Ein altsprachliches Gymnasium in Ibbenbüren.

Von Christian Gizewski.

29. Nov. 2010


Gedanken und Erinnerungen an die Ibbenbürener Gymnasialzeit.

Dieser WWW-Beitrag soll am Beispiel einer in einem seit dem 19. Jht. industriell aufstrebenden kleineren westfälischen, damals zu Preußen gehörenden Orte gelegenen, ursprünglich kirchlich geleiteten und dann neuhumanistisch modifizierten Rektoratsschule erläutern, wie sich im Laufe der Zeiten ein bestimmter Typus eines - auch - altsprachlichen Gymnasiums (Neusprachliches Gymnasium mit altsprachlichem Zweig) entwickelte.

Was die Hervorhebung der Antikenbezüge betrifft, so möge der Leser berücksichtigen, daß der Verfasser von Beruf Althistoriker wurde und ein wichtiges Motiv seines Lebenslaufes auch in seiner altsprachlich-gymnasialen Schulprägung - in Ibbenbüren - sieht. Er ist aus seiner beruflichen Prägung heraus der Auffassung, daß der Blick auf die Wirkungsgeschichte der Antike, die in verschiedenen, normalerweise unvermuteten Traditionszweigen bis zur heutigen Gegenwart reicht, einen wichtigen Beitrag zum historischen Selbstverständnis der Gegenwart einschließlich der dortigen Ideenkonflikte leisten kann.

Der Beitrag enthält Bildfolgen, biographische Mitteilungen sowie Photos von Lehrern und Schülern in jüngstem, jüngerem , älterem und altem Zustand, Eigen- und Fremdkommentare, je nachdem, wie sie mir vorliegen. Wer noch andere Bilder hat, kann sie mir gern schicken.

Der erste Teil des Beitrags ('Zur neuhumanistischen Konzeption eines 'altsprachlichen Gymnasiums' in Preußen/Deutschland seit den Stein-Hardenbergschen Reformen des frühen 19. Jhts.) will sich - so kurz es geht - mit den großräumigen Voraussetzungen altsprachlichen Unterrichts in Europa, Deutschland, Preußen und Westfalen befassen. Er widmet sich auch ein wenig den historischen Vorformen des heutigen Goethe-Gymnasiums, auf welche die kürzlich veranstaltete Jubiläumsfeier Bezug nahm; sie war ja nicht nur ein 60-, sondern, wie man es sieht, auch ein 191- bzw. ein 151-Jahre-Jubiläum (siehe Kommentar I).

Der zweite Teil ("Verschiedene Antikenbezüge einer Stadt wie Ibbenbüren in Westfalen") will - ebenfalls so kurz es geht - die Beziehungen zwischen altsprachlichem bzw. neuhumanistich inspiriertem Unterricht in Ibbenbüren und anderen dortigen antikenfundierten Traditionen andeuten. In seinem Unterteil B enthält dieser Teil auch einen aktuellen Appell an die evangelische Christusgemeinde Ibbenbürens und die Stadt Ibbenbüren, das Kriegerdenkmal für die Gefallenen der Kriege von 1866 - 1945 unverändert auf dem Kirchvorplatz zu belassen.

Der dritte Teil wendet sich den am altsprachlichen Unterricht aktiv und passiv beteiligten Personen zu und will dabei sowohl an konkrete Personen erinnern als auch - 'typisierend' - persönlichkeitsprägenden Wirkungen eines derartigen Unterrichts auf die Spur kommen. Es wird nicht schwer sein, in den 'Typen' die konkreten Menschen zu erkennen, die ungewollt als witzig gemeinte Vorlagen für die Typenbildung dienen, ob es sich nun um die 'Rollen' der erfüllten Ehefrau und Familienmutter, der tüchtigen Lehrerin, des tüchtigen Arztes bzw. der tüchtigen Ärztin, des tüchtigen Industriemanagers oder des engagierten Historikers handelt.

