S 36: Eine kurze, kommentierte Literaturliste zum Thema 'Kriegsende in Berlin und Brandenburg'

von Christian Gizewski.

Stand: 15. Jan. 2012.

Während im westlichen Nachkriegsdeutschland eine Tradition der Geschichtsschreibung über die allerletzte Phase des zweiten Weltkrieges, auch soweit sie den Berlin-Brandenburger Raum betraf, schon bald nach 1945 entstand, war im Bereich des östlicheren Deutschland wegen der die dort präsente sowjetische Seite betreffenden und belastenden Aspekte des Kriegsend-Geschehens lange Zeit politische Rücksicht zu nehmen. Erst nach der deutschen Wiedervereinigung seit 1989 und dem Abzug der vormaligen Besatzungstruppen 1994 hat sich dort eine offene, nicht durch politisch-orthodoxe Bekenntniszwänge begrenzte publizistische Diskussion entwickeln können, d. h. auch eine solche im Rahmen unmoderierter heimat- und regionalgeschichtlicher sowie (oft auto-) biographischer Darstellungen. Die selbstläufig-unsinnigen und daher besonders tragischen Abäufe des Kriegsendes 1945 aufseiten beider Kriegsparteien wirkten ja kräftig im Bewußtsein der von ihnen schwer betroffenen Berliner und Brandenburger Bevölkerung fort, bis heute immer wieder einmal deutlich hervortretend nicht nur bei den damals Jungen und heute ganz Alten, sondern auch bei deren Nachkommenschaft.

Die folgenden Titel sollen in ihrer Unterschiedlichkeit auf die verschiedenen Formen der Beschäftigung mit dieser einschneidenden Zeit nur hindeuten. Sie streben keinerlei 'Vollständigkeit' an.

1. Zu: Tony Le Tissier, Der Kampf um Berlin. Von den Seelower Höhen zur Reichskanzlei. Ins Deutsche übertragen von Wolfgang Bergt und Hans-Ulrich Seebohm, Erweiterte Taschenbuchausgabe, Ullstein-Verlag, Frankfurt a. M., Berlin 1994 (auch in neueren Druckauflagen).

Der 1932 geborene Verfasser war Angehöriger der 'Berlin Brigade' der Britischen Rheinarmee, aus der er als Oberstleutnant 1977 ausschied, er war der letzte britische politische Direktor ('Gouverneur') des alliierten Gefängnisses für die in den Nürnberger Prozessen 1946 Verurteilten. Über diese Tätigkeit hat er in dem Buch 'Spandauer Jahre. Die Aufzeichnungen des letzten britischen Gouverneurs 1981 - 1991' (München 1997) berichtet. In dem hier kommentierten, 1994 erschienenen Werk stellte er zusammenfassend die militärische Seite der Kriegsendzeitgeschichte im Berliner und Brandenburger Raum dar. Als militärgeschichtlicher Autor hat er sich in einem weiteren Werk dann nochmals eingehend und unter Einfügung viel neuen Karten- und Anschauungsmaterials speziell mit dem Thema der Durchbruchskämpfe an der Oder 1945 auseinandergesetzt (Durchbruch an der Oder. Der Vormarsch der Roten Armee 1945, Frankfurt/M, Berlin 1995, 432 S.) - Sein älteres Buch zum Thema Kriegsende, 'Der Kampf um Berlin', ist umfassender. Geschildert werden der sowjetische Offensivplan, die auf deutscher Seite getroffenen Abwehrvorkehrungen, die sowjetischen Durchbrüche, Umfassungsmnöver, etwa bei Halbe, und teilweise ungedeckten Schnellvorstöße nach Westen, die Einkesselung Berlins und die dortige Beendigung der Gegenwehr. Jeweils entsprechend wird die deutsche Seite beschrieben, so etwa die Gefechtshandlungen der 9. Armee, ihr Rückzug durch die sowjetischen Riegelstellungen nach Westen, ihre Vereinigung mit der zu Entsatzzwecken auf Berlin vorrückenden 12. Armee ('Armee Wenck') und der gemeinsame Rückzug nach Westen bis zur Kapitulation vor den amerikanischen Truppen an der Elbe. Im Mittelpunkt stehen die beiderseits unerbittlichen und äußerst verlustreichen Kämpfe um und in Berlin bis zur dortigen Kapitulation am 2. Mai 1945.

