Daten und programmatische Thesen zur Diskussion am 6. Febr. 2006

"LEBENSRISIKO HABILITATION? Was wird aus unseren 'Höchstqualifizierten'?"

Zusammenstellung: Prof. Dr. Christian Gizewski, TU Berlin, Tel.: 030-8337810, EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de.


I. Gegenwärtige statistische Daten zum Thema.

Aus dem 'Statistischen Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland', hg. vom Statistischen Bundesamt, Wiesbaden 2005, S. 122 - 164 (Kap. 6: Bildung und Wissenschaft, speziell S. 123 und 149 f.) geht wenig Genaues über den beruflichen Verbleib habilitierter Wissenschaftler an Hochschulen und über ihren Anteil an der Zahl der aktiven Hochschullehrer hervor. Genau erhoben wird nur die Anzahl der jährlichen Habilitationen. Über den beruflichen Verbleib habilitierter Wissenschaftler außerhalb des Hochschulbereichs enthält die amtliche Statistik. soweit sie veröffentlicht wird, seit jeher keine Angaben.

1. Zum 'Arbeitsbereich' der Hochschullehrer: Im WS 2004/2005 gab es an deutschen Universitäten 1363000, an Kunsthochschulen 31000 und an Fachhochschulen 563000 Studenten, insgesamt 1957000. - Im Jahre 2004 gab es in Deutschland ca. 3. Mill. Menschen mit Fachhochschulabschluß, ca. 4 Mill. mit Hochschulabschluß und ca. 800000 mit Promotion.

2. Zum wissenschaftlichen Personal an Hochschulen: Im WS 2003/2004 gab es an deutschen Universitäten rund184000, an Kunsthochschulen rund 9000 und an Fachhochschulen rund 183000 Professoren, Assistenten, Mitarbeiter und Dozenten aller Art, einschließlich des in diesen Bereichen nebenberuflich tätigen Personals (rund 70000) , zusammen rund 237000 Personen. Die darin offenbar enthaltenen 'nebenberuflichen Hochschullehrer' weist das Statistische Jahrbuch nicht gesondert aus; ob ihre Zahl dennoch gesondert erhoben wird, ist nicht klar.

3. Zu den Habilitationen: Im Jahre 2003 gab es in Deutschland insgesamt 2209 Habilitationen, darunter 487 von Wissenschaftlerinnen. In den Sprach-, Kultur- und Kunstwissenschaften gab es 429, in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften 242, in Mathematik und Naturwissenschaften 477, in der Humanmedizin 837, in anderen untersuchten Fachgebieten jeweils unter 100 Habilitationen.


II. Die Notwendigkeit besonderer empirischer Untersuchungen zum beruflichen Verbleib habilitierter Wissenschaftler.

Innerhalb der beruflichen Hochqualifikationen stellt das abstrakte Verfahren zum Nachweis der Hochschullehrerqualifikation eines Wissenschaftlers (lat. 'Habilitation' = 'Eignungsnachweis und - bestätigung') einerseits eine vergleichweise sehr seltene, andererseits eine wissenschaftsstrukturell vergleichsweise sehr bedeutungsvolle dar: Wissenschaftler mit nachgewiesener Hochschullehrerqualifikation sind prinzipiell dazu in der Lage und vor allem dazu da, zum einen in eigener Verantwortung auf ihren Fachgebieten zur Entwicklung der Forschung beizutragen und zum andern dem studentischen Nachwuchs zu einem erfolgreichen, berufsqualifizierenden Abschluß seiner Studien zu verhelfena. Einen Studienabschluß haben knapp 8. Mill. bei einer Bevölkerungszahl von ca. 82,5 Mill.

Es ist deswegen auch im allgemeinen Interesse, durch geeignete Erhebungen festzustellen, ob und wie Habilitierte nach ihrer Habilitation eine fachlich angemessene Verwendung finden, insbesondere dann, wenn es Gründe für die Annahme gibt, es liege auf diesem Gebiete einiges im argen. Wenn dies - aus bisher nicht aufklärbaren Gründen -von Amts wegen durch regelmäßige statistische Erhebungen nicht geschieht, so bedarf es besonderer empirischer Untersuchungen; auch zu solchen ist aber es in der alten und neuen Bundesrepublik Deutschland in staatlicher Verantwortlichkeit noch nie gekommen.

