Zu den Referatstexten

Nr 8: Zu den Risiken einer Unternehmensgründung durch Wissenschaftler.

Nach der beim Statistischen Bundesamt für das ganze Bundesgebiet geführten Insolvenzfall- Statistik gab es 1993 im Westen des Bundesgebietes bei einer Gesamtzahl von 2097853 Unternehmen immerhin ca. 0,8 % = 17537 Insolvenzfälle, von denen gut die Hälfte Gemeinschuldner mit Wirtschaftstätigkeit unter acht Jahren betrafen, im Osten 2761, von denen viele erst nach der Wiedervereinigung ihre Wirtschaftstätigkeit aufgenommen haben dürften (Stat. Jahrbuch 1994 für die Bundesrepublik Deutschland, hg. vom Stat. Bundesamt, Wiesbaden 1994, 5. 150).

Hinzu kommen allerdings mehr als zehnmal soviele 'stille' Unternehmens- Liquidationen. Insolvenzen und stille Liquidationen haben seit 1993 in Gesamtdeutschland zugenommen.

Fernerhin werden gegenwärtig von den jährlichen Gewerbeanmeldungen (hierin sind sog. 'freiberufliche' Existenzgründungen nicht mitenthalten) zum Beispiel in Gesamt-Berlin nach zwei Jahren ca. zwei Drittel, nach fünf Jahren vier Fünftel wieder abgemeldet (nach Auskunft des Senators für Wirtschaft: i. J. 1993 22696 Anmeldungen und 16738 Abmeldungen). In die Gewerbeabmeldungen gehen außer verschiedenen Arten wirtschaftlicher Schwierigkeiten allerdings auch Betriebseinstellungen aus anderen Gründen ein.

In den östlichen Bundesländern gab es (nach Angaben des Stat. Jahrbuchs der Bundesrepublik 1994, 5. 135 - 137) im Jahre 1992 214316 Anmeldungen (Industrie ca.9800, Handwerk ca. 22300, Handel und Gastgewerbe ca. 98800) und 120768 Abmeldungen (Industrie ca. 3.900, Handwerk ca. 11.000, Handel und Gastgewerbe ca. 62.300).

Doch sind - vor allem im Bereich (nach Personal und Kapital) kleinerer Unternehmensgründungen - die Risiken bis hin zum kompletten Vermögensverlust nicht unerheblich.

In einem 1994 gegründeten Verein zur Organisation der Selbsthilfe für wirtschaftlich in Bedrängnis geratene ,Kleinwirtschaftler' fanden sich binnen weniger Monate bundesweit allein 461 insolvent gewordene oder von Insolvenz bedrohte Unternehmensgründer als Mitglieder zusammen, davon 160 aus dem Berliner Raum, in dem der Verein seinen Sitz hat (Verein ,Ausweg', Geschäftsstelle Eduardstraße 10, 10317 Berlin, Telefon:030/5536939). Nach Auskunft des Vorstandsmitgliedes G. van de Lücht sind darunter auch 17 Unternehmungen, deren 'Geschäftsidee' eher wissenschaftlicher bzw. wissenschaftlich-technologischer (medizinischer, betriebswirtschaftlicher, technischer und verlegerischer) Art ist.

Die Gründung selbständiger Existenzen hat einen hohen Stellenwert in den von einigen Parteien vertretenen wirtschafts- und in gewissem Umfang auch forschungspolitischen Konzepten. Dies gilt nicht nur für die CDU und die FDP, sondern auch für die SPD (siehe das Buch von P. Glotz und U.Thomas 'Das dritte Wirtschaftswunder - Aufbruch in eine neue Gründerzeit', Econ-Verlag, Düsseldorf 1994. Diesem Prinzip scheint hier und da die Bedeutung eines Allheilmittels im Rahmen der wissenschaftlich-technologischen und wirtschaftlichen Entwicklung beigemessen zu werden. Das gilt auch im Hinblick auf die in den östlichen Bundesländern aus dem öffentlichen Organisationsbereich ausgegliederten vielfältigen und personalreichen wissenschaftlichen Institutionen und Arbeitsgruppen.

In welchem Maße die in Frage kommenden (nach Kapital- und Personaleinsatz typischerweise kleinen) Unternehmensgründungen wirtschaftlichen Gefährdungen spezifischer Art unterliegen, untersucht das Institut für Mittelstandforschung (Bonn, Tel.: 0228/729970). Es gibt bereits Untersuchungen darüber, daß auch dann, wenn einer Unternehmensgründung (marktbezogen) an sich zukunftsträchtige wissenschaftlich-technologische Geschäftsideen zugrundeliegen, größere Gefahren, insbesondere wegen 'Mängeln in der Kapitaldecke' sowohl in der in der Markteinführungs- und insbesondere in einer eventuellen Stabilisierungsphase drohen, wenn die Durchsetzung gegen eine Konkurrenz nötig wird. (Gizewski)

Zusammenstellung: C. Gizewski


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