ZUM KRIEGSENDE IN BRANDENBURG.

Erinnerungsprojekt zum Kriegsende in Brandenburg (April/Mai 1945).

Stand 26. Februar 2017.

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Abbildungen: links das Gedenkkreuz bei Ferch, das an die große Zahl der dort auf beiden Seiten Gefallenen erinnert, in der Mitte ein heutiger Blick auf den friedlichen Schwielowsee, rechts der Entwurf einer allen Glanzes entkleideten Victoria-Allegorie zum trostlosen Kriegsende von Maren Simon..*)

Film über den 'Kessel von Halbe` und das Ende der '9. Armee': https://www.youtube.com/watch?v=jmvcfzZNdMc

https://www.youtube.com/watch?v=1xE5palDCQE

Film über die 'Armee Wenck': https://www.youtube.com/watch?v=l7qHZo4ZLgE

*) Zur Künstlerin Maren Simon. . Auch:; https://agiw.fak1.tu-berlin.de/Hospitium/MSimon.htm sowie ihre eigene Plattform für Internet-Ausstellungen und berufliche Internet-Informationen .http://www.maren-simon.com/.

>>Rundbriefe für alle Interessenten.

RUNDBRIEF Nr. 51 für das erste Halbjahr 2017.

Das zeitweilig nicht fortsetzbare Informations- und Diskussions-'Projekt Ferch' wird mit dieser Ausgabe wieder aufgenommen. 26. Febr. 2017 C. G.

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RUNDBRIEF Nr. 50 für Juli 2016 bis Oktober 2016.

Zum Index aller Rundbriefe.


INHALT

1. Zur Begründung eines 'Projekts Ferch'.
2. Karten und Photos zur Veranschaulichung des militärischen Geschehens ín der Region zwischen Oder und Elbe im April und Mai 1945.
3. Zum weiteren Ausbau dieser WWW-Seite
4. Zum Charakter einer Dokumentationsstelle.
5. Exemplarische Dokumentensammlung zum Kriegsende in der weiteren Region um Ferch.
6. Gastautorenabteilung.
7. Lektüre zum Kriegsende in der Region Ferch (siehe auch 6).
8. Größere Gedenkstätten zum Kriegsende 1945 in Brandenburg.

1. Zur Begründung des Dokumentations-Projekts.

Der Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939, der heute bald 80 Jahre zurückliegt, und das Ende dieses Krieges im April/Mai 1945 fordern nach wie vor in allen Teilen Deutschlands zur Erinnerung und zum historischen Nachdenken auf - allgemeingeschichtlich, orts- und regionalgeschichtlich und - für die noch lebenden Betroffenen und ihre jüngeren Verwandten - auch in einer persönlich-lebensgeschichtlichen Perspektive. Die beiden letzten Aspekte treten in einem Projekt, das sich dem Ende des Krieges in Brandenburg widmet, hervor. Die tragisch-nutzlosen Opfer der Kämpfe und Bombardements der letzten Kriegswochen erwecken auch heute noch eine besondere Anteilnahme - am Schicksal aller von ihnen Betroffenen. Es gab sowohl eine im einzelnen schwierig zu erfassende, aber insgesamt auf mehrere Zehntausende getöteter Soldaten jeweils beider Seiten zu schätzende Zahl Gefallener als auch die bei Gefechten durchweg höher anzusetzende Zahl von Verwundeten und schließlich auch die schwer schätzbare Menge der von den Gefechten überzogenen Flüchtlinge, welche sich nach Westen hin in Sicherheit zu bringen suchten - bei den bis zur Elbe vorgedrungenen westlich-alliierten Kampftruppen, bei denen Schonung eher vermutet wurde als auf der sowjetrussischen Seite. Auch die Einheimischen, die in ihren Orten blieben, wurden häufig schwer heimgesucht.

Zu einer heutigen politisch-historischen Bildung gehört aber auch ein allgemeines anschauliches Verständnis des Wesens des letzten Weltkrieges, mit seiner exzessiven Zerstörungskraft, seiner Unerbittlichkeit und seiner - nachträglich betrachtet - folgenreichen Eigendynamik. Zu solcher 'Anschaulichkeit' gehört sowohl die Einfühlung in den unerbittlichen Kriegseinsatz des Militärs beider Seiten als auch die konkrete Vergegenwärtigung der Rücksichtslosigkeiten kriegsbedingten völkerrechtlichen Unrechts auf beiden Seiten. Auch dies liegt im Interesse kompromißloser Ehrlichkeit bei der Völkerverständigung, der politischen Bildung und nicht zuletzt einer zeitgemäßen Ausprägung heutigen Nationalbewußtseins aller am früheren Kriegsgeschehen beteiligter Seiten.

Bei der Völkerverständigung tritt im heute östlichen Teil der deutschen Bundesrepublik, der früheren sowjetischen Besatzungszone in Deutschland und seit 1949 Deutschen Demokratischen Republik, die Erinnerung an die Millionen militärischer und ziviler Opfer als bleibende Aufgabe hervor, die der Zweite Weltkrieg für den überfallenen sowjetischen Osten Europas mit sich beachte. Die Gegenwart der politischen Entwicklungen im Bereich der früheren Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken sollte dem geschichtsbewußten heutigen Zeitgenossen stets in ihrem Zusammenhang mit der Weltkriegsgeschichte bewußt bleiben und zu einer besonders freundlichen deutschen Verbundenheit mit allen damals heimgesuchten Völkern führen..

Mit den Kriegsendkämpfen um die bis dahin unter deutschem Einfluß verbliebenen Gebiete war zwar einerseits das historische Ende des nationalsozialistischen Herrschaftssystems gekommen. Andererseits kam auch das Ende der langen staatlichen Tradition eines bisherigen 'Deutschen Reiches'. Es begann andererseits eine jahrzehntelange deutsche 'Nachkriegsgeschichte', die wesentlich durch die bei der Besetzung Deutschlands entstandenen Demarkationslinien bestimmt war. Sie war auch gekennzeichnet durch eine Teilung des vormals zum Deutschen Reich gehörenden Staatsgebiets in Besatzungszonen, eine Abtrennung der Gebiete östlich von Oder und Neiße sowie die Kollektivvertreibung der gesamten zivilen deutschsprachigen Bevölkerung aus mehreren osteuropäischen Staaten. Das Schicksal der großen Menge Kriegsgefangener und -verschleppter und nicht selten unklärbar vermißter Zivilpersonen in den Jahren nach dem Kriegsende gehört ebenfalls dazu. Einbezogen in diese Kriegsfolgen für Deutschland und Österreich waren auch die vielen, die bei den letzten freien Wahlen 1933 nicht-nationalsozialistisch votiert hatten, In freien Wahlen, hätten sie später stattfinden können, befragt dürften - aus eigener Vernunft und auch aus menschlicher Rücksicht auf andere - keine Mehrheit für politische Ziele wie einen bedenken- und uferlosen Angriffskrieg oder die Juden-Vernichtung gestimmt haben.

Das Erinnerungsprojekt widmet sich - entstanden in der Zeit nach 1989 und von der Technischen Universität Berlin aus initiiert - immer wieder einem besonderen geographischen Bereich, nämlich einigen abgelegeneren, aber berlin-nah gelegenen Teilen des Landes Brandenburg. Die dortigen Geschehnisse der letzten Kriegswochen wurden seit Kriegsende zwar nie vergessen. Sie haben immer wieder einmal Beschreibungen - durch Betroffene oder ihre Verwandten - gefunden und wurden bis heute stets auch durch eine Anzahl kleiner örtlicher Museen, Archive und Denkmale im Raum zwischen Oder und Elbe in Erinnerung gehalten. Doch erschien eine öffentliche Erinnerung an sie den bis 1989 maßgeblichen DDR-Behörden - und auch der sowjetischen Besatzungsmacht - offenbar politisch problematisch.. Es ist auch deshalb heute schwierig, über die Vielfalt dieser Erinnerungen einen Überblick zu gewinnen. So fehlt es bei vielen Einheimischen und erst recht bei vielen auswärtigen Besuchern an einem angemessenen Wissen über die damaligen Geschehnisse.

