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Abgrenzung und Neubildung von Völkern und Kultursystemen im Nordwesten des römischen Kaiserreichs.

Zu methodischen und begrifflichen Problemen des Verständnisses einer für die europäische Geschichte wichtigen Formationsepoche.

Von Christian Gizewski.

Beitrag zur politischen Diskussion über gemeinsame kulturelle Grundlagen und Konflikttraditionen der heutigen europäischen Völker. Internetpublikation 1998.

VORBEMERKUNG.

Die spätantik-frühmittelalterliche Geschichte des mittleren und westlichen Europa, d. h. des kulturell von Rom aus in starkem Maße 'lateinisch' und 'katholisch-christlich' beeinflußten nicht-mediterranen 'Abendlandes' ist die Anfangsepoche einer 'europäischen Geschichte'. Sie besteht einerseits in einer Folge von Prozessen einer von der westlich-mediterranen Antike ausgehenden, das vorgelagerte 'Barbarenland' erfassenden und in gewissen kulturellen Grundmustern ähnlich prägenden Hochkulturdiffusion. Zugleich ist diese geschichtliche Epoche aber auch bestimmt von grundlegend neuen, ethnisch-politisch-militärischen Grenzbildungen im Nordwesten des Römischen Reiches der Antike und in seinen ursprünglich 'barbarischen' Vorfeldern. Im Hinblick auf diese grundsätzliche Ambivalenz der Geschehnisse scheint es kaum möglich, von einer Art 'Determination zur Einheit' der späteren europäischen Geschichte in der Altertums- und Frühmittelaltergeschichte zu sprechen. Was sich genau in diesen Jahrhunderten vollzieht, ist darüber hinaus seit Jahrzehnten Gegenstand verschiedener nebeneinander agierender und unterschiedliche Modelle bildender Fachdisziplinen, deren Ergebnisse angemessen zu überschauen auch dem jeweiligen Fachwissenschaftler einer dieser Disziplinen nicht leicht fällt. Die insoweit bestehenden methodischen und begrifflichen Erkenntnisprobleme sollen im folgenden kurz angesprochen werden.

I. DIE FRAGESTELLUNG EINER MODELLBILDUNG UND MEHRERER DISZIPLINEN.

An der Erforschung der politischen, ethnischen und kulturellen Entwicklung in den Nordwestprovinzen des römischen Kaiserreiches und des ihren Grenzen vorgelagerten Raumes sind heute bei unterschiedlicher Forschungszielrichtung und unterschiedlichem Gewicht - verglichen mit früheren Zeiten und mit anderen historischen Forschungsthemen - relativ viele Fachdisziplinen beteiligt: außer der Alten Geschichte die Medievistik, die Geschichte der keltischen, der germanischen und der romanischen Sprachen, die römische Provinzialarchäologie, die Ur- und Frühgeschichte für den Bereich der nicht-provinzialisierten Völkerschaften, die Religions- und Mythengeschichte, die römische und germanische Rechtsgeschichte und weitere fachgebiete ider -Fachteilgebiete (z. B. Kunstgeschichte, Architekturgeschichte, Technikgeschichte, Landwirtschaftsgeschichte). Das hat einerseits wissenschaftspraktisch zur Folge, daß die Verarbeitung der Erkenntnisfortschritte eines der genannten Fächer für Wissenschaftler der jeweils benachbartern Disziplinen aus mancherlei Gründen zur Nebensache wird oder erschwert ist. Andrerseits stellt sich angesichts des allerseits ergebnisreichen Forschungsfortschritts immer wieder ein Bedarf an einer Auswertung und Zusammenfassung der aktuellen Erkenntnisse mehrerer beteiligter Fachsdisziplinen ein, nicht nur was bestimmte Einzelfragen, sondern auch was die großen Konturen des wissenschaftliches Bildes betrifft, das sich aus den Forschungsfortschritten insgesamt ergeben muß und an dem auch die außerwissenschaftliche Gesellschaft ein immer wieder erkennbares - und widrigenfalles nicht-wissenschaftlich befriedigtes - Interesse hat. Dies Bild fachgerecht zu erstellen ist eine zumindest allgemeingeschichtliche Aufgabe. Es ist aber auch eine an gemeinsame Aufgabe der dem Altertum auf irgendeine Weise zugewandten wissenschaftlichen Disziplinen, fachübergreifend immer wieder zu wissenschaftlich aktuellen traditions- und rezeptionsgeschichtlichen Modellbildungen beizutragen. Eine der dabei besonders interessierenden Fragen ist heute - in einer Epoche weiträumig angelehter'euroäischer Einigung' etwa die Entstehung eines 'europäisch-abendländischen Kulturbereichs'. Generell sind solche traditions- und rezeptionsgeschichtlichen Modellbildungen wichtige wissenschaftliche Bindeglieder zwischen einem heutigen Gegewartsbewußtsein und einer ansonsten u. U. eher 'antiquarisch' wirkenden Beschäftigung mit der Alten Geschichte. (1)