Aus diesem Grunde veranstaltete und finanzierte der Deutsche Hochschullehrerverband in den 1980er Jahren eine eigene Studie zu dieser Frage (Ulrich Karpen, Manfred Borchert, Bruno W. Reimann, Dieter Mross, Zur Lage des habilitierten wissenschaftlichen Nachwuchses, Forum des Hochschulverbandes Heft Nr. 40, Bonn-Bad Godesberg 1986).

Die nach ihrer Veröffentlichung (1986) in der medialen und der wissenschaftlichen Öffentlichkeit teilweise heftig in Frage gestellten Ergebnisse dieser sog. 'Karpen'-Studie wurden durch eine vom Wissenschaftsrat in Auftrag gegebene Kontroll-Studie ('Kossbiel-Studie', 1987) durchweg bestätigt. Obschon beide Studien schon zu ihrer Zeit wichtige Fragen offen ließen und obschon seither wichtige - vermutlich auch stark negative - Veränderungen der Rahmenbedingungen, etwa infolge der deutschen Wiedervereinigung, eingetreten sind, hat es seit damals keine neueren Studien über den wissenschaftlich-sinnvollen beruflichen Einsatz und das Vorliegen (zumindest bescheiden-) angemessenener Lebens- und Berufsbedingungen für die soziale Gruppe der professorablen Wissenschaftler in Deutschland gegeben.

Die hier - kurz zusammengefaßt - wiedergegebenen Ergebnisse der damaligen Studie sind mangels anderen Materials auch heute noch von Belang. Sie werden im folgenden mit Schlußfolgerungen des Bearbeiters dieses Informationsblattes für die Gegenwart verbunden :

1. Für die Jahre 1980 - 1985 wurden vom Statistischen Bundesamt 5 914 Habilitationen gezählt. Die Erhebung der 'Karpen-Studie' erfaßte davon 4 603 ( = ca. 76 %). Für 3655 Habilitationen (= ca. 60 % von 5 914) wurden auf den rücklaufenden Fragebögen Angaben gemacht. Bei gut 1 % der rücklaufenden Angaben gab es Ungewißheit über den beruflichen Verbleib der Habilitierten.

Das heißt: es existierte eine 'Grauzone unbekannter Fälle' von mehr als 40 % (= ca. 2250) in der Gesamtgruppe der statistisch belegbaren Habilitationen. Es kann davon ausgegangen werden, daß für einen größeren Teil der Nichtrückmeldungen Unzufriedenheit mit der persönlichen Berufsentwicklung ursächlich war. Diese 'Grauzone' schwer Erreichbarer sollte in künftigen Studien mit verfeinerten Methoden besonders eingehend untersucht werden.

2. Von den bekannten Fällen (3655) befanden sich 736 (= 20, 1 % ) auf unbefristeten Professuren. Auf anderen unbefristeten wissenschaftlichen Dauerstellen befanden sich 673 (= 18,4 % von 3655). Als im wissenschaftlichen Bereich gesichert berufstätig konnten demnach nur 38,5 % (von 3655) angenommen werden.

Das bedeutet, daß nur gut ein Drittel der bekannten, für den Hochschullehrerberuf ausgebildeten und uneingeschränkt geeigneten Wissenschaftler in angemessener Zeit ihr berufliches Ziel erreichte und ihr wissenschaftliches Können unbehindert durch wirtschaftliche und damit verbundene andere Sorgen einsetzen konnte. Heute ist es wegen Wachsens der Habilitationszahl - von damals etwas über 1000 auf jetzt weit über 2000 im Jahr - und Verringerung der Stellen im Hochschulbereich anzunehmen, daß der Anteil beruflich gesicherter Wissenschaftler noch erheblich niedriger ist. Auch dies bedürfte einer erneuten Untersuchung.

3. Außerhalb der Wissenschaft waren nur 126 (= 3,5 % von 3655) als berufstätig bekundet.

Das läßt darauf schließen, daß die Habilitation 'paradoxerweise' aus unterschiedlichen in Frage kommenden Gründen für Berufstätigkeiten außerhalb des Wissenschaftsbereichs eine im ganzen ungünstige Voraussetzung darstellt. Auch dies wäre künftig genauer zu untersuchen, um evtl. Anhaltspunkte für eine Verbesserung des Habilitationsverfahrens zu gewinnen.

4. Wenn als beruflich gesichert nur insgesamt 42 % von 3655 bekannten Fällen gelten konnten (siehe oben zu 2. und 3.), so ergibt sich, daß 58% beruflich nicht gesichert waren.

Zusätzlich dazu ist mit einem größeren, aber ohne genauere empirische Untersuchungen nicht bestimmbaren Anteil aus der oben (zu 1.) erwähnten 'Grauzone unbekannter Fälle' zu rechnen.

