregierung sagt, die 'Reform' solle 'sofort' greifen, dann wird sie auch 'sofort' meinen: es geht dabei nämlich um sofortige haushatssmäßige Konsequenzen (etwa die Umwidmung von Stellen) oder die Umstellung der Förderungssysteme bei der Nachwuchsförderung; die für die Reform besonders nachdrücklich eintretende 'Deutsche Forschunsggemeinschaft' hat bereits ihre Stipendienpraxis umgestellt: sie will künftig keine Habilitationsstipendien mehr vergeben.

3. Weniger Abhängigkeit und Chancenmanipulation: An die Stelle eines seiner Anlage nach reinen Qualifikationsüberprüfungsverfahrens - nämlich der 'Habilitation' - soll nach den Gedankengängen der Bundesregierung, die Herr Mlynek verteidigt, das 'Berufungsverfahren' treten - ein nicht gerade selten unerträglicher, unkontrollierbarer 'Chancenzuschiebungsmechanismus', wie jeder benachteiligte 'Konkurrentenkläger' aus eigener Erfahrung weiß und jedem nichtbetroffenen Nachdenklichen allein schon die bloße Existenz von sog. 'Gleichstellungsgesetzen' allgemein plausibel machen könnte. Die Interessenrangelei und vielfältige Protektion auf universitärer und ministerieller Ebene bei der Besetzung von Professorenstellen soll damit an die Stelle einer wenigstens im Prinzip vernünftigen, rein sachbezogen-wissenschaftlichen Leistungsüberprüfung treten. Welche zusätzlichen Verbiegungsrisiken für wissenschaftliche Persönlichkeitsentwicklungen würde ein solches System mit sich bringen!

Wenn dieses 'Reformprojekt' der Bundesregierung doch wenigstens etwas wirklich Nützliches zuwegegebracht hätte: nämlich einmal den Versuch zu machen, das Berufungsverfahren strikt wissenschaftskonform und chancengerecht i. S. des Verfassungsgrundsatzes des gleichen Zugangs zu allen öffentlichen Ämtern zu regeln - etwas, was verfahrensmäßig durchaus denkbar wäre. Es geht der Bundesregierung nach meiner Einschätzung aber nicht um eine allseits gerechte Chancenverteilung. Allenfalls geht es ihr um die Förderung bestimmter Gruppen von Jungwissenschaftlern, die sie - und zwar sachlich nicht vertretbar - für besonders förderungswürdig hält.

So will sie offenbar diejenigen Wissenschaftler besonders fördern, die - nicht selten zuvor bereits durch ein DFG-Stpendium beachtlich unterstützt - eine berufliche Chance in den anders aufgebauten Wissenschaftssystemen des Auslands suchen und bei ihrer Rückkehr nach Deutschland offenbar häufiger Schwierigkeiten vorfinden, ihre Karriere im dortigen Wissenschaftsbereich angemessen fortzusetzen. Es wäre gewiß ungerecht, wenn solche Wissenschaftler etwa wegen ihres Auslandaufenthaltes benachteiligt würden. Auslandsaufenthalte sollten, sofern das nicht geschieht, vielmehr über akademische Äquivalenzprüfungen auch als Vorteil für inländische Wissenschaftskarrieren anerkannt werden können. Aber ihre Förderung im Wege der geplanten, sachlich ungerechtfertigten Verkürzung der legitimen beruflichen Chancen aller anderen gleich- oder sogar höherwertig wissenschaftlich Hochqualifizierten im Wissenschaftsbereich ist unter Gerechtigkeitsgründen unannehmbar.

Das 'Reformprojekt' will ferner den 'Frauenanteil' an der Professorenschaft 'deutlich erhöhen', indem es das bisherige "übermäßig lange" Hochschullehrerausbildungsverfahren, das in weibliche Lebensläufe oft nicht paßt, 'radikal' abkürzen will. Im Interesse der fachlichen Belange der Wissenschaft? Auf kosten der großen Gruppe der Wissenschaftler (beiderlei Geschlechts), die dieses sachlich prinzipiell begründete Verfahren erfolgreich hinter sich gebracht haben?

Was sind das für Maßstäbe einer Wissenschaftspolitik? Statt die unguten Formen der Klientelpolitik, die es leider im Wissenschaftsbereich immer gegeben hat, endlich einmal durch gerechte und wissenschaftsgemäße Reformen des Vorhandenen - von der Assistentur bis zur Berufung und Wissenschaftlerförderung nach der Habilitation - abzustellen, werden offenbar neue und noch viel weniger akzeptable Formen der Protektion und wissenschaftsfremden Einflußnahme auf das innerwissenschaftliche Ausbildungswesen vorbereitet.