2. Zu: Matthias Helle, Nachkriegsjahre in der Provinz. Der Brandenburgische Landkreis Zauch-Belzig 1945 bis 1952. Dissertation am Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften der Ferien Universität, 2008, 468 S. Bisher nicht gedruckt, aber im Internet unter der Adresse http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000005379 einsehbar.Teil 1 zum Kriegsende 1945.

Diese von einem jungen, aus Belzig stammenden Historiker als Dissertation verfaßte, knappe und übersichtliche Darstellung der Zeit des Kriegsendes und der unmittelbar nachfolgenden Jahre geschieht schwerpunktmäßig am Beispiel eines Brandenburger Landkreises, beleuchtet dabei aber notwendigerweise immer wieder auch die politische und wirtschaftliche Entwicklung des ganzen Landes nach Auflösung des NS-Systems und in den ersten SBZ/DDR-Jahren. Der Titel des Werks bezeichnet Brandenburg als 'Provinz' und spielt damit wohl auf eine unbewußte Distanz 'gewohnter' Berliner zum Umland an. - Auf den S. 23 - 51 erörtert der Autor prägnant und zugleich ausführlich alle wichtigen, in der Erinnerung der regionalen Bevölkerung gebliebenen militärischen und die Zivilbevölkerung betreffenden Geschehnisse der letzten Kriegswochen, einschließlich der in ihnen geschehenen - nicht schlagwortartig gesprochen - Unmenschlichkeiten. Dieses Kapitel geht den späteren, politik- und wirtschaftsgeschichtlichen, die SBZ und die DDR betreffenden Ausführungen gewissermaßen wie ein Fremdkörper voran. - Der Arbeit ist vielfältiges, in ausgedehnten Archivstudien gewonnenes Anschauungs- und Quellenmaterial beigefügt.

3. Zu: Günther W. Gellermann, Die Armee Wenck - Hitlers letzte Hoffnung. Aufstellung, Einsatz und Ende der 12. deutschen Armee im Frühjahr 1945, Bernhard & Graefe Verlag, Koblenz 1990 2, 214 S. (264 Seiten der 4., 2007 erschienenen, überarbeiteten und erweiterten  Neuausgabe)

Dies ist eine erstmals 1983 erschienene, unter Betreuung des Kölner Zeitgeschichts-Professors Andreas Hillgruber entstandene Dissertation über ein Thema der Kriegsendzeitgeschichte in Brandenburg. Die Arbeit konzentriert sich auf die deutsche 12. Armee ('Armee Wenck') von ihrer Aufstellung an bis zu ihrer Kapitulation an der Elbe 1945. Die in der 12. Armee zusammengefaßten Truppeneinheiten, vor allem verschiedenartige, nach verlustreichen Kampfeinsätzen reorganisierte und aus noch jugendlichen Reichsarbeitsdiensteinheiten neu gebildete Kampfverbände, waren ursprünglich für einen Einsatz über die Elbe hin nach Westen, gegen die heranrückenden amerikanischen Truppen, bestimmt. Der schnelle Vorstoß der sowjetischen Truppen Richtung Berlin seit dem 16. April 1945 führte dann aber zur Veränderung ihres Auftrags. Als dessen eigentliche Erfüllung, der Entsatz von Berlin, nach anfänglichem schnellen Vordringen der 12. Armee nach Norden nicht mehr möglich war, beschränkte sich ihr Befehlshaber auf noch durchführbare militärische Aufgaben und begab sich nach Westen, auch um den zu erwartenden Folgen einer Kapitulation vor der sowjetischen Seite zu entgehen, in amerikanische Kriegsgefangenschaft. - Diese Vorgänge sind von Gellermann eingehend - und auch anteilnehmend - dargestellt und in einem auführlichen Bild- und Dokumententeil des Werks veranschaulicht. Hinzukommen nützliche Detail-Übersichten und Verzeichnisse. Das Literaturverzeichnis ist auch deswegen nützlich, weil es ältere, teilweise bis in die 1940er Jahre zurückreichende Titel zusammenstellt und dabei die Erinnerungen damaliger Befehlshaber der der deutschen Seite gegenüberstehenden gegnerischen Truppen (Schukow, Tschuikow, Konjew, Eisenhower, Montgomery) sowie ältere west-deutsche Literatur zu diesem Thema benennt.

