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'Er ist wieder da'.

I. Zum Roman von Timur Vermes, Eichborn-Verlag Köln 2012.

II. Zu dessen Verfilmung von David Wnendt (2015).

Rezension von Christian Gizewski.

IM AUFBAU

[Stand 18. Okt. 2015]

I. Zum Roman.

VORLÄUFIGER TEXT.

Zitat aus Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Er_ist_wieder_da

'Er ist wieder da' ist der Debütroman des deutschen Journalisten und Schriftstellers Timur Vermes. Der Roman erschien 2012 beim Kölner Eichborn Verlag. Bei dem Roman handelt es sich um eine Satire, in der Adolf Hitler im Jahre 2011 mitten in Berlin wieder ins Leben zurückkehrt.

Der Roman beginnt damit, daß Adolf Hitler auf einer Berliner Wiese aufwacht. Zunächst ist er verwirrt und glaubt, einen Filmriss zu haben. Eine Gruppe spielender Jungen entdeckt ihn, erkennt ihn aber nicht. Hitler begibt sich in die Stadt, noch immer im Glauben, daß Krieg herrsche, und beim Anblick der Stadt glaubt er, daß sich die Situation des Deutschen Reichs verbessert habe. An einem Kiosk sucht er nach Zeitungen wie dem 'Völkischen Beobachter' und sieht, daß das aktuelle Datum der 30. August 2011 ist. Der Kioskinhaber kommt mit Hitler ins Gespräch, glaubt aber einen Schauspieler vor sich zu haben und nicht den Führer. Er bietet Hitler an, im Kiosk zu übernachten, und mit Hilfe der Zeitungen dort versucht Hitler, auf den aktuellen Stand der Weltpolitik und des Zeitgeschehens zu kommen.

Weil seine Uniform nach Benzin riecht, bekommt er vom Kioskbesitzer Kleidung geliehen. Seine Uniform bringt der Führer am nächsten Tag in eine Reinigung. Der Sohn des Inhabers hält ihn für Stromberg aus der Switch-Parodie. Zurück im Kiosk macht Hitler mit Joachim Sensenbrink und Frank Sawatzki von der Agentur Flashlight Bekanntschaft. Hitlers Schilderung des Polenfeldzuges fassen sie begeistert als gut vorbereitete und einstudierte Comedy auf; sie wollen auf jeden Fall mit ihm in Kontakt bleiben.

Hitler zieht in ein Hotel, wo der Fernseher sein Interesse weckt, allerdings sind die Programme für ihn befremdlich und verstörend. Wieder in Uniform gekleidet, besucht Hitler die Agentur Flashlight und trifft dort auf Carmen Bellini, die den Posten des Executive Vice President der Agentur bekleidet. Die Agentur möchte Hitler ins Fernsehen bringen, und er bekommt Vera Krömeier als Sekretärin zur Verfügung gestellt. Auch sie kann nicht glauben, daß es sich bei ihm um den echten Adolf Hitler handelt, sondern denkt, es sei überzeugendes Method Acting. Hitler hingegen ist von ihrem dunklen Make-up und ihrer schwarzen Kleidung irritiert, außerdem verwundern ihn auch die moderne Umwelt und die veränderten Lebensgewohnheiten. Technische Errungenschaften wie der PC oder das Internet begeistern ihn jedoch.

Schließlich bekommt Hitler einen Auftritt in der Comedy-Show 'Krass, Alter' des türkischstämmigen Comedians Ali Wizgür. Nach Hitlers Auftritt wirft Wizgür ihm wutentbrannt vor, seine Sendung zu ruinieren, die Agentur jedoch ist begeistert.

Zurück im Kiosk liest er in verschiedenen Zeitungen die Berichte und Kritiken zu seinem Auftritt in der Show. Sein Auftritt bei Wizgür ist mittlerweile ein Hit auf Youtube, und Hitler sieht in Youtube ein geeignetes Mittel für Propaganda. Obwohl Wizgür Hitler nicht leiden kann, werden in der Show weitere kurze Videoclips vom 'Führer' über verschiedene Themen fester Bestandteil der Sendung.

Mittlerweile wird er immer bekannter. Er vergleicht die Situation mit der Zeit nach seiner Haftentlassung 1924. Politiker wie Markus Söder, Karl Lauterbach, Claudia Roth und auch Dieter Graumann äußern sich zum Youtube-Video. Frau Bellini befürchtet, daß Hitler in den Fokus von 'Bild' kommen könne, da negativ über ihn berichten werde. Tatsächlich berichtet 'Bild', daß Hitler ein Verhältnis mit seiner Sekretärin habe. Nach dem Bericht bekommt Frau Krömeier belästigende und beleidigende Mails, dennoch möchte sie weiter für Hitler arbeiten. Die Agentur plant eine eigene Homepage für den 'Führer', und dieser ist von den verschiedenen Funktionen der Homepage begeistert. Zusammen mit Sensenbrink und Sawatzki gibt Hitler im Hotel Adlon ein Interview für 'Bild'. Das Interview wird aber nach kurzer Zeit von Seiten der Redakteurin abgebrochen.

