14. Aug. 2016

50. Rundbrief

für alle Interessenten an der Geschichte der NS-Zeit, der Kriegsendzeit- und der Nachkriegeschichte in Berlin-Brandenburg und anderwärts (vormals 'Projekt Ferch', jetzt 'Arbeitskreis Beelitz').

Juli 2016 - Oktober 2016.


Sehr geehrte Damen und Herren!

Nach wie vor - selbst heute noch, 71 Jahre nach 1945 - ist es sinnvoll, die deutsche NS-Zeit und ihre Kriegsendzeit-Geschichte 1945 sowie ihre einschneidenden Nachwirkungen und wichtige Parallelentwicklungen zu ihr in Erinnerung zu rufen. Dabei sind auch die größeren historischen Zusammenhänge und Entwicklungen in den damals mit Deutschland im Kriege stehenden Ländern und Völkern für eine regionale deutsche Kriegsendzeit-Geschichte 1945 beachtlich. Auch die DDR-Geschichte verdient nach den vielen Veränderungen infolge der Wiedervereinigung als solche neue Aufmerksamkeit. Jede Form der dokumentarischen oder literarischen oder rein persönlichen Erinnerung ist prinzpiell dafür geeignet.

Mit dieser in einem weitgefaßten Sinne 'allgemeinbildenden' und historisch reflexiven Zweckbestimmung werden hier daher weiterhin Rundbriefe für die daran Interessierten veröffentlicht werden können.

1. Weiterhin ist es sinnvoll, etwa durch Besuche des Russischen Militärfriedhofs in Beelitz, Brücker Straße - mit seinen Gräbern vieler, teilweise nicht bekannter Toter - und auf andere geeignete Weiese deutlich zu machen, daß ein freundliches und problembewußtes Verhältnis insbsondere zwischen Deutschland und Rußland sowie allen anderen 'Völkern der früheren Sowjetunion' bestehen muß.

2. Ich bitte nach wie vor darum, mir alles zukommen zu lassen, was Ihrer Meinung nach in die Themenbereiche Kriegsendzeit-Geschichte, Besatzungszeit, DDR-Zeit, Verständnis für Rußland und die anderen Länder der ehemaligen Sowjetunion paßt.

3. Bitte erinnern Sie mich notfalls an die Rückgabe von Unterlagen. Vergessen Sie nicht, mir für meine Adressenliste ggf. Ihre Daten bzw. deren Änderung am besten schriftlich mitzuteilen, damit ich von mir aus zu Ihnen im Einzelfall, wenn nötig, Kontakt aufnehmen kann. Sollte Bedarf an gelegentlichen Treffen der früheren Arbeitskreis-Angehörigen bestehen, kann dies am besten in Abstimmung mit Herrn Käbelmann für beliebige Orte vereinbart werden.

5. Diesem Rundbrief wird in kürzerer Frist beigefügt werden ein Lesehinweis auf

Axel Reitel, Denn verbieten lässt sich schreiben nicht Literaturnachwuchs im SED-Staat. Das Beispiel Sachsen, in: Geschichte des Literaturnachwuchses in Europa: Gestern und heute, Im Auftrag des sächsischen Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Axel Reitel collegium novum Publishing Berlin 2016 sowie andere Schriften des Autors,

Reitel wurde als politisch Verfolgter des SED-Regimes im Jahre 1982 aus der DDR freigekauft und trat nach einem enzyklopädisch-geisteswissenschaftlichem Studium an der Fakultät I - Geschichts- und Geisteswissenschaften - der TU Berlin mit zahreichen Veröffentlichungen zu einem vor allem für damals junge Menschen wie ihn unerträglich wahrheits-, demokratie- und freiheitsbeschränkenden Charakter des DDR-Systems hervor.

Den Geist einer total-autoritären Geistes-Unterdrückung wie den in der DDR spiegelt die unten wiedergegebene Loyalitäts- Erklärung des Bezirksverbandes Berlin der Schriftsteller an den lieben Genossen Erich Honecker vom 7. Juni 1979 wieder.

Auch in unserer Zeit, 27 lange Jahre nach dem Ende der DDR, sind die Auführungen Reitels aus folgenden Gründen sinnvoll zu lesen.

1. Der Staat - welcher auch immer - hat keine Gesetzgebungsbefugnis, Grund- und Menschenrechte, einschließlich derjenigen einer freien, aktiven, politischen Meinungs- und Willensbildung bei Einzelnen oder Gruppen zu unterdrücken. Nicht einmal Wahlen können dies rechtfertigen, und erst recht nicht Notstandsmandate von Regierungen.

2. Gegen einen Staat, der die freie Meinungs- und Willensbildung unterdrückt, gibt es ein naturrechtliches Widerstandsrecht, das ebenfalls nicht staatsgesetzlich eingeschränkt oder ausschließbar ist:

> Erläuternd: zum übergesetzlichen Widerstand gegen Willkürherrschaft und ungerechte Gesetze des Staates ggf.: https://agiw.fak1.tu-berlin.de/Scriptorium/S46.htm

3. Die historischen Erfahrungen im NS-System und im DDR-System bedeuten nicht, daß es nicht auch im Deutschland der alten Bundesrepublik untolerabel autoritäre Meinungsrepression gegeben hätte.

4. Sie schließen auch nicht aus, daß es gegenwärtig oder künftig in Deutschland autoritäre Meinungsrepression geben kann.

5. Sie schließen ebenfalls nicht aus, daß es in anderen, dem heutigen Deutschland außenpolitisch nahestehenden Staaten autoritäre Meinungsrepression gibt oder geben kann.

6. Das einzige wirkliche Gegenmittel von innen gegen total-autoritäre Staatsstrukturen scheint letztlich das wiederholte, gut geplante und besonnen durchgeführte Attentat zu sein.

Weitere Veröffentlichungen des Autors:

Axl Reitel, Jugendstrafvollzug in der DDR am Beispiel des Jugendhauses Halle, Verlag Dr. Köster Berlin, 20061.

Axel Reitel, Schöne Jugend. Funf Features, Verlag Dr. Köster Berlin 2008 2.

Axel Reitel, Nachtzensur. DDR und Osteuropa zwischen Revolte und Reaktor-Katastrophe. Fünf Features. , Verlag Dr. Köster Berlin 2013 1.

Weiterhin wird hingewiesen auf die DDR-geschichtliche Ausarbeitung. 'DDR-Unterrichtsmaterial für Geschichte und Staatsbürgerkunde aus heutiger Sicht', Zu letzterer finden Sie Zugang auch im Internet unter: http://agiw.fak1.tu-berlin.de/Scriptorium/S72.html .

Mit freundlichem Gruß

Christian Gizewski


Verantwortlich: Christian Gizewski, Tietzenweg 98, 12203 Berlin, TEL 030/8337810 , EP: christian.gizewski@tu-berlin.de, WWW-Seite: http://www.AGiW/fak 1.tu-berlin.de.index.html .