Dem Erinnerungsprojekt liegt deshalb

a) an der Ermittlung und, wenn möglich, Unterstützung der an sich schon zahlreich vorhandenen, aber etwas verborgenen örtlichen Dokumentationen und Erinnerungen,

b) an einer praktikablen Art ihrer Verbindung untereinander - bei einer solchen wird vor allem die Einrichtung einer zentralen Dokumentations- und Erinnerungsstätte für alle Ereignisse im gesamten damaligen brandenburgischen Kampfgebiet zwischen der Oder und der Elbe wichtig sein -;

c) an einer - in früheren Jahrzehnten schwierigem - Klärung der Verlustzahlen aller Seiten, soweit heute noch möglich, damit daraus auch Schlußfolgerungen für eine richtige - weder übertreibende noch untertreibende - Erinnerung gezogen werden können,

d) an der ausdrücklichen Einbeziehung der damals sowjetrussischen Seite in ein solches Projekt,

e) an der Einbeziehung aller zivilen Opfer, der flüchtenden ebenso wie der ortsansässigen,

f) soweit sinnvoll, auch an der Berücksichtigung des Berliner Raums, der damals ja das eigentliche Ziel der sowjetischen Operationen war.

Stellvertretend für den gesamten Bereich des südlicheren Brandenburg, in dem die damalige deutsche Abwehr den südlichen sowjetischen Umfassungsvorstoß auf Berlin abzuwehren suchte, bietet sich der Name des kleinen Ortes Ferch - südwestlich von Potsdam - an. Der Ort Ferch hat durch ein Telegramm eine symbolische Bedeutung erhalten, mit welchem der damalige Chef des Oberkommandos der Wehrmacht Keitel am 30. April 1945 Hitler die Aussichtslosigkeit der Schlacht um Berlin zu verstehen gab.

Heute zeigt sich der Ort dem Besucher wegen seiner schönen Lage am Schwielowsee und des vor nicht langer Zeit mit viel Aufwand und Sorgfalt dort eingerichteten 'Museums der havelländischen Malerkolonie' vor allem als naturnaher 'Malerort'. Wer diesen friedvoll-ländlichen Ort besucht, sollte aber nicht nur seine naturnahe Lage und seine Sehenswürdigkeiten in sich aufnehmen, sondern auch die kriegsbestimmten Geschehnisse der Orts- und Regionalgeschichte kennenlernen und in Erinnerung behalten.

Wegen der symbolischen Bedeutung des Namens 'Ferch' dachte ich früher daran, die Entstehung einer primär örtlichen Erinnerungsstätte in Ferch anzustreben, die an die Inschrift des in der Ortsmitte stehenden Gedenk- und Mahnmals ("Den Toten zum Gedenken, den Lebenden zur Mahnung") anknüpfen könne. Dort gab es dafür aber keinerlei Interesse. Wirkliche Kriegserinnerungen sind verständlicherweise touristisch ungeeignet. Bei meiner Suche nach anderen Möglichkeiten kamen späterhin, insbesondere in den seit November 2009 stattfindenden Treffen des 'Arbeitskreises 'Projekt Ferch', auch andere Standorte in der engeren Umgebung Ferchs zur Sprache.

Allerdings stellten sich für alle solche eher örtlichen, heimatvereinsähnlichen Lösungen bald auch Fragen nach ihrer Realisierbarkeit. Sowohl die Kosten als auch - und vor allem - die erhebliche Arbeit bei der Einrichtung einer inhaltlich angemessen konzipierten Erinnerungsdokumentations.Stelle lassen sich ja auf örtlicher Ebene ebenfalls nicht leisten. Im Hinblick auf den engen Zusammenhang der damaligen Kriegsendereignisse im südlicheren Brandenburg, schien es deshalb schließlich besser, eine zentrale Erinnerungsstätte für den Gesamtbereich zwischen Oder und Elbe anzustreben, wie sie der 'Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge' mittlerweile in Halbe geschaffen hat.

Das schließt zwar nicht aus, daß in Ferch oder benachbarten Orten an geeigneter Stelle und in geeigneter, unaufwendiger Weise eine der engeren Region um Ferch zugewandte Erinnerung dokumentiert wird. Der Sinn solcher örtlichen Einrichtungen liegt ja generell vor allem in der Teilnahme der einheimischen Bevölkerung an einer heimatgeschichtlichen Erinnerungspflege, die auch die Kriegsgeschichte einbezieht. Mehr scheint mir auf diese Weise allerdings nicht erreichbar.

Um ein Beispiel zu geben: Die Pflege des großen metallenen Erinnerungskreuzes im Walde zwischen Ferch und Neuseddin kann zwang- und aufwandslos mit einer kleinen Erinnerungsstelle bei der Evangelischen Kirchengemeinde in Neuseddin verbunden werden, mit der die Stifter-Familie die Pflege-Vereinbarungen für das Kreuz getroffen hat.

Im Osten des Gesamtgebiets der damaligen Kriegsendkämpfe zwischen Oder und Elbe gibt es ferner bereits die beachtliche Gedenkstätte in Seelow mit einem kleinen Dokumentationsraum und den Friedhof in Halbe mit einem kleinen Pavillon, der vom Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge vorläufig eingerichtet wurde.

Es gibt in dem grö0eren Brandenburger Raum nicht wenige weitere kriegsbezogene örtliche Archive, Denkmäler und Erinnerungsstätten. Diese Einrichtungen scheinen aber weithin nicht in dauerhaftem oder regelmäßigem Austausch miteinander zu stehen.

Eine zentrale Erinnerungs- und Dokumentationsstelle für den Bereich des südlicheren Brandenburg wäre an sich eine angemessene Lösung, aus Rationalitäts- ebenso wie aus historischen Bildungs-Gründen. Denn eine den größeren Zusammenhängen gewidmete zeitgeschichtliche Erfassung des damaligen Kriegsend-Geschehens muß sonst den verschiedenen zeitgeschichtsnahen wissenschaftlichen Einrichtungen in Berlin und Brandenburg überlassen bleiben, die ihrerseits allerdings darauf aus Fianzierungsgründen kaum spetialisiert sein können. Man wird daher grundsätzlich alle nötigen Arbeiten auch künftig wohl immer nur von freiwilligem persönlichen Engagement 'gebildeter Heimatforscher' erwarten dürfen.

Was die historische Thematik eines 'Erinnerungs-Projekts Ferch' betrifft', faßt sie ein Beitrag des Mitarbeiters beim Berliner 'Tagesspiegel' und bei den 'Postdamer Neuesten Nachrichten (PNN)' Erhart Hohenstein vom 7. 5. 2005 gut zusammen. Die für ein Konzept vor allem argumentationswichtigen Stellen sind kursiv geschrieben:

"Als Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel am 8. Mai 1945 in Karlshorst die Kapitulation Deutschlands unterzeichnete, schwiegen in der Fercher Heide und in den Wäldern um Beelitz und Fichtenwalde erst seit einigen Tagen die Waffen. Noch bis zum 1. Mai hatten hier erbitterte Kämpfe getobt. Regisseur Oliver Hirschbiegel hat in "Der Untergang" die Hoffnungen Hitlers dokumentiert, daß von Ferch aus der Belagerungsring um Berlin noch durchbrochen werden könnte. Ein Funkspruch über die Niederlage der Armee Wenck soll Hitlers Selbstmord ausgelöst haben. Sein letzter Funkspruch, viereinhalb Stunden vor seinem Tod, galt General Walther Wenck.

Am 27. April war dessen 12. Armee von ihrem Bereitstellungsraum Brück-Belzig in Richtung Schwielowsee vorgedrungen. Dabei erreichte "die letzte deutsche Reserve" Anfangserfolge. Der Wehrmachtsbericht vom 27. April feierte sie als von Westen "schwungvoll angreifende junge Divisionen", die den Raum von Beelitz erreichten und dort "in schweren Waldkämpfen mit den Sowjets" standen. Tags darauf warfen sie "den Feind in erbittertem Ringen auf breiter Front zurück und haben Ferch erreicht".

Die zahlenmäßig und waffentechnisch weit überlegene sowjetische 4. Gardepanzerarmee unter Generaloberst Leljuschenko bot alles auf, um den in Richtung Caputh und Michendorf fortgesetzten deutschen Angriff zu stoppen. Das gelang unter schweren Verlusten an der Autobahnstrecke nach Berlin, und so mußte Generalfeldmarschall Keitel Hitler in einem Funkspruch melden, dass "die Spitze Wenck südlich des Schwielowsees" festliege und "den Angriff auf Berlin nicht fortsetzen" könne.

Die Armee hielt bis 1. Mai ihre Stellungen in den märkischen Wäldern. In Beelitz fing sie Reste der aus dem Kessel von Halbe ausgebrochenen 9. Armee auf, die nach Beschuß von Zauchwitz und grauenhaften Nahkämpfen auf dem Beelitzer Friedhof die Sowjettruppen nach Wittbrietzen zurückgedrängt hatte, um zu Wenck zu gelangen. Auch nach der Eroberung durch die Rote Armee aus Potsdam flüchtende Einheiten stießen zu General Wenck.