Das bedeutete damals und bedeutet auch heute, daß habilitierte Wissenschaftler, die sich beim Abschluß ihrer Hochschullehrerqualifikation zumeist schon an der Schwelle zum mittleren Lebensalter befinden, zu einer langjährigen Form ungesicherten Lebens genötigt sind. Zu ihrer Lebensführung gehören dann typischerweise verschiedenartige, im besten Falle aneinander anschließende, aber stets vorübergehende und insgesamt unangemessen honorierte Erwerbstätigkeiten, die eine berufliche und familiäre Lebensplanung, eine soziale Absicherung und auch eine kontinuierlich projektierte Tätigkeit im Interesse vor allem der Wissenschaft behindern. Gerade die Umstände dieser ebenso 'typischen' wie - zumindest auf Dauer - unzumutbarenWissenschaftler-Existenzen, wären durch neue Studien genauestens zu untersuchen, um Anhaltspunkte für eine Konstruktion geeigneter Dauerarbeitsverhältnisse für Wissenschaftler dieser Art zu gewinnen.

5. Arbeitslos gemeldet waren nur 73 (= 2% von 3655) der bekanntgewordenen Habilitierten.

Das läßt vor allem darauf schließen, daß die normale arbeitsamtliche Vermittlung auf dem sog. '1. Stellenmarkt' außerhalb des Wissenschaftsbetriebs wegen dortiger Karrieremuster (siehe oben zu 3.) und innerhalb des Wissenschaftsbetriebs wegen fehlender Stellen selten zu einem Erfolg führt. Dies ist anders als bei den nach der deutschen Wiedervereinigung in großem Maßstabe organisierten, wenn auch befristeten ABM-Programmen für höchstqualifizierte Wissenschaftler aus dem früheren DDR-Bereich. Das könnte ein Hinweis auf ein Modell zur Verbesserung beruflicher Perspektiven für habilitierte Wissenschaftler sein.

Im übrigen bedeutet der Befund der 'Karpen-Studie', daß man die heutigen Zahlen arbeitslos gemeldeter Habilitierter mit einem Faktor von bis zu 28 zu multiplizieren hat, um die Größenordnung des Gesamtptroblems ungesicherter Habilitierter (s. o. zu 4) abzumessen.

Wenn den jeweils politisch Verantwortlichen die wissenschaftsstrukturell angemessene Verwendung und auch die soziale Lage der nach einer Habilitation negativ Betroffenen nicht egal ist - und diesen Eindruck zu gewinnen, ist angesichts einer 20-jährigen Untätigkeit der Wissenschaftspolitik aller Ebenen auf diesem Gebiet schwer -, dann bedarf es einer neuen empirischen Untersuchung für die gegenwärtigen Verhältnisse.

Wie diese auzusehen hätte, ist zuvor angedeutet worden. Es sei hier nur noch festgestellt, daß heute mit - gegenüber der 'Karpen'-Studie weitergehenden Fragestellungen - eine Zahl von grobgeschätzt zwischen 20000 und 30000 Habilitierten und habilitationsgleich Qualifizierten zu untersuchen wäre. Es handelt sich dabei um diejenigen, a) die nach Erreichen einer nachweislichen Professorenqualifikation zwar beruflich irgendetwas, aber nichts angemessen Wissenschaftliches tun, b) die im Wissenschaftsbereich zwar etwas ihrer Qualifikation Angemessenes tun, dies aber zu deutlich unterwertigen oder zu sozial ungenügenden Bedingungen - typischerweise z. B. als sog. 'nebenberufliche Hochschullehrer' oder in einer Kette vorübergehender Dienste oder Projektarbeiten in fremdem Auftrag oder in 'brotlosen', d. h. nicht hinreichend ergiebigen 'freiberuflichen' wissenschaftlichen Eigeninitiativen -, c ) die Verrichtungen ausüben, die aus sozialen Gründen, z. B. wegen fehlender Sozialversicherung, nicht zumutbar sind und d) die nach früheren Maßstäben arbeitslos gemeldet waren oder Sozialhilfe bezogen und die heute unter den Bedingungen der 'Hartz IV-Regelungen' des neuen SGB II (d. J. 2003) stehen.


III. Katalog einiger Handlungsaufgaben für die Politik in Habilitiertenangelegenheiten .

Es seien hier für Diskussionszwecke einige aus der langjährig entwickelten Sicht Betroffener bestehende, i. w. S. politische Anliegen zusammengefaßt, die primär von der Wissenschaftspolitik des Bundes und der Länder und dann auch von den Hochschulen im Rahmen ihrer Zuständigkeiten und Möglichkeiten zu bearbeiten bzw. zu erfüllen wären.

