S 71

Werner Dahlheim, Die Welt zur Zeit Jesu.

Überlegungen zum Werk1) von Christian Gizewski.

[IM AUFBAU]

Stand: 13. März 2015

Vorbemerkung zum Thema und seinem Autor.

Vorangestellt sei ein Zitat dem Werk Werner Dahlheims, das einen Kern der christlichen Botschaft betrifft: " 'Selig seid ihr', rief Jesus auch den Armen zu und nahm sie in die Schar der von Gott Auserwählten auf.2) Der Jesus des Lukas-Evangeliums spricht in Kap. 6, 20 ausdrücklich und ohne Einschränkung von 'den Armen' (aus dem Griechischen transskribiert:. 'hoi ptochoi'), ohne den sozial entschärfenden 'Zusatz 'im Geiste', der sich in Matthäus 5, 3 findet und eine der theologischen Gelehrsamkeit gegenüber hervorgehobene 'geistliche Schlichtheit' hervorhebt. Aber die Kritik an der Nichtswürdigkeit des bloßen Reichtums gegenüber der persönlichen Würde des Armen und ebenso des bewußt armen, jedes Reichtums sich enthaltenden geistlichen Lebens geht unmißverständlich aus anderen Stellen der Evangelien-Überlieferung hervor (Lukas 16, 8; Markus 10,17-27).Wie sollte es angesichts eines Messias anders sein, der in einem Stall geboren wurde und zeitlebens die Mühseligen liebte. Ihnen gab er eine zuvor nie gekannte Würde und versprach, daß ihnen der Himmel näher sei als den Reichen.2) Das wichtigste Moment für eine - fast vorherbestimmt wirkende - Entstehung und Ausbreitung des Christentums in einer sozial vielfach und grundsätzlich ungerechten Gesellschaftsordnung ist damit prägnant angesprochen. Doch war dies auch eine Ordnung, in der - vielleicht nicht hauptsächlich, aber immerhin unüberhörbar - das freie Wirken menschlichen Geistes und Gefühls im Laufe ihrer Entwicklung zur wesentlichen Bedingung einer völkerübergreifenden Kultur geworden war."

Der Autor des Werks, Werner Dahlheim, stellt sich als althistorischer Fachmann auf den vielen Gebieten der Römischen Geschichte nun auch der Aufgabe, den Ursachen der Entstehung und Ausbreitung des Christentums als 'neuer antiker' Religion allgemeingeschichtlich nachzugehen. Er entwickelt es also nicht primär auf theologische Weise aus den inneren Anlagen eines geoffenbarten Gotteswortes, wie es in der Theologie seit jeher geschieht. Er erklärt es auch nicht theoretisch, also etwa vergleichend-religions- oder sozialgeschichtlich. Diese Aspekte berücksichtigt er zwar auch. Vor allem aber geht es ihm um allgemeingeschichtliche Erklärungen eines historischen Phänomens der Römischen Reichsgeschichte .

Einige wichtige allgemeingeschichtliche Fragen an das entstehende und sich verbreitende Christentum lassen sich so zusammenfassen.

1. Was bedeutet praktisch das Auftreten eines 'Erlösers' der Armen und Entrechteten gegenüber den gesellschaftlichen Geltungsansprüchen von Reichtum und Macht? Welche praktische Bedeutung hat diese Umwertung der Werte?

2. Was bedeutet die grundsätzliche Infragestellung aller religiösen Bedeutung des römischen Kaisers für die praktische Infragestellung auch seiner politischen Autorität?

3. Was bedeutet praktisch die Hoffnung auf 'weltweite Erlösung in Frieden' für die Gegenwart einer christlichen 'Mission'?

4. Was bedeutet praktisch die Nichtachtung des gegenwärtigen Lebens vor dem Hintergrund der Hoffnung auf 'das Gericht und die Auferstehung von den Toten am jüngsten Tage'?

Diesen Fragen sollen im folgenden - in Anknüpfung an die Ausführungen Dahlheims - nur einige Überlegungen nachgehen.

