16. Juni 2012

Einladung

zum achtundzwanzigsten Treffen des Arbeitskreises 'Projekt Ferch'

am 30. Juni 2012, um 13:00 Uhr, auf dem Waldfriedhof Halbe (Parkplatz)

zum Zweck eines Besuchs des dann fertiggstellten Dokumentationszentrums dort und einer Führung durch Herrn Oliver Breithaupt, VbDK Brandenburg.


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitwirkende im Arbeitskreis!

1. Am 22. April wurde bei einem Treffen unseres Arbeitskreises mit zahlreichen Bewohnern der Gemeinde Elsholz und einigen eigens zu diesem Zweck hinzugekommenen Honoratioren auf dem dortigen Friedhof ein schwarzes mannshohes Holzkreuz eingeweiht, das an die Kämpfe um diesen Ort in den letzten Kriegswochen 1945 erinnert. Auf unserer Seite haben besonders Herr Käbelmann und Herr Stamnitz an der Konzeption des Kreuzes mit Textinschrift verdienstvoll mitgewirkt. Gegenüber dem ursprünglich von unserer Seite vertretenen, formal eindrucksvolleren Statuen-Konzept geht es m. E. allerdings um eine Kompromißlösung, die zu sehr einem - noch - unnötig auf allgemeine Formeln begrenzten Geschichts- und Kunstverständnis bei manchen bockigen Zeitgenossen entgegenkommt.

Die Textinschrift lautet folgendermaßen:

"Elsholz im April/Mai 1945. - Hier in Elsholz trafen zwischen dem 30. 4. und 2. 5. 1945 die Überlebenden aus dem Kessel von Halbe ein, hauptsächlich in zwei Marschsäulen über Schönefeld und Wittbrietzen. Aus dem Raum nördlich von Luckenwalde war unter großen Menschenopfern der Durchbruch durch die Sperrlinien der Roten Armee gelungen. Seit einigen Tagen hatte die 12. Armee die Linie Ferch/Beelitz/Treuenbrietzen freigekämpft. Bei Ferch kam die aus Potsdam ausgebrochene 'Armeegruppe Spree' noch hinzu. - Die Angst vor der Roten Armee war übermächtig. - In gemeinsamer Flucht gelangten über 120000 Soldaten und Zivilisten bis an die Elbe zwischen Burg und Tangermünde (Kämpfe dort bis zum 8. 5. 1945) und begaben sich in amerikanische Kriegsgefangenschaft.- Im Großraum Beelitz starben vom 22. 4. (Einmarsch der Roten Armee) bis 2. 5. 1945 über 2200 Soldaten und Zivilisten, dabei ungefähr 870 Rotarmisten.- Wir gedenken aller Kriegsopfer!"

Dem Text ist beigefügt eine Übersichtskarte der Gegend zwischen dem Verkehrsknotenpunkt Neuseddin und den Orten Beelitz, Treuenbrietzen, Luckenwalde und Ludwigsfelde.

Zu Füßen des Kreuzes wurden zwei Gebinde niedergelegt, eines mit der (m. E. zu abstrakten) Formel 'Sorgt ihr, die ihr noch im Leben steht, daß Frieden bleibe. Theodor Heuß', das andere mit der Aufschrift 'Russiche Föderation' ohne weiteren Text sowie ein Strauß weißer Nelken mit der Formel 'Nie wieder Krieg'. Was tun in einer solchen Kriegslage?

Während des Treffens am Samstag, 28. April in Neuseddin diskutierten die dort Anwesenden positiv, aber auch ein ganz klein wenig kritisch über die Veranstaltung in Elsholz.

