Fragen zu Hitlers 'Mein Kampf'.

Mit kurzen Antworten von Christian Gizewski.

Stand der Bearbeitung: 25, Sept. 2015

1. Was steht in dem Buch? 1. Hitlers Buch enthält einen langen Bericht über die Entstehung seines 'Glaubens an die Nation' und dessen Konsequenz eines politischen Dauerkampfes für das deutsche Volk und gegen dessen Konkurrenten und Feinde.
2. Warum schätzen es heute noch viele als gefährlich ein? 2. Die Wirkung des Buchs beruht wohl in starkem Maße auf der Unkomplexität und Direktheit seiner geschichtlichen oder allgemeinmenschlichen Erklärungen, wie sie in volkstümlich-aggressivem Abgrenzungsverhalten gegenüber anderen Ländern und Völkern, aber auch gegenüber inländischen 'Fremden' zu finden ist. Seine Gedanken geben aber auch deutlich eigenes Nachdenken und Erleben Hitlers wieder. Überraschend erscheint etwa seine positive Einschätzung der Reichsfarben Schwarz-Rot-Gold und der 1848er Revolution (2, Bd,, 7. Kap., S. 553).
3. Wie ist der Inhalt zu verstehen und einzuordnen? 3. Formal handelt es sich um eine belehrende und zugleich politisch-polemische Dauerrede in Schriftform, inhaltlich um das Bedenken aller praktischen Aspekte und Ziele einer nationalsozialistischen Politik.
4. Zielte das Buch auf die spätere Katastrophe hin? 4. Im Mittelpunkt steht eine mit allen Mitteln, auch der innen- und außenpolitischen Gewaltanwendung, betriebene 'völkische' 'Politik der Stärke' eines alle Deutschen vereinigenden 'Dritten Reiches'- ohne deutlich erkennbares Bedenken der Mißlingens-Risiken dabei.
5. Wie wurde Hitlers Ideologie in beiden Bänden sichtbar? 5. Sie ist eine politisch-polemische und propagandistische Darlegung, die an volkstümliche Vorurteile anknüpft und diese verstärkt. Beispiele sind a) seine zentralen Ideen 'Rassenwert und völkische Rassenpolitik (S.272) und b) 'die bolschewistisch-kapitalistische Weltverschwörung eines geschlossen international agierenden 'Weltfinanz-Judentums' (S. 163).
6, Was meint Hitler mit 'Einheit von Rasse und Volk'? 6. Hitler glaubt an eine vom 'Schopfer des Universums' gewollte 'Mission des deutschen Volkes' zur 'Vermehrung der Rasse' (S. 234). Damit bezieht er sich in ihm unbewußter Tradition sogar auf die Vergangenheit des jüdischen und christlichen Altertums.(1. Mos. 28: 'Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde.')
7. Wie ist Hitlers soziales Denken und Empfinden? 7. Hitler ist geprägt von eigenen Jugenderfahrungen sozialen Elends (S. 28f.). Die politische Lösung für seine Zeit sieht er in der Verbreitung 'völkischen Verantwortungsgefühls' in Form eines 'nationalen Sozialismus' (S. 370 und 474).
8.Worauf fußt Hitlers Expansions-Politik? 8. Hitler vertritt in Anknüpfung an eine deutsche 'Ostkolonisation' des Mittelalters den Plan einer 'neuen', d. h. in seiner Sicht zeitgemäßen, 'deutschen Ostlandpolitik' (S. 726 und 742). In dieser spielt das Prinzip eines 'legitimen Okkupations-Kriegs des Stärkeren' eine zentrale Rolle (S. 739 ff.)
9. Warum haßt Hitler 'die Juden' und hält sie für areligiös und 'minderwertig'? 9. Hitler steht unbewußt in der Tradition eines 'christlich-europäischen Anti-Judaismus', welcher in 'den Juden' seit der Antike die 'Christus-Mörder' sieht.
10. Hitler spricht im Hinblick auf 'das Judentum' von einer Notwendigkeit der 'Ausrottung internationaler Vergifter', 'letzten Konsequenzen', 'Vernichtungskrieg gegen den Marxismus', 'blutiger' Abwehr einer 'Völkerversklavung' und 'rechtzeitiger Beseitigung' 'hebräischer Volksverderber' durch 'Giftgas'. Inwiefern ist dies eine Ankündigung späteren Handelns? 10. Die etwa auf S. 372, 491, 612, 686 und 738 mitgeteilten Haß- und Rache-Erklärungen Hitlers lassen - wirklich ernstgenommen - auch einen später verwirklichten 'Plan' zur 'physischen Liquidierung' 'der Juden' erkennen. Sie dürften aber den Lesern des Hitler-Werks so exaltiert, unklar (in der 'Juden'-Defintion) und praktisch undurchführbar erschienen sein, daß sie sowohl bei antijüdischer Distanz als auch bei Gegnerschaft gegen das NS-System mehrheitlich einen Plan nicht erkennen ließen. Dieser war auch wegen seiner geheimen Durchführung schwer durchschaubar..

Verantwortlivh: Christian Gizewski, Dr., Prof. für Alte und Allgemeingeschichte an der Fakultät I - Geisteswissenschaften - der TU Berlin, Rechtsanwalt, Geschäftsadresse Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel. und AB: 030-8337810 EP: christian.gizewski@tu-berlin.de, WWW-Seite: http://agiw.fak1.tu-berlin.de.