In ihnen soll dabei aber auch dasjenige Moment christlicher Theologie miterörtert werden, das die 'Theodizee' betrifft. Der allmächtige Gott erkennt danach, grob gesprochen, daß seiner Schöpfung ein wichtiger Fehler innewohnt, nämlich ihre Ausgeliefertheit an ein unbarmherziges Schicksal und ihr Ende in Vergänglichkeit und sinnloser Nichtigkeit. Die Figur des menschgewordenen 'Gottessohns', den Gott wie einen Menschen leiden läßt, damit 'alle, die an ihn glauben, erlöst, mit ihm vereinigt und am Ende aller Tage vom Schöpfungsunheil erlöst werden' scheint auch etwas Neues in den antiken Formen der Theologie zu sein.

[Die Ausarbeitung erfolgt in nächster Zeit]

1. Das Auftreten eines 'Erlösers' der Armen und Entrechteten gegenüber den gesellschaftlichen Geltungsansprüchen von Reichtum und Macht als praktische Umwertung der Werte.

2. Die grundsätzliche Infragestellung aller religiösen Bedeutung des römische Kaisers als praktische Infragestellung seiner politischen Autorität.

3. Die praktische Bedeutung der Hoffnung auf 'weltweite Erlösung in Frieden' für die Gegenwart christlicher' Mission'.

4. Die praktische Bedeutung der Nichtachtung des gegenwärtigen Lebens vor dem Hintergrund der Hoffnung auf 'das Gericht und die Auferstehung von den Toten am jüngsten Tage'.

5. Die geistesgeschichtliche und ethische Bedeutung der Theologie von der Erlösung der Menschheit durch den Gottessohn.


ANMERKUNGEN.

1) Werner Dahlheim, Die Welt zur Zeit Jesu. C. H. Beck Verlag München (2013) 20143. Mit 50 Abbildungen, 11 Karten und 2 Zeittafeln. In einem Anhang: Quellen- und Literaturhinweise, ein Personen-, ein Sach- und ein Ortsregister sowie ein Karten- und Abbildungsnachweis.

2) Dahlheim, Zeit Jesu S. 371.

LITERATUR.

J Becker, C. Colpe u. a., Die Anfänge des Christentums. Alte Welt und neue Hoffnung, Stuttgart 1987.

R. Bultmann, Das Urchristentum im Rahmen der antiken Religionen, Düsseldorf 1998 6.

Nobert Brox, Odilo Engels u. a. Hg., Die Geschichte des Christentums: Religion - Politik - Kultur. Bd. 1: Die Zeit des Anfangs (bis 250); Bd. 2: Das Entstehen der einen Christenheit ... Westen und der byzantinische Osten, Freiburg Br.: Herder-Verlag, 2003 und 2004..

A. v. Harnack, Mission und Ausbreitung des Christentums in den ersten drei Jahrhunderten, Leipzig 1924 11.

John Mc Manners (Hg.), Geschichte des Christentums, ins Deutsche übersetzt von Wolfdietrich Müller, Frankfurt M. 1993 , S. 29 - 100 (Geschichte der frühe Christengemeinden und staatsreligiöse Entwicklung).

Mircea Eliade, Geschichte der religiösen Ideen, Freiburg 1997 3.

A. v. Harnack, Dogmengeschichte, Leipzig 1898.

R. de Vaux, Das Alte Testament und seine Lebensordnungen, Freiburg 1966 2 (S. 259 ff. zum Opferritual).

M. J. Vermaseren, Die orientalischen Religionen im Römerreich, Leiden 1981.John Mc Manners (Hg.), Geschichte des Christentums, ins Deutsche übersetzt von Wolfdietrich Müller, Frankfurt M. 1993 , S. 29 - 100 (Geschichte der frühe Christengemeinden und staatsreligiöse Entwicklung).


Redaktionelle Verantwortung: Prof. Dr. Christian Gizewski, TU Berlin, FG Geschichte, Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP: christian.gizewski@tu-berlin .