2. Für Samstag, den 30. Juni 2012, ab 13.00 schlage ich einen Besuch der Erinnerungsstätte in Halbe vor, welche in diesen Wochen eingerichtet wird. Herr Breithaupt, der Leiter der Erinnerungsstätte, wird uns durch die dann fertiggestellte Ausstellung führen. Die Anreise dorthin müssen die Interessenten selbst organisieren. Sprechen Sie sich nach Bedarf mit jemandem ab, der ein Auto hat und kommen will, und denken Sie auch daran, von sich aus zu uns gehörige Autolose anzusprechen und mitzunehmen.

3. Am Sonntag, 10. Juni, ab 15.00 fand in Potsdam - im Museumshaus 'Im Güldenen Arm', dem Sitz des 'Brandenburgischen Kulturbundes e. V.', Hermann-Elflein-Str. 3, 14467 Potsdam - die Eröffnung der Ausstellung der auch zu unserem Kreis gehörigen Maren Simon statt.

Die einfallsreiche, vielseitige, experimentierbereite, oft witzige und dennoch mit ihren konkreten und zugleich-symbolisch-allgemeinen Bildgedanken stets tiefgehende Ausstellung Frau Simons zeigt ihre Brand-Skulpturen, vor allem die Charakter-Köpfe, viele Skizzen und in Mischtechnik hergestellte Papierbilder. Immer geht es um die scheinbar alltägliche Welt und die nahe-, aber zugleich fernstehenden Mitmenschen, ihre Schale und ihr nicht immer angenehmes Inneres, ihre einfache Gegenwart und ihr darin sich schon abbildendes Schicksal - manchmal recht unnachsichtig und in nie verkaufsorientiert-angepaßter Form. Sich selbst gegenüber ist die Künstlerin ebenfalls durchweg recht unnachsichtig. Das macht ihre Ausagen über die Welt und sich selbst allerdings glaubwürdig und beachtlich.

Das Ausstellungshaus und sein - von der Sonne erhitzter - Hof waren voller Besucher. Es war alles wohlbedacht, auch die Bewirtung und die Musik. Zwei Redner, der frühere brandenburgische Kultus- und Wissenschaftsminister Hinrich Enderlein und ein Freund der Familie Simon, der Ingenieur Jens Fischer aus Bautzen, hielten überlegte und genau passende Reden zur Charakterisierung und Würdigung der Künstlerin.

Die Ausstellung kann - und sollte! - zwischen dem 11. Juni und 22. Juli 2012 besucht werden (im obersten Geschoß des Hauses warten zusätzlich viele alte Tontöpfe, -formen und -flaschen auf Würdigung ihrer Persönlichkeit).

Nebenher ist dort übrigens auch die Frage angesprochen, warum Frau Simons Entwurf - einer von einem Podest des Kriegsruhms in eine Sphäre des Kriegselends 'Niedersteigenden' - bisher nicht zur Fertigstellung gekommen ist und eine an sich sinnvolle öffentliche Anerkennung gefunden hat. Er ist ja ein, was die Kriegsendzeitgeschichte betrifft, besonders angemessenes und künstlerisch überzeugendes Gegenbild etwa zur Berliner 'Siegessäule' und würde sich für die Aufstellung an verschiedenen geschichtsträchtigen brandenburgischen Orten eignen, besonders aber in Elsholz. Nicht nur was den Standort betrifft, gab es bisher leider unverständliche Hindernisse, sondern auch bei dem aufwendigen und teuren Brennvorgang selbst. Bitte, liebe Arbeitskreis-Angehörigen, öffentliche und private Förderer: auch ein begabter Künstler braucht manchmal eingehenderes Verständnis und wirkliche Hilfe.

Bei Fragen und Anregungen wegen der Ausstellung rufen Sie bitte die Künstlerin, bei anderen mich an.

Mit freundlichen Grüßen

Christian Gizewski, Tietzenweg 98, 12203 Berlin, TEL und AB: 030/8337810 oder (wenn eingeschaltet) 0151 26759056, FAX: 030/84309266, EP: christian.gizewski@tu-berlin.de, WWW-Seite: http://www.AGiW/fak 1.tu-berlin.de.index.html .