Was besonders beuruhigt, ist die Unwilligkeit der Bundesregierung, ihre vorurteilshafte Einschätzung der üblichen wissenschaftlichen Qualifikationsverfahren wenigstens dadurch zu mildern, daß sie deren Wert nicht so unangemessen grundsätzlich in Frage stellte. Sie hört aber weder auf die Erfahrungen der Habilitierten selbst, soweit sie befragt wurden (E. Berning, L. v. Harnier, L. v.; Y. Hofmann, Das Habilitationswesen an den Universitäten in Bayern. Praxis und Perspektiven (2001) Untersuchung des Bayrischen Staatsinstituts für Hochschulforschung und Hochschulplanung, München, Befragung von 600 in Bayern Habilitierter der Jahre 1993 - 1998 und 400 Habilitanden i. J. 1999; zugänglich über: http://www.ihf.bayern.de/fr_publikationen.htm); immerhin etwa 60 % sind danach für Beibehaltung bzw. Verbesserung des Habilitationsverfahrens. Noch hört sie auf die von ihr m. E. reichlich unsinnig durchweg der Machtambitionen verdächtigten, erkebnnbar nach tausenden zählenden Professoren, die ihr aufgrund ihrer eigenen Berufserfahrung widersprechen. Sie verhält sich dabei, als ob die wissenschaftlichen Laufbahnen eine beliebige politische Manipulationsmasse sein sollen und zeigt damit eigentlich keinen Respekt vor der verfassungsrechtlich wohlerwogenen Barriere, die Art 5 GG dem Eindringen der Politik in die Autonomie der Wissenschaft setzt. Die Bundesregierung ist damit im Begriff, die verfassungsmäßig garantierte Selbstbestimmung der Wissenschaft in einem Kernbereich zu beschädigen, wenn sie nicht gestoppt wird.

Herr Mlynek spricht andere Unannehmbarkeiten des 'Reformprojekts' in seinem Beitrag nicht an. Ich erwähne sie dennoch kurz; denn es geht in dem sog. 'Reformprojekt' ja nicht nur, wie er formuliert, um "freie Bahn für Jungwissenschaftler".

Die Vorstellungen des 'Reformprojekts' von einer 'Evaluation'oder Wissenschaftlerleistungen, die 'anders' als im Wege akademischer Bewertungsverfahren möglich sein sollte, nämlich über ein sog.'controlling', sind m. E. ein wenig vertrauenerweckendes Unterfangen, neue Formen administrativer und politischer Kontrolle im Wissenschaftsbereich zu etablieren, die wahrscheinlich auf eine zusätzliche sachfrmde Kontrolle über Wissenschaftinhalte, jedenfalls aber auf eine Art neuer 'Tonneideologie' (diesmal 'kapitalistischer ' Art), hinauslaufen werden. Nachdem in einer politischen Sondersituation - nämlich der der deutschen Wiedervereinigung seit 1989 - die sog. 'Evaluation' zum Mittel einer primär politisch durchgesetzten Neuordnung einer Wissenschaftslandschaft des vormaligen DDR-Bereichs wurde, scheint der Staat, wie es scheint, gebannt auf dieses an sich nicht verfassungsgemäße Instrument zu schielen, um mit ihm immer wieder einmal - auch unter normalen politischen Bedingungen - die Wissenschaftsfreiheit in seinem jeweiligen Regierungssinne ein wenig zu 'moderieren'.

Weitgehend unzutreffend, ja vorurteilshaft und unangemessen kollektiv-rufschädigend ist m. E. auch das den 'Dienstrechtsreformvorstellungen' zugrundeliegende und mit ihnen propagierte Bild von den typischerweise 'nicht-motivierten Wissenschaftlern', die man mit Geld bzw. Geldentzug zu irgendeinem Mehrtun bewegen könne oder müsse. Gewiß kann man sich bei der Wissenschaftlerbesoldung recht unterschiedliche Systeme vorstellen, m. E. auch gerechtere und effektivere, was insbesondere die Verteilung der Mittel auf eine größere Zahl wissenschaftlich Diensttuender betrifft. Aber dieses Reden von den angeblich 'Besten', um die man sich im internationalen Wettbewerb reißen müsse, wo man im eigenen Land genug davon hat, ist in meinen Augen - wegen unkritischer Halung gegenüber 'Prestigebildungsprozessen' - beschränkt und jedenfalls überhaupt keine Basis für ein wissenschaftlich sinnvolles Besoldungskonzept. Sollen doch die in größerem Umfang Geldinterssierten, die sich in die Wissenschhaft verirrtt haben, ruhig in der Wirtschaft oder anderswo 'ihr' Geld machen; vielleicht sind sie dort auch viel nützlicher.

Es gibt tatsächlich einen Reformbedarf in der Wissenschaftsstruktur unserer Gesellschaft - d. h. nicht nur im Hochschulbereich, sondern zugleich in ihm und über ihn hinaus. Er betrifft etwa die Verzahnung von wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Praxis, die Verbesserung und ständige Aktualisierung wissenschaftlich basierter Berufsausbildung, die Nutzung vorhandener inländischer Wissenschaftspotentiale dafür, die Entlastung der Hochschulen von Aufgaben, die sie als spezialisiert wissenschaftliche nicht sinnvoll erfüllen können, die Konstruktion neuer Institutionen der beruflichen Bildungsvermittlung außerhalb der Hochschulen in staatlicher Verantwortung, aber unter Kostenbeteiligung der nutznießenden Endabnehmer solcher Qualifikationen und überhaupt das viel aktivere staatliche Tätigwerden auf dem Gebiet der Wissenschaftsinvestitionen, die ja nicht nur an das Hochschulwesen angebunden zu werden brauchen. Über irgendwelche wirtschaftlichen Unternehmensinteressen - zumal über 'internationalisierte' - wird dies alles wohl kaum in der nötigen allgemeinwohlbezogenen Weise zustandekommen.

Diese wirklich wichtigen Schwerpunkte sehe ich in einem ressortmäßg begrenzten 'Reformentwurf' wie dem gegenwärtigen der HRR-Entwurf der Bundesregierung nicht berücksichtigt. Dieser wirkt auf mich nur kleinkrämertisch-interessenorientiert, unangenehm ideologisch und in der heute typischen Weise allenfalls von seinen medial-manipulativen Aspekten her ausreichend bedacht. Ich verstehe nicht, wieso sich Herr Mlynek für so etwas einsetzt.


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