4. Zu: Hans-Albert Hoffmann, Die deutsche Heeresführung im II. Weltkrieg. Fakten und Dokumente aus dem Hauptquartier des Oberkommandos des Heeres, Selbstverlag, 2. überarbeitete und ergänzte Auflage, im Selbstverlag, Berlin 2006.

Der 1948 geborene Autor gehörte 23 Jahre lang der NVA der DDR an, war dort im Truppendienst und nach einer Generalsstabsausbildung in Moskau auf höheren Kommandoebenen tätig. Nach der deutschen Wiedervereinigung arbeitete er seit 1994 in Projekten zur Konversion sowjetischer Milutäranlagen in zivile Nutzung mit. Dabei war er auch mit dem verbunkerten sowjetischen Kommandozentrum Wünsdorf befaßt, dessen dortiger Vorgänger - vor 1945 - die deutsche Nachrichtenzentrale 'Maybach' war. Aus seiner Arbeit und seiner militärischen Vorbildung entwickelte sich ein historisches Interesse an der Geschichte des Oberkommandos des Heeres (OKH) der deutschen Wehrmacht. - Seine Darstellung der Entwicklung beginnt mit dem Jahre 1935, d. h. mit den ersten Maßnahmen des NS-Systems zur Mobilmachung für vorausgesehene und -geplante militärische Konfliktlagen, behandelt dann die durch den Krieg gegen die Sowjetunion zwischen 1941 und 1945 bedingten Verlegungen des Heeresoberkommanods in die Nähe der jeweiligen Ostfrontlinien (Ukraine und Ostpreußen), widmet sich eigens der militärischen Widerstandsbewegung in Deutschland gegen das NS-System von 1938 bis zum 20. Juli 1944 und endet mit der Besetzung der OKH-Einrichtungen in Zossen und Wünsdorf 1945. Dem Werk sind viele informative Photos, Skizzen, Organisationsübersichten, biorgaphische Angaben, Dokumente und ein ausführliches Quellen-, Archiv-. und Literaturverzeichnis beigegeben.

5. Zu: Hans-Albert Hoffmann, Siegfried Stoof, Sowjetische Truppen in Deutschland und ihr Hauptquartier in Wünsdorf. Geschichte, Fakten, Hintergründe, Selbstverlag, Berlin 2008.

Der Koautor des bereits zu 4. vorgestellten Verfassers war nach den biographischen Angaben des Bandes zu 5. früher höherer Beamter der Volkspolizei, in der Übergangszeit nach 1989 wohl im Range eines bundesrepublikanischen Polizei-Direktors. Er absolvierte die Militärakademie 'Friedrich Engels' in Dresden und war im DDR-'Ministerium des Inneren' als Hochschuldozent tätig. - Das erste Kapitel des Bandes schildert die historische Entwicklung der sowjetischen Militärpäsenz in Deutschland von der Schlacht um Berlin 1945 bis zum Volksaufstand in der DDR 1953, Kap. 2 bis 4 ihre Aufgabenstellungen in den verschiedenen Phasen der Eskalation und Deeskalation des 'Kalten Krieges' zwischen 1954 und 1981, Kap. 5 die Zeit der beginnenden Entspannungs- und Abrüstungspolitik 1981 - 1989 und Kap. 7 den Abzug der sowjetischen Streitkräfte aus dem heutigen Deutschland zwischen 1990 und 1994. Kap. 6 befaßt sich mit den zentralen Nachrichten- und Kommandostellen der sowjetischen Truppen in Deutschland und ihren besonderen militärischen Sicherungsvorkehrungen. Zu diesen Führungsstellen gehörte auch die Stelle 'Nickel' im brandenburgischen Wünsdorf, die Nachfolgerin der - wie erwähnt - vormaligen OKH-Kommandozentrale dort, für die im östlicheren Deutschland präsente sowjetische Luftwaffe. Die eingehende, anschauliche Darstellung von Konfrontationsszenarien und strategischen Planungen, mit denen die sowjetische Seite sich in Zeiten ihrer Präsenz in Deutschland zu befassen hatte, schärfen in ihrer Detailliertheit den Blick für die vielfältigen Risken internationaler Konfrontation in der Nachkriegszeit. - Wie der Band zu 4. ist der zu 5. auch sonst mit vielen informativen Photos und Übersichten ausgestattet.