Mit ihm setzte man sich an die Elbe ab, um sich dorthin vorgedrungenen westalliierten Truppen zu ergeben. Viele der Wenck-Divisionen waren aus 16- oder 17-Jährigen zusammengewürfelt. Es heißt, daß der junge General sich gegen die letzten Befehle aus dem Führerbunker entschied, die Jugendlichen nicht sinnlos zu opfern.

Am Schluß war es Wencks Truppen noch gelungen, durch ihre Infanteriedivision "Scharnhorst" aus Lazaretten in den Beelitz-Heilstätten etwa 3000 Verwundete und das Personal zu evakuieren. Angesichts der brutalen Übergriffe der Sieger, die auch aus deutschen Kriegsgreueln in der Sowjetunion und der russischen Haßprogaganda resultierten, rettete diese Aktion vielen Menschen das Leben. Die Kampfhandlungen spielten sich weitgehend außerhalb der Ortschaften ab, sodaß Belzig, Werder und die meisten anderen Städte und Dörfer im heutigen Landkreis Potsdam-Mittelmark vergleichsweise geringe Schäden erlitten. In den Wäldern ließen sie dagegen Tausende gefallener Soldaten zurück, die in vielen Fällen als bis heute "unbekannte Tote" notdürftig verscharrt wurden. 60 Jahre nach Kriegsende sind noch immer viele Schicksale ungeklärt. Dazu trug auch die Tatsache bei, daß das SED-Regime die sowjetischen Sieger als Befreier vom Faschismus ehrte, aber den deutschen Kriegstoten den Respekt verweigerte. Es bedurfte der Privatinitiative des Müncheners Ernst Rose, dessen 18-jähriger Bruder 1945 bei Neuseddin gefallen war, um dort 1994 ein Grabkreuz für die 80000 in den Wäldern gefallenen deutschen und russischen Soldaten aufzurichten. Die Inschrift vermerkt auch, daß es sich bei diesen Kämpfen um die "letzte Schlacht" des Zweiten Weltkrieges handelte. Die mörderischen Auseinandersetzungen in den Wäldern südlich Potsdams waren am Kriegsende von historischer Bedeutung. Doch im Unterschied zur Schlacht um die Seelower Höhen, zur Kesselschlacht von Halbe und zur Eroberung Berlins und auch Potsdams ist ihre Dokumentation und Darstellung bisher lückenhaft. Detaillierte Angaben sind vor allem dem Neuseddiner Heimathistoriker Hans Rinza zu verdanken, der als junger Volkssturmmann Zeitzeuge der Ereignisse war und seine Erlebnisse durch Archivstudien objektiviert hat. Wünschenswert wäre, wenn das Militärgeschichtliche Forschungsamt oder der (deutschlandweit einzige) Lehrstuhl für Militärgeschichte an der Universität Potsdam an diese Vorarbeiten anknüpfen würde."

Was die im Bericht Hohensteins wiedergebenen Schätzungen der Zahlen Gefallener und Verwundeter betrifft, so sind sie möglicherweise klarzustellen, was den Raum und die Zeit betrifft, auf die sie sich beziehen. Alle Schätzungen müssen darüberhinaus von den bei der damaligen Auflösung deutscher Militär- und Verwaltungsstrukturen bestehenden Schwierigkeiten berührt sein, einen genauen Überblick zu gewinnen. Die Schätzung '80.000' Gefallener, die wohl auf die Stifter-Familie Rose zurückgeht, bezieht sich möglicherweise auf die Gesamtheit der nach der Schlacht von Halbe - bei den sich westwärts bis zur Elbe fortbewegenden Gefechten - Gefallenen sowohl der deutschen als auch der sowjetrussischen Seite, vielleicht aber auch auf die gesamten Verluste zwischen Oder und Elbe. Im ersten Falle wären sie zu hoch, im zweiten Falle zu niedrig.

Die Abwägung vorhandener Schätzungen mit- und gegeneinander und Schlußfolgerungen läßt viele Fragen offen.

So hat etwa die sowjetische Seite nach dem Kriege ihre Gesamtverluste für die April-Offensive 1945 mit 304.887 Toten, Vermißten und Verwundeten angegeben. (Tony Le Tissier, Der Kampf um Berlin 1945, Frankfurt M. 1994, S. 295 f. mit Fußnoten). Die Gesamtzahl (jeweils zusammengezählt) der Toten an allen sowjetischen Frontabschnitten wurde dabei mit ca. 70.000, die der Verwundeten mit ca. 376.000, die der Vermißten (also letztlich überwiegend auch Toten) mit ca. 16.000 angegeben. Le Tissier hält diese Angaben angesichts der bei Seelow als registriert angegebenen 33.000 und der in Berlin begrabenen 20.000 für zu gering; die Zahl der in den Gefechtsräumen westlich Seelow, aber einschließlich des Raumes Halbe bis hin zur Elbe Gefallenen könnte dann ja 'nur' 17.000 (unter Einbeziehung der 'Vermißten' 33.000) betragen haben. Le Tissier kritisiert dezidiert die sowjetischen Verlustangaben für Seelow (33.000); die Verluste seien vermutlich doppelt so hoch gewesen (S. 99); dem entsprechen die Angaben anderer Autoren (siehe etwa: http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_um_die_Seelower_Höhen), welche die Verlustzahlen der angreifenden sowjetischen Seite in der Schlacht an den Seelower Höhen mit 60.000, die der deutschen Verteidigung mit 12.000 berechnen. Le Tissier kritisiert ferner sowjetische Angaben - des Befehlshabers Konjew - über deutsche Kampfkrafteinbußen in der Ausbruchsschlacht bei Halbe und danach des Inhalts, daß von 200.000 aus dem Kessel von Halbe ausgebrochenen deutschen Soldaten nur 30.000 Beelitz erreicht hätten; von diesen wiederum hätten sich nur 3.000 bis 4.000 mit der 12. Armee vereinigen können (S. 266). Hätten allerdings Konjews Angaben zugetroffen, so müßte man von der Ausbruchsschlacht bei Halbe an bis zur Vereinigung der 9. Armee mit der 12. Armee bei Beelitz - selbst bei Abzug einer - nicht erwiesenen, sondern unwahrscheinlichen - großen Zahl deutscher Kriegsgefangener oder Deserteure - von einer nicht geringen Zahl deutscher Gefallener, Verwundeter und Vermißter und dann auch von einer vergleichbar großen Zahl auf sowjetischer Seite ausgehen; sie dürfte bei jeweils mehreren Zehntausend gelegen haben. Von anderen Autoren als Le Tissier (siehe etwa: http://de.wikipedia.org/wiki/Kessel_von_Halbe) werden - mit dieser Annahme übereinstimmend - allein für den Gefechtsraum der Ausbruchsschlacht bei Halbe 30.000 Gefallene auf deutscher Seite und 20.000 auf sowjetischer Seite berechnet. Später müssen bis zum Ende an der Elbe aber noch weitere größere Verluste auf beiden Seiten hinzugekommen sein; denn beide Seiten bekämpften sich - bei Ferch wie an vielen anderen Orten - immer wieder heftig - Die zivilen Toten und Verwundeten bei den bis zum Ende an der Elbe immer wieder heftigen und oft völkerrechtlich rücksichtslos geführten Gefechten sind in diesen Zahlen noch gar nicht berücksichtigt. Zusammenfassend: die Gesamtzahl der Toten - von Halbe (einschließlich) an bis zu Elbe - muß jeweils mehrere Zehntausend betragen haben, ohne daß man über die genaue Höhe Sicheres zu sagen vermag.

Es stellt sich in diesem Zusammenhang auch die Frage, in welchem Maße man aus den feststellbaren Grablegungen zwischen Oder und Elbe Schlußfolgerungen auf die Verluste beider Seiten ziehen kann. Zu klären wäre dabei zunächst, wie und wo die bei Seelow, Halbe und westlich davon Gefallenen und sonst Gestorbenen beider Seiten, deren militärgeschichtlich plausibel angenommene Gesamtzahlen erheblich über denen der heute nachweislichen, persönlich identifizierbaren Kriegsgrabstellen zwischen Oder und Elbe liegen, vorläufig bestattet wurden. Für spätere Zeiten ist zu klären, wo und wie eine endgültige Bestattung der Kriegstoten - etwa auf Veranlassung der Behörden oder der Verwandten der Gefallenen und Kriegsopfer - stattfand. Fraglich ist ferner, wie genau die Bestattung oder Einäscherung nicht identifizierbarer (erkennungsmarkenloser, unkenntlich verwester oder zerfetzter) Körper stattfand. Offen bleibt auch die Frage, in welchem Maße, insbesondere auf deutscher Seite, eine amtliche Registrierung der Toten möglich bzw. nicht möglich war. So sagt Le Tissier für den engeren Berliner Raum (S. 296): "Es ist nicht möglich, exakte Zahlen der deutschen Verluste zu geben, da auch die Stadtverwaltung ... in dieser Zeit zusammenbrach." Auch andere Günde für eine Erschwerung der Verlustschätzung gibt es; so etwa eine in der Gegend um Halbe geübte Praxis der sowjetischen Militärverwaltung in den Wochen nach der Kapitulation, nach längerer Zeit in größeren Mengen geborgene Tote der deutschen Seite schnell und ohne ihre Hälfte der Erkennungsmarken beisetzen zu lassen. Was Angaben der sowjetischen Seite über ihre Verluste betrifft, so deuten die erwähnten Widersprüche in den Angaben darauf hin, daß die sowjetischen Militärbehörden aus damaligen außen- und innenpolitischen Gründen bemüht gewesen sein mögen, ihre sehr hohen Verluste für die Sowjetunion nicht hervortreten zu lassen. Zusammenfassend: Aus den Grablegungen auf deutschem Gebiet kann eine angemessen abgesicherte Schätzung der Gesamtzahl der deutschen und der sowjetischen Verluste bei den Kriegsendkämpfen zwischen Oder und Elbe nur gemacht werden, was ihre Untergrenze betrifft.


