9. Mai 2013

38. Rundbrief

für den Arbeitskreis 'Projekt Ferch'

(Mai 2013)


Sehr geehrte und Damen und Herren Interessenten am Projekt Ferch!

Das Projekt verfolgt, wie immer wieder betont sei, den Zweck, die deutsche Kriegsendzeitgeschichte 1945 im Zusammenhang mit der damaligen und später folgenden Zeitgeschichte nicht nur als Geschichte der Militäraktionen, sondern auch als Geschichte der betroffenen oder venichteten Zivilbevölkerungen jeglicher Herkunft unter heutigen Bedingungen in Erinnerung zu rufen, wobei die noch lebenden Zeitzeugen, d. h. damals noch ganz Jungen, aber auch die heute ganz Jungen oder doch Jüngeren mit ihrem historischen Interesse angesprochen sind.

1. So weise ich Sie, soweit Sie noch nichts davon wußten, auf die überarbeitete und neu eröffnete Ausstellung im 'Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst', Zwieseler Straße 4, 10318 Berlin hin. (Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr). Am Ort des Museums, einer ehemaligen Heerespionierschule der Deutschen Wehrmacht, fand am 8. Mai 1945 die 'bedingungslose Kapitulation' der deutschen Seite statt. Von 1945 bis 1949 diente das Gebäude als Sitz der 'Sowjetischen Militäradministration in Deutschland'. 1967 wurde dort das 'Sowjetische Kapitulationsmuseum' eröffnet, das bis 1994 bestand. Nach dem Abzug auch der sowjetischen Truppen aus dem Gebiet der wiederervereinigten deutschen Teilstaaten im Jahre 1994 wurde in gemeinsamer Initiative und Trägerschaft der neugebildeten 'Bundesrepublik Deutschland' und der neugebildeten 'Russischen Föderativen Union' die Fortsezung der dortigen Ausstellung vereinbart. Wie für alle derartigen Kriegsdokumentations-Einrichtungen paßt der der Begriff 'Museum' eigentlich nicht.

Der Ausstellungskomplex Karlshorst dokumentiert nach wie vor eindrucksvoll den von nationalssozialistisch-deutscher Seite 1941 - 1945 geführten Eroberungs- und Vernichtungskrieg gegen die damalige Sowjetunion und auch einige seiner historischen Ausgangsbedingungen und Folgen. Welche Bedeutung der gegen das NS-Deutsche Reich geführte, zähe und verlustreiche Befreiungskrieg für das historische und noch gegenwärtige politische Selbstverständnis der damals angegriffenen Völker hatte und hat, ist auch heute noch in allen Fragen einer deutschen 'Ostpolitik' zu bedenken und menschlich, so schwer es manchmal erscheint, mitzufühlen. Demgegenüber ist es gerechtfertigt, wenn in Karlshorst wegen des dort zum Ausdruck gebrachten Hauptgedankens andere ebenfalls wichtige historischen Aspkte zurückstehen müssen: so der totalitäre Charakter des stalinistischen Herrschaftssystems, die politisch-devoten DDR-antifischistischen Reue- und Treuebekundungen gegenüber dem großen Generalissimus Stalin und dem von ihm geführten großen sowjetischen Brudervolke und das auch von der damaligen Sowjetunion mehrfach begangene Unrecht völker- und naturrechtswidriger Bevölkerungsvertreibungen. Allerdings läßt sich derartiges prinzipiell auch nicht mehr unterdrücken wie in früheren Ausstellungs-Zeiten. Vielleicht sollte es deswegen aber dennoch auf Dauer zu einer engeren Zusammenarbeit des Ausstellungskomplexes Karlshorst etwa mit dem Deutschen Historischen Museum in Berlin-Mitte oder mit einem - noch nicht vorhandenen - neuartigen, deutsch-osteuropäischen Museum kommen.