6. Zu: Um Beelitz harter Kampf. 1945. Das Jahr zwischen Krieg und Frieden [in] Beelitz und Umgebung: Hg. Beelitzer Heimatverein. 48 Berichte und Kommentare einer großen Zahl einheimischer Berichter, Brandenburgische Universitätsdruckerei und Verlagsgesellschaft mbH Golm (bei Potsdam), Erstdruck 1999 (leider nur in 1000 Exemplaren), 144 Seiten.

Das Buch faßt vor allem persönliche Erlebnisse des Kriegsendes 1945 zusammen, und zwar einer größeren Zahl von Zivilisten, die damals in der Gegend von Beelitz und Neuseddin wohnten. Es hat 3 Kapitel: I. Die militärische Entwicklung bis April 1945 in unserem Raum, II. Die Ereignisse in Beelitz und Umgebung, III. Die Ereignisse in Neuseddin. Nur Einheimische kommen zu Wort. 30 der 40 Beiträge stammen von Frauen. In besonderer Weise trug, wie von einer Mitautorin zu erfahren war, für das Gelingen aller Kapitel des Sammelwerks die mittlerweile verstorbenen Hannelore Bothe bei. Der Anfang 1945 herrschenden Lage entsprechend sind diese persönlichen Berichte besonders eindrücklich und markieren die nicht nur politisch und militärisch, sondern auch persönlich einschneidende Wirkung der damaligen Ereignisse.

7. Zu: Wilhelm Lissner, Verwehte Spuren. Herbstliche Radwanderung durch die Mark Brandenburg , agenda-Verlag, Münster 2006.

Der 1929 geborene, noch im März 1945 - sechzehnjährig - zum Kriegsdienst eingezogene Autor geriet bei seinem ersten Kampfeinsatz zwischen Rangsdorf und Zossen in sowjetische Kriegsgefangenschaft, weil er in einer Nacht von seiner Truppe abgesprengt wurde. Wie die vielen anderen deutschen Kriegsgefangenen der letzten Kriegswochen brachte er anstrengende und entbehrungsreiche Märsche hinter sich, in seinem Falle rings um Berlin herum durch die Mark Brandenburg bis Küstrin. Er wurde dann in langen, strapaziösen Bahntransporten zu teils chaotisch, teils ordentlich organisierten Kriegsgefangenenlagern zunächst im russisch-, später im polnischsprachigen Bereich gebracht; dabei wußten die Tranportierten weitgehend nicht, was zu welchem Zweck mit ihnen geschah, und wurden öfters, wenn auch nicht immer, unzureichend versorgt. - Seinen Marschstrecken quer durch Brandenburg ist er 60 Jahre später, also mit 76 Jahren, auf dem Rade nachgefahren. Über die Märsche, die Bahntransporte und die Erlebnisse in Kriegsgefangenenlagern berichtet er in Ich-Form, über seine Radfahrt - zwecks besserer Unterscheidung oder vielleicht auch wie ein in sich Verschiedener - in Er-Form, wobei er das Pseudonym 'Martin' annimmt. Seine Darstellung ist ein anschaulicher, persönlicher und gerade insoweit lehrreicher Bericht über den inneren Zustand und die zumeist eintönigen und dann wieder unvorhersehbar an die Belastungsgrenze gehenden Kriegserlebnissse eines damaligen, weitgehend orientierungslosen 'Jungmann'-Soldaten.