2. Karten- und Text-Kopien zur Veranschaulichung des militärischen Geschehens in der Region zwischen Oder und Elbe im April und Mai 1945.

Die folgende Zusammenstellung enthält nur einige Karten und Photos zur Veranschaulichung des damaligen Geschehens. Dieses Material - wie die ganze WWW-Seite - wird künftighin, soweit nötig, vermehrt und verbessert werden.

Alle folgenden Karten- und Textkopien dienen einer ausschließlich nichtkommerziellen und unbezahlten, wissenschaftlichen Grundsätzen verpflichteten Publikation für Zwecke historisch-politischer Allgemeinbildung.

Textkopien:

Nr.1: Ein Exemplar des '"Kampfblattes für die Verteidiger Gross-Berlins, Der Panzerbär" vom 29. April 1945. Herausgeber Dienststelle Fp.-Nr. 67. 700 (Neudruck 2002).

Nr.2 Zur Beerdigung Gefallener der sowjetrussischen Seite bei Potsdam: Liste und Karten-Skizze vom Anfang Mai 1945, entnommen und mitgeteilt von Werner Lamprecht aus: http://www.obd-memorial.ru/ .

Kartenkopien 1:

Karte 1 : Zur Entwicklung des Kriegsgeschehens 1942 - 1945. Aus: Putzger. Atlas und Chronik zur Weltgeschichte, Große Ausgabe, Cornelsen-Verlag unter Mitwirkung von Prof. Dr. Ernst Bruckmüller, Prof. Dr. Peter Claus Hartmann und dem Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz, zahlreicher Kartenautoren und wissenschaftlicher Mitarbeiter und weiterer Fachleute, Redaktion: Karl Kasper und Götz Schwarzrock, Berlin 20021, S. 235.

Kartenkopie 1a: Übersicht über den Gesamtverlauf der April-Offensive 1945 der sowjetischen Armee. Bildquelle: Hans-Albert Hoffmann, Siegried Stoof, Sowjetische Truppen in Deutschland. Ihr Hauptquartier in Wünsdorf 1995 - 1994. Geschichte, Fakten, Hintergründe, Im Selbstverlag 2008, S. 9.

Kartenkopie 1b: Der 'Kessel von Halbe'. Bildquelle: Richard Lakowski, Karl Stich, Der Kessel von Halbe 1945. Das letzte Drama, Verlag Mittler und Sohn, Hamburg, Berlin, Bonn 2009, Innenseite vorderer Buchdeckel

Kartenkopie 1c: Die Rückzugsgefechte der 9. Armee bis zur Vereinigung mit der 12. Armee. Bildquelle: Richard Lakowski, Karl Stich, Der Kessel von Halbe 1945. Das letzte Drama, Verlag Mittler und Sohn, Hamburg, Berlin, Bonn 2009, Innenseite hinterer Buchdeckel.

Kartenkopien 2 bis 4:

2: Karte zur Einschließung Berlins durch die sowjetischen Truppen im April/Mai 1945.

3: Karte zum Rückzug der 9. Armee von der Oder in die Region um Ferch Ende April 1945.

4: Karte zu der bei Ferch zum Stehen kommende Entsatzbewegung der 12. Armee (Wenck) und ihrem Abzug zur Elbe. Dazu gehört auch die Deckung von Flüchtlingstrecks, die Aufnahme des Lazaretts Beelitz und der Potsdamer Garnison. Die Absetzbewegung nach Westen führte, wie die Karte erkennen läßt, zur Kapitulation an der Elbe. Die Absetzbewegungen weiterer Militär-Körper in Mitteldeutschland zur Elbe, teilweise unter Vereinigung mit der Armee Wenck, sind auf der Karte ebenfalls markiert.

Alle Karten aus: Tony Le Tissier, Der Kampf um Berlin 1945. Von den Seelower Höhen zur Reichskanzlei. Aktualisierte und erweiterte Taschenbuchausgabe, Ullstein-Verlag, Berlin, Frankfurt M. 1994, drei Karten aus dem Kartenteil zwischen S. 325 und 353. Dieses Buch ist für den größeren Rahmen des damaligen Geschehens besonders informativ; es behandelt eine Vielzahl von Fragen der letzten Wochen des Kriegsgeschehens, auf die ein 'Projekt Ferch' - von Dokumentationen und Erinnerungstätten an anderen Orten in Berlin und Brandenburg abgesehen - auch deswegen nicht eingehen kann, weil dafür nur begrenzte Arbeitskapazität zur Verfügung steht.

Kartenkopie 5:

Karte zum militärischen Geschehen bei Ferch Ende April/Anfang Mai 1945. Handbearbeiteter WWW-Seiten-Beitrag: WWW-Adresse und Autor leider noch nicht bekannt. Der einkopierte Kommentar läßt erkennen, daß die Karte zu einem Bericht über den Rückzug der 9. Armee von der Oder, der 'Kesselschlacht bei Halbe / Märkisch-Buchholz' und der Vereinigung ihrer Reste mit der sog. 'Armee Wenck' Ende April 1945 stammt. Sie ist ein Ausschnitt aus einer größeren Vorlage. Der Zug der vermutlich 10000en Flüchtlinge und die Räumung des überfüllten damaligen Lazaretts in Beelitz sowie die Schwierigkeiten, die sich für die Angehörigen der Potsdamer Garnison bei der Überquerung der Havel ergaben, kann die Karte nicht zeigen.

Kartenkopie 6:

Heutige Karten-Übersicht über den damaligen Raum der Gefechte bei Ferch und in seiner Nachbarschaft. Ausschnitt aus: Die Generalkarte (4), Extra, Berlin - Magdedburg - Prignitz -Uckermark, 1 : 200000, Mairs Geographischer Verlag / Falk-Verlag, 73751 Ostfildern 2008.

Kartenkopien 7 - 14

Ausschnitte aus einer Karte des Stabes der sowjetischen 1. ukrainischen Front, mitgeteilt von Manfred Lamprecht, Potsdam, betreffend Gefechtslagen an verschiedenen Orten südlich von Berlin zwischen dem 29. April und dem 1. Mai 1945. Quelle: Zentralarchiv des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation (ZA MO), Fonds 236, Verzeichnis 2673, Akte 3000 (über: http://www.obd-memorial.ru/ ).

7 Gefechtslage im Raum Baruth 29. 4. - 1. 5. 1945

8 Gefechtslage im Raum Beelitz 29. 4. - 1. 5. 1945

9 Gefechtslage im Raum Berlin-Wannsee 29. 4. - 1. 5. 1945

10 Gefechtslage im Raum Straach 29. 4. - 1. 5. 1945

11 Gefechtslage im Raum Ferch 29. 4. - 1. 5. 1945

12 Gefechtslage im Raum Luckenwalde 29. 4. - 1. 5. 1945

13 Gefechtslage im Raum Treuenbrietzen 29. 4. - 1. 5. 1945

14 Gefechtslage im Raum Wittenberg 29. 4. - 1. 5. 1945

Kartenkopien 15 - 20

Schematische Darstellungen verschiedener Gefechtslagen der 4 sowjetischen Garde-Panzer-Armee am Ende des Kriegs 1945 aus dem Zentralarchiv des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation Mitgeteilt von Manfred Lamprecht, Potsdam, aufgrund seiner Internet-Recherchen (http://www.obd-memorial.ru/ ).