Im übrigen: 'tüchtig' - altertümlich gedacht 'tugendhaft' ( > lat. 'virtus', griech. 'arete') und christlich gedacht 'gerechtfertigt' (> lat. 'iustificatus', griech. 'dikaios') - waren und sind die früheren Mitschüler, mit denen ich gesprochen habe, alle.

Woran wir zu leiden hatten und haben, was schief lief, kam oft nur andeutungsweise zur Sprache, so zum Beispiel, wenn jemand zwei Herzinfarkte hinter sich gebracht und zwei Bypasse implantiert erhalten hat oder total schwerhörig geworden ist - schwerhörig sind übrigens viele -, ob jemand eine nette Familie hat oder nicht, ob er oder sie wegen Scheidung, Witwerschaft oder sonstiger Einsamkeit eine nette Frau sucht oder einen netten Mann, das wird oft nur angedeutet. Gerade aber auch ein stilles, gefaßtes Leiden nötigt mindestens ebensoviel Zuneigung und Respekt ab wie eine tüchtige Lebensleistung.

Mögen diejenigen, die sich aus derartigen Gründen nicht trauten, zu den Schul- und Klassentreffen am 1. und 2. Okt. 2010 zu kommen, bei dem nächsten dabei sein. Man glaubt gar nicht, wieviel kluge und verständnisvolle Mitmenschen man bei einer solchen Gelegenheit wiederfindet. Was ist - nur zum Beispiel - aus Gudrun Friedrich geworden?*)

Christian Gizewski (Nov. 2010).

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*) Es wurde aus ihr, wie sie mir mittlerweile mitgeteilt hat und ich auch hier weitergebe, eine Regisseurin beim Bayerischen Rundfunk. Offenbar, wie ein Blick dazu ins Internet zeigt, eine sehr produktive, vielseitige und vielbeschäftigte. Sie war die letzten Male - wie ich - gehindert, zu den Klassentreffen zu kommen, und hat das auch immer gemeldet, wenn sie eingeladen wurde. Das Interesse an ihrer Schulherkunft hat sie keineswegs verloren - wie offenbar wir alle. C. G. (26. Juli 2011, 4.58).


ÜBERSICHT.

Teil I. Zur neuhumanistischen Konzeption eines 'altsprachlichen Gymnasiums' in Preußen/Deutschland seit den Stein-Hardenbergschen Reformen des frühen 19. Jhts.

Teil II. Zu weiteren Traditionen der Stadt Ibbenbüren.

A. Übersicht.

B. Ein konkretes Beispiel für nationale Traditionen: das Kriegerdenkmal in Ibbenbüren

Teil III. Lehrer- und Schülerpersönlichkeiten der 1950er und 1960er und 1970er Jahre.

A. Lehrer- und Schülertypen.

B. Querverweise auf Photos von Schülern und Lehrern

In III B sind vor allem Bildfolgen zusammengestellt , die Lehrer und Schüler, aber auch Orts- und Gebäudeansichten betreffen. Sie wurden beschafftt vor allem von dem dabei - und generell bei der Vorbereitung und Durchführung des Schuljubiäums 2010 - maßgeblich aktiven Josef Bröker. Als vormaliger Vorsitzender des Historischen Vereins Ibbenbüren hat er einen besonders guten Zugang zum Stadtmuseum und zum Stadtarchiv Ibbenbüren gehabt.

LITERATURHINWEISE.

Bildungsgeschichte, Geschichte des gelehrten Unterrichts:

Manfred Fuhrmann, Latein und Europa. Die fremd gewordenen Fundamente unserer Bildung. Geschichte des gelehrten Unterrichts von Karl dem Großen bis Wilhelm II., Köln 2001.

Friedrich Paulsen, Die Geschichte des gelehrten Unterrichts auf den deutschen Schulen und Universitäten vom Ausgang des Mittelalters bis in die Gegenwart, Berlin und Leipzig 19213.