8. Zu: Richard Lakowski, Seelow 1945. Die Entscheidungsschlacht an der Oder. Militärhistorischer Exkursionsführer, hg. vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt, Bd. I, Brandenburgisches Verlagshaus Berlin 1995 2, 262 S.

Über den Autor ist im Internet zu erfahren, daß er, Jahrgang 1938, Geschichte und Geographie an der Humboldt Universität Berlin studierte, wo er auch promovierte. Es folgten Dozententätigkeiten am Militärgeschichtlichen Institut der DDR sowie nach der Wiedervereinigung eine wissenschaftliche Mitarbeit am Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Potsdam. - Er publizierte öfters zu militärgeschichtlichen Themen. Mit einem Koautor verfaßte er etwa zum Thema 'Kriegsende in Brandenburg' ein weiteres Buch: Richard Lakowski, Karl Stich, Der Kessel von Halbe 1945. Das letzte Drama, Verlag Mittler und Sohn, Hamburg, Berlin, Bonn 2009. - Das hier kommentierte Buch ist nach dem ihm vom Amtschef des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes beigegebenen Vorwort als 'militärgeschichtlicher Exkursionsführer' dazu gedacht, nicht einer "Glorifizierung von Kriegshandlungen" zu dienen., wenn auch "die Tapferkeit der Soldaten, die Leidensfähigkeit der Bevölkerung, die Führungskunst von Truppenführern beider Seiten" angemessen zu würdigen sei. Die Sinnlosigkeit "ideologischer Leidenschaften" im Kriege und ihrer Folgen für alle Beteiligten stehe bei solchen Darstellungen stets im Vordergrund. Die Aufgabe der kriegsgeschichtlichen Publikationen des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes ist dadurch gegen Mißverständnisse vielerlei Art abgegrenzt - Das Buch hat drei Teile. Im ersten stehen auf ca. 70 Seiten Ausführungen zur militärisch relevanten Geographie des Brandenburgischen Raumes, zu den damaligen Verfahren eines militärischen 'Großkampfes' und dann zu den einzelnen Phasen des Kampfgeschehens seit dem 16. April 1945 bis zur Berliner Kapitulation am 2. Mai. Der zweite Teil enthält auf 54 Seiten Routenvorschläge und Hinweise auf Aussichtspunkte, Museen und Gedenkstätten im Raum der damaligen Kämpfe. Im dritten Teil finden sich Informationen zur brandenburgischen Allgemein- und Militärgeschichte, Übersichten über Truppengliederungen in Brandenburg bis 1945, kriegsgeschichtliche Dokumente des Jahres 1945 sowohl der sowjetischen als auch der deutschen Seite, persönliche Erinnerungen am Kampfgeschehen Beteiligter, eine Liste von Soldatengräbern im Oderbruch (Stand 1992), eine Tag-für-Tag-Chronik der Ereignisse und eine Aufstellung im Zusammenhang mit den Kriegshandlungen wichtiger militärischer Befehlshaber. Der Text ist durch viele Karten, Lageskizzen, abgelichtete Dokumente und sonstige Photos aller Art veranschaulicht.

9. Zu: Peter Böthig und Peter Walter (Hg.), Die Russen sind da. Kriegsalltag und Neubeginn 1945 in Tagebüchern aus Brandenburg. Mit einem Geleiwort von Günter de Bruyn und einem Nachwort von Alexander Gauland, Lukas-Verlag Berlin 2011, 511 Seiten.