15 Erläuterungen Manfred Lamprecht

16 Überschrift Karte

17 Gefechtslage im Südwesten Berlins

18 Gefechtslage bei Ferch

19 Gefechtslage bei Beelitz und Treuenbrietzen

20 Gefechtslage bei Luckenwalde

Kartenkopien aus dem Werk eines unbekannten Autors mit dem Titel 'Beelitz 1945', ohne Orts- und Datumsangabe, S. 8f., 28, 34, 48.

21 Alliierte Operationen in Deutschland 1945

22 Lage Heergruppe Weichsel 25. 4. 1945 mit unterstellter 12. Armee (Wenck)

23 Lage Ost- und Westfront am 30. 4. 1945 (Hitlers Selbstmord in Berlin)

24 Lagekarte Reich (OKW) 6. 5. 1945 nordwestlicher Teil (nach Kapitulation vor Montgomery)


3. Photos.

Einige Photos sollen die örtlichen Verhältnisse veranschaulichen. Die meisten Photos stammen vom Autor.

Die Bilder in der Titelleiste zeigen a) einen heutigen Ausblick auf den sommerlichen, friedlichen Schwielow-See, der die Geschichte der Menschheit seit der letzten Einzeit begleitet hat, vom Dorf Ferch aus gesehen, b) das 1994 aufgestellte Kreuz zur Erinnerung an die in den letzten Kriegswochen zwischen Oder und Elbe, speziell auch in den Wäldern nahe Ferch Gefallenen aller Seiten, c) einen Statuen-Entwurfs von Maren Simon (2010) zur Erinnerung an die tragische Lage der Zivilbevölkerung, aber auch der letztlich unnötig kämpfenden und verwundeten Militärs beider Seiten noch in den letzten Tagen des Krieges.

Im Dorfkern von Ferch steht wie in vielen anderen Orten der Region ein Denkmal, das an die Kriegstoten erinnert. In seiner prägnanten, wenn auch verständlicherweise sehr knappen Formulierung ("Den Toten zum Gedenken, den Lebenden zur Mahnung"), sagt es - für sich genommen - in früher zeittypischer Weise im Rahmen politisch zugelassener Ehrlichkeit Zutreffendes. Es regt daher zur Konkretisierung der historischen Erinnerung an, auch heute noch oder schon wieder. Denn 'die Zeit der Kriege' ist offenkundig nicht vorbei, und ebenfalls nicht die Frage, wer damit für sie verantwortlich ist bzw. für sie nicht haftbar gemacht werden kann.

Das Kreuz im Walde zwischen Ferch und Neuseddin ist etwa 5 m hoch und trägt die Aufschrift "In diesen Wäldern verbluteten im April 1945 80000 Gefallene der letzten Schlacht des Krieges 1939 - 1945". Aufgrund der Initiative des Privatmannes Ernst Rose, dessen Bruder noch am 30. April 1945 bei Ferch fiel und in einem gemeinsamen Grab in der Nähe - zusammen mit zwei Kameraden - begraben ist, ist es 1994 an die Stelle eines an dieser Stelle ursprünglich stehenden kleinen Kreuzes zur Erinnerung an die damals Gefallenen getreten, wie es sie nach Kriegsende häufiger außerhalb von Friedhöfen gab. Die offenbar vom Stifter geschätzte Zahl wird sich auf beide kämpfenden Seiten oder einen größeren Raum zwischen Oder und Elbe beziehen; das war bisher nicht aufzuklären. Geht man von den offenbar besser belegten Verlustzahlen für beide Seiten in den Kesselschlachten an den Seelower Höhen und bei Halbe aus, so ist schätzungsweise von zusammen mehreren 10000 Toten im südlicheren Brandenburg zwischen Elbe und Oder auszugehen.

Noch heute werden in den großen umgebenden, etwa 20 km2 großen Waldarealen, wie man in der Oberförsterei Ferch erfahren kann, immer wieder einmal Skelette und Munition oder Reste nicht explodierter Fliegerbomben aus dem Waldboden geborgen. Auch Deckungslöcher und -gräben aus damaliger Zeit sollen dort noch vorhanden sein. Zur Zeit der sowjetischen Präsenz wurde ein Teil der Waldgebiete als Truppenübungsgelände verwendet, worauf eine in der Nähe des Gedenkkreuzes verlaufende 'Panzer-Straße' hinweist, die, nach Norden hin anschlußlos, zwischen dem Autobahndreiweg 'Nuthetal' und den Beelitzer Heilstätten verläuft, die Bahnlinie Schwielow-Beelitz auf einer Brücke überquert und teilweise für den Verkehr gesperrt ist. Es handelt sich um die alte, wohl noch in den 1990er Jahren durchgängige 'Waldstraße' zwischen den Orten Ferch und Beelitz bzw. Neuseddin, die später aber im Bereich der Autobahn getrennt wurde.

Dieses Kreuz - eines unter mehreren in dieser Gegend errichteten kleinen und größeren -, befindet sich ca. 1,5 km westlich der Autobahnauffahrt Ferch, unmittelbar nordwestlich der Eisenbahnlinie und südlich der Autobahn. - Im allgemeinen wird ein nur zu Fuß begehbarer, weil nur für den Forstverkehr zugelassener Waldweg von der Autobahnausfahrt (Südseite) aus dorthin führen. Der Hin- und Rückweg nimmt für Fußgänger 2 x 20 Minuten in Anspruch. Man muß, wenn man das will und kann, gut einen Kilometer nach Westen gehen und dann hinter einem verwunschenen Löschteich, wo sogar ein kleines, wenn auch leicht übersehbares Hinweisschild ("Denkmal 300 m") nach rechts weist, nach Nordwesten abbiegen und erreicht nach wenigen Minuten das Gleis der Eisenbahn, das man an einer als Übergang erkennbaren und markierten Stelle - vorsichtig nach beiden Seiten absichernd - überschreiten kann. - Ein anderer Weg zum Standplatz des Kreuzes geht von dem letzten westlich vor der Abfahrt Ferch auf der Südseite der Autobahn gelegenen Autobahnrastplatz aus. Man muß dafür - vorsichtig - an der Einfahrt zum Rastplatz die Abgrenzung umgehen und sich eine kurze Strecke dahinter im Wald den dort nach Südwesten führenden Waldweg suchen, diesen ein paar hundert Meter bis zu einer Waldwegkreuzung weitergehen, an der sich (gegenwärtig und offenbar schon seit längerer Zeit) ein Wohnwagenanhänger und eine kleiner hölzerner Unterstand sowie allerlei Waldarbeitsmaterial finden, und dann von dieser Kreuzung aus nach links in den Waldweg nach Südosten abbiegen. Nach wieder einigen hundert Metern gelangt man zum Erinnerungskreuz. Zeit für den Weg hin und zurück: 2 x 15 Minuten. - Mit anderen Worten: beide Fußwege sind schwierig und zeitraubend, für behinderte und alte Menschen sogar so gut wie unbegehbar. Ein Besuch des Kreuzes mit dem PKW sollte daher künftig ausnahmsweise gestattet werden.

Ferner sollte in den Orten Ferch, Neudseddin, Caputh, Petzow und anderen in der Nähe gelegenen Ortschaften auf Dauer besser bekannt gemacht werden, wo das Erinnerungskreuz steht, auch damit auswärtige Besucher, die am Orte danach fragen, nicht so häufig wie gegenwärtig auf Nichtwissen stoßen.


4. Zum weiteren Ausbau dieser WWW-Seite.

Im folgenden finden sich einige mir zugänglich gemachte Informationen, Darlegungen und Dokumente in einer Auswahl präsentiert, die exemplarisch zur folgenden Liste von Themen-Aspekten einer angestrebten Erinnerungsstätte für die 'Region Ferch' beitragen soll:

1) Zeugenaussagen und Informationen zu den Kampfhandlungen in der Region Ferch von deutscher Seite.

2) Zeugenaussagen und Informationen zu den Kampfhandlungen in der Region Ferch von alliierter, speziell von damals sowjetischer Seite.

3) Zeugenaussagen und Informationen über die Erlebnisse der Zivilbevölkerung in der Region Ferch und ihrer Nachbarschaft (Potsdam, Ludwigsfelde, Beelitz, Seddin / Neuseddin, Lehnin, Ketzin) am Kriegsende.

4) Zeugenaussagen und Informationen über die Erlebnisse der Flüchtlinge in den damaligen Trecks an und auf der Autobahn.

5) Aussagen benachbarter Gedenkstätten und historischer Museen zum Kriegsende bei Ferch.

6) Zur Pflege der Kriegsgräber und Erinnerungskreuze in der Region Ferch.

7) Gesamteinschätzungen des Kriegsendes 1945 und aus ihm ableitbare Konsequenzen künftigen politischen Handelns.

