3. Juli 2011

Einladung

zum neunzehnten Treffen des Arbeitskreises 'Projekt Ferch'

am Samstag, 30. Juli 2011, 14.00

im Archiv des Heimatvereins Kleinmachnow, Hohe Kiefer 41, 14532 Kleinmachnow (ggf. Privat-Tel. Käbelmann 033204-35987).


Sehr geehrte Damen und Herren!

Das letzte Treffen des Arbeitskreises fand statt in Form einer gemeinsamen Exkursion - von dem gewohnten monatsendlichen Treffpunkt, dem Kirchengemeindezentrum Neuseddin, 14554 Seddiner See, Waldsraße 33, aus - nach Jerichow und Tangermünde (Photoliste). Diese Orte - der eine unmittelbar östlich, der andere unmittelbar westlich der Elbe gelegen - haben im Kriegsendgeschehen 1945, das nach wie vor im Mittelpunkt der Arbeitskreisinteressen steht, eine exemplarische Bedeutung. Sie liegen in der Nähe eines auch heute noch zentralen Brückenübergangs über die Elbe, an dem sich damals der größte Teil der auch an anderen Stellen über die Elbe, in den schon von westlich-alliierten Truppen besetzten Teil Deutschlands, strebenden deutschen Resttruppen und der mit ihnen ziehenden Flüchtlingsströme staute. Teilweise gelang ihnen die Elbeüberquerung, teilweise nicht, wie auch Angehörige unseres Arbeitskreises es erlebt haben.

Der Besuch beider Städte diente auch weitergehenden historisch-heimatkundlichen Interessen. - In Jerichow besuchten wir die Klosterkirche, die im 12. Jht. enstand und nach einer Renovierung, die schon in den 1950er Jahren begann, heute mit ihrem erneuerten romanischen Baukörper die Umgegend prägt. Der eindrucksvolle Innenraum der Klosterkirche, der Klosterinnenhof und ein kleines Museum führen anschaulich in knapp tausend Jahre zurückliegende Zeiten zurück.- In Tangermünde brachten wir länger mit der Besichtigung des Alten Rathauses und seines Museums zu, dessen Expositen bis in die Bronzezeit um 1000 v. Chr. und den darauf folgenden Lauf der frühen örtlichen Geschichte zurückführen, um dann die Ortsgeschichte und die um 1000 n. Chr. beginnende Stadtgeschichte bis heute zu belegen.

Zunächst wurde Tangemünde - zwecks Zollerhebung von der Elbschiffahrt - als Burg (wall-, graben-, palisaden- oder mauerbewehrte Siedlung) angelegt. Im 14. Jht. wurde der Ort Kaiserpfalz mit 'Stapelrecht' (= Marktrecht) und im 15.Jht. Hansestadt. Er erhielt dabei die noch heute an seinen Toren, seinem Rathaus und seinen Kirchen erkennbare Bedeutung für Handel und Verkehr. Nach dem 30-jährigen Kriege, in dem die Stadt mehrfach erobert, geplündert und in Brand gesteckt wurde, verlor sich seine Vorortfunktion, und er wurde Landstadt, die er bis zum Beginn der Industrialisierung blieb.

Die neuzeitliche Geschichte der Stadt, während derer sie ihre im Mittelalter erworbene Bedeutung verlor, ist mit vielen Schaustücken präsent, auch mit einigen wenigen, die die Zeit des letzten Krieges betreffen.

Wir nahmen auch vom Schicksal Grete Mindes Kenntnis, die zu Beginn des 17. Jhts. einem Justizirrtum des Tangermünder Stadtgerichts zum Opfer fiel, wie später von dem Historiker Ludolf Parisius (1883) belegt wurde. Auch Theodor Fontane hat aufgrund eigener Akteneinsicht in Tangermünde, allerdings in freier dichterischer Gestaltung, 1880 eine Novelle über Grete Mindes Leben und Tod geschrieben.

Auf der weiteren Fahrt trennte der Zufall die Wege beider Gruppen, der die eine in eine Wartestellung an Stadtkirche und Marktplatz in Genthin führte, wo sie auf die andere wartete, die auch dorthin kam, aber die eine nicht fand, weil diese in einem italienischen Eiscafé zu wenig sichtbar war, worauf die andere zu einem Pferderennen in Brück weiterfuhr.

Das nächste Treffen des Arbeitskreises soll am Samstag, 31. Juli 2011, ab 14.00 im Archiv des Kleinmachnower Heimatvereins, Hohe Kiefer 41, 14532 Kleinmachnow, bei Herrn Käbelmann (ggf. Privat-Tel. 033204-35387) stattfinden. Vor dem Hause, das der 'Volkssolidarität' gehört (Seniorenzentrum), ist ein kleiner Parkplatz, daneben die Gaststätte 'Weidcafé'. Herr Käbelmann will uns einen vorgeordneten Einblick in seine dichtgedrängt gelagerten ortsgeschichtlichen Materialien geben und auch an den einen oder anderen im Hinblick auf das Kriegsende 1945 belangvollen Ort Kleinmachnows führen.

Das übernächste Treffen ist für den 20 August 2011 bei Familie Stamnitz, Bekkerstr. 11, 14547 Beelitz (ggf. Tel. 933204-61120) geplant. Vorher soll der jüdische Friedhof am Orte besucht und anderen zur jüdischen Ortsgeschichte gehörigen Erinnerungen nachgegangen werden.

Wie immer danke ich für die mir zugänglich gemachten schriftlichen Erinnerungen, die Bücher, Schriften und Bilder, die unser Thema betreffen, und bitte weiterhin darum, mir alles zukommen zu lassen, was Ihrer Meinung nach zu unserem Thema paßt. Bitte vermerken Sie stets Ihren Namen und Ihre Adresse, ferner, ob Dokumente als persönlich von ihren Verfassern verantwortete im Internet veröffentlicht werden können oder nicht. Späterhin sollen, wie früher bereits besprochen, solche Texte und Bilder in einer Erinnerungsstätte, wohl in Halbe, archiviert werden. Bitte erinnern Sie mich notfalls an die Rückgabe Ihrer Unterlagen, für deren Durchsicht ich, wenn sie länger sind, etwas länger brauche, deren Rüchgabe ich aber auch aus widernatürlichem Besitztrieb ungerechtfertigt zu verdrängen neige.

Da es eine große Mühe ist, die Einladungen postalisch zuzustellen, bitte ich wie stets darum, daß sich alle Interessenten, wenn sie nur irgendeine Möglichkeit haben, bitte immer wieder einmal an die u. a. Adresse mit ihren 'neuesten Nachrichten' erinnern mögen. Bitte beachten Sie also möglichst regelmäßig die Neuerungen im WWW-Text http://agiw.fak1.tu-berlin.de/Pro_Ferch/Konzept.html (Christian Gizewski, Ein Projekt zur Erinnerung an die Kriegereignisse im April/Mai 1945 in der 'Region Ferch' - 'Projekt Ferch'), wo Sie auch alle Materialien abrufen können, die mir im Zusammenhang mit unserem Projekt zugegangen sind und von mir laufend redaktionell weiterbearbeitet werden.

Wenn Sie Fragen haben oder Vorschläge machen wollen, lassen Sie sie mich jederzeit gern wissen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Christian Gizewski, Tietzenweg 98, 12203 Berlin, TEL und AB: 030/8337810 oder (wenn eingeschaltet) 0151 26759056, FAX: 030/84309266, EP: christian.gizewski@tu-berlin.de, WWW-Seite: http://www.AGiW/fak 1.tu-berlin.de.index.html