S74 Zu: Axel Reitel, Denn verbieten lässt sich schreiben nicht.

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Kommentare zu: Axel Reitel, Denn verbieten lässt sich schreiben nicht. Literaturnachwuchs im SED-Staat. Das Beispiel Sachsen, in: Geschichte des Literaturnachwuchses in Europa: Gestern und heute, Im Auftrag des sächsischen Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Axel Reitel collegium novum Publishing Berlin 2016 und anderen Publikationen des Autors.

Reitel wurde als politisch Verfolgter des SED-Regimes im Jahre 1982 aus der DDR freigekauft und trat nach einem enzyklopädisch-geisteswissenschaftlichem Studium an der Fakultät I der TU Berlin mit mehreren Veröffentlichungen zum Repressionscharakter des DDR-Systems hervor.

Den Geist einer total-autoritären Geistes-Unterdrückung wie den in der DDR spiegelt die unten wiedergegebene Loyalitäts- Erklärung des Bezirksverbandes Berlin der Schriftsteller an den lieben Genossen Erich Honecker vom 7. Juni 1979 wieder.

Auch in unserer Zeit, 27 lange Jahre nach dem Ende der DDR, sind die Ausführungen Reitels aus folgenden Gründen sinnvoll zu lesen.

1. Der Staat - welcher auch immer - hat keine Gesetzgebungsbefugnis, Grund- und Menschenrechte, einschließlich derjenigen einer freien, aktiven, politischen Meinungs- und Willensbildung bei Einzelnen oder Gruppen zu unterdrücken. Nicht einmal Wahlen können dies rechtfertigen, und erst recht nicht Notstandsmandate von Regierungen..

2. Gegen einen Staat, der die freie Meinungs- und Willensbildung unterdrückt, gibt es ein naturrechtliches Widerstandsrecht, das ebenfalls nicht staatsgesetzlich eingeschränkt oder ausgeschlossen ist:

> Erläuternd: zum übergesetzlichen Widerstand gegen Willkürherrschaft und ungerechte Gesetze des Staates ggf.: https://agiw.fak1.tu-berlin.de/Scriptorium/S46.htm

3. Die historischen Erfahrungen im NS-System und im DDR-System bedeuten nicht, daß es nicht auch im Deutschland der alten Bundesrepublik autoritäre Meinungsrepression gegeben hätte.

4. Sie schließen auch nicht aus, daß es auch gegenwärtig oder künftig in Deutschland autoritäre Meinungsrepression geben kann.

5. Sie schließen ebenfalls nicht aus, daß es in anderen, dem heutigen Deutschland außenpolitisch nahestehenden Staaten autoritäre Meinungsrepression gibt oder geben kann.

6. Das einzige wirkliche Gegenmittel von innen gegen total-autoritäre Staatsstrukturen scheint letztlich das wiederholte, gut geplante und besonnen durchgeführte Attentat zu sein.

Weitere Veröffentlichungen des Autors:

Axel Reitel, Jugendstrafvollzug in der DDR am Beispiel des Jugendhauses Halle, Verlag Dr. Köster Berlin, 20061.

Axel Reitel, Schöne Jugend. Funf Features, Verlag Dr. Köster Berlin 2008 2.

Axel Rwitel, Nachtzensur. DDR und Osteuropa zwischen Revolte und Reaktor-Katastrophe. Fünf Features. Verlag Dr. Köster Berlin 2013 1.


Redaktionelle Verantwortung: Prof. Dr. Christian Gizewski, TU Berlin, FG Geschichte, Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP: christian.gizewski@tu-berlin .