ANLAGE III

Thesen zum wünschenswerten Fortbestand der Geschichtswissenschaft an der TU Berlin.

Zur Abschiedsfeier "Der Letzte macht das Licht aus" am 12. Febr. 2010.

Von Christian Gizewski.

1) Für jemanden, der sich als Althistoriker auch in der Tradition der griechischen Philosophie, z. B. des Kynismus, sieht, ist das nicht-materielle Interesse an einer Universität ebenso wie an einer Geschichtswissenschaft deren maßgeblicher Motor. Aus diesem Grunde vertrete ich weiterhin die Notwendigkeit einer institutionalisierten Geschichtswissenschaft an einer TU Berlin, selbst dann, wenn sie materiell nichts 'abwirft' (vgl. dazu das in einem auf der Hauptseite dieses Projekts zitierten Beitrag von Rüdiger Görner gebrauchte treffende Wort von der 'Verzinsung der Mediävistik').

2) Es gibt für eine solche Position aber auch andere eher zeitgeschichtliche Gründe, wie sie bei der Neubegründung einer Technischen Universität Berlin nach dem Kriege eine ausschlaggebende Rolle spielten und bis heute ungemindert fortbestehen.

3) Aus diesen Gründen trete ich für eine auch in der weiteren Öffentlichkeit spürbare Kritik an einer Auflösung des früheren 'IfGW' ein. Es bleibt ihr nichts anderes übrig, als die Verantwortlichen für eine Auflösung dieser ideell unkonstruktiven und alternativlosen Art einer Einsparungsmaßnahme auch öffentlich spürbar zu kritisieren und - auch in einer Situation öffentlicher Sparzwänge - eine dem angemessene Rekonstruktion der Geschichtswissenschaften an der TU Berlin zu fordern.

4) Ausgangsbasis einer zu fordernden Rekonstruktion sind zunächst die bleibenden Rechte der Hochschullehrer auf Ausübung von Forschung und Lehre im TU-Rahmen, die sich letztlich aus Art. 5 GG ergeben. Sie müssen unter Umständen von einzelnen oder gemeinschaftlich auftretenden Klägern gerichtlich durchgesetzt werden.

5) Als haushaltsbewußte Konzeption einer Rekonstruktion ergibt sich die rechtliche und organisatorische Möglichkeit, ein im wesentlichen 'virtuelles' Institut für Geschichtswissenschaften an der TU zu bilden. Seine Aufgabe wäre die organisatorisch vereinfachte Koordination der dortigen Wissenschaftler, die Erleichterung ihrer Kommunikation und ihres gemeinsamen Agierens.

6) Dazu bedarf es nicht der hochschulrechtlich nahegelegten Organisationstypen; sie sind rechtlich nicht zwingend. So könnte es etwa einen Direktor oder gar einen Dekan geben, aber auch mehrere Beauftragte für Institutsfragen.Es könnten als Koordinationsinstrument ein Institutsrat, aber alternativ auch eher vereinsmäßige Lösungen entstehen. Solche konzeptionellen Neuerungen ließen sich unschwer und schnell ausarbeiten.

7) Auch im Falle einer alternativen Rekonstruktion eines IfGW gäbe es nach meiner Einschätzung eine rechtliche Verpflichtung der Verwaltung, ein solches Vorhaben für fortbestehende geschichtswissenschaftliche Arbeit mit einem effektiven Minimum an Organisation und Kosten zu unterstützen. Das gilt ja auch für den Fall einer abschließenden 'vollkommenen' Auflösung des IfGW-Anteils am derzeitigen IfGK im Jahre 2012.

8) Ggf. muß dies allerdings gerichtlich durchgesetzt werden - wie erwähnt, letztlich auf der Basis des Art. 5 GG. Das legt nahe, ja erfordert sinnvollerweise ein auch in Zukunft andauerndes Zusammenwirken aller daran Interessierten.

9) Von besonderer Wichtigkeit könnte es sein, für die öffentlich wirksame Argumentation auch die Publikationsmöglichkeiten des Internets zu nutzen. Sie können bei geschickter Handhabung auch zu einer Art Waffe werden, deren Wirkung um so größer ist, je weiter sie reicht. Man kann - ja muß m. E. - auch als geistiger Mensch die Handhabung solcher Waffen verstehen und braucht sich m. E. nicht zu scheuen, sie einzusetzen, wenn es legitim ist, wie im Falle eines von außen aufgedrängelten 'Lichtausknipsens'.

12. Febr. 2010

Christian Gizewski



Verantwortlich: Prof. Dr. Christian Gizewski, apl. Prof. für Alte Geschichte, TU Berlin, Fakultät I - Fachgebiete Geschichtswissenschaften. Adressen: Institut für Geschichte und Kunstgeschichte, Sekr. Alte Geschichte, Franklinstraße 28/29, 10587 Berlin, TEL.: [Deutschland] 030/314-24152; Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel., AB und FAX: [Deutschland] 030/8337810; WWW-Seite: http://agiw.fak.1.tu-berlin.de, EP: christian.gizewski@mailbox.tu-berlin.de .