Betrachtet man dabei einerseits die generelle Bedeutung, die die Revision überholter Forschung für jeweils aktualisierte Modellvorstellungen über die Grundlagen der nachantiken europäischen Geschichte im Wissenschaftsbereich selbst seit Einführung spezifischer wissenschaftlicher Wissenschaftskriterien und der Aufgabendifferenzierungen in den altertums- und mittelalterbezogenen Wissenschaftsfächern im 19. Jht.immer wieder gehabt hat, andrerseits die Arbeitsweise und die Publikationen heutiger hervorragender althistorischer Fachleute auf dem eingangs genannten Gebiet, so wird deutlich, in welchem Maße heute eine Berücksichtigung vieler benachbarter Fachgebiete für die Lösung von Fragestellungen - in dem genannten Themenbereich ebenso wie in vergleichbar komplexen anderen Themenbereichen - unabweisbar geworden ist. (2)

Der Fortschritt der erwähnten, relativ vielen einzelnen beteiligten oder sinnvollerweise zu beteiligenden Disziplinen ist zwar schon anhand einer Anzahl aktueller oder auch seit langem eingeführter und teilweise prominenter Handbücher, Lexika, Quelleneditionen usw. ablesbar. Er muß aber heute dennoch gewissermaßen selbst erforscht werden, bevor es zum Zwecke einer zeitgemäßen Modellbildung zu einer Zusammenfassung der jeweiligen Erkenntnisstände kommen kann. Es lassen sich - streng betrachtet - ohne eine solche umfassende und duaernd aktualisierte Bestandsaufnahme nicht mehr als nur einige generelle Feststellungen treffen, die die hier aufgeworfene Frage betreffen. (3) Die nachfolgenden Bemerkungen exemplifieren diese Feststellungen mit Hinweisen auf einige im allgemeinen über die Fachgrenzen hinaus bekannte jüngere Autoren und Werke.

1) Alte Geschichte und Mittelaltergeschichte.

Beide Disziplinen überlappen sich seit jeher bei der Erforschung der Spätatantike und des Frühmittelaters und werden deshalb hier zusammen betrachtet. - In der Arbeit eines Althistorikers wie Dieter Timpe, der in vielen einzelnen Studien den germanisch-keltisch-romanischen Überlagerungsbereich erforscht hat (z. B. 'Arminius-Studien', 1970, ' Die Söhne des Mannus' 1991, ' Kimberntradition und Kimbernmythos', 1994), wird sowohl die Bedeutung interdisziplinärer - die Erkenntnisse etwa der Religionsgeschichte und der Archäologie stets mitnutzender - und letztlich auf Gesamtperspektiven ausgerichteter althistorischer Arbeitsweise deutlich als auch ihre Organisation in Einzeluntersuchungen, die einerseits disziplinär begründet ist, andrerseits dem o. g. Bedarf nicht in vollem Umfange entsprechen kann. - Im Unterschied zu Timpes Arbeitsweise gibt es zusammenfassende Arbeiten wie etwa die von Reinhard Wenskus (' Stammesbildung und Verfassung. Das Werden der frühmittelalterlichen Gentes', 19772 ), die auf eine explizite Modellbildung über ihren Gegenstand ausgerichtet sind und an die insoweit ein erneutes, wenn auch weiter gefaßtes und aktualisiertes Projekt anküpfen könnte. - Einen dritten Typus stellen Gesamtdarstellungen wie die von Michel Banniard (' Europa von der Spätantike zum Frühen Mittelalter. Die Entstehung der europäischen Kulturen vom 5. bis zum 8. Jahrhundert n. Chr., 1989), Herwig Wolfram (' Das Reich und die Germanen. Zwischen Antike und Mittelalter', 1990) oder Arnold Angenendt ('Das Frühmittelalter. Die abendländische Christenheit von 400 - 900 ', 1995 2 ) dar, die die disziplinär übliche Form der aktualisierten, allgemeinhistorischen Gesamtdarstellung einer untersuchten Epoche auch unter eine kulturgeschichtliche Perspektive stellen. - Ein vierter Typ sind Einzeluntersuchungen in typologisierender Absicht, für die als Beispiel eine solche von Helmut Castritius ('Von politischer Vielfalt zur Einheit. Zur Ehnogenese der Alamannen. Typen der Ethnogenese', 1990) genannt sei.

2) Römische Provinzialarchäologie und 'Frühgeschichte' des west- und mitteleuropäischen Raumes.

Beide Teilfachgebiete stehen in einem Ergänzungsverhältnis zueinander, was den keltisch-romanisch-germanischen Überlagerungsbereich der Spätantike und des Frühmittelalters betrifft, und werden hier deshalb zusammen kommentiert. - In zusammenfassenden Publikationen über den Stand der römischen Provinzialarchäologie - zum Beispiel bei H. v. Petrikovits für das Rheinland (z. B. ' Die Rheinlande in römischer Zeit', 1980) , C.-M. Ternes für Gallien und die germanischen Provinzen (z. B. ' Die Römer an Rhein und Mosel', dt. 1976; Römisches Deutschland, 1986), A. Birley für Britannien (Roman Britain, 1968 3 ) - und der Frügeschichte des keltischen und germanischen Bereichs - zum Beispiel bei K. Spindler (' Die frühen Kelten', 1991 2 ) oder W. Mengin (' Kelten, Römer und Germanen. Archäologie und Geschichte', 1980) läßt sich annähernd ersehen, wie viele wissenschaftlich untersuchte Reste und Vorarbeiten in ihre Gesamtbeurteilungen eingehen. Dasselbe gilt für begrenzte Darstellungen bestimmter Kulturaspekte wie z. B. die Gemeinschaftsarbeit der Landwirtschaftshistoriker J. Lüning, A. Jockenhövel, H. Bender, T. Capelle, (' Deutsche Agrargeschichte. Vor- und Frühgeschichte', 1997). Vieles aus den zugrundliegenden Forschungsergebnissen und Bestandsaufnahmen dürfte ohne eine größere oder eindeutige Aussagekraft im Rahmen der oben gestellten Frage sein. Einiges jedoch ist von dieser Qualität, und dies müßte für eine plausible althistorische Modellbildung aufgefunden und nutzbar gemacht werden.