Hans-Goerg Herlitz, Wulf Hopf, Hartmut Titze, Deutsche Schulgeschichte von 1800 bis zur Gegenwart. Eine Einführung, Weinheim und München 2005.

Wilfried Stroh, Latein ist tot, es lebe Latein. Kleine Geschichte einer großen Sprache, Berlin 20085.

Politische Ideengeschichte, Neuzeitgeschichte, Zeitgeschichte:

Reinhart Koselleck, Der politische Totenkult: Kriegerdenkmäler in der Moderne. München: Fink, 1994. ISBN 3-7705-2882-4 .

Hans-Ulrich Wehler, Nationalismus. Geschichte, Formen, Folgen, München 20042.

Tilman Borsche, Wilhelm von Humboldt, München 1990.

Helmut Müller, Die Besetzung des Münsterlandes 1945, Aschendorff-Verlag Münster 1972.

Orts- und Regionalgeschichte Ibbenbürens:

850 Jahre Ibbenbüren: Porträt einer Stadt in Text und Bild, 1. Auflage 1996, 2.überarbeitete und erweiterte Auflage 1997, 616 Seiten, Hg: Historischer Verein Ibbenbüren, Redaktion: Josef Bröker, Dr. Annette Kleinert, Brigitte Rieping-Seibold, Titel: Ruth Engstfeld-Schremper. Druck und Verlag: bbenbürener Vereinsdruckerei GmbH, ISBN: 3-921290-95-3, Siiege auch: http://www.stadtmuseum-ibbenbueren.de/literaturarchiv_buchlisten_1.htm

Josef Bröker, Genealogische Forschungen zur Familie von Grothaus unter besonderer Berücksichtigung ihrer Beziehungen zum Gut Grone bei Ibbenbüren. In: Beiträge zur westfälischen Familienforschung, Band 41.1983, S. 308ff, Münster 1984.

Josef Bröker, Zur Geschichte der ehemaligen Landadelssitze Grone und Langewiese in Ibbenbüren, in: 850 Jahre Ibbenbüren, S. 253 ff, Ibbenbüren 19972.

Josef Bröker, Zur Sozialgeschichte der Recker Bevölkerung im 16. und 17. Jahrhundert. In: Beiträge zur Geschichte der Gemeinde Recke, Heft 1, S. 47ff, 1990.

Josef Bröker, Zur oranisch-preußischen Reformationspolitik in der Grafschaft Lingen, dargestellt am Beispiel des Hofes Brandebusemeyer in Ibbenbüren-Bockraden. In: Beiträge zur Geschichte der Gemeinde Recke, Heft 2, S. 57ff, 1991.

Josef Bröker, Zur Geschichte der Ibbenbürener Bauerschaft Uffeln. In: Uffeln Geschichte eines Ibbenbürener Ortsteils, S. 46ff, Ibbenbüren 1994.

Frank Rohmann, Information über den Dokumentationsband "60 Jahre Abitur in Ibbenbüren 1951-2011 - eine Dokumentation in Text und Bild".

Sunhild Salaschek Josef Bröker, Die Stifterbilder in der Christuskirche. Ibbenbürener Studien Band 2, Ibbenbüren 1993.

Josef Bröker, Ibbenbürener Familiennamen im Spiegel von Urkunden und Akten (1417-1701), Ibbenbürener Studien Band 5, Ibbenbüren 2009.

Josef Bröker,Wann begann in Ibbenbüren die Reformation? Referat, gehalten auf einem Workshop mit Prof. Dr. Anton Schindling ( Uni Osnabrück) am 20.März 1991 in der VHS Ibbenbüren, überarbeitet Herbst 2010.

Historischer Verein und Stadtmuseum Ibbenbüren: siehe http://www.stadtmuseum-ibbenbueren.de/impressum.htm

Biographien, Lebensberichte:

Hermann Focke, Tierschutz in Deutschland Etikettenschwindel?! Der gequälten Kreatur gewidmet, Berlin 2007.


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