18. Juli 2013

40. Rundbrief

für den Arbeitskreis 'Projekt Ferch'

(Juni 2013)


Sehr geehrte und Damen und Herren Interessenten am Projekt Ferch!

Das 'Projekt Ferch' verfolgt den Zweck, die deutsche Kriegsendzeitgeschichte 1945 im Zusammenhang mit der ganzen damaligen und später folgenden Zeitgeschichte. d. h. nicht nur als Geschichte der Militäraktionen, sondern auch als Geschichte der betroffenen oder venichteten Zivilbevölkerung jeglicher Herkunft, in heutiger Zeit, 68 Jahre nach 1945, in Erinnerung zu rufen. Die noch lebenden Zeitzeugen, d. h. die damals noch ganz Jungen, aber auch die heute ganz Jungen oder doch Jüngeren sollten mit ihrem jeweiligen historischen Interesse angesprochen werden. In diesem Rundbrief geht es jedoch wieder einmal primär um Militär- und Kriegsgeschichte, die genauer zu kennen auch für überzeugte Zivilisten wichtig ist.

Im heutigen Rundbrief für den Juli 2013 geht es um drei Bücher zum Thema des Einsatzes unmenschlicher und völkerrechswidriger Kriegsmittel auch gegen die Zivilbevölkerung am Ende des Zweiten Weltkriegs und den Selbstlauf kriegerischer Zerstörung trotz an sich vorhandener Möglichkeit ihrer Vermeidung.

A. Bischof George Bell - Ökumeniker, Brückenbauer, Fürsprecher, Europäer. Reden aus dem Oberhaus des Britischen Parlament und Briefwechsel mit Rudolf Heß. Hg. von Peter Raina in Zusammenarbeit mit Marion Gardei, Kurt Kreibohm, Karl Martin, Andreas Nachama, Fenestra-Verlag Wiesbaden, Berlin 2012.

B. Michael Schmidt, Der Bombenkrieg gegen Dresden im Zweiten Weltkrieg (The Bombardment of Dresden in the Second World War). Vorgeschichte, Ursachen, Verlauf und Auswirkungen. Unter Einschluß von Gesichtspunkten aus Ethik und Völkerrecht (History, Causes, Implementation and Effects - with a Consideation of Ethics and International Law), Sonnenblumen-Verlag Dresden , Radebeul 2012.

C. Wolfgang Fleischer, Das Kriegsende ln Sachsen. Eine Dokumentation der Ereignisse in den letzten Wochen des Krieges, Dörfler-Verlag Eggolsheim 2004.

Zu A. Das als Gemeinschaftsarbeit - sorgfältig und verdienstvoll - erstellte editorische und kommentierende Werk unternimmt es, den in der Zeit des Zweiten Weltkrieges in Großbritannien herrschenden moralischen Zwiespalt zwischen der Position einer 'emtschlossenen', auch die Zivilbevölkerung des Feindes treffenden 'indirekten' Kriegführung (Liddell Hart) mittels Fächenbombardements größerer Städte einerseits und anderrseits der Parteinahme für deren strategisch schwer begründbare Begrenzung anschaulich zu machen, und zwar in der Person des Oberhaus-Mitglieds Lord Chichester, an seinen Oberhaus- Reden und seinem Nachkiegswirken für eine Versöhnung zwischen der britischen und der deutschen Seite .

Zu B. Das Werk des jungen Autors verdeutlicht anschaulich die Wirkungen des strategisch konzipierten Bombenkriegs an einem 'Einzelfall', der Totalvernichtung Dresdens am 13. und 14. Februar 1945 - also sehr kurz vor dem Kriegsende und nicht eigentlich militärisch, wohl aber alliert-bündnispolitisch motiviert. Es ist unter fachkundiger Beratung eines Dresdener Archivars und mehrerer Neuzeithistoriker aus einer Studienabschlußarbeit entstanden. Trotz der vielen 'Literatur', die seit Kriegsende zum Thema der Vernichtung Dresdens erschienen ist, zeigt das Werk, daß dieses Thema auch knapp 70 Jahre danach noch immer ideell fortwirkt. Von Bedeutung für heutige Überlegungen sind dabei die ethischen und völkerrechtlichen Einwände, die sich - vorbei an allen Vorstellungen von einer 'kollektivschuldbegründeten Kollektivstrafe', der Berechtigung des Angriffs entgegenstellen.

Zu C. Die 'Geschichte des Kriegsendes in Sachsen' beleuchtet diejenigen Kriegereignisse, die der mit dem Tod Hitlers am 28. April 1945 beendeten Einkesselung von Berlin parallel liefen und dann im südlichen Teil des verbliebenen NS-deutschen militärischen Einflußgebiets (Sachsen und vor allem Böhmen) noch einige Tage anhielten, bis am 9. Mai 1945 die Gesamtkapitulation vollzogen wurde. In Sachsen setzten sich die dort massierten deutschen Truppen gegen die von Nordosten vordringenden sowjetischen und die von Westen vordringenden amerikanischen Truppen zur Wehr. Das absehbare Ende führte im Osten Sachsens auf deutscher Seite dennoch tagelang nicht etwa zu einer unorganisierten Auflösung der Truppenteile, sondern vielmehr zu einer hinhaltenden, kämpfenden Rückszugsbewegung nach Süden und Westen, wo eine Gefangenschaft bei den vordringenden sowjetischen Truppen zu vermeiden war. Der Autor macht diesen verbissenen Rückzugskampf aus eigener heimatgeschichtlicher Kenntnis und Forschung anschaulich. In seinem Buch werden die vielen 'Kampfmittel', der damaligen Zeit - auch als 'archäologische' Reste - sichtbar. Photos, Zeitungs- und Kampfblatt-Aussschnitte verdeutlichen die Zerstörungen, die Kampfplätze und die innere Verfassung der betroffenen Soldaten und Zivilpersonen. Auch das Thema 'Vergewaltigungen' findet dabei angemessene Erwähnung. Die vielen Mißverständnisse, Unwägbarkeiten, unabwendbaren Gefahren, verzweifelten und hoffnungslosen Gefühle... .

Wie immer bitte ich darum, mir alles zukommen zu lassen, was Ihrer Meinung nach zu unserem Thema paßt. Bitte erinnern Sie mich notfalls an die Rückgabe Ihrer Unterlagen. - Vergessen Sie nicht, mir für meine Adressenliste Ihre Daten bzw. deren Änderung am besten schriftlich mitzuteilen, damit ich von mir aus zu Ihnen im Einzelfall Kontakt aufnehmen kann.

Mit freundlichem Gruß

Christian Gizewski


Verantwortlich: Christian Gizewski, Tietzenweg 98, 12203 Berlin, TEL und AB: 030/8337810 oder (wenn eingeschaltet) 0151 26759056, FAX: 030/84309266, EP: christian.gizewski@tu-berlin.de, WWW-Seite: http://www.AGiW/fak 1.tu-berlin.de.index.html .