 

Die Abbildungen in ihrer Reihenfolge:

3) Sprachgeschichte (Etymologien einzelner europäischer Spachen).

Es sei hier nur hingewiesen auf thematisch interessante etymologische Standardwerke zur französischen, deutschen und englischen Sprachgeschichte - wie z. B. das von R. E. Keller, 'Die deutsche Sprache und ihre historische Entwicklung', 1995 2 ), etymologische Lexika - wie z. B. das von E. Gamillscheg, 'Etymologisches Wörterbuch der französischen Sprache', 1969 2 - oder Spezialuntersuchungen - wie z. B. von H. Gneuss, 'Lehnbildungen und Lehnbedeutungen im Altenglischen', 1955) -, die für ihr Wortmaterial in jedem einzelnen Falle jeweils auf einem von außen kaum überblickbaren wissenschaftlichen Unterbau ruhen, um die Breite der etymologisch schon erschlossenen Möglichkeiten für allgemeingeschichtlich, insbesondere - aber nicht nur - kulturgeschichtlich fruchtbare, über die Sprachgeschichte i. e. S. hinausführende Untersuchungen anzudeuten. Obschon es viele in dieser Hinsicht interessante, auch zusammenfassend-modellbildende und aktuelle sprachgeschichtliche Untersuchungen gibt - z. B. solche wie die von A. Steffinelli, 'Das Schicksal des lateinischen Wortschatzes in den romanischen Sprachen', 1992 -, so sind sie doch prinzipiell in einen nicht allgemeingeschichtlich orientierten, sondern eben in einen sprachgeschichtlichen Rahmen gestellt.

4) Religions- und Mythengeschichte.

Hier sei beispielshalber nur auf den aktuellen Stand der Entwicklung der Forschung an der 'germanischen Mythologie' hinzuweisen, wie sie in einem Lexikon wie dem von R. Simek, 'Lexikon der germanischen Mythologie', 1984, Ausdruck findet. Das in früherer Zeit politisch-weltanschaulich stark besetzte Gebiet der germanischen Mythologie läßt sich vermutlich in einem Ansatz wie dem hier konzipierten auch allgemeingeschichtlich interessant neu erschließen.

Ähnlich sind auch für den keltischen Bereich und die römische Religionsgeschichte des Kaiserreichs und natürlich für die spätantike und frühmittelalterliche Entwicklung des Christentums im keltisch-germanisch-romanischen Überlagerunsgbereich zahlreiche Aktualisierungen der Forschung zu registrieren, die für religiöse Momente bei der Völkerbildung und Hochkulturverbreitung im Intersuchungsraum belangvoll sind.

5) Rechtsgeschichte.

Die wissenschaftliche Auswertung der spätantiken und frühmittelalterlichen Rechtsquellen römischer und germanischer Provenienz - z. B. innerhalb der romanistischen und der germanistischen Abteilung der Zeitschrift für Rechtsgeschichte der Savigny-Stiftung, die sich auf das auch im vorliegenden Themenzusammenhang wichtige Werk F. C. von Savignys (Geschichte des römischen Rechts im Mittelalter, 1850/12 ) bezieht, oder in den Publikationen des Max-Planck-Instituts für Europäische Rechtsgeschichte - verläuft seit dem Beginn ihrer immer noch nicht ganz abgeschlossenen wissenschaftlichen Edition (in den Monumenta Germaniae Historica, Bd. V) zumeist getrennt nach rechtshistorischen und nach allgemeinhistorischen Erkenntnisinteressen. Ein zwar im engeren Sinne rechtshistorisches Thema ist dabei die Rechtsterminologie der 'leges barbarae', die teils aus der römischen Rechtstradition, teils aus derjenigen germanischer Völker stammt, auch wenn sie in lateinischer Sprache erscheint (in germanischen Lehnworten wie z. B. 'rachineburgii,' 'mallobergus' u. ä. der Lex Salica' oder in lateinischen Übersetzungen nicht-römischer Rechtsbegriffe). Umgekehrt ist die Beeinflussung alter germanischer Sprachen - wie des Altdeutschen und Altenglischen - durch die frühe Übernahme lateinischstämmiger Rechtstermini interessant. Auf beiden Feldern ist die Forschung noch nicht abgeschlossen (dazu: Karl Kroeschell, Deutsche Rechtsgeschichte 1, 1989 7 , S. 53 ff. (Germanisches Recht und römisches Vulgarrecht).

II. DETERMINISTISCHE UND GESCHICHTSHARMONISIERNDE FEHLSCHLÜSSE AUS EINEM A POSTERIORI FÜR EIN 'EUROPÄISCHES ABENDLAND' GEBILDETEN KULTURKREIS-MODELL.