Diese Sammlung wird weiter ausgearbeitet werden durch historische Darstellungen, Erlebnisberichte, Briefe, amtliche Schreiben, Kirchenaktenauszüge, Beiträge vonseiten der Brandenburgischen Gedenkstätten und Museen, kurz gesagt durch alles, was sich künftig an geschichtlichem Anschauungsmaterial noch finden wird. Das ist auf dieser WWW-Seite allerdings nur in exemplarischer Weise möglich. Die Zusammenführung alles Materials läge vor allem in einer neu zu errichtenden zentralen brandenburgischen Erinnerungsstätte nahe.

Bedauerlicherweise fehlen bisher noch die für das Konzept wesentlichen Zeugenaussagen und Informationen zu den Kampfhandlungen, den Verwundeten und Toten auf damals sowjetischer Seite.

Zeugenaussagen und Informationen über die deutschen Verwundeten und die Erlebnisse der Zivilbevölkerung in der Region Ferch und ihrer Nachbarschaft (Potsdam, Ludwigsfelde, Beelitz, Seddin / Neuseddin, Lehnin, Ketzin) sind zwar schon eingegangen, aber bisher noch nicht in der wünschenswerten und künftig zu erwartenden vielfältigen Art.

Auch eine kleine Zusammenstellung geeigneter Literatur ist hier im Entstehen begriffen.


5. Zum Charakter einer zentralen Dokumentations- und Erinnerungsstätte im südlicheren Brandenburg.

Der Aufbau einer zentralen Dokumentationsstelle wird hier lediglich mit Argumenten vorgeschlagen - bzw. unterstützt, soweit sie anderwärts ebenfalls für sinnvoll gehalten wird. Sie ist noch nirgendwo im inhaltlichen Detail entworfen oder beschlossen worden. Doch beabsichtigt der 'Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VbDK)', in Halbe eine den damaligen Kriegsendkämpfen gewidmete Erinnerungs- und Dokumentationsstätte zu gründen.

Für ein solches Projekt ist eine wohl durchdachte, möglichst auch wissenschaftlich abgesicherte Entwicklung und Fortentwicklung sinnvoll und nötig. Dem dient das an dieser Stelle ständig ausgebaute und zu verbessernde Konzept. Soweit es hier formuliert ist, wird es allein vom Autor verantwortet - als ein die Landesgrenze zwischen Berlin, dem Arbeitsort des Autors, und Brandenburg, dem Wirkungskreis des 'Arbeitskreises Projekt Ferch', überschreitendes Vorhaben.

Für ein solches Projekt gegenwärtig noch genauer zu klärende Fragen sind, soweit ersichtlich:

  • was eine 'zentrale Dokumentations- und Erinnerungsstätte für das südlicher Brandenburg' konkret zeigen soll,
  • wer die mit ihr verbundene Arbeit an den Erinnerungen betreuen soll,
  • wer hin und wieder etwas Geld für ihre Ausstattung geben kann,
  • in welchem Verhältnis sie zu bestehenden Einrichtungen örtlicher Erinnerungspflege stehen soll.
Es bedarf dafür auch einer fortgesetzten öffentlichen Diskussion, wie sie sich in verschiedenartigen Presse-Reaktionen und öffentlichen Diskussionsveranstaltungen der letzten Monate gezeigt hat.

6. Sammlung einiger persönlicher Dokumente zum Kriegsende in der Region um Ferch.

Wer immer unter den Lesern dieses WWW-Skripts anschauliche Schriftstücke, Abbildungen oder andere Materialien besitzt oder beschaffen kann, die in die unten aufgeführten Gruppen passen, wird gebeten, sie mir kopiert oder photographiert an die am Schluß dieser WWW-Seite angegebene Adresse zur Verfügung zu stellen oder mich darüber zu informieren.

1. Zeugenaussagen und Informationen zu den Kampfhandlungen in der Region Ferch und zur Gefangenschaft von deutscher Seite.

Dokument1.1: Zeitzeugen erzählen aus Michendorfs Geschichte, ausgewählt von Ortschronist Hans-Joachim Strich. Der Autobahn-Abschnitt Michendorf bei Kriegsende im April/Mai 1945 im Raum Beelitz-Neuseddin, Teil 1 und 2, Märkischer Bogen Juni und Juli 2005.

Dokument1.2: Soldbuch und Tagebuch mit elterlichen Wünschen und letzten Eintragungen des am 30. April 1945 bei Ferch gefallenen Wilhelm Rose.

Dokument1.3: Bericht Wolfgang Brenner über seine Erlebnisse am Kriegsende.

Dokument1.4: Bericht Hanswerner Cimbal über seine Erlebnisse am Kriegsende.

Dokument 1.5: Bericht Ralf Böhme über seine Erlebnisse am Kriegsende.

Dokument 1.6: Bericht Heinz-Kurt Gennrich über seine Erlebnisse am Kriegsende (Auszug aus einem 2005 verfaßten längeren Rückblick auf die Lebensjahre zwischen 1945 und 1965 - Seite 9 - 17). Photo H. K. Genrich 1947.

Dokument 1.7: Zur Aufklärung des Todes des Werner Gennrich bei den Kämpfen an der Bahnlinie südlich Ferch Ende April 1945.

Dokument 1. 8: Erlebnisse des Rudolf Gollup als Luftwaffenhelfer und Soldat in den letzten Kriegsmonaten.

2. Zeugenaussagen und Informationen zu den Kampfhandlungen in der Region Ferch von russischer (damals sowjetischer) und englischer Seite.

Dokument 2.1: Dokumentation des Luftangriffs auf den Rangierbahnhof Seddin am 20. April 1945 durch die USA Air Force (Bernie Baines Collection, Strike Photos).

3. Zeugenaussagen und Informationen über die Erlebnisse der Zivilbevölkerung in der Region Ferch und ihrer Nachbarschaft (Potsdam, Ludwigsfelde, Beelitz, Seddin / Neuseddin, Lehnin, Ketzin) am Kriegsende

Dokument 3.1: Bericht einer (ungenannten) Augenzeugin über den Luftangriff auf den Rangierbahnhof Seddin am 20. April 1945, zitiert auf einer Erinnerungsveranstaltung in Neudeddin am 20. April 2005.

4. Zeugenaussagen und Informationen über die Erlebnisse der Flüchtlinge in den damaligen Trecks an und auf der Autobahn.

Dokument 4.1: Erinnerung der damals fünfjährigen Zeitzeugin Rose Englisch an die Flucht vor den sowjetischen Truppen im April/Mai 1945.

5. Aussagen Verwundeter über ihre Erlebnisse am Kriegsende

Dokument 5.1: Gedächtnisprotokoll des Ferchers Wilfried Merten über seine Erlebnisse am Kriegsende. Dazu auch: http://www.dw-world.de/dw/article/0,,5480483,00.html .

6. Zur Pflege der Kriegsgräber, Mahnmale und Erinnerungskreuze in der Region Ferch.

Dokument 6.1: Gepflegte und vergessene Kriegsgräber. Aus einer Zuschrift an den Hg. vom 1. Sept. 2009.
Dokument 6.2: Photo von einer Feier im Jahre 2005 zur Erinnerung an den Bombenangriff auf den Rangierbahnhof Seddin am 21. 4. 1945 (siehe dazu Dok. 3.1).
Dokument 6.3: Zur Bedeutung des Kreuzes von Neuseddin. Leserzuschrift Fritz Kleewitz vom 24. Okt. 1994.

7. Zum Kriegsende 1945.

Dokument 7.1: Funkspruch Keitel vom 30. 4. 1945 an Hitler, wenige Stunden vor dessen Tod (Kopie aus: Günther W. Gellermann, Die Armee Wenck - Hitlers letzte Hoffnung, Bernhard & Graefe Verlag, Koblenz 1990 2, S. 182 f.).

8. Zur Aufklärung bzw. zur Unaufklärbarkeit des Schicksals Kriegsgefangener und verschleppter Zivilpersonen unmittelbar nach dem Kriege.

Dokument 8. 1: Zu Zwangsarbeit und Verschleppung nach dem Kriege. Zuschrift Frau Annemarie Lüdicke vom 4. Febr. 2011.

9.Wehrmachtsdienst im Kriege.

Dokument 9.1: Erinnerungen des Soldaten der Wehrmacht Franz Krebs.