Hitler besucht dann zusammen mit einem Kamerateam die Parteizentrale der NPD in Berlin-Köpenick und trifft dort auch auf den Parteivorsitzenden Holger Apfel. Der Führer ist enttäuscht und wütend über den Zustand der Partei und auch auf die Mitglieder. Frau Bellini ist bei Sichtung des Materials begeistert und möchte eine Sondersendung daraus machen. 'Bild' druckt das Interview mit Hitler ab mit dem Ziel, ihm zu schaden, doch der Agentur gelingt eine Revanche. Mittlerweile werden auch Merchandising-Produkte hergestellt, und für einen weiteren Auftritt Hitlers bei 'Krass, Alter' erhält Hitler, der weiterhin für einen parodierenden Kabarettisten gehalten wird, positive Kritiken. Daraufhin verkündet der Chef der Agentur Flashlight, Herr Kärrner, die Neuigkeit, daß Hitler der Grimme-Preis zuerkannt worden sei.

Frau Krömeier möchte nicht länger für Hitler arbeiten, nachdem ihre Großmutter, eine Jüdin, deren Familie während der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurde, ihr erzählt, was Hitler vermutlich für ein Mensch sei und wie sie die Zeit im Dritten Reich erlebt hat. Hitler beschwichtigt sie und besucht die alte Dame persönlich, um ihr mitzuteilen, wie unentbehrlich ihre Enkelin für seine Arbeit sei. Währenddessen produziert die Agentur eine eigene Show für Hitler. Das Studio ähnelt der 'Wolfsschanze'. Der erste Gast der Sendung ist Renate Künast. Die Show ist ein voller Erfolg.

Bei einem Besuch des Oktoberfestes in München trifft Hitler verschiedene Prominente. Im Festzelt gibt er einer vollbusigen Dame ein Autogramm auf ihr Dirndl und malt ein Hakenkreuz daneben, was für lautes Geschrei der Dame sorgt.

Wieder in Berlin, plant Hitler, eine eigene Wohnung zu beziehen, und findet auch bald ein passendes Objekt am Prenzlauer Berg. Abends ist Hitler mit Frau Bellini in der Oper verabredet, es wird ein Werk von Richard Wagner aufgeführt, aber er wird auf dem Weg dorthin von rechtsextremen Skinheads zusammengeschlagen. Er verliert das Bewußtsein und wacht erst wieder in der Klinik auf. Hitler hat mehrere Brüche erlitten und muß einige Tage in der Klinik bleiben. Im Krankenhaus erhält er mehrere Anrufe von verschiedenen Parteien und Politikern, die ihn alle bitten, in die jeweilige Partei einzutreten. Ein Verlag ruft Hitler an und bittet ihn, ein Buch zu schreiben, er nimmt das Angebot an. Frau Krömeier und Herr Sawatzki haben geheiratet und erwarten ihr erstes gemeinsames Kind. Sie besuchen Hitler und richten Grüße von den Mitarbeitern der Agentur aus. Hitler plant mit der Buchveröffentlichung und seiner eigenen Show nun eine neue Propagandaoffensive.

......

Zur Erfolgsgeschichte des Romans: Nach Präsentation auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2012 stieg der Roman bis auf Platz 1 der Bestsellerliste des Spiegels und blieb dort 20 Wochen. Das Hörbuch, gelesen von Christoph Maria Herbst, erreichte ebenfalls Platz 1. Die Besonderheit dieser Hörbuchausgabe besteht darin, daß Christoph Maria Herbst hier durchgehend den Duktus des Erzählers Adolf Hitler verwendet, bzw. bei Auftreten anderer Personen diese ebenfalls in deren Duktus spricht, wobei zum Beispiel auch ungeschliffener Berliner Akzent in gelangweilter, aggressiver, unterwürfiger oder schnippischer Art zum Einsatz kommt.

Insgesamt wurden bis August 2015 über 2.000.000 deutsche Exemplare sowie über 300.000 Hörbücher und Downloads verkauft. Die Auslandsrechte wurden an über 41 Länder vergeben und seit Herbst 2014 liefen die Dreharbeiten für die Verfilmung.

Die literarische Qualität des Romans, so meinen einige Kritiker (Marc Reichwein, Die Welt), könne für den enormen Verkaufserfolg von 'Er ist wieder da' kaum verantwortlich sein. Die 'Fokussierung' auf Hitler – wahlweise als komische Figur oder aber als Inkarnation des Bösen – laufe Gefahr, die geschichtlichen Fakten verblassen zu lassen. Zu oft lässe sich der Autor dazu hinreißen, Hitler als humorigen Gesellen zu zeichnen. Das wirke letztlich verharmlosend.