Die beiden Herausgeber Böthig (geb. 1958) und Walther (geb. 1965) sind ausgebildete Germanisten. Der eine als Leiter des 'Kurt-Tucholsky-Literaturmuseums' in Rheinsberg, der andere als Buchautor und Veranstalter von Ausstellungen u. a. zu Peter Huchel, Günter Eich, Thomas Mann und Goethe, haben es unternommen, aus dem Bereich Brandenburgs (einschließlich dessen historischer Neumark [östlich der Oder] ) Erinnerungen in Gestalt von gut 120 Tagebüchern zu sammeln, die Mitteilungen über die beiden letzten Jahre des 2. Weltkriegs und die Jahre danach bis 1949 enthalten. Deren Inhalte haben sie chronologisch parallelisiert und zwecks Veröffentlichung bearbeitet. Dadurch werden bestimmte Aspekte der deutschen Kriegführung am Ende des Krieges, der militärischen Disziplin, der Versorgung und der Entbehrungen der Bevölkerung, des Lagerwesens, der militärischen und zivilen Kriegsverluste, der Verwundeten und Opfer von Gewaltakten, der baulichen Kriegsschäden, der sowjetischen Eroberung und Besetzung Berlins und Brandenburgs sowie der Flucht und der Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus den Gebieten östlich der Oder konkret und deswegen besonders glaubhaft beleuchtet. Es geht dabei um eine akzentuiert 'zivilgeschichtliche' Perspektive, d. h. um die Erlebnisse der nicht militärisch organisierten Bevölkerung, die die oft einschneidende und tragische Seite der damaligen 'Wendezeit' in ihrer passiven Stellung besonders deutlich verspürte. Das Werk enthält neben den 470 Seiten umfassenden Tagebucheintragungen - samt einem darin eingefügten Bildteil mit zeittypischen Photos aller Art - eine knappe Zusammenstellung biographischer Daten der allen Bevölkerungsgruppen entstammenden Tagebuchautoren, die deren Persönlichkeit beleuchten und deren unterschiedliche Eintragungsmotive und -formen miterklären. Das Literaturverzeichnis ist sinnvoll knapp gehalten, das Ortsverzeichnis und der Personenindex (zum Vergleich der jeweils von ein- und derselben Person stammenden Eintragungen) angemessen ausführlich.

10. Zu: Henrik Schulze, Die Infanteriedivision 'Friedrich Ludwig Jahn, in der Lücke zwischen 9. und 12. Armee. Die Mark Brandenburg im Frühjahr 1945, Projekt und Verlag Dr. Erwin Meißler, Hoppegarten bei Berlin 2011, 607 Seiten.

Der 1959 geborene Verfasser, Ortschronist in Jüterbog, beschäftigte sich bei seiner Tätigkeit auch - von 1991 bis 2011 - mit der Kriegsendzeitgeschichte 1945 in der Mark Brandenburg. Bei der Konzeption eines Buches aus diesem durchaus weiten Themenbereich konzentrierte er sich auf eine der Wehrmachtsdivisionen, die für die im Frühjahr 1945 gebildete und von dem Befehlshaber Wenck befehligte deutsche 12. Armee neu aufgestellt wurde, nämlich die aus noch sehr jugendlichen Angehörigen des Reichsarbeitsdienstes gebildete 'RAD-Infanteriedivision Friedrich Ludwig Jahn'. Er schreibt eine Chronik des Gefechts-Weges dieser Division aus ihrem Bereitstellungsraum im südwestlichen Brandenburg bis zur Kapitulation an der Elbe und wirft aus dieser Perspektive immer wieder einen Blick auf die militärische Gesamtlage. Auch stellt er viele Erlebnisberichte früherer Angehöriger der Division, aber auch von Zivilpersonen zusammen. Das Buch ist mit mehreren sorgfältig erarbeiteten, nützlichen Verzeichnissen (z. B. einem umfänglichen Ortsverzeichnis und einem etwa 200 Titel umfassenden detaillierten Literaturverzeichnis), im einzelnen sehr informativen Karten und Skizzen, vielen Photos und anderen Abbildungen, ausgestattet.

Hg. dieser WWW-Seite: Christian Gizewski, Prof. Dr., TU Berlin, Privatanschrift: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.: 030 8337810, EP: christian.gizewski@tu-berlin.de .