Wie könnte bei solcher Forschungsvielfalt die Arbeit an einem interdisziplinär fundierten allgemeingeschichtlichen Modell der spätantik-frühmittelalterlichen Geschichtsentwicklung im mittleren und nordwestlichen Europa aussehen?

Im Mittelpunkt müßten wegen ihres historischen Gewichts sicherlich die Entwicklungen in und zu unterschiedlichen Völkerbildungen, Sprachgemeinschaften oder politischen Zusammenhängen einerseits, zu übergreifenden Gemeinsamkeiten religiöser (christlicher), bildungs- und rechtssprachlicher und alltagszivilisatorischer Art andrerseits stehen. Letztere werden - unter Hervorhebung des religiösen Moments - im allgemeinen mit Begriffen wie "christlich-abendländischer Kulturkreis" oder - bei Einbeziehung des östlichen Europa - "christlich-europäischer" Kulturkreis oder - wenn es allein um das byzantinsich-christlich geprägte Südost- und Osteuropa geht - "christlich-orthodoxer Gesellschaftskörper" (A. Toynbee, in deutscher Übersetzung) erfaßt. (4) Doch wirft ein solcher Begriff - nicht nur in der Toynbee'schen Fassung, sondern generell wegen seiner vom Gegenwartsdenken her gesteuerten Intention einer nachträglich zusammenfassenden Geschichtsgesamtdeutung Probleme auf.

Der Begriff des Kulturkreises setzt ja einerseits Gemeinsamkeiten der in ihm enthaltenen unterschiedlichen Phänomene voraus, andrerseits eineAbgrenzung gegen eine anderskulturelle 'Umwelt'. Abgrenzungen sind ein essentielles Element i. w. S. sozialer - politisch-militärischer ebenso wie ethnisch-sprachlicher, religiöser ebenso wie alltags- oder bildungskultureller - Systembildungen . Ihrer historischen Herausbildung liegen nicht nur geographische Trennfaktoren und demographische Sonderentwicklungen verschiedener Art, sondern auch Leistungsgrenzen von Organitationen und Institutionen bei der Zusammenfassung menschlichen Verhaltens zugrunde. Dazu kommen in besonderem Maße auch politische und der wirtschaftliche Interessen bestimmter Bevölkerungen oder ihrer sozial tongebenden Schichten an der Möglichkeit, bestimmte natürliche Ressourcen oder 'verfügbare' menschliche Arbeitskraft zu nutzen bzw. auszubeuten. Und auch das Gegeneinander unterschiedlicher ethnischer Traditionen, religiöser Glaubensformen oder anderer Gewohnheiten räumlich benachbarter Bevölkerungen kann u. U. scharfe Grenzen zwischen den jeweils beteiligten Kommunikationskreisen aufrichten. (5)

Mit Abgrenzungen dieser Art verbinden sich im allgemeinen auch Konfliktverhältnisse zwischen den voneinander abgegrenzten Populationen, die kollektiv-bewußt und oft auch sprachlich präsent sind - etwa in dem Sinne, wie die lateinischen Worte 'hospes' und 'hostis' aus demselben Wortstamme hervorgehen. Das gilt sowohl da, wo es vor allem um politische und wirtschaftliche Interessendivergenzen, als auch da, wo es eher um die Verteidigung oder den Vorrang ethnischer Traditionen oder religiöser Prinzipien geht. Die äußerste, wenn auch nicht gerade seltene Gestalt solcher Konflikte der Interessen und Ideen sind der Krieg oder die virulente, nur sporadisch hervorbrechende Gewaltanwendung, beide mit ihren typischen und oft längerfristig-realitätsresistenten Formen feindorientierten Kollektivdenkens.

Geht es nun um die modellhafte Erfassung der Entstehung eines Kulturkreises, so kann man seine Einheit nicht einfach als 'Anlage' (d. h. als 'Telos' eines sich zwar erst entwickelnden, aber im Grunde bereits vorhandenen Gesamtsystems nach dem Paradigma etwa eines 'Samens') voraussetzen. Man muß vielmehr vor einer Bestimmung seines Verhältnisses zu anderen Kulturkreisen, die eine systemische Einheit ja schon voraussetzt, vor allem die in ihm selbst in der Bildungsphase historisch längerfristig wirksam gewordenen Abgrenzungen und Konflikte in ihrer Entwicklung eine besondere Aufmerksamkeit schenken, selbst dann, wenn die 'Gemeinsamkeiten' - die ihrerseits allerdings an den Grenzen des Kulturkreises enden - historisch a posteriori - als 'wesentliches Moment' für die Entstehung einer 'inneren Einheit' dieses Kulturkreises angesehen zu werden pflegen. Denn die Abgrenzungen und Konflikte, die in Spätantike und Frühmittelalter, das spätere mittel- und westeuropäische 'Abendland' durchziehen und trennen, sind gewaltig.