Ausführliche, mehrfach diskutierte Begründungen für diese Anliegen lassen sich in zahlreichen Denkschriften und Grundsatzpapieren finden, welche über die Internet-Adresse http://www.tu berlin.de/fb1/AGiW/AHW_Bln.htm zugänglich sind.

Dazu gehören

1. im Bereich des Hochschulrechts und der Hochschulverwaltung

a) außer der zuvor (zu II.) beschriebenen Aufgabe, Verbleib und wissenschaftsangemessene produktive Verwendung höchstqualifizierter Wissenschaftler nach Abschluß ihrer Qualifikationsphasen zu klären und damit Grundlagen einer entsprechenden Wissenschaftsförderung zu finden,

b) die Einführung eines aktiven Mitbestimmungsrechts für die Gruppen der nichtbeamteten und nichtangestellten habilitierten Hochschullehrer, welche regelmäßig Dienste in Forschung und Lehre an der Hochschule verrichten, auf allen Ebenen akademischer Selbstverwaltung,

c) die Einführung einer gesetzlich gesicherten angemessenen tariflichen Vergütung für alle Arten und Quantitäten wissenschaftlicher Arbeit, die von nicht-beamteten und nicht-angestellten (sog. 'nebenberuflichen') Hochschullehreren regelmäßig an der Hochschule erbracht werden,

d) die Grundausstattung solcher Wissenschaftler mit Arbeitsräumen und Arbeitsmitteln, dabei auch mit kostenloser Internetnutzung, für die von ihnen im allgemeinen Interesse regelmäßig erbrachten wissenschaftlichen Arbeiten; insoweit muß eine Angleichung (Art. 3 GG) der Lage Habilitierter an die gesetzlich vorgesehenen Förderung, Austattung und Berufsperspektive sog. 'Juniorprofessoren' stattfinden,

e) die Reform des Habilitationsverfahrens mit dem Ziel, es über seinen Charakter als Hochschullehrerqualifikationsprüfung hinaus berufspraxisnäher - auch im Hinblick auf außerhochschulische wissenschaftsnahe Arbeitsgebiete - zu gestalten und, soweit sinnvoll, mit 'praxisbezogenen Zusatzausbildungen' und praxisbezogenen Umstiegsstipendien' zu ergänzen,

f) die Reform des akademischen Berufungsverfahrens mit dem Ziels, die Chancengleichheit für alle Bewerber und die Durchsetzung uneingeschränkt hoher Qualitätsstandards konsequent und justiziell nachprüfbar zu sichern, d. h. die Verrechtlichung und gerichtliche Nachprüfbarkeit aller wichtigen Auswahlentscheidungen in diesem anzustreben, um das in diesem Bereich leider häufiger platzgreifende Mauschelwesen einzugrenzen und den Anforderungen des Art. 33 Abs. 2 GG (Gleicher Zugang zu allen öffentlichen Ämtern) auf allen Ebenen der Wissenschaftverwaltung endlich Genüge zu tun,

2. im Bereich des Sozialrechts

a) die Einführung einer neuen speziellen Wissenschaftlersozialversicherung - nach dem Beispiel der Künstler-Sozialversicherung - für solche Wissenschaftler, die nach Abschluß der Habilitations-Phase wegen Fehlens eines sozialversicherungsfähigen oder beamteten Beschäftigungsverhältnisses ganz oder teilweise sozial ungesichert bleiben, was Kranken-, Erwerbsunfähigkeits- und Altersversicherung betrifft,

b) die Einführung besonderer Rechtsgrundlagen und administrativer Formen wissenschaftsadäquater Arbeitsvermittlung für arbeitslos gemeldete höchstqualifizierte Wissenschaftler,

3. im Bereich der Wissenschaftsförderung

a) die Einrichtung einer öffentlich-rechtlich organisierten Bund-Länder-Anstalt für dynamischen Wissenschaftstransfer mit dem Ziel, vorhandene wissenschaftliche Höchstqualifikationen, die im Hochschul- und Forschungsbereich längerfristig keine angemessene Verwendung finden, in praxisnahe und, soweit wissenschaftsgemäß, 'produktive' Projekte der Forschung, wissenschaftsbasierten Unterrichtung und Kommunikation einzubinden,

b) die Einführung praxisorientierter 'Zusatzausbildungen' und 'Umstiegsstipendien' für habilitierte Wissenschaftler, die im Hochschul- und sonstigen Wissenschaftsbereich keine dauerhafte Perspektive für die Anwendung ihres wissenschaftlichen Könnens finden können.