Der Roman wurde dennoch im Jahre 2015 unter der Regie von David Wnendt verfilmt. Die Rolle Hitlers spielt Oliver Masucci. In weiteren Rollen sind Fabian Busch, Christoph Maria Herbst, Katja Riemann, Franziska Wulf, Fred Aaron Blake in drei verschiedenen Rollen, Lars Rudolph und Michael Kessler zu sehen. Deutscher Kinostart war der 8. Oktober 2015.

Buch: Timur Vermes: Er ist wieder da. Eichborn Verlag, Köln 2012, ISBN 978-3-8479-0517-2; Taschenbuch-Ausgabe: Bastei Lübbe, Köln 2012, ISBN 978-3-40417178-1. - Hörbuch: Er ist wieder da. 6 CDs, 411 Min. (gekürzte Lesung von Christoph Maria Herbst) Lübbe Audio, Köln 2012, ISBN 978-3-7857-4741-4.

Hitler erscheint als Illustration in Schwarz mit typischem Hitlerscheitel. Anstelle seines Bärtchens steht in Blocksatz der Titel. Der offizielle Verkaufspreis von Buch und CD beträgt 19,33 Euro. Es handelt sich hier - allerdings nicht ohne weiteres erkennbar - um eine Anspielung auf das Jahr 1933.

Der weiße Buchumschlag zeigt neben dem Autor David Wnendt urheberrechtliche Lizenzhinweise:
1) generell: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode,
2) Foto von Wnendt: Martina Nolte, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de
(die Lizenz mit Link auf http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode)

I. Zum Film und dessen Regisseur David Wnendt.

VORLÄUFIGER TEXT

Zitate aus

Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/David_Wnendt

und

http://www.kino.de/film/er-ist-wieder-da-2015/

„Was wäre, wenn?“ Satire nach Vorlage des Bestseller-Romans, welcher erzählt, wie Adolf Hitler 70 Jahre nach seinem Tod Deutschland zurückerobern will.

Es geht um die literaturgeschichtlich traditionsreiche Gattung einer 'Redivivus'-Geschichte. Im Fall von 'Er ist wieder da' wird ein Szenario entworfen, in dem Adolf Hitler (Oliver Masucci) nach fast 70 Jahren im heutigen Deutschland aufwacht. In der europäischen Metropole Berlin stößt der Ex-Diktator nun auf allerhand Neuerungen, die ihm denkbar fremd sind. Demokratie, EU, verschiedene Nationalitäten – das alles ist ihm äußerst suspekt. Doch zu den überwältigenden Entwicklungen gesellt sich, daß die Menschen ihm nicht glauben, daß er der ist, für den er sich ausgibt. Sie halten ihn für einen sich delbst immitierenden Karikaturisten. Das öffnet dem ehemaligen Reichskanzler viele Türen. So gewährt ihm ein Kioskbesitzer (Lars Rudolph) nicht nur eine Zeit lang Unterschlupf, sondern erkennt auch das komödiantische Potenzial und vermittelt ihn an die beiden Fernsehproduzenten Sensenbrink (Christoph Maria Herbst) und Sawatzki (Fabian Busch). Auch Senderchefin Bellini (Katja Riemann) ist sich schnell sicher, dass die vermeintliche Hitler-Imitation eine große Chance auf dem Markt hat. Und so bekommt Hitler nicht nur ein Büro, sondern auch eine Sekretärin, Krömeier (Franziska Wulf), gestellt, die ihm wichtige Grundlagen der modernen, vernetzten Welt erklärt, was ihn zunächst noch arg überfordert. Nachdem er erste Einführungen in die Welt des digitalen Zeitalters erhält, fühlt sich Hitler bereits wieder selbstsicher genug, erste Bühnenauftritte zu geben. Den früheren Plänen nicht abgeschworen, versucht Hitler weiterhin, die Weltherrschaft zu übernehmen. Doch statt Menschenmassen politisch zu animieren und instrumentalisieren, findet sich der frühere Diktator bald als gefeierter TV-Star wieder. „Er ist wieder da“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Timur Vermes, der sich international großer Beliebtheit erfreute.


Kurzwürdigung.

Es handelt sich um eine in vielerlei Hinsicht besonders beachtliche Satire zum Thema 'Adolf Hitler redivivus'. Der Film, der vor kurzem in die Kinos gekommen ist, empfiehlt sich durch eine äußerste satirische Unbestechlichkeit. Ahnlich dürfte es mit dem zugrundeliegenden Roman sein, der als Buch und Hörbuch zur Verfügung steht. Voraussetzung für ein angemessenes Verständnis ist somit eine Art reißfester Nerven, unerschütterlich sarkastischer Kritikbereitschaft und gefestigter Unabhängigkeit von unbegründeten politischen Anstandsregeln.

[Wird weiter ausgeführt]

Christian Gizewski

Redaktionelle Verantwortung: Prof. Dr. Christian Gizewski, TU Berlin, FG Geschichte, Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP: christian.gizewski@tu-berlin .