Wie schon Caesars und Tacitus Berichterstattung über Gallien und Germanien erkennen lassen, gibt es bereits vor der römischen Expansion in den west- und mitteleuropäischen Raum hinein zwischen den dortigen 'barbarischen' Völkerschaften vielfältige, nicht nur ephemere, sondern als heftig beschriebene politisch-militärische, ethnische oder sprachlich beschriebene Abgrenzungen und Konflikte mit virulenter Gewaltausbruchstendenz und offenen Kriegsausbrüchen. Es gibt dort andrerseits auch einige Gemeinsamkeiten der Religion (z. B. in den keltische Gemeinheiligtümern und gemeinsamen Kultbräuchen) oder des ethnischen Herkommens (z. B. bei den den 'Sueben' zugeordneten Germanenstämmen). (6)

Das Ausgreifen der römischen Macht auf den west- und mitteleuropäischen Raum schafft dort nach Abschluß der Expansionsphase eine neue, große und sehr dauerhafte Abgrenzung - die Limitanbereiche an Donau, Rhein und den britannischen Landengen - , und zwar gegen eine Anzahl 'barbarischer' Nachbarvölker. Innerhalb des römischen Provinzialbereichs bewirken konsequente militärische Herrschaftssicherung, 'Romanisierung' und 'Urbanisierung' eine Umformung und Bedeutungsminderung der bisherigen Grenzziehungen zu einem System von Provinz- und Civitas-Grenzen in einem sich im Laufe der Zeit allgemeinkulturell homogenisierenden - wenn auch nicht in allen Teilregionen auf einen gleichen zivilisatorischen Stand gebrachten - Raum. In den 'barbarischen Vorfeldern' der Limitanbereiche bleibt es einerseits bei einer 'vorrömischen' Weise der Grenzbildungen und Wanderungsbewegungen und bei den durch sie immer neu erzeugten Konfikten. Andrerseits kommt es nun aber auch zu neuartigen Bündnisbildungen der den römischen Grenzen benachbarten Völkerschaften gegen den römischen Nachbarn mit seinen von Anfang an regelmäßig offensiv-grenzsichernden Aktionen. Dies führt im Verlaufe einer mehrhundertjährigen Entwicklung zur Entstehung neuer Völkergemeinschaften (wie z. B. der 'Franken').

Die Nachbarschaft der römisch-imperialen Hochkultur bewirkt parallel zu diesen Abgrenzungs- und Konfliktverhältnissen bei den Barbarenvölkern vor den Grenzen im grenznahen Bereich in stärkerem, aber zur Spätantike hin auch bei grenzferneren Völkern generell zunehmenden Umfang eine Übernahme römischer Kulturelemente. Dies gilt nachweislich für Elemente der materiellen Kultur (wie z. B. das Weintrinken, den Besuch von Märkten und den Geldgebrauch bei den Germanenstämmen im süddeutschen Raum), erschließbar auch einiger Vorteile der politisch-militärischen Organisation und wahrscheinlich sogar der Geisteskultur (worauf z. B. alte lateinischstämmige Lehnworte in germanischen Sprachen wie 'Pferd', 'Amt', 'Kaiser' oder 'schreiben', 'dichten' hinweisen). (7)

Allerdings hat diese Übernahme in der Regel nicht den Charakter einer Assimilation, und der ethnische und sprachliche Unterschied zwischen Römern und 'Barbaren' bleibt trotz vieler beiderseitiger Kontakte und Kooperation in Friedenzeiten - selbst im Falle einer Assimilation - wie etwa bei Militärkarrieren von Germanen in römischen Densten oder wie bei der Eingliederung barbarischer Siedler in ein römisch verwaltetes Territorium - jahrhundertelang, bis in das Mittelalter hinein, belegbar.

Vor allem im Rahmen zunächst 'kriegerischer' - im Laufe der Zeit im strikten Wortsinne 'militärischer' und 'politischer' werdender - germanischer Stammesbündnisse formieren sich in Schwächephasen des Römischen Reiches Interessen an Grenzübergriffen, die sich schon vor den Jahrhunderten der spätantiken 'Völkerwanderunszeit' mit überregionalen Wanderungsbewegungen verbinden und die sich von temporären, ständig wiederholten Raubzügen mit der Zeit auch zu dauerhaft gemeinten Landnahmeaktionen auf dem Boden des Römischen Reiches entwickeln können. Die so entstehenden Konflikte mit der römischen Seite führen zu immer erneut geführten römischen Abwehr- und Präventionskriegen zur Grenzstabilisierung. Auch wenn es andrerseits nach deren Beendigung in der Regel zu irgendwelchen Friedensarrangements kommt, welche Grenzrespektierungs- und -sicherungspflichten barbarischer Stämme oder die Ansiedlung barbarischer Populationen als 'Laeten' und seit dem 4. Jht. sogar die Aufnahme autonomer barbarischer Völkerschaften als 'Föderaten' im Territorium des Römischen Reiches zum Inhalt haben können, so bedeuten solche Arrangements - von schon erwähnten Ausnahmen abgesehen - keine kulturelle Assimilation barbarischer Bevölkerungsgruppen und ändern nichts an grundsätzlich fortbestehenden Interessenkonflikten zwischen ganzen 'barbarischen' Völkerschaften hier und dem römischen Reich dort. Ein immer erneutes Ausbrechen der Gewaltanwendung - nach mehr oder weniger lang andauernden Friedens- und Loyalitätsphasen - im Laufe der jahrhundertelangen spätantiken und frühmittelalterlichen Geschichte macht die Annahme einer Kontinuität in solchen Konfliktverhältnissen plausibel. (8)

Die Abgrenzungskonflikte zwischen dem Römischen Reich und seinen 'barbarischen' Nachbarn sind nicht einmal dann völlig beendet, als der politische Bestand des westlichen Reichsteils zugunsten einer Anzahl germanischer Nachfolgeherrschaften aufgelöst ist. Das zeigen die noch über ein Jahrhundert danach fortwirkenden Konflikte der Vandalen, der Ostgoten, der Franken oder der Langobarden mit Byzanz.