Hinter oder in dem Gebäude durchaus eindrucksvoll und nachdenklich stimmend sind neu aufgestellt mehrere der damals von sowjetischer Seite eingesetzten militärischen Geräte, vor allem Panzer, Lafetten und Geschütze aller Kaliber und Einsatzzwecke. Von deutscher Seite eingesetzte Waffen finden sich - vielleicht unnötigerweise - unter den Kriegsgeräten des Museums kaum. Vor dem Gebäude wehen die Flaggen der Russischen Föderarion, der Unkraine, Weißrußlands und der heutigen deutschen Bundesrepublik. Die an sich durchaus belangvollen propagandistischen Filmpräsentationen früherer sowjetischer Kriegsberichterstatter und Zeitzeugen sind m. E. unnötigerweise nicht mehr oder noch nicht wieder zugänglich. Man wünschte sich ferner eine Übersetzung der teilweise noch nicht übersetzten, sehr langen russischsprachigen Texte in den großen Räumen des Hauses; sie bringen die die Ausstellung tragenden, berechtigten Grundgedanken und -gefühle an diesem Orte vermutlich historisch besonders genau zum Ausdruck.

2. Am 28. 4. 2003 fand in Elsholz und Beelitz zur Erinnerung an die Opfer der dortigen Gefechte zwischen sowjetischen und deutschen Truppen Ende April 1945.ein Treffen der dort wirkenden ortsgeschichtlichen Initiativgruppe (Familie Stamnitz, Herr Köbelmann und andere Vertraute) statt. Wie bekannt, setzte sich die deutsche Seite, aus dem Kessel von Halbe kommend, mit ihren noch funktionsfähigen Waffen und Geräten geordnet kämpfend zur Elbe hin ab, um der von ihr zu Recht gefürchteten sowjetischen Gefangenschaft zu entgehen. Sie gab dabei den in ihrem Bereich befindlichen flüchtenden Zivilisten den noch möglichen Schutz, nahm andere deutsche Truppenteile ('Armee Wenck', Potsdamer Garnison) auf und deckte in den folgenden Tagen in Rückzugsgefechten den geordneten Übergang über die Elbe auf das bereits von amerikanischen Truppen besetzte Westufer.

3. Am 29. 4. 2013 fand in Potsdam, veranstaltet von der Stadt und dem Volksbund deutsche Kriegsgräberförsorge eine Umbettungsfeier neu- oder wiedergeborgener Kriegstoter der letzten Kriegszeit statt. Aus dem Kreis der AK-Vertrauten nahmen daran teil Herr Breithaupt und Frau Simon.

4. Für Sonntag, 26, Mai 2013, plane ich persönlich einen Besuch im heutigen 'Militärhistorischen Museum der Bundeswehr' in Dresden. Dort will ich mich den ganzen Tag lang aufhalten.Wer Interesse hat und eine Fahrmöglichkeit findet, möge viellecht an diesem Tage dorthin kommen. Das Militärhistorische Museum in Dresden ist eines der größten Geschichtsmuseen - nicht nur mit militärgeschichtlichen Objekten - in Deutschland. Adresse: Olbrichtplatz 2, 01099 Dresden, Telefon: 0351 8232803. Öffnungszeiten: Donnerstag bis Dienstag 10 bis 18 Uhr. Montag 10 - 21 Uhr; mittwochs geschlossen.

5. Wie immer bitte ich darum, mir alles zukommen zu lassen, was Ihrer Meinung nach zu unserem Thema paßt. Bitte erinnern Sie mich notfalls an die Rückgabe Ihrer Unterlagen. - Vergessen Sie nicht, mir für meine Adressenliste Ihre Daten bzw. deren Änderung am besten schriftlich mitzuteilen, damit ich von mir aus zu Ihnen im Einzelfall Kontakt aufnehmen kann.

Mit freundlichem Gruß

Christian Gizewski, Tietzenweg 98, 12203 Berlin, TEL und AB: 030/8337810 oder (wenn eingeschaltet) 0151 26759056, FAX: 030/84309266, EP: christian.gizewski@tu-berlin.de, WWW-Seite: http://www.AGiW/fak 1.tu-berlin.de.index.html .