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Zu Werner Eck, Augustus und seine Zeit.

Reihe Beck-Wissen 2084, München 1998, C. H. Beck-Verlag, 128 S.

Von Christian Gizewski.

Rezension zu: Augustus und seine Zeit. (Reihe Beck-Wissen 2084), München 1998, C. H. Beck-Verlag, 128 S.Veröffentlicht auch in der 'Historischen Zeitschrift', Bd. 269 (1999), S. 718 - 720. 

Klappentext der Neuerscheinung.

Das Verlagskonzept schreibt für die Bände der Reihe 'Wissen' eine Kürze von unter 130 Seiten und die Fortlassung von Einleitungen, Anmerkungen, Registern und Forschungsständen vor. So enthält das Buch nur ein kurzes Literaturverzeichnis mit wenigen (31) wichtigeren Titeln, eine kurze Datenübersicht, ein vereinfachtes Stemma der Verwandtschaft des Augustus und und einige wenige nützliche Abbildungen. Der Haupttext ist eine konzentrierte, ausgewogen und klar formulierende Zusammenfassung dessen, was die aus verschiedenen fachlich-methodischen Ansätzen hervorgehende Forschung gegenwärtig zu diesem traditionsreichen, aber auch für unsere Zeit und ihre Fundierung in der Antike wichtigen Thema zu sagen hat. Quellenkritisch-narrative, epigraphische, archäologisch-kunstbezogene und rechtsgeschichtliche Forschungstraditionen und Eigenbeiträge gehen in eine interessante und lehrreiche Form der Darstellung ein.

Eck macht die 'Taten des Augustus' ('res gestae divi Augusti'), den i. J. 14 n. Chr. von dem damals 76-jährigen Augustus verfaßten Rechenschaftsbericht, zu einem Leitfaden und einer Montagefläche seiner kritisch kommentierenden, die vielfältigen Quellen und Reste der Epoche anschaulich kombinierenden und allgemeinverständlich erklärenden Ausführungen (Kap.1). Lehrreich und interessant ist dies auch für heutige Nicht-Althistoriker in mehrfacher Hinsicht:

a) aus Gründen einer historischen Selbstreflexion heutiger Persönlichkeitstsformen: im vorliegenden Falle geht es um die teils zufalls- , teils charakter - und leistungsbedingte Entwicklung eines eher hölzernen jungen Mannes aus rustikal-italischem Honoratiorenmilieu (Kap. 2) zum 'Erneuerer eines Gemeinwesens', zum politisch allzuständigen, in einem antik-kaiserzeitlichen Sinne 'souveränen', schließlich gottgleich verehrten Herrrscher des 'ökumenischen' römischen Reiches, die Begründung seiner Dynastie und ihre Verflechtung in eine sich umbildende römische Oberschicht (Kap. 14),

b) im Hinblick auf ihren lehrhaften Charakter, was die Analyse einiger fast universeller Typen politischer Machtdynamik betrifft: die Usurpation politischer Leitungsstellen mit formal untauglichen, aber dennoch effektiven Mitteln (die Adoption und das Testament Caesars, die Stützung durch die caesarische Partei und Militärklientel, der mehrfache taktische Frontenwechsel, Kap. 2 und 3), die fortgesetzte rechtliche Formalisierung usurpatorisch errungener Positionen (Senatsmitgliedschaft, Triumvirat, Dauerkonsulat, schließlich eine atypische Neusynthese von Amtsfunktionen verschiedenartiger traditioneller Ämter in einer 'souveränen', traditionsbegründenden Prinzeps-Stellung) und ihre ideologische Überhöhung, Kap. 5 - 8, 13), die Neuordnung und personelle Neubesetzung tragender staatlicher Institutionen nach einem Bürgerkrieg unter Anpassung an neue strukturelle Machtverhältnisse und Regierungserfordernisse (Kap. 8 - 10), die Gewinnung und den Ausbau einer Anhängerschaft im Heer, in der Aristokratie, in der Stadt Rom und in den Provinzen (Kap. 9, 11, 13), die Bekämpfung und die Neutralisierung gegnerischer Parteien in der Auseinandersetzung mit den republikanischen Traditionalisten, Pompejanern und 'Caesar-Mördern' einerseits und den Machtrivalen der caesarischen Partei, insbesondere Antonius, andrerseits (Kap. 3 - 6),

c) wegen ihrer politisch-ethischen Lehrhaftigkeit, vor allem im Hinblick auf die jeweilige Ambivalenz 'böser' und 'guter' Taten. Gemeint sind damit einerseits die in den 'res gestae' allenfalls angedeuteten, aber anderwärts deutlich belegten Gewissenlosigkeiten des später zum 'Augustus' avancierten Octavian: etwa die Beteiligung an der Proskription von 300 Senatoren und 2000 Rittern i. J. 43, die Enteignung der Bürgerschaften etwa 20 italischer Städte i. J. 42, die Hinrichtungswelle nach der Eroberung Perusias i. J. 40, die massenhafte Kreuzigung 6000 herrenloser' Sklaven aus der Partei des Sex. Pompeius i. J. 35 v. Chr. (Kap. 4, 5); zum anderen die von Augustus selbst und seinen Anhängern, aber auch von der Nachwelt immer wieder hervorgehobenen, aber doch auch sehr zu apostrophierenden Leistungen und Verdienste: die 'Rache für den Mord an seinem Adoptivvater Caesar' , die 'Wahrung der römischen Staatstraditionen in Auseindersetzung mit dem hellenistisch regierenden Antonius', die 'Beendigung der Ära der Bürgerkriege', die 'Wiederherstellung der römischen Republik, Sitte und Religion' und schließlich den Ausbau des imperialen Einflusses des römischen Reiches in einer 'gerechten pax Romana' (Kap. 12).

Die darüberhinaus beachtliche Bedeutung der augusteischen Epoche für die Monarchie- und Souveränitatstraditionen späterer Zeiten bis heute, für deren Reichtstraditionen und für deren kulturelle Traditionen, - denkt man etwa an die Dichtung und die Architektur, einschließlich jeweils der politischen Propagandasprache, der augusteischen Epoche -, ergibt sich aus einer Lektüre des anschaulichen und eindringlichen Textes oft ganz von selbst. Sympathisch berührt eine emotionale Distanz des Verfassers zu der in den Quellen oft recht stark hervortretenden 'Größe' des Augustus. Um mit Ronald Syme (The Roman Revolution, Vorwort) zu sprechen: "Es ist [scil für einen Historiker]... nicht nötig, politischen Erfolg zu preisen oder die Männer zu idealisieren, die durch einen Bürgerkrieg zu Reichtum und Ehre gelangen." 


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