Unter den - sich gegeneinander abgrenzenden und miteinander konfligierenden - Nachfolgeherrschaften auf ursprünglich römischem Territorium des westlichen Reichsteils bestehen jedoch administrative, rechtliche und wirtschaftliche Strukturen der römischen Hochkultur und auch ihre christlich-kirchliche Ordnung und ihr 'Bildungswesen' - auf unterschiedlich intensive Weise fort. Die Vereinigung ursprünglich römisch-provinzialer mit nicht-provinzialen Gebieten unter 'barbarischer' Herrschaft fördert ferner einen nachantiken Hochkulturdiffusionsprozeß in das vormals den römischen Grenzen vorgelagerte 'Barbaricum' hinein.

Beide Phänomene - tiefreichende und dauerhafte Konfliktverhältnisse hier, Hochkultudiffusionsprozesse dort - kommen mithin als Grundlage und Rahmen gemeinsamer europäischer Kulturtradition in Frage. Dies gilt es an dieser Stellefür die weiteren Überlegungen zu betonen.Betrachtet man die lange Zeit der in starkem Maße durch Konflikte bestimmten ersten Jahrhunderte dieser Entwicklung, die im nachhinein als 'eine Entwicklung zu einem Kulturkreis' angesehen zu werden pflegt, so ist es, um es zu wiederholen, gerade wegen ihres konfliktuöse: Charakters offenkundig problematisch, von einer 'Anlage' zu einer Einheits- Entwicklung zu sprechen: in den vielfältigen, regional und temporär begrenzten Konfliktverhältnissen, in den zu ihrer Zeit oft ganz ungewissen Ausgängen dieser Konflikte ebenso wie in dem jahrhundertelangen grundlegenden und fast statischen Gegensatz zwischen einer politisch organisierten Hochkulturzone und einem Barbaricum läßt sich so etwas wie eine gerichtete Entwicklung kaum erkennen.

Ich sehe vielmehr nur ein einziges, allerdings wichtiges Moment, das der Entwicklung erkennbar eine gewisse Richtung gibt, nämlich eine 'Kulturdrift' von der antiken Hochkultur zu den weniger ausgeprägten und kommoden Formen barbarisch-bäuerlicher Alltagskultur; diese 'Drift' findet sich auch in der Entwicklung insoweit vergleichbarer anderer Altertumskulturen mit einem barbarischen Umfeld (wie z. B. des Alten China im Verhältnis zu den Nomadenvölkern vor seinen Grenzen). (9)

Dieses Moment reicht aber m. E. nicht aus, die genannte jahrhundertelange und immer wieder konfliktuöse Entwicklung der Süpätantike und des Frühmittelalters modellhaft, etwa in Aufnahme Hegelscher Denkmuster, 'im Kern' - d. h. unter Absehen von dem, was sonst noch wesentlich ist - als 'kontinuierlichen Hochkulturdiffusionsprozeß' begreifen, der für alle daran beteiligten Menschengruppen, ohne daß sie davon wußten, prinzipiell vorteilhaft, wertvoll oder wenigstens akzeptabel gewesen wäre und dessen - zwar langwieriger und von kriegerischen Friktionen begleiteter - Verlauf von Anfang an zielstrebig einem 'Endzweck' der Vervollkommnung der Menschheit in der weltbestimmend-universellen 'Totalität' christlich-abendländischer Zivilisation zugestrebt wäre. (10)

Nicht wenige bekannte literarisch-historische Geschichtsquellen machen für die Jahrhundert 'des Anfangs' die Annahme des Gegenteils plausibel und anschaulich. Sie zeigen vor allem immer wieder - und dies nicht nur zu Beginn der römischen Expansion nach West- und Mitteleuropa, sondern auch in späteren Epochen - man kann sagen: überall dort, wo 'freie', nicht völlig unterwerfbare Barbarenvölker dem Römischen Reich gegenübertreten -, wie dicht nebeneinander kulturelle (Teil-) Integration und archaisch-feindliche Abwehr nicht-tolerierter Fremdeinflüsse bei Barbarenvölkern und auf römischer Seite über Jahrhunderte hin liegen. (11)

Ist ein Verhalten wie das hier geschilderte nicht nur aus einer konkreten Kriegssituation erklärbar, sondern als Ausdruck einer grundsätzlicher angelegten Konfrontation politischer, kultureller und ethnischer Interessen zu verstehen, so erscheint es vielmehr sinnvoll, in einer Modellvorstellung für die gesamte Entwicklung gerade von derartigen Frontstellungen und Konfliktverhältnissen auszugehen und die vielfältigen Kriege, Okkupationen, Raub- oder Strafaktionen wegen der sie konstitutierenden dauerhaft divergierenden Interessen im Verhältnis zwischen römischer und jeweiliger barbarischer Seite als das tonangebenden Moment der historischen Geschehnisse und Veränderungen anzusehen, dagagen die sich eher unbewußt und alltäglich vollziehenden Vorgänge der Hochkulturdiffusion als ein zwar dauerhaftes, aber keineswegs bestimmendes oder gar determinierendes Begleitmotiv.