10. Kriegserinnerungen auf sowjetischer Seite (in der Ukraine).

Dokument 10.1: Die russischsprachigen gedruckten Erinnerungen von Oleg Klimenko und Sergej Tkatschow, Tarnopol / Ukraine, Ukrainer im Polizeidienst des deutschen Besatzungsregimes in Kremenez (1941 - 1944), Charkow, Ranok-HT-Verlag 2012, 272 S., Photodruck, ISBN 978-966-315-149-6, zugänglich auch über das Bumdesarchiv .unter BA-MA, RW 2/v. 151, 22.9.1941.ÒAbteilung Wehrmacht-Propaganda. RW 4/v. 329 Sowjetrussland (Sammlung von Unterlagen), Juli - Dezember 1941Ó,

Kurzzusammenfassung in englischer Sprache: The documents analysis shows that the Nazi regime at first didnÕt plan a considerable military and political cooperation with the Ukrainians, and was in general against the idea that the conquered nations could arm. However, the collapse of the Blitzkrieg strategy and the exhaustion of the mobilization reserves of the Reich made the lower commandment of Wehrmacht renew the number of their representatives as soon as possible with the local people, including Ukrainian soldiers and support staff. Thus, the foundation of the local police apparatus in Reichscommissariat ÒUkraineÓ was a forced action of Nazis. As the result, the completing of ÒShumaÓ military units in Kremenets region was done with random people under direct or indirect pressure. Their troops with admission to the German army and police solved personal problems - survival, material well-being, struggle against bolshevism, and had no far-reaching political goals or other grounds for a closer connection of an own future with national socialism. That is why, the Ukrainian formation never became a reliable means of realization of the occupational policy and a support for Nazism in Ukraine.

11. Das Kiegsende an einer brandenburgischen Feldsteinkirche.

Dokument 11.1: Erinnerungen des späteren Vorsitzenden der Stiftung 'Denkmalschutz' Friedrich Ludwig Müller an einen seiner letzten Kriegstage in einer Brandenburger Feldsteinkirche.

12. Der Tod der Hedwig Violet bei Gelegenheit der Besetzung Lehnins im April 1945 nach dem Bericht der Zeugin Vera Noetzel aus dem Jahre1946.

Dokument 12.1: Abschrift des Berichts.

Dokument 12.2: Die handgeschriebenen Seiten 1 - 2 - 3 - 4 des Berichts in Kopie.

13. Dokument 13: Drei Seiten:: 1 - 2 - 3 eines Briefs des beim RAD in Mellnitz - einem Dorf/Gut 15 km nördöstlich Wittenberg nahe der Elbe, - eingesetzten 17-jährigen Gerd Frädrich an seine Verwandten, der als RAD-Angehöriger in den letzten Kriegswochen in die Wehrmacht (Armee Wenck) überführt wurde und unter noch ungeklärten Umständen bei den Kämpfen in den Wäldern bei Ferch umkam. Er war der einzige Sohn seiner Eltern.

Photo.


7. Gastautorenabteilung.

Wer zusammenhängende Darstellungen, die das damalige Geschehen betreffen, hier publizieren möchte, kann sich deswegen gern an den Herausgeber wenden. Grundsätzlich werden hier Gastautorenbeiträge unkorrigiert und unkommentiert veröffentlicht. Begründete Gegendarstellungen sind jedoch möglich und erwünscht.

c) Günter Käbelmann, Genaue Opferzahlen liegen demnächst vor, Leserbrief in MAZ vom 11. März 2010

d) Erhart Hohenstein, Opferzahlen ungewiß. Neue Untersuchungen zur letzten Weltkriegsschlacht in den Fercher Wäldern.

e) Erhart Hohenstein, Arbeitskreis will Opfer der Schlacht in den Fercher Wäldern durch Skulptur würdigen.

f) Erhart Hohenstein, Chronik in Schräglage. Faktenreicher, aber nicht ideologiefreier Gang durch "Potsdam im Zweiten Weltkrieg".

g) Jürgen Stich, In Elsholz tat sich ein Schlupfloch auf. MAZ 9. Juni 2010.

h) Heinz Hellwig, Die Bilder verblassen nicht. MAZ 2. August 2010.

j) Erhart Hohenstein, Kein Ort für die Trauernde. Totenehrung in Elsholz für die letzte Weltkriegsschlacht wird vor Ort abgelehnt. PNN vom 12. 11. 2010.

k) Erhart Hohenstein, 'Trauernde' weiter auf Suche. Beelitzer Bürgermeister erteilte Skulptur eine Absage. PNN vom 25. 1. 2011.

Christian Gizewski, Leserbrief vom 6. 2. 2011 an die PNN wegen ihres Berichts zu k). Dieser Leserbrief, der auch Herrn Hohenstein zuging, wurde von den PNN aufgrund redaktioneller Abwägung 'wegen fehlender Aktualität' nicht abgedruckt.C. G. 22. 2. 2011.


8. Literatur zum Kriegsende in Berlin und Brandenburg.

An dieser Stelle kann nicht auf die große Zahl von Publikationen zeit-, regional, lokal, militärgeschichtlicher oder biographischer Art eingegangen werden, die für das Kriegende in Berlin und Brandenburg Bedeutung haben. Vielmehr kann es nur darum gehen, einige Hinweise zu geben, mit deren Hilfe Interessenten sich ähnlich weiterorientieren können, wie es der Autor dieser WWW-Seite selbst getan hat. Primär geht es ihm mit diesem WWW-Skript ja nur um einen konzeptionellen Beitrag zur Errichtung eines überregionalen Dokumentationszentrums für den Bereich des südlichen Brandenburg

Die nachfolgende Literaturliste enthält aus diesem Grunde nur überschaubar wenige, dazu eher zufällig ausgewählte Titel, dabei teilweise auch Bücher, die dem Autor empfohlen oder geschenkt wurden. Andere Zugänge zum Thema sind also ebenso oder besser denkbar.


8. Diskussionsbeiträge.

Hier können bei Bedarf angemessen kurz gehaltene und sorgfältig formulierte Diskussionsbeiträge zu einzelnen Themen des 'Projekts Ferch' veröffentlicht werden. Sie werden zuvor vom Autor der WWW-Seite 'AGiW' gegengelesen und, wenn nötig, zurückhaltend redigiert. C. G.


9. Größere Gedenkstätten zum Kriegsende 1945 in Brandenburg.

Im Lande Brandenburg - wie in anderen Bundesländern - gibt es eine Anzahl von kleineren und größeren Gedenkstätten, die sich dem Kriegsende und den Kriegstoten widmen. Die größeren in Brandenburg sind:

a) die Gedenkstätte Seelow (am östlichen Ortsrand unmittelbar hinter der die dortige Nord-Süd-Eisenbahnlinie überquerenden, zur Zeit gesperrten Brücke gelegen), die der Schlacht an den Seelower Höhen gilt,

b) die Gedenkstätte, die der 'Waldfriedhof' in Halbe (großes Gräberfeld mit einem kleinen Informationsstand) als ganzer ist, und

c) indirekt auch in Wünsdorf die beiden dort (15838 Wünsdorf, Schulstrasse 15, Tel. 0161 13 14 49 9) in ehemaligen großen Pferdeställen seit kurzem untergebrachten 'Museen', nämlich das 'Garnisonsmuseum Wündsdorf' zur Geschichte des deutschen Militärs von 1910 - 1945 und das Museeum zur Geschichte der sowjetischen / russischen Truppen in Deutschland 1945 - 1994.

Die Gedenkstätte Seelow ist als Gräberanlage auf einer Anhöhe eingerichtet, die den Blick auf die umliegende Ebene freigibt. Man muß zu ihr 'emporsteigen'. Sie erinnert den gutwilligen, historisch interessierten und einfühlungsbereiten deutschen Betrachter mit ihrem Monument und den im Freien aufgestellten, im 'normalen' damaligen Kriegsalltag eingesetzten größeren Waffen und Instrumenten mit einem - auch heute noch verständlichen - Pathos vor allem an "den ewigen Ruhm der Helden, der Gefallenen in den Kämpfen mit den faschistischen Eindringlingen für Freiheit und Unabhängigkeit der Sowjetunion" (Übersetzung der russischen Inschrift des von Lew Kerbel erstellten Ehrenmals). In dem kleinen Informationspavillon am Fuße der Gräber und des Monumentes ist auch an andere Aspekte des Kriegsgeschehens erinnert. Im Eingangsbereich - neben der Statue einer Klagenden - wird etwa mitgeteilt:

"Im ersten Weltkrieg verloren insgesamt 9 737 000 Menschen ihr Leben, darunter 500 000 Zivilisten. - Im Zweiten Weltkrieg wurden 55 293 500 Menschen getötet, davon 24 475 800 Zivilisten. - In der Schlacht um die Seelower Höhen fielen 33 000 sowjetische, 12 000 deutsche und 5 000 polnische Soldaten."