    DER ARBEITSKREIS HABILITIERTER ODER ÄHNLICH QUALIFIZIERTER WISSENSCHAFTLER IN BERLIN (AHW Berlin).

    Der Arbeitskreis habilitierter oder habilitationsähnlich qualifizierter Berliner Wissenschaftler ist dazu da, Wissenschaftler, die auf irgendeine Weise die Qualifikation für das Professorenamt erworben haben oder zu erwerben im Begriffe sind, auf einer geselligen und rechtlich möglichst informellen Aktionsebene zur Wahrnehmung ihrer Interessen zusammenzuführen. Zu diesem Kreis können sich, wenn gewünscht, vor allem zusammenfinden: die Inhaber zeitlich befristeter oder sog.'nebenberuflicher' Hochschullehrerämter, d. h. Zeitprofessoren,, Hochschuldozenten, apl. Professoren, Privatdozenten, Oberassistenten und Oberingenieure, andere Wissenschaftsbeamte oder -angestellte mit habilitationsgleicher Qualifikation, und auch die nach der 5. Hochschulrahmenrechtsnovelle des Bundes eingestellten 'Juniorprofessoren' neuen Typs, soweit sie von beruflichen oder sozialen Problemen beschwert werden, die sich typischerweise mit ihrer einerseits akademisch höchstqualifizierten, andererseits höchst spezialisierten Wissenschaftler-Karriere verbinden.

    Der Arbeitskreis ist ursprünglich aus gemeinsamen Aktionen verschiedenartiger Initiativen betroffener Wissenschaftler in Berlin - seit den 80er Jahren des westlichen, seit 1989 auch des östlichen Teils - entstanden und schon seit Anfang der neunziger Jahre in Form eines nichtrechtsfähigen Vereins organisiert. Er versteht sich nicht als Interessenverband i. e. S., sondern lediglich als ein offenes und geselliges Diskussionsforum und eine mögliche Aktionsplattform für Initiativen und Aufklärungsaktionen, die auf die vielfach außerordentlich unbefriedigenden Arbeitsverhältnisse und Berufsperspektiven der oben aufgezählten, auch was ihre Quantität betrifft, in der Öffentlichkeit zumeist nachhaltig übersehenen Wissenschaftlerkategorien hinweisen. Der Arbeitskreis hat als Verein wegen seiner bewußt lockeren Struktur keinen Vorstand und keine für den Verein als ganzen vertretungsberechtigten Wortführer; Mehrheitsbeschlüsse gibt es nicht. Dies ist für seinen Bestand rechtlich und tatsächlich wesentlich. Seine Aktivitäten nach außen sind deshalb identisch mit den eigenverantwortlich vorbereiteten Beiträgen und Aktionen seiner einzelnen oder nach Bedarf jeweils kooperierenden Angehörigen. Im Innenbereich geht es um nicht mehr, aber auch nicht weniger als die persönliche Aussprache, sachliche Diskussion und praktische Koordination unter ähnlich Betroffenen und Gesinnten.

    Im Mittelpunkt steht einerseits die Sorge für persönliche berufliche und soziale Belange der im Verein Zusammenkommenden, soweit Hilfe im Einzelfall wirklich möglich ist, andererseits aber - und vor allem - die kontinuierliche und sachlich-umfassende Information der Öffentlichkeit über statistisch hinreichend faßbare und zur Abänderung auffordernde Mißstände beim gesellschaftlichen Einsatz hochqualifizierter wissenschaftlicher Arbeitskräfte. Auch eine insoweit sinnvolle Kooperation mit anderen Organisationen und Initiativen, welche auf ihre Weise Interessen habilitierter Wissenschaftler wahrnehmen, ist nicht ausgeschlossen.

    Zugang zu der Aktionsseite des Vereins im Internet und zahlreichen von ihm dort veröffentlichten Grundsatz- und Diskussionspapieren erhalten Sie über die WWW-Adresse http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW/AHW_Bln.htm

      Interessenten sind eingeladen, sich zu melden und vor allem mit eigenen Initiativen mitzuwirken. Wer darüber hinaus dem Verein formell beitreten und intensiver mitwirken will, kann dies ggf. auch auf einer vorformulierten Beitrittserklärung ( http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW/Cricetus/SOzuC3/Archiv/AHWBeitr.htm ) tun.

      Christian Gizewski