SCHLUSS.

Ein heute interdisziplinär zu erarbeitende Modellvorstellung von der Entwicklung der genannten Epochen muß daher sinnvollerweise grundsätzlich darauf ausgerichtet sein, die Deutung der geschichtlich bedeutenderen Abgrenzungen und Konfliktverhältnisse aus politischen, ethnischen und i. w. S. 'wirtschaftlichen' Motiven (z. B. im Kampf um Siedlungsräume) nicht in einem von späteren Entwicklungsergebnissen einer 'abdenländischen Gemeinsamkeit' oder gar von heutigen Projektionen 'europäischer Einigung' ausgehenden, harmonisierenden Ansatz fehlzuleiten . Nur unter dieser Voraussetzung könnte es die verschiedenen Prozesse einer von der griechisch-römischen Kultur ausgehenden Hochkulturdiffusion im Barbaricum in einen sinnvollen systematischen Zusammenhang stellen und entsprechend deuten. Die Entwicklung hin zu einem 'Abendland' war, so scheint es, nicht vom antiken Anfang an determiniert, und spätere, bis in unsere Zeitgeschichte fortdauernde 'innereuropäische' Grenzziehungen und Konflikte sind mindestens ebenso als ein Erbe der Antike zu betrachten wie einige wichtige kultururelle Gemeinsamkeiten.

Ein heutiges Modell für die Abgrenzung und Neubildung von Völkern und Kultursystemen im Nordwesten des römischen Kaiserreichs muß daher Erklärungen bieten sowohl für die Verschiedenartigkeit der europäischen Völkerbildungen, die an die Stelle der politisch-militärischen, ethnischen und sprachlichen Abgrenzungen der Antike traten, als auch für die Entstehung der europäisch-übergreifenden Gemeinsamkeiten und Verständigungsmöglichkeiten dieser und späterer Zeiten, wie sie vor allem vom kirchlichen Rahmen und von der lateinischen Bildungs-, Urkunden- und Rechtssprache gebildet wurden.

ANMERKUNGEN:

1) Der Verfasser hat des öfteren tradtions- und rezeptionsgeschichtliche Themen unter verschiedenen Schwerpunktbildungen, einschließlich der neuzeitgeschtlichen Perspektive, in Aufsätzen ('Hugo Grotius und das antike Völkerrecht'), und mehreren Lehrveranstaltungen (vgl. etwa die WWW-Skripten 'Antike Wirtschaftssysteme', Kap. 7, Landwirtschaft und bäuerliche Lebensform im Altertum, Kap. 9, oder im gesamten Skript 'Moderne politische Ideenwelt und antike Tradition' bearbeitet. Er hat deshalb den großen Aufwand, den eine ausgearbeitete interdisziplinäre Modellbildung in der angesprochenen, durchaus aktuelen Frage bereiten muß, deutlich vor Augen.  

2) In seiner Darstellung 'Neue Profile der Alten Geschichte' (Darmstadt 1990), in der er die Arbeit einiger prominenter Althistoriker analysiert, die für verschieneartige gegenwärtige Entwicklungen des Fachgebiets auslösend gewirkt haben (A. Alföldy, J. Vogt, H. Berve, R. Syme, A. Momogliano, K. I. Finley), hebt Karl Christ als gemeinsame Bedingung moderner wissenschaftlichen Arbeit an der Geschichte des Altertums- bei aller gemeinsamer altertumsbezogen-geisteswissenschaftlicher Tradition - die wissenschaftliche Aufsplitterung schon des Fachgebietes Alte Geschichte durch die notwendige Spezialisierung (wie z. B. Numismatik, Prosopopgraphie auf epigraphischer Grundlage, Wirtschaftsgeschichte) hervor und die gegenläufig dazu - und ebenso notwendig - werdenden 'Grenzüberschreitungen' zu und Kooperationen mit dann jeweils benachbarten Fächern - wie z. B. mit der Archäologie, Rechtsgeschichte , Ethnologie, Religionsgeschichte - hervor. Aus den Bedingungen der Spezialisierung geht generell auch die Notwendigkeit von 'Modellbildungen' hervor, wie sie der hier formulierten Projektkonzeption zugrundeliegt.

3) Im folgenden zitierte Titel:

  1. Zu 'Alte Geschichte und Mittelaltergeschichte': Dieter Timpe, Arminius-Studien, Heidelberg 1970; ders., Die Söhne des Mannus, Chiron 21 (1991), S. 65 - 125, ders. Kimberntradition und Kimbernmythos, in: B. und P. Scardigli (cur.), Germani in Italia, Rom 1994, S. 23 - 60. - Michel Banniard, Europa von der Spätantike zum Frühen Mittelalter. Die Enstehung der europäischen Kulturen vom 5. bis zum 8. Jahrhundert. n. Chr. (Genèse culturelle de l'Europe - Ve au VIII siècle, 1989; übersetzt von C. E. Paschold), München 1989. - - Arnold Angenendt ('Das Frühmittelalter. Die abendländische Christenheit von 400 - 900 ', Stuttgart 1995 2 - Herwig Wolfram, Das Reich und die Germanen. Zwischen Antike und Mittelalter, Berlin 1990 - Helmut Castritius, Von politischer Vielfalt zur Einheit. Zu den Ethnogenesen der Alamannen. Typen der Ethnogenese in: Herwig Wolfram, Walter Pohl (Hg.), DsÖAW 201, Wien 1990, S. 71 ff. - Reinhard Wenskus, Stammesbildung und Verfassung. DasWerden der frühmittelalterlichen Gentes, Köln 1972 2 .
  2. Zu 'Römische Provinzialarchäologie und Frühgeschichte des west- und mitteleuropäischen Raums: H. von Petrikovits, Die Rheinlande in römischer Zeit, Düsseldorf 1980. - Charles-Marie Ternes, Die Römer an Rhein und Mosel, dt. Übers., Stuttgart 1976; ders., Römisches Deutschland, Stuttgart 1986. - A. Birley, Roman Britain, London 1968 3 . - Konrad Spindler, Die frühen Kelten, Stuttgart 1991 2 oder W. Mengin, 'Kelten, Römer und Germanen. Archäologie und Geschichte', München 1980. - J. Lüning, A. Jockenhövel, H. Bender, T. Capelle, (Hg.), Deutsche Agrargeschichte, begründet von G. Franz. Band 1: Vor- und Frühgeschichte, Stuttgart 1997).
  3. Zu 'Sprachgeschichte (Etymologien einzelner europäischer Spachen)': R. E. Keller, 'Die deutsche Sprache und ihre historische Entwicklung', dt. Übers., Hamburg 1995 2 - E. Gamillscheg, 'Etymologisches Wörterbuch der französischen Sprache', Heidelberg 1969 2 .- H. Gneuss, 'Lehnbildungen und Lehnbedeutungen im Altenglischen', Berlin 1955 - A. Steffinelli, 'Das Schicksal des lateinischen Wortschatzes in den romanischen Sprachen', Passau 1992.
  4. Zu 'Religions- und Mythengeschichte': Rudolf Simek, 'Lexikon der germanischen Mythologie', Stuttgart 1984.
  5. Zu 'Rechtsgeschichte': Karl Kroeschell, Deutsche Rechtsgeschichte 1, Opladen 1989 7 , S. 53 ff. (Germanisches Recht und römisches Vulgarrecht).

4) Zum Terminus 'christlich-orthodoxer Gesellschaftskörper' wie generell zum Begriff eines 'Kulturkreises: A. Toynbee, Der Gang der Weltgeschichte (A Study of History; Kurzfassung 1941), autorisierte Übersetzung ins Deutsche von Jürgen von Kempski, München 1973 2 , S. 33 ff. (46).

5) Zum Begriff des 'sozialen Systems' und seinen wesentlichen Begriffselementen, insbeondere demjenigen der 'Abgrenzung, N. Luhmann, Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie, Frankfurt 1987, S. 242 ff. (System und Umwelt).

6) Caesar, B. G. (6. Buch); Tacitus, Agricola, Germania und Annalen ( u. a. 1. Kap.)

7) Zu den Gewohnheiten der grenznahen Germanenvölker: Tacitus, Germania 5 unbd 23; Zur Etymologie früher Lehnworte wie 'Pferd', 'Amt', 'Kaiser', 'Schreiben', 'Dichten': Rudolf E. Keller , Die deutsche Sprache und ihre historische Entwicklung, Hamburg 1995 2 , S. 118 ff.

8) Zur Entwicklung des Verhältnisses zwischen Germanen und Römischem Reich in einer Kurzdarstellung zusammenfassend etwa : H.Wolfram, Die Germanen, München 1995, S. 46 ff., 75 ff., 86 ff.

9) Zur Ausbreitung kultureller Gewohnheiten und zu Problemen der Deutung ihrer bestimmenden Momente grundsätzlich etwa A. Sheratt, Interpretation und Synthese, in: ders. (Hg.), Die Cambridge-Enzyklopädie der Archäologie, übersetzt von C. Bruder u. a., München 1980, Kap. IX: Muster und Entstehungsprozesse, S. 405 ff. Zum Modell einer Hochkulturdiffusion am Beispiel der Grenznachbarn des Alten chinesischen Kaiserreichs im Vergleic mit dem Römischen Reich: C. Gizewski, Römische und chinesische Geschichte im Vergleich. Zur Möglichkeit eines gemeinsamen Altertumsbegriffs, KLIO 76 (1998), S. 272 - 302.

10) Vgl etwa die Ausführungen zur 'Vernunftansicht' und zum 'Endzweck der Weltgeschichte' in Hegels geschichtsphilosophischen Vorlesungen, G. Lasson (Hg.), G. W. F. Hegel, Philosophie der Weltgeschichte, Leipzig 1923.

11) Das ständige Hin und her zwischen oberflächlicher Vertragstreue und ständig erneuerter Kriegsbereitschaft bei Franken und Alamannen und die entsprechenden römischen Reaktionen schildert etwa Ammianus Marcellinus für seine Zeit (z. B. im 17. Buch, Kap. 1 und 2, 6. 8 - 10). Die bekannten Formen verächtlichen Kriegshasses gegenüber besiegten Feinden finden sich auch für andere barbarisch Völker beschrieben (z. B. in: Prokop Gotenkriege 3, 38 - Sklavenier).


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