Die 'Waldfriedhofs-Gedenkstätte' in Halbe ist vom 'Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge' eingerichet worden. Der Friedhof ist ein großes Areal mit Reihen nachträglich bestatteter, häufig nicht mehr identifizierbar gewesener Kriegstoter. In seiner Mitte steht ein kleiner Informationsstand mit der Figur des gekreuzigten, aber erhöhten Christus; in diesem sind auch heute noch Suchanzeigen für - vermutlich - bei Halbe Gefallene ausgehängt. - Unter anderen setzt sich ein 'Förderkreis Gedenkstätte Halbe e. V.' für die Pflege des Andenkens der Toten der Kesselschlacht in und um Halbe im Frühjahr 1945 ein. Aus seiner WWW-Seite (http://www.leuchtstift.de/netz/halbe/Gedenkstaette%20Halbe040112.pdf) sei hier folgendes zitiert:

"Die vielen Toten (schätzungsweise mehr als 60 000 Soldaten und Zivilisten) der Kesselschlacht, wurden in den ersten Maitagen des Jahres 1945 an den 'Fundorten' durch die Zivilbevölkerung unter Aufsicht der Roten Armee begraben. - Erst 1951, sechs Jahre nach der Kesselschlacht, wurde damit begonnen, die im weiten Umkreis von Halbe verstreut liegenden Gräber auf einem Zentralfriedhof zu vereinigen. Diese Aktion ging vor allem auf das hartnäckige und unermüdliche Wirken des Ortsgemeindepfarrers Ernst Teichmann (1906 bis 1983) zurück. Unter tatkräftiger Hilfe der Bevölkerung und gegen den anfänglichen Widerstand örtlicher Behörden schloß er die Registrierung der bisher bekannten Gräber ab.- Der Waldfriedhof ist eine der größten Kriegsgräberstätten Deutschlands. Hier liegen mehr als 28 000 Tote begraben. Fast ausschließlich sind es 'Unbekannte', da die Rote Armee den Toten die Identifizierungsnachweise, wie Erkennungsmarken und Soldbücher abnehmen und vernichten ließ. Nach wie vor finden in Halbe Umbettungen von Gefallenen statt. In Halbe sind weiterhin 4 400 Opfer des stalinistischen Internierungslagers Ketschendorf sowie ausländische Internierte und Zwangsarbeiter bestattet."

Dieses Zitat mag auch, wie oben (P.1) schon angesprochen, verdeutlichen, wie sensibel die Krieggräberpflege heute immer noch ist und was bei der Arbeit an der Überlieferung vielleicht weiterer Aufklärung bedarf.

In Wünsdorf sind - mit Förderung der russischen 'Gazprom'-Erdölförderungs-Gesellschaft - die beiden oben erwähnten zwei 'Museen' errichtet und erst kürzlich eröffnet worden. Das sie verbindende, um die Zäsur 1945 angelegte Konzept ist die Erinnerung an den letzten Weltkrieg. Sie enthalten jedoch darüber weit hinausgehend beide eine Menge anschauliches Material über die ganze Militär- und Kriegsgeschichte des gesamten letzten Jahrhunderts: Pläne, Karten und Photos aller Art (z. B. auch Zielphotos von Bombenangriffen oder Aufklärungsflügen), übliche Waffen- und Munitionsarten, Gegenstände der Waffeneinwirkung (z. B. den zerstörten großen Propeller eines abgeschossenen Lancaster-Bombers). Das Wesen eines 'modernen Weltkrieges' wird so im Konkreten deutlich. Die beiden gesonderten Ausstellungen widmen sich auch dem Lazarettwesen und - ein wenig - dem Schicksal der kriegsbetroffenen Bevölkerungen. Die den sowjetischen / russischen Streikräften gewidmete Ausstellung weist u. a. auf beachtliche Hilfsleistungen der sowjetischen Streitkräfte während ihrer Eroberung des östlicheren Deutschland für die kriegsbetroffene deutsche Bevölkerung hin. Für die Nachkriegszeit ist u. a. die jahrzehntelange Truppenkonzentration beiderseits der innerdeutschen Grenzlinie während des 'Kalten Krieges' behandelt, wie sie in der hier wiedergegebenen Karte Truppenkonzentrationen um deutschen Bereich (entnommen aus: Hans-Albert Hoffmann, Siegfried Stoof [zwei der ehemaligen NVA angehörige Militärexperten], Sowjetische Truppen in Deutschland, Berlin 2008 [siehe Lit.-Vert. zu P. 6], S. 112) enthalten ist und die damalige Kriegskonfliktgefahr verdeutlicht.

Als eine Art Gedenkstätte können auch die Heilstätten in Beelitz angesehen werden, die während des ersten und zweiten Weltkriegs als deutsches, von 1945 - 1994 als sowjetrussisches Lazarett, in Friedenszeiten auch als Klinik für Lungenkrankheiten dienten. Anbei ein heutiger Übersichtsplan über das gegenwärtig nur mit einem kleinen nordöstlichen Teil - als Neurologische Klinik - genutzten, im übrigen aber in seinem Baubestande - zahlreichen, anspruchsvoll im englischen Landhausstil errichteten, teilweise sehr großen Stationshäusern - verfallenden Areal. In den Kriegsendkämpfen bei Ferch spielte auch die Evakuierung des Beelitzer Lazaretts eine Rolle. Wenn man sich dessen damalige Größe vor Augen führt, war das eine große logistische Leistung unter schwierigsten Bedingungen.

Die Eindrücke von all diesen direkt oder indirekt dem Kriegsende geltenden Gedenk- und Informationsstätten lassen sich so zusammenfassen:

a) Der Ausdruck 'Museum' - im Sinne eines 'Ortes der Musen' - ist in allen Fällen unrichtig. Es handelt sich um nicht mehr und nicht weniger als um Gedenkstätten mit ausdrücklichem oder implizitem historischen Informations- und Bildungscharakter und zugleich mit einem starken gefühlsmäßigen Untergrund.

b) Keine dieser Einrichtungen berührt mehr als nur ganz kurz das Kriegesgeschehen Ende April / Angang Mai in der Region Ferch. Es bedarf in dieser Hinsicht einer Ergänzung regionaler und auch überregionaler Art.

c) In allen Gedenk- und Informationsstätten ist dem Schicksal der verwundeten Kampfbeteiligten und der der Waffeneinwirkung ausgesetzten oder durch das Kriegsgeschehen zur Flucht gezwungenen Zivilbevölkerung nicht die angemessen große, systematische und anschauliche Aufmerksamkeit gewidmet. Bis auf die Gedenkstätte in Seelow und eine Ausstellungsbaracke in Wünsdorf gilt das auch für das Schicksal der Angehörigen der damals sowjetrussichen Seite, deren Verluste erheblich waren.

d) Manche Einschätzung oder Auffassung (z. B. über die Höhe von Verlusten), die in den oder im Hinblick auf die Gedenkstätten geäußert wird, bedarf vermutlich weiterer Aufklärung.

e) Auch die Kriegsideologie und -vorurteile aller kämpfenden Seiten, ihre Propaganda, ihre politischen Motive und ihre politsch-militärischen Konsequenzen aus dem Zweiten Weltkrieg finden an keiner Stelle die erforderliche genaue und systematische Beachtung.

Manche Orte in dem von der Oder bei Seelow bis nach Tangemünde an der Elbe reichenden Gebietsstreifen, in dem sich die damaligen letzten Kämpfe und Zerstörungen des Kriegs südlich und südwestlich Berlins ereigneten, sind, obschon sie eigentlich irgendeine Dokumentations- oder Erinnerungsstätte zumindest in ihrem regionalen Bereich benötigten, in den Jahrzehnten seit Kriegsende ohne eine solche geblieben. Auffällig leer ist in dieser Hinsicht - außer der 'Region Ferch' wegen ihrer Bedeutung für die letzten das bereits eingeschlossene Berlin betreffenden Entsatzanstrengungen - vor allem auch die Region um den Ort Tangermünde, wo sich in den letzten Kriegstagen vor dem Elbübergang Massen von Flüchtlingen und nach Westen - in die amerikanische Gefangenschaft - strebenden deutsche Truppenteilen stauten, um aus dem Zugriffsbereich der gefürchteten sowjetrussischen Truppen zu gelangen. In den vier Museen der Stadt Tangermünde nimmt sich bis heute nur eines - sehr knapp - der örtlichen Kriegsendzeitgeschichte an.

Der hier gezeigte heutige Blick vom Ostufer der Elbe - von der damals gesprengten Flußbrücke - auf eine friedliche abendlich Silhouette Tangermündes im Westen mag diese Erörterungen abschließen.

Christian Gizewski


Mitteilungen und Zusendungen, die die dieses Konzept betreffen, sowie Fragen und Anregungen bitte an den Hg. dieser WWW-Seite: Christian Gizewski, Prof. Dr., TU Berlin, Privatanschrift: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.: 030 8337810, EP: christian.gizewski